Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Brigittte:
Zeit für die wirklich wichtigen Dinge
Ein Mädchen namens Willow 6: Zwischenzeit von Sabine Bohlmann
Bisher kannten wir Willow nur von den verträumten Buchcovern, die einem sofort Lust aufs Schmökern macht. Nun haben wir es gewagt und sind direkt mit Band 6 eingestiegen – und was soll ich sagen? Wir sind schlichtweg begeistert! Obwohl wir die ersten Teile noch nicht kannten, sind wir überraschend gut in die Handlung hineingekommen.
Die kleinen Erklärungen zwischendurch helfen ungemein, ohne dass es langweilig wird.
Inhaltlich ging es für Willow emotional direkt zur Sache, als sie mehr über ihre Familie erfuhr. Da leidet man als Oma richtig mit. Zum Glück bringt der amüsante Grimmor eine herrliche Leichtigkeit hinein, so dass sich emotionale und auch humorvolle Stellen gut abwechseln! Als er auf der Reise das erste Mal ein Handy kennenlernt und es mit magischen Fähigkeiten vergleicht, mussten wir erst einmal darüber sprechen – als Oma konnte ich seine verblüffte Reaktion vollkommen nachvollziehen! Die Reise in die Zwischenzeit war dann ein echtes Abenteuer: abwechslungsreich, super spannend und stellenweise sogar ein bisschen gruselig. Durch die wechselnden Perspektiven hatten meine Enkel und ich ordentlich Kribbeln im Bauch und haben regelrecht mitgefiebert. Der Schreibstil ist fast schon verträumt und so flüssig, dass man einfach die Welt um sich herum vergisst.
Besonders in Erinnerung bleibt mir der bezaubernde Appell am Ende: Seine Zeit sinnvoll und mit Freude zu nutzen. In unserer heutigen, oft so schnelllebigen Welt ist das ein wunderschöner Gedanke. Ein echtes Highlight für gemeinsame Gemütlichkeits-Lesestunden.
Rezensionen von peedee:
Leider nicht meins, schade
Irgendwann verglüht die Sonne von Andrea Profetto
Teenager Carla und ihre Schwester Nora haben sich nicht viel zu sagen. Auch ihrer Mutter Monika nicht. Oder ihrem Stiefvater Matthias. Irgendwie spricht niemand. Und doch ist greifbar, dass etwas in dieser Familie überhaupt nicht stimmt. Was genau es ist, will niemand benennen. Solange niemand etwas sagt, ist schliesslich auch nichts.
Oder doch?
Erster Eindruck: Das Cover des Schutzumschlages (ich mag keine Schutzumschläge) ist durch seine Farbe und die plakative Schrift sehr auffällig.
Es sind vier Personen, wovon die Leser:innen aus der Sicht von drei Personen, den Frauen der Familie, mehr erfahren:
- Monika: Einerseits findet sie ihre Aufgabe als Hausfrau gut, andererseits eben doch auch nicht. Und Matthias findet sie gut, aber ihren Ex, den Vater ihrer Kinder, findet sie nach wie vor deutlich besser. Aber Matthias kümmert sich um sie. Und daher bleibt sie mit ihm zusammen? Manchmal überwiegt bei ihr das Selbstmitleid.
- Nora: Sie isst nichts; macht, was sie will; bleibt von zu Hause weg, wie es ihr gerade passt. Sie hat ganz offenbar Probleme – wie auch ihre Mutter und Schwester –, versucht aber, diese „auszusitzen“. Irgendwie lösen sie sich von selbst. Oder eben nicht. Sie sucht Nähe, lässt sie aber nicht zu.
- Carla: Sie scheint – wie ihre Schwester – auch auf verlorenem Posten. Sie weiss nicht, was sie fühlen soll. Sie mag Mädchen. Irgendwie mehr als Jungs. Aber darf das sein? Sie ist sich noch nicht sicher. Eigentlich würde sie sich gerne Nora anvertrauen. Aber dann doch auch wieder nicht.
