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Rezensionen von Gertie G.:

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Eine weitere Biografie Napoleons

Napoleon von Bart Loo

Wie Autor und Historiker Bart van Loo selbst ein wenig ironisch anmerkt, füllen Biografien und Romane über Napoleon Bonaparte (1769-1821) mehrere (Kilo)Meter Bücherregale. Wozu dann noch ein weiteres Buch schreiben? Nun, auch mehr als 200 Jahre nach seinen Tod tauchen in diversen Archiven noch bislang unveröffentlichte Originalquellen auf, die es zu verwenden gilt.

Wer ist nun die Zielgruppe dieses Sachbuchs? Vermutlich jene Leserinnen und Leser, die sich noch nicht, so wie ich durch Dutzende Napoleon-Biografien gelesen haben. Ich persönlich habe jetzt nicht viel Neues erfahren. Allerdings erzählt der Autor die Lebensgeschichte eines Mannes, der mit grenzenlosem Ehrgeiz einen gewaltigen Höhenflug auf Kosten anderer und einen ebensolchen Absturz hingelegt hat, in einem lockeren Plauderton. Dabei erklärt er die politischen Ereignisse, die zum Aufstieg Napoleons führen recht anschaulich, ebenso das Leiden der Soldaten während der Feldzüge. Diese Biografie gibt eine sehr gute Übersicht über die Napoleonischen Kriege und die unterschiedlichen Koalitionen. Natürlich können nicht alle Details bis zur Verbannung nach Sankt Helena genannt werden.

Wenn hier über die mangelnde medizinische Versorgung der französischen Truppen berichtet wird, vermisse ich den Namen Jean Dominique Larrey (1766-1842) der als Militärarzt die „ambulances volantes“ (mobile Lazarette) eingeführt hat, um Verwundete zeitnah zu versorgen und persönlich an die Frontlinie gegangen ist. Larrey gilt als Schöpfer der Militärchirurgie.

Im Anhang finden sich Abbildungen, Landkarten sowie eine Zeittafel und Personenverzeichnis. Ein ausführliches Literaturverzeichnis, bei dem ich allerdings einige Autoren wie Johannes Willms oder Günter Müchler vermisse. Zu Gute halten muss ich Bart van Loo, dass er zahlreiche (Original)Briefe und/oder Augenzeugenberichte aus belgischen bzw. französischen Quellen verwendet hat.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Biografie 4 Sterne.

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Eine weitere Biografie Napoleons
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Nichts für Zartbesaitete!

Der gefährlichste Ort von Maike Möller-Engemann

Der Titel dieses Krimis muss mit den Worten „für Frauen ist das eigene Heim“ vervollständigt werden, denn jeden 2. Tag wird in Deutschland eine Frau ermordet. Einfach, weil sie eben eine Frau ist. Auch in Österreich ist keine Insel der Seligen. Von Jänner bis heute (23.08.) sind im Jahr 2026 bereits 16 Frauen ermordet worden (2025: 29).

Das letzte Opfer ist ein achtjähriges Mädchen, der Täter sein Vater. Und damit sind wir bei den Tätern. Der ist nur äußerst selten der große Unbekannte, sondern vor allem Ehemann, Vater oder Bruder. Ebenso wenig ist der unbeleuchtete Parkplatz oder die dunkle Unterführung der Tatort. Nein, es sind die eigenen vier Wände.

Das Erschreckende an all diesen Frauenmorden ist, dass sie nicht aus heiterem Himmel kommen, sondern dass die Anzeichen von der Umgebung (und manchmal auch von den späteren Opfern) nicht richtig wahrgenommen, ja geflissentlich ignoriert werden. Im Nachhinein wollen es Angehörige, FreundInnen oder Nachbarn immer schon gewusst haben. Zudem werden Frauen, wenn sie sich aufraffen können, Anzeige zu erstatten, häufig nicht ernst genommen. Und wenn es doch zu einem Gerichtsverfahren kommt, versuchen die Anwälte der Täter alles, aber auch wirklich alles, die Glaubwürdigkeit der Opfer zu untergraben und schrecken dabei vor nichts zurück.

All das findet sich in diesem Krimi von Maike Möller-Engemann. In drastischen Bildern und Worten, die möglicherweise für Zartbesaitete kaum lesbar sein könnten, schildert die Autorin die Ereignisse ohne dabei voyeuristisch zu sein.

Am Beginn des Krimis steht ein eigenartiges Zusammentreffen, in dem ein Mann den Mord an seiner Frau gesteht, das Geständnis wenig später aber widerruft. Die einzige mögliche Tatzeugin, die gemeinsame neunjährige Tochter, ist spurlos verschwunden. Hat sie sich versteckt oder ist sie ebenfalls ermordet worden?

Diese Geschichte fesselt die Leser und ist gleichzeitig aber auch brutal und teilweise verstörend. Besonders erschreckend finde ich die Beschreibung der Realitätsnähe von häuslicher Gewalt, dem Umgang mit den betroffenen Frauen und Kindern, denen die Gesellschaft immer wieder einen vorhält, an der Situation selbst Schuld zu tragen. Zudem erschreckt der Umgang der Behörden und des Rechtssystems mit den Opfern. Hier in der sehr authentischen Fiktion treffen eine engagierte Kriminalbeamtin und eine ebensolche Staatsanwältin aufeinander, die alles daran setzen, Zeugen wie das Kind zu finden, um der Verteidigung den Wind aus den Segeln zu nehmen und den Täter zur Höchststrafe verurteilen zu können.

Fazit:

Diesem Krimi, der sich von der Masse der Kriminalromane durch seine beklemmende Authentizität abhebt, weshalb er nicht einfach zu lesen ist, gebe ich 5 Sterne.

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Ein gelungener Abschluss

Spuren des Glücks von Mia Milberg

Mit diesem Band endet die Trilogie um Vroni Landthaler und ihre Familie. Die Vergangenheit gerät in den Hintergrund. Aufbau eines neuen Lebens heißt die Parole. Dabei vergisst Vroni auf sich selbst. Weil ihr Mann Karl Karriere macht, zieht die Familie mehrmals um. Es wird weder auf Vroni noch auf die Kinder Rücksicht genommen.

Nicht immer verbessert sich die Wohnsituation, doch sie müssen sich fügen.

Vroni macht aus der Not eine Tugend und näht aus Stoffresten Schürzen, die bei den Nachbarinnen Anklang finden. Als sie die am Markt verkaufen wird, legt sich Karl quer. ER, und nur ER, bringt das Geld nach Hause. Was würden denn die Nachbarn denken, wenn SEINE Frau arbeiten ginge?

Als Vroni dann noch entdeckt, dass ihre Jugendliebe Fritz, den sie seit beim Untergang der Gustloff tot glaubt, lebt, steht die ohnehin schon fragile Ehe auf der Kippe.

Wird Vroni ihr Geheimnis aufdecken und ihr Leben neu beginnen? Oder sind die Erinnerungen an die Ostsee nur ein unerfüllbarer Traum?

Meine Meinung:

Der dritte Teil ist für mich der beste Teil der Trilogie, weil die Charaktere an Konturen gewinnen. Während Vroni sich weiter entwickelt und die Kinder flügge werden, bleibt Karl in seiner althergebrachten Denkweise stecken. Er hält sich für den Nabel der Welt und negiert die Bedürfnisse der anderen.

Wie schon in den beiden Vorgängern erscheinen mir die Veränderungen ein wenig zu glatt zu gehen. Doch diese Trilogie soll ja keine Doku der Kriegsjahre sein, sondern unterhalten. Das gelingt.

Fazit:

Ein gelungener Abschluss dieser Trilogie, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

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Ein gelungener Abschluss
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Hier ist wenig, wie es scheint

Die Tote von Glenfall Castle von Jane T. Endon

Dieser Krimi spielt im verschlafenen, schottischen Dorf Glenfall, in dem es außer einem Schloss und einem frequentierten Pub, in dem der Dorfklatsch ausgetauscht wird, nur wenig Aufregendes gibt.

Das ändert sich, als aus dem ehrwürdigen Glenfall Castle ein Gemälde verschwindet und wenig später eine tote Frau am Fuße der Freitreppe des Gebäudes entdeckt wird.

