Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Ein spontaner Plan
Nichts als heiße Luft von Yves Ravey
Yves Ravey ist der Meister des Kurzromans. Nichts als heiße Luft hat den Hauch von Wenn der Postmann zweimal klingelt. Dazu gehören ein Loser, ein reicher Mann und eine Femme Fatal.
Noir-Elemente gibt es, aber ein Kriminalroman ist es kaum. Vorherrschend sind eine Stimmung, die sich aus der Situation heraus ergibt und ein nüchterner Ton des Icherzählers, der von Lakonie durchzogen ist.
Morde in Lark
Bluebird, Bluebird von Attica Locke
Bluebird, Bluebird ist ein preisgekrönter Kriminalroman, der straight und sorgfältig geschrieben ist. Es ist auch der Start einer Reihe (Highway59).
Das Buch hat Besonderheiten, z.B. das er im Osten von Texas angesiedelt ist und dass ein schwarzer Texasranger die Hauptfigur ist.
In einer Kleinstadt sind 2 Tote aufgefunden worden.
Ein schwarzer Anwalt und eine junge Frau. Texas Ranger Darren Mathews ist zwar eigentlich suspendiert, dennoch ermittelt er. Darren ist eine große, nicht ganz einfache Figur, mit familiären Problemen. Er kann den Roman tragen.
Die Auflösung des Falls ist komplex. Kein Wunder, dass der Roman den Edgar-Award gewonnen hatte.
Das Geheimnis der Berthe Morisot
Die Farben von Paris von Rainer Moritz
Es beginnt in der Gegenwart mit Rodney, ein Kenner der Kunstgeschichte, der sich schon lange mit der Geschichte von Berthe Morisot beschäftigt. Sie war Mitte des neunzehnten Jahrhunderts eine Malerin des Impressionismus.
Ihr Werk ist typisch für diese Stilrichtung.
Wer sich mit dieser Kunstrichtung einmal beschäftigt hat, wird auch auf sie gestoßen sein.
Als Frau war sei eine Außenseiterin.
Rodney kehrt immer wieder für seine Forschungen nach Paris zurück.
Zwischendurch geht Rainer Moritz dann in Berthe Morisots Zeit zurück und zeigt sie und ihre Emotionen mit großer Behutsamkeit und Sensibilität.
Am Ende steht ein Brief der Malerin an ihre Tochter, der ein großes Geheimnis enthüllt.
Eine feines Buch. Ich freue mich schon auf einen zweiten Lesegang!
Der Tote im Steinbruch
Zeiten erhöhter Gefahr von Julia von Lucadou
Zeiten erhöhter Gefahr ist ein interessanter Roman über den seelischen Zustand eines Manns mittleren Alters, dessen Leben ziemlich festgefahren ist. Von der Familie schon lange getrennt, lebt er hauptsächlich für die Arbeit.
Als er überraschend einen toten Mann findet, kommt er außer Tritt. Er kann nicht akzeptieren, dass die Polizei das für Selbstmord hält.
Er stellt auch sein Leben und seine Vergangenheit in Frage. Gleichzeitig ist aber auch die Gegenwart ein Ort der Unsicherheit geworden.
Julia von Lucadou schreibt ihren Text mit großer Intensität. Aber man sollte keinen Thriller erwarten sondern ein psychologisch ausgefeiltes Buch.
souverän geschrieben
Kanzlerkino von Mirko Bonné
Mirko Bonnes neuer Roman Kanzlerkino erzählt von einem Mann aus der DDR, kurz nach der Wende: Bernd Vomturm
Die Erzählstimme liegt aber anfangs bei seinem Freund aus alten Zeiten, Lutz.
Die DDR-Vergangenheit hat die Männer geprägt. Da gab es auch Bespitzelung. Das lässt sich nicht ohne weiteres abschütteln.
Täter und Opfer gehen sehr unterschiedlich damit um.
Ausgerechnet die zentrale Figur Bernd bleibt mir lange eher fremd, dafür ist Mirko Bonne gut bei den lebendigen Nebenfiguren.
Es ist ein ruhiger, sorgfältig gemachter Roman, wie man es von Mirko Bonne gewohnt ist.
Der Hund miaut, die Katze bellt
Bellende Katzen von Eka Kurniawan
Ein Roman aus Indonesien, der durch die prägende Erzählstimme des jugendlichen Protagonisten auffällt. Sato Reang ist ein Junge, der sich religiösen Dogmen widersetzt um Selbstbestimmung zu erlangen. Der Text wechselt manchmal vom Ich zum Er, in der sich Sato wie von außen betrachtet. Umso genauer erfährt man von seinen Gedanken, die auch seine Zweifel zeigen.
Der Roman hat Witz, aber auch bittere Stellen.
Eka Kurniawan war mir mit seinem lebhaften Stil bereits mit seinem großartigen Roman Tigermann aufgefallen.
Auch Bellende Katzen ist ein schmales Buch, bei dem der Autor viel Geschick beim Konstruieren einer aufwühlenden Geschichte aufweist.
Geheimnisvolles in der Allan Gardens Public Library
Besondere Vorkommnisse von Martha Baillie
Der Wagenbach-Verlag hat oft ganz besondere Bücher, und dieses gehört auf jeden Fall dazu. Es hat eine ungewöhnliche Erzählform, da es ausschließlich aus Berichten besteht.
Die Handlung spielt sich in einer Bibliothek in Toronto ab. Die Berichte stammen von der 32jährigen Bibliothekarin und es sind ungewöhnlich viele außergewöhnliche Vorfälle, die da geschehen.
Viele der Nutzer verhalten sich auffällig. Nicht selten gibt es Konflikte. Außerdem tauchen da Briefe auf, die die Protagonistin als persönlich und bedrohlich empfindet.
Hinzu kommt ihre Beziehung zu dem Künstler Janko.
Das Buch ist trotz der Form gut lesbar und wird nie langweilig. Empfehlenswertes Buch!
Die Jahre in Madagaskar
Bäume, wenn sie fallen von Fanny Wobmann
Das Buch liest sich trotz zahlreicher guter Formulierungen weniger als Roman als wie ein autofiktionaler Bericht. Tatsächlich zitiert die Autorin an einer Stelle auch einmal Annie Erneaux.
Fanny Wobmann lebte als Kind 4 Jahre in Madagaskar, weil ihr Vater als Förster dort als Entwicklungshelfer tätig war.
Jetzt als Erwachsene und als Autorin erinnert sie sich an die Zeit und versucht sie zu werten. Nicht bei allen Erinnerungen ist sie such sicher, ob alles stimmt. Sie tritt in Briefwechsel mit ihrer damaligen Freundin Nirina, um eine weitere Perspektive auf das Leben in dieser Zeit zu erhalten. Sie befragt auch ihre Eltern und Filmemacher, die damals in Madagaskar drehten.
Die Wirkung der Entwicklungsarbeit sieht sie durchaus teilweise auch kritisch.
Es ist ein interessantes Buch, auch weil die Autorin so einen tiefen Einblick in ihre Erinnerungs- und Schreibarbeit gibt.
Mein Hasenherz schlägt schneller
Freunde von früher von Micha Lewinsky
Bela ist ein Mann Anfang Fünfzig und befindet sich mitten im Midlife, also noch keine Krise, aber die Erinnerungen an seine Zeit mit Freunden in der WG sind nostalgisch.
Seine Freundin Katja hat den Vorteil, dass sie jung ist. Und dann auch noch schwanger. Bela weiß nicht genau, wie er das finden soll.
Er ist ein typisch zweifelnder, unsicherer Protagonist, der aber nur wenig an den von Micha Lewinskys ersten Roman „Sobald wir angekommen sind“ erinnert.
In mehreren Passagen geht es in die Vergangenheit, sogar Kindheit. Es wird gezeigt, was Bela geprägt hat.
Das Absurde von dem Buch hat „Freunde von Früher“ nicht. Es ist aber nicht schlecht geschrieben und ich könnte mir den Stoff gut als Fernsehfilm vorstellen.
Semper et ubique
Mein privates Glück von Michael Köhlmeier
Der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier erzählt auf undramatische Weise eine Familiengeschichte. Es sind die fünfziger und sechziger Jahre. Das wird deutlich auch ohne das Köhlmeier plakativ viel Zeitkolorit einsetzt. Es ergibt sich ganz aus der Sprache und den Wahrnehmungen des Jungen.
Vieles bleibt in der Schwebe, der Vater bleibt irgendwie ein Fremder.
Mitte des Buches ist der Protagonist Student und man erfährt, was ihn prägt.
Leser, die Spannung suchen, sind hier falsch. Selbst für Köhlmeier-Verhältnisse geht es sehr ruhig zu. Dafür erfährt man viel von einem Leben, und das hat Bedeutung.











