Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Schlafmurmel:
Blauäugig – ein spannender Krimi mit bitterem Familiendrama
Blauäugig von Beate Winter
Schon allein das Cover mit dem dunklen Himmel und der Windmühle ist ein echter Hingucker und hat mich neugierig gemacht. Und auch der Krimi selbst konnte mich schnell packen. „Blauäugig“ von Beate Winter war für mich ein richtig spannender und zugleich anspruchsvoller Krimi, der sich im Laufe der Geschichte allerdings immer mehr zu einem halben Familiendrama entwickelt – mit einem wirklich schlimmen Ende.
Am Anfang war ich durch die wechselnden Perspektiven noch etwas verwirrt und musste die eine oder andere Stelle noch einmal nachlesen. Danach war ich aber mitten in der Geschichte. Besonders gut hat mir die Polizeiarbeit gefallen. Die Ermittlungen wirkten für mich sehr realistisch: Das Team um Kommissar Frommelt bespricht die Vorgehensweise, wertet neue Erkenntnisse aus und ermittelt in alle Richtungen. Hier wird nicht einfach schnell irgendeine Lösung präsentiert, sondern mit viel harter Arbeit und Logik Stück für Stück der Fall gelöst.
Besonders interessant fand ich Richard Wehmeier. Er saß bereits acht Jahre wegen des Mordes an einem Kind im Gefängnis und beteuerte immer wieder seine Unschuld. Nun wird erneut ein Mädchen ermordet – und plötzlich gerät ausgerechnet er wieder unter Verdacht. Da fragt man sich natürlich sofort: Was haben die beiden Morde miteinander zu tun?
Kommissar Frommelt und Richard Wehmeier sind für mich die beiden Hauptfiguren. Beide wirken sympathisch und lebensnah. Vor allem mit dem freundlichen, gutherzigen und manchmal etwas gutgläubigen Wehmeier konnte ich richtig mitfühlen. Es muss schrecklich sein, alles zu verlieren und dann erleben zu müssen, dass sich dieses Drama möglicherweise wiederholt und einem niemand glaubt.
Diesmal hatte ich allerdings schon relativ früh eine Ahnung, wer der wahre Täter sein könnte – und tatsächlich lag ich richtig. ???? Trotzdem hat das der Spannung keinen Abbruch getan. Das Ermittlerteam um Frommelt hat den Fall für mich überzeugend und logisch gelöst.
Ein spannender, anspruchsvoller Krimi mit realistischen Ermittlungen, sympathischen Charakteren und einem bitteren Familiendrama. Ich freue mich jetzt schon auf Band 2!
Rezensionen von clematis:
Novemberjagd
Der Totengräber und der Orden des Teufels von Oliver Pötzsch
„Der November war der perfekte Monat für die Jagd, …“ [kindle, Pos. 2557] und tatsächlich ereignen sich im November 1896 bizarre Mordfälle, welche von Inspektor Leopold von Herzfeldt aufgeklärt werden sollen. Die Hauptstadt der Monarchie ist in Aufruhr, denn Zeitungsmeldungen zufolge geht es um satanische Messen und Tote mit durchtrennter Kehle und herausgeschnittenen Zungen und Herzen.
Wer, wenn nicht das illustre Dreigespann Inspektor Leopold von Herzfeldt, seine Verlobte, Reporterin Julia Wolf und August Rothmayer, seines Zeichens Totengräber am legendären Wiener Zentralfriedhof, kann hier für Klarheit im Herbstnebel sorgen?
