Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Baerbel82:
Das Böse stirbt niemals wirklich
Lazarus von Lars Kepler
Um es gleich vorwegzunehmen, „Lazarus“ von Lars Kepler ist bereits der siebte Schweden-Krimi mit dem sympathischen Ermittler Joona Linna. Die Vorgänger hatten mich begeistert und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Der Einstieg ist echt gruselig. Ist Serienkiller Jurek Walter doch noch am Leben? Hat er sich nach dem Tod seines Zwillingsbruders einen neuen Partner gesucht? Oder ist Joona paranoid? Gleich mehrere Handlungsstränge gilt es zu verfolgen.
Zwei Streifenpolizisten machen einen grausigen Fund. Danach begegnen wir Valeria, Joonas Freundin.
Über das Wiedersehen mit Joona und Saga Bauer, Kommissarin beim schwedischen Staatsschutz, habe ich mich sehr gefreut. Aber der Killer hat Valeria und Sagas kleine Schwester Pellerina längst im Visier. Joona versucht, wenigstens seine Tochter Lumi zu retten. Denn Jurek droht, alle lebendig zu begraben, die ihm lieb sind. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…
Lars Kepler ist das Pseudonym des schwedischen Autorenpaares Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril. „Lars“ verstehen sie als Hommage an Stieg Larsson, „Kepler“ erinnert an den Astronomen, der das europäische Weltbild erschütterte.
Lars Kepler hat seinen Kriminalroman wieder packend in Szene gesetzt. Wechselnde Schauplätze und Perspektiven sorgen für Dynamik. Spannend, keine Frage. Aber auch blutig und brutal. Ab und zu finden sich Bezüge zu den Vorgängern. Nichtsdestotrotz könnte ich mir vorstellen, dass Neueinsteiger, die die ersten Bände nicht kennen, Verständnisprobleme haben.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Joona Linna ist Finnlandschwede und einer der besten Ermittler Schwedens, der auch vor unkonventionellen Methoden nicht zurückschreckt. Natürlich sieht er auch noch verdammt gut aus. Jurek, der Antiheld, ist quasi „unkaputtbar“ und der Polizei immer einen Schritt voraus.
„Lazarus“ hat alles, was das halbwegs gesunde Menschenhirn an Obsessionen, Foltern und Metzeleien ausbrüten kann - einschließlich eines psychopathischen Killers, eines charismatischen Ermittlers und eines actionreichen Showdowns. Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger, der offen lässt, wie es mit dieser genialen Reihe weitergeht.
Fazit: Joona Linnas 7. und persönlichster Fall. Mein Krimi-Highlight des Jahres!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Toller Auftakt einer neuen Krimi-Reihe
Der Tote im Schnitzelparadies von Joe Fischler
Arno Bussi, ein gut aussehender, charmanter Beamter des Bundeskriminalamtes Wien, wird als Sonderermittler nach Hinterkitzlingen versetzt. Wohin? In das kleine unbedeutende (und fiktive) Dorf Hinterkitzlingen. Und warum? Bussi hat sich von seinem Oberchef, dem Herrn Innenminister, in flagranti mit dessen Frau erwischen lassen .
.. Nix ist daher mit einer Karriere und spannenden Ermittlungen bei Europol, in Paris, London oder so. Nein, strafversetzt nach, eh schon wissen - Hinterkitzlingen.
Unmittelbar nach seiner Ankunft erwartet ihn der abgetrennte Kopf des Bürgermeisters von Oberkitzlingen. Nein, nicht als Trophäe an der Wand, sondern in der Tiefkühltruhe des örtlichen Schnitzelparadieses. Noch bevor die Spurensicherung und Verstärkung eintrifft, verlegt ein Felssturz die einzige Zufahrtsmöglichkeit in das Tal und das Unwetter lässt die Stromversorgung zusammenbrechen. Arno Bussi ist auf sich allein gestellt. Als dann noch ein weiterer Mord geschieht, ist guter Rat teuer.
Meine Meinung:
Autor Joe Fischler hat mit der Figur des Arno Bussi einen witzigen Polizisten geschaffen, der durch die verführerischen Frauen in seiner Umgebung immer wieder auf Abwege gerät. Leider ist Arno nicht ganz so weltmännisch wie er es eigentlich gerne sein möchte. So tappt er immer wieder in die Fänge der Liebe oder was er dafür hält. Er muss, wie ein guter Rotwein oder Whisky noch ein bisschen reifen. Im Moment ist er eher der einsame Wolf, der sich auch ein bisschen im Selbstmitleid suhlt. Warum hat der Innenminister auch seine Frau bespitzeln lassen und eine Kamera im ehelichen Schlafgemach montieren lassen? Damit kann doch ein Liebhaber nicht rechnen, oder?