Ich dachte immer nur „Sprecht doch endlich miteinander!“ Aber nein, niemand wollte auf mich hören. Ich weiss nicht, was ich von diesem Buch halten soll. Es war bedrückend, richtiggehend deprimierend, alle blieben zu lange Zeit passiv. Dieses Ausharren hat mich sprachlos und zugleich wütend gemacht. War DAS die Absicht der Autorin? Mir hat das Buch leider nicht so gut gefallen, schade. Von mir gibt es daher nur 2 Sterne.
Rezensionen von Brigittte:
Ein Bär lernt Benehmen und echtes Miteinander
Hilfe, Tiger! Bilderbuch von Özge Bahar Sunar
Was für ein wunderbares Buch mit einem Thema, das in unserer heutigen Zeit so unglaublich aktuell ist – und das keineswegs nur für die Kleinen, sondern auch für uns Erwachsene! Es zeigt auf so schöne Weise, dass die Stimme einer starken Gemeinschaft viel mehr wiegt als ein einzelnes, respektloses Wesen.
Im friedlichen Ingwerwald ist die Welt noch in Ordnung, bis plötzlich ein Bär auftaucht, der mit seinem rüpelhaften und sehr unfreundlichen Benehmen mächtig für Angst und Schrecken sorgt. Doch die Tiere fassen sich ein Herz und halten fest zusammen! Sie sprechen Tacheles mit dem Bären und machen ihm ganz klar verständlich, was in ihrer Gemeinschaft absolut nicht akzeptiert wird und welche Regeln für ein friedliches Miteinander gelten. Besonders schön fand ich, dass sie ihn nicht gleich ausgrenzen. Sie bieten ihm einen Platz in ihrer Gemeinschaft an, wenn er bereit ist, sich an die Regeln zu halten. Mit ein bisschen Unterstützung vom hilfsbereiten Tiger zeigt sich der Bär schließlich einsichtig. Es ist richtig herzerwärmend zu sehen, wie er auf die Waldbewohner zugeht und sich auf eine ganz individuelle, respektvolle Art bei allen entschuldigt. Zusammenhalt, Verbundenheit und Selbstvertrauen stehen hier wirklich an erster Stelle. Ein großes Lob gilt auch den Zeichnungen: Die seitenfüllenden Bilder in warmen Naturtönen gefallen uns richtig gut! Sie ergänzen die kurzen Textpassagen perfekt, und man kann die Mimik der einzelnen Tiere wunderbar nachvollziehen und mitfühlen.
Eine mit viel Liebe erzählte Geschichte, fantastischen, stimmungsvollen Bildern und einer ganz wertvollen Botschaft fürs Leben.
Rezensionen von Brigittte:
Ein berührendes Bilderbuch, das richtig ans Herz geht!
Der verlorene Otto. Bilderbuch von Doris Dörrie
Oh je, da hat mir beim Vorlesen wirklich das Oma-Herz geblutet! Der kleine Otto ist wütend auf seine Mama, seinen Papa und seine Schwester – ihm wird einfach alles zu viel, und da läuft er von zu Hause weg. Was für ein großer Schritt für so einen kleinen Kerl! Doch draußen merkt Otto schnell, wie doof die Welt sein kann und wie einsam man sich ohne seine Liebsten fühlt.
Ich muss ehrlich zugeben: Beim Lesen habe ich im Stillen ständig gedacht: Hoffentlich kommen meine Enkelkinder nie auf so eine Idee! Aber genau das macht das Buch von Doris Dörrie so wertvoll. Es greift ein Thema auf, das nicht immer einfach ist, aber eben zum Leben dazugehört. Wir haben im Nachgang lange und intensiv darüber gesprochen, wie man mit Wut umgeht und dass die Familie immer für einen da ist. Es ist wunderbar, wenn ein Kinderbuch nicht nur unterhält, sondern als Anlass dient, um über solche wichtigen Gefühle und Themen im Familienkreis zu sprechen.
Rezensionen von Sophiaaaaaa:
Einzigartiges und düsteres Retelling
Played by the Piper - Die Unbeugsame von Raven Kennedy
Allein das wunderschöne Cover und der Farbschnitt haben mich dazu bewegt, dieses Buch zu lesen. Ich konnte das Erscheinungsdatum kaum abwarten und habe es innerhalb von 2 Tagen durchgesuchtet, obwohl es 654 Seiten lang ist.
Played by the piper ist mein erstes Buch von Raven Kennedy und ich muss sagen, dass ihr Schreibstil wirklich sehr angenehm und bildhaft ist.
Er führt einen durch die ganze Geschichte hindurch und machte das Buch für mich noch fesselnder.
Im Buch geht es um Esti, die in einer Welt lebt, die immer wieder von Plagen heimgesucht wird. Ausgelöst wurden diese durch einen Riss in der Erde vor 30 Jahren und den dadurch gekommenen Bane. Sie selbst ist halb Fae und halb Bane, weshalb die anderen Leute sie verächtlich betrachten. Eines Tages kommt ein Blut-Fae (die Fae die die Plagen beenden können) in die Stadt und nimmt 130 Gefangene mit sich, unter ihnen auch Esti...
Ich finde das Thema sehr interessant und es ist wirklich mal etwas ganz anderes, das ich so noch nie gelesen habe. Genauer gesagt handelt es sich um ein Retelling rund um den Rattenfänger, also eine sehr kreative Idee.
Es war meiner Meinung nach gut umgesetzt und man wusste anfangs nicht recht, wo die Geschichte hingeht. Die Plagen haben mich ein wenig an die Plagen in der Bibel erinnert, was das ganze nochmal besonderer macht. Überzeugend war außerdem auch die düstere und irgendwie auch apokalyptische Atmosphäre, die im ganzen Buch herrscht, sowie das tolle Setting.
Die Charaktere fand ich ebenfalls interessant und sie bleiben nicht oberflächlich. Man erfährt mehr über Esti und auch ihre Schwierigkeiten/ Fähigkeiten. Die enge Bindung zwischen ihr und ihrer Tante Lenna, sowie ihrer Mutter fand ich sehr überzeugend und es war echt toll, wie sehr sie zusammenhalten.
Der Rattenfänger Varrik war auch ein interessanter Protagonist und ich mochte die Dynamik und Schlagabtausche zwischen ihm und Esti sehr. Es war toll, dass sich die Beziehung zwischen ihnen nur langsam entwickelte und sie am Anfang eher noch Feinde waren.
Die 2 Gründe dafür, dass ich allerdings einen Stern abziehen muss, sind einmal die Längen im Mittelteil des Buches und der Spice. In der Mitte hat sich die Handlung öfters wiederholt und es ist nicht viel Spannendes passiert. Man hätte das Buch meiner Meinung nach auch um ein paar Seiten kürzen können. Da kommen wir auch schon zu meinem zweiten Kritikpunkt: der Spice. Die erste spicy Szene kam erst sehr spät im Buch, aber sie war etwa 16 Seiten lang und das war mit persönlich einfach zu viel/lang und zu ausführlich. Man hätte diese getrost weglassen können, ohne irgendetwas zu verpassen.
Insgesamt dennoch ein sehr solider Start, der durch eine düstere, apokalyptische Stimmung, eine einzigartige Grundidee und einen Twist am Ende überzeugt. Ich würde das Buch also definitiv weiterempfehlen!
Rezensionen von Marianna H.:
Ergreifend
Wildboden von Constantin Lieb
1936 leben der Maler Ernst Ludwig Kirchner und seine Partnerin Erna Schilling in Frauenkirch in der Schweiz. Aus der Ferne erleben sie den Aufstieg der Nationalsozialisten. Schilling und Kirchner leiden darunter, aber sie leiden auch wegen einander. Kirchners Sucht und sein Charakter bestimmen das Leben von Erna, bis sie zuletzt zu einem dramatischen Ende finden.
Inzwischen gibt es einige Romane über Künstler und ihre "Musen", über herabwürdigende und menschenverachtende Verhaltensweisen der Künstler gegenüber den Frauen an ihrer Seite. Und Romane in denen der Nationalsozialismus eine Rolle spielt gibt es auch einige, die zwar interessant, aber nicht spannend sind. Deswegen war ich schon zu Beginn etwas ernüchtert und habe mir nicht allzuviel erwartet. Die Erzählung hat mich dann überraschend gepackt.
Die Beschreibungen sind einerseits sachlich, aber auch sehr berührend. Die Dynamik zwischen den Beiden, auch vorallem der Sucht wegen, wird langsam sichtbar und die Zusammenhänge verständlich. Erna ist die eigentliche Hauptfigur für mich. Ihr Denken und Fühlen nimmt einen großen Teil der Erzählung ein. Sie ist Diejenige, mit der ich als Lesende Mitgefühl entwickelt habe.
Es ist spannend, wie der Autor die eigentliche Geschichte als Rückblende einbaut, so wird das Vergangene irgendwie noch realer. Die Erzählung ist sehr klar aufgebaut und das Buch schnell gelesen. Es war mir zu keiner Zeit lang.
Die Bezüge zum Nationalsozialismus werden ansatzweise dargestellt. Sie fügen sich nahtlos in die Erzählung und bilden den Rahmen, in dem das Handeln der Charaktere auch noch anders eingeordnet werden kann. Auch wenn Erna die Sympathie gilt, so wird die Komplexität der anderen Charaktere deutlich.
Nach der spannenden Erzählung, hat mich das Ende tief beeindruckt. Das Drama kommt sehr sachlich daher und trifft doch mit voller Wucht.
Rezensionen von ekiam:
Nudeln, Nudeln, Nudeln
Best of Pasta Noodles Nudeln von Steffen Henssler
Wer Nudeln liebt, findet in Best of Pasta Noodles Nudeln von Steffen Henssler eine ziemlich abwechslungsreiche Sammlung. Dabei beschränkt sich das Buch nicht nur auf italienische Pasta, sondern kombiniert italienische Klassiker mit zahlreichen asiatisch inspirierten Nudelgerichten.
Besonders gut gefallen hat uns, dass das Buch mit einem Nudel-FAQ startet.
Hier werden unter anderem Fragen dazu beantwortet, welche Nudelsorte zu welcher Sauce passt. Gerade für die asiatischen Gerichte fanden wir diese Informationen interessant und hilfreich. Auch die Kennzeichnung der vegetarischen Rezepte ist praktisch: Durch ein Symbol erkennt man auf den ersten Blick, welche Gerichte ohne Fleisch auskommen. Bei den Rezepten selbst gibt es eine gute Mischung aus schnellen und unkomplizierten Gerichten und solchen, für die man etwas mehr Zeit einplanen muss.
Etwas schade fanden wir allerdings die Verteilung der vegetarischen Gerichte. Während es im italienischen Teil eine ganze Reihe vegetarischer Rezepte gibt, findet sich bei den asiatischen Gerichten gerade einmal ein einziges. Hier hätten wir uns entweder mehr vegetarische Varianten oder zumindest Hinweise gewünscht, wie sich das Fleisch in einigen Rezepten durch passende Alternativen ersetzen lässt.
Zum Abschluss gibt es noch einen Abschnitt mit Rezepten für selbstgemachte Pasta. Damit bietet das Buch auch für diejenigen etwas, die nicht nur fertige Nudeln mit Sauce kombinieren, sondern ihre Pasta einmal komplett selbst herstellen möchten.
Optisch ist das Buch ebenfalls gelungen. Die Gerichte sind wunderbar fotografiert, ohne dass die Bilder dabei überladen wirken. Die Rezepte selbst sind verständlich geschrieben und auf das Wesentliche reduziert. Hin und wieder ergänzt Henssler noch einen persönlichen Tipp oder Kommentar, was den Rezepten eine schöne persönliche Note gibt.
Insgesamt ist Best of Pasta Noodles Nudeln eine abwechslungsreiche Sammlung für alle, die gerne Pasta und andere Nudelgerichte essen.
Rezensionen von gerlisch:
Wahrheit oder Pflicht
In Stormy Weather von Chelsea Curto
In Stormy Weather konnte mich leider nicht ganz so mitreißen, wie ich es mir erhofft hatte. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, was grundsätzlich spannend sein kann. Allerdings habe ich dabei gelegentlich den Überblick verloren und musste mich erst wieder orientieren, in wessen Sichtweise ich mich gerade befinde.
Besonders positiv hervorheben möchte ich das Thema Meteorologie. Die Einblicke wirkten gut recherchiert und haben der Geschichte eine interessante Note verliehen. Auch die Entscheidung, Quincy in einer eher männerdominierten Berufsbranche anzusiedeln, hat mir sehr gefallen und ihrer Figur zusätzliche Stärke verliehen.
Die Dynamik zwischen Quincy und Sebastian sorgte immer wieder für amüsante Momente. Ihr Schlagabtausch brachte mich häufiger zum Schmunzeln, wirkte für meinen Geschmack jedoch gerade zu Beginn stellenweise etwas zu gewollt.
Was mir ebenfalls etwas gefehlt hat, war die Ausarbeitung der Nebenfiguren. Vor allem die Freundschaften hätten gerne mehr Tiefe haben können. Gelungen fand ich dagegen die Atmosphäre. Die beeindruckende Kraft der Natur und das stimmungsvolle Setting wurden wunderbar eingefangen. Auch wenn die Protagonisten sich dabei gelegentlich in Situationen begeben haben, die mich beim Lesen etwas nervös werden ließen.
Die romantische Entwicklung zwischen Quincy und Sebastian konnte mich emotional durchaus erreichen. Ihre Gefühle füreinander waren spürbar und die Chemie zwischen ihnen funktionierte gut. Der Spice-Anteil fällt dabei recht explizit aus.
Trotz einiger Schwächen bei den Perspektivwechseln und der Spannung konnte mich das Buch gut unterhalten, auch wenn es hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist.
Rezensionen von isa_mw:
Nah, näher, Kaskaden
Kaskaden von Louise K. Böhm
Was für ein Debüt. Louise K. Böhm hat mit 'Kaskaden' einen Roman geliefert, der mich ab der ersten Seite eingesogen hat. Präzise und klar schreibt sie eine so vielschichtige Geschicht und lässt Einblicke in ein Leben zu, welches mir teilweise schmerzhaft nah schien.
Wir lernen die Protagonistin Jojo zu Beginn ihres Masterstudiums kennen.
Mehrere Jahre schon ist sie an der Uni, angekommen ist sie jedoch bisher nicht. Zu groß scheint der Sprung aus der kleinen Wohnung der Arbeiter*innenklasse in eine Welt, die scheinbar nur von Menschen belebt wird, für die BAföG eine willkürliche Aneinanderreihung von Buchstaben darstellt. Der Zugang zu diesem Strang der Erzählung fiel mir als erstes studierendes Familienmitglied natürlich leicht. Doch Louise K. Böhm lässt mich beim Lesen erneut all die Gefühlen und Ängste spüren, die dieser Weg mit sich brachte. Selten kommt man einer Figur so nah, wie Jojo uns in ihr Leben lässt. Die Ironie daran: Was Jojo uns so leicht macht, lässt sie bei Menschen in ihrem Umfeld nicht zu. Scham aufgrund ihrer Herkunft, Vergangenheit und früherer Entscheidungen bringen sie dazu, sich zu verkapseln und in einer Welt zurückzuziehen, zu der lediglich sie allein Zugang hat. Umso schöner ist es, dass wir als Leser*innen ihr Wachsen begleiten können und spürbar wird, welche heilende Wirkung Freundschaft, Geduld und Verständnis auf die tiefsten Kränkungen haben können.
Ein Roman, der ohne die typischen Vorurteile Klasse und Herkunft abbildet und solche Gefühle in mir auslöst, hat sich jeden einzelnen der 5 Sterne verdient.
Rezensionen von Lilli33:
Wichtiges Thema, zu wenig Spannung
Gnadenopfer von Viveca Sten
Wichtiges Thema, zu wenig Spannung
Die ersten vier Bände dieser Reihe um die Polizistin Hanna Ahlander und ihren Kollegen Daniel Lindskog hatten mich restlos begeistert und bekamen verdiente 5 Sterne von mir. Leider kann der aktuelle 5. Band hieran nicht anknüpfen. Ich schwanke zwischen nur 3 und 4 Sternen.
Es fehlte einfach an Spannung. Zudem benahmen sich die Protas teilweise reichlich kindisch.
Das Hintergrundthema dieses Kriminalromans, den man im Übrigen auch ohne Vorkenntnisse lesen kann, ist ein sehr wichtiges. Es geht um alte Menschen, die einsam in ihren Wohnungen leben und aufgrund von körperlichen oder geistigen Gebrechen stark eingeschränkt sind. Weiter geht es um Pflegedienste, die sich um diese Menschen kümmern, wobei die Mitarbeitenden häufig überlastet sind und sich nur wenig Zeit für die Klienten nehmen können. Ein überaus anspruchsvoller und fordernder Beruf, der in unserer Gesellschaft viel zu wenig Anerkennung findet.
Nach einem packenden Einstieg, in dem wir direkt einen Mord miterleben, verpufft die Spannung leider sehr schnell. Über viele Seiten - gefühlt die erste Hälfte des Romans - hält sich der Kriminalfall im Hintergrund. Stattdessen beansprucht das Privatleben der Ermittler:innen einen viel zu großen Raum. Hanna ist nun schon seit zwei Jahren mit dem Milliardär Henry zusammen, kann sich aber nicht wirklich auf ihn einlassen. Anton steht kurz vor der Hochzeit mit Carl, aber das zerrüttete Verhältnis zu seinen Eltern macht ihm immer noch zu schaffen. Daniel versucht über Tinder sein Glück und lernt die nette Clara kennen, doch so richtig funken will es nicht. Dafür benimmt er sich in seiner Eifersucht Hanna gegenüber einfach nur schrecklich infantil. Das nervte mich am meisten.
Es dauert lange, bis man bei der Polizei begreift, dass die drei plötzlichen Todesfälle von alten Menschen nicht natürlich sind, sondern ein Serientäter sein Unwesen treibt. Durch Einschübe aus Tätersicht wird auch direkt zu Anfang klar, dass dieser seine Morde als Hilfe für die einsamen Menschen, als einen Akt der Gnade ansieht. Die Ermittlungen schleppen sich dann etwas unkoordiniert durch die Geschichte. Es werden einige Verdächtige aufgebaut, sodass man zwar miträtseln kann, wer nun der Schuldige ist. Im Nachhinein kann ich aber nicht sagen, dass man eine Chance hat, den Täter zu erkennen. Es hätte tatsächlich jeder sein können, und dass er gefasst wird, ist auch eher dem Zufall zu verdanken.
Auch wenn mich dieser Band nicht ganz überzeugen konnte, freue ich mich auf eine Fortsetzung der Reihe, die dann hoffentlich wieder an das Niveau der ersten Bände anknüpft und mehr auf das Verbrechen und weniger auf das Liebesleben der Protas eingeht.
Die Åre-Morde:
1. Kalt und still
2. Tief im Schatten
3. Blutbuße
4. Lügennebel
5. Gnadenopfer











