Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Gaby 2707:
Krimi und Reisebericht gekonnt vereint
Lago Mortale von Giulia Conti
Als der aus Frankfurt stammende und seit 6 Jahren in Norditalien ansässige Deutsch-Italiener Simon Strasser, von einem Kollegen liebevoll „Edelfeder“ genannt, von seiner Terrasse aus eine Yacht auf dem Lago d´Orta treiben sieht, ist sein Spürsinn erwacht. Der ehemalige Polizei- und Gerichtsreporter geht der Sache auf den Grund und findet an Bord die Leiche des Fabrikantensohns Marco Zanetti.
Hinter dem Rücken von Maresciello Carla Moretti, der ermittelnden Kommissarin, beginnt er mit eigenen Ermittlungen. Nicht ahnend, dass er sich damit selbst in allerhöchste Gefahr begibt.
Giulia Conti legt mir als Leserin mit ihrem Piemont-Krimi keinen blutrünstigen Krimi vor. Als Reisebuchautorin beschreibt sie vor allem den See und die wunderschöne Landschaft, die Menschen und die Orte rund um den Lago d´Orta. Ich merke beim Lesen, dass sie sich dort auskennt und dieses kleine Stückchen Erde liebt.
Gelernt habe ich auch wieder etwas. Diesmal über Hornissen, über Marmor und den Mailänder Dom. Dass das Thema Homosexualität in den Krimi eingearbeitet wurde, hat mir gut gefallen.
Zu Beginn der Lektüre nimmt die kriminalistische Handlung nur einen kleinen Part ein. Ich werde vielmehr mit Simon, seiner Ziehtochter Nicola und ihrem gemeinsamen Leben vertraut gemacht. Die Autorin schafft für mich eine richtige Wohlfühlatmosphäre. In der zweiten Hälfte geht es dann allerdings zur Sache und ich konnte mit fiebern und mit ermitteln. Simon Strasser gefällt mir als ermittelnder Reporter sehr gut. Er verlässt sich auf sein Bauchgefühl, hat einen intelligenten Spürsinn und kommt so menschlich und geerdet rüber, dass ich mich gleich mit ihm angefreundet habe. Auch seine etwas flatterhafte Ziehtochter Nicola habe ich schnell in mein Herz geschlossen. Es gibt aber auch noch weitere Protagonisten, die alle ihre Eigenheiten und mich fasziniert haben.
Mir hat diese Mischung aus „Reisebericht“ und Krimi sehr gut gefallen. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt, mich in den Piemont geträumt und nebenbei noch einen vertrackten Kriminalfall gelöst. Ein kleines Bisserl mehr Spannung könnte der Krimi schon noch vertragen.
Ich hoffe bald mehr von Simon Strasser, seinen Freunden und Maresciello Carla Moretti lesen zu können.
4,5 von 5 Lesesternen
Rezensionen von LEXI:
Der weiße Ahorn – ein Familiensymbol für Zusammenhalt und Liebe
Der weiße Ahorn von Mina Baites
Der weiße Ahorn symbolisiert für die Familie Breitenbach ein Gelöbnis, er ist das markante Firmenzeichen der Schuherzeugung Breitenbach in der Nähe von Berlin, ein in reinem Weiß gehaltener Ahornbaum ohne Blätter.
Mina Baites erzählt von einer Unternehmerfamilie in Deutschland, für die 1881 zu einem schicksalsträchtigen Jahr werden sollte.