Auch die anderen Bewohner von Hinter- oder Vorderkitzlingen sind ein wenig skurril. Zum Beispiel die Helga Kreuzveitl, die Pfarrersköchin, die das „leibliche Wohl“ des Pfarrers, der in der Umgebung nur „Heiliger Bimbam“ genannt wird, ein wenig zu wörtlich nimmt. Auch die Resi, in deren Schnitzelparadies der Kopf des Vorderkitzlinger Bürgermeisters gefunden wird, hat mehr als nur ein Geheimnis. Damit ist sie nicht die einzige …
Der Schreibstil des Autors ist herzhaft erfrischend. Mehrmals musste ich laut lachen. Allein schon die Ankunftsszene, wie Arno auf seiner geliebten hellblauen Vespa nach stundenlanger Fahrt in Hinterkitzlingen eintrifft und fortan in der abgewohnten, ehemaligen Gendarmerie-Dienststelle leben muss. Herrlich, dass er einen Lada Taiga als Dienstauto zur Verfügung gestellt bekommt. Er wird ihn noch zu schätzen lernen, den Büffel aus Togliattigrad mit dem Zündschloss links von der Lenksäule.
Neben der amüsanten Sprache hält der Krimi einige unerwartete Wendungen für die Leser bereit. Immer, wenn man glaubt, den Täter ausgemacht zu haben, schlägt Joe Fischler einen Haken und Arno Bussi steht in der nächsten Sackgasse. Die Spannung wird, wie es sich für diese „locked room“-Krimis gehört, bis zum Show Down hoch gehalten. Der oder die Täter verstecken sich bereits von Beginn an in der Geschichte, doch bis Arno Bussi seine richtigen Schlüsse vergeht geraume Zeit. Auch auf Hilfe von außen kann er aufgrund des Unwetters nicht hoffen. Hin und wieder kommen nicht nur bei Arno klaustrophobische Beklemmungen zum Vorschein.
Joe Fischler hat nach seiner „Veilchen-Reihe“ einen weiteren witzigen Ermittler-Typ geschaffen, der für eine neue Reihe taugt. Ich denke, Arno Bussi wird nicht lange alleine bleiben.
Fazit:
Ein fulminanter Auftakt zu einer neuen Krimi-Serie. Gerne gebe ich hierfür 5 Sterne und warte ungeduldig auf das nächste Abenteuer von Arno Bussi.
Rezensionen von heinoko:
Zwei Freunde wie Monsterspucke und Hortensiensaft
Die Geheimnisse von Oaksend - Die Monsterprüfung von Andrea Martin
Ein wunderbares Kinderbuch über Freundschaft, über Mut und über die Kraft der Fantasie.
Armer Robin! Ohne zu klagen lebt er bei Rufus, diesem gefühllosen, hartherzigen und geizigen Mann, der ihn nach dem Tod seiner Eltern aufgenommen hatte. Ohne zu klagen nimmt er es hin, dass ihn einige Klassenkameraden schlimm quälen und ihm ständig böse Streiche spielen, ihm sogar seine Schultasche im Wald verstecken, die Schultasche, in dem sein mühsam erarbeitetes Referat steckt.
Als der verzweifelte Robin die Schultasche schon verloren glaubt, setzt er, ohne es zu ahnen, einen Hilferuf in die magische Welt ab. Denn Oaksend, das Örtchen, in dem Robin lebt, ist ein magischer Ort, in dessen Nähe es eine Verbindung zwischen der Menschenwelt und der Welt der Monster gibt. Und tatsächlich, in der Nacht taucht wie aus dem Nichts Melvin auf, ein echtes, blaubepelztes Monster, ein angehendes Schutzmonster, dessen Aufgabe es ist, seinen Schützling, nämlich Robin, vor jeglichem Unheil zu bewahren. Doch Melvin ist nicht das einzige Monster, und nicht alle haben gute Absichten…
Dieses Kinderbuch ist eine sehr gelungene Mischung von allem, was Kinder gerne lesen: Abenteuer, Spannung, Alltagsprobleme, Humor. Aus all diesen Zutaten ist ein richtig gutes Kinderbuch entstanden. Es wird flott, lebendig und spaßig erzählt. Die phantasievollen Abenteuer sorgen für Spannung. Und Melvin, dieses blaufusselige Schutzmonster, ist einfach zum Liebhaben. Dass mit einem echten, verlässlichen Freund an der Seite das Leben nicht nur schöner ist, sondern gemeinsam auch alles viel leichter wird, zeigen uns Robin und Melvin auf liebenswerte Weise. Ein paar Illustrationen mehr hätte ich mir gewünscht, das würde für etwas Auflockerung sorgen und würde den Kindern, die nicht so gerne lesen, den Zugang zu der Geschichte sehr erleichtern. Dennoch bleibt das Fazit: Ein rundum gelungenes Kinderbuch, schön ausgestattet, zum Selberlesen ab 10, zum Vorlesen ab 8.
Rezensionen von Pink Anemone:
Der erste King, der mich wirklich enttäuscht zurück lässt.
Erhebung von Stephen King
Scott nimmt rasend schnell ab. Sein korpulentes Aussehen ändert sich trotzdem nicht. Und noch unheimlicher: Wenn er auf die Waage steigt, zeigt sie jeweils das gleiche Gewicht an, egal wie viel er momentan trägt, ob Kleidung oder gar Hanteln. Scott hat Angst, dass man ihn zum medizinischen Versuchskaninchen macht.
Aber er muss es jemand erzählen. Zu Dr. Ellis hat er Vertrauen, aber auch der weiß keinen Rat....(Klappentext)
✯✯✯✯✯
"Stellten die Zeiger an einer Uhr und die Zahlen auf einer Badezimmerwaage nicht nur den Versuch dar,
unsichtbare Kräfte zu messen, die sichtbare Wirkungen hatten?
Die dürftige Bemühung, eine größere Wirklichkeit zu erfassen, die darüber hinausging,
was ein gewöhnlicher Mensch sich als Wirklichkeit vorstellte?"
(S. 23)
Scott ist ein Riese von einem Mann und der Ranzen hängt ordentlich über den Gürtel. Trotzdem zeigt die Waage stetigen Gewichtsverlust an - 1/2 kg täglich, Tendenz steigend. Ob nun mit oder ohne Bekleidung, oder ob er in sich hineinfrisst als gäbe es kein Morgen, die Kilos schwinden auf der Waage...NUR auf der Waage. Den Gewichtsverlust sieht man Scott keineswegs an.
Er weiht seinen Freund und ehemaligen Arzt Dr. Bob (kurzer Dschungelcamp-Aufblitzer) in diese mysteriöse Sache ein, denn langsam aber sicher bekommt er Panik.
So viel zur Story, welche durchaus interessant und nach einem typischen King klingt. Zugegeben, ich dachte beim Lesen des Klappentextes an "Thinner", ein Stephen King-Roman aus dem Jahr 1984, doch das war es auch schon mit der Gemeinsamkeit, denn es passiert hier im Grunde rein gar nichts, zumindest bezüglich dieses mysteriösen Problems.
Man erfährt weder wieso, weshalb, warum, noch woher dieser Gewichtsverlust kommt. Auch den Protagonisten scheint es mit der Zeit nicht mehr zu interessieren. Ist ja eh wurscht, wiegt er eben irgendwann überhaupt nichts mehr. Stattdessen etnwickelt sich diese Novelle zu einem politischen Statement Kings.
"Er hatte die Messungen abgelehnt, weil Doctor Bob sicher nicht nur die Muskeldichte, sondern auch das Gewicht bestimmen wollte,
und Scott hatte eine Ahnung gehabt
- vielleicht war es auch ein tief greifendes Körperbewusstsein -,
sie sich nun als korrekt erwies.
Nach einem reichlichen Abendessen, gefolgt von einem nahrhaften Snack, wog er nur noch gut neunzig Kilo.
Der Prozess beschleunigte sich."
(S. 64)
Die Story spielt in der Kleinstadt Castle Rock, welche normalerweise von skurrilen Figuren nur so wimmelt. Diesmal wird Castle Rock jedoch von typisch amerikanischen Kleinstädtern bevölkert - engstirnig, intolerant und verdammt christlich. Die zwei Lesbierinnen sind eine Ausnahme und werden natürlich von diesen Hinterwäldlern diskriminiert und angefeindet. Und dies ist auch das große Thema dieser Novelle.
