Kunden em pfehlungen
Rezensionen von brauneye29:
Hat mir gefallen
Alleinruhelage von Eva Menasse
Zum Inhalt:
Als die Ehe zu Ende geht, steht die Frau plötzlich allein da mit dem ehemals durchaus geliebten Ferienhaus und beschließt es zu verkaufen, aber zuvor gibt es einiges zu tun, Zum Glück gibt es Alla und Bolek, die tatkräftig helfen. Bei den Arbeiten gehen der Frau viele Dinge durch den Kopf, die im Laufe der Zeit geschehen sind.
Meine Meinung:
Das ist so ein Buch in dem im Grunde nix passiert, aber dennoch einen ungeheuren Sog hat, dass man immer weiter lesen will. Allein das Verhalten der übrigen Datschisten hat schon was, man erfährt auch viel über das immer noch vorhandene Ost-West-Denken, dass für die gebürtige Österreicherin wahrscheinlich noch befremdlicher wirkt als auf einen Deutscher, denn die haben mehr von der Geschichte erlebt. Ich fand den Schreibstil sehr angenehm, mir gefiel auch, dass die Frau geradezu mit dem Haus auch spricht. Also, mir hat das Buch gut gefallen.
Fazit:
Hat mir gefallen
Rezensionen von Norbi_liest:
Liebe zeigt sich manchmal ganz leise
Die Schönheit der Distanz von Nao-Cola Yamazaki
Ein Mann weiß, dass seine Frau nicht mehr lange leben wird, und versucht, möglichst viel von der verbleibenden Zeit mit ihr zu verbringen. Viel mehr Handlung braucht dieses schmale Buch eigentlich nicht. Er besucht sie fast täglich im Krankenhaus, kümmert sich um sie und achtet dabei sehr genau darauf, ihre Wünsche und ihre Grenzen zu respektieren.
Gerade das fand ich bemerkenswert. Seine Fürsorge zeigt sich nicht in großen Worten, sondern in ganz alltäglichen Dingen, und trotzdem ist immer zu spüren, was ihm seine Frau bedeutet. Auch die Frage, warum man nach dem Tod eines nahestehenden Menschen Zeit zum Trauern bekommt, aber die gemeinsame Zeit davor viel schwieriger mit dem Beruf zu vereinbaren ist, ist mir hängen geblieben. Überhaupt hat mich das Buch an einigen Stellen dazu gebracht, über unseren Umgang mit Krankheit und Abschied nachzudenken. Die japanische Sicht auf Nähe und Distanz war für mich dabei interessant, weil manches zunächst ungewohnt wirkt und sich beim Weiterlesen doch nachvollziehen lässt. Dass die beiden Hauptfiguren namenlos bleiben, schafft zusätzlich einen gewissen Abstand, ohne dass mir ihre Geschichte deshalb gleichgültig geblieben wäre. Der Schreibstil ist ruhig und zurückhaltend, an manchen Stellen beinahe nüchtern. Das muss man mögen, für dieses Thema empfand ich es aber als passend. Auch das schlichte Cover gefällt mir, gerade weil es sich nicht in den Vordergrund drängt. Es ist ein trauriges Buch, aber keines, das mit aller Macht traurig machen will. Mich hat vor allem die Achtung berührt, mit der dieser Mann seine Frau auf ihrem letzten Weg begleitet. Nach dem Lesen blieb bei mir der Gedanke zurück, dass Nähe manchmal gerade darin besteht, dem anderen seinen eigenen Raum zu lassen.
Rezensionen von Norbi_liest:
Wenn die eigene Welt ins Wanken gerät
Falls jemand fragt, wer wir waren von Eva Kranenburg
Tilla lebt in der noch jungen DDR und ist von den sozialistischen Idealen überzeugt. Als ihre Freundin Rena plötzlich verschwindet, macht sie sich auf die Suche nach ihr und beginnt dabei immer mehr, ihre bisherige Sicht auf die Welt zu hinterfragen.
Mich hat die Geschichte von Anfang an neugierig gemacht und mit der Zeit immer mehr gepackt.
Besonders Tilla hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Ihre Gedanken, Zweifel und inneren Konflikte konnte ich gut nachvollziehen. Ich fand es spannend mitzuerleben, wie sie anfängt, genauer hinzusehen und sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die für sie vorher ganz selbstverständlich waren.