Obgleich der verwitwete Gründer Hermann Breitenbach die Geschicke der Firma fest in seinen fähigen Händen hält, überträgt er seinem ältesten Sohn Theodor bereits immer mehr Verantwortung. Theodor ist der geborene Geschäftsmann, in seinem Privatleben liegt jedoch einiges im Argen. Hermanns jüngerer Sohn Georg arbeitet als Buchhalter in der Schuhfabrik, seine Leidenschaft gilt jedoch der Musik, insbesondere dem Klavierspiel. Rosa ist die einzige Tochter und zugleich das Nesthäkchen der Familie. In ihrer rebellischen Art ähnelt sie ihrer Tante Funny, die vor Jahren nach Amerika auswanderte und nun in Colorado ihr Leben als unabhängige und gewitzte Geschäftsfrau meistert. Als die Firma in Schwierigkeiten zu geraten droht, beschließen die Breitenbachs, eine Tochterfabrik in Colorado zu eröffnen, um die Existenz der Familie zu sichern. Dass damit ausgerechnet der jüngere Sohn Georg beauftragt wird, freut den empfindsamen und tiefgründigen Mann zutiefst. Georg stand bislang im Schatten des erfolgreichen älteren Bruders und diese neue verantwortungsvolle Aufgabe im Land der unbegrenzten Möglichkeiten stellte eine Herausforderung für ihn dar. Doch weder Hermann Breitenbach, noch seine beiden Söhne hatten mit Rosas Hartnäckigkeit gerechnet. Sie möchte Georg um jeden Preis zu ihrer geliebten Tante Funny begleiten. Es beginnt ein aufregendes Abenteuer, das mit einer langen und mitunter turbulenten Reise durch unwirtliche und gefährliche Gegenden einhergeht. In dieser schwierigen Zeit müssen die Mitglieder der Familie Breitenbach nun beweisen, dass sie ihr Gelöbnis um den weißen Ahorn tatsächlich ernst nehmen.
Mina Baites wartet in ihrem ersten Band dieses Familienepos mit hervorragend charakterisierten Protagonisten und interessanten Nebenfiguren auf. Ihre liebevolle Beschreibung verleiht den Personen dieser Handlung Glaubwürdigkeit und bezieht den Leser in deren Gefühls- und Gedankenwelt ein. Der Autorin ist ein einnehmender Schreibstil zu eigen und sie versteht es, dem Leser die raue Landschaft Amerikas bildhaft vor Augen zu führen. Das zentrale Thema dieses Buches ist die Besiedelung des Wilden Westens durch unerschrockene Pionierinnen, dargestellt durch Funny und Rosa Breitenbach. Darüber hinaus bringt sie die Gleichberechtigung der Frauen, die Sklaverei, Konflikte mit den indianischen Ureinwohnern sowie die Zuwanderung von Amischen in Amerika dezent in die Handlung ein.
Diese Geschichte wird in zwei Handlungssträngen erzählt, die Autorin wechselt in ihren Ausführungen stets zwischen den Ereignissen in Deutschland mit Hermann und Theodor Breitenbach, sowie jenen in Amerika mit Georg und Rosa Breitenbach. Mina Baites berichtet im Anhang über die historisch belegten Personen dieses Buches. Zu meiner großen Freude gibt es auch ein kleines Personenregister, das zur schnellen Orientierung beiträgt.
Fazit: „Der weiße Ahorn“ ist ein beeindruckender Auftakt zur Saga um die Familie Breitenbach, hervorragend umgesetzt und mit einer Handlung, die mich vollends überzeugt hat. Ich lese mit großer Vorliebe Geschichten über die Besiedelung des Wilden Westens, der „Pionierzeit“ im 19. Jahrhundert. Mina Baites hat mir aus diesem Grund mit ihrem Roman ein richtiges Highlight beschert und ich freue mich bereits jetzt auf die Fortsetzung.
Rezensionen von skiaddict7:
Ungewöhnlich faszinierend
Die zehn Lieben des Nishino von Hiromi Kawakami
„Hin und wieder wurden die Wellen lauter. Unaufhörlich stieg die Flut. Und wir saßen mit klopfenden Herzen in der Nacht.“
Hiromi Kawakami beschreibt auf ruhige und poetische Art in zehn Kapiteln das Leben und die Lieben des Yukihiko Nishino. Zehn Kapitel, zehn Liebhaberinnen: stets erzählt eine Frau in der ich-Form darüber, wie sie Yukihiko kennenlernt und wie sich das ganze zu einer Beziehung entwickelt.
