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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Intensiv erzählt
Montmartre - Traum und Schicksal von Marie Lacrosse
Wie es im Leben von Elise und Valérie weitergeht, erzählt Marie Lacrosse im zweiten Band ihrer "Montmartre"-Reihe hier nahtlos weiter. Valérie Dumas muss heiraten, um das Ansehen ihrer Familie zu retten und Elise beginnt nach ihrer schweren Verletzung wieder zu arbeiten.
Die Arbeit im Moulin Rouge wird nicht nur durch ihren Neuanfang geprägt, sondern auch durch den neuen Chef, der neue Programme und Programmpunkte einführt, welches die Konkurrenz der Tänzerinnen anstachelt.
Besonders Louise wird immer eifersüchtiger und lässt sich so manche Gemeinheit einfallen. Elise überfällt die Angst vor einer erneuten Verletzung und somit vor der Zukunft, denn in wenigen Jahren sind ihre Tage als Tänzerin aufgrund ihres Alters gezählt. Wie soll sie ihre Familie dann ernähren? Andere Tänzerinnen werden als Kurtisane reich, ein Lebensentwurf über den sie nachdenkt, aber noch fehlt Elise die dafür nötige Einstellung, denn ihre moralischen Werte sind hoch angesetzt.
Nach dem ersten Erstarrtsein im Gefängnis ihrer Ehe mit Baptiste ist die erneute Begegnung mit Vincent van Gogh ein Lichtblick für Valérie. Seine Nachtbilder ermutigen sie, anders zu malen, ihrem Instinkt zu folgen. Sie entpuppt sich als geschickte Verhandlerin und hat Baptiste damit in der Hand. Doch wie lange?
Des Weiteren begleiten wir auch Simone, Elises Schwester, die ganz unten angelangt ist. Man hofft mit ihr, dass ihr die Flucht aus ihrem Elend gelingen wird. Auch mit André, Elises Ex-Freund, gibt es ein Wiedersehen. In diesem Band bewegt er sich in der politischen Szene. Der Maler Henri de Toulouse-Lautrec spielt weiterhin eine verbindende Rolle zwischen den Welten der beiden Protagonistinnen, die sich diese Mal zwar nicht persönlich begegnen, nur von weitem, sie haben aber trotzdem sehr viele Berührungspunkte.
Marie Lacrosse lässt den zweiten Band in den Jahren 1889 bis 1895 spielen. Jahre, in denen in Frankreich vieles passiert: die zehnte Weltausstellung 1889 in Paris; am 1. Mai 1890 wird zum ersten Mal der Tag der Demonstration gefeiert, ein Jahr später werden Demonstranten getötet; in der Sacré Coeur wird die achtgrösste Glocke der Welt, die "Savoyarde" eingesetzt; der Panama-Skandal wird öffentlich bekannt; Alfred Dreyfus wird ungerechtfertigt verurteilt; spürbar auch das Aufkeimen eines aggressiver werdenden französischen Nationalismus. Dieses Zeitgeschehen wird eingebunden in diese Fortsetzungsgeschichte von Elise und Valérie.
Dicht gewebt erzählt die Autorin natürlich auch von der Geschichte der Moulin Rouge und der Künstlerszene in Paris. Dies alles hat sie sehr gründlich recherchiert. Am Ende des Buches geht sie noch darauf ein, was alles fiktiv oder gegebenenfalls passend für den Roman umdatiert wurde. Durch so viele verschiedene, aber sehr gut und passend eingebundene Elemente wurde auch "Traum und Schicksal" wieder ein seitenstarkes Buch. Im Gegensatz zu Band 1 wurde ich hier stärker gefesselt vom Schicksal der Protagonistinnen und der anderen Charaktere.
Dennoch kam das Ende für mich sehr abrupt. Im eBook wird man davon aus heiterem Himmel überrascht und merkt erst, dass die vorherige Seite schon das Ende war, wenn man auf Seite 475/491 plötzlich merkt, dass dies kein neues Kapitel, sondern bereits das Nachwort ist. Das Ende jedoch lässt jedem offen, wie er sich die Biografien der Protagonistinnen zu Ende denken möchte, es gibt aber auch der Autorin die Gelegenheit, irgendwann vielleicht doch noch die Leben von Elise und Valérie weiter zu spinnen.
