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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

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Abbruch - trotz schönem Schreibstil

Dem Meer entgegen von Lidija Hilje

Ivonas Vater hat ein kleines Hotel gebaut und nun vergibt die Bank keinen Kredit mehr, was vor allem für ihren Vater eine Tragödie ist. Verkaufen wollen sie noch nicht, aber sie sollte. Ihr Ex-Mann Vlaho arbeitet auf dieser Bank, und auch er kann nur zum Verkauf raten. Ivona wäre ohne Hotel frei für ihre Leidenschaft, dem Olivenanbau.

Ivona hat ihren Mann Vlaho vor einigen Jahren verlassen, doch noch immer liebt sie ihn. Er weiss den wahren Grund für die Trennung nicht, nach und nach aber bekommt die Leserschaft eine Ahnung davon. Vlaho ist mittlerweile wieder verheiratet und hat zwei Kinder.

Auf diesem Gerüst beginnt dieser langsam erzählte Roman. Neben der Sorge um ihren Vater, das Hotel und ihren Beruf spürt man deutlich, wie sehr sie die Scheidung bedauert und darunter leidet. In Ivonas Gedanken reist man mit in ihre Vergangenheit, erlebt die erste Liebe mit und man merkt schnell, was bzw. wer hinter der Idee der Scheidung steckt, es wird immer wieder angedeutet, bis es auch gesagt wird. Nur Vlaho weiss noch immer nichts.

So sehr ich den Sprachstil von Anfang an mochte, so sehr ärgerte ich mich über den Plot dieses Buches, der zudem noch einen sehr schönen Titel trägt: "Dem Meer entgegen." Das hört sich melancholisch an, aber die Atmosphäre war um einiges schwerer und fast schon bedrückend.

Ob Ivona dem Meer entgegen reiste, weiss ich nicht - wahrscheinlich schon, sonst wäre der Titel unpassend, und es hat sich so was angedeutet -, denn ich habe den Roman nach 40% abgebrochen, da ich genug habe von Romanen, die auf solche "Geheimnisse" bzw. ein Verschweigen von etwas, aufgebaut sind. Man könnte einfach miteinander kommunizieren - aber dann gäbe es dieses Buch nicht. Und sowas mag ich mittlerweile einfach nicht mehr lesen.

Fazit: Abbruch - trotz schönem Schreibstil. Der Plot müsste halt auch überzeugen, was hier nicht der Fall war.
2 Sterne.

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Abbruch - trotz schönem Schreibstil
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Zwiebeln oder Krimifestival?

Bretonischer Glanz von Jean-Luc Bannalec

Wenn ich nach Roscoff fahren würde, dann eher zum Krimifestival, aber sicher nicht zu den Zwiebel-Festtagen. Bei Kommissar Dupin würde die Entscheidung gegenteilig ausfallen. Doch er wird ans Krimifestival gerufen, da im Festivalhotel eine ermordete Frau aufgefunden wurde. Kadeg freuts, denn er ist bereits vor Ort, und auch einige Krimiautor:innen freuen sich, als sie Kommentar Dupin erblicken.

Einer davon ist enorm hartnäckig, will er doch seine neue Reihe mit einem Ermittler mit Dupin als Vorbild gestalten. Alle, sogar der Präfekt, sind begeistert davon, bloss Dupin nicht. Er interessiert sich nur dafür, seinen neuen Fall möglichst schnell zu lösen.

Obwohl die junge Frau beim Kriminalfestival-Hotspot ermordet wurde, ist das Tötungsmotiv unklar. Sie war Zwiebelbäuerin und in einigen Vereinen aktiv, ebenso ihr Partner, der auf einem Fährunternehmen arbeitet. Hier wie dort geht es um wirtschaftliche Interessen, bei denen sich die Einwohner Roscoffs uneinig sind.

Das Team um Dupin geht vielen Spuren und Ansätzen nach, und kaum haben sie mit den einen gesprochen, führen neue Erkenntnisse zu den anderen und wieder zurück. So bleibt nicht viel Zeit zum Essen und Espresso trinken - aber der Genuss kommt dennoch nicht zu kurz.

