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Rezensionen von robertp:

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Allora, Miss Marple

Abfahrt ins Jenseits von Salvatore Simonetti

Marcella ist nach Jahren in Deutschland wieder in ihre Heimat Dolceaqua (ein kleiner italienischer Ort in Ligurien) zurückgekehrt. Ihr Ehemann bleibt notgedrungen zurück, da er eine Haftstrafe absitzen muss. Ihr Sohn, schon länger wieder in Italien, ist Polizist in der Gemeinde.
Marcella kommt die neue Freundin ihres Sohnes nicht geheuer vor und sie beginnt Nachforschungen anzustellen.

Dabei wird sie von ihrem Untermieter Harry, einem deutschen Künstler, mehr oder weniger freiwillig unterstützt. Parallel dazu fällt ihr auf, das in der Umgebung immer mehr jüngere Senioren sterben und deren Beerdigung nur mittels teurer Transporte in ihre Heimat stattfindet.
Salvatore Simonetti ist wieder einmal das Pseudonym eines deutschen Schriftstellers (Simon Sahnder) der kurzweiliges Lesevergnügen in einem der beliebten Regionalkrimis verspricht. Tatsächlich gelingt ihm das auch hier. Ich bin anfangs wirklich gespannt auf die Geschichte, die sich hier vor mir entwickelt. Leider wird dann mein Interesse durch eine etwas fabulierte Handlung abgeschwächt. Auch der Trick mit italienische Phrasen (zumeist gleich auch Deutsch übersetzt) um original/originell zu wirken wird mit der Zeit langweilig (ist aber bis zum Schluss durchgehalten worden). Etwas italienisch lernt man als bei der Lektüre quasi im Mitlesen. Das Lokalkolorit ist treffend beschrieben, das Dorf, die Menschen, der Verkehr und die Umgebung scheinen wunderschön zu sein – der Tourismus weniger.
Für alle die einen italienischen Krimi lesen wollen, ohne sich anzustrengen. Die Ermittlerin ist eine italienische Mamma, die Miss Marple spielt und beinahe im Alleingang eine Bande Verbrecher zur Strecke bringt. Nebenbei lernt man viele italienische Floskeln kennen. Va bene, allora.

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Allora, Miss Marple
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Fensterplatz

Gib mir alles von Alexandra-Maria Pipos

Wer in der Agentur geht als Letzte(r) und kommt als Erste(r)? Es ist Johanna (eigentlich Ioana, aber sie hat sich angepasst) und sie bekommt den Fensterplatz. Ihr Studium hat sie abgebrochen, die Arbeit in der Agentur sieht sie als Spiel, in dem sie sich von level zu level hochschaukelt.
Tom ihr Chef, wird von ihr genau beobachtet.

Was hat er angezogen, welche Sonnenbrille trägt er, wie faltet er die Serviette? Sie spiegelt ihn und ist auf ihn angewiesen. Sie schlägt ihn beim Kaffee trinken 3 zu 4.
Die Eltern sind eingewandert, aus Rumänien. Lange Zeit ein ungutes Gefühl, ob man geduldet ist. Aber auch nach der Einbürgerung noch keine Gelassenheit, was wäre wenn? Ein schlechtes Gefühl bei Behörden, Vermietern – nur nichts falsch machen.
Jetzt ist auch noch der Opa im Krankenhaus. Ioana muss nach Rumänien, aber gleichzeitig wartet ein wichtiger Kunde und ein großer Bonus winkt. Kann sie beides gleichzeitig abwickeln? Vorab gespoilert – fast.

