Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Shilo:
Zwischen Ebbe und Aufbruch
Das Seebad am Nordseestrand von Regine Kölpin
Wangerooge im Jahr 1829 ist der Schauplatz dieser Geschichte. Im Mittelpunkt stehen Bernhardine Westing und Beeke Tammen. Beide Frauen leben unter ganz unterschiedlichen Bedingungen und gehen trotzdem ein Stück ihres Weges gemeinsam.
Bernhardine weiß genau, was sie erreichen möchte. Sie will aus dem kleinen Seebad etwas Besonderes machen und nimmt dabei wenig Rücksicht darauf, ob alle Inselbewohner ihre Pläne gutheißen.
Beeke kommt aus einer ganz anderen Welt. Ihre Arbeit in Bernhardines Küche eröffnet ihr neue Möglichkeiten und verändert nach und nach auch ihren Blick auf das eigene Leben.
Beim Lesen habe ich die beiden Frauen gern begleitet. Gerade weil sie so verschieden sind, war es spannend zu sehen, wie sich ihr Verhältnis entwickelt. Nicht alles läuft glatt und manche Entscheidungen haben Folgen, mit denen beide umgehen müssen. Dadurch wirkte ihre Verbindung für mich nicht künstlich, sondern nachvollziehbar.
Auch das Leben auf Wangerooge hat seinen Platz in der Geschichte. Vieles ist noch einfach und das Seebad muss sich erst entwickeln. Bernhardine hat dabei klare Vorstellungen und setzt diese auf ihre eigene Art durch. Das sorgt natürlich nicht überall für Begeisterung.
Beeke hat mir als Figur besonders gefallen. Sie bleibt nicht die junge Frau, die am Anfang der Geschichte in Bernhardines Küche arbeitet. Mit ihren Aufgaben verändert sich auch ihr eigenes Leben. Es war schön zu verfolgen, wie sie selbstständiger wird und mehr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten gewinnt.
Die Beschreibungen der Insel und des damaligen Lebens haben mir ein gutes Bild von dieser Zeit vermittelt. Man bekommt einiges vom Alltag der Menschen mit, ohne dass die Geschichte dadurch zu einem Geschichtsbuch wird. Einige Abschnitte waren für mich besonders schön zu lesen, an anderen Stellen hätte es ruhig etwas schneller weitergehen dürfen.
Die Geschichte hat mir insgesamt gut gefallen. Vor allem Beeke, Bernhardine und das Verhältnis der beiden haben dafür gesorgt, dass ich gerne weitergelesen habe. Dazu kommt die interessante Zeit, in der sich Wangerooge langsam zu einem richtigen Seebad entwickelt.
Ein schöner historischer Roman mit zwei unterschiedlichen Frauen, deren Wege sich auf besondere Weise verbinden. Von mir gibt es 4 Sterne.
Zwei Rucksäcke, eine große Hoffnung und ein langer Weg
Septemberkinder 89 von Krisz Hardy
Paul ist dreizehn Jahre alt, als er plötzlich für seine kleine Schwester Michaela da sein muss. Die Eltern sind weg und von einem Tag auf den anderen liegt eine Aufgabe vor ihm, die eigentlich viel zu groß für einen Jungen in seinem Alter ist. Gemeinsam mit der neunjährigen Michi macht er sich auf den Weg, immer in der Hoffnung, seine Familie wiederzufinden.
Was während der Reise immer wieder auffällt, ist die Nähe zwischen den beiden Geschwistern. Paul versucht, Michi zu schützen und ihr Sicherheit zu geben, auch wenn er selbst oft nicht weiß, wie es weitergeht. Michi wiederum vertraut ihrem Bruder und hält zu ihm. Gerade diese Verbindung macht viele Situationen sehr nah.
Die Flucht durch die Wälder der Tschechoslowakei ist für die beiden Kinder nicht einfach. Sie sind müde, haben Angst und wissen nicht, was sie erwartet. Trotzdem gehen sie weiter. Dabei zeigt sich, wie viel Kraft in kleinen Momenten liegen kann. Ein Mensch, der hilft, ein paar freundliche Worte oder das Gefühl, nicht ganz allein zu sein, bedeuten plötzlich sehr viel.
Krisz Hardy nimmt die Leser mit in die letzten Wochen der DDR und erzählt diese Zeit aus der Sicht eines Kindes. Dadurch erlebt man die Ereignisse nicht aus der Entfernung, sondern bleibt nah bei Paul und Michi. Die Unsicherheit dieser Zeit wird spürbar, ohne dass die Geschichte mit geschichtlichen Erklärungen überladen wird.
