Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Streiflicht:
Ein echter Montalbano
Das Nest der Schlangen von Camilleri Andrea
Und auch dieses Buch von Andrea Camilleri hat mich wieder begeistert! Seit ich zum ersten Mal von Commissario Montalbano gehört habe, bin ich Fan. Er ist nicht nur ein guter Polizist, sondern auch ein spannender Mensch, mit dem man gerne einmal essen gehen würde – auch wenn er da-bei fast immer schweigt.
Camilleri hat mit dieser Figur quasi eine Legende geschaffen und scheut sich auch nicht, heiße Eisen thematisch in seinen Kriminalromanen zu verarbeiten.
Montalbano ist wie immer, ein bisschen theatralisch, sehr schlau und einfallsreich und virtuos im Umgang mit Verdächtigen. Ich hatte beim Lesen viel Spaß, obwohl ich den Fall tatsächlich schon aus einer Verfilmung kannte.
Der Autor schreibt authentisch und lebensnah, man hat als Leser immer das Gefühl, direkt mit da-bei zu sein. Seine Figuren sind Typen, die man so schnell nicht wieder vergisst. Gleichzeitig fliegt man nur so durch die Seiten, weil man wissen möchte, was tatsächlich geschehen ist und was am Ende passiert bzw. wie der Commissario den Fall auflösen wird.
Ich freue mich schon auf den nächsten Roman aus der Feder von Andrea Camilleri!
Rezensionen von LEXI:
Du wirst irgendwann lernen, die Kinder zu lieben, sie aber trotzdem loszulassen, wenn die Zeit dafür gekommen ist.
Auf den Spuren meiner Schwester von Jody Hedlund
"Die Kinder brauchen uns nur für kurze Zeit. Wir sind für sie da, um sie auf diesem Teil ihres Weges zu belgeiten, dem Übergang von einer Lebenssituation in eine andere. Aber es war nie vorgesehen, dass wir einen festen Platz in ihrem Leben einnehmen."
Marianne Neumann und Andrew Brady wurden als Mitarbeiter der Children's Aid Society damit beauftragt, mit einer Gruppe von über dreißig Waisenkindern in die ländlichen Gebiete von Illinois zu reisen.
Das Kinderhilfswerk ist bemüht, ihnen ein Leben auf der Straße oder in einem Heim zu ersparen und sucht für sie ein neues Zuhause.
Drew ist Lehrer und arbeitet seit seinem Umzug nach New York im Newsboy's Lodging House. Er kann hervorragend mit Kindern umgehen und es ist ihm ein großes Anliegen, das Leben obdachloser Kinder zu verbessern. Den einfühlsamen und gutherzigen Mann quälen jedoch schlimme Erinnerungen.
Die deutschstämmige Marianne lebt seit acht Jahren in Amerika, Aufgrund ihrer eigenen schweren Kindheit und Jugend kann sie sich in die Situation der Straßenkinder sehr gut hineinversetzen. Marianne zeigt ihre Gefühle und Gedanken stets offen, ihr Umgang mit den kleinen Schutzbefohlenen ist herzlich und innig. Doch Marianne verfolgt auch ein ganz persönliches Ziel: sie möchte im Zuge ihrer Reise den Aufenthaltsort ihrer verschwundenen Schwester Sophie herausfinden. Auf der wochenlangen Fahrt in den Westen lernen Andrew und Marianne sich besser kennen, ihre gegenseitige Anziehungskraft wandelt sich nach und nach in Liebe. Doch ein furchtbares Ereignis scheint ihr Glück zu zerstören, die Schatten der Vergangenheit drohen die beiden einzuholen.
Zwar hat mir auch der erste Band dieser Buchreihe um die Neumann-Schwestern mit dem Titel „Wenn du für mich bist“ sehr gut gefallen, der zweite Band übertraf ihn jedoch um Längen. Wie auch im Vorgänger stellt die Autorin historische Fakten ins Zentrum der Geschichte. Ein großes Augenmerk ist auf die Children’s Aid Society gerichtet, die als größte Organisation in New York unzählige Waisenkinder in den Westen vermittelte. Anhand ihrer beiden Protagonisten zeichnet Jody Hedlund ein facettenreiches Bild dieser Fahrten, die stets von engagierten Mitarbeitern des Hilfswerks begleitet wurden und für alle Beteiligten eine große Herausforderung darstellten. Die Autorin erzählt von traumatisierten, seelisch und körperlich misshandelten Kindern, die sich einen Ausweg aus ihrem elenden Dasein wünschen, zugleich aber Angst vor der ungewissen Zukunft haben. Die verschiedenen Emotionen und Reaktionen der Kinder und Jugendlichen wurden einfühlsam beschrieben. Marianne und Reinhold wurde im vorliegenden zweiten Teil eine tragende Rolle zugeschrieben. Während der erste Erzählstrang sich mit Mariannes Reise in den Westen befasst, liest man in den Kapiteln dazwischen von Reinholds Bemühungen, sich und seinen Geschwistern im Westen eine bessere Zukunft zu erarbeiten. Reinhold wird als ehrbarer, gottesfürchtiger und hart arbeitender Mann beschrieben, der sein Herz auf dem rechten Fleck hat. Zu meiner großen Freude begegnete ich auch Personen aus dem Vorgängerbuch. Meine favorisierten Nebenfiguren waren jedoch die liebevoll charakterisierten Kinder. Die ängstliche kleine Dorothea, die wie ein kleiner Engel aussieht, aber vor Kummer und Heimweh weder ein noch aus weiß, und der lebhafte kleine Tim mit dem unbändigen roten Haar, seinem koboldhaften Grinsen und der Zahnlücke haben mich im Sturm erobert. Die Autorin brachte auch schwierige Jugendliche in die Handlung ein, die ihre beiden Aufsichtspersonen sehr forderten.
Die Autorin besitzt einen einnehmenden Schreibstil, der mir ebenso wie die Einbindung des christlichen Glaubens sehr gut gefallen hat. Durch die Neugier auf Andrews Vergangenheit, die zunächst nur angedeutet und erst langsam aufgerollt wird, sowie durch ein furchtbares Ereignis mit verheerenden Konsequenzen für die Protagonisten wurde ein gewisser Spannungsbogen ins Buch eingebracht. „Auf den Spuren meiner Schwester“ hat mich in diesem Fall nicht nur ausgezeichnet unterhalten, sondern mir auch aufregende Lesestunden beschert.
Ein wunderschöner Roman, den ich Fans christlicher Romane mit historischem Hintergrund ans Herz legen möchte.
Rezensionen von yesterday:
Quo vadis, Franziska - quo vadis, Erde?
Schiff oder Schornstein von Andrea Stift-Laube
Mit einer abwechselnd romantisch verklärten und vorsichtig idealisierten Erzählung nähert sich Autorin Andrea Stift-Laube einer der aktuellen Fragen unserer Zeit: Sollten wir Menschen unser Essverhalten, unseren Fleischkonsum, nicht auch unter ethischen Gesichtspunkten beurteilen und überdenken?
Klar, das “Hauptproblem” ist der Klimawandel.
Oder zumindest die wohl global ausgeprägteste Bedrohung für unseren Lebensraum. Mit Schuld daran ist auch, wie wir unsere großen Mengen Fleisch produzieren. Dazu braucht es auch im Jahrhundert der 3D-Drucker ja noch immer lebende Tiere, die gezeugt und aufgezogen werden müssen. Das verschlingt Ressourcen.
Und der Konsum steigt, in Summe gesehen. Zudem gibt es für jeden Einzelnen klare Grenzen beim Fleischessen - nicht immer Mengenmäßig, aber doch was die Art anbelangt. Welcher Geflügelliebhaber würde schon seinen eigenen Papagei grillen?
Doch zurück zum Buch, in dem wir anhand von wenigen, wichtigen Figuren vor Augen geführt bekommen, wie sehr sich die Dinge doch gleichen: Seit Jahrzehnten sind die Probleme bekannt, seit Jahrzehnten wird gesagt, tun wir doch etwas gegen beispielsweise den Ozonschwund oder Kernkraft oder übermäßigen Fleischkonsum oder die Überfischung der Meere oder das Artensterben im Tierreich. Alles nicht neu, aber dennoch fast nicht zu glauben, dass es in diesen Bereichen schon so lange keine oder kaum Fortschritte gibt.
Auch die Schwestern Ila und Franziska, wenn sie denn real wären, könnten das nicht glauben. Sie leben in einer österreichischen Kleinstadt und engagieren sich auf ihre Weise mit Aktivisten und Gleichgesinnten für weniger Verschwendung und achtsameren Umgang mit Tieren. Der Leser verfolgt in Etappen ihr Leben vom Volksschulalter bis aus ihnen erwachsene Frauen geworden sind, die man auch dadurch erst verstehen kann, weil man ihre Kindheit und Jugend kennt.
Doch dann tritt ein unvorhergesehenes Ereignis in das Leben der beiden und derer die sie kennen und die ganzheitliche Sichtweise wird brutal überschattet von den Probleme eines Einzelnen. Ist man egoistisch oder ist das nur natürlich, wenn man selbst als Teil des “Großen Ganzen” dann manchmal doch eigene Bedürfnisse darüber stellt?
Der Roman gibt hier versteckt noch weitere Denkanstöße und regt auch lange nach der Lektüre selbst noch zu spannenden und kontroversen Diskussionen an. Vielleicht erkennt sich der eine oder andere Leser dann sogar in einem Protagonisten aus dem Buch wieder.
Rezensionen von LEXI:
Erst morgen erkennen wir, wie wundervoll heute ist.
Schiff oder Schornstein von Andrea Stift-Laube
„Das ist Middle Grove: Glaube, Arbeit und Familie, zusammengenäht vom Faden der gemeinsamen Hingabe.“
Für die von der Außenwelt abgeschieden lebenden Mitglieder der Amish-Gemeinde Middle Grove haben abgesehen von ihren Glaubensprinzipien ihre Arbeit und die Familie höchste Priorität. Die Ordnung wird hochgehalten, die bibeltreuen Gemeindemitglieder leben von Landwirtschaft, stehen den technischen Errungenschaften der „Englischen“ skeptisch bis ablehnend gegenüber und lehnen Gewalt strikt ab.
Als sich der elfjährige Jonah Stoltz auf einer benachbarten Farm durch einen landwirtschaftlichen Schredder lebensbedrohliche Verletzungen zuzieht, handelt sein Onkel und Vormund Caleb instinktiv richtig. Er ignoriert die vehementen Weigerungen seines Vaters und des Bischofs und lässt das Kind in ein Trauma-Krankenhaus ausfliegen. Diese Entscheidung rettet dem kleinen Jonah das Leben. Caleb, der sowohl seinen Neffen, als auch dessen Schwester von ganzem Herzen liebt, weicht nicht vom Krankenbett des Jungen.
Rees Powell ist Medizinstudentin und steht kurz vor ihrem Abschluss. Die intelligente und mitfühlende junge Frau liebt ihre Arbeit in der Notfallmedizin, und als der kleine Jonah Stoltz als dramatischer Fall in die Notaufnahme eingeliefert wird, berühren der tapfere Junge und dessen Onkel ihr Herz. Sie bietet Caleb Stoltz ihre Unterstützung an. Der attraktive amische Farmer und die ehrgeizige Karrierefrau aus begütertem Elternhaus, deren Leben von ihrer Arbeit und dem Studium bestimmt ist, stammen aus vollkommen verschiedenen Welten. Und dennoch verändert das Zusammentreffen mit Caleb die Sichtweise der angehenden Ärztin auf viele Dinge. Ihre Begegnung ermöglicht den beiden einen Einblick in die Welt des anderen, doch trotz der großen gegenseitigen Anziehungskraft scheint es keine Möglichkeit für eine gemeinsame Zukunft zu geben.
Dieses Buch, dessen Klappentext eine romantische Liebesgeschichte verheißt, entpuppte sich als faszinierende und erstaunlich tiefgründige Erzählung über zwei Menschen mit äußerst konträrem Hintergrund. Die Protagonistin Reese Powell personifiziert das Produkt zweier hoch intelligenter, ehrgeiziger Eltern, die durch ihre Vorgaben, ihre großen Erwartungen und ihre manipulative Art immensen Druck auf ihr einziges Kind ausüben. Reese wurde als kleine Prinzessin geboren, ihr Weg war stets geebnet, doch die Ansprüche der Eltern sind schlichtweg überfordernd. Reese ist bewusst, dass sie den Traum ihrer Eltern leben soll, doch sie ist in keiner Weise sicher, dass dieser Weg auch der ihre ist. Caleb ist ein großer, muskulöser, sehr attraktiver und ruhiger Mann, den eine seltsame Traurigkeit umgibt. Seine Geschichte birgt einige Überraschungen und es gibt einen guten Grund dafür, dass er sich in der modernen Welt der „Englischen“ nicht ganz so unbeholfen fühlt, als es für ihn als Amischen eigentlich der Fall sein sollte. Abgesehen von Caleb und Reese würde ich persönlich auch den kleinen Jonah als Protagonisten bezeichnen – seine liebenswerte und kluge Art und sein Einsatz für seine Mitmenschen haben mich tief berührt. Obgleich seine Schwester Hannah in der ersten Hälfte des Buches eine eher untergeordnete Rolle spielt, wird ihr im späteren Verlauf größere Aufmerksamkeit zuteil. Abgesehen von weiteren sympathischen Nebenfiguren wie beispielsweise Reeses Freund und Kollegen Leroy Hershberger oder Calebs Bruder John Stoltz fungiert Calebs Vater Asa als Antagonist dieses Buches. Ich empfand zudem eine deutliche Abneigung gegen das Verhalten von Reeses Eltern Joanna und Hector, die ihre Tochter zwar mit materiellen Dingen überschütten, sie jedoch als Vorzeigeobjekt und Schachfigur ihrer eigenen Vorstellungen und Pläne missbrauchen. Susan Wiggs hat mit der Charakterzeichnung ihrer handelnden Figuren hervorragende Arbeit geleistet. Sowohl Reese, als auch Caleb, haben mich durch ihre Authentizität beeindruckt, ihrer Gefühls- und Gedankenwelt, aber auch ihrer innerlichen Entwicklung wird sehr überzeugend Ausdruck verliehen. Calebs Familiengeschichte und die Umstände, die dazu führten, dass der junge Mann zum Vormund von Nichte und Neffe wurde, werden behutsam und in kleinen Schritten aufgerollt. Der Leser taucht Stück für Stück in die Welt der Amischen und ihrer Lebensart ein und erfährt ein wenig über die Traditionen und die Ordnung der Glaubensgemeinschaft.
Dem Buch liegt hinsichtlich Jonahs Genesung und der Frage, ob es eine gemeinsame Zukunft für die beiden Protagonisten geben kann, ein kleiner Spannungsbogen zugrunde. Dennoch würde ich es eher als ruhigen, bedächtigen Roman bezeichnen, bei dem Familie, Freundschaft und Liebe die zentralen Themenbereiche darstellen.
Fazit: „Für immer in meinem Herzen“ war ein sehr berührender Roman, der mich als Leser tief in die Geschichte seiner Protagonisten einbezogen und mir ein eindrucksvolles Bild des Lebens in einer amischen Glaubensgemeinschaft vermittelte. Dieses Buch war meine erste Lektüre von Susan Wiggs – es hat mir wunderschöne Lesestunden bereitet und mir ausgezeichnet gefallen.
Rezensionen von LEXI:
Fremdheit beruht auf dem Winkel ihrer Betrachtung
Denn wir waren Krieger von Wajima Safi
Nach ihrer Flucht vor den russischen Panzern in Kabul landen Layla und Jamal Paktiawal im Jahr 1980 mit ihrer kleinen Tochter Mina in München. Das Ehepaar aus Afghanistan hat alles hinter sich gelassen und muss sich nun in einer Welt zurechtfinden, in der sie weder die Sprache, noch die für sie fremd anmutende Lebensweise verstehen.
Sie registrieren die Ablehnung in den Augen der Menschen, müssen Demütigungen hinnehmen. Die Sehnsucht nach der geliebten Heimat im Herzen versuchen Layla und Jamal, sich in ihrem neuen Leben in Deutschland zurechtzufinden.
Wajima Safi erzählt in ihrem Debütroman die Geschichte von zwei intelligenten und gebildeten jungen Menschen, denen angesichts einer tödlichen Bedrohung kein anderer Ausweg bleibt, als ihre Heimat zu verlassen. In eindrucksvollen Worten beschreibt die Autorin die Ankunft der Paktiawals im sicheren Deutschland und verleiht ihren Eindrücken und Emotionen auf einfühlsame Art und Weise Ausdruck. Wajima Safis verfügt über einen wunderschönen und bildhaften Schreibstil, ihre poetische Ausdrucksweise hat mich an etlichen Passagen dieses Buches regelrecht verzaubert:
"Der Bahnhof schien langsam zusammen mit ihr und ihrer Familie zu erwachen. Laylas Blick glitt sachte über das bewegte Bild vor ihren Augen, das wie ein flüssiges Tableau voll bunter, unbekannter Farben an ihr, der Außenstehenden, vorbeizog. Die Schritte all der genauso verschlafenen Fahrgäste, deren Betrachtung ihre erste Lektion eines ewigen Lernprozesses werden würde, schienen gleichsam mit der Intensität der Morgensonne an Geschwindigkeit zuzunehmen. "
Die Autorin berichtet von Laylas und Jamals Ankunft, eingeholt von der nüchternen Realität, fern von Familie und Freunden, gestrandet in einer unsicheren Zukunft. Ich habe selten ein Buch mit derart hervorragend charakterisierten und authentischen Protagonisten gelesen, wie es im vorliegenden Roman der Fall war. Die Autorin hat mich durch die lebhaften Beschreibungen ihrer handelnden Figuren regelrecht gefangengenommen. In Layla und Jamal brodeln tiefe Gefühle, beide haben müssen einiges aus ihrer Vergangenheit aufarbeiten. Der in Djalalabad geborene Jamal war ein wildes Waisenkind aus den Bergen, der sich als Lehrer an einer Schule in seine wunderschöne Kollegin Layla verliebte. Laylas Umgang mit ihm gestaltete sich manchmal als schwierig, emotionale Verletzungen bleiben nicht aus. Der hoch intelligente Mann bezeichnet sich als Paschtune und Krieger und weigert sich, eine Arbeit anzunehmen, die unter seiner Würde ist. Seine Frau Layla besitzt ein friedfertiges und sanftmütiges Wesen. Ihre inneren Kämpfe, aber auch ihre Hoffnungen und liebevolle Erinnerungen an längst vergangene Tage werden eindrucksvoll beschrieben. Während Laylas und Jamals Tochter Mina nur eine kleine Rolle in dieser Geschichte innehat, wird auf ihren kleinen Bruder Omar ein weit größeres Augenmerk gelegt. In Deutschland geboren kann der Junge zu Gesprächen seiner afghanischen Familie und ihren Erinnerungen an die Heimat nichts beitragen. Omar, der sich auch optisch durch seine blauen Augen und die helle Haut von ihnen unterscheidet, wird von einer großen inneren Zerrissenheit gequält, er fühlt sich einsam und verloren. Als interessante Nebenfigur taucht eines Tages Laylas schwer traumatisierte Schwester Fausia auf. Durch ihre Berichte aus der Heimat vermittelt sie dem Leser schockierende Einblicke in das vom Krieg gebeutelte Kabul.
Die Ankunft des Ehepaares Paktiawal auf dem Bahnhof in München bildet den Einstieg in dieses Buch. Doch die Geschichte von Layla und Jamal beginnt bereits Jahre zuvor. Wajima Safi rollt durch viele Rückblenden die Vergangenheit nach und nach auf und zeichnet auf diese Weise ein detailliertes Bild des Lebens ihrer Protagonisten in der Heimat. Afghanische Traditionen, konservative Ansichten, der muslimische Glaube und der manchmal steinzeitliche anmutende Ehrenkodex werden mit großer Liebe zum Detail beschrieben. So findet Layla beispielsweise nach der Ankunft in der Flüchtlingsunterkunft den Umgang mit alten Menschen in Deutschland völlig unverständlich:
"Es war ihr fremd, dass ein alter Mensch alleine lebte, dass er den ganzen Tag nichts tat, außer aus dem Fenster zu sehen, dass dieser Mensch scheinbar vergessen worden war wie eine aussortierte Requisite. Layla erinnerte sich, dass den Großeltern in ihrer Heimat große Ehrerbietung entgegengebracht wurde, sie waren stets im Zentrum der Familie, niemals alleine. Der Anblick eines alten Menschen, der alleine lebte, war für sie ungewöhnlich.“
Ich empfand dieses Buch als richtige kleine Perle und versank innerhalb kürzester Zeit tief in der Geschichte von Layla und Jamal. „Denn wir waren Krieger“ lebt von der ungewöhnlich hohen Authentizität seiner handelnden Figuren und vermittelt tiefe Einsichten, die mich als Leser an einigen Stellen sprachlos zurückließen. Dieses großartige Debüt von Wajima Safi hat mir ausgezeichnet gefallen, mich nachdenklich gemacht und meine Sicht auf einige Dinge intensiviert und verändert. Uneingeschränkte Leseempfehlung für diese tief zu Herzen gehende Lektüre!
"Afghanistan wird nie wieder so schön sein, wie es in unseren Erinnerungen ist."
"Sie konnten nicht mehr zurück, weil Afghanistan vom Winde verweht, von den Flüssen mitgetragen und dem Regen verschluckt worden war. Afghanistan gab es nicht mehr. Afghanistan war gegangen, eine eitrige schmerzende Wunde war geblieben. Es wartete nicht mehr. Afghanistan wartete nicht mehr."
„Denn wir waren Krieger“ ist ein gewaltiges Buch einer Autorin, deren Namen man sich unbedingt merken sollte!