Die Atmosphäre in der königlich und kaiserlichen Monarchie ist auf grandiose Weise eingefangen, die Kluft zwischen Arm und Reich so groß wie nie. Hervorragend sind die einzelnen Figuren herausgearbeitet, egal, ob „Haupt-“ oder „Neben-“Rolle, jeder Auftritt ist meisterlich in Szene gesetzt und so realistisch, als hätte sich das alles tatsächlich vor Pötzschs Augen abgespielt, um nur noch von ihm niedergeschrieben zu werden. Als besondere Raffinesse begegnen wir sogar dem Psychoanalytiker Sigmund Freud. Von den Schauplätzen her verschlägt es uns diesmal in die noble Wieden und nach Favoriten, wo sich zwischen Ziegelböhm und Sandlern angeblich der Teufel umtreibt, ja, sogar nach Pressburg führt die Reise, welche 1896 eine der wichtigsten Städte in Ungarn war. Eine Reihe von historisch interessanten Details verpackt der brillant formulierende Schriftsteller wie zufällig ins Geschehen, die zunehmende Ausländerfeindlichkeit, der Judenhass, die in Österreich verbotenen Freimaurer, Satanismus, Anarchie und vieles mehr begründen die besondere Stimmung, welche noch verstärkt wird durch den tristen November mit „leisem Regen und Nebel, der in Schwaden an den schäbigen Mietskasernen vorbeizieht“ [kindle, Pos. 2557]. Ob die dargestellten Lebensumstände auf Parallelen zur heutigen Zeit hinweisen wollen? Die damaligen Krisenherde sind jedenfalls augenscheinlich, die politische Stimmung sogar - oder vielmehr gerade - in Kreisen der Polizei aufgeheizt und offen antisemitisch. Wie passen da die Logen der Freimaurer ins Bild? Große Geheimnisse, Teufel mit Pferdefüßen und allerlei Persönliches rund um Leopold und Julia bieten fulminante Unterhaltung bei diesem fünften Fall für Herzfeldt.
Die herausragende Atmosphäre des ausklingenden 19. Jahrhunderts, die Brisanz der Bluttaten, die logische Handlungsabfolge und nicht zuletzt die gekonnte schriftstellerische Umsetzung ist auch diesmal mehr als überzeugend. Ohne Übertreibung ist „Der Totengräber und der Orden des Teufels“ der beste Krimi, den ich bislang in diesem Jahr gelesen habe. Dafür kann es nur eine Leseempfehlung geben, für höchsten Genuss selbstverständlich nach den vier Vorgängerbänden!
Rezensionen von brauneye29:
Düsterer Thriller
Totensee von Sophie Czerny
Zum Inhalt:
Ada ist verzweifelt, denn keine will der suspendierten Kommissarin glauben, dass ihr vierzehnjährige Tochter entführt wurde. Schon Monate muss Ada mit der Ungewissheit leben, ob ihre Tochter Mara noch lebt. Dann wird eine kopflose Leiche gefunden, in deren Rücken Adas Namen eingeritzt ist.
Ada ist sicher, das kann nur von Maras Entführer stammen und sie folgt der Spur, die sie mit ihren eigenen Dämonen konfrontiert.
Meine Meinung:
So oft erlebt man es nicht, dass die Protagonistin, die auch noch Kommissarin ist, so kaputt ist. Sie ritzt sich, ist innerlich völlig kaputt, sucht in Club Ablenkung, das hat mir schon mal gut gefallen. Was mir nicht so gut gefallen hat, war dass man am Anfang arg überfrachtet wurde mit zu vielen Schauplätzen und Protagonisten, da konnte man echt die Übersicht verlieren und das nahm auch zeitweise etwas die Spannung. Irgendwann hatte ich mich daran aber gewöhnt und dann fand ich das Buch auch immer spannender. Auch die Einblicke in Adas Vergangenheit brachten immer mehr Licht ins Dunkel und nach und nach ergab sich ein wirklich spannender und auch düsterer Thriller, der mich gut unterhalten hat. Dankenswerterweise durfte ich sowohl Buch als auch Hörbuch genießen und fand beide gelungen.
Fazit:
Düsterer Thriller
Rezensionen von Ele:
Ein packender Auftaktband
Der Prätorianer von Tobias Bukkehave
Der Prätorianer, Thriller von Tobias Bukkehave, EBook von dtv Verlagsgesellschaft
Dieser Killer hat seinen Opfern ein ganz besonderes Schicksal zugedacht.
Sara Levin und Janus West, ein vielversprechendes junges Ermittlerduo bei der Kopenhagener Polizei, werden zu einem schaurigen Tatort gerufen.