Alexandra-Maria Pipos ist ein Roman gelungen, der die moderne Arbeitswelt drastisch schildert. Ständig am Telefon, keine Freizeit, jederzeit verfügbar, nur keine Gelegenheit auslassen um zu punkten. Solange man jung ist hält man den Anforderungen stand.
Ioana sieht die Arbeit zunächst als Spiel, aber es ist ihr klar, dass viel verloren werden kann. Die Unterstützung der Eltern und indirekt ihrer Verwandten in Rumänien liegt in ihrer Arbeitskraft gebunden. In Rumänien sieht sie sich bestätigt, das Land hinter sich gelassen zu haben. Ihre alten Freundinnen und Freunde, Verwandte und Bekannte haben keine Aufstiegschancen. Die beste Freundin sollte studieren, hat aber ihren Job bei Penny verloren – sie ist krank – Krebs. Mit diesen Schicksalen konfrontiert überlegt Ioana, wie sie ihr weiteres Leben gestalten will.
Eingestreut sind einige Kapitel, die aus Sicht der, überall anwesenden, Heiligenfiguren erzählt werden. Diese haben als übergeordnete Wesenseinheiten einen allumfassenden Blick auf die Schicksale der Protagonisten und kommentieren auf (manchmal) amüsante Weise die gegenwärtige Lage.
Für alle die einen modernen Entwicklungsroman lesen wollen. Eingeflochten sind Systemkritik, Zweifel an der modernen Arbeitskultur und die Beschreibung des rumänischen Kleinstadtlebens aus Sicht einer Westbürgerin. Lesenswert deshalb, weil einem die Hauptdarstellerin immer mehr ans Herz wächst je mehr Probleme über sie geworfen werden und sie ihren Lebensmut nicht aufgibt.

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Fensterplatz
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Etwas passiert

Tschikago von Alexandra Stahl

Am Buchumschlag sehe ich ein Foto zweier Menschen. Ein älteres Paar schaut in die Kamera. Diese knipst die beiden durch die Windschutzscheibe eines Autos. Das Auto wird in wenigen Augenblicken zurückschieben und wegfahren. Das Paar lächelt. Der Mann hat zwei unförmigen, zu große Arbeitshandschuhe an und winkt mit seiner rechten Hand zum Abschied.

Im Hintergrund ein geschlossenes Garagentor. Dem Fotografen ist es gelungen eine klare Kant zwischen dem Ende des Handschuhs und einem Panel der Garage zu bilden. Das Foto wirkt somit wie mit dem Lineal durchgestrichen.
Das Paar scheint glücklich.
Tschikago steht oben linksbündig. Unterhalb des Bildes der Name der Autorin Alexandra Stahl linksbündig. Ein Roman liegt vor mir.
Frankfurt, ja Frankfurt am Main – mit dem Fernglas kann man den Fluss sehen.
Die Menschen sprechen Dialekt, so wird es hier auch aufgeschrieben.
Im kleinen Dorf gibt es alles doppelt, auch die Menschen, die sehen dann wie Schauspieler aus.
Die Ich-Erzählerin berichtet vom Leben mit ihren Großeltern, heiter mit Humor, auch wenn die Leute sterben. Die Oma hat ja immer Trauerkarten auf Vorrat zuhause und verschenkt sie bei Bedarf.
Alexandra Stahl beschreibt das Leben im Dorf, lange vor dem Internet.
Das Ich lebt gerne bei den Großeltern, obwohl ihre geschiedene Mutter auch ein Haus im Dorf besitzt, sind die beiden doch ihr Lebensmittelpunkt und davon erzählt der erste Teil des Buches. Von einer innigen Beziehung zwischen Enkelin und Großeltern.
Im zweiten Teil reflektiert Alexandra Stahl über ihre Arbeit in einem Seniorenheim. Sie beschreibt die Personen und ihre Marotten, die sie im Alter erworben haben. Vieles haben die Menschen vergessen. Dinge, meist aus der näheren Vergangenheit, sind verloren, aber tief im Gedächtnis sind noch Erinnerungen erhalten geblieben.
Im letzten Teil reflektiert die Autorin nochmals ihre Beziehung zu den Großeltern und ihre Arbeit am Buch. Schnipsel und Szenen ergeben diese ein Ganzes? Kann sie aus den Erinnerungen ein Buch zusammenkitten? Verliert sie etwas das sie weglässt für immer?
Die Autorin wiederholt immer wieder, sie erinnert sich – an die Menschen im Heim, an die Großeltern und ihre Mutter. Etwas passiert und sie hält es fest.
Für alle die sich auf eine etwas eigenwillige Biografie einlassen wollen. Gewürzt mit Schmankerl im Dialekt des südlichen Deutschlands – nicht Bayern, wir sind schon nahe bei Frankfurt (das schlimmer ist als Tschikago).

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Etwas passiert
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Mr. Smith

Ein unglücklicher Tod von Peter Grainger

Und so beginnt es: DC Smith soll routinemäßig den Unfalltod des siebzehnjährigen Wayne Fletcher prüfen, der beim Baden mit Freunden im Fluss ertrank.
Der Polizist spielt hier die Hauptrolle, der Fall ist nur Nebenschauplatz. Tatsächlich geht es darum, dem Kollegen nahezubringen in den Ruhestand zu gehen.

Seine Anwesenheit ist lästig, er kennt zu viele Geheimnisse, warum möchte er nicht in Rente? Beförderungen lehnt er ab, die Kollegen schauen zu ihm auf oder weg sobald er den Raum betritt. Um ihn umzustimmen bekommt er auch noch einen Azubi zugeteilt, ihm soll er die Raffinessen des Berufs zeigen. Der junge Kollege, Chris Waters, hat sich ihn als Mentor gewünscht. Der Detektiv sieht zwei Beweggründe darin entweder ist er ein Spitzel, der ihn observieren soll oder tatsächlich interessiert an der unkonventionellen Art wie Smith seine Fälle erfolgreich löst. Als er erfährt, dass er der Sohn eines Arbeitskollegen und Freundes ist, wird die Beziehung herzlicher.
Die Recherchen bringen die beiden zu einem, im Ruhestand befindlichen, Captain J. Hamilton, der sich auf seinem Anwesen eine Privatarmee leistet. Warum, fragen sich die beiden und forschen nach.
Bald schon werden sie in Verbrechen von internationalem Umfang (Jugoslawienkrieg) involviert.
Mit DC Smith hat Peter Grainger 2013 den englischen Krimiboden betreten - im Selbstverlag. Inzwischen sind es 15 Fälle mehr geworden und seine „follower“ sind begeistert. Die Serie sollte dem Englischlehrer zunächst ein kleines Taschengeld nebenher einbringen, wurde aber zu einem größeren Erfolg als der Autor gedacht hat. Nun ist DC Smith auch in Deutschland angekommen. Mit seinem Debüt wird er sicherlich erfolgreich sein, steht er doch in der Tradition eines John Rebus in den nördlichen Gefilden und ist am Ende seiner Karriere angelangt, womit er sich sozusagen um nicht mehr sch….. muss. Der ersten Teil macht Lust auf viel mehr und hoffentlich folgen bald alle anderen – 2 & 3 sind schon in der Pipeline des Verlags.

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Liora Märklin

Klein aber tot von Jo Fischler

Liora Märklin. Nein, das ist keine Minieisenbahn, sondern das geheime Liebesobjekt von Kommissar Johannes Jojo Wunder. Wiewohl Mini stimmt auch, denn dieser Krimi spielt in Knuffigen einem Hamburger Miniaturwunderland (hat eine eigene Webadresse!), welches mir bis dato unbekannt war.
Krimimäßig spielt sich anfangs noch nicht viel ab, eine Brandstiftung im Schloss muss geklärt werden und der Hund des neuen Polizeichefs sollte Gassi gehen.

Relativ einfache Aufgaben - sollte man ¬meinen. Tatsächlich kommt der Polizist relativ rasch in Schwierigkeiten, als eine Leiche gefunden und seine Mutter sowie Liora zu den Hauptverdächtigen gehören. Mit Hilfe vieler Freunde und dem Bernhardiner gelingt die Aufklärung des Mordes, jedoch die Brandstiftung bleibt unaufgeklärt.
Ring frei für weitere Abenteuer aus dem Miniaturwunderland also und das wird auch vom Autor Jo Fischler bestätigt. Figuren und Fahrzeuge des Romans sind bereits in Hamburg zu begutachten. Solange also Interesse an den Abenteuern der Polizei von Knuffingen besteht werden diese auch niedergeschrieben werden. Lose Enden gibt es ja genug und die Liebe hat sich vorerst nur als zartes Pflänzchen einen Platz im Roman erkämpft.
Für alle die einen sympathischer Ermittler in einer etwas nach Toy Story klingenden Umgebung kennenlernen wollen und sich mit den Figuren (auch im eigentlichen Sinn des Wortes) eines Miniatuswunderlandes auseinandersetzen wollen. Der Kommissar und alle weiteren Bewohner sind bereit ihre Geheimnisse zu offenbaren, allerdings frühestens im nächsten Band.