Fazit: Eine intensiv erzählte Geschichte zwischen Tanz, Kunst, Kirche, Puff und Politik. Lesenswert!
4 Sterne.
Rezensionen von katis zettelchen:
Witziger Roman über drei ganz unterschiedliche Büroangestellte
Richtig gutes Essen von Junko Takase
Ich kenne mich mit der japanischen Kultur nicht wirklich gut aus, habe nie dort gelebt. Sie interessiert mich sehr, u.a. durch Marukamis Bücher. Ich interpretiere diesen Roman als sehr ironisch, bin mir aber nicht hundertprozentig sicher – Humor ist kulturgebunden. Vielleicht macht mir gerade deshalb dieses Buch so viel Spaß, ich lese Ironie, aber es bleibt die Spannung, ob es wirklich ironisch gemeint ist.
Eine alltägliche Situation – größeres Büro, Plot dreht sich überwiegend um drei Angestellte, den Genussmenschen, den arbeitsamen Pragmatiker, die missgünstige Aufwieglerin und ihre Dynamik untereinander, ihre Einstellung zu Arbeit, Work-Life-Balance, Ehe - und Essen als Symbol für Genuss und Lebensfreude. Zu vielem habe ich einen Bezug (Büro mit Angestellten verschiedener Funktionen, mitgebrachtes, verteiltes Essen, Essen gehen etc.), anderes ist mir fremd (exzessives Arbeiten, Einstellung zu Ehe, zu Beziehungen usw). Ich lerne einiges über die japanische Büro- und Datingkultur – aber mit Vorbehalt durch die Brille der Ironie. Witzige, überraschende Dialoge.
„Du redest quasi nie über das Essen, das vor dir steht, deshalb muss ich auch nicht jedes Mal so was sagen wie >Lecker< oder >Total zart>, auch wenn es lecker ist, reicht es, das nur zu denken, darüber bin ich echt froh. […] alle haben doch komplett unterschiedliche Vorlieben, selbst wenn alle das Gleiche essen, ist die Art, wie die Zunge den Geschmack wahrnimmt ganz und gar verschieden, aber wir vereinheitlichen es, indem wir >Lecker, lecker< sagen, mir ist klar geworden, dass das richtig belastend ist. Wenn ich mit dir esse, gibt es das zum Glück nicht. Es ist, als würde ich allein essen.“
Sehr frisch erzählt, sehr gut lesbar, lustig, wunderschöne Aufmachung – klare Leseempfehlung.
Rezensionen von nislin:
Der Buddy
Dein ADHS Buddy von Grace Koelma
Das Buch „Dein ADHS Buddy“ ist sehr liebevoll und bunt gestaltet. Es springt einem direkt ins Auge und weckt das Interesse am Buch. Das Buch ist ADHS-entsprechend abgestimmt, so muss man sich nicht von vorne nach hinten durcharbeiten, sondern kann sich gezielt mit den jeweiligen Kapiteln beschäftigen.
Stärken, die mit ADHS einhergehen, werden hervorgehoben und ADHS wird generell als nichts Verwerfliches oder zu Kompensierendem dargestellt. Beim Thema Selbstdiagnose bin ich jedoch ein bisschen kritischer und erachte eine differenzierte Diagnostik für absolut wichtig! Auch das Thema der Medikation hat mir im Buch gefehlt, da viele ihren Alltag ohne medikamentöse Unterstützung nur schwer bewältigen können.
Alles in allem ist das Buch, wie auch im Namen genannt, ein guter Buddy. Kann aber eine Diagnose weder ersetzen, noch als alleiniges Werk das Thema ADHS vollends abdecken. Als Wegbegleiter für noch Nicht-Diagnostizierte ist das Buch aber zu empfehlen!
Rezensionen von evaki:
Endlich ein Krimi mit Rätseln zum Mitdenken!