Das Opfer ist auf eine ganz besondere Weise inszeniert worden. Römische Statuetten auf einem Altar angeordnet, das Opfer teilweise verstümmelt mit einem weißen Leichentuch bedeckt, und auf den Augen zwei seltene, antike römische Goldmünzen. Das Opfer ist das erste einer grausigen Reihe von Ritualmorden, dazu kommt, dass Sara scheinbar in die Rituale verwickelt sein könnte. Ihr Vater Christian Levin ein verurteilter Mörder ist Geschichtsprofessor, der sich auf die römische Antike spezialisierte. Einige Artefakte und Gegenstände die an den Tatorten auftauchen waren ihr auch von zuhause vertraut. Mit in die Ermittlungen involviert als forensischer Psychologe, ihr Bruder Adam, der dem Vater nähersteht. Die Morde scheinen immer grausiger zu werden, die Stimmung wird immer beklemmender. Denn der Täter mordet meisterhaft, er kennt keine Gnade, denn er ist ….Der Prätorianer.
Das Buch teilt sich in 52 äußerst spannende Kapitel, der Ermittlungszeitraum ist vom 1. Bis zum 12. November. Schlag auf Schlag gibt es neue Opfer. Der Schreibstil ist flüssig und sehr bildhaft zudem auktorial, immer wieder aus Sicht einer anderen beteiligten Person. Besonders beklemmend fand ich die Kapitel aus Tätersicht, trotzdem kann der Leser dadurch den Täter nicht erkennen. Ganz lange habe ich gerätselt, schon zu Beginn den schlussendlich sich herausstellenden Mörder, falsch vermutet Das ist bis zum Ende im Dunkeln. Gut inszenierte Plottwists haben mich immer wieder auf die falsche Fährte geführt. Dazwischen eine trügerische Entspannung, denn das Ermittlungsduo Levin/West neckt und kabbelt sich durch die Ermittlungen, doch letztendlich können sie sich aufeinander verlassen. Ich finde beide sehr sympathisch, auch Adam Saras Bruder fügt sich gut ins Team. Damit ist ein Grundstein für weitere vielversprechende Bände gelegt, die ich ganz sicher weiterverfolgen werde. Endlich wieder eine Thriller-Reihe die mich überzeugt. Darauf freue ich mich sehr, denn das Ende zeigt deutliche Tendenzen, dass dies der Auftaktband einer Reihe ist.
Alle Figuren sind glaubhaft, ihr Handeln konnte ich nachvollziehen. Was mit Saras Vater noch kommt, da bin ich gespannt ob er in weiteren Fällen auch eine Rolle spielt. Mir hat gut gefallen, dass es auch bei den Ermittlern zwar Kompetenzgerangel gibt, jedoch zum Wohle der Ermittlungen hat sich jeder Beamte professionell verhalten. Durch die erste Auffinde-Situation schon ist das Spannungslevel sehr hoch und die Kurve steigt steil an. Auf den letzten Seiten konnte ich gar nicht mehr schnell genug lesen. Da war einiges dann schon etwas zu viel, die Beteiligten sind fast zu Helden aufgestiegen, wobei man das Adrenalin nicht aus den Augen lassen darf. Doch das hat nicht gestört, denn die Handlung war bis dahin absolut authentisch.
Ich mag die Antike ganz besonders die römische, dazu noch in einen Thriller verpackt, es war ein aufregendes und spannendes Leseerlebnis. Ich hoffe die Reihe geht so gut weiter, die Ermittler sind mir sehr sympathisch, ich freue mich schon auf den Folgeband. Hier gibt es 5 Sterne.
Rezensionen von begine:
Melanie Bonis
Die Komponistin von Alissa Wenz
Alissa Wenz hat in ihrem Reoman „Die Komponistin“ eine interessante Geschichte erzählt.
Ich hatte bis jetzt noch nichts von der französischen Komponistin Melanie Bonis gehört.
Wir erhahren dann ihr ganzes Leben von 1858 bis 1937.
Da kann man sich ja vorstellen, das sie als Frau wenig Chancen hatte.
Die Autorin hat alles wunderbar geschrieben. Ich war von der Komponistin gefesselt.
Rezensionen von Furbaby_Mom:
Eines meiner RomCom-Jahreshighlights!