Auch die anderen Figuren fand ich interessant. Nicht jeden konnte ich sofort einschätzen und bei manchen hat sich meine Meinung im Laufe der Geschichte verändert. Das hat mir richtig gut gefallen, weil die Figuren dadurch nicht so eindimensional wirkten.
Sehr gelungen fand ich auch die Verbindung von Tillas Geschichte mit dem historischen Hintergrund. Man bekommt viele Einblicke in das Leben in der jungen DDR, ohne dass es sich dabei wie eine Geschichtsstunde anfühlt. Besonders die Ereignisse rund um den 17. Juni 1953 haben mich richtig mitgerissen. Die Stimmung war so gut beschrieben, dass ich teilweise das Gefühl hatte, selbst mitten im Geschehen zu sein.
Auch der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er lässt sich flüssig lesen und schafft es, die ernsten Themen mit ruhigeren und manchmal auch humorvollen Momenten zu verbinden. Gerade den letzten Teil habe ich fast in einem Rutsch gelesen.
Ein bisschen mehr Raum hätte ich mir allerdings für manche Entwicklungen gewünscht. Vor allem gegen Ende passiert sehr viel auf relativ wenigen Seiten und da hätten der Geschichte für meinen Geschmack ein paar Seiten mehr gutgetan.
Insgesamt hat mir der Roman sehr gut gefallen. Vor allem die Verbindung zwischen Tillas persönlicher Geschichte und den historischen Ereignissen fand ich gelungen. Die Geschichte hat mich nicht nur gut unterhalten, sondern mich auch immer wieder zum Nachdenken gebracht und wird mir bestimmt noch eine Weile im Gedächtnis bleiben.
Rezensionen von Karin_50:
Gemütliche Herbststunden in Blossom Heights
Pumpkin Spice & Lonely Hearts von Clara Sanders
Schon nach kurzer Zeit mochte ich die herbstliche Stimmung in Blossom Heights sehr. Der Blumenladen, Kürbisse, Gebäck und die kleinen gemütlichen Ecken haben beim Hören eine Atmosphäre geschaffen, in der ich mich gern aufgehalten habe. Besonders Poppy ist mir ans Herz gewachsen. Mit ihrer herzlichen, manchmal auch recht direkten Art bringt sie Wärme in die Geschichte und sorgt immer wieder für schöne Momente.
Lily mochte ich grundsätzlich gern. Besonders schön fand ich, wie selbstverständlich sie ihrer Freundin Julie zur Seite steht. Manchmal waren mir ihre Gedanken allerdings etwas zu viel und ich hätte mir gewünscht, dass sie in manchen Situationen selbstbewusster auftritt und sich nicht so schnell in ihre Sorgen hineinsteigert. An der einen oder anderen Stelle hätte ich mir von ihr einfach etwas mehr Entschlossenheit gewünscht.
Luke wurde mir im Laufe der Geschichte immer sympathischer. Seine hilfsbereite Art und die Momente zwischen ihm und Lily haben mir besonders gefallen. Auch die anderen Figuren tragen viel zu der gemütlichen Kleinstadtatmosphäre bei, die für mich einen großen Teil des Reizes dieser Geschichte ausmacht.
Die Handlung bleibt eher leicht und manches lässt sich schon früh erahnen, was mich bei einem solchen Wohlfühlroman aber nicht besonders gestört hat. Zum Ende hin ging mir dann einiges etwas zu schnell und ein paar zusätzliche Kapitel hätten der Geschichte für meinen Geschmack gutgetan.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und konnte der Geschichte insgesamt angenehm folgen. Für mich war es eine schöne, unkomplizierte Herbstgeschichte mit sympathischen Figuren, Freundschaft, Romantik und ganz viel Gemütlichkeit. Genau das Richtige für ein paar entspannte Stunden, wenn es draußen langsam herbstlich wird.
Rezensionen von Karin_50:
Was Menschen einander geben können
Leuchtende Schatten von Iris Wolff
Am meisten ist mir die Freundschaft zwischen Ella und Harriet im Gedächtnis geblieben. Die beiden Mädchen wachsen in ganz unterschiedlichen Verhältnissen auf und finden trotzdem eine besondere Nähe zueinander. Gerade in einer Zeit, in der so vieles unsicher wird, hat mich ihr Zusammenhalt sehr berührt.
Ella lebt mit ihrer großen Familie in Siebenbürgen, und dieses familiäre Miteinander habe ich besonders gern gelesen. Der Zweite Weltkrieg scheint zunächst noch etwas entfernt, greift aber zunehmend in das Leben der Menschen ein. Iris Wolff erzählt davon ruhig und ohne unnötige Dramatik. Dabei stehen für mich immer die Menschen, ihre Beziehungen und ihre Gefühle im Mittelpunkt.
Ella war mir schnell nah, aber auch die zurückhaltendere Harriet hat mich beschäftigt. Die Sprache ist fein, bildhaft und stellenweise poetisch, sodass ich manches ganz bewusst langsam gelesen habe. Das Cover mit den leuchtend roten Kirschen gefällt mir sehr und bildet einen schönen Gegensatz zur ernsten Zeit der Geschichte.
Ich habe das Buch nachdenklich geschlossen. Vor allem die Freundschaft der beiden Mädchen und die Wärme innerhalb von Ellas Familie werden mir in Erinnerung bleiben.
Rezensionen von Krani:
Eigenwillig
FIVE - Das Ticken der Zeit von Ilona Bannister
An diesem Londoner Bahnsteig wird in fünf Minuten jemand sterben. Das verspricht uns die Autorin. Sie stellt uns fünf Personen sehr genau vor, eine von diesen wird es sein.
Das ist eine verrückte Ausgangslage, auf die man sich schon einlassen muss. Tut man das, kann man einige hochspannende Kapitelanfänge lesen.
Danach geht es jedes Mal in das Leben einer der fünf Hauptpersonen, die nichts weiter miteinander zu tun haben. Dadurch fällt die Geschichte als solche etwas auseinander.
Diese Hauptpersonen sind interessant und tiefgründig. Wir erfahren, woher sie kommen und wie sie wurden, was sie sind. Zwei neurodivergente Kinder spielen eine Rolle und ein schwerbehinderter Zwillingsbruder. Sie alle hätten es durchaus verdient, Protagonisten in einem eigenen Roman zu werden, aber sie sind hier nur ein Fünftel.
Die Frage, wer denn wohl stirbt, richtet die Autorin wiederholt an die Lesenden. Wer hat es verdient, wer nicht? Außerdem scheint eine Kritik daran auf, dass wir andere Menschen häufig nur sehr oberflächlich beurteilen und uns nicht die Mühe machen, genauer hinzusehen.
Ich habe das Ganze zunehmend als eigenwilliges Experiment gelesen. Für mich hat es nicht funktioniert, weil die Geschichte nicht rund wird.
Rezensionen von robertp:
Fensterplatz
Gib mir alles von Alexandra-Maria Pipos
Wer in der Agentur geht als Letzte(r) und kommt als Erste(r)? Es ist Johanna (eigentlich Ioana, aber sie hat sich angepasst) und sie bekommt den Fensterplatz. Ihr Studium hat sie abgebrochen, die Arbeit in der Agentur sieht sie als Spiel, in dem sie sich von level zu level hochschaukelt.
Tom ihr Chef, wird von ihr genau beobachtet.
Was hat er angezogen, welche Sonnenbrille trägt er, wie faltet er die Serviette? Sie spiegelt ihn und ist auf ihn angewiesen. Sie schlägt ihn beim Kaffee trinken 3 zu 4.
Die Eltern sind eingewandert, aus Rumänien. Lange Zeit ein ungutes Gefühl, ob man geduldet ist. Aber auch nach der Einbürgerung noch keine Gelassenheit, was wäre wenn? Ein schlechtes Gefühl bei Behörden, Vermietern – nur nichts falsch machen.
Jetzt ist auch noch der Opa im Krankenhaus. Ioana muss nach Rumänien, aber gleichzeitig wartet ein wichtiger Kunde und ein großer Bonus winkt. Kann sie beides gleichzeitig abwickeln? Vorab gespoilert – fast.
Alexandra-Maria Pipos ist ein Roman gelungen, der die moderne Arbeitswelt drastisch schildert. Ständig am Telefon, keine Freizeit, jederzeit verfügbar, nur keine Gelegenheit auslassen um zu punkten. Solange man jung ist hält man den Anforderungen stand.
Ioana sieht die Arbeit zunächst als Spiel, aber es ist ihr klar, dass viel verloren werden kann. Die Unterstützung der Eltern und indirekt ihrer Verwandten in Rumänien liegt in ihrer Arbeitskraft gebunden. In Rumänien sieht sie sich bestätigt, das Land hinter sich gelassen zu haben. Ihre alten Freundinnen und Freunde, Verwandte und Bekannte haben keine Aufstiegschancen. Die beste Freundin sollte studieren, hat aber ihren Job bei Penny verloren – sie ist krank – Krebs. Mit diesen Schicksalen konfrontiert überlegt Ioana, wie sie ihr weiteres Leben gestalten will.
Eingestreut sind einige Kapitel, die aus Sicht der, überall anwesenden, Heiligenfiguren erzählt werden. Diese haben als übergeordnete Wesenseinheiten einen allumfassenden Blick auf die Schicksale der Protagonisten und kommentieren auf (manchmal) amüsante Weise die gegenwärtige Lage.
Für alle die einen modernen Entwicklungsroman lesen wollen. Eingeflochten sind Systemkritik, Zweifel an der modernen Arbeitskultur und die Beschreibung des rumänischen Kleinstadtlebens aus Sicht einer Westbürgerin. Lesenswert deshalb, weil einem die Hauptdarstellerin immer mehr ans Herz wächst je mehr Probleme über sie geworfen werden und sie ihren Lebensmut nicht aufgibt.
Rezensionen von Danshi:
Originelle Idee mit sympathischen Figuren
The Brave and the Reckless von Dilan Dyer
Der Wildwest-Themenpark war für mich der eigentliche Grund, zu diesem Buch zu greifen. Liebesromane lese ich viele, aber eine Geschichte in dieser Kulisse ist mir bisher kaum begegnet. Entsprechend gespannt war ich darauf, ob diese Idee auch über den ersten Eindruck hinaus trägt. Für mich ist das gelungen.
Bravetown wirkt lebendig und bildet weit mehr als nur eine dekorative Hintergrundkulisse. Gleichzeitig entwickelt sich die Beziehung zwischen Esra und Noah angenehm nachvollziehbar. Ihre Gegensätze sorgen für viele humorvolle Dialoge, ohne dass die Figuren überzeichnet wirken. Besonders mochte ich, dass beide Raum bekommen, sich weiterzuentwickeln. Der Wechsel der Erzählperspektiven hilft dabei, ihre Gedanken und Reaktionen besser zu verstehen. Auch die Nebenfiguren tragen dazu bei, dass der Themenpark wie ein Ort mit eigener Dynamik wirkt. Der Schreibstil ist flüssig, dialogstark und angenehm leicht zu lesen. Das Cover greift die Atmosphäre des Romans schön auf und macht direkt deutlich, in welche Richtung die Geschichte geht. Im Mittelteil hätte ich mir stellenweise etwas mehr Straffung gewünscht, weil das Tempo dort für meinen Geschmack leicht nachlässt. Insgesamt hat mich die Handlung aber gut unterhalten. Positiv hervorheben möchte ich außerdem, dass Esras chronische Erkrankung selbstverständlich Teil ihres Lebens bleibt, ohne ihre gesamte Persönlichkeit zu bestimmen. Das hat die Figur für mich glaubwürdig gemacht. Ich habe das Buch gerne gelesen.
Rezensionen von Danshi:
Ein ungewöhnliches Tempo, das zur Geschichte passt
Weiterleben von Patrick Charnley
Bei „Weiterleben“ musste ich mich zunächst auf ein deutlich ruhigeres Erzähltempo einstellen, als ich es von vielen Romanen gewohnt bin. Im Nachhinein erscheint mir gerade das sehr passend, denn auch Jagos Leben hat sich nach seinem Herzstillstand grundlegend verlangsamt. Mehrere Dinge gleichzeitig zu bewältigen überfordert ihn, sodass er seinen Alltag anders strukturieren muss als zuvor.
Der abgeschiedene Hof seines Onkels Jacob in Cornwall bietet dafür einen glaubwürdigen Rahmen. Viele Abschnitte konzentrieren sich auf die täglichen Arbeiten, die Tiere und das Leben im Rhythmus der Natur. Dadurch entsteht eine sehr ruhige Atmosphäre, die man als Leserin allerdings mögen muss. Mir gefiel, dass der Roman Jagos Einschränkungen nicht nur erwähnt, sondern sein verändertes Leben zum eigentlichen Mittelpunkt macht. Auch Jacob fand ich als Figur angenehm, vor allem durch die Ruhe und Fürsorge, mit der er Jago begegnet. Einen deutlichen Gegenpol bildet Bill Sligo, durch den später mehr Spannung in die Handlung kommt. Dieser Teil verändert das Tempo merklich, ohne dass Jagos persönliche Geschichte dadurch völlig in den Hintergrund rückt. Sprachlich bleibt Patrick Charnley eher schlicht und bedächtig, was für mich gut zu Jago passt. Dass der Autor selbst einen Herzstillstand überlebt hat, verleiht dem Thema zusätzliches Gewicht. Das Cover hätte mich vermutlich auch ohne Kenntnis des Inhalts angesprochen, weil die einsame Landschaft sofort neugierig auf den Schauplatz macht. Wer eine durchgehend temporeiche Handlung erwartet, könnte mit den ruhigeren Passagen weniger anfangen können. Ich habe mich jedoch gern auf diese besondere Erzählweise eingelassen und vor allem Jagos langsames Ankommen auf dem Hof in Erinnerung behalten.
Rezensionen von Shilo:
Ein leiser Auftakt, der neugierig auf mehr macht
Der Seegasthof – Wo der Traum beginnt von Linda Winterberg
Manche Geschichten brauchen etwas Zeit, bis sie ihren eigenen Rhythmus finden. Genau so war es hier. Die ersten Seiten erzählen ganz in Ruhe vom Leben am Chiemsee und geben der Familie Bachinger viel Raum. Der Seegasthof mit seinem Blick auf den See, die berühmten Dampfnudeln und die vielen kleinen Momente im Alltag machen es leicht, sich alles vorzustellen.
Es entsteht das Gefühl, als würde man für eine Weile selbst dort einkehren und die Menschen nach und nach kennenlernen.
Im Mittelpunkt steht Amrei, deren Zukunft eigentlich schon festzustehen scheint. Doch ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag nimmt ihr Leben eine völlig unerwartete Wendung. Von diesem Moment an verändert sich vieles. Das Geschehene wirft Fragen auf und gibt der Geschichte eine neue Richtung, auch wenn sie ihren ruhigen Ton dabei nicht verliert.
Amrei war für mich eine Figur, deren Weg ich gern verfolgt habe. Sie wirkt bodenständig und glaubwürdig. Ihre Gedanken und Entscheidungen passen gut zu der Zeit, in der die Geschichte spielt. Auch die anderen Familienmitglieder, besonders die stets grantelnde Großmutter Resi, tragen dazu bei, dass der Seegasthof lebendig wirkt. Niemand drängt sich besonders in den Vordergrund. Stattdessen entsteht nach und nach das Bild einer Familie, die zusammenhält und ihren Platz im Leben sucht.
Gefallen hat mir auch, dass die historische Zeit ganz selbstverständlich Teil der Geschichte ist. Vieles wird eher nebenbei erzählt und genau das hat auf mich natürlich gewirkt. Der Alltag, die Arbeit im Gasthof und das Miteinander stehen oft stärker im Mittelpunkt als große Ereignisse. Dadurch entsteht eine angenehme, ruhige Stimmung, die gut zu diesem Roman passt.
Über weite Strecken lässt sich die Handlung viel Zeit. Wer gleich zu Beginn viele überraschende Wendungen erwartet, braucht etwas Geduld. Ich hatte zwischendurch das Gefühl, dass manches etwas kürzer hätte erzählt werden können. Erst im letzten Viertel entwickelt sich die Geschichte deutlich weiter und sorgt dafür, dass man unbedingt wissen möchte, wie es mit Amrei weitergeht. Ab diesem Zeitpunkt hatte mich der Roman deutlich stärker gepackt.
Am Ende blieb für mich der Eindruck, dass dieser Band vor allem den Grundstein für die Reihe legt. Viele Entwicklungen beginnen erst und nicht jede Frage wird schon beantwortet. Gerade das macht neugierig auf die Fortsetzung. Ich möchte gern erfahren, welchen Weg Amrei weitergehen wird und welche Herausforderungen noch auf sie warten.
Insgesamt ist dies ein ruhiger Auftakt, der sich Zeit für seine Figuren und ihre Welt nimmt. Nicht alles hat mich gleichermaßen gefesselt, doch die glaubwürdigen Charaktere, die stimmige Atmosphäre und das offene Ende haben dafür gesorgt, dass ich die Geschichte gern weiterverfolgen möchte.
4 Sterne.