Der unsichtbare Elefant von Max A. Edelmann
Wer wirklich einen spannenden Krimi zum Grübeln in Händen halten möchte, ist beim „Der unsichtbare Elefant“ von Max A. Edelmann genau richtig. Man watet nicht durch blutrünstige Schlachtfelder, sondern darf Stück für Stück einzelnen Puzzlestückchen aneinandersetzen.
Der Einstieg beginnt mit einem Paukenschlag – in einer großen Düsseldorfer Anwaltskanzlei, einem architektonischen Gebäude mit Atrium und exklusivem Kunstobjekt im Eingangsbereich, stürzt ein langjähriger Anwaltskollege zu Tode.
Zwei Zeugen gibt es, aber keinen Täter. Das große Rätsel beginnt und lässt bis zum Schluss, der immerhin über 400 Seiten, weder Langeweile noch Eintönigkeit aufkommen. Ganz im Gegenteil, irgendwann dreht man einfach selbst die Musik auf und überlegt, was denn die Gründe sein könnten, die diesen armen Menschen zum Abgang veranlasst haben. Wen wir auf diesem Weg alles kennenlernen und wie sich verschiedene Ereignisse miteinander verknüpfen, liest natürlich Jeder für sich. Ach ja, der Leser bestimmt natürlich auch das Tempo, denn zwischen den Zeilen gibt es so viel zu entdecken, wenn man es zulässt, dass dieser, erst einfach zu lesende Krimi, zu einem absoluten Jahreshighlight werden kann! Trauen Sie sich und lassen Sie sich auf ihn ein!
Rezensionen von Matthias P.:
Leider unglaublich frustrierend zu lesen
Casebook Europarecht von Moriz Kopetzki; Corinna Potocnik-Manzouri; Franziska Tillian; Nikolaus Wieser
Leider haben sich die Autoren dafür entschieden, konsequent ausschließlich die weibliche Sprachform zu verwenden. Diese Entscheidung mag gut gemeint sein, erschwert den Lesefluss jedoch erheblich. Für mich wirkt die permanente Abweichung von der gewohnten neutralen/männlichen Sprachform unnötig anstrengend und lenkt vom eigentlichen Inhalt ab.
Statt zur Reflexion anzuregen, führt die Sprachwahl häufig zu Irritation und Frustration, was den Zugang zum Text deutlich beeinträchtigt.
Rezensionen von Lerchie:
Geschichte der jungen BRD
Konrad Adenauer von Norbert Frei
Konrad Adenauer ragt unter den Kanzlern der Bundesrepublik Deutschland heraus. Er ist es, der nach dem Krieg die erst Bundesregierung bilden konnte und die Demokratie im Westen verankerte. Dies führte zu einer Erfolgsgeschichte, die uns in der Bundesrepublik Wohlstand und frieden bescherte. Allerdings nahm er auch die Teilung Deutschlands in Kauf.
Der Zeithistoriker Norbert Frei schreibt zum 150.ten Geburtstag des Gründungskanzlers ein Portrait des Mannes, der die deutsche Geschichte nach 1945 geprägt hat. Norbert Frei Schildert Leben und Leistung des ersten deutschen Bundeskanzlers. Er beschreibt dessen politzische Stationen vom Kölner Oberbürgermeister, über die Zeit des dritten Reiches bis hin zum Gründungskanzler. Er analysiert seine Außenpolitik nach der Katastrophe, die unbedingte Westbindung, die er durchsetzte, geht auf gravierende Versäumnisse ein. Der Autor stellt einen Katholiken, einen autokratischen Parteiführer, skrupellosen Taktiker und weitblickenden Europäer und mit Skepsis begegnenden Deutschen vor. Er war einer der großen Staatmänner des 20. Jahrhunderts.
Meine Meinung
Leicht und flüssig zu lesen, war dieses Buch für mich nicht. Vor allem hatte ich Probleme im ersten Drittel des Buches mit den englischen Sätzen. Es waren zwar nicht allzu viele, aber trotzdem wäre es sinnvoll gewesen, diese z.B. dahinter Klammern zu übersetzen. Denn ich gehöre zu der Generation, die Englisch nur sporadisch gelernt hat. Ich hatte mich damals dagegen entschieden, weil ich eben damals den Sinn nicht sah. Allerdings habe ich das inzwischen schon oft bereut. Und ich bin mit Sicherheit nicht die Einzige, die das nicht versteht und das hätte vom Autor berücksichtigt werden müssen. Deshalb gefiel mir dieser Abschnitt nicht sonderlich, auch wenn er informativ war. Erst als die Bunderepublik gegründet wurde, wurde der Text dieser Biographie verständlicher. Was mich nicht so gut gefiel ist, dass der Autor mehr auf Adenauers Fehlern herumritt, die er mit Sicherheit gemacht hat, wer ist schon ohne Fehler. Anderes wurde oft nur kurz erwähnt. So hat Adenauer wohl eine frühe Wiedervereinigung verhindert, indem er die Bundesrepublik an den Westen gebunden hat. Doch was wäre das für eine Wiedervereinigung gewesen? Wer weiß wo wir dann heute stehen würden. Denn die UdSSR hätte einer Souveränität Deutschlands nie zugestimmt. Dank Adenauer können wir heute in Freiheit leben. Außerdem vermute ich, dass Adenauer, damals nach Moskau nicht wegen der Wiedervereinigung, sondern wegen der Befreiung so vieler deutscher Gefangener gereist ist. Das Wort Wiedervereinigung war vermutlich nur Mittel zum Zweck. Ich kann gut verstehen, dass Adenauer Ludwig Erhard nicht als Nachfolger wollte. Was daraus wurde, hat die Partei ja dann gemerkt. Gut gefallen hat mir das letzte Kapitel, genannt Der Patriarch. Hier sind Verdienste des Kanzlers dann doch vom Autor gewürdigt worden. Insgesamt gesehen war es jedoch ein Buch mit vielen Informationen, dich ich vorher nicht hatte, vorausgesetzt sie stimmen alle. Eine Überprüfung erwäge ich nicht, das ist mir zu umfangreich. Für alle, die Interesse an der Geschichte der jungen Bundesrepublik haben, ist das Buch zu empfehlen auch wenn es staubtrocken ist. Ich weiß jetzt, warum ich Biographien nie mochte, solche aber inzwischen doch lese. Allerdings nur von Personen, die mich interessieren, weshalb ich diese lesen wollte. Von mir, gerade wegen der nicht übersetzten Sätze, nur vier Sterne.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Interessanter humoristischer Ausflug eines Comedians in die Manosphere
Alpha-Boys von Aurel Mertz
Aurel Mertz ist mit starken Frauen aufgewachsen und hat von klein auf die Power von Mama, Schwester, Oma erlebt, genauso wie einen progressiv eingestellten Vater. So hat er im Erwachsenenalter mit Erstaunen das Erstarken sehr konservativer, längst überwunden geglaubter Männlichkeitsideale in vielen Gesellschaften bemerkt.
Mir ist der Autor sehr sympathisch und man merkt ihm an, dass er sich - vielleicht auch aufgrund eigener Marginalisierungs- und Diskriminierungserfahrungen als PoC mit einem ghanaischen Großvater - selbst schon viel Perspektiven jenseits derer weißer, mächtiger Männer auseinandergesetzt hat.
Neugierig und humorvoll begibt er sich in diesem Buch auf die Spuren der sogenannten "Manosphere", beschäftigt sich mit Donald Trump genauso wie mit der Incel- und Red-Pill-Bewegung, mit Pick-Up-Artists, dem konservativen kanadischen Psychologen und Influencer Donald Peterson oder einem Männlichkeitsmentor, der im balinesischen Dschungel ein Camp für angehende Alphamänner veranstaltet.
Authentisch und humorvoll analysiert der Autor, was in diesen Bereichen der Gesellschaft los ist, welche Männlichkeitsideale dort vertreten werden und was die Auseinandersetzung damit mit ihm selbst als Mann mit progressiven, linken Einstellungen macht.
Wer sich noch nicht viel mit diesen Trends beschäftigt hat, bekommt durch dieses Buch interessante Impulse, wo man näher hinschauen könnte, um diese kontroverse Zeitgeistbewegung besser zu verstehen. Ansonsten ist es aber auch einfach eine unterhaltsame Lektüre bzw. in der Audioversion ein vom Autor selbst humorvoll vorgetragenes unterhaltsames Hörbuch, das ich empfehlen kann.