Durch das viele Herumfahren ist der Krimi sehr rasant, aber für einmal bleibt die Spannung deshalb ein wenig auf der Strecke, was dem Lesevergnügen aber nicht im Geringsten schadet. Das Team um Dupin lernst selbst noch einiges dazu in diesem Fall. Ich hoffe zumindest, dass ihnen derselbe Fehler nicht mehr passiert und in sie in Zukunft diesbezüglich aufmerksamer sind.

Besonders gefallen hat mir, dass man mit diesem Band wieder eine neue sehenswerte Ortschaft mit seinen Spezialitäten kennenlernt.

Fazit: Erneut tolle Krimi-Unterhaltung von Jean-Luc Bannalec!
4 Sterne.

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Zwiebeln oder Krimifestival?
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Da kommt keine Langeweile auf!

Léon und die Frau im blauen Kleid von Alexander Oetker

Eine neue Krimireihe von Alexander Oetker, diesmal in Nizza angesiedelt, geht mit "Léon und die Frau im blauen Kleid" an den Start.

Léon de Cavallier - das "de" kommt nicht von ungefähr - müsste nicht arbeiten, die Arbeit als Kommissar ist eher ein Hobby für ihn. Aber ohne sein "Hobby" wäre ihm sein Leben zu langweilig.

Auf dem Kommissariat ist er nicht beliebt, da er seinen Ruf als arroganter Adeliger richtiggehend zelebriert. Nun, da sein Partner pensioniert wird, sollte eigentlich Loïc mit ihm unterwegs sein, doch der bleibt lieber auf der Station und macht Hintergrundrecherchen. Léon ist heikel und arbeitet nicht mit allen gleich gerne zusammen, seine Partner sind handverlesen und so wundert es nicht, dass Léon überhaupt nicht begeistert ist, als ihm ohne Ankündigung eine neue Partnerin, Nadia Bentaleb, zur Seite gestellt wird. Auf den ersten Blick passen sie äusserlich auch nicht zusammen: Léon im Massanzug und Ferrari. Nadia mit Lederjacke und Kawasaki.

Diesen Krimi-Auftakt zu lesen macht mega viel Spass. Nadia Bentaleb nimmt es mit Léon auf und schnell merkt man, dass sie voneinander lernen können. Nadia weiss, wie mit den Klienten aus den Vorstädten umzugehen ist, da sie selbst aus der Banlieue stammt. Léon kennt die Reichen und weiss, wo er den Schalter bei der Créme de la Créme anlegen muss. Als Team ergänzen sie sich perfekt.

Über Nadias Privatleben erfährt man zwar auch etwas, aber nicht ganz so viel wie bei ihrem Partner in crime, ausserdem scheint Paris weit weg von der Côte d'Azur. In Léons Familie werden Klischees erfüllt: sein Vater Betrand ist geschieden, Léon hat nun eine junge Stiefmutter namens Christelle, die das Geld des Vaters mit vollen Händen ausgibt. Sie lässt die gute Seele des Hauses, Haushälterin Ornella gerne unnötige Arbeiten verrichten. Léons Mutter Mathilde hingegen lebt zurückgezogen in der Nähe des Marktplatzes und ist ansonsten im geteilten Landhaus in Saint-Tropez anzutreffen.

Wir Leserinnen und Leser bekommen Einblick in das Leben des wahren Léons, Zugang zu seinen Gedanken und sein sehr privates Privatleben. In diesem Zuge erfährt man gegen Ende auch, um was es - zumindest teilweise - im zweiten Band gehen könnte. Von mir aus hätte man beide Bände gleichzeitig veröffentlichen können. Ich hätte es geliebt, gleich weiter lesen zu können, so spannend waren die Enthüllungen in diesem ersten Band.

Wie immer geht es in einem Auftakt vor allem um das Kennenlernen des Ermittlungsteam. Daneben steht aber auch die Auflösung des folgenden Falles im Zentrum: unter der Hitzewelle in Nizza leiden aktuell auch die Kriminellen, deshalb steht das Leben an der Côte d'Azur fast still. Alle sind gelangweilt, besonders Léon. Bis eine tote Frau - im blauen Kleid - im Meer entdeckt wird. Dass die sich im Meer nicht bloss abkühlen wollte, wird schnell klar. Über Umwegen gelangen Léon und Nadia schliesslich zu allen Informationen, die ihnen helfen, den Fall aufzuklären.

Man fliegt nur durch die Seiten, der Band ist viel zu schnell ausgelesen, da Oetker in gewohntem angenehmen Schreibstil die Leserschaft in den Bann zu ziehen vermag und keine Langeweile aufkommen lässt.

Gerade habe ich noch entdeckt - und darüber freue ich mich gerade riesig - dass der Erscheinungstermin des zweiten Bandes vorgezogen wurde und man nun nicht bis Mai 2027 auf den zweiten Band warten muss, sondern nur bis Anfang Oktober 2026. Die Tage bis dahin kann man ja schon fast an einer Hand abzählen ;-)

Fazit: Toller Auftakt und die perfekte Sommerlektüre!
5 Sterne.

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Da kommt keine Langeweile auf!
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Kurzweilig, aber zu theatralisch

Kein Sommer ohne August von Lucy Astner

Ich mag Romane, die in Buchhandlungen spielen. Das war der Grund, wieso ich zu "Kein Sommer ohne August" griff. Autorin Lucy Astner kannte ich bisher nur von ihrer Kinderbuchreihe "Polly Schlottermotz", die ich meiner Tochter früher vorgelesen habe, deshalb war ich natürlich gespannt, wie mir ihr Erwachsenen-Roman gefallen wird.

Charlie erbt überraschend eine Buchhandlung in dem Ort, in dem sie aufgewachsen ist. Doch mittlerweile lebt sie in Europa und Amerika ist weit entfernt. Sie brachte einen Ozean zwischen sich und August Green, mit dem sie ab ihrer Teeniezeit zwölf Sommer teilte.

Während Charlie nach Liberty Beach reist und sich mit den jetzigen Geschehnissen auseinandersetzt, erfahren die Leserinnen in den Rückblick-Kapitel, die mit "Unser erster, zweiter, etc. Sommer" überschreiben sind, wie sich Charlie und August kennenlernten und was im zwölften Sommer für den Bruch sorgte. Die Kapitelüberschriften mochte ich, so wusste man immer, wo man sich gerade befand.

Obwohl ich Charlies Geschichte einigermassen nachvollziehen konnte, störte mich, dass sie erst am Ende über alles redete. Die Geschichte ist - wie viele andere - darauf aufgebaut, dass nicht zeitnah über Gefühle oder Erlebtes gesprochen wird. Charlie nahm automatisch an, dass bei August alles perfekt sei, sie fragte nie nach oder blockte ab, wenn er etwas erzählen wollte, was aber praktisch auch kaum vorkam - August ging ziemlich unter. Das alles fand ich schon sehr sehr seltsam und nervte mich ziemlich. Aber leider ist der ganze Roman auf das Verschweigen jenster Dinger aufgebaut, so dass ich mich entscheiden musste, abzubrechen oder darüber hinwegzusehen und den Roman auszulesen.

Da Lucy Astners Schreibstil flüssig und sympathisch war, hab ich mich fürs Weiterlesen entschieden.

Es gab sehr schöne Szenen im Roman. Vor allem die Beschreibungen rund um das "One last Chapter", Mollys Buchhandlung, fand ich toll. Sie und August mochte ich viel lieber als Charlie. Den Buchladen konnte ich mir bildlich vorstellen und hätte ihn auch gerne besucht. Wie verbrannte Ingwerkekse schmecken, hab ich vorzugsweise ausgeblendet ;-)

Auch wenn ich immer gespannt darauf war, was in den jeweiligen Sommermonaten passierte, ärgerte ich mich im Hinterkopf trotzdem über den Aufbau des Romans und konnte ihn nicht geniessen. Zudem gab es zu viele Wiederholungen, zu viel innerliche Dramatik, die keinen Weg nach aussen fand.

Fazit: Eine zu theatralische Life- und Lovestory kurzweilig verpackt.
3.5 Sterne.

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Kurzweilig, aber zu theatralisch
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Klug und liebenswürdig

Fehlerhaft und wunderbar von Antoine Laurain

Bei jeder Ankündigung eines neuen Romans von Antoine Laurain bin ich gespannt, was er sich nun wieder ausgedacht hat, mit welchen verrückten Ideen er dieses Mal auftrumpfen wird.

Auf den ersten Blick hört sich die Idee von "Fehlerhaft und wunderbar" - Eltern schreiben das verhauene Diktat ihres Sohnes selbst - nicht verrückt, sondern sehr banal an, doch dann gehen den Lesenden (wie immer bei Laurains Romanen) Kronleuchter auf und ich frage mich, wie er wohl auf die Idee zu diesem Roman kam.

Was war zuerst, das Huhn oder das Ei?

Bzw. Prosper Mérimées berühmtes Diktat oder die Tatsache, dass Laurain (wie er im Nachwort verrät) selbst nicht gut im Diktat schreiben war, aber doch Autor geworden ist? Vielleicht ist der Auslöser auch nur der geglückte Rekordversuch im Diktatschreiben mit 1397 Teilnehmer*innen, welches im Juni 2023 auf den Champs-Élysées stattfand. Egal, was es war, die Idee war toll und ich habe den Roman mit grossem Vergnügen gelesen.

Ein Diktat zu schreiben, kann bei Menschen Angst auslösen. Es kann Menschen dazu bringen, über ihr Leben nachzudenken, was in Laurains Roman einige tun werden. Selbst ich habe während dem Lesen überlegt, welche Erinnerungen ich ans Diktate schreiben habe. Obwohl ich immer sehr gut war, hab ich tatsächlich in einem wichtigen Diktat ein mir unbekanntes Wort falsch geschrieben, und so entschied schlussendlich vielleicht genau dieser fehlende Punkt über meine weitere Schulkarriere. Einzelne Entscheidungen sind ja immer ein Rattenschwanz.

Dikate schreiben kann Menschen einander aber auch näher bringen, wie die Protagonist*innen in "Fehlerhaft und wunderbar". Später wagen sie sich an das legendäre "Dictée de Mérimée", das die Charaktere ebenfalls nachdenklich werden lässt. Denn wie so oft bei Laurains Romanen, löst etwas Einfaches bei sämtlichen im Roman vorkommenden Figuren etwas aus, mal im Kleinen, mal im Grossen, und zieht seine Wege. Und alles nur aufgrund eines Schuldiktats.

Antoine Laurain baut die Geschichte gut auf, setzt überraschende Elemente hinein und bringt die Geschichte zu einem runden, sehr stimmigen Abschluss. Das einzige Manko: sie ist viel zu kurz. Schade, waren nicht noch mehr Personen am Picknick dabei! Die Essenz der Geschichte: Fehler sind erlaubt - im Diktat und im Leben.

Fazit: Erneut ein genialer Coup des Autors, eine kluge und gleichzeitig sehr liebenswürdige Geschichte
4.5 Sterne

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Klug und liebenswürdig
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Ein Sommer auf Amrum

Der Geschmack von Sommer und Karamell von Anne Barns

Im dritten Amrum-Band von Anne Barns - man kann die Bände unabhängig lesen, es tauchen aber in den Szenen auf Amrum immer wieder Bekannte aus den vorherigen Bänden auf - will die 78-jährige Henni nach Amrum reisen, weil sie überraschend an ein Geburtstagsfest eingeladen wurde. Henni offenbart dies bei einem kleinen Familienfest.

Die mittlere Enkelin, Ella, soll mitkommen. Als Kinderbuchillustratorin ist sie flexibel, was ihren Arbeitsort angeht. Ella und ihre beiden Geschwister sind neugierig, denn das Henni Amrum kennt, wussten sie bisher nicht.

Was hinter der Einladung steckt, erfährt man im Vergangenheitsstrang, der 1952 und den Folgejahren spielt. Für Ella kommt der Ortswechsel wie gerufen, da sie beruflich gerade sehr enttäuscht wurde. Sie hofft, dass die Auszeit auf der Insel sie wieder zum Zeichnen inspiriert.