">>Sie ist lesbisch. Wahrscheinlich wäre das okay, wenn sie es für sich behalten würden
- was hinter geschlossenen Türen passiert, interessiert bekanntlich niemand -,
aber sie legt Wert drauf, die Köchin vom Frijole als ihre Ehefrau vorzustellen!...<<"
(S. 45)
Versteht mich nicht falsch. Ich finde es verdammt wichtig gegen Homophobie und allgemein gegen jegliche Intoleranz einzustehen, diese Thematik auch in Romanen zu verarbeiten, aber bitte nicht wie Stephen King in dieser Novelle.
Zum einen hatte ich das Gefühl, dass es einfach nur ein lieblos hingerotztes Werk ist, welches Tiefe vermissen lässt. Gerade diese Thematik, wenn wir schon beim Stoff der Intoleranz bleiben, hat etwas besseres verdient.
Zum anderen strotzt diese Novelle von gerade einmal 143 Seiten regelrecht vor Klischees. Da hätten wir natürlich die typisch amerikanischen Vollpfosten aus der Kleinstadt, dann der Held, welcher sich gegen diese biersaufenden und Flanellhemd-tragenden Intelligenzallergiker stellt und dabei sein eigenes Problem völlig vergisst, und dann natürlich die beiden Lesbierinnen, wobei eine ein schüchternes Mäuschen ist, während die andere die Kampflesbe wie aus dem Buche verkörpert.
Natürlich wendet sich am Ende alles zum Guten und das durch eine einzig kleine Aktion seitens unseres Helden, welche innerhalb weniger Minuten die beschränkten Homophobiker und deren eingefahrenes Weltbild bekehrt. Jaaa, klar.
Bei der Klappentext-Story tut sich hingegen nichts. Der Leser bleibt diesbezüglich im Unklaren und dann ist das Buch auch schon zu Ende - Klappe zu, Affe tot.
Fazit:
Das Einzige was mir nach Beenden des Buches durch den Kopf ging war: "WTF, was für eine hingerotzte Scheiße!" So etwas bin ich von King absolut nicht gewohnt und daher auch dementsprechend enttäuscht. Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Diese King-Novelle kann man sich also getrost sparen.
© Pink Anemone
Rezensionen von Gluecksklee:
Spannung pur
Erhebung von Stephen King
Inhalt
Nach dem 7. Band der Reihe („Er will dein Herz“) beginnt „Jetzt gehörst du mir“ zumindest im Hinblick auf die Ehe von Marina und Phil erst einmal harmonischer als der Vorgängerband. Phil und seine Frau sehen sich zwar immer noch der Gefahr durch Phils mysteriöse Stalkerin gegenüber, haben aber beschlossen, dass sie von nun an wieder gemeinsam versuchen werden mit der Situation umzugehen.
In diesem Band kommt die Geschichte um die Person, die bisher unter dem Namen Fiona Welch ihr Unwesen getrieben hat, zu ihrem Höhepunkt.
Meine Meinung
Als Fan der Reihe um das gemeinsam ermittelnde Ehepaar, bestehend aus Marina Esposito, ihre Zeichens Profilerin, und Phil Brennan, DI bei der Mordkommission, habe ich mich auf den neuesten Band der Reihe sehr gefreut. Man leidet nach wie vor mit den beiden Helden der Buchreihe mit. In diesem Band sehen sich die beliebten Protagonisten besonders üblen Verbrechen und Erlebnissen konfrontiert und stehen dieses Mal von Anfang an in der Schusslinie der Täterin.
Wie bereits in den Vorgängerbänden erzählt Tania Carver die Handlung zum einen aus der Sicht der verschiedenen Personen, die an der Ermittlung beteiligt sind, zum anderen werden immer wieder Informationen, Gedankengänge und Motive des Täters/der Täterin in die Handlung eingefügt, sodass man als Leser ab und an einen kleinen Wissensvorsprung zu haben scheint. Ob die Vermutungen, die man aufgrund dieser Informationen anstellt, am Ende dem entsprechen, was letztlich aufgedeckt wird, bleibt dem Leser und seiner Phantasie bis zur Auflösung selbst überlassen. Gerade dadurch gewinnen die Thriller von Tania Carver so unglaublich an Spannung – und „Jetzt gehörst du mir“ ist dabei keine Ausnahme.