Im Nachwort erwähnt er übrigens, dass er das auf dem Cover sichtbare Tierschutzkätzchen gemeinsam mit einem zweiten Kätzchen adoptiert hat: ein weiterer Sympathiepunkt für den tierlieben Autor, Sprecher und Comedian.
Rezensionen von yellowdog:
Ankommen in Maine
Hazel sagt Nein von Jessica Berger Gross
Eine Familie zieht von New York nach Maine. Da gibt es einen Vorfall, der alles ändert. Die 18jährige Schülerin Hazel wird von ihrem Direktor angemacht. Sie sagt nein und entzieht sich. Doch das spricht sich rum und spaltet die Gesellschaft. Viele glauben Hazel nicht und ein Shitstorm steigert sich bis zu antisemitischen Ausmaßen.
Der Roman zeigt sehr gut, wie die Entwicklung ihren Lauf nimmt und was das bei allen Familienmitgliedern auslöst. Doch Hazel geht schließlich selbst an die Öffentlichkeit und behauptet sich.
Ironischerweise kommt Hazels Vater selbst in eine MeToo-mäßige Klemme, als er als Professor vor seiner Klasse über Bill Cosby spricht.
Mich erinnert der Stoff des Buches latent an den Film After the Hunt.
Hazel sagt nein geht dann aber doch seinen eigenen Weg.
Das Buch ist zwar nicht so komplex wie eins von Elizabeth Strout, aber ein richtiger Maine-Roman ist es dann doch noch geworden.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine klare Leseempfehlung!
Anbandelt von Martina Parker
In ihrem 6. Gartenkrimi rund um Hilda und Vera Horwath finden wir uns plötzlich Ereignissen aus den 1970er-Jahren gegenüber, die einen Einblick in das Leben einer Kommune gewährt. Doch der Reihe nach!
Zunächst wollen die Mitglieder des Gartenklubs eigentlich nur den spektakulären Wüstengarten des Ehepaares Wurglitsch besichtigen, als sie über den leblosen Körper von Uwe Rohbeuschel stolpern.
Eigentlich müsste er tot sein, doch Rohbeuschel erwacht im Leichensack. In seiner Empörung erzählt er von Weinberghexen, die ihn attackiert hätten. Nun ja, mit knapp 5 Promille sieht einer weiße Mäuse und ein anderer eben Weinberghexen. Sofort beginnt der Klub zu recherchieren
Nahezu gleichzeitig zettelt Hilda eine Protestaktion gegen die Schließung des örtlichen Supermarkts an, rammt dabei einen dabei einen Gegner solcher Aufstände, Ludwig, der ihr wenig später aus vollem Herzen dafür dankt, bekommt er doch wegen dieses „Attentates“ sofort eine künstliche Hüfte, statt Monate darauf zu warten. Doch Ludwig hat noch andere Sorgen. Seine Schwester wollte ihn hier im Südburgenland treffen und ist bislang nicht aufgetaucht. Mit Hilfe von Vera und der Kriminalbeamtin Marlies Murlasits gelingt es, (auf nicht immer ganz legalen Wegen) eine Spur zu der Vermissten zu finden, deren Mietwagen seit längerem auf dem Parkplatz vor dem Lokal des örtlichen Gin-Produzenten, dem Dunkel Tom, den auch Vera besser kennt, als ihr gut tut, geparkt ist. Die einzige Spur zu Ludwigs Schwester sind zahlreiche SMS, die Drohungen gegen das Ehepaar Wurglitsch ausstoßen und tief in die Vergangenheit zu einer Sekte in die 1970er-Jahre führt.
Meine Meinung:
Was für ein kolossales Durcheinander! Keine Angst, Schritt für Schritt wird alles penibel aufgelöst. Die Gemeinschaftsarbeit Kriminalpolizei, Journalistin Vera sowie Hilda und die Gartenfreundinnen, die von nun an durch Felix Csar, Tierarzt im benachbarten Buchenschachen, verstärkt werden, führt uns tief in die Vergangenheit einer Kommune, die an jene von Otto Mühl und seinen Friedrichshof angelehnt ist, wie Autorin Martina Parker im Nachwort erzählt.