In Stormy Weather von Chelsea Curto
Enemies to Lovers (einer meiner Lieblingstropes), Meteorologie (wie spannend ist das denn bitte?!),
Hurrikansaison (Florida-Memories) … und ein herrlicher Schlagabtausch zwischen den sympathischen Figuren (Leseglück pur). Kurzum: Ich bin komplett hin und weg von diesem Roman!
Schon direkt nach den ersten Seiten war ich sooo happy über diese wunderbare RomCom-Entdeckung, die eines meiner Jahreshighlights geworden ist.
Why?
❏ absolute Setting-Liebe!
❏ Meteorologie als Romanthema - so kreativ!
❏ Schreibstil: locker, amüsant, sehr unterhaltsam - die Story liest sich ruckzuck, ohne jemals oberflächlich zu wirken
❏ freche, witzige Dialoge
❏ geniale Figuren
❏ die Chemistry, die Tension - aaaah!
Seit Jahren bringen sich Quincy und Sebastian gegenseitig auf die Palme und schenken einander nichts - aber hinter ihrem vermeintlichen Hass … wobei das ein starkes Wort ist - nennen wir es lieber: Abneigung … steckt definitiv ein enormes Interesse.
Quincy habe ich sofort ins Herz geschlossen. Sie ist intelligent, ehrgeizig, selbstbewusst, zum Niederknien schlagfertig und voller Passion für Meteorologie. Und: Sie hat ihr Leben nicht rundherum um den Plan aufgebaut, die große Liebe zu finden, sondern arbeitet hart, hat sich erfolgreich ihre eigene Karriere aufgebaut, verfolgt ihre eigenen Ziele und wagt nun endlich, den nächsten Schritt: ihre Bewerbung beim National Weather Service.
Auftritt: Sebastian. Ebenfalls intelligent, ehrgeizig, selbstbewusst, zum Niederknien schlagfertig und voller Passion für Meteorologie. (… und obendrein verboten charismatisch!) Aber: Hinter dem von allen bewunderten Meteorologen steckt ein Mann, der selbst gerade nicht weiß, wohin sein beruflicher Weg führen soll. Er fühlt sich leer, ausgebrannt und möchte die Leidenschaft für seinen Beruf wiederfinden.
(So gesehen stehen also beide Hauptfiguren an einem Wendepunkt.)
Die Nebenfiguren sind ein Highlight für sich! Harlow und Mia unterstützen Quincy, die Mädels feiern gegenseitig ihre Erfolge, tun einander gut. Auch Sebastians Freundschaft mit Cooper und Nate (Stichwort: die drei Bromingos) hat mir extrem gut gefallen; unter ihnen wird ständig liebevoll gestichelt, aber trotzdem ist klar, dass sie immer füreinander da sind.
Wetter ist hier nicht einfach nur eine hübsche Kulisse für die Handlung. Hurrikans, Tornados, Gewitter, Wettervorhersagen und wissenschaftliche Forschung gehören tatsächlich zur Geschichte und zu den Charakteren. Während Quincy eher wissenschaftlich-methodisch an die Dinge herangeht, handelt Sebastians intuitiver, chaotischer.
Was ich außerdem gefeiert habe: Das Buch liefert uns zwar eine schöne Romance, beschäftigt sich aber auch mit ernsten tiefgründigen Themen wie Karrieredruck, Burn-out, Selbstzweifel, weibliche Anerkennung in männerdominierten Bereichen und der Frage, wann Erfolg eigentlich nicht mehr glücklich macht. Dadurch haben Quincy und Sebastian beide eine persönliche Entwicklung vor sich, die weit über die herrliche, spicy Liebesgeschichte hinausgeht.
Meine Erinnerungen an das Wetter in Florida: zu heiß, zu schwül, zu viele Moskitos, die es auf mich abgesehen hatten - und trotzdem fühle ich nach dieser Lektüre regelrechte Sehnsucht nach dem Sunshine-State, weil die Autorin dessen einzigartige Atmosphäre so stimmungsvoll eingefangen hat.
Abschließend noch ein Gedanke zum Cover: Ich lieb's! Die RomCom-Gestaltung im Comic-Stil, den glänzenden Buchtitel-Druck, das hübsche Innencover … alles passt perfekt!