Ich nehms vorweg: das tut es - und man denkt, die Autorin hätte nicht nur vom Backen eine grosse Ahnung, sondern auch vom Illustrieren. Backen ja, das weiss man als treue Leserin, dass kann sie sehr gut. Aber auch die Arbeit als Illustratorin beschreibt sie so, als ob sie selbst eine wäre. Anne Barns schreibt sehr gefühlvoll, intensiv und bildlich, als ob sie genau weiss, wie das alles geht. Und so staunt man gemeinsam mit Henni und Ella über Amrums Natur, den Strandhafer zum Beispiel und die vielen Vögel, streift mit offenen Augen über die Insel, aber freut sich auch über die Szenen beim gemeinsamen Backen mit früheren Protagonistinnen und erfährt beispielsweise, dass Henni Krimis so liest, wie ich früher: ab einem gewissen Zeitpunkt hinten im Buch gucken, ob die Vermutung des Täters stimmt, damit man in Ruhe weiterlesen kann. Seit ich auf eReadern lese, mache ich das nicht mehr, aber ich vermisse das scho äs bitzli).

Mir hat dieser dritte Band gut gefallen, er hörte für mich aber zu abrupt auf. Plötzlich kamen Rezepte und ich dachte, wieso stehen die jetzt mittendrin anstatt am Schluss? Es war der Schluss, die Geschichte zu Ende. Vielleicht wäre mir das beim Print lesen eher aufgefallen, aber beim eBook erwischte mich das Ende kalt. Wahrscheinlich war ich aber auch einfach noch so drin in der Geschichte, dass ich nicht wollte, dass sie zu Ende ist und ich Amrum für einige Monate verlassen muss, bevor dann im Oktober der vierte Band erscheint.

Die im Roman vorkommende gebackene Kirschkonfitüre habe ich mittlerweile selbst gekocht, äs bitzli sommerlich mit Orangen und Zitronenthymian verfeinert, mega fein! An die Waffeln werde ich mich dann auch mal noch wagen.

Fazit: "Der Geschmack von Sommer und Karamell" hab ich sehr gerne gelesen und hab mich zusammen mit Henni und Ella auf Amrum sehr wohl gefühlt.
4 Sterne.

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Ein Sommer auf Amrum
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Dem Dorfleben entfliehen?

Ein Wiedersehen im Sommer von Julie Caplin

Beth, die sich im ersten Band der "Country Escapes"-Reihe so gut um Neuling Ella gekümmert hat, hat Herzschmerz. Jack, der jüngere Sohn des Tierarztes Geoffrey, hat Schluss gemacht. Niemand weiss davon, bis Jack urplötzlich doch in Wilsgrave aufschlägt. Nun kann sie es nicht mehr für sich behalten und das Dorf weiss schneller Bescheid, als ihr lieb ist.

Bei Beth, die eh schon kein gesundes Selbstwertgefühl hat, dreht sich nun das Gedankenkarussell pausenlos. Soll sie kündigen, wird ihr gekündigt und wer ist sie eigentlich, wenn sie nicht die beliebteste Tierarztassistentin in Wilsgrave ist?

Grund für ihre Selbstzweifel und ihr ständiges Gefühl, nur geduldet zu sein, liegt in ihrer Kindheit. Der Vater weg, die Mutter krank und egoistisch, wächst sie in keiner guten Umgebung auf. Sie denkt, sie hätte die Lehrstelle nur durch Mitleid erhalten und sei in der Praxis auch nur geduldet, so lange sie mit Jack liiert ist. Auch ihr gemeinsames Häuschen gehört eigentlich seinen Eltern, also muss sie dort wohl auch raus - und Tiggy aus dem Tierheim zu sich zu holen, geht somit auch nicht.

Was alles nicht stimmt, denn Beth ist sehr beliebt in Wilsgrave. Sie selbst kann das nicht sehen. Als ihre Wohn- und Jobsituation geklärt ist, überlegt sie sich, was sie selbst aktiv, nach ihren Wünschen, an ihrer Lebenssituation ändern könnte. "Erst mal ich", ist bald ihre neue Devise.

Damit stösst sie Jack vor den Kopf, der bald merkt, was er an Beth hatte. Aber auch er beschäftigt sich mit ähnlichen Fragen wie Beth. Beide sind eigentlich nie aus Wilsgrave rausgekommen, ausser Jack während seinem Studium. Und so fühlt sich alles gerade sehr eingefahren an, während beide, jeder für sich, überlegen, wie sie vielleicht doch noch dem Dorfleben entfliehen könnten.

Während sie dies tun und Pläne schmieden, läuft das Leben weiter und auch die jahrelangen Gefühle füreinander lassen sich nicht einfach abstellen. War ihre Beziehung vielleicht doch nicht nur eine Jugendliebe, von der man sich aus Bequemlichkeit nicht verabschieden wollte, sondern eine viel tiefere Liebe als angenommen? Doch da ist noch Jamie, ein Journalist, der gerade einen Artikel über das "Land- versus Stadtleben" schreibt, was thematisch perfekt zu dieser Reihe passt.

Beth ist eine total sympathische Frau, während Jack meine Sympathie erst noch verdienen musste. Allerdings fand ich das "Selbstmitleid" der beiden zu repetitiv. Einige Male weniger darauf aufmerksam zu machen, hätte gereicht. Dafür ist das Setting in Wilsgrave wie schon im ersten Band gut gelungen, der Zusammenhalt im Dorf ist gross. Mit bekannten Figuren aus Band 1 gibt es ein Wiedersehen und viele neue Charaktere im Umfeld von Beth machen den Roman interessant.

Der heimliche Star in "Ein Wiedersehen im Sommer" ist aber klar Tiggy, Beths Hündin, die schnell zeigt, wen sie mag und wen nicht.

Fazit: Ein kurzweiliger zweiter Band. Nur leider muss man sich nun einige Zeit gedulden, bis der nächste Band erscheint ;-)
4 Sterne.

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Dem Dorfleben entfliehen?
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Eine Stadtpflanze entdeckt das Dorfleben

Ein Zuhause im Frühling von Julie Caplin

Ella soll das Cottage ihrer Patentante Magda für einige Monate hüten. Die Stadtpflanze auf dem Land. Juhui.

Doch Ella ist so verzweifelt, dass sie sich das freiwillig antut. Damit ihr nicht langweilig wird und sie nicht nur mit Nachdenken beschäftigt ist, wurde sie von Magda mit diversen Aufgaben bedacht.

Ebenso kümmern sich einige Nachbarn und Dorfbewohner mehr um Ella, als ihr lieb ist. Mit Tierarztassistentin Beth freundet sie sich auf den gemeinsamen Spaziergängen mit den Hunden an. Beth ist auch diejenige, die Ella das Dorfleben in Wilsgrave erklärt.

Ella ist lebensunfähig. Das denkt man sich auf jeden Fall beim Lesen der ersten Seiten, in denen erzählt wird, wie sie mit dem Haushalt überfordert ist. Ganz zu schweigen vom Hund, den sie betreuen soll. So kommt Ella zu Beginn sehr unsympathisch rüber, was wohl die volle Absicht der Autorin war. Doch je mehr man Ella kennenlernt und sie die Dorfbewohner, je besser versteht man sie. Das Landleben ist doch nicht so schlimm, wie sie es erwartet hat und so macht Ella im Laufe der Geschichte eine grosse und glaubhafte Wandlung durch.

Der Kontrast zwischen der quirligen und aufgeblähten Kunstwelt in London und dem behäbigen Dorfleben in Wilsgrave könnte nicht grösser sein. Hier kommt Ella endlich zum Luft holen und entdeckt, was in London alles falsch gelaufen ist.

Auch der junge Tierarzt Devon, der für seinen Vater in dessen Praxis einspringt und sich überlegt, wieder nach Wilsgrave zu ziehen, hat in London ähnliche Erfahrungen machen müssen wie Ella. Als die beiden sich kennenlernen, zoffen sich beide an. Erst langsam bröckeln bei beiden die Mauern, die sie um ihr Inneres gezogen haben, dann unterstützen sie sich gegenseitig in ihrem Bemühen um faire finanzielle Belange. Doch erst müssen die beiden lernen, Hilfe anzunehmen.