Ein mitreißender Schreibstil, Protagonisten, die einem ans Herz gewachsen sind und mit denen man mitfiebert und ein absolutes Gespür für gekonnten Spannungsaufbau – was will man von einem Thriller mehr? Von mir erhält „Jetzt gehörst du mir“ daher volle fünf Sterne und eine Leseempfehlung an alle Thrillerfans.
Rezensionen von leserin3@bluewin.ch:
Skurrile Familiengeschichte
Rückwärtswalzer von Vea Kaiser
Ein neuer Roman von Vea Kaiser liegt vor, und wieder finden sich zwischen den Buchdeckeln eine Reihe irrwitziger Situationen. Die Familienstory ist in mehrere Handlungsstränge gegliedert. Hauptsächlich geht es um die illegale Überführung des toten Onkels Willi von Wien in seine Heimat Montenegro.
Sein Neffe Lorenz, ein arbeitsloser Schauspieler, soll dies zusammen mit seinen Tanten in einem Kleinwagen bewerkstelligen.
Doch bis das Grüppchen am Ziel angekommen ist, geht die Autorin in zahlreichen Rückblenden auf die Vergangenheit der Familie ein. Wir werden mit Geschwistern bekanntgemacht, die miteinander durch dick und dünn gehen, und der stetige Refrain lautet: Niemand wird zurückgelassen. Da wuseln im Text viele Namen wild und wirr durcheinander, wobei die teils witzigen Titel der Abschnitte mit ihren Jahreszahlen mehr als nur notwendig sind. Lange fragt sich der Leser: Wer ist eigentlich Susi? Und was ist geschehen mit dem Zwillingsbruder Nenerl?
Es geht um Verlust und um die Schuld daran, welche sich alle drei Schwestern geben, Mirl, Wetti (die eigentlich Barbara heisst) und Hedi. Sie alle haben nicht gefunden, was sie vom Leben erwartet haben. Jede ist auf ihre Art gescheitert, hat aber nie aufgegeben. Und immer mit dabei: die Seelen der Verstorbenen, eben die Manen der Familie Prischinger.
Anfangs kommt der Roman etwas zäh in die Gänge, doch bald heizt Vea Kaiser die Spannung tüchtig an und vermag sie bis zum Schluss zu halten. Wie bei einer Zwiebel häutet sich die Story mit den Kapiteln, nach und nach kommen verdrängte Wahrheiten und immer mehr involvierte Personen ans Tageslicht.
Dazwischen streut Kaiser die jeweilige personelle Regierungsentwicklung, besonders innerhalb der SPÖ, ein. Üppiges Essen ist ein Dauerthema, und wer die ostösterreichische Küche kennt, dem läuft permanent das Wasser im Mund zusammen. Es kommt zu ein paar grotesken Szenen (muss es ja wohl bei der Sachlage), und einige Male habe ich hellauf gelacht.
Auch in Kaisers drittem Roman wird deutlich, dass eine ihrer Vorlieben der Antike gilt. Mir gefällt ihre leichtfüssige, süffige Sprache, die immer wieder Portionen von österreichischem Lebensgefühl offenlegt. Man glaubt kaum, was man liest, und doch ist alles folgerichtig und eigentlich nichts übertrieben. Halb Roadmovie, halb Retrospektive, gewinnt das Buch zunehmend an Tempo und vermag glänzend zu unterhalten.
Rezensionen von BarbaraM:
wunderbare, faszinierende Hörreise mit Arthur und dem weißen Bären!
Die Reise des weißen Bären,3 Audio-CDs von Susan Fletcher
Das Hörbuch „Die Reise des weißen Bären“ ist ein ganz besonderes Hörbuch. Das bemerkt man schon bei den ersten Kapiteln. Es hat uns von Anfang an so in seinen Bann gezogen, dass man alles um sich herum vergessen hat und nur noch hören, hören, hören wollte. Wunderbar!
Doch um was geht es? Arthur ist 12 Jahre alt und von Zuhause weggelaufen.