Fazit:
Eine wunderbar unterhaltsame Enemies-to-Lovers-RomCom voller Banter & Spice, mit starken, unheimlich sympathischen Charakteren, einer tollen Found-Family-/Freundschaftsdynamik, jeder Menge Humor und einer ungewöhnlichen, kreativen Rahmenhandlung - Stichwort: meteorologisches Setting. Klare Empfehlung!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hier ist wenig, wie es scheint
Die Tote von Glenfall Castle von Jane T. Endon
Dieser Krimi spielt im verschlafenen, schottischen Dorf Glenfall, in dem es außer einem Schloss und einem frequentierten Pub, in dem der Dorfklatsch ausgetauscht wird, nur wenig Aufregendes gibt.
Das ändert sich, als aus dem ehrwürdigen Glenfall Castle ein Gemälde verschwindet und wenig später eine tote Frau am Fuße der Freitreppe des Gebäudes entdeckt wird.
Hat sie den Dieb überrascht oder ist sie selbst die Diebin? Wo ist dann aber das Gemälde?
Jedenfalls beginnen drei eher ungeeignete Personen in diesem Fall zu recherchieren und stolpern durch diesen Cosy-Krimi. Wer die drei sind? Ein Krimi-Autor, der immer auf der Suche nach gutem Stoff, eine Psychologin auf der Flucht vor ihrem Ehemann sowie ein eigenbrötlerischer Antiquar. Natürlich kommen sie der Polizei in die Quere und entdecken nicht nur ein streng gehütetes Geheimnis aus der Vergangenheit. Welche das sind, verrate ich jetzt nicht ...
Meine Meinung:
Dieser Cosy-Krimi ist das Debüt von Jane T. Endon, der Magdeburger Ergotherapeutin Jane Taggeselle.
Wie häufig bei Erstlingswerken, hat der Krimi sowohl bei der Handlung als auch bei der Erstellung der Charaktere noch ein wenig Luft nach oben.
Die Bewohner von Glenfall tragen durch ihre persönlichen Eigenarten und ihrem eigenartigen Humor einiges zum Lokalkolorit bei. Der Krimi liest sich schnell und ist eine gut gelungene Urlaubslektüre, die mit mehreren überraschenden Wendungen aufwartet.
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Fazit:
Gerne gebe ich diesem Urlaubskrimi 3,5 Sterne, die ich auf 4 aufrunde.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine Leseempfehlung
Amerika '33 von Johannes Ehrmann
In den wenigen Monaten von März bis Oktober des Jahres 1933 ändert sich das Weltgefüge dramatisch. Da ist zum einen Adolf Hitler, der zielstrebig die Demokratie zerstört und eine Diktatur errichtet und zum anderen schotten sich die USA ab. Das Land der unbegrenzten Möglichkeit steht vor einer Zerreißprobe.
Wirtschaftskrise und Fremdenfeindlichkeit verhindern, das von den Nazis bedrohte Menschen Aufnahme in den USA finden können, obwohl die Einwanderungsquote nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft wird. Mit Präsident Franklin D. Roosevelt haben die Amerikaner einen Präsidenten, der so autoritär wie kaum ein anderer vor ihm regiert.
Detailliert beschreibt Autor und Historiker größere und kleiner Ereignisse dieser Monate diesseits und jenseits des Atlantiks.
Wie begegnen bekannten Personen wie Marlene Dietrich, die sich von Goebbels & Co. nicht vereinnahmen lässt und erst 1944 mit der US Army nach Deutschland wieder zurückkehrt, und Max Schmeling wird, oh Schreck, in den Boxkampf mit dem jüdischen Boxer Max Baer gedrängt.
Gleichzeitig erfahren wir, dass viele jüdische Familien in Deutschland die Zeichen der Zeit nicht erkennen und zu lange warten.