Im Laufe des Romans lernt man auch andere Dorfbewohner*innen kennen: Nachbar George, der gerne bei Ella Kaffee trinkt - oder eher trinken möchte; die ehemalige Tänzerin Doris; die Organisatorin Aubrey, die die Fäden des Dorfes zusammenhält; Greta vom Pub und viele weitere Figuren, die wir sicher auch in den kommenden Bänden begleiten werden. Für die meisten Schmunzler und Eskapaden im Roman sorgen aber nicht die Zweibeiner, sondern deren vierbeinige Mitbewohner. Es sind die Hunde der beiden Protagonisten: Tess und Dexter, ohne die der Roman nur halb so gut wäre ;-)

Diesen ersten Band der "Country Escapes"-Reihe hab ich, abgesehen vom Anfang, als Ella sich schwierig verhielt, sehr gerne gelesen. Julie Caplins Schreibstil ist wie immer flüssig und die Geschichte mit viel Humor, aber dennoch auch ernsteren Themen versehen, wie aus dem realen Leben gegriffen.

Spätestens am Ende von "Ein Zuhause im Frühling" fühlt man sich heimisch in Wilsgrave und freut sich, dass noch weitere Bände geplant sind, damit man wieder "nach Hause kommen kann" und miterleben, welche anderen Wilsgraver und Wilsgraverinnen ihre Probleme angehen werden.

Fazit: Ein unterhaltsamer Auftakt zur neuen Reihe "Country Escapes" von Julie Caplin.
4 Sterne.

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Sich schweigend kennenlernen

Das Lavendelkloster von Alexander Oetker

Kurz gesagt: der Schreibstil ist wie immer toll, inhaltlich ging es mir aber zu schnell voran.

Im Kloster Saint-Benoît findet eine Schweigeretraite statt, deren Teilnehmer:innen wir im Roman "Das Lavendelkloster" begleiten. Vor allem aber schauen wir genauer auf Emma und Julien. Während Julien bereits eingecheckt hat und sich nicht sehr wohl fühlt, ist Emma noch auf der Anreise.

Am liebsten würde sie umkehren, aber sie will sich selbst beweisen, dass sie das kann. Sie beobachtet bei ihrer Ankunft die andern Kursteilnehmer:innen und überlegt für sich, wer diese Menschen sein könnten und weshalb sie hier sind. Zum Beispiel der Mann mit dem Wollpullover, die ältere Frau mit dem vielen Schmuck. Auch Julien beobachtet, wie wohl alle, die anderen. Vor allem die junge Frau, die zu spät kam.

Durch die Augen der Protagonisten beobachtet man die anderen Gäste genau, der scharfe Blick des Autors kommt zum Zuge. Ich hätte gerne weiter beobachtet und auch die Sicht der anderen Teilnehmer:innen mitbekommen. Wer sie sind und aus welchem Grund sie sich für die Retraite entschieden haben, wird am Ende beschrieben.

Speziell in diesem Roman ist, dass fast bis zuletzt nicht gesprochen wird. Kein Reden, nur Beobachtung, nur eine Handvoll Sätze zu Beginn und am Ende. Es finden keine Dialoge statt, jedenfalls keine mit Worten. Das war mal was anderes. Der Clou ist das Kennenlernen ohne Worte, auch das Innere wortlos spüren und erspüren, was zwischen beiden Personen läuft, wie es matcht. Fragen stellen, die Worte, das alles kommt erst später. Dieses Setting hat mir sehr gut gefallen.

Zumindest zu Beginn, doch die Lovestory zwischen Emma und Julien entwickelte sich in meinen Augen viel zu schnell. Bei Emma und Julien war es vor allem ein körperliches Kennenlernen. Die körperliche Anziehungskraft musste enorm sein - nur leider kam das gar nicht so richtig rüber. Gefühlt waren es gerade mal zwei Blicke, bis die beiden in der Horizontale landen. Man verliert die Entwicklung der beiden aus den Augen, weil sich alles nur noch um die Sehnsucht nach einem nächsten Treffen dreht. Gegen Ende sagt Julien etwas, das bis dahin nie sichtbar war - dass er sich mit seiner Geschichte auseinander gesetzt haben soll in den letzten Tagen. Doch da er praktisch kaum Zeit alleine verbracht hat, hab ich ihm seine Läuterung nicht abgenommen.

