Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Rinoa:
Ein unheimlich wilder Ritt
Ein unheimlich guter Mensch von Kirsten King
Was für ein wilder Ritt!
Am Anfang hatte ich ein bisschen Probleme mit der Lektüre, weil ich Lillian so unfassbar unsympathisch fand, dass ich kurz dachte, ich könnte keine Sekunde weiterlesen, was in ihrem Kopf vorgeht. Denn als Leser ist man mittendrin in ihren teilweise wirklich kruden Gedanken und ich kam mit dem Kopfschütteln gar nicht mehr hinterher.
Aber auf der anderen Seite war es auch wie der sprichwörtliche Unfall, bei dem man einfach nicht wegschauen kann bzw. in diesem Fall einfach weiterlesen muss.
Lillian behandelt im Grunde alle Menschen in ihrem Umfeld schlecht, vor allem auch ihre einzige Freundin Jamie, schafft es aber immer wieder, sich als Opfer darzustellen. Dabei rechtfertigt sie jede noch so schlimme Handlung vor sich selbst und ja, sie schafft es tatsächlich auch, dass ich zwar objektiv nicht verstehen kann, dass sie so handelt, aber subjektiv durchaus sehen kann, dass es sich in ihrem Kopf richtig anfühlt. Schon das ist eine unglaublich großartige Leistung der Autorin, wie überhaupt der ganze Schreibstil. Ich habe selten ein Buch gleichzeitig so abstoßend und unterhaltsam gefunden wie dieses.
Manchmal hätte ich mir vielleicht noch eine andere Perspektive gewünscht, zum Beispiel Jamies, und sei es auch nur, um Lillians Gedankenwelt und Ich-Bezogenheit ein paar Momente zu entfliehen. Anderseits hätte das das Buch wahrscheinlich komplett verändert und es war schon echt gut so, wie es ist.
Das Ende schafft es, dem Ganzen dann noch die Krone aufzusetzen und ein bisschen bin ich froh, unbeschadet aus der Sache rausgekommen zu sein. Aber ich würde es immer wieder tun.
Habe mir mehr erwartet
Weil sie lügt von Caroline Seibt
Die Bewertung fällt mir tatsächlich ganz so leicht. Nach der Lektüre kam mir ein Satz in den Sinn, der es ganz gut trifft: Ich hätte es gerne lieber gemocht. Aber am Ende war es dann doch nicht ganz mein Fall.
Zunächst habe ich wirklich lange gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden. Zum einen bin ich mit dem Schreibstil nie richtig warm geworden, der für meinen Geschmack sehr bildhaft und fast ein wenig zu blumig und pathetisch war, vor allem für einen Thriller.
Auf der anderen Seite fand ich die Art des Erzählens ziemlich schwammig und hatte ständig das Gefühl, mir fehlen entscheidende Informationen. Natürlich soll das die Spannung erhöhen, mich hat es allerdings eher genervt, dass wichtige Dinge so unkonkret dargestellt werden. Das war mir alles einfach zu wenig greifbar.
Der Wechsel der Perspektiven zwischen Anna und der Polizistin Katharina hat mir dagegen gut gefallen, auch wenn die eigentliche Polizeiarbeit ein wenig zu kurz kam. Die Gefühls- und Gedankenwelt vor allem von Anna wurde auf jeden Fall sehr anschaulich und einnehmend dargestellt.
Mit ein paar Twists konnte die Autorin mich auch durchaus überraschen, insgesamt war die ganze Handlung aber doch sehr konstruiert und manche falschen Fährten zu offensichtlich. Außerdem wird am Ende plötzlich noch ganz viel aus dem Hut gezaubert, während für mich einige Fragen aber offen blieben.
Es wäre zu viel gesagt, dass ich von dem Buch enttäuscht war, aber letztendlich hatte ich mir schon mehr erwartet. Für mich ist leider der Funke nicht übergesprungen.
Mehr Mystery als Thriller
Komm spielen von Linwood Barclay
Als erstes fällt der für meinen Geschmack doch besondere Schreibstil auf, es wirkt fast wie eine Nacherzählung und nicht so, als wäre man direkt dabei, obwohl ich dem Geschehen schon mit Spannung gefolgt bin. Dabei wirkt das Ganze eher emotionslos und distanziert, ist aber wirklich gut zu lesen.