Sein Ziel ist Wales, weil er dort nun das bislang verwaltete Erbe seines lange verstorbenen Vaters antreten möchte. Er möchte in der Stadt Bergen ein Schiff nehmen, das ihn nach London bringt, wird jedoch vor lauter Hunger beim Stehlen erwischt und als Strafe in einen Käfig mit einem Eisbären gesperrt. Fast sofort verspürt er eine Bindung zu dem Bären. Der Eisbär ist ein Geschenk des norwegischen Königs an König Heinrich von England und soll dorthin verschifft werden. Arthur wird nun die Aufgabe zuteil, sich um den Eisbären zu kümmern und beide erleben eine abenteuerliche Reise dorthin. Die Reise birgt viele Gefahren, aber es entwickelt sich auch eine unglaubliche Freundschaft zwischen beiden ein Leben lang.
Besonders fasziniert hat uns natürlich die Verbindung zwischen Arthur und dem Eisbären. Arthur kümmert sich voller Hingabe um ihn, schafft es, sich in ihn hineinzuversetzen und spielt auch mit dem Gedanken, ihn in die Freiheit zu entlassen. Aber auch der Eisbär lässt Arthur niemals im Stich. Sehr schön waren jeweils die Momente der Freiheit, wenn beide gemeinsam im Wasser waren.
Es ist sehr beeindruckend, welch tolle Atmosphäre Julian Greis mit seiner Stimme schafft. Jeder einzelnen Person gibt er eine ganz spezielle, ausdrucksstarke Tonnote.
Er spricht ruhig und unaufgeregt und schafft es, Arthur in seinen verschiedenen Situationen und Gemütslagen so darzustellen, dass man meinte, Arthur selbst würde von seinem Leben und seiner Reise mit dem weißen Bären berichten. Gerne möchte ich noch weitere Hörbücher von ihm vorgelesen bekommen.
Das Hörbuch „Die Reise des weißen Bären“ von der Autorin Susan Fletcher und dem Sprecher Julian Greis ist im März 2019 im Verlag Jumbo Neue Medien erschienen. Es umfasst 3 Hörbuch-CDs mit einer Laufzeit von 4 Stunden und 17 Minuten.
Fazit: Eine tolle Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt und dem „Niemals-Aufgeben“.
Ein absoluter Genuss für die Ohren für Leute ab 10 Jahren! Absolut empfehlenswert!
Rezensionen von Meli:
Unterhaltsam (und ein wenig oberflächlich)
Bad Bachelor von Stefanie London
Also erstmal: Die Bad Bachelors App ist absolut verwerflich! Dates sind schließlich keine Dienstleistungen, die man öffentlich bewerten sollte. Damit haben wir schon eine recht seltsame Grundlage, aber abgesehen von dieser unmoralischen Anwendung mochte ich das Buch schon.
Ich mochte Reed eigentlich sogar sehr gerne! Er ist sehr verschlossen und fast immer professionell.
Zum Teil mögen die furchtbaren Dinge, die Frauen über ihn schreiben, stimmen, aber er ist kein böser Typ, wie er online dargestellt wird. Er will keine Beziehung und sich auch nicht einfach so verändern lassen. Die Frauen hatten andere Erwartungen an ihn, denen er nicht gerecht werden konnte, und dafür muss er jetzt zahlen. Die schlechten Bewertungen sind schlecht für seinen Ruf, was als PR-Manager ziemlich ironisch ist, und er ist ziemlich genervt von der ganzen Sache, was absolut verständlich ist.
Er arbeitet hart und ernst, aber er ist auch ein leidenschaftlicher Mann, der sich um seinen Vater und seine Freunde sorgt.
Darcy fand ich auch ganz sympathisch, auch sie trägt ihre Lasten mit sich, doch sie bleibt sich treu. Ihr liegt viel an der Bibliothek, in der sie arbeitet und trotz ihres Stresses mit ihrer Mutter, will sie ihr irgendwie gefallen.
Als sie Reed kennenlernt, fühlt sie sich zu ihm hingezogen, doch sie hat schon von ihm gehört und begegnet ihm mit vielen Vorurteilen. Umgekehrt findet Reed sie auch oberflächlich, aber trotzdem zum Anbeißen. Ihre Neckereien aufgrund ihrer Differenzen sind wirklich unterhaltsam und ich fand, dass sie ein wirklich niedliches Paar sind, auch wenn sie sich nicht auf ihre Gefühle einlassen möchten. Darcy wegen der allgemein schlechten Meinung über sie, Reed, weil er eben nichts Festes möchte.
Ich fand die Geschichte ziemlich unterhaltsam, aber die Prämisse war manchmal schon irgendwie sehr flach. Und das Ende brachte dann die üblichen Entwicklungen, wo jemand plötzlich kalte Füße kriegt und um sich schlägt. Das fand ich schon schade, denn das hätte die Geschichte nicht nötig gehabt.
Fazit:
Insgesamt fand ich "Bad Bachelor" trotz der verrückten App unterhaltsam und mochte auch die Protagonisten sehr gerne. Es war teilweise etwas oberflächlich, aber ich bin sehr zufrieden mit dem Buch.
Rezensionen von Gaby 2707:
Alles wird gut
Sterne sieht man nur im Dunkeln von Meike Werkmeister
Der Lebensplan von Anni und Thies, die nun schon seit 10 Jahren zusammen leben, gerät ins Wanken, als Thies sich plötzlich doch vorstellen kann zu heiraten. Anni möchte eigentlich, dass alles so bleibt wie es ist. Oder doch nicht? Und will sie für einen super tollen Job als Gamedesignerin von Bremen nach Berlin ziehen? Ohne Thies? Um sich klar zu werden, was sie eigentlich will, nimmt Anni die Einladung ihrer ehemals besten Freundin an und reist für 6 Wochen auf die wunderschöne Nordseeinsel Norderney.
Anni mit ihrer herzlichen, unkonventionellen Art habe ich ab der ersten Seite ins Herz geschlossen. Überhaupt sind alle Menschen, die ich hier kennengelernt habe, trotz ihrer Unterschiedlichkeit einfach nur liebenswert, sympathisch und vor allem menschlich und sich selber treu.
Meike Werkmeister hat mich durch Anni auf eine so wunderbar leichte, liebenswerte, manchmal auch tiefgründig Art und Weise durch die Lektüre geführt. Ich erfahre nach und nach, warum die Freundschaft zwischen Anni und Maria seinerzeit zerbrochen ist, sehe Mo, die Mutter von Thies in ihrem Garten werkeln und Iris, die Mutter von Maria Kuchen für das kleine Strandcafé backen. Ich habe gelacht und mich weg geträumt, und zum Schluss auch ein paar Tränchen verdrückt.
Immer wieder sind kleine Zeichnungen mit klugen Sprüchen eingestreut. Wunderschön und abwechslungsreich. Am Ende des Buches bekomme ich sie alle auch nochmal in groß und bunt zu sehen.
Alles in allem ein wunderbares Buch mit unerwarteten Wendungen, für sehnsuchtsvolle und ausgelassene Lesestunden, das ich sehr gerne gelesen habe.
Rezensionen von simone.h1:
Tolle Mischung
Rückwärtswalzer von Vea Kaiser
Lorenz ist Mitte 30, gescheiterter Schauspieler und in einer komplizierten Fernbeziehung. Zum Glück ist er aber in seiner Familie voll umsorgt, nicht nur von seinem Vater, sondern vor allem auch von dessen drei jüngeren Schwestern, Hedi, Mirl und Wetti. Als Lorenz Leben finanziell und beziehungstechnisch zu scheitern droht unternimmt er mit seinen Tanten einen Roadtrip um einem Onkel den letzten Willen zu erfüllen.
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Ich habe bisher noch kein Buch der Autorin gelesen und war vorweg eher auf seichte österreichische Landhumoristik eingestellt. Schon nach ein paar Seiten war ich jedoch positiv überrascht vom Tiefgang dieses Buchs. Es ist sehr unterhaltsam, stteift aber gekonnt Zeitgeschichte und beschäftigt sich auch durchaus mit ernsteren Themen wie z.B. Politik.
Der Schreibstil ist dabei aber durchwegs angenehm und gar nicht schwer zu lesen. Besonders gut hat mir die Charakterisierung der Personen gefallen, da sie sich alle stark unterscheiden und extrem authentisch wirken. Die Form der Zeitsprünge und das Eingehen auf die Vergangenheit jedes einzelnen Protagonisten war für mich auch toll ausgeführt. So ergibt sich wunderbar konstruiert langsam das große Ganze. Dass das Buch zum großen Teil in meinem näheren geografischen Umfeld spielt, war noch dazu ein Pluspunkt fùr mich!
Alles in allem war dieses Buch für mich ein Lesehighlight der besonderen Art, mit dem ich viele spannende und unterhaltsame Stunden verbracht habe!