Während Eleonore Roosevelt nur nach außen hin die Präsidentengattin mimt, versucht sie die Einreisequote für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland zu erhöhen. Gegen den Antisemitismus ist auch sie ziemlich machtlos. Der Rest ist bekannt.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Buch, das durchaus Parallelen zur Gegenwart erkennen lässt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Fesselnd bis zur letzten Seite
Als die Heide schwieg von Jill Kaltenborn
Die Hamburger Archäologin Antonia „Toni“ Abel und ihr Team sind gerade dabei die Oldendorfer Totenstatt im beschaulichen Dorf Lopauthal mittels Drohne und LASER-Scanning archäologisch zu bearbeiten, als bei Bauarbeiten auf dem Nachbargrundstück ein Baggerfahrer ein paar, wie sich recht bald herausstellt, menschliche Knochen findet, die zu einem männlichen Kinderskelett gehören.
Knochenfunde sind für Archäologen immer interessant, weshalb sich Toni näher mit ihnen beschäftigt, obwohl sie Lopauthal und seinen Bewohnern mit gemischten Gefühlen gegenübertritt. Ihr Vater stammt aus dem Dorf und hat aus ihr unbekannten Gründen schon vor langer Zeit mit seiner Familie gebrochen.
Während sie versucht mehr über den kleinen Jungen herauszufinden, muss sie sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen, die, so scheint es, am Tod des Kindes ihren Anteil hatte. Dazu trifft sie neben Mitgliedern des früheren Freundeskreises des Vaters, auch ihre betagte Großmutter, die nun in einem Pensionistenheim lebt und auf eine Versöhnung mit ihrem Sohn wartet.
Antonias Neugier setzt einen Prozess in Gang, der eine gefährliche Eigendynamik entwickelt, weil frühere Verbrechen unentdeckt bleiben sollen.
Wird es Toni Abel gelingen, die Ereignisse von 1971 zu enthüllen? Und welchen Anteil hat ihre Familie daran?
Meine Meinung:
Vorliegender Krimi ist der zweite Krimi von Jill Kaltenborn, der im beschaulichen Dorf Lopauthal spielt. Allerdings geht diesmal nicht die Ärztin Nina Wedemeyer unklaren Todesfällen wie in „Königinnensonntag“ nach, sondern die Hamburger Archäologin Antonia „Toni“ Abel. Trotzdem dürfen wir Nina Wedemeyer in einer kleine Rolle wieder begegnen.
Geschickt lässt uns Autorin Jill Kaltenborn in Rückblenden in die Vergangenheit des Jahres 1971 eintauchen, als die vermeintlich heile Welt in Lopauthal scheinbar noch intakt gewesen ist. Doch mit der Ankunft einer kleinen chilenischen Flüchtlingsfamilie ändert sich das Gefüge, denn nicht immer ist alles gut, was gut gemeint ist.
Sehr spannend ist Antonias Suche nach ihrer Familiengeschichte. Von ihrem Vater ist wenig zu erwarten, weil der als schwerer Alkoholiker nur bis zur nächsten Flasche denkt. Doch bei ihren Recherchen in Lobauthal muss Antonia feststellen, dass der tote Junge und seine verschwundene Schwester mehr mit ihrer Familie zu tun haben, als ihr lieb ist. Erst ihre Großmutter bringt einiges Licht in das Dunkel längst vergangener Tage. Allerdings haben ihre Enthüllungen dramatische Auswirkungen auf das Hier und Jetzt.
Wie schon in „Königinnensonntag“ ist auch dieser Plot gelungen und der Schreibstil steigert die Spannung von Seite zu Seite. Antonia Abel ist wie die Ärztin Nina Wedemeyer eine analytisch denkenden Frau, die eher nüchtern daran geht, das Rätsel rund um das Kinderskelett zu lösen. Zwar hat sie es üblicherweise mit wesentlich älteren Knochen zu tun, aber die Vorgangsweise ist dieselbe. Ermittlungen in einem verschworenen Dorf, in dem man sich untereinander zwar spinnefeind ist, aber gegen einen quasi äußerlichen Feind, zusammenhält, sind nie einfach.
Die Charaktere sind sehr gut gelungen und wir Leser werden, wie Antonia, mitunter auf eine falsche Fährte gelockt. Nicht immer ist jener der Täter, der vordergründig als böse dargestellt wird. So manche Figur, die sich still und zurückhaltend verhält, hat es faustdick hinter den Ohren.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Krimi, der bis zur letzten Seite fesselt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von yellowdog:
Die Jahre in Madