Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Rinoa:
Mehr Mystery als Thriller
Komm spielen von Linwood Barclay
Als erstes fällt der für meinen Geschmack doch besondere Schreibstil auf, es wirkt fast wie eine Nacherzählung und nicht so, als wäre man direkt dabei, obwohl ich dem Geschehen schon mit Spannung gefolgt bin. Dabei wirkt das Ganze eher emotionslos und distanziert, ist aber wirklich gut zu lesen.
Es gibt mehrere Abschnitte, die auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben und auch zeitlich schwer einordenbar sind, mit der Zeit rücken aber immer mehr Puzzleteile an ihren Platz und es entspinnt sich eine Geschichte, die auch viele Mystery- oder sogar leichte Horror-Elemente enthält.
Eigentlich mag ich so etwas nicht so gern, weil es mir oft zu unrealistisch ist, hier konnte ich mich dem aber irgendwann nicht mehr entziehen und mich hat wirklich das Gruseln gepackt. Außerdem wollte ich unbedingt weiterlesen und wissen, wie und ob sich alles auflöst.
Das Ende fand ich sehr stimmig und für mich blieben keine Fragen offen. Und obwohl "Komm spielen" wirklich ganz anders war, als ich erwartet hatte und ich Mystery eigentlich wie bereits erwähnt nicht so viel abgewinnen kann, hat es mir doch gut gefallen. Es war unterhaltsam und für mich mal etwas Neues.
Aus den genannten Gründen kann ich aber nicht die volle Punktzahl vergeben und auch durchaus verstehen wenn der ein oder andere Leser nach der Lektüre enttäuscht ist.
Rezensionen von Tara:
Manchmal entscheiden Sekunden
FIVE - Das Ticken der Zeit von Ilona Bannister
„FIVE - Das Ticken der Zeit“ ist ein außergewöhnlicher Thriller der in London lebenden Autorin Ilona Bannister.
Fünf Menschen stehen vollkommen unabhängig voneinander an einem Londoner Bahnsteig und warten auf den Zug. Da ist Emma mit ihrem sechsjährigen, verhaltensgestörten Sohn Gideon, der Geschäftsmann Liam, die Wissenschaftlerin Mrs Worth und der labile Sonny.
Einer von ihnen wird die Ankunft nicht überleben.
Jeder der Charaktere bringt seine eigene Vergangenheit mit sich, die nach und nach aufgedeckt wird, während die Uhr tickt.
Bereits auf den ersten Seiten wird eine enorme Spannung aufgebaut. Man spürt, wie die Zeit verrinnt, alles wird minutiös geschildert. Dadurch entsteht eine unglaubliche Unruhe, regelrechte Hektik, die mich gepackt hat und dafür sorgte, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte.
Mit ihren fünf Protagonisten hat Ilona Bannister interessante Charaktere erschaffen, die durch ihre Geheimnisse und Vergangenheit nicht unbedingt sympathisch wirken. Sie spielt mit der Zeit. Fünf Minuten sind kurz, aber in diesen fünf ereignet sich unglaublich viel, so dass trotz der präzisen Beschreibungen keine Längen entstehen.
Dieser Thriller ist wirklich außergewöhnlich, da zum einen der Schwerpunkt auf den Schicksalen der Protagonisten liegt und zum andern klar ist, was passiert, aber unklar wie es dazu kommt und wen es trifft.
Mit ihrem Nachwort rundet die Autorin ihren Thriller gelungen ab, da sie nochmals interessante Einblicke in die menschliche Psyche, Entstehung von Traumata und die Informationen zur britischen Bahn gibt, mit denen ich nicht gerechnet hatte.
Mich hat dieser Thriller begeistert, da er erfrischend anders war als das, was ich sonst lese.
Rezensionen von peedee:
Roman ja, Thriller nein
Er lügt von Rebecca Taylor McKay
Positano, Italien, 1961. Clara Carmichael ist eine glückliche Frau, denn sie ist mit ihrem Mann Spencer in den Flitterwochen an der Amalfiküste. Sie ist wirklich glücklich. Wie könnte sie es auch nicht sein? Spencer ist reich, charmant, und er liebt sie. Die letzten Monate waren nicht einfach für das Paar.
Aber jetzt wird alles besser. Oder? Clara erhält eine mysteriöse anonyme Botschaft: „Er lügt“. Sie beginnt, Spencers Verhalten zu analysieren. Und auch dasjenige der neuen Bekannten Fred und Vivian aus dem Hotel. Was verschweigen sie? Und was Clara?
