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Rezensionen von yellowdog:

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Vorauserinnerungen

Das Leben, das wir nie haben werden von Timothée de Fombelle

1943, zur Kriegszeit in Frankreich. Claire schreibt auf einer Schreibmaschine die Worte, die ein Mann ihr diktiert. Es sind verbotene Blätter.
Jetzt wartet sie auf ihn, der nicht kommt.

Claire imaginiert ein Leben in der Nachkriegszeit während sie auf den Mann wartet, der zur Resistance gehört.

Sie sieht sich als junge Mutter und sogar als alte Frau. Durchmengt wird das gelegentlich durch Erinnrungen der Kinderzeit. Das sind vor allen Sinneseindrücke.

Das Buch ist ganz Gefühl. Zwischen Sehnsucht, Hoffnung und Angst angesiedelt, enthält der Text eine Melancholie und hohe Dichte.

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Vorauserinnerungen
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Erzählerische Eleganz

Die Woche danach von Helga Schubert

Wenn man mehrere Bücher von Helga Schubert gelesen hat, sieht man die Zusammenhänge, die teilweise autobiografisch bedingt sind, teilweise auch thematisch.
Sie hat Jahrelang ihren demenzkranken Mann gepflegt. Dieses Buch setzt nach seinem Tod ein. Er wurde 98 Jahre alt. Fast 5 Jahrzehnte waren sie verheiratet.

Neben den Gedanken an ihren Mann schreibt Helga Schubert auch über Ingeborg Bachmann und den Bachmannpreis, zu dem sie in DDR-Zeiten nicht lesen durfte, später aber Jurorin wurde und als Autorin den Preis 2020 sogar gewann. Mich konnte vieles am Buch wirklich fesseln.

Gerade bei diesem Buch beeindruckt mich Helga Schuberts erzählerische Eleganz.

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Essay mit kurzen Kapiteln und mit rotem Faden

Welt mit anderen Mitteln von Nora Bossong

Von Nora Bossong habe ich schon mehrere Romane gelesen. Mir sind da keine christliche Symbolik aufgefallen. In diesem Buch aber widmet sie sich intensiv mit Themen des Glaubens. Als kritische Gläubige schreibt sie auch deutlich über die Fanatiker z.B. aus den USA wie Kardinal Burke, J.D.Vance und auch Schattenseiten des Papstes Leo erwähnt sie.

Dafür kommen Äußerungen von Papst Franziskus besser weg.
In erster Linie widmet sie sich aber Themen wie Trauer und Trost, Spiritualität, Zweifel, Ängste und ähnlichen. Die einzelnen Kapitel wirken auf mich wie kleine Essays, aber natürlich ist auch alles miteinander verbunden und es gibt einen roten Faden. Die Autorin ist nicht naiv und hat alles gut durchdacht. So kann ein Buch gelingen, wenn eine Autorin wirklich tiefer einsteigt und vermag, ihre Eindrücke und Gedankengänge mitzuteilen. Ein einfaches Buch ist es aber auch nicht, manchen habe ich nicht auf Anhieb folgen können, z.B. wenn sie sich auf christliche oder philosophische Texte bezieht.
Das ganze Buch hat eine so hohe Glaubwürdigkeit, weil die Autorin schon im ersten Kapitel von der Pandemie und dem überraschenden Tod ihres Vaters erzählt.
Es dürfte sich lohnen, sich in das eine oder andere Kapitel auch nochmals zu vertiefen.

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Essay mit kurzen Kapiteln und mit rotem Faden
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Róisín

Red von Louise Kennedy

Zuletzt habe ich die Kurzgeschichten von Louise Kennedy sehr bewundert. Mit Red gibt es jetzt wieder einen Roman und der Stoff brauchte auch diesen größeren Ansatz, denn die Handlungen deckt einen großen Zeitraum ab. Erst zieht sich der Roman durch die Achtziger Jahre in Irland und London, später gibt es einen Sprung ins Jahr 2007.

Red ist für mich in erster Linie ein Zeitporträt, das insbesondere London zeigt.
Dazu gehören auch die vielen kulturellen Anspielungen, wobei es zum Glück nicht zu einem blosen Namedropping führt.
Louise Kennedy arbeitet die Sensibilität ihrer Figuren gut heraus, wobei es vor allen Róisín betrifft, denn ihr Freund Red ist eher verschlossen.
Kennzeichnend für Kennedys Stil sind die Dialoge, die vordergründig meist ironisch gehalten sind. Aber man erkennt sofort die Emotionalität.

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Ein ganzes Leben

Die Flussfrau von Tanja Weber

Tanja Weber überzeugt mit dem Ansatz, das ganze Leben einer Frau zu erzählen. Anneliese, später nur Lis genannt, wuchs in Kriegszeiten auf, erlebte die schweren Nachkriegszeiten in Deutschland und wurde nach dem Tod ihres Mannes Kapitänin auf ihrem Frachtschiff Heidi.
Tanja Weber zeigt, wie schwer es oft war, nicht nur für Lis.

