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Rezensionen von Lilli33:
Ganz unterhaltsam, aber nicht der beste Band der Reihe
Blendwerk (Kluftinger-Krimis 14) von Volker Klüpfel; Michael Kobr
Ganz unterhaltsam, aber nicht der beste Band der Reihe
„Blendwerk“ ist bereits Band 14 der Reihe um den schrulligen Kommissar Kluftinger von der Kriminalpolizei Kempten im Allgäu. Da der Kriminalfall in sich abgeschlossen ist, kann man ihn durchaus ohne Vorkenntnisse lesen. Fast mehr als das Verbrechen spielen hier aber die privaten bzw.
kollegialen Umstände eine Rolle, die natürlich in den vorhergehenden Bänden nach und nach aufgebaut wurden.
Die Spannung ist in dieser Reihe fast nie atemberaubend hoch, auch in diesem Band nicht. Zuweilen gleiten die spärlichen Ermittlungen dermaßen in den Hintergrund ab, dass ich vergaß, dass ich einen Kriminalroman lese. Wirklich Verdächtige geraten erst gegen Schluss in den Fokus.
Trotzdem habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Die beiden Autoren verstehen ihr Handwerk und machen auch aus einer eher schwachen Story ein angenehmes und interessantes Lesevergnügen. Das Drumherum ist einfach gut aufbereitet. Neben viel Regionalkolorit tauchen wir in die Welt von Social Media ein und schauen dort hinter die Kulissen - eine Welt, in der längst nicht alles so ist, wie es scheint. Blendwerk eben.
Kluftinger erscheint in vielen Situationen mal wieder total weltfremd, was für mich teils gezwungen wirkte, teils aber auch richtig witzig. Besonders freue ich mich immer, wenn er als blindes Huhn dann auch mal ein Korn findet, das allen anderen entgangen ist, die sich so viel auf ihr Wissen einbilden.
Fazit:
Ganz amüsant, aber ein wenig mehr Krimihandlung und Spannung dürfte es schon sein.
Die Reihe:
1. Milchgeld
2. Erntedank
3. Seegrund
4. Laienspiel
5. Rauhnacht
6. Schutzpatron
7. Herzblut
8. Grimmbart
9. Himmelhorn
10. Kluftinger
11. Funkenmord
12. Affenhitze
13. Lückenbüßer
14. Blendwerk
Wichtiges Thema, zu wenig Spannung
Gnadenopfer von Viveca Sten
Wichtiges Thema, zu wenig Spannung
Die ersten vier Bände dieser Reihe um die Polizistin Hanna Ahlander und ihren Kollegen Daniel Lindskog hatten mich restlos begeistert und bekamen verdiente 5 Sterne von mir. Leider kann der aktuelle 5. Band hieran nicht anknüpfen. Ich schwanke zwischen nur 3 und 4 Sternen.
Es fehlte einfach an Spannung. Zudem benahmen sich die Protas teilweise reichlich kindisch.
Das Hintergrundthema dieses Kriminalromans, den man im Übrigen auch ohne Vorkenntnisse lesen kann, ist ein sehr wichtiges. Es geht um alte Menschen, die einsam in ihren Wohnungen leben und aufgrund von körperlichen oder geistigen Gebrechen stark eingeschränkt sind. Weiter geht es um Pflegedienste, die sich um diese Menschen kümmern, wobei die Mitarbeitenden häufig überlastet sind und sich nur wenig Zeit für die Klienten nehmen können. Ein überaus anspruchsvoller und fordernder Beruf, der in unserer Gesellschaft viel zu wenig Anerkennung findet.
Nach einem packenden Einstieg, in dem wir direkt einen Mord miterleben, verpufft die Spannung leider sehr schnell. Über viele Seiten - gefühlt die erste Hälfte des Romans - hält sich der Kriminalfall im Hintergrund. Stattdessen beansprucht das Privatleben der Ermittler:innen einen viel zu großen Raum. Hanna ist nun schon seit zwei Jahren mit dem Milliardär Henry zusammen, kann sich aber nicht wirklich auf ihn einlassen. Anton steht kurz vor der Hochzeit mit Carl, aber das zerrüttete Verhältnis zu seinen Eltern macht ihm immer noch zu schaffen. Daniel versucht über Tinder sein Glück und lernt die nette Clara kennen, doch so richtig funken will es nicht. Dafür benimmt er sich in seiner Eifersucht Hanna gegenüber einfach nur schrecklich infantil. Das nervte mich am meisten.
Es dauert lange, bis man bei der Polizei begreift, dass die drei plötzlichen Todesfälle von alten Menschen nicht natürlich sind, sondern ein Serientäter sein Unwesen treibt. Durch Einschübe aus Tätersicht wird auch direkt zu Anfang klar, dass dieser seine Morde als Hilfe für die einsamen Menschen, als einen Akt der Gnade ansieht. Die Ermittlungen schleppen sich dann etwas unkoordiniert durch die Geschichte. Es werden einige Verdächtige aufgebaut, sodass man zwar miträtseln kann, wer nun der Schuldige ist. Im Nachhinein kann ich aber nicht sagen, dass man eine Chance hat, den Täter zu erkennen. Es hätte tatsächlich jeder sein können, und dass er gefasst wird, ist auch eher dem Zufall zu verdanken.
Auch wenn mich dieser Band nicht ganz überzeugen konnte, freue ich mich auf eine Fortsetzung der Reihe, die dann hoffentlich wieder an das Niveau der ersten Bände anknüpft und mehr auf das Verbrechen und weniger auf das Liebesleben der Protas eingeht.
Die Åre-Morde:
1. Kalt und still
2. Tief im Schatten
3. Blutbuße
4. Lügennebel
5. Gnadenopfer
Knüpft genial an die Vorgänger an
Totenfrau – Die Rückkehr von Bernhard Aichner
Knüpft genial an die Vorgänger an
Seit zehn Jahren ist so etwas wie Ruhe in Blums Leben eingekehrt. In Reza hat sie eine neue Liebe gefunden und lebt mit ihm in Kroatien. Mit ihrer Yacht veranstalten sie Ausflüge für Touristen. Als bei einem dieser Ausflüge ein Gast stirbt, kommt Blums ganzes Lebenskonstrukt ins Wanken.
Schnell geraten sie und ihre Lieben in Gefahr. Blum muss handeln …
Eigentlich war die Reihe mit dem 3. Band für mich beendet. Dass nach so vielen Jahren nun ein weiterer Band veröffentlicht wurde, hat mich überrascht, aber natürlich konnte ich ihn nicht links liegen lassen, denn die Totenfrau-Trilogie hatte mich einfach begeistert. Nun wird Blums Leben - und auch ihre Vergangenheit - in einem 4. Band weitergesponnen. Klar, das hätte nicht sein müssen, aber ich bin froh, dass Bernhard Aichner dieses Buch geschrieben hat, denn es knüpft einfach genial an die Vorgänger an. Diese sollte man wenn möglich gelesen haben. Im größten Notfall kann man Band 4 aber auch ohne Vorkenntnisse genießen.
Aichners Schreibstil ist wie gewohnt kurz und knackig. Die schnellen, kargen Sätze lassen die Getriebenheit der Protagonistin erahnen. Ich liebe seine Art zu schreiben wirklich. Sie geht mir durch und durch.
Blum ist keine Sympathieträgerin im herkömmlichen Sinn, und trotzdem habe ich mit ihr mitgefiebert und mitgebangt, habe versucht, hinter die Kulissen zu schauen, um herauszufinden, wer ihr nun wieder etwas Böses will. Ich gebe zu, ich war zwar nicht ganz so blauäugig wie Blum, aber die Zusammenhänge haben sich mir trotzdem nicht offenbart, bevor der Autor dies wollte. Die Überraschung ist ihm wirklich gelungen. Und wenn ich das Ende richtig interpretiere, könnte es auch noch eine weitere Fortsetzung geben, obwohl die Handlung eigentlich abgeschlossen ist. Ich würde mich auf jeden Fall darüber freuen.
Die Reihe:
1. Totenfrau. Die Rache bzw. Totenfrau
2. Totenfrau. Das Haus bzw. Totenhaus
3. Totenfrau. Der Rausch bzw. Totenrausch
4. Totenfrau. Die Rückkehr
Packendes Finale
Die Schlucht von Linus Geschke
Packendes Finale
„Die Schlucht“ ist der dritte und abschließende Band dieser Reihe von Linus Geschke aus dem Piper Verlag, in dem der belgische Campingplatz Donkerbloem eine tragende Rolle spielt - ebenso wie die Protagonist:innen Wout, Kathinka und Frieda. Die Verbindungen zwischen ihnen werden in den Vorgängerbänden aufgebaut und erklärt.
Daher empfiehlt es sich, alle drei Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen, obwohl man sie notfalls auch getrennt lesen kann.
Vor vielen Jahren wurde Kathinkas Schwester Julia ermordet, der Mörder aber nie gefasst. Immer noch sinnt Kathinka auf Rache und endlich scheint es so, als hätte sie die Täter identifiziert. Zusammen mit ihrem Vermieter und Freund Wout, einem Kriminellen, will sie Julias Mörder einer gerechten Strafe zuführen. Dabei geraten die beiden aber selbst in höchste Lebensgefahr.
Wie schon die ersten beiden Bände ist auch der dritte spannend und lesenswert. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven an verschiedenen Orten. Aber die Zusammenhänge sind schnell sichtbar und so ergibt sich eine runde Geschichte. Obwohl Linus Geschke sehr spannend erzählt, konnte mich dieser Band nicht restlos begeistern. Es gibt für mich einfach zu viele Wiederholungen. Immer wieder wird zum Beispiel betont, wie sehr jemand trauert und jemanden vermisst. Das hatte ich spätestens bei der zweiten Erwähnung kapiert, musste es aber noch etliche weitere Male lesen, was ich als unnötiges Aufblähen der Story empfand.
Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen und bin auch mit dem Ende sehr einverstanden. Daher gibt es von mir eine Leseempfehlung.
Die Donkerbloem-Trilogie:
1. Der Trailer
2. Das Camp
3. Die Schlucht
Der Titel ist Programm
Wie ein Fluss in der Nacht von Tana French
Der Titel ist Programm
Wie ein Fluss in der Nacht plätschert der 3. Band um den amerikanischen Ex-Cop Cal Hooper vor sich hin, hat mir aber dennoch recht gut gefallen. Die Atmosphäre in dem westirischen Dorf Arkadnelty wird gut eingefangen, die Beziehungen der Bewohner, ihre Freundschaften, Verwandtschaften und Abhängigkeiten sind gut dargestellt.
Die Hauptcharaktere sind tiefgründig angelegt und wirken authentisch. Ich empfand sie als sehr interessant und verfolgte ihre Tage sehr gerne mit, mit allen Höhen und Tiefen. Allerdings haben mich die Probleme in Cals und Lenas Beziehung nicht überzeugen können. Aus den Vorgängerbänden kannte ich die beiden als äußerst besonnen und liebevoll. Warum sie hier aus „nichts“ ein Drama machen, konnte ich nicht nachvollziehen.
Von Tana French erwarten viele Lesende einen Thriller und sind dann enttäuscht, wenn sie keinen bekommen, wie bei dieser ganzen Reihe. Vom Verlag wird das Buch folgerichtig auch als Roman und nicht als Thriller deklariert. Zwar gibt es hier auch Verbrechen, als viel wichtiger und intensiver empfinde ich jedoch das Beziehungsgeflecht im Dorf, die Sehnsüchte und Hoffnungen der Bewohner sowie ihre moralischen Ansprüche, die beim einen höher, beim anderen niedriger sind. Dies alles wird von der Autorin intensiv beleuchtet, zuweilen leider mit dem Effekt, dass die Handlung ein bisschen schleppend voran kommt.
Zwar knüpft dieser 3. Band an die ersten beiden an, was die Entwicklung der Protagonist:innen betrifft, die Handlung um das Verbrechen ist jedoch in sich abgeschlossen. Daher kann das Buch notfalls auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden.
Die Reihe:
1. Der Sucher
2. Feuerjagd
3. Wie ein Fluss in der Nacht
Fesselnd, aber leicht verwirrend
Totensee von Sophie Czerny
Fesselnd, aber leicht verwirrend
Seit fünf Monaten ist Ada Sabels Tochter Mara spurlos verschwunden. Ada ist sich sicher, dass Mara entführt wurde, doch ihre Kollegen vom LKA Wien haben Zweifel, zumal Ada scheinbar mit hohem Blutalkoholspiegel einen Unfall hatte und sich kaum erinnern kann. Deswegen ist sie auch vom Dienst suspendiert.
Doch Ada lässt sich nicht davon abbringen, nach Mara zu suchen. Die Einzige, die ihr glaubt, ist Heidi, ihre Freundin aus Kindheitstagen, die sie ewig nicht gesehen hat. Die beiden Frauen verbindet eine düstere Vergangenheit.
„Totensee“ ist das Thrillerdebüt von Sophie Czerny. Mich konnte die Story gut fesseln. Spannung, zuweilen nur unterschwellig, ist durchgehend vorhanden. Der Handlung liegen bedrückende Vorkommnisse zugrunde, die nicht unbedingt für alle Lesenden erträglich sein dürften.
Obwohl mir die Protagonistin Ada nicht wirklich sympathisch war, bin ich ihr gerne auf der Suche nach ihrer Tochter Mara gefolgt. Es war gut nachzuvollziehen, was sie zu ihrem jeweiligen Verhalten antreibt, auch wenn man es nicht immer gutheißen kann. Schnell wird klar, dass Maras Verschwinden etwas mit Adas eigener Vergangenheit zu tun haben muss, an die sie sich allerdings nicht erinnert. Ihre Erlebnisse waren so schlimm, dass ihr Gehirn sie weggeschlossen hat. Nach und nach kommen sie im Verlauf der Handlung dann wieder an die Oberfläche.
Die einzelnen Kapitel sind sehr kurz, sodass der Lesefluss immer wieder unterbrochen wird. Zudem ist die Anzahl der Orts- und Zeitwechsel enorm. Ich habe ehrlich gesagt irgendwann den Überblick verloren. Mal sind wir in der Handlung „14 Jahre zuvor“, mal „15 Jahre zuvor“, dann auch mal 13, 11, 3 und 1 Jahr vorher, wobei die Erzählung in der Vergangenheit nicht chronologisch erfolgt, sondern immer wieder in den Jahren hin und her springt. Die Handlung der Gegenwart ereignet sich in einigen Tagen im Dezember 2002.
Fazit:
Ein spannender Psychothriller um eine verzweifelte Mutter, die mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat. Durch das zeitliche Hin und Her leider etwas verwirrend, bei sehr aufmerksamem Lesen aber zu managen.
Triggerwarnung (bei Bedarf bitte rückwärts lesen):
GNUTPUAHTNETULBRETLOFHCUARBSSIMTLAWEG
Informativ und laiengerecht aufbereitet
Healthy Hashimoto von Ann-Katrin Sättele
Informativ und laiengerecht aufbereitet
Ann-Katrin Sättele litt selbst unter den Symptomen von Hashimoto, war aber nicht gewillt, dies einfach so hinzunehmen und suchte nach Lösungen, die die Schulmedizin nicht von sich aus anbietet. Solange die Blutwerte in der Norm liegen, zeigen Ärzte normalerweise keine große Initiative, auch wenn die Betroffenen trotzdem unter Symptomen leidern.
Dieses Buch beschäftigt sich mit der Theorie rund um die Autoimmunkrankheit Hashimoto. Es wird auf die Funktionsweise der Schilddrüse eingegangen und die jeweiligen Mechanismen und chemischen Stoffe, die daran beteiligt sind, erklärt. Vor allem wird dargelegt, dass Hashimoto keine isolierte Schilddrüsenkrankheit ist, sondern mehrere Organe zusammenspielen: Schilddrüse, Darm, Leber und Nebennieren. Auch Mikronährstoffe haben in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung. Ziel ist es nun, das Gleichgewicht wieder herzustellen, um die Symptome in Schach zu halten. Dabei spielt natürlich auch die Ernährung eine große Rolle. Deshalb hätte ich mir wesentlich mehr passende Rezepte gewünscht - leider sind es nur 29 Stück - von Frühstücksideen über warme Mahlzeiten bis zu süßen Leckereien.
Als positiv empfinde ich den 5-Wochen-Action-Plan, der einen für die ersten fünf Wochen der Veränderung ein wenig an die Hand nimmt und Tipps bereithält, was wann sinnvoll ist. Tatsache ist jedoch, dass Betroffene Eigeninitiative aufbringen müssen, um die belastenden Symptome von Hashimoto (teilweise) in den Griff zu bekommen.
Fazit:
Der Theorieteil bietet viele wichtige Informationen, um die Krankheit Hashimoto zu verstehen. Im Praxisteil warten einige leckere alltagstaugliche Rezepte darauf, regelmäßig in den Speiseplan integriert zu werden.
Spannender Psychothriller
DAISY - Und all deine Geheimnisse werden mir gehören von Melanie Raabe
Spannender Psychothriller
Luca Palmer, 34 Jahre alt, arbeitet in einer Berliner Anwaltskanzlei. Dass die Gerechtigkeit nicht immer siegt, sieht sie bei der Arbeit zuhauf. Also hilft sie selbst nach und dringt nachts in die Wohnungen und Häuser von Menschen ein, die trotz ihrer üblen Taten ungestraft davon gekommen sind.
Sie hinterlässt ihnen eine Denkzettel und als ihr Markenzeichen ein Gänseblümchen (engl.: daisy). Doch eines Tages kehrt sich der Spieß um und jemand ist hinter Luca her. Will sich eines ihrer Opfer rächen? Es beginnt ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel.
Von Anfang an ist die Spannung da und bis zum Schluss steigert sie sich immer weiter. Es macht Spaß mitzurätseln, wer Lucas Verfolger ist und ihr das Leben zur Hölle macht. Doch das ist gar nicht so einfach. Genau wie Luca hatte auch ich immer wieder andere Personen im Verdacht. Die Infos zu den einzelnen Figuren sind zunächst so spärlich gestreut, dass man sich bei keiner sicher sein kann. Und es gibt eine ganze Menge Menschen, die etwas gegen Luca haben könnten, es kommen also viele in Betracht. Mit etlichen kleinen überraschenden Wendungen führt die Autorin uns an der Nase herum. Ein bestimmter Kniff verwirrte mich zunächst komplett, erwies sich dann aber doch als logisch. Hier heißt es aufmerksam zu lesen.
Der Schreibstil ist fesselnd und mitreißend. Ich habe das Buch an einem einzigen Tag verschlungen. Besonders die Dialoge zwischen Luca und ihrem 78-jährigen väterlichen Freund Walther fand ich sehr schön. Hier prallen zwei Welten aufeinander und ergänzen sich doch wunderbar.
Die Handlung in der Gegenwart wird unterbrochen von Rückblenden in Lucas Schulzeit siebzehn Jahre zuvor. Je mehr wir über die damaligen Ereignisse erfahren, umso nachvollziehbarer wird Lucas Handeln in der Gegenwart. Man lernt die Protagonistin dabei immer besser kennen.
Mir hat dieser Psychothriller ein paar wirklich unterhaltsame Lesestunden beschert. Ich empfehle das Buch allen Lesenden, die es gerne spannend, aber unblutig mögen.
Spannend, brutal und leider sehr realitätsnah
Der Clan – Die Straße von Pascal Engman
Spannend, brutal und leider sehr realitätsnah
Sollentuna, ein Vorort von Stockholm, wird von der Großfamilie Mansour beherrscht. Deren Mitglieder verdienen sich mit Drogenhandel und Geldwäsche eine goldene Nase. Mit ihnen legt man sich besser nicht an, denn ihre Rache ist brutal. Zunächst ist die sonstige Kriminalität im Ort sogar geringer als anderswo, da keiner den Mansours in die Quere kommen will.
Deshalb hält sich sogar die Polizei zurück und lässt sie gewähren. Doch mit den Jahren geht es immer heftiger zu auf den Straßen Sollentunas.
Wieder einmal hat Pascal Engman es geschafft, mich komplett zu begeistern. Die Story ist dermaßen fesselnd erzählt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Dabei wirkt die Handlung leider sehr realitätsnah. Man kann sich gut vorstellen, dass es genau so in Wirklichkeit läuft.
Die Erzählperspektive wechselt zwischen einzelnen Familienmitgliedern der Mansours, dem Polizisten Hjalmar, dem Jugendlichen Josef, dessen alleinerziehende Mutter Fatima sich krumm und bucklig schuftet, und der jungen Antonia aus gutem Hause, die eigentlich ein unbesorgtes Leben führen sollte, sich jedoch mit Mobbing und Stalking auseinandersetzen muss.
Sie alle werden über einige Jahre auf ihrem Lebensweg begleitet. Ihre Pfade kreuzen sich immer wieder und laufen zum Teil parallel. Sehr glaubwürdig wird nachvollzogen, wie junge Leute unverhofft auf die schiefe Bahn geraten können, obwohl sie das eigentlich gar nicht wollen, und wie schwierig es ist, aus dem Teufelskreis wieder herauszukommen.
Am meisten habe ich mit Josef mitgefiebert, den seine Mutter über alles liebt, die ihm aber trotz aller Bemühungen kein angenehmes Leben bieten kann. Auch er liebt seine Mutter und versucht zu helfen - auf seine Art.
„Die Straße“ ist ein großartiger Auftakt der neuen Reihe von Pascal Engman. Die Geschichte ist von vornherein auf drei Bände angelegt. Zwar ist am Ende von Band 1 erstmal ein kleiner Abschluss, aber es ist noch so vieles offen, dass ich jetzt schon der Fortsetzung entgegenfiebere.
Die Trilogie:
1. Die Straße
2. Die Regeln (ET voraussichtlich 15. Januar 2027)
3. Der Krieg (ET noch nicht bekannt)
Solider Kriminalroman
Septembermord von Chris Chibnall
Fleetcombe, Dorset. Das kleine Dorf gerät in Aufruhr, als Jim Tiernan, der Pächter des örtlichen Pubs grausig zur Schau gestellt tot aufgefunden wird. Detective Sergeant Nicola Bridge ist gerade erst aus Liverpool in ihre alte Heimat gewechselt, um es etwas ruhiger angehen zu lassen. Tja, das war wohl nix.
Die aktuellen Ermittlungen verschlingen ihre gesamten körperlichen und geistigen Kräfte. Unterstützt wird sie lediglich von dem Polizei-Quereinsteiger Harry Ward, einem Grünschnabel, der sich allerdings als ehrgeizig und clever erweist und Mel, der sich lieber am Schreibtisch hinter seinem Computer verschanzt als draußen den Spuren nachzugehen.
Mir gefiel es gut, wie Nicola und Harry sich immer besser kennen und schätzen lernen und schließlich nach anfänglichen Reibereien ein richtig gutes Team werden. Die Ermittlungen sind gut beschrieben und nachvollziehbar. Der Fall ist einigermaßen kurios und bald kommt der Verdacht auf, er könnte mit gleichartigen Morden, die vor genau hundert Jahren verübt wurden, zusammenhängen. Die Zahl der Verdächtigen ist groß - fast jede:r im Dorf hätte ein Motiv, denn Jim Tiernan hatte es mit Recht und Moral nicht so genau genommen. Man kann hier wunderbar miträtseln, kombinieren und spekulieren, um am Ende doch überrascht zu werden.
Eigentlich hat Chris Chibnall also alles richtig gemacht. Wir haben es hier mit einem soliden Krimi zu tun, bei dem alles stimmt, aber für 5 Sterne fehlt mir leider das gewisse Etwas, durch das das Buch sich von anderen abhebt.
„Septembermord“ ist der Auftaktband einer neuen Reihe. Es hat mir immerhin so gut gefallen, dass ich mich auf den 2. Band freue.