Hat sie den Dieb überrascht oder ist sie selbst die Diebin? Wo ist dann aber das Gemälde?

Jedenfalls beginnen drei eher ungeeignete Personen in diesem Fall zu recherchieren und stolpern durch diesen Cosy-Krimi. Wer die drei sind? Ein Krimi-Autor, der immer auf der Suche nach gutem Stoff, eine Psychologin auf der Flucht vor ihrem Ehemann sowie ein eigenbrötlerischer Antiquar. Natürlich kommen sie der Polizei in die Quere und entdecken nicht nur ein streng gehütetes Geheimnis aus der Vergangenheit. Welche das sind, verrate ich jetzt nicht ...

Meine Meinung:

Dieser Cosy-Krimi ist das Debüt von Jane T. Endon, der Magdeburger Ergotherapeutin Jane Taggeselle.
Wie häufig bei Erstlingswerken, hat der Krimi sowohl bei der Handlung als auch bei der Erstellung der Charaktere noch ein wenig Luft nach oben.

Die Bewohner von Glenfall tragen durch ihre persönlichen Eigenarten und ihrem eigenartigen Humor einiges zum Lokalkolorit bei. Der Krimi liest sich schnell und ist eine gut gelungene Urlaubslektüre, die mit mehreren überraschenden Wendungen aufwartet.
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Fazit:

Gerne gebe ich diesem Urlaubskrimi 3,5 Sterne, die ich auf 4 aufrunde.

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Hier ist wenig, wie es scheint
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Eine Leseempfehlung

Amerika '33 von Johannes Ehrmann

In den wenigen Monaten von März bis Oktober des Jahres 1933 ändert sich das Weltgefüge dramatisch. Da ist zum einen Adolf Hitler, der zielstrebig die Demokratie zerstört und eine Diktatur errichtet und zum anderen schotten sich die USA ab. Das Land der unbegrenzten Möglichkeit steht vor einer Zerreißprobe.

Wirtschaftskrise und Fremdenfeindlichkeit verhindern, das von den Nazis bedrohte Menschen Aufnahme in den USA finden können, obwohl die Einwanderungsquote nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft wird. Mit Präsident Franklin D. Roosevelt haben die Amerikaner einen Präsidenten, der so autoritär wie kaum ein anderer vor ihm regiert.

Detailliert beschreibt Autor und Historiker größere und kleiner Ereignisse dieser Monate diesseits und jenseits des Atlantiks.

Wie begegnen bekannten Personen wie Marlene Dietrich, die sich von Goebbels & Co. nicht vereinnahmen lässt und erst 1944 mit der US Army nach Deutschland wieder zurückkehrt, und Max Schmeling wird, oh Schreck, in den Boxkampf mit dem jüdischen Boxer Max Baer gedrängt.
Gleichzeitig erfahren wir, dass viele jüdische Familien in Deutschland die Zeichen der Zeit nicht erkennen und zu lange warten.

Während Eleonore Roosevelt nur nach außen hin die Präsidentengattin mimt, versucht sie die Einreisequote für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland zu erhöhen. Gegen den Antisemitismus ist auch sie ziemlich machtlos. Der Rest ist bekannt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch, das durchaus Parallelen zur Gegenwart erkennen lässt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Fesselnd bis zur letzten Seite

Als die Heide schwieg von Jill Kaltenborn

Die Hamburger Archäologin Antonia „Toni“ Abel und ihr Team sind gerade dabei die Oldendorfer Totenstatt im beschaulichen Dorf Lopauthal mittels Drohne und LASER-Scanning archäologisch zu bearbeiten, als bei Bauarbeiten auf dem Nachbargrundstück ein Baggerfahrer ein paar, wie sich recht bald herausstellt, menschliche Knochen findet, die zu einem männlichen Kinderskelett gehören.

Knochenfunde sind für Archäologen immer interessant, weshalb sich Toni näher mit ihnen beschäftigt, obwohl sie Lopauthal und seinen Bewohnern mit gemischten Gefühlen gegenübertritt. Ihr Vater stammt aus dem Dorf und hat aus ihr unbekannten Gründen schon vor langer Zeit mit seiner Familie gebrochen.

Während sie versucht mehr über den kleinen Jungen herauszufinden, muss sie sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen, die, so scheint es, am Tod des Kindes ihren Anteil hatte. Dazu trifft sie neben Mitgliedern des früheren Freundeskreises des Vaters, auch ihre betagte Großmutter, die nun in einem Pensionistenheim lebt und auf eine Versöhnung mit ihrem Sohn wartet.

Antonias Neugier setzt einen Prozess in Gang, der eine gefährliche Eigendynamik entwickelt, weil frühere Verbrechen unentdeckt bleiben sollen.

Wird es Toni Abel gelingen, die Ereignisse von 1971 zu enthüllen? Und welchen Anteil hat ihre Familie daran?

Meine Meinung:

Vorliegender Krimi ist der zweite Krimi von Jill Kaltenborn, der im beschaulichen Dorf Lopauthal spielt. Allerdings geht diesmal nicht die Ärztin Nina Wedemeyer unklaren Todesfällen wie in „Königinnensonntag“ nach, sondern die Hamburger Archäologin Antonia „Toni“ Abel. Trotzdem dürfen wir Nina Wedemeyer in einer kleine Rolle wieder begegnen.

Geschickt lässt uns Autorin Jill Kaltenborn in Rückblenden in die Vergangenheit des Jahres 1971 eintauchen, als die vermeintlich heile Welt in Lopauthal scheinbar noch intakt gewesen ist. Doch mit der Ankunft einer kleinen chilenischen Flüchtlingsfamilie ändert sich das Gefüge, denn nicht immer ist alles gut, was gut gemeint ist.

Sehr spannend ist Antonias Suche nach ihrer Familiengeschichte. Von ihrem Vater ist wenig zu erwarten, weil der als schwerer Alkoholiker nur bis zur nächsten Flasche denkt. Doch bei ihren Recherchen in Lobauthal muss Antonia feststellen, dass der tote Junge und seine verschwundene Schwester mehr mit ihrer Familie zu tun haben, als ihr lieb ist. Erst ihre Großmutter bringt einiges Licht in das Dunkel längst vergangener Tage. Allerdings haben ihre Enthüllungen dramatische Auswirkungen auf das Hier und Jetzt.

Wie schon in „Königinnensonntag“ ist auch dieser Plot gelungen und der Schreibstil steigert die Spannung von Seite zu Seite. Antonia Abel ist wie die Ärztin Nina Wedemeyer eine analytisch denkenden Frau, die eher nüchtern daran geht, das Rätsel rund um das Kinderskelett zu lösen. Zwar hat sie es üblicherweise mit wesentlich älteren Knochen zu tun, aber die Vorgangsweise ist dieselbe. Ermittlungen in einem verschworenen Dorf, in dem man sich untereinander zwar spinnefeind ist, aber gegen einen quasi äußerlichen Feind, zusammenhält, sind nie einfach.
Die Charaktere sind sehr gut gelungen und wir Leser werden, wie Antonia, mitunter auf eine falsche Fährte gelockt. Nicht immer ist jener der Täter, der vordergründig als böse dargestellt wird. So manche Figur, die sich still und zurückhaltend verhält, hat es faustdick hinter den Ohren.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der bis zur letzten Seite fesselt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Fesselnd bis zur letzten Seite
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Eine klare Leseempfehlung!

Gefährlicher Glanz von Thomas Baum

Just als Chefinspektor Robert Worschädl über den belebten Linzer Taubenmarkt eilt, um ein Weihnachtsgeschenk für seine Frau Karoline zu besorgen, bricht neben ihm ein Mann blutend zusammen. Obwohl Worschädl sofort Erste Hilfe leistet, kommt für den bekannten Rechtsanwalt Lukas Seiwald jede Hilfe zu spät.

Recht bald ist dem eingespielten Ermittler-Duo Robert Worschädl und Sabine Schinagl klar, dass der Tote in zahlreiche unsaubere Machenschaften, unter anderem rund um einen Schleuserring verstrickt gewesen ist. Wie tief, gilt es noch herauszufinden, ist doch die im Mobiltelefonnummer eingespeicherte Nummer im LKA bestens bekannt. Und warum bekommt Seiwald eine 120 Euro teure Außen- und Innenreinigung seines Autos gratis, wie auf dem Kassabon, den man bei dem Toten entdeckt hat, ersichtlich ist?

Beinahe gleichzeitig kommt es auf einer Tankstelle zu einem Schusswechsel zwischen Elenya Zakaria, einer jungen Polizistin aus dem Anhaltezentrum, und dem Fahrer eines Lieferwagens, in dem man 34 erschöpfte Flüchtlinge findet. Eine besondere Dramatik ergibt sich, weil eine dieser Frauen von ihrer kleinen Tochter getrennt worden ist. Wer hat das kleine Mädchen entführt? Die Frage nach dem Warum könnte durch die kursiv eingestreuten Passagen beantwortet sein, die nach dem WER, ist noch offen ...

Für Kopfzerbrechen bei Worschädl und Schinagl sorgt, dass jemand zum wiederholten Mal Details aus den Ermittlungsakten an die Presse durchsticht.

Meine Meinung:

Auch in seinem 6. Fall für das Duo Woschädl/Schinagl baut Autor Thomas Baum gekonnt einen hohen Spannungsbogen auf, der bis zum Schluss anhält. Er lässt seine Ermittler ziemlich authentisch ihre Arbeit verrichten. Dazu gehört auch, dass sowohl Robert Worschädl, der ohnehin als Dickschädel bekannt ist, und Sabine Schinagl, immer wieder ihren rechtslastigen Vorgesetzten Stefan Schweitzer, der sich für höhere Weihen bestens geeignet hält, links liegen lassen.

Die Stadt Linz ist wieder bestens in den Krimi integriert. So erleben wir den Mord an Seiwald auf dem geschäftigen Taubenmarkt mit seinen renovierten Altbauten, nur um wenig später in den Stadtteil Kleinmünchen, der durch seine als „Hitler-Bauten“, die schon etwas in die Jahre gekommene Wohnsiedlung, bekannt ist, einzutauchen.

Ein neuer Charakter, der hoffentlich bleiben darf, ist die junge Polizistin Elenya Zakaria, die arabisch spricht und in diesem komplexen Fall, bei dem wenig so ist, wie es den Anschein hat, wertvolle Arbeit leistet. Überhaupt, sind die Charaktere, mit denen uns Thomas Baum konfrontiert, aus dem Leben gegriffen: Zum Beispiel der Fremdenpolizist Felber, der seine mangelnde Körpergröße mit militärischem Gehabe und besonderer Unfreundlichkeit sowohl seinen MitarbeiterInnen als auch seinen KlientInnen gegenüber kaschiert.

Ich hoffe sehr, dass die Reihe fortgesetzt wird, denn der Ausblick in die nähere Zukunft der Protagonisten, lässt alles offen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem temporeichen Krimi, der die Arbeit der Polizei authentisch darstellt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung, die für die ganze Reihe gilt.

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Eine herbe Enttäuschung

Manolo Blahnik und der Traum vom Erfolg von Charlotte Jacobi

Ich habe schon mehrere Bücher von Charlotte Jacobi (Hinter diesem Namen verstecken sich Eva-Maria Bast und Jørn Precht) gelesen, unter anderem die Trilogie „Das Haus der Perlen“, die mir sehr gut gefallen hat. Da ich, wegen meiner Schuhgröße (35,5) kaum schöne und bequeme Schuhe finde, habe ich einen Schuhfimmel und deshalb zu vorliegender Romanbiografie von Manolo Blahnik gegriffen.

Doch leider bin hier herb enttäuscht worden! Vom Inhalt her habe ich nicht mehr erfahren als in Wikipedia zu finden ist. Noch dazu wird Blahniks kindliche Passion, einer Eidechse silberne Schuhe anzumessen, gefühlte 100 Mal wiederholt. Auch wenn das ein Schlüsselerlebnis ist, nach der dritten Wiederholung können wir Leser uns das merken.

Ich hätte mir mehr Beschreibung zur Materialauswahl erwartet. Wo findet Blahnik seine Rohstoffe wie Leder und Zubehör? Wie erstellt er den Leisten für seine Modelle? Alle diese technischen Details interessieren mich. Davon ist leider wenig bis gar nichts zu lesen. Da habe ich die Website des Designers zu Rate ziehen müssen. Okay, das Autoren-Duo erwähnt, dass Blahnik das Schusterhandwerk erlernt hat.

Zudem widerspricht sich der Designer selbst, wenn er davon spricht, einen bequemen Schuh, der nicht drückt, zu konstruieren. Für Herrenschuhe mag es zutreffen, Stil und Bequemlichkeit zu vereinen. Aber Damenschuhe? Ich habe einen Blick auf seinen Online-Shop gemacht. Wer behauptet, dass spitz zu laufende Stilettos mit einer Absatzhöhe von 15 cm bequem sind, der oder die sollte zur Strafe eine Marathondistanz (42,8 km) bei 30 Grad im Schatten auf Stilettos gehen müssen, zumal die schmalen Riemchen überhaupt keinen Halt geben. Die Modelle Zaera, Martebal, Mayesalepump und Vices scheinen noch am ehesten den Anspruch an „bequem“ zu erfüllen, auch wenn sie den Zehen wenig Platz bieten. Und was schön ist, liegt im Auge des Betrachters. Manolo Blahnik hat recht, wenn er wie beschrieben sagt, ein passender Schuh perfektioniert das Aussehen und den Auftritt.

Auch die Person Manolo Blahnik kommt für mich persönlich sehr eindimensional herüber. Keine Silbe über sein Privatleben. Es ist natürlich durchaus möglich, dass er seine private Seite geheim halten möchte. Aber, das hätte auch erwähnt werden können.

Fazit:

Leider hat mich diese Romanbiografie enttäuscht, daher gibt es nur 2 Sterne.

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Eine herbe Enttäuschung
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Eine Leseempfehlung

Tod in heller Sommernacht von Lisa Sarah Brandstäter

Nachdem ich im Juni eine Woche in Helskini Urlaub gemacht habe, musste ich natürlich zu diesem Krimi, der in Finnland spielt und der 2. Fall für Leena Victor und Sebastian Nyberg ist, greifen.

Worum geht’s?

Die junge Studentin Lina verbringt ihre Sommerferien in Porvoo, um im Hotel ihres Vaters und der Stiefmutter zu arbeiten.

Wenig später kommt sie, nach einem feuchtfröhlichen Fest bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Die Spuren an der Unfallstelle lassen darauf schließen, dass Lina vorsätzlich mehrmals vom einem SUV überfahren worden ist.

Leena Victor und ihr Kollege Sebastian Nyberg von der Mordkommission Helsinki übernehmen den Fall und stoßen auf eine Mauer des Schweigens. Gleichzeitig ist eine Einbrecherbande am Werk. Da hatte ich bald eine Ahnung, die mich nicht getrogen hat. Doch wie passt da der Mord an Lina dazu. Hat die Studentin was gesehen, was sie nicht sehen sollte?

Wenig später gibt es einen weiteren Toten mit dem der Mord an der Studentin gelöst zu sein scheint. Doch Leena zweifelt. Wird sie Recht behalten?

Meine Meinung:

"Tod in heller Sommernacht" ist nach "Mord in eiskalter Nacht" der zweite Band um die finnische Kriminaloberkommissarin Leena Victor. Es ist ein klassischer Kriminalroman mit einem abgeschlossenen Fall. Vorwissen aus Band 1 ist nicht zwingend notwendig, jedoch im Hinblick auf Leenas private Situation vorteilhaft.

Während eifrig im Mordfall Lina ermittelt wird, fühlt sich Leena beobachtet. Ich hatte recht schnell eine Idee, wer dafür verantwortlich sein könnte und bin richtig gelegen.

In zahlreichen kurzen Kapiteln wird der Mord an Lina aus mehreren Perspektiven geschildert. So können wir, anders als die Ermittler, dem Täter über die Schulter schauen, ohne seinen Namen oder das Motiv zu kennen.

Das eigenartige Verhalten von Vater, Stiefmutter und der Freunde, sowie der Rezeptionisten im Hotel, hält die Spannung aufrecht und sorgt für eigenen Spekulationen.

Sehr gut gefallen hat mir das beschriebene Lokalkolorit mit seinen bunter Häusern, dem finnischen Meerbusen und der für uns Mitteleuropäer ungewohnten hellen Sommernächten. Die haben auch mich und meine Familie ein wenig irritiert, wenn nur zwischen 3 Uhr nachts und 6 Uhr so richtig finster ist.

Die Charaktere sind sehr gut und glaubwürdig herausgearbeitet. Die Autorin versteht es, das übergriffige Verhalten von Männern sowie häusliche Gewalt und Gaslighting bedrohlich darzustellen.

Für mich ist Lisa Sara Brandstäter eine erfreuliche Neuentdeckung am skandinavischen Krimiautorenhimmel, von der ich gerne mehr lesen möchte. Daher werde ich mir, bis der nächste Band („Tod im kalten Abendlicht“) im Herbst 2027 erscheinen wird, den ersten Band besorgen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem komplexen Krimi, bei dem wenig so ist, wie es scheint, 5 Sterne.

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Temporeich und ein wenig schräg

Die siebte Stadt von Helmut Vorndran

Der in Russland spielende Prolog scheint zunächst einmal so gar nichts mit unserer wackeren Ermittlertruppe rund um den Bamberger KHK Franz Haderlein & Ermittlerschwein Presssack zu tun zu haben. Wie schnell sich das ändert, zeigen die folgenden Seiten ...

Was ist passiert?

Der allseits verhasste, weil unausstehliche, Gerichtsmediziner Dr.

Thomas Siebenstädter besucht ein Wrestling-Spektakel in Forchheim und gerät ohne sein Zutun (wenn man von seiner ungezügelten Klappe absieht) in einen Spionagefall, der sowohl in Franken als auch in Russland zahlreiche Tote hinterlässt und, wie man am Ende sehen wird, in dem so manche eigenartige Allianz geschmiedet wird. Alles einem höheren Ziel untergeordnet? Oder doch nicht?

Meine Meinung:

Diesen ziemlich schrägen und auf die aktuelle Weltlage Bezug nehmenden 16. Krimi aus der Feder (Tastatur) von Helmut Vorndran habe ich sehr gerne gelesen. Er verbindet die Bodenständigkeit und den manchmal seltsamen Humor der Franken mit der Paranoia des einen oder anderen Regierungschefs.

Autor Helmut Vorndran lässt uns in zwei großen Hauptsträngen zum einen rund um Bamberg ermitteln und jagt uns zum anderen durch die schneereichen Weiten Russlands bis nach Rovaniemi in Finnland, das ja bekanntlich der Sitz des Weihnachtsmanns ist.

Die Charaktere sind gewohnt subtil angelegt. Diesmal darf der Pathologe Siebenstädter eine Hauptrolle spielen und bekommt sprichwörtlich eine aufs Maul und aufs Dach. Die kurzfristige Wesensänderung des verhassten Gerichtsmediziner irritiert die Bamberger Kripo. Lustig zu lesen ist, wie sich die Ermittler den „alten“ Siebenstädter herbei wünschen, denn den kennt man ja.

Die Leichtigkeit mit der die humorvollen Dialoge, sonst durch die Krimis schweben, ist diesmal nicht gegeben. Da es um Kollegen aus dem Team geht, werden alle Möglichkeiten (auch die eine oder andere ungewöhnliche) ausgeschöpft, um die verlorenen Kollegen wieder zu beschaffen. Sogar Robert „Fifibus“ Suckfüll wird seiner Rolle als Dienststellenleiter gerecht und verballhornt kaum Sprichwörter.

Das Tempo ist ungewohnt hoch, gibt dem Krimi aber einen extra Drive.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem temporeichen 16. Fall für Franz Haderlein & Co 5 Sterne.

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Temporeich und ein wenig schräg