Lis war eine starke Frau, aber das musste sie auch sein, denn das Leben als Kapitänin war arbeitsreich und sie musste auch auf viel verzichten.
Dennoch erlebte sie mit dem Griechen Vassili eine Liebe, die sie mit ihrem gewalttätigen Mann nie kannte.
Ihrer Freundin Edith hält sie die Treue, auch deren Tochter Karin, die eines Tages als Teenager bei ihr auftauchte.

Man kann von anspruchsvoller Unterhaltungsliteratur sprechen. Stilistisch solide im positiven Sinne gemeint. Imponierend die Erzählerische Geradlinigkeit der Autorin.

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Suki

Suki von Salih Jamal

Unangepasste Teenager sind ein Klischee in der Young Adult-Literatur. Das ist kein einfach zu bearbeitendes Thema.
Die schwierige Situation, wenn man erst einmal in diese Rolle abgerutscht ist, wie Suki, kann man sich gut vorstellen. Suki lebt bei ihrer Großmutter und ist schon sitzen geblieben. Motivationslos lässt sie die Schule nur über sich ergehen.

Es ist die Lehrerin Anne Fischer, zu der Suki schliesslich Vertrauen aufbaut.
Eine Berührung, die Frage Was fehlt dir. Das baut eine Art Beziehung auf. Anne hat offensichtlich einen schweren Verlust erlitten.
Zwei seelisch Verletzte. Das verbindet sie.
Der Auror Salih Jamal hat die Geschichte sensibel und behutsam gestaltet.
Nur die Traumsequenzen haben mich in ihrem aufgesetzten poetischen Ansatz weniger überzeugt.
Suki ist als nachvollziehbare Figur gelungen, die Lehrerin bleibt ein wenig zu distanziert. In der Summe würde ich ca. 3,5 von 5 Sterne geben.

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Rimas Geschichte

Der blaue Stift von Samar Yazbek

Samar Yazbek hat ein forderndes Buch geschrieben, in dem eine junge rau in Syrien von ihrem eben während des Kriegs erzählt. Es wird von Qualen und Hoffnungslosigkeit gesprochen.
Für die junge Rima ist es nicht einfach. An einem Kontrollpunkt wird ihre Mutter erschossen, sie wird verletzt. Ihr Bruder holt sie aus dem Krankenhaus, aber hr Lage bleibt schwierig.

Der Prosa ist eine eigentümliche Poetik zu eigen. Sie konzentriert sich überwiegend auf einen Bewusstseinsstrom der Protagonistin. Das ist bemerkenswert.

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Das historische Berlin und der Spreewald 1890

Die neue Mittagsgöttin von Günter de Bruyn

Die neue Mittagsgöttin, diese Nacherzählung eines Romans von 1891, ist wahrscheinlich nicht das wichtigste Werk von Günter de Bruyn, aber doch ein sehr schönes Stück Prosa. Die Novelle vermittelt ein starkes Bild vom Berlin und Spreewald 1890. Günter de Bruyn schafft einige eindrückliche Beschreibungen.

Ein Nachwort von Peter Walther schließt das Buch.
Gut, dass diese Stück Literatur posthum noch erschienen ist. Es zeigt ein letztes Mal, dass dieser Autor immer ein literarisches Niveau gehalten hat.

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Ein deftiges Buch

Die Hölle gibt es nicht von Jáchym Topol

Jáchym Topol ist einer der bekanntesten Tschechischen Schriftsteller unserer Zeit. Mit Die Hölle gibt es nicht hat er ein neues umfangreiches Buch vorgelegt. Im Mittelpunkt der mittelalte Journalist Tomas. Ein Macho, ein Säufer und kein guter Vater. Eine problematische Figur, mit der man als Leser Probleme haben könnte.

Es ist 2022, aus offensichtlichen Gründen ein entscheidender Zeitpunkt im politischen Leben. Über Tomas brechen viele Schwierigkeiten politischer, arbeitstechnischer wie privater Art herein.

Der Roman hat relevante sogar wichtige Themen, aber so ganz schlüssig erscheint mir der Text nicht. Eine sprachliche Wucht kann man dem Buch aber nicht absprechen. Meine persönliche Wertung liegt bei 3,5 von 5 Sternen.

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Stadt der Erinnerungen

Die dunkelste Nacht eines langen Winters von Barbaros Altug

Barbaros Altuğ schreibt einem Ton, der leichte Melancholie besitzt, und auch sofort ansprechend wirkt.
Der Erzähler ist ein türkischer Schriftsteller, der Istanbul verlassen hatte und jetzt in Berlin lebt. Das Verschwinden eines Mannes lassen ihn zurückkehren in die Stadt der Erinnerungen.
Als Exilant ist er bei den Nationalisten in Istanbul nicht mehr willkommen.

Doch für den verschwundenen Güneş und für alle, die wie er zum Schweigen gebracht und vergessen wurden, muss er weiter nach der Wahrheit suchen.
Schließlich findet man Güneş tot auf.

Barbaros Altuğ gibt einen Einblick in ein Land, in dem es eine Stimmung gegen Menschen anderer Orientierung gibt und zeigt die Gefühlslage der Betroffenen.

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Stadt der Erinnerungen