Es gibt mehrere Abschnitte, die auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben und auch zeitlich schwer einordenbar sind, mit der Zeit rücken aber immer mehr Puzzleteile an ihren Platz und es entspinnt sich eine Geschichte, die auch viele Mystery- oder sogar leichte Horror-Elemente enthält.
Eigentlich mag ich so etwas nicht so gern, weil es mir oft zu unrealistisch ist, hier konnte ich mich dem aber irgendwann nicht mehr entziehen und mich hat wirklich das Gruseln gepackt. Außerdem wollte ich unbedingt weiterlesen und wissen, wie und ob sich alles auflöst.
Das Ende fand ich sehr stimmig und für mich blieben keine Fragen offen. Und obwohl "Komm spielen" wirklich ganz anders war, als ich erwartet hatte und ich Mystery eigentlich wie bereits erwähnt nicht so viel abgewinnen kann, hat es mir doch gut gefallen. Es war unterhaltsam und für mich mal etwas Neues.
Aus den genannten Gründen kann ich aber nicht die volle Punktzahl vergeben und auch durchaus verstehen wenn der ein oder andere Leser nach der Lektüre enttäuscht ist.
Solider Krimi
Vega Varg – Das Schweigen der Insel von Åsa Hellberg
Von Beginn an ist natürlich klar - das sagt ja bereits der Titel -, dass es hier auch viel um Vega Varg und ihre Vergangenheit gehen wird.
Ein bisschen Probleme hatte ich mit der geografischen Zuordnung, was liegt in Norwegen, was in Schweden, wer wohnt wo? Das hat den Lesefluss gerade anfangs doch etwas gestört.
Ansonsten hat mich der Schreibstil so ein wenig an die Hulda-Reihe erinnert, irgendwie einfach (ohne das negativ zu meinen) und sehr angenehm zu lesen.
Als ich mich an die örtlichen Gegebenheiten und doch recht vielen Personen und Namen gewöhnt hatte, entspann sich ein typischer Krimi, eher ruhig und besonnen als actionreich, aber durchaus spannend.
Den eigentlichen Fall fand ich gut konstruiert und schnell wird klar, dass er für Vega Varg sehr persönlich ist. Immer wieder gibt es Rückblenden in die Vergangenheit, als ihr Mann ermordet wurde, und die Zeit danach.
Am Ende wurde es dann richtig dramatisch, das hat für mich nicht so ganz zum Rest gepasst. Als müsste man jetzt noch möglichst viele Wendungen einbauen. Da wäre weniger vielleicht mehr gewesen.
Ansonsten hat mir "Vega Varg" aber gut gefallen, es war spannend und hat mir einige unterhaltsame Lesestunden beschert. Ich weiß nicht, ob hier ein weiterer Teil angedacht ist, so ganz kann ich mir das gerade nicht vorstellen, werde aber durchaus danach Ausschau halten.
Düsterer Thriller
Home Before Dark von Eva Björg Ægisdóttir
Was für ein toller Thriller!
Erzählt wird aus Sicht von Marsibil zehn Jahre nach dem Verschwinden ihrer älteren Schwester Kristin, genannt Stina und es wird schnell klar, dass es Marsi aus diversen, teilweise auch unbekannten Gründen nicht gut geht. Hierbei entspinnt sich eine beklemmende und trostlose Atmosphäre, die durch das Verhalten der Eltern sowie Marsis Gedanken noch verstärkt wird.
Dazwischen gibt es regelmäßig Rückblenden zu Stina aus der Zeit kurz vor bis zu ihrem Verschwinden, parallel findet Marsi auch immer mehr heraus, so dass es zwischen ihr und dem Leser eigentlich kaum einen Wissensvorsprung gibt, das war schon gut gemacht.
Und obwohl ich anfänglich über die vielen isländischen Namen gestolpert bin und diese bestimmt allesamt innerlich ganz falsch ausgesprochen habe, fand ich den Schreibstil der Autorin sehr angenehm zu lesen und absolut passend zu der düsteren Stimmung im Buch.
Auch die Auflösung fand ich richtig toll, da saß einfach jeder Twist und jedes Detail, alles war stimmig, teilweise auch überraschend und für mich blieben keine Fragen offen.
Mir hat "Home Before Dark" wirklich sehr sehr gut gefallen, für mich war es ein absoluter Volltreffer, den ich nur wärmstens empfehlen kann.
Überraschend anders
Summer Heat von Solveig-Marie Kastner
Ich kam erst einmal nicht so gut rein in die Geschichte, obwohl der Schreibstil gut zu lesen war. Irgendetwas hat mir allerdings gefehlt.
Doch das hat sich mit der Zeit fast unmerklich verändert, es kommen weitere Perspektiven dazu und erweitern den Blick auf die Geschehnisse. Überhaupt fand ich den Aufbau wirklich sehr gut gelungen und die Autorin konnte mich mit einigen Wendungen wirklich überraschen, wenn auch manche Entwicklungen etwas konstruiert wirkten.
Ich hatte aber nie das Gefühl, dass ich ganz bewusst und offensichtlich auf eine falsche Spur geschickt werde, das hat mir wirklich gefallen.
Es hat mich nicht in atemlose Spannung versetzt, aber doch gefesselt auf eine eher ruhige, durchaus intensive Weise. Alles baut sich recht langsam auf und ich bin den Ereignissen gespannt gefolgt, vor allem im Hinblick auf das was noch kommt.
So richtig sympathisch war mir keine der Figuren (was aber natürlich auch nicht sein muss), trotzdem habe ich am Ende insbesondere mit Mia mitgefiebert und mir ein gutes Ende für sie gewünscht.
Mir hat "Summer Heat" gut gefallen, es war anders als gedacht und konnte mich sowohl unterhalten als auch überraschen.
Keine leichte Kost
John of John von Douglas Stuart
Dies war mein erstes Buch von Douglas Stuart und ich bin im Grunde ohne Erwartungen und nur aufgrund des Klappentexts, der sich für mich interessant angehört hat, an die Sache herangegangen.
Überschattet wurde die Lektüre für mich davon, dass mich Johns Verhalten eigentlich die ganze Zeit wirklich wütend gemacht hat.
Was auf der einen Seite natürlich vom schriftstellerischen Können des Autors zeugt. Auf der anderen Seite war es aber auch anstrengend, weil es mir wirklich sehr nah ging, wie schlecht John alle in seinem Umfeld behandelt, aber gleichzeitig seine Gottesfürchtigkeit über alles stellt, dabei sich aber selbst Tag für Tag versündigt (nach seinem eigenen Verständnis und Glauben). Das war für mich wirklich schwer zu ertragen und hat mir auch ein bisschen das Schöne des Buchs verleidet, das es zweifellos auch gibt.
Da ist zum einen die Sprache, die mich sehr berührt hat, die Darstellung des Lebens auf der Insel, die Entbehrungen, die kleinen Momente des Glücks, das Zwischenmenschliche. Ich wurde richtig hineingezogen und habe mich den so unterschiedlichen Menschen dort wirklich nahe gefühlt.
Es ist keine leichte Kost und das muss es ja auch nicht sein, das echte Leben ist ja auch nicht immer leicht und genau das wird hier ganz meisterhaft und authentisch abgebildet.
Trotzdem hat mich das Buch unterhalten und auch wirklich gefesselt. Wer einen netten Schmöker für zwischendurch sucht, wird hier aber nicht fündig werden.
Verzwickter deutsch-polnischer Fall
Strandopfer von Frank Goldammer
Als passioniertem Krimi-Leser ist mir Frank Goldammer natürlich ein Begriff, auch wenn ich noch kein Buch von ihm gelesen habe. Nun war es aber durchaus mal an der Zeit, warum also nicht sein neuester Krimi.
Und der hat mir gleich einiges abverlangt, denn ich habe mich am Anfang unheimlich schwergetan mit dem Schreibstil, den ich als sehr abgehackt, teilweise fast schon roh, empfunden habe.
Erst mit der Zeit habe ich verstanden, oder es zumindest so interpretiert, dass er genauso schnodderig ist wie die dazugehörige Ermittlerin Lena Schuldt, es hat aber wirklich eine ganze Weile gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Dann fand ich ihn aber durchaus stimmig und sehr passend.
Und dann wirkten auch noch die Ermittlungen, die Lena mit ihrem polnischen Kollegen Adam Krawczyk durchführt, teilweise wahnsinnig stümperhaft und fast schon kopflos, was eventuell aber auch an der Sprachbarriere und der belasteten und hier sehr gut beschriebenen deutsch-polnischen Geschichte liegt.