Nishino ist eine Art japanischer Playboy; charmant, unnahbar und beliebt bei Frauen, und doch irgendwie undurchsichtig. Häufig hat er mehrere Frauen gleichzeitig, stets telefoniert er mit vielen Frauen. Die meisten scheinen es zumindest zu ahnen, dass sie nicht die einzigen sind – obwohl er es nicht immer offen ausspricht. Bei jeder nimmt er eine andere Rolle ein. Schon in der Schule scheint Nishino nach Liebe zu suchen und möchte mehr darüber erfahren – seit er seine geliebte ältere Schwester verloren hat. Er ist überzeugt, nicht lieben zu können und somit stets auf der Suche nach der wahren Liebe.
Die Idee dieses Buches, eine Person durch die Sicht mehrerer anderer zu beschreiben, fand ich faszinierend. Kawakami beschreibt nüchtern und bedacht eine Reihe von Szenen, die uns Nishinos Art und Persönlichkeit näherbringen. Die Geschichten sind nur annähernd chronologisch, dennoch ergibt sich in der Gesamtheit ein Bild des Lebens von Nishino. Ein Leben getrieben durch die Suche nach einer Liebe, die nie gefunden werden kann. Insgesamt wird das Buch wohl noch länger nachwirken. Hiromi Kawakami hat ein beeindruckendes Werk geschaffen, welches ich gerne weiterempfehle.
Rezensionen von Vicky:
Den Unwissenden gehört die Welt
Als die Hoffnung uns gehörte von Michael Wallner
‘Als die Hoffnung uns gehörte‘ ist ein historischer Roman des Autors Michael Wallner. Außerdem ist er der zweite Teil der Korff-Saga.
Der Roman gliedert sich insgesamt auf einundvierzig Kapitel in sieben Teilen auf. Jeder Teil hat einen Titel, sowie auch jedes Kapitel. Das fand ich toll, denn bei mir hat das immer mein persönliches Kopfkino angeregt und mich dazu bewogen bereits vorher zu sinnieren was dort passieren könnte!
New York im Jahr 1924 bildet einen tollen und gelungenen Einstieg.
Ich war von der ersten Zeile an von den Figuren und der Zeit gefangen. Ich muss gestehen, ich kannte die Saga bisher nicht. ‘Als die Hoffnung uns gehörte‘ ist für mich also der erste Teil der Reihe – ich konnte aber, zumindest für mich, keine Probleme dadurch erkennen. Es macht wie es aussieht nichts wenn man den ersten Teil nicht kennt – ich werde mir diesen aber definitiv noch zulegen da ich sehr neugierig auf die Ereignisse dort bin! Außerdem werde ich diese Reihe auch bestimmt im Auge behalten und mir weitere Bände zulegen! Ich mag die verschiedenen Figuren hier gerne, mir sind einige von ihnen ans Herz gewachsen. Außerdem wird hier gegen Ende hin nochmal schön Spannung für den nächsten Teil aufgebaute – einem bleibt also gar nichts anderes übrig als den nächsten Band herbeizusehnen!
Fazit: Sehr gelungener historischer Roman. Der Autor Michael Wallner konnte mich von der Korff-Saga überzeugen und in mir einen neuen Fan gewinnen! Ich warte nun gespannt darauf wie und wann es weiter gehen wird!
Rezensionen von buchina:
Eine ungewöhnliche Geschichte ein ungewöhnlicher Autor
Bekenntnisse einer Maske von Yukio Mishima
Ein Roman, der von den ersten Seiten an mich herausfordert und gleichzeitig fasziniert. Der Autor erzählt in der Ich-Form sein Leben. Es gibt immer wieder Zeitsprünge aber im Groben ist es chronologisch.
Schon seine Kindheit ist außergewöhnlich. Von Geburt an gilt schwächlich und seine Gesundheit als schnell angreifbar.