Erster Eindruck: Das Buchcover gefällt mir sehr gut; Buchtitel und insbesondere der Untertitel sind gut gewählt und neugierig machend.
Das Buch wird aus der Sicht von Clara erzählt. Clara ist mit 22 Jahren noch sehr jung und verhält sich oftmals naiv. Spencer hat eine auf mich sehr herablassend wirkende Art, das mag ich gar nicht. Ebensowenig wie den Spitznamen „Bambi“ für seine Frau. Wie kam es, dass der Firmenchef „ausgerechnet“ die junge Clara aus der Schreibstube als seine Zukünftige auserwählt? Liebe? Hm, das kann ich nur sehr schwer glauben, denn schliesslich ist dies kein Hollywood-Märchen. Wieso kann sich Clara an so vieles nicht erinnern? War es die Krankheit? Welche? Sind Drogen im Spiel? Es ist schon merkwürdig, wenn der eigene Ehemann „plötzlich“ fliessend eine Fremdsprache spricht, obwohl er vorher nie etwas derartiges erwähnt hat. Oder hat er doch und Clara weiss es nur nicht mehr? Die Gedanken kreisen… und zwar lang. Sehr lang.
Die Autorin liess mich von Beginn an diverse Vermutungen anstellen, weshalb Clara so krank war bzw. es ihr nach wie vor nicht viel besser ging. Und ich hatte diverse Szenarien im Kopf, was auch die Bekannten, das Ehepaar Fred und Vivian, miteinschloss. Für meinen Geschmack zog es sich jedoch viel zu lange hin, bis effektiv etwas passierte, dass der Geschichte Schwung verlieh.
Fazit: Die Inhaltsbeschreibung versprach Spannung, ebenso der Aufdruck „Thriller“. Aber beides habe ich in dieser Story nicht gefunden, schade. Der Ausgang der Geschichte ist für mich unbefriedigend. Für einen Roman gut (3 Sterne), als Thriller leider keine Empfehlung;
Rezensionen von gerlisch:
Fesselnder Pageturner
Nebelbeute von Benjamin Cors
Benjamin Cors liefert im dritten Fall der Gruppe 4 eine durchgehend packende Handlung. Die unerwarteten Wendungen greifen tief ins Geschehen ein und sorgen dafür, dass man als Leser nie zur Ruhe kommt.
Besonders intensiv ist Milas Solo-Mission, sie ist auf der Jagd nach Toblach, getrieben von der Hoffnung, endlich Hinweise zum Verbleib von Mathilda und Romy zu finden.
Diese persönliche Motivation verleiht dem Thriller eine zusätzliche emotionale Ebene.
Die Gruppe 4 ist ein echtes Highlight. Die Charaktere sind unterschiedlich, spannend und perfekt in Szene gesetzt. Handlungen und Dialoge greifen so sauber ineinander, dass man das Gefühl hat, mitten im Team zu stehen. Die Dynamik untereinander wirkt authentisch und menschlich.
Für mich der stille Star in dieser Geschichte ist der Hund ohne Namen, der immer wieder auftaucht und die Handlung subtil beeinflusst.
Einige Szenen sind explizit brutal. Wer zartbesaitet ist, wird hier an Grenzen stoßen, für Thriller-Fans allerdings genau die richtige Lese-Kost.
Der Fall ist logisch, glaubwürdig und atmosphärisch dicht konstruiert. Alles in allem für mich ein echter Pageturner und ich hoffe, dass diese Thriller-Reihe fortgesetzt wird.
Rezensionen von Lilli33:
Nicht für Jugendliche mit psychischen Problemen
Perfect Little Monsters von Cindy R. X. He
Nicht für Jugendliche mit psychischen Problemen
Die siebzehnjährige Dawn ist gerade an die Sierton High School gewechselt. Sie hat das zweifelhafte Glück, ins Cheerleader-Team aufgenommen zu werden, in dem nur die beliebtesten Mädchen sind. Dadurch erhöht sich Dawns soziales Ansehen, es bringt aber auch einige Probleme mit sich, denn Dawn muss sich ziemlich verbiegen, um ihren Stand zu halten.
Die Mädchen gehen mit Außenseitern nicht zimperlich um. Als Ella, die Kapitänin der Cheerleader, nach einer ausgelassenen Party im Haus ihrer Eltern tot aufgefunden wird, stehen sämtliche Partygäste unter Verdacht, so auch Dawn.
Dieser Jugendthriller hat mich sofort gepackt. Interessant fand ich die beiden Erzählstränge mit Dawn in der Gegenwart und Hannah drei Jahre zuvor. Je mehr wir von beiden erfahren, umso klarer werden die Zusammenhänge.
Die sozialen Mechanismen unter Jugendlichen werden treffend beschrieben. Besonders intensiv wird auf das Mobbing und seine Folgen eingegangen. Die Autorin Cindy R. X. He war während der Schulzeit selbst Mobbingopfer und versuchte, dem mit einem Suizidversuch zu entkommen, wie sie in einem Nachwort erzählt. Viele im wirklichen Leben Betroffene werden sich hier wohl wiederfinden. Ihnen kann das Buch vermitteln, dass sie nicht allein sind und dass es nicht ihre Schuld ist. Allerdings gefällt mir in diesem Zusammenhang das Ende der Geschichte nicht, denn es bietet nur eine inakzeptable Lösung des Problems. Daher kann ich keine Empfehlung für entsprechend disponierte Leser:innen aussprechen.
Die Handlung hat es allerdings in sich. Sie steht einem Thriller für Erwachsene in nichts nach. Die Spannung wird die ganze Zeit hoch gehalten. Ich wollte miträtseln, wer wohl Ella ermordet hat, doch die Autorin schickte mich dabei von einem Verdächtigen zum anderen. Immer wenn ich eine neue Theorie hatte, wurde sie im nächsten Kapitel wieder über den Haufen geworfen. Es war einfach super gut gemacht. Und erst der Plottwist! Eigentlich so logisch, und trotzdem war er bis zur Offenlegung perfekt verschleiert, sodass ich es nicht kommen gesehen habe.
Das Hörbuch erschien im Juli 2026 bei Der Audio Verlag. Es wird gelesen von Josephine Hochbruck, die ihre Sache sehr gut macht. Atmosphäre, Emotionen, Spannung kommen super rüber. Ihre Stimme passt perfekt zum jugendlichen Ambiente. Das Hörbuch ist ungekürzt und läuft 8 h 30 min.
Rezensionen von Tara:
Erinnerungen & ein Neuanfang
Alleinruhelage von Eva Menasse
„Alleinruhelage“ ist ein kluger Roman der in Berlin lebenden Autorin Eva Menasse
„Haus, ich verkaufe dich“, mit diesem Satz der Protagonistin und Ich-Erzählerin startet die Handlung. Ein Haus, das Zeuge ihres Lebens ist, in dem sie mit ihren Kindern und ihrem Mann ihre Ferien mit guten und schlechten Tagen verbracht hat, das aber seit dem Aus der Ehe leer steht und verkommt.
Es ist nicht das erste Mal, dass sie verkaufen möchte, aber dieses Mal soll es wirklich so sein.
Alleine könnte die Protagonistin das Haus niemals in einen wohnlichen Zustand versetzen, aber sie hat Glück und bekommt Hilfe von dem polnischen Handwerker Bolek und der polnischen Putzfrau Alla.
Der Schreibstil von Eva Menasse ist ruhig und atmosphärisch. Die Stimmung der Datschensiedlung in Vorpommern wird gut vermittelt.
Zudem erfährt man viel aus dem ostdeutschen Sprach- und Kulturraum.
Es ist ein vielschichtiger Roman mit sympathischen Protagonisten, der mich zum Lachen gebracht und auch nachdenklich gemacht hat. Besonders amüsant fand ich dabei Alla und Bolek, die mich mit ihren liebenswerten Satzkonstruktionen immer wieder zum Schmunzeln gebracht haben.
Ich bin der Ich-Erzählerin gerne durch die Erinnerungen gefolgt und konnte sowohl ihre Gedanken als auch ihre Gefühle gut nachvollziehen.
Thematisch spricht die Autorin diverse Alltagsthemen an, in denen sich jede*r Leser*in irgendwo wiederfinden kann. Zwischen melancholischen und amüsanten Themen geht es um Veränderungen, Abschiednehmen, Neuanfang, Heimat, Fremde, Zugehörigkeit, Identität und vieles mehr.
Mich hat dieser vielschichtige Roman nachdenklich zurückgelassen.
Er zeigt, wie sich das Leben verändern kann und dass Einschnitte manchmal einen Neustart einfordern, um sein altes Leben loszulassen. Für mich ist „Alleinruhelage“ eine lohnende Lektüre, die durch ihre Authentizität noch lange nachhallt.
Rezensionen von yellowdog:
Titus Crown
Der letzte Wolf von S. A. Cosby
S.A.Cosby hat in seinen Romane oft Außenseiter als Protagonisten, aber in diesem Krimi ist der schwarze Titus Crown Sheriff in Charon County in Virginia.
Es gibt einen Amoklauf an der Schule, wobei ein Lehrer erschossen wird.
Ein junger schwarzer Mann wird als mutmaßlicher Täter erschossen, aber was steckt dahinter.
Die Stimmung in der Bevölkerung ist aufgewühlt. Die Ermittlungen stehen im Mittelpunkt, aber auch Titus als Mensch. Er ist eine starke Figur, die das Buch trägt.
S.A. Cosby schafft auch in seinem vierten Kriminalroman wieder viel Atmosphäre.
Rezensionen von Streiflicht:
Macht richtig Spielespaß!
Magische Spiegel - Kinderspiel ab 5 Jahre von Kseniya Kuznetsova
Auf dieses Spiel war ich total neugierig, weil ich die Spielidee so toll fand und mir auch die Schachtel mit dem Spiegeldeckel so gut gefallen hat. Der gute Eindruck hat sich weiter bestätigt, nachdem ich den Deckel geöffnet hatte. Die verschiedenen Karten sehen hochwertig aus und sind schön bunt, aber nicht schrill.
Dazu kindgerechte Motive und die Spiegelkarten, die aufdecken, was sich wirklich hinter den bunten Bildern versteckt. Mit Hilfe dieser Spiegel zeigen sich ganze Motive, die dann auf den kleinen Karten wieder zu finden sind. Wer entdeckt die im Spiegel gezeigten Dinge auf den bunten Karten? Schnell sein lohnt sich, denn wer als erstes zehn Sachen gefunden hat, hat gewonnen.
Mein Neffe ist knapp sechs und ist ganz begeistert von dem Spiel und voller Eifer dabei, mit dem Spiegel zu arbeiten. Den Dreh hatte er schnell raus und hat dann rasant herumprobiert. Aber auch für Erwachsene ist es eine lustige Herausforderung, auf den wimmeligen Karten, die auf den ersten Blick wie Pop Art wirken, Motive zu finden. Dazu bietet das Spiel drei verschiedene Varianten in der beiliegenden Anleitung. Da wird es auf gar keinen Fall langweilig, egal wie oft die Spieleschachtel hervorgezogen und geöffnet wird.
Mitspielen können bis zu sechs Kinder oder experimentierfreudige Erwachsene. Nach etwa einer Viertelstunde ist ein Spiel vorbei – perfekt für diese Altersgruppe.
Rezensionen von Streiflicht:
Ab nach Madeira
Der abenteuerlichste Madeira Reiseführer | Spektakuläre Orte, magische Gegenden und außergewöhnliche Erlebnisse | Das Beste aus Natur und Kultur für deinen Urlaub von Vera Kraft
Meine Mama wünscht sich schon länger eine Reise nach Madeira. Daher kam dieser Reiseführer genau recht. Gut gefallen haben mir die großen Bilder, die wirklich Lust auf die Insel machen. Allerdings habe ich mich gefragt, wer die fotografiert hat, weil keine Bildnachweise vorhanden waren. Nur ein sehr allgemeiner Verweis und das wirkte wie Stockfotos.
Das fand ich schade. Insgesamt war mir auch gar nicht so klar, wer das Buch wirklich geschrieben hat. Klar, es gibt eine Autorin, aber im Vorwort hat sie nicht unterschrieben oder so. Auch wirken die Texte eher unpersönlich und etwas lieblos zusammengetragen. Schade, daraus hätte man wirklich mehr machen können. In diesen Zeiten frage ich mich dann immer, wo die Infos herkommen und ob der Autor auch wirklich vor Ort war …
Gut gefallen hat mir, dass es viele verschiedene Tipps gibt, die jeden Geschmack abbilden und auch die unterschiedlichen Regionen der Insel berücksichtigen. Man muss dazu natürlich mobil sein und das ist im Urlaub ja immer nicht ganz so einfach.
Ein Buch, das dazu einlädt, die Insel kennenzulernen, gleichzeitig aber immer etwas zu sachlich wirkt. Als Reisevorbereitung sicherlich gut, wenn man von der Insel noch gar nichts kennt. Kenner entdecken wahrscheinlich nicht mehr so viel Neues.
Rezensionen von dorli:
Die Kraft der Freundschaft
Goodbye, Honeysuckle von Tayari Jones
Tayari Jones hat ihren Roman „Goodbye, Honeysuckle“ in dem fiktiven Ort Honeysuckle im ländlichen Louisiana angesiedelt. Wir befinden uns in den späten 1950er bzw. frühen 1960er Jahren und damit in einer Zeit, als die strikte Trennung von Weißen und Afroamerikanern in allen Bereichen des öffentlichen Lebens noch geltendes Recht war.
Die Menschen in Honeysuckle sind gottesfürchtig und hilfsbereit, sie unterstützen einander, wann immer es nötig ist. Inmitten dieser innigen Gemeinschaft wachsen Annie und Vernice auf. Die Schwarzen Mädchen verbindet nicht nur eine tiefe Freundschaft, sie teilen auch das gleiche Schicksal: beide wachsen zwar behütet, aber ohne Mutter auf. Annie wurde direkt nach ihrer Geburt von ihrer Mutter bei ihrer Großmutter zurückgelassen, Vernice wurde von ihrer Tante großgezogen, weil ihre Mutter erschossen wurde.
Die Mädchen kehren Honeysuckle nach ihrem Schulabschluss den Rücken. Annie verschwindet ohne ein Wort des Abschieds mit Freunden in Richtung Memphis, weil sie dort nach ihrer Mutter suchen will. Vernice zieht es wie geplant nach Atlanta, sie hat einen Studienplatz am berühmten Spelman College ergattert.
„Goodbye, Honeysuckle“ ist ganz anders, als ich erwartet hatte. Ich war davon ausgegangen, dass die politischen und gesellschaftlichen Themen von Zeit und Ort eine viel größere Rolle spielen. Die Autorin lässt diese Themen zwar in die Handlung einfließen, allerdings bei Weitem nicht in der Intensität, wie ich sie mir gewünscht hätte. Besonders über die studentische Bewegung und den Widerstand gegen die Jim-Crow-Gesetze hätte ich gerne mehr gelesen. Auch die Südstaatenatmosphäre ist kaum zu spüren. Die Fülle an landschaftlichen, historischen und kulturellen Eigenarten, die die Region zu bieten hat oder auch die bedächtige Lebensart der Einheimischen sind hier allenfalls schmückendes Beiwerk.
Tayari Jones legt ihr Hauptaugenmerk in diesem Roman auf ein ganz anderes Thema: es geht um fehlende Mutterliebe und um das Streben, diese schmerzhafte Lücke mit etwas zu füllen, das Heilung verspricht.
Annie wird von der Hoffnung angetrieben, ihre Mutter irgendwann zu finden. Es tut beim Lesen fast weh, mitzuerleben, wie ihre Suche zu einer Besessenheit wird, die sie mit Scheuklappen durch die Welt laufen lässt, so dass sie nicht einmal wahrnimmt, welches Glück das Leben ihr mit dem einfühlsamen Bobo beschert hat.
Vernice hingegen begegnet der Welt mit offenen Augen und kostet das Leben aus. Doch auch bei ihr ist der Wunsch nach Heilung unvermindert stark - so stark, dass sie ihre wahre Liebe verleugnet, weil diese ihr nicht richtig vorkommt. Vernice ist davon überzeugt, dass sie nur in einer „normalen“ Familie gesunden kann.
Tayari Jones lässt ihre Protagonistinnen in stetigem Wechsel zu Wort kommen. Jeweils in der Ich-Perspektive erzählen Annie und Vernice von den Höhen und Tiefen ihres Alltags, wie sie Herausforderungen meistern, glückliche Momente erleben oder mit Rückschlägen zu kämpfen haben. Obwohl die jungen Frauen verschiedene Wege einschlagen und ihre Leben sich ganz unterschiedlich entwickeln, bleiben sie über die Jahre hinweg durch Briefe miteinander verbunden. Als die Dinge schließlich einen tragischen Verlauf nehmen, wächst bei beiden die Erkenntnis, welche Kraft und Bedeutung ihre tief verwurzelte Freundschaft tatsächlich hat.
„Goodbye, Honeysuckle“ ist ein angenehm flott zu lesender Roman, der mich zwar gut unterhalten, aber nicht so nachhaltig beeindruckt hat, wie ich es mir erhofft hatte. 3,5*