Auch Oma Hildes Protestaktion zur Rettung des Nahversorgers hat ein reales Vorbild. Als im August 2023 ein Supermarktkonzern ausgerechnet jene Filiale, die in rund 750 Schritt Entfernung zum Oberwarter Pensionistenheim liegt, schließen will, machen die Pensionisten mobil. Unterstützung erhalten die wehrhaften Rentner vom Oberwarter Bürgermeister Georg Rosner, den ich ganz gut kenne.
Wie immer bevölkern zahlreiche skurrile Charaktere den Krimi. Zu den bekannten Originalen kommt mit Chefinspektor Marvin Pauser, der den, auf Reha weilenden Vorgesetzen von Marlies, Franz Grandits, vertritt, ein besonders fieses Exemplar an Frauenhass und Eigenbrötelei, ans Tageslicht. Das Gute ist, seine Tage sind gezählt, aber bis dahin hat Marlies einiges an blöden Machosprüchen auszuhalten.
Wie schon in den fünf Vorgängern gibt es zu Beginn jedes Kapitels eine interessante Information zu Flora oder Fauna. Ebenso dürfen einzelne Einheimische im südburgenländischen Dialekt sprechen, eine Übersetzung wird natürlich angeboten.
Wie es mit Hilda und Ludwig weitergeht, erfahren wir hoffentlich bald in einem 7. Band.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Krimi, der beste Krimi-Unterhaltung ist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung für die ganze Reihe.
Rezensionen von jori1020:
Coming of Age zwischen Stadt und Land
Spielverderberin von Marie Menke
Ein Coming-of-Age-Roman zwischen vermeintlicher Dorfidylle und Großstadtwirren – so lässt sich der Debütroman von Marie Menke vielleicht am treffendsten beschreiben. Auf zwei Zeitebenen erzählt sie die Geschichte der Freundschaft dreier junger Frauen. Die Erzählerin Sophie und ihre Freundin Lotte wachsen gemeinsam in einem kleinen Dorf im fiktiven Südthland auf.
In der Oberstufe kommt Romy dazu, ein Stadtkind aus München, das mit ihrer freieren, mutigeren, aber auch sprunghaften Art eine neue Dynamik in die Gruppe bringt. Die ohnehin fragile Balance der Freundschaft gerät zunehmend ins Wanken und droht auseinanderzubrechen.
Als Romy und Sophie zum Studieren nach Köln ziehen, kommt es zu einem Vorfall, der auch Jahre später noch tiefe Spuren bei allen drei hinterlässt. Vier Jahre später verschwindet Romy plötzlich ins Ausland, und alte Wunden brechen bei Sophie erneut auf. Nach und nach erfahren wir als Leser*innen, wie sich die Freundschaft entwickelt hat und was in jener Nacht in Köln tatsächlich geschehen ist.
Der Roman ist dicht erzählt und entwickelt eine starke Sogwirkung. Die innere Zerrissenheit der drei Freundinnen wird sehr authentisch eingefangen. Besonders gelungen fand ich die Perspektive des Ankommens in der Großstadt aus der Sicht einer jungen Frau vom Land und die Darstellung dieses neuen, oft überfordernden Lebensabschnitts. An einigen Stellen verliert sich die Erzählung jedoch etwas in den Gedanken der Protagonistin, wodurch es nicht immer leicht fällt, die Ebenen von Vergangenheit und Gegenwart klar voneinander zu trennen. Auch wirkte manches für meinen Geschmack etwas zu stark zugespitzt und die Auflösung konnte mich nicht vollständig überzeugen.
Ich habe den Roman als Hörbuch vom Argon Verlag gehört. Henriette Schreurs ist dafür eine ausgezeichnete Besetzung. Ihre Stimme passt hervorragend zu den Figuren und sie versteht es, die Atmosphäre und emotionalen Stimmungen der Geschichte sehr feinfühlig zu transportieren – ein echtes Perfect Match.