Auch aus diesem Grund wächst er zum großen Teil bei seiner Großmutter auf. Sie verbot ihm mit anderen Jungen zu spielen oder Sport zu machen. Sehr reflektiert beschreibt Mishima seine Kindheit. Seine Andersartigkeit wird ihm früh bewusst oder im Rückblick auf seine Kindheit. Ganz genau wurde mir das nicht klar. Früh zeigen sich seine homoerotischen Neigungen und auch Gewaltphantasien. Diese beschreibt er sehr ehrlich. Er weiß früh was ihm gefällt, gleichzeitig weiß er, dass er sich dafür verstecken muss und bildet langsam seine Maske. Nur selten zeigt er sein wahres ich. Die Angst ist zu groß.
Mishima ist ein wirklich interessanter Mensch, auch wenn er mir trotz seiner Ehrlichkeit fremd blieb. Dafür bewegt er sich in einer mir völlig fremden Gesellschaft. Die mir das Buch leider auch nicht wirklich näher brachte. Gerne hätte ich mehr über die japanische Gesellschaft erfahren, in der er aufwächst. Aber er gibt eben nur das wieder, was er auch als Kind mitbekommen hat und keine weitreichenden Informationen zur Gesellschaft. Das passt natürlich zum Roman. Lässt mich aber trotzdem etwas unbefriedigt zurück.
Ich kannte den Autor, bevor ich das Buch gelesen habe. Es hat mich aber neugierig gemacht, mehr über diese zerrissene, aber auch geniale Person zu erfahren.
Rezensionen von Harakiri:
rasanter Historienkrimi
1793 von Natt Och Dag Niklas
Eine düstere Epoche: man schreibt das Jahr 1793 und in der Gosse wird die Leiche eines Mannes gefunden, dem alle Gliedmaßen entfernt wurden. Jurist Cecil Winge und ehemaliger Stadthäscher Jean Michael Cardell sollen den Mörder und die Hintergründe der Tat entlarven. Doch sie stehen vor einer Wand des Schweigens.
Scheinen doch höhergestellte Menschen, die Aufklärung verhindern zu wollen.
Das Buch ist aufgeteilt in 4 Teile.
Teil 1: das Auffinden der Leiche, das Kennenlernen von Mickel und Cecil und deren Suche nach dem Mörder.
Teil 2: der Mörder und wie er dazu wurde
Teil 3: das Mädchen, das der Hurerei bezichtigt wird
Teil 4: die finale Jagd auf den Mörder
Ich fand ein wenig schwer in die Handlung, weil die Sprache ein klein wenig den damaligen Verhältnissen angepasst war und ich so etwas brauchte, bis ich auch die Namen und die Hintergründe ein bisschen besser verstanden habe. Teil zwei und drei fand ich aber sofort gelungen.
Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die 3 Teile nicht nacheinander erzählt werden, sondern abwechselnd miteinander. Das hätte nicht so den Eindruck erweckt, dass es 3 Kurzgeschichten in einem Buch sind. Denn die beiden Teile starten einfach ohne Erklärung mit den jeweiligen neuen Personen, was mich anfangs verwirrt hat. Doch die Geschichten der beiden neuen Protagonisten braucht es. Und die haben es echt in sich. Niklas Natt ogg Dag schreckt auch vor grausamen Szenen nicht zurück und so manche Made kriecht durch einen toten Körper. Tief bewegt hat mich das Schicksal von Anna Stina. Mit der konnte ich so gut mitfühlen und ich fand sie so mutig und liebenswert. Auch bei ihrer Flucht aus der Spinnerei war ich live dabei und habe ihr alle Daumen gedrückt.
Sehr gern mochte ich auch Cecil, nur ist der ja leider krank und steht für eine eventuelle Fortsetzung eher nicht zur Verfügung.
Fazit: man spürt die düstere Epoche in jeder Zeile. Dem Autor gelingt es, einen Mord in einen historischen Rahmen einzubetten und diesen ohne DNA-Spuren und die Mittel der heutigen Zeit zu lösen. Ich habe mich, bis auf den Anfang, sehr wohl in dem Buch gefühlt und die Seiten – vor allem im Mittelteil – geradezu verschlungen.