Mir ist vor allem Pauls Entwicklung im Gedächtnis geblieben. Er muss schnell Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen, die kein Kind treffen sollte. Trotzdem bleibt er ein Junge mit Ängsten und Zweifeln. Genau das macht seinen Weg glaubhaft.
Die Begegnungen, die Paul und Michi unterwegs haben, geben der Geschichte immer wieder besondere Momente. Sie zeigen, dass es auch in schwierigen Zeiten Menschen gibt, die nicht wegsehen und helfen, wenn es darauf ankommt.
Die Geschichte lebt von der Beziehung der beiden Geschwister. Es geht um Familie, um Hoffnung und um den Wunsch, wieder dort anzukommen, wo man hingehört. Gerade diese einfachen Gedanken machen das Buch so nah.
Ein berührender Roman über zwei Kinder, die in einer schweren Zeit füreinander einstehen. Die Geschichte von Paul und Michi hat mich sehr bewegt und bekommt von mir vier Sterne.
Ein Leben voller Spuren
Irma tanzt von Helene Bracht
Dieses Buch hat mich auf eine ruhige Art beschäftigt. Im Mittelpunkt steht Irma, eine alte Frau, deren Leben von den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts geprägt wurde. Krieg, Gewalt und die engen Vorstellungen ihrer Zeit haben Spuren hinterlassen. Trotzdem hat Irma sich ihre Freude am Leben und ihre Sehnsucht bewahrt.
Die Verbindung zwischen Irma und ihrer Tochter fand ich besonders interessant. Erst mit der Zeit wird deutlich, was die Mutter alles mit sich getragen hat. Für die Tochter ist es nicht immer einfach, auf das Leben ihrer Mutter zu schauen. Vieles lässt sich erst später einordnen. Dabei wird Irma immer mehr als Frau mit ihren eigenen Wünschen und Erfahrungen sichtbar und nicht nur als Mutter.
Eine Szene ist mir besonders nahegegangen. Irma tanzt noch einmal und wirkt dabei für einen kurzen Moment ganz leicht. Dieser Augenblick sagt für mich mehr über diese Frau aus als viele Erklärungen. Trotz ihrer schweren Erfahrungen ist da noch diese Freude, die sie sich bewahrt hat.
Die Geschichte ist nicht leicht, aber sie wird ohne große Worte erzählt. Einige Gedanken habe ich nach dem Lesen noch mitgenommen. Vor allem die Frage, wie wenig man manchmal über das Leben der eigenen Eltern weiß und wie spät manches erst verständlich wird.
Nicht jede Passage hat mich gleichermaßen erreicht, deshalb sind es für mich vier Sterne. Trotzdem ist es ein Buch, das einen Menschen und sein Leben sehr persönlich betrachtet. Irma mit ihrer Lebensgeschichte wird mir sicher noch eine Weile im Gedächtnis bleiben. 4 Sterne
Wenn ein Brief zum Halt wird
Briefe voller Zuversicht von Anett Klose
Elsa und Paul haben nicht viel Zeit für ihr gemeinsames Glück, bevor der Krieg in ihr Leben eingreift. Ausgerechnet die Briefe werden später zu dem, was beide miteinander verbindet. Beim Lesen fand ich diesen Gedanken immer wieder schön, aber auch traurig, denn hinter jedem Brief steckt die Hoffnung auf ein Wiedersehen.
Elsa hat es nicht leicht. Während Paul in Gefangenschaft ist, muss sie sich um ihren Sohn Heiner kümmern und den Alltag allein schaffen. Dabei geht es nicht nur um die großen Sorgen dieser Jahre. Es sind auch die kleinen Dinge, die auffallen. Ein Stück Würfelzucker kann für Heiner etwas ganz Besonderes sein. Solche Stellen haben mir gezeigt, wie anders das Leben damals war.
Die Briefe haben mir einen guten Einblick in die Beziehung von Elsa und Paul gegeben. Sie schreiben über das, was sie beschäftigt, über ihre Sehnsucht und natürlich auch über die Ungewissheit. Man merkt, dass beide trotz allem versuchen, an ihrer Familie festzuhalten.
Elsa war für mich eine Figur, bei der nicht immer alles glatt läuft. Sie muss Entscheidungen treffen und mit Dingen zurechtkommen, die sie sich sicher anders gewünscht hätte. Gerade das machte sie für mich glaubhaft. Auch Heiner bekommt durch seine Erlebnisse einen eigenen Platz in der Geschichte. Seine Kindheit ist von einer Zeit geprägt, die er sich nicht ausgesucht hat.
Die Geschichte ist eher ruhig erzählt. An einigen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht, trotzdem habe ich die Familie gerne begleitet. Vor allem die Briefe und die kleinen Szenen aus dem Alltag haben mir gefallen, weil sie der Geschichte etwas Persönliches geben.
Für mich war es eine schöne, wenn auch stellenweise schwere Familiengeschichte über eine Liebe, die trotz Krieg und Entfernung nicht einfach verschwindet. Die vier Sterne gibt es für die Figuren, die Briefe und die vielen kleinen Momente, die diese vergangene Zeit greifbar machen.
Unterhaltsam
Die Leuchtturmschwester von Lori Kilian
Die Geschichte führt auf die schottischen Hebriden und damit an einen Ort, der mir beim Lesen besonders gut gefallen hat. Das Leben dort ist einfach und oft rau, das Meer gehört zum Alltag und die abgelegenen Leuchttürme geben der Geschichte einen besonderen Rahmen.
Eliza kommt nach Jahren zurück und arbeitet dort als Krankenschwester.
Sie kümmert sich um die Familien der Leuchtturmwärter und hofft gleichzeitig, ihrer Schwester Màiri wieder näherzukommen. Dabei wird nach und nach deutlich, dass Eliza einiges aus ihrer Vergangenheit mit sich herumträgt. Gerade diese persönliche Seite hat die Geschichte für mich interessant gemacht.
Auch Aidan ist kein unbeschwerter Mensch. Seine Erfahrungen aus dem Krieg haben Spuren hinterlassen und er lebt bewusst zurückgezogen. Zwischen ihm und Eliza entwickelt sich langsam eine Verbindung. Das hat mir besser gefallen als eine schnelle Liebesgeschichte, denn beide müssen erst wieder Vertrauen fassen.
Die Handlung ist insgesamt ruhig erzählt. Das passt zwar gut zur abgeschiedenen Umgebung, trotzdem gab es für mich einige Stellen, an denen etwas mehr Spannung schön gewesen wäre. Dadurch kam die Geschichte nicht immer gleich gut voran.
Trotzdem habe ich Eliza gern begleitet. Ihre Arbeit, die Beziehung zu ihrer Schwester und die Begegnung mit Aidan geben der Geschichte mehrere Seiten. Dazu kommt die besondere Landschaft Schottlands, die beim Lesen immer wieder präsent ist.
Alles in allem war es eine schöne und angenehm zu lesende Geschichte, die mich gut unterhalten hat. Ein paar spannende Momente mehr hätten mir noch besser gefallen. Deshalb gibt es von mir vier Sterne.
Als aus Freundschaft Rivalität wurde
Die Walzerkönigin von Sina Beerwald
Anna und Emilie sind zunächst befreundet. Doch Johann Strauss bringt vieles zwischen den beiden Frauen durcheinander. Aus der Freundschaft wird schließlich ein Streit, der sich durch die Geschichte zieht. Anna hat es dabei besonders schwer. Nach der Trennung von Johann steht sie mit sechs Kindern da und muss ihr Leben neu ordnen.
Anna war für mich eine Figur, die ich gerne begleitet habe. Sie steckt den Kopf nicht in den Sand, sondern kümmert sich um ihre Kinder und sucht nach einer Möglichkeit, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Später setzt sie sich auch für den beruflichen Weg ihres Sohnes ein. Dabei macht sie nicht immer alles richtig, was sie für mich umso menschlicher wirken ließ.
Bei Emilie fiel mir auf, dass auch sie ihre eigene Sicht auf die Dinge hat. Die beiden Frauen sind sich nicht gleichgültig, auch wenn ihre Freundschaft längst vorbei ist. Ihre Auseinandersetzungen waren für mich deshalb durchaus nachvollziehbar.
Das Wien dieser Zeit wird ebenfalls gut eingefangen. Johann Strauss und seine Musik gehören dabei ganz selbstverständlich zur Handlung. Neben seinem Leben bekommt aber auch Anna viel Raum. Sie muss sich um ihre Kinder kümmern und gleichzeitig versuchen, sich etwas Eigenes aufzubauen. Auch der bekannte Walzer „An der schönen blauen Donau“ findet seinen Platz in der Geschichte.