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Liora Märklin
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Liebe und Tote in Berlin

Die Toten von morgen - Thriller (Berliner Schattenwelt 2) von Kim Koplin

Eine Liebesgeschichte, die mit einem Mord beginnt, findet statt. Die Kommissarin Nihal hat es nicht leicht mit ihrer Leiche, die in Berlin im österreichischen Alpengarten gefunden wird. Eine Hinrichtung, aber wer steckt dahinter? Gleichzeitig mit den Ermittlungen kehrt der „Geduldete“ Asylant Saad mit seiner Tochter Leila wieder nach Berlin zurück.

Die beiden – Nihal und Saad – umgibt eine toxische Liebesbeziehung, im wahrsten Sinn des Wortes. In immer kleineren Kreisen kommen sich die beiden und die Mordermittlungen näher. Vorweg, es gibt noch mehr Leichen und die beiden finden zusammen.
Kim Koplin führt hier die Geschichte der Kommissaranwärterin Nihal mit dem Asylanten Saad weiter. Es ist jedoch nicht notwendig den ersten Band zu lesen. Die Rückblenden erklären das Verhältnis der beiden und im vorliegenden Buch vertieft sich die Beziehung zwischen Leila und Nihal – wird daraus bald ein Mutter Tochter Verhältnis (3. Band?).
Ich als Österreicher tue mir hier anfangs schwer die Sprache zu verstehen. Ist das nun tatsächlich Umgangston im Norden oder eine Erhöhung der Umgangssprache in einen künstlichen Slang? Es entsteht aber ein Sog, der mich in das Buch hineinzieht. Die Geschichte ist spannend, witzig und lässt mich nicht vom Haken. Weshalb der Buchtitel zukünftige Tote prophezeit ist mir aber nicht verständlich geworden.
Für alle, die Krimis aus Berlin lieben und eine Liebesgeschichte mit einigen Haken und Ösen nicht verachten. Sehr modern geschrieben und rasch gelesen. Vielleicht kaufe ich mir auch noch den ersten Band (Die Guten und die Toten).

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Liebe und Tote in Berlin
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Aber davon später

Das Mosaik der Frauen von Rafik Schami

Said Mardini kommt im Jahr 1971 aus Beirut in Deutschland an. Er flüchtet aus einer Diktatur, die ihm, dem Dichter, die Freude am Leben genommen hatte. Hier wird er studieren, Dolmetscher werden und heiraten. Einer seiner Studienkollegen, Klaus Rosenbaum, wird Arzt und vermittelt ihm Arbeit als Begleiter für reiche arabische Patienten.