Für mich hätte die Geschichte besser funktioniert, wenn der Fokus nur auf Emma und Julien gelegen wäre und ihre Geschichte ein bisschen langsamer und detailhafter erzählt worden wäre. Oder aber ihre Story gekürzt neben derjenigen der anderen Klostergäste geschildert worden wäre, das wär dann aber kein Liebesroman geworden.

Fazit: Mich hat zwar das Setting im Kloster in der Provence abgeholt, nicht aber die Lovestory von Emma und Julien. Der meist sehr einfühlsame Schreibstil des Autors macht den Roman aber dennoch lesenswert.
3.5 Sterne.

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Wunderbar leicht, ernst und witzig zugleich

Mit anderen Augen von Jane Tara

Ein Roman für fast alle Frauen über 50!

Tilda, mit 52 noch nicht alt, aber auch nicht mehr jung, geschieden, erfolgreich als Fotografin mit ihrer eigenen kreativen Firma, zwei tolle 20jährige Töchter, zwei ebenfalls tolle, langjährige Freundinnen, ein Haus in der Nähe des Strandes, ein Hund.

Eigentlich hat sie alles.

Alles, ausser ihren kleinen Finger. Also, da ist er schon noch, sie spürt ihn, sieht ihn aber nicht mehr. Als weitere Körperteile verschwinden, Tilda sich zur Ärztin wagt, und ihr die Diagnose "Unsichtbarkeit" gestellt wird, ist sie erst mal am Boden zerstört, denn sie hat noch nie davon gehört.

In einer Selbsthilfegruppe, lernt sie weitere betroffene Frauen kennen und stellt fest, dass diese ihr bisher unbekannte Krankheit weitaus verbreiteter ist, als angenommen. Es gibt sogar Literatur dazu und sie bekommt einen Termin bei einer Spezialistin, die aber umstritten ist.

Während sie selbst versucht, soviel wie möglich über die Krankheit herauszufinden, auch ob sie heilbar ist (Wissenschaftlerin Selma sagt ja, Selbsthilfegruppeleiterin Brenda nein), muss sie und ihr Umfeld erst mal lernen, damit umzugehen. Soll sie Handschuhe tragen, damit der fehlende Finger nicht auffällt? Neben solchen äusserlichen Fragen geht es auch ums Innere, ums Eingemachte.

Ausgerechnet jetzt lernt Tilda einen Mann kennen, der sich für sie interessiert. Kann und will sie sich auf Patrick einlassen, solange sie selbst noch nicht weiss, wie mit der Diagnose umgehen? Was, wenn sie eines Tages gar nicht mehr zu sehen ist, wie Carol aus der Gruppe?

Autorin Jane Tara hat mit "Mit anderen Augen" einen unglaublich kreativen Roman vorgelegt. Ein wichtiges und ernstes Thema hat sie in eine humorvolle Geschichte verpackt. Nur schon die Charaktere: alle absolut gelungen. Allen voran Tilda, die sich auf Selmas Therapieideen einlässt. Dicht gefolgt von Patrick, der mit seiner Persönlichkeit und seinem Beruf überrascht. Aber auch Paula, die wir alle kennen und Carol, Erica, Leith, Yumiko. Gurinder erinnerte mich an eine frühere Ärztin von mir. Wirklich toll gezeichnete Figuren, keine zu wenig, keine zu viel.

Genau so die Seitenzahl: obwohl hoch mit fast 500 Seiten, ist keine zu wenig und keine zu viel. Es kommen keine Längen auf. Im Gegenteil: diese Geschichte, im Stil des magischen Realismus gehalten, kommt wunderbar leicht, witzig und ironisch daher und verliert trotzdem nie die Ernsthaftigkeit. Dieser kluge Roman regt zum Nachdenken über die eigene Lebenssituation und "Un-/Sichtbarkeit" an und wird sicher noch lange nach hallen. "Mit anderen Augen" könnte ein Kandidat für die Jahreshighlight-Liste sein.

Fazit: Ein grossartiger Roman, dem ich ganz viele Leserinnern wünsche!
(Solche, die nicht mehr jung, aber auch noch nicht wirklich alt sind ????)

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