Besonders bei Anna und ihren Kindern gab es Momente, die mir nahegingen. Manchmal war ich traurig über das, was ihr widerfährt, an anderer Stelle habe ich mich über eine Entscheidung geärgert. Dadurch waren die Figuren für mich nicht einfach nur schwarz oder weiß.
Nicht alles hat mich gleich stark erreicht. Ein paar Passagen hätten für meinen Geschmack kürzer sein dürfen. Trotzdem wollte ich wissen, wie sich die Lage zwischen Anna und Emilie weiterentwickelt und welchen Weg Anna am Ende einschlägt.
Am Ende bleibt vor allem Anna bei mir. Sie muss einiges einstecken und findet trotzdem immer wieder die Kraft, weiterzumachen. Dazu kommen das alte Wien, die Musik und die Familie Strauss. Insgesamt war es für mich eine lesenswerte historische Geschichte, die 4 Sterne bekommt.
Ein Auftakt mit vielen Wegen
Sommerblitz aus dem Süden von Henning von Amrum
Hans wächst mit der Jolle auf und entscheidet sich für die kaiserliche Marine. Damit geht er einen Weg, der auch mit der Geschichte seiner Familie zu tun hat. Seine Geschwister haben dagegen ganz andere Vorstellungen. Seine Schwester möchte als Studentin ihren eigenen Weg gehen, ein Bruder findet seinen Platz im internationalen Handel und Hans zieht es zur Marine.
Gerade diese unterschiedlichen Wege fand ich interessant, weil dadurch jeder in der Familie seine eigene Geschichte bekommt.
Dann begegnet Hans Lucia aus Bologna. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebe, die es nicht leicht hat. Sie leben weit voneinander entfernt und auch die Erwartungen ihrer Familien machen vieles schwieriger. Dazu kommen die politischen Spannungen dieser Jahre. Als Lucias Bruder Carlo als Offizier der italienischen Marine in die Ereignisse hineingezogen wird, bekommt auch Hans' Leben eine andere Richtung.
Beim Lesen entsteht ein schönes Bild von Kiel zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Stadt wächst, die Marine wird immer wichtiger und überall ist dieser Aufbruch zu spüren. Gleichzeitig hält die Familie Kronowetter an ihren Vorstellungen fest. Beides passt gut zusammen und macht die Zeit glaubwürdig.
Die Geschichte zwischen Hans und Lucia bringt dabei etwas Persönliches hinein. Ihre Herkunft aus Bologna und sein Leben in Kiel könnten kaum unterschiedlicher sein. Trotzdem fühlt sich ihre Verbindung nicht fehl am Platz an. Gerade weil immer wieder etwas dazwischenkommt, bleibt man bei den beiden und möchte wissen, ob ihre Liebe überhaupt eine Chance bekommt.
Auch die politischen Ereignisse werden für die Figuren spürbar. Der Aufmarsch gegen das Osmanische Reich ist nicht nur ein historischer Hintergrund. Für Hans wird daraus eine persönliche Entscheidung, bei der es um mehr geht als um seine berufliche Zukunft.
Überhaupt geht es viel darum, den eigenen Platz im Leben zu finden. Die jungen Menschen in der Familie haben ihre eigenen Wünsche und müssen sich trotzdem mit den Vorstellungen ihrer Eltern auseinandersetzen. Das war für mich ein schöner Teil der Geschichte, weil es zeigt, dass sich manche Fragen trotz der vielen Jahre dazwischen gar nicht so sehr verändert haben.
Die Wechsel zwischen Kiel und der Emilia-Romagna bringen Abwechslung in die Geschichte. Gleichzeitig lernt man verschiedene Lebenswelten kennen und bekommt einen guten Eindruck davon, wie eng die Familien miteinander verbunden sind. Die Entfernung zwischen den Orten ist dabei immer wieder zu spüren.
Beim Lesen hat mir besonders gefallen, wie die persönlichen Geschichten langsam mit den großen Veränderungen dieser Zeit zusammenwachsen. Es geht um Familie und Liebe, aber eben auch um Entscheidungen, die durch die politischen Entwicklungen plötzlich ganz anders aussehen können.
Am Ende sind noch viele Wege offen. Gerade bei Hans und Lucia möchte man wissen, was aus ihrer Verbindung wird und welche Entscheidungen noch auf die Familie zukommen. Deshalb macht der erste Band neugierig auf die Fortsetzung.