Rezensionen von dorli:
Im Schatten der Vergangenheit
1793 von Natt Och Dag Niklas
Die 26-jährige Hanna Jameson ist vor kurzem gemeinsam mit ihrer Familie aus den USA ins baden-württembergische Pattonville gezogen. Als Hanna nach ein paar Tagen Auszeit in den Alpen nach Hause zurückkehrt, muss sie feststellen, dass ihre Familie spurlos verschwunden ist. Niemand in der Nachbarschaft scheint etwas gesehen zu haben, keiner weiß etwas über den Verbleib der Jamesons.
Hanna macht sich auf die Suche nach ihren Eltern und Geschwistern und bemerkt nicht nur schnell, dass sie verfolgt wird, ihr wird auch bewusst, dass sie niemandem trauen kann - auch dem charmanten Chris Thompsen nicht …
Elisabeth Büchle wartet in ihrem Roman „Im Schatten der Vergangenheit“ mit genauso spannenden wie aufwühlenden Themen auf. Es geht um Rassismus, den Ku-Klux-Klan und Rache, aber auch um Vergebung, Gnade und Barmherzigkeit.
Elisabeth Büchle hat einen sehr fesselnden Schreibstil und versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen. Schon nach wenigen Seiten ist man gefangen von Hannas Erlebnissen und verfolgt gespannt das rasante Geschehen. Die Spurensuche gestaltet sich für die junge Frau äußerst schwierig. Hanna reist von Deutschland zurück in die USA und hat auf ihren Wegen mit zahlreichen Hindernissen und unerwarteten Gefahren zu kämpfen.
Es gelingt der Autorin ausgesprochen gut, dem Leser die Gedanken und Gefühle ihrer Protagonisten zu vermitteln. Man wird von den vielen Höhen und Tiefen, die die Akteure durchstehen müssen, mitgerissen und fiebert durchweg mit Hanna und ihren Wegbegleitern mit. Überraschungen und Wendungen sorgen dafür, dass die Spannung auf einem hohen Niveau bleibt und die Sogwirkung der Geschichte bis zur letzten Seite nicht abreißt.
Begeistert haben mich auch die Beschreibungen von Land und Leuten – der Bundesstaat South Carolina wird von der Autorin in all seinen faszinierenden Facetten dargestellt. Sowohl die beeindruckende Natur im Congaree Nationalpark, durch den Hanna sich auf der Flucht vor ihren Verfolgern über weite Strecken allein durchschlägt, wie auch die Straßen von Charleston und die beschwingte Lebensweise der Einheimischen werden sehr anschaulich dargestellt.
„Im Schatten der Vergangenheit“ hat sehr gut gefallen – absolute Leseempfehlung für alle, die spannende Geschichten mit Tiefgang mögen.
Rezensionen von heinoko:
Eine Fiktion, die vielleicht bald keine mehr ist
I can see U von Natt Och Dag Niklas
Ein Jugendbuch, dessen Fiktion so nah an der Realität ist, dass es gleichermaßen packt, erschreckt und warnt. Ein Jugendbuch, das auch Erwachsene unbedingt lesen sollten!
Da kommt ein neuer Mitschüler in die Klasse, so wie man ihn sich wünscht. Ben sieht gut aus, weiß immens viel, ist immer freundlich, lächelt stets, und Marie erliegt ihm mit Haut und Haaren.
Denn er hat scheinbar die gleichen Wünsche wie Marie, denkt wie Marie, und Marie fühlt sich von Ben ernst genommen. Wir erleben, wie die digitale Welt die Jugendlichen fest im Griff hat. So werden z. B. Menüs gekocht, nur um sie zu fotografieren und ins Netz zu stellen. Der digitale Assistent im Haus spricht manchmal mehr mit als gewollt. Der Vater entwickelt selbstfahrende Autos. Bei Ebay werden Abonnenten gekauft, um mehr Likes zu erhalten. Die Familie hat einen Smartshopping-Dienst abonniert, bei dem ein Algorithmus auswählt, was man geliefert bekommt. Dennoch glauben alle, alles im Griff zu haben, bis plötzlich erschreckende Fake-Bilder im Klassenchat kursieren, bestgehütete Geheimnisse sich wie Lauffeuer verbreiten, ein bisher sehr gewissenhafter Lehrer gerät unter einen schlimmen Verdacht gerät…
Das Buch ist lebendig, jugendlich-frisch, humorvoll und sehr, sehr spannend geschrieben. Die Geschichte ist so erschreckend, weil sie näher an der Realität ist, wie wir glauben wollen. Ich möchte das Buch wegen der Wichtigkeit des Grundthemas als Klassenlektüre empfehlen, wobei meiner Meinung nach das vom Verlag empfohlene Lesealter durchaus etwas herabgesetzt werden dürfte. Das offene Ende der Geschichte ist ein genialer Einfall des Autors, denn genau damit unterstreicht er sein warnendes Anliegen, nicht allzu leichtfertig im Umgang mit den digitalen Medien zu sein. Denn die Geister, die wir rufen, sind nicht mehr löschbar…
Rezensionen von lgw131:
Verwirklichte Mystik
I can see U von Natt Och Dag Niklas
Ein wahres Meisterwerk und authentisches Zeugnis des wahren, selbstlosen, göttlichen Heilens !!!
im Shop ansehen weitere Rezensionen von lgw131Rezensionen von buchina:
Interessante Idee
Saligia von Swantje Oppermann
Schon allein das Cover ist ein Hingucker. Hat für mich was von Graphic Novel Stil. Aber auch die der Geschichte ist ungewöhnlich: Menschen, die übernatürliche Kräfte, angelehnt an die bekannten Todsünden, haben. Protagonistin Keira weiß zu anfangs erst einmal nicht, dass sie zu diesem speziellen Kreis an Menschen gehört.
Sie fühlt sich zwar immer als Außenseiterin, aber sie weiß nicht wie anders sie ist. Aber sie wird gefunden und darf auf ein Internat nur für Jugendliche, die die Kräfte der Todsünden haben. Dort findet auch nicht zur Ruhe, denn eines der Mädchen ist verschwunden und es gibt überall Geheimnisse.
Die Idee anhand der Todsünden jungen Menschen besondere Fähigkeiten zuzuschreiben, finde ich sehr interessant. Keiras Kraft, die Wut, konnte ich mir sehr gut vorstellen. Auch weil sie natürlich im Mittelpunkt steht und man sehr viel über Gefühle erfährt. Die anderen Todsünden blieben dagegen etwas im Dunkeln, weshalb ich mir das Leben der anderen Schüler voll von Neid, Völlerei etc. nicht richtig vorstellen konnte. Da hätte die Autorin meiner Meinung nach, mehr darauf eingehen können. Aber vielleicht wird das noch, da es sich wahrscheinlich um einen Mehrteiler handelt. Die Beziehung von Keira zu ihrer Mutter blieb für mich auch zu oberflächlich, denn die Nichtreaktion ihrer Mutter auf Keiras Weggehen, konnte ich nicht nachvollziehen.
Der Schreibstil gefiel mir ganz gut. Der Roman lässt sich, typisch für ein Jugendbuch, gut lesen. Ist ohne komplizierte Satzstrukturen. Dennoch insgesamt hätte man dank des wirklich spannenden Themas, mehr in die Tiefe gehen können. So blieb es eine typische Teenagergeschichte mit Selbstzweifeln, ersten Liebesgefühlen etc. Da der Roman aber dennoch sehr spannend war und das Ende mit richtig guten Cliffhangern gestaltet ist, werde ich den Folgeroman auch lesen und hoffe, dass die Todsünden noch eine größere Rolle spielen werden