Dabei lernt er auch Nadim Suri kennen. Dieser erzählt ihm seine Vergangenheit und von seinen Lieben, die zusammen die Bausteine für das Mosaik seines Lebens und der Seele ergeben. In seinen Geschichten kommt er nicht selten vom hundertsten ins tausendste und muss „davon später“ wieder zum Kern seiner Erzählung zurückkehren.
Nadim kommt in Damaskus zur Welt, damals eine offene Gesellschaft, in der sich die verschiedenen Religionen noch miteinander vertragen. Dies ändert sich rasch und Nadim muss seinen Tod vortäuschen und nach Deutschland flüchten, wo er sich eine Existenz als Dolmetscher aufbaut und wohlhabend wird. Auf seinem Weg trifft er auf Frauen, die ihn nachhaltig prägen und sein Leben beeinflussen. All diese Geschichten erzählt er Said während er im Krankenhaus seinem Tod nahe ist.
Ist das ein biografischer Roman? In seinen Grundzügen schon, sind doch beide Erzähler nach Deutschland geflüchtet und haben hier ihr Lebensglück gefunden. Schami erzählt bestürzend und eindringlich von der Situation in den arabischen Ländern, wie sie ihre Freizügigkeit gegenüber dem Fremden auch den Religionen mit der Zeit immer mehr beschneiden. Sich selbst einengen, sich Tyrannen als Regierende heranzüchten und letztlich daran scheitern diese Konflikte in Kriegen zu lösen.
Die Liebe spielt eine große Rolle im Roman. Zunächst die Mutter, die als Deutsche in Damaskus lebt und ein Beispiel für Integration ist, aber auch an Toleranz gegenüber Kleingeistigkeit und Dummheit. Sie wird ihr neues Heimatland nicht mehr verlassen, regelt aber für den in der Diaspora bleibenden Sohn ihr Vermächtnis. Dieser Tod führt zum Zusammenbruch Nadims und zu schweren Herzrhythmusstörungen, die sein Leben bestimmen werden. In zehn Tagen berichtet er, jeweils einer Frau gewidmet, von den Stationen seines Lebens. Von Glück und Verlust, von Freud und Leid in seinen Beziehungen, von seinen politischen Entscheidungen und dem Glück, das er gehabt hat.
Für alle die über die Situation im Nahen Osten aus der Sicht eines, in den 70igern, Geflüchteten erfahren wollen. Die Geschichten vermitteln Nähe und verstärken den Glauben an ein glückliches Zusammensein, sowohl von Mann und Frau als auch den verschiedenen Völkern im arabischen Raum.

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Aber davon später
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Spannend mit Aussetzern

Tödliche Freundinnen von Tess Sharpe

Melanie (Mel) Tillman und Chloe Harper verbindet ein tödliches Geheimnis und eine ebenso geheime Liebe. Ihr gemeinsames Leben wird jedoch drei Jahre nach einem Todesfall, den die beiden Mädchen vertuschen, getrennt. Chloe verschwindet spurlos und Mel wird Privatdetektivin. Ihre beiden Leben verlaufen sechs Jahre separat, bis die Ermittlerin den Auftrag bekommt Chloe aufzuspüren.

Deren Vater ist unheilbar erkrankt und möchte seine Tochter nochmals wiedersehen. Die brillante Detektivin findet die Verschollene Tochter in der Wildnis von Kanada und dann geht alles schief und die Vergangenheit scheint ihrer beiden Leben wieder einzuholen.
Die Autorin Tess Sharpe erzählt die Geschichten in ungezählten Zeitsprüngen beginnend mit der Geburtstagsfeier zum sechzehnten Geburtstag von Chloe und dem Notwehrmord. Dadurch wird die Geschichte der beiden jungen Frauen wie in Puzzleteilen zusammengesetzt und zu einem Ganzen geformt. Ein zusätzlicher Erzählstrang erklärt weshalb sich Chloe in die Wildnis zurückziehen musste. Die kriminelle Politikerfamilie tritt in teils skurrilen Szenen auf und es erklären sich erst recht spät die Hintergründe ihrer Suche nach dem Mädchen.
Die Dramatik der Geschichte leidet meiner Ansicht aber durch die vielen Unterbrechungen in der Erzählung. Die Spannung baut sich auf, wird unterbrochen, ein neuer Erzählstrang wird aufgebaut und ein alter beendet etc und lässt die Spannung mehrmals versanden.
Die beiden Mädchen sind sich durch die lange Zeit der Trennung in ihrer Beziehung etwas entfremdet, kommen sich aber bald wieder (auch persönlich) nahe. Wie sich eine junge Frau in der Wildnis eine Blockhütte bauen und zahlreiche Fallen bauen kann wirkt etwas hergeholt, aber letztlich hat sie ja einige Jahre Zeit. Schwieriger ist zu erklären wie sie zu Bargeld kommt, da sie ihre Konten nicht angreifen kann. So gibt es einige Ungereimtheiten, die aber die Handlung letztlich weitertreiben. Wie sonst hätte man Chloe sonst entdecken können?
Für alle die eine Krimipuzzle zusammensetzen und gleichzeitig eine Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Frauen erblühen sehen wollen eine gute Wahl. Die Zeitebenen springen ständig, was den Lesefluss beeinträchtigt und den Spannungsbogen oftmals wieder auflöst.