Der Auftakt verbindet eine Familiengeschichte mit Marine, Liebe und den politischen Veränderungen der Jahre 1910 bis 1912. Dabei stehen die Menschen und ihre Entscheidungen im Mittelpunkt. Die Geschichte hat viel Inhalt, bleibt aber gut lesbar und vermittelt nebenbei ein interessantes Bild dieser Zeit.
5 Sterne.
Vom Handtäschchen zum Dirndl
Die Dirndlkönigin von München von Kathrin Schnee
Ludwiga hat nach dem Krieg nicht viel, worauf sie sich verlassen kann. Sie kommt zurück nach München, verliert ihren Mann und muss sehen, wie es für sie weitergeht. Dass sie sich in dieser Zeit nicht aufgibt, sondern nach einer Möglichkeit sucht, selbst Geld zu verdienen, war für mich ein wichtiger Teil der Geschichte.
Zuerst stellt sie Handtaschen her und verkauft sie auf dem Schwarzmarkt. Später führt eine Zeitungsnotiz dazu, dass sie einen Auftrag für Dirndl bekommt. Aus dieser Gelegenheit entwickelt sich nach und nach etwas Größeres. Ludwiga findet dabei ihren eigenen Weg und baut sich ein neues Leben auf.
Gerade diese Entwicklung fand ich interessant. Sie bekommt nichts geschenkt und muss sich vieles selbst erarbeiten. Ihre Erfahrungen aus den Kriegsjahren haben sie geprägt, aber sie bestimmen nicht ihr ganzes weiteres Leben. Ludwiga bleibt eine Frau, die selbst entscheiden möchte, was aus ihr wird.
Auch München in der Zeit nach dem Krieg wird gut vermittelt. Es fehlt an vielem und der Alltag ist schwierig. Gleichzeitig gibt es Menschen, die wieder nach vorn schauen und versuchen, sich etwas aufzubauen. Diese Mischung hat die Geschichte für mich glaubwürdig gemacht.
Dass Kathrin Schnee hier das Leben ihrer eigenen Großmutter erzählt, hat mich beim Lesen immer wieder beschäftigt. Hinter Ludwiga steht eine echte Lebensgeschichte, und genau das gibt dem Roman einen besonderen persönlichen Hintergrund.
Die Geschichte von Ludwiga hat mir schöne Lesestunden geschenkt. Ihr Weg von den schweren Nachkriegsjahren hin zu einer erfolgreichen Frau in der Trachtenmode war abwechslungsreich und unterhaltsam. Eine starke Frau, eine besondere Lebensgeschichte und ein Roman, den ich sehr gern gelesen habe.
5 Sterne.
Gegen alle Widerstände
Der geheime Apfelgarten: Getrennte Welten von Rebekka Eder
Kea findet nach dem Tod ihrer Mutter Halt in dem alten Apfelgarten. Dort verbringt sie viel Zeit und verfolgt ihren eigenen kleinen Traum. Sie möchte einen besonderen Apfel züchten. Dieser Wunsch verbindet sie mit ihrer Mutter und wird im Laufe der Geschichte immer wichtiger.
Als der junge Sämling auf der anderen Seite der Grenze wächst, beginnen für Kea die Schwierigkeiten.
Denn dort liegt das Land der Rentfelds, mit denen ihre Familie seit Jahren zerstritten ist. Bei einem heimlichen Besuch trifft sie auf Kristen. Was zunächst nur eine zufällige Begegnung ist, entwickelt sich nach und nach zu etwas, das Kea nicht mehr loslässt.
Kea lässt sich nicht einfach sagen, was sie zu tun hat. Ihr Vater hat längst eigene Vorstellungen von ihrer Zukunft und auch die Verbindung zu Tamme Rentfeld ist für sie nicht das, was sie sich selbst wünschen würde. Gerade diese Situationen machen deutlich, wie wenig Platz eine junge Frau damals für eigene Entscheidungen hatte. Kea versucht trotzdem, nicht einfach alles hinzunehmen.
Die Zeit, in der die Geschichte spielt, wird ebenfalls spürbar. Finkenwerder und die Grenze zwischen Hamburg und Preußen gehören fest zur Handlung. Als die Cholera ausbricht, verschärft sich die Lage zusätzlich. Plötzlich wird aus einer ohnehin schwierigen Situation eine echte Bedrohung. Das bringt noch einmal eine ganz andere Spannung in die Geschichte.
Kea und Kristen haben es nicht leicht. Ihre Gefühle füreinander stehen von Anfang an unter keinem guten Stern. Gerade deshalb habe ich ihre Entwicklung gerne verfolgt. Es gibt schöne Momente zwischen den beiden, aber auch Entscheidungen, die nicht einfach sind. Kea muss dabei immer wieder überlegen, was ihr wichtiger ist und welchen Preis sie für ihre eigenen Wünsche zu zahlen bereit ist.
Auch das Ende passt gut zum Auftakt des Zweiteilers. Nicht alle Fragen werden beantwortet und manches bleibt offen. Dadurch war bei mir sofort die Neugier da, wie es mit Kea, Kristen und den beiden Familien weitergeht.
Die Geschichte verbindet Liebe, Familienkonflikte und historische Ereignisse auf eine angenehme Weise. Dazu kommt die norddeutsche Kulisse, die dem Roman seinen eigenen Charakter gibt. Keas Weg hat mich beschäftigt und an einigen Stellen auch berührt. Insgesamt waren es für mich schöne Lesestunden, deshalb vergebe ich fünf Sterne.
Ein leiser Auftakt, der neugierig auf mehr macht
Der Seegasthof – Wo der Traum beginnt von Linda Winterberg
Manche Geschichten brauchen etwas Zeit, bis sie ihren eigenen Rhythmus finden. Genau so war es hier. Die ersten Seiten erzählen ganz in Ruhe vom Leben am Chiemsee und geben der Familie Bachinger viel Raum. Der Seegasthof mit seinem Blick auf den See, die berühmten Dampfnudeln und die vielen kleinen Momente im Alltag machen es leicht, sich alles vorzustellen.
Es entsteht das Gefühl, als würde man für eine Weile selbst dort einkehren und die Menschen nach und nach kennenlernen.
Im Mittelpunkt steht Amrei, deren Zukunft eigentlich schon festzustehen scheint. Doch ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag nimmt ihr Leben eine völlig unerwartete Wendung. Von diesem Moment an verändert sich vieles. Das Geschehene wirft Fragen auf und gibt der Geschichte eine neue Richtung, auch wenn sie ihren ruhigen Ton dabei nicht verliert.
Amrei war für mich eine Figur, deren Weg ich gern verfolgt habe. Sie wirkt bodenständig und glaubwürdig. Ihre Gedanken und Entscheidungen passen gut zu der Zeit, in der die Geschichte spielt. Auch die anderen Familienmitglieder, besonders die stets grantelnde Großmutter Resi, tragen dazu bei, dass der Seegasthof lebendig wirkt. Niemand drängt sich besonders in den Vordergrund. Stattdessen entsteht nach und nach das Bild einer Familie, die zusammenhält und ihren Platz im Leben sucht.
Gefallen hat mir auch, dass die historische Zeit ganz selbstverständlich Teil der Geschichte ist. Vieles wird eher nebenbei erzählt und genau das hat auf mich natürlich gewirkt. Der Alltag, die Arbeit im Gasthof und das Miteinander stehen oft stärker im Mittelpunkt als große Ereignisse. Dadurch entsteht eine angenehme, ruhige Stimmung, die gut zu diesem Roman passt.
Über weite Strecken lässt sich die Handlung viel Zeit. Wer gleich zu Beginn viele überraschende Wendungen erwartet, braucht etwas Geduld. Ich hatte zwischendurch das Gefühl, dass manches etwas kürzer hätte erzählt werden können. Erst im letzten Viertel entwickelt sich die Geschichte deutlich weiter und sorgt dafür, dass man unbedingt wissen möchte, wie es mit Amrei weitergeht. Ab diesem Zeitpunkt hatte mich der Roman deutlich stärker gepackt.
Am Ende blieb für mich der Eindruck, dass dieser Band vor allem den Grundstein für die Reihe legt. Viele Entwicklungen beginnen erst und nicht jede Frage wird schon beantwortet. Gerade das macht neugierig auf die Fortsetzung. Ich möchte gern erfahren, welchen Weg Amrei weitergehen wird und welche Herausforderungen noch auf sie warten.
Insgesamt ist dies ein ruhiger Auftakt, der sich Zeit für seine Figuren und ihre Welt nimmt. Nicht alles hat mich gleichermaßen gefesselt, doch die glaubwürdigen Charaktere, die stimmige Atmosphäre und das offene Ende haben dafür gesorgt, dass ich die Geschichte gern weiterverfolgen möchte.
4 Sterne.