Außerdem schleppt auch Lena ihre ganz eigene schlimme Geschichte mit sich herum und wirkt dabei sehr nahbar und authentisch, im Gegensatz zum eher verstockten Adam. Das hat mir wirklich gut gefallen.
Mich hat das Buch - nach den geschilderten Anlaufschwierigkeiten - richtig gepackt und ich hatte bis kurz vor dem Ende absolut keine Ahnung, wie es sich auflösen könnte bzw. mehrere Theorien, die alle hätten stimmen können.
Und auch die Dynamik zwischen Lena und Adam fand ich interessant, genauso wie das deutsch-polnische Thema, was ja auch irgendwo miteinander verknüpft ist.
Sollte es einen Folgeband geben, werde ich diesen sehr gerne lesen.
Ruhiger, packender Krimi
Schlafende Vulkane von Michael Hjorth; Bjarni Thorsson
Von Beginn an hat mich das Buch in seinen Bann gezogen und ich bin richtiggehend eingetaucht in die Welt von Helga und Bjarki.
Den Schreibstil empfand ich als sehr angenehm zu lesen und durch die recht kurzen Kapitel, abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven, wurden die - auch privaten - Entwicklungen von allen Seiten beleuchtet, was mir noch mehr das Gefühl gegeben hat, mittendrin zu sein.
So entspinnt sich ein ruhiger, relativ ausführlich erzählter Krimi (für mich ist es kein Thriller, wie auf dem Cover bezeichnet), ab und an vielleicht auch mit ein paar Längen, was ich aber gar nicht als störend empfand. Es passte vielmehr einfach gut zum Schreibstil und dem ganzen Setting des Buchs.
Und auch private Verstrickungen kamen hierbei nicht zu kurz, hatten für meinen Geschmack aber genau die richtige Dosis.
Mir hat "Schlafende Vulkane" wirklich sehr gefallen, es hat in mir zwar keine atemlose Spannung ausgelöst, wie ich es beispielsweise bei einem Thriller erwarten würde. Aber es hat mich von der ersten Seite an gepackt und durchaus eine gewisse Sogwirkung entfaltet.
Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen und werde nach weiteren Bänden Ausschau halten.
Ungewöhnlicher Thriller
Meeresdunkel von Till Raether
Dies war mein erstes Buch von Till Raether und ich bin immer noch ganz begeistert von seinem doch eher ungewöhnlichen und ganz eigenen Schreibstil. Dieser wirkt nicht so weichgespült, sondern fast ein wenig roh, wodurch man die jeweiligen Gedanken und Gefühle fast schon ungefiltert mit- und abbekommt.
Dies wird durch das verwendete Präsens noch verstärkt.
Erzählt wird hauptsächlich aus drei verschiedenen Perspektiven (Henrike, Samuel und dessen Sohn Juri) und auch innerhalb dieser wechselt die Sprache fast unmerklich von sehr emotional, über etwas rationaler bis hin zu kindlich, je nachdem, wer gerade an der Reihe ist - das war schon echt gut gemacht. Spannend auch, dass Henrike und Samuel so mit sich selbst beschäftigt sind, dass sie überhaupt nicht merken, was um sie herum passiert.
Die Geschichte an sich löste von Beginn an ein leichtes Grauen bei mir aus (nicht zuletzt dank des starken Prologs), ohne dass ich das an etwas Bestimmten festmachen konnte. Die Atmosphäre ist jedenfalls großartig beschrieben und fest steht auch, dass beide Familien ihre ganz eigenen Probleme und Eigenheiten haben.
Leider verflacht das Buch im zweiten Teil für meinen Geschmack ein wenig. Und obwohl ich kein Fan davon bin, wenn am Ende alles ganz schnell geht, fand ich die häppchenweise Auflösung hier teilweise etwas anstrengend und leider auch etwas konstruiert. Auch blieben einige Dinge ein bisschen in der Luft hängen, was aber durchaus stimmig war.
Ich habe "Meeresdunkel" wirklich gemocht, wer einen ungewöhnlichen und nicht dem Einheitsbrei entsprechenden Thriller sucht, ist hier auf jeden Fall gut aufgehoben.