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Napoli

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl von Fabio Nola

Napoli
Unfall-Selbstmord-Mord? Der Leichnam eines Mannes im alten Hafen von Neapel wirft die gesamte Osterwoche und das geplante Familenwochenende des Commissarios Gaetano über den Haufen. Nachdem die Identität des Opfers festgestellt wird, verwickelt sich der Kommissar mit seiner Assistentin Beppa Bellucci in mehrfacher Hinsicht im Theorienlabyrinth der Indizien.

Da der Tote in einer, gerade den Börsengang anstrebenden, ökoneutralen Algenfabrik arbeitet, übt auch der Chef der Truppe Einfluss auf die Ermittlungen aus. Nach zahlreichen Sackgassen, die die Ermittlungen befahren, findet sich hier eine Lösung, die anfangs niemand auf dem Radar hatte.
Ich muss gestehen, dass ich mich durch diesen Krimi gekämpft habe. Die unzähligen Spuren, der unsympathische Commissario, die langatmigen Geschichten zu Neapels Osterbräuchen und Geschichte verlangsamen den Lesefluss. Zahlreiche Nebenstränge füllen die Seiten, tragen aber letztlich nichts zur Aufklärung des Falles bei. Um LeserIn bei der Stange zu halten wird im letzten Drittel auch die neapolitanische Mafia ins Geschehen einbezogen, mit gar seltsamer Begründung.
Für alle, die sich über neapolitanische Osterbräuche und Essensrituale informieren und nebenbei einen verzwickten Todesfall lösen wollen.

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Napoli
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Allein zu Zweit

Was ist in meinem Alter sonst noch üblich? von Wencke Mühleisen

In einem Lokal in Triest erfährt die Protagonistin Erika vom Seitensprung ihres Mannes. Seit Jahren fühlt sie die Trennung, konnte aber keinen Grund für ein Vergehen ihres Mannes ausmachen. Im Gegenteil, sie schiebt diese Entfremdung auf ihren – vor Jahrzehnten gebeichteten – eigenen Seitensprung.

Erika (65 Jahre) versuchte mit dem Ausflug nach Italien ihre Liebe wieder zu erwecken, zu entflammen, zumindest wieder anzufachen.
In einer Reflexion erfahren wir LeserInnen von den Geschehnissen, die zum Geständnis im Restaurant führen. Die Betrogenen, sie und er, sitzen sich nun gegenüber, im Lokal in Triest und später beim Therapeuten. In beiden Lokationen kommt es zu keiner Aussprache.
Erika erkennt, dass sich ihr Mann Jan schon lange geistig von ihr getrennt hat. Hat sie in einer Scheinwelt gelebt, die Sitzungen mit ihrem Mann lassen sie das glauben. Was hat sie falsch gemacht? Sie hat nur ihn geliebt und möchte ihn weiterlieben.
Die Geschichte der Autorin Wencke Mühleisen ist selbst einen Roman wert. Sie hat in ihrer Jugend im Friedrichshof-Kollektiv von Otto Muehl (österreichischer Aktionskünstler) gelebt und war als Performancekünstlerin tätig. Ich würde sie als Feministin bezeichnen. Ihre Aktionen haben immer den Zweck die Stellung der Frau in der Gesellschaft sichtbar zu machen, diese aufzuwerten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieser Roman auch autobiografische Inhalte verarbeitet.
Für alle die es wagen die Geschichte einer gescheiterten Ehe zu lesen, die sich über die Jahre zu einer Beziehung ausweitet, die auf zwei verschiedenen Ebenen stattfindet. Keiner der beiden Partner ist in der Lage seine Gefühle zu äußern und die Situation zu klären. Wie so oft im Leben ist kein happy end in Sicht.

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Allein zu Zweit