Rezensionen von Furbaby_Mom:
Negativität überwiegt leider
Café Engel von Marie Lamballe
Wie sehr hatte ich diesem Buch entgegengefiebert! – Erhoffte ich mir doch eine Familiengeschichte vor dem historischen Hintergrund des Zweiten Weltkriegs; Mutter und Tochter, die um die Existenz ihres kleinen Künstler-Cafés kämpfen und dem Elend die Stirn bieten; eine geheimnisvolle, bildschöne Cousine aus Ostpreußen, die nach ihrer Flucht plötzlich auf der Bildfläche erscheint und für Verwirrung sorgt – all das in Kombination mit dramatischen Kriegserlebnissen, den üblichen Irrungen und Wirrungen der Liebe und möglichst vielen spannenden Hintergrundinformationen dazu, wie die (vom Nazi-Regime verfolgten) Künstler/innen dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte erlebt haben… Leider hat mich dieses Werk relativ enttäuscht zurückgelassen und rein gar nicht fesseln, geschweige denn emotional berühren können.
Schlimmer noch, gegen Mitte der Geschichte musste ich mich regelrecht zum Weiterlesen aufraffen (- was bei mir eine absolute Seltenheit ist; ich liebe es, zu lesen und insbesondere das Genre der historischen (Frauen-)Romane ist meine Leidenschaft -). Letztendlich überwogen die Neugier (darauf, wie die bis dahin unbefriedigenden Handlungsstränge wohl aufgelöst werden würden) und die Hoffnung (darauf, dass eine unerwartete Wendung doch noch dazu führen würde, mir die Figuren näherzubringen). Nach Abschluss des Romans musste ich allerdings feststellen, dass mir die Charaktere nach wie vor größtenteils unsympathisch, im Idealfall gleichgültig waren.
Ich horchte also in mich hinein. Was war schiefgelaufen? (Immerhin hatte ich dieses vielversprechende Buch, dessen wunderschönes Cover mich verzaubert hatte, so gerne mögen wollen.) Die Leseprobe hatte mich durch eine einnehmende Leichtigkeit beeindruckt: ein flüssiger Schreibstil, detaillierte, bildreiche Beschreibungen, die gekonnt die Atmosphäre des Café Engel einfangen und Optimismus pur – trotz Vorboten des Krieges. Ein wundervoller Start in die Handlung! Man lernt die sympathische Familie Koch kennen, die das besagte Café - Treffpunkt der Wiesbadener Schickeria – bewirtschaftet und ist gespannt, was das Schicksal für sie und ihre Freunde bereithalten wird. Diese Leichtigkeit ist im Laufe der Geschichte leider völlig abhandengekommen. Natürlich ist mir bewusst, dass während eines Krieges nicht die Glücksgefühle überwiegen, sondern dass sich tragische Szenen abspielen. Jedoch habe ich schon weitaus schwerwiegendere Kriegsberichte gelesen (in denen z.B. der harte Lazarett-Alltag einer Kriegskrankenschwester geschildert wurde; Amputationsbeschreibungen inklusive), die auch von schlimmen Verlusten handelten und dennoch keineswegs gänzlich in Negativität versanken, sondern stets das Gute hervorhoben, die Hoffnung, die Freude am Leben. Hier hingegen hatte ich das Gefühl einer dunklen Wolke, die während des Lesens permanent über meinem Kopf hing.
Viele der Figuren unterlaufen eine Wandlung in ihrem Wesen, die alles andere als positiv ist. Gerade Julia, eine Jüdin, die von der Familie Koch vor den Nazis versteckt wird, hätte ich aufgrund ihrer grenzenlosen Selbstwertunterwanderung und Naivität, die mich kochen hat lassen vor Wut, am liebsten schütteln wollen. Sie ist nicht der einzige Charakter, über den ich mich maßlos aufgeregt habe. Ob unerklärliche und wenig authentische 180-Grad-Wendungen, oder schlichtweg unangenehme Charakterzüge – gegen Ende waren mir die meisten Figuren egal.
Dieser Roman besteht aus unverhältnismäßig vielen verschiedenen Perspektiven, die abwechselnd in Kapitel unterteilt sind. Einerseits erhält man als Leser somit einen Einblick die Gedanken einer Vielzahl von Figuren. Bei mir war es allerdings so, dass ich aufgrund der großen Menge an Erzählperspektiven (- die dazu noch in verschiedene Zeitebenen unterteilt sind, was anfangs ein wenig verwirrend war -) von jeder Figur ein wenig, aber von keiner genügend Tiefe wahrgenommen habe. Dieser Eindruck zog sich durch die gesamte Handlung und so blieb die emotionale Distanz bis zur letzten Seite bestehen, leider. Den krönenden Abschluss bildet dann ein Ausklang, der wie mit dem Vorschlaghammer erzwungen scheint – als müsse man schnell zu einem Rundum-Ende gelangen.
Bleibt der Schreibstil auch weiterhin flüssig, wird er doch seines ursprünglichen Optimismus beraubt und ist bestenfalls als neutral zu beschreiben. Mit dem Wortlaut des Klappentextes, auf den die Autoren oftmals kaum Einfluss haben, bin ich nicht einverstanden, da er meines Erachtens irreführend ist. Die Zeitspanne, in der Hilde und Luisa sich endlich begegnen ist relativ kurz, unmittelbar vor dem Ende des Werkes. Der Roman endet also genau dort, wo er laut Beschreibung seinen Hauptfokus hätte haben sollen. Ehrlich gesagt, werde ich die Folgeromane dieser Trilogie mit ziemlicher Sicherheit nicht lesen.
Fazit: Schade, schade. Dieses Werk hat leider all das, was viele Nicht-Leser von historischen Romanen mit diesem Genre assoziieren: unnahbare Figuren, zu denen man keinen Bezug aufbauen kann, verwirrende Zeitsprünge, und eine ermüdende Langatmigkeit, die das Werk unnötig in die Länge zieht.
Rezensionen von begine:
Stimmungsvoll
Wir nannten es Freiheit von Silke Schütze
Silke Schütze hat einen angenehmen einnehmenden Schreibstil. In ihren Roman „Wir nannten es Freiheit“ konnte ich eintauchen.
Der Roman spielt 1916 in Berlin Schöneberg.
Lene Lehmann durfte das Lehrerinnenseminar besuchen. Sie bekommt eine Stelle an einer Mädchenschule in Schöneberg. Weil viele Lehrer in den Krieg eingezogen werden, werden Lehrerinnen gebraucht, aber wenn sie heiraten dürfen sie nicht weiter arbeiten, das ist das Lehrerinnenzölibat.
Kann man sich heute gar nicht vorstellen.
Lene und ihre Kolleginnen schreiben an das Magistrat, das dieses Zölibat abgeschafft werden sollte.
Darum besuchen sie mit Schülerinnen Versammlung des Magistrats. Der Kampf ist stimmungsvoll erzählt.
Silke Schütze hat mit diesem Roman mit historischen Tatsachen und fiktiven wunderbar verknüpft. Die Liebesgeschichte zwischen Lene und Paul zeigt die Probleme der Zeit. Das Volk hat schwer zu kämpfen, in den Kriegsjahren, gibt es wenig zu kaufen. Das Überleben brauchte Kraft.
Der Roman ist fesselnd, eine gute Unterhaltung mit Ernst und Witz.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
EIn bildgewaltiger Thriller aus dem Stockholm von 1793
1793 von Natt Och Dag Niklas
Stockholm 1793 – eine Stadt voller Armut, Militär, korrupten Beamten und über allem schwebt ein Hauch von Revolution. Grund genug für die Ordnungshüter jedwedes Aufmucken im Keim zu ersticken. Es reicht ein unbedachtes Wort, ein neidischer Nachbar und schon ist man in den Fängen der Obrigkeit, die ihre Macht und Willkür weidlich ausnützt.
Frauen, die der Hurerei beschuldigt werden, landen im Spinnhaus, aus dem sie selten lebend wieder herauskommen.
Wohltuend anders sind die beiden Ermittler, die die Identität eines Mordopfers, dessen Torso man aus dem, zur Kloake verkommenen Flusses geborgen hat. Zum einen handelt es sich um den verbitterten Kriegsveteranen Jean Michael Cardell, der seine hölzerne Unterarmprothese recht gut einzusetzen weiß, und zum anderen um den „Agenten für spezielle Fälle“ Cecil Winge, einem an Schwindsucht erkrankten Juristen, dessen Lebensziel ist, diesen Mord aufzuklären. Denn eines ist bald klar, dem Mordopfer sind die Gliedmaßen, Augen und Zunge mit chirurgischer Präzision entfernt worden. Besonders auffällig, zwischen den Amputationen hatten die Stümpfe immer wieder Zeit zu heilen. Und genau das Wissen um eine solche Heilung spannt Winge mit Cardell zusammen.
Das zusammengewürfelte Ermittler-Duo passt perfekt zu dieser düsteren Grundstimmung. Es scheint, als wollte niemand dieses Verbrechen enträtseln. So ermitteln die beiden scheinbar völlig auf sich allein gestellt und unbehelligt. Erst nach und nach erschließen sich die Zusammenhänge.
Durch ihre Recherchen kommen sie einem Geheimclub, dem reiche und honorige Mitglieder der Stockholmer Gesellschaft angehören, gefährlich nahe. Wird es ihnen gelingen, den Mord aufzuklären und die Täter zur Verantwortung zu ziehen?
Meine Meinung:
Wer hier einen lockeren historischen Krimi vermutet, wird eines Besseren belehrt. Das Setting ist schmutzig, brutal, widerlich und der Zeit angemessen. Das soziale Umfeld ist durch eine dünne adelige Oberschicht, eine Reihe schlecht bezahlter Beamter und einem Heer von mittellosen Menschen geprägt. Da fackeln die Stadtväter nicht lange: Vagabundieren wird nicht geduldet und die Obdachlosen landen in Besserungsanstalten oder Arbeitshäusern, wo sie gedemütigt und geschunden werden sowie der Willkür des sadistischen Personals ausgesetzt sind.
Mehrmalige Perspektivenwechsel erhöhen die Spannung. Die Ermittler landen in Sackgassen, erleiden Rückschläge, werden überfallen und sind dennoch besessen davon, den Fall zu lösen.
Sehr interessant finde ich die Vorgehensweise des Cecil Winge, der in Cardell aufgrund seiner eigenen Amputation, einen Spezialisten für chirurgische Eingriffe sieht. Es ist die Zeit, wo die Chirurgie als Handwerk zählt. Chirurgen sind in den seltensten Fällen ausgebildete Mediziner, häufig Henker, Barbiere und Feldschere. Erst im Laufe der nächsten Jahre, der Napoleonischen Kriege, die ganz Europa überziehen, wird ein Umdenken einsetzen. Übungsobjekte sind ja dann genügend vorhanden.
Die Charaktere sind teilweise recht skrupellos. Selbst das Ermittler-Duo ist nicht gefeit davor, zu ungewöhnlichen Mitteln zu greifen, um der Aufklärung näher zu kommen. Wie zu dieser Zeit üblich, fließt Alkohol in Strömen, wird geprügelt, gestohlen und auf der Straße kommt das Recht des Stärkeren zur Anwendung.
Wir erfahren, warum die Hauptdarsteller so sind, wie sie sind. Immer wieder werden historische Details subtil und unterschwellig eingeflochten. Für diejenigen Leser, die mit dieser Epoche nicht so vertraut sind manchmal schwer fassbar. Doch für mich ist das Buch ein toller Lesegenuss, auch wenn die cloaca maxima und die Armut zwischen jeder Buchseite hervorstinken.
Faszinierend ist auch das Cover: Die ausgesparte Jahreszahl aus der eine Ansicht von Stockholm hervorlugt. Der leuchtend rote Blutfleck suggeriert schon einen blutigen Inhalt.
Fazit:
Ein Thriller, der nichts für schwache Nerven ist, aber denjenigen, die sich auf die Lektüre einlassen, ein bildgewaltiges Meisterwerk der Erzählkunst bescheren.
Rezensionen von Anja:
absolut nicht mein Buch…
Not My Type von Lucy Score
Franchesca, genannt Frankie, ist Brautjunger bei der Hochzeit ihrer Freundin Pru. Sie will, dass für Pru alles perfekt wird. Dass am Tag vor der Hochzeit der Bräutigam entführt wird, passt dabei natürlich gar nicht in den Plan. Zusammen mit Trauzeuge Aiden versucht Frankie die Hochzeit noch zu retten.
Dabei kommt sie dem arroganten Millionär näher, als ihr lieb ist…
Aiden ist erfolgreicher Geschäftsmann und in der Welt der Reichen und Schönen zuhause. Beziehungen dauern bei ihm höchstens zwei bis drei Monate, dann langweilen ihn die Frauen. Doch Frankie fasziniert ihn. Allerdings passt die Studentin so gar nicht in seine Welt…
Auf dieses Buch war ich auf der Frankfurter Buchmesse aufmerksam und neugierig geworden. Leider konnte mich die Geschichte nicht wirklich begeistern. Dies hatte verschiedene Ursachen:
Zum einen hatte ich Probleme mit dem Erzählstil, weil mir einfach gar nicht wirklich klar geworden ist, WIE eigentlich erzählt wird. Anfangs scheint die Handlung in der personalen Sicht abwechselnd aus der Perspektive von Frankie und Adam geschildert zu werden. Doch dann vermischt sich alles. Entweder handelt es sich dann um eine personale Perspektive, bei der die Figuren nicht nur hören sondern auch sehen können, was im Nebenraum passiert oder es ist ein allwissender Erzähler, der den Figuren so nah steht, dass er nicht nur ihre Gefühle kennt, sondern sogar noch ihre Spitznamen verwendet – nicht nur für die Personen, sondern auch für gewisse Körperteile. (Nicht nur einmal drohen Frankie „ihre Mädels“ aus dem Dekolleté zu fallen – nicht ihre Worte…) Für mich wurde es einfach nicht rund.
Hinzu kamen im späteren Verlauf mehrere Zeitungsschlagzeilen (?), die einfach am Kapitelende auftauchen, ohne besondere Formatierung oder Erklärung, sodass ich mir nur zusammenreimen konnte, worum es sich dabei eigentlich handelt.
Aber auch mit der Handlung bin ich nicht warm geworden.
Das Buch startet mit der geplanten Hochzeit auf Barbados, die durch die Entführung des Bräutigams zu scheitern droht. Allein die Entführung und Rettungsaktion hätte eigentlich genug Stoff für eine vollständige Geschichte geboten, stattdessen wird die Situation relativ schnell abgehandelt, wobei sich vieler Extreme bedient wird: eine wilde Verfolgungsjagd, ein nächtlicher Einbruch, übertrieben schräge einheimische Helfer…
Dann folgen eher ereignislose Zeiten in New York. Zahlreiche Galas, Essen und Shoppingtrips werden recht ausführlich beschrieben, womit der zu erwartende Konflikt – welcher dann auch eintritt – unnötig hinausgezögert wird.
Obwohl die aufeinanderprallenden Gesellschaftsschichten viel Konfliktpotential bieten und ich diese Konstellation insgesamt auch recht spannend fand, empfand ich das Verhalten der Figuren teilweise als sehr anstrengend. Der Umgang der High Society ist untereinander arg befremdlich. Frauen jeder Altersklasse zicken sich gegenseitig an und versuchen sich öffentlich bloßzustellen. Geld wird im hohen Bogen aus dem Fenster geworden. Mehrfach betrinken sich die Figuren aus Frankies Freundeskreis, bis sie nicht mehr gerade gehen können. Selbst am Abend vor der Hochzeit halten es die Eheleute für eine tolle Idee, sich komplett abzuschießen.
Obwohl Frankie eigenständig sein will und weiterhin arbeitet, um ihre Schulden allein zurückzuzahlen, nimmt sie letztlich Aidens Kreditkarte doch bereitwillig an und hat kein allzu großes Problem damit, ein sündhaft teures Kleid zu kaufen – hat er ihr doch schließlich erlaubt, 50.000 € für ihre Abendgarderobe auszugeben. Zugutehalten kann man ihr dabei aber, dass sie die teure Kleidung zumindest bei verschiedenen Anlässen ausführt – was in Aidens Kreisen natürlich total verpönt ist.
Überhaupt mochte ich zwar Frankies toughe Art und die absolute Loyalität zu ihrer Freundin, allerdings reagiert sie teilweise auch sehr impulsiv. Wird sie von jemandem beleidigt, dauert es nicht lange, bis sie kindisch zurückfeuert und damit das nächste Zickendrama auslöst.
Durchweg sympathisch fand ich hingegen Frankies verrückte Familie.
Schade fand ich, dass ein Aspekt, der zunächst wichtig scheint und die Geschichte in eine andere Richtung hätte bringen können, komplett unter den Tisch gekehrt wird. Aiden leidet zu Beginn mehrfach unter Kopfschmerzen. Er erwähnt, dass er der Ursache für seine Migräne auf den Grund gehen muss. Ich dachte, vielleicht baut sich hier noch eine emotionale Wendung auf… Aber Fehlanzeige. Er hat im Verlauf noch dreimal Kopfschmerzen, ansonsten wird das Thema gar nicht mehr aufgenommen.
Fazit
Alles in allem fand ich die Handlung recht zäh. Nach zwei ereignisreichen Tagen auf Barbados finden Aiden und Frankie relativ schnell zusammen, ohne sich ganz aufeinander einzulassen. Das führt natürlich zwangsläufig zu Problemen. Bis dahin ist aber noch die ein oder andere Gala einschließlich Zickenkrieg und Alkoholüberfluss zu überstehen.
Die holprige Erzählweise hat zudem meinen Lesefluss immer wieder unterbrochen.
Rezensionen von jiskett:
Der bisher beste (Sammel-)Band der Reihe
Dream Maker - Triumph von Audrey Carlan
Der dritte Sammelband der "Dream Maker"-Reihe setzt inhaltlich beinahe nahtlos dort an, wo die letzte Geschichte aufgehört hat - und dies bedeutet, dass die Ereignisse vom Ende des zweiten Bandes hier eine entscheidende Rolle spielen und den Fortgang der Handlung bestimmen. Gut gefallen hat mir, wie die Autorin damit umgegangen ist; bei "Lust" hatte ich kritisiert, dass der Konflikt in Parkers Privatleben mir ein wenig zu sehr in die Länge gezogen wurde, doch ich mochte, dass er in diesem Buch offen thematisiert wurde und die Charaktere begonnen haben, an ihren Problemen zu arbeiten.
Generell fand ich es schön, wie die Beziehung der Protagonisten sich in "Triumph" entwickelt hat; es ist nicht alles perfekt, aber man sieht, dass sie zusammen passen und ein tolles Paar abgeben. Die Mischung aus emotionalen und erotischen Momenten ist sehr gelungen und ich fand gut, wie sehr sie den jeweils anderen in ihr Leben integriert haben. Zudem war es interessant, zu Beginn und am Ende jeder Erzählung Skylers Sichtweise auf die Situation zu lesen.
Obwohl die Liebesgeschichte der beiden eine große Rolle spielt - alleine schon deshalb, weil Parker ja der Ich-Erzähler ist - rückte sie hier stellenweise in den Hintergrund, da ein größerer Fokus auf den anderen Paaren lag. So hat man ein paar kleine Einblicke in die Ehe von Skylers Bodyguards bekommen, doch hauptsächlich rückten Wendy und Michael in den Mittelpunkt, was mir sehr gut gefallen hat. Die beiden haben keine konventionelle Beziehung, doch man sieht, wie gut sie einander tun und dass sie sich trotz der Umstände glücklich machen. Ich fand es toll, dass Michael stärker in die Handlung eingebunden wurde und man mehr über ihn und sein bisheriges Leben erfahren hat. In "Washington D.C." taucht zudem ein neuer weiblicher Charakter auf, der eine gemeinsame Vergangenheit mit den drei Männern hat und hier gibt es sehr viel Potential für die nächsten Bände. Mir hat definitiv gefallen, wie die Autorin hier mit ihr umgegangen ist und ich bin schon gespannt darauf zu erfahren, was zwischen ihr und ihrem früheren Partner vorgefallen ist, da die Chemie zwischen ihnen offensichtlich noch stimmt und es bereits ein paar Andeutungen gab, die neugierig auf mehr machen. Es gibt noch eine weitere neue Figur, doch mit dieser kann ich um ehrlich zu sein noch nicht viel anfangen, da ich das Gefühl habe, dass irgendetwas nicht stimmt. Mal sehen, ob dieser Eindruck sich bestätigen wird.
Die Aufträge selbst waren abwechslungsreich. In "London" geht es um eine Schriftstellerin, die eine Schreibblockade hat, was ich ganz besonders faszinierend fand, doch auch die Entwicklung einer Kampagne für neue Autos und die Arbeit für ein Kosmetikunternehmen wurden spannend geschildert. In den ersten beiden Geschichten kam es mir so vor, als würden die Aufträge ein wenig in Hintergrund stehen, was mich nicht gestört hat, da das Privatleben der Charaktere ebenfalls interessant war, aber ich fand sehr gut, dass dies in der dritten Erzählung anders war. "Washington D.C." ist im Vergleich zu den anderen Teilen ernster und behandelt, wie schon aus der Inhaltsangabe und einer Anmerkung der Autorin vor Beginn des ersten Kapitels hervorgeht, Themen wie Ethik und Moral; es hat mir gefallen, dass es hier einmal eine ganz andere Art von Auftrag gab und die Protagonisten nicht so richtig wussten, wie sie mit den aufkommenden Konflikten umgehen sollten.
Meiner Meinung nach ist "Triumph" der bisher beste Sammelband, was wohl vor allem daran liegt, dass ich mochte, wie mit der romantischen Beziehung umgegangen wurde, doch ich fand auch den größeren Fokus auf den Nebencharakteren toll und die Arbeit von International Guy wurde ebenfalls interessant dargestellt. Zudem bin ich wegen gewisser Ereignisse schon sehr gespannt auf den nächsten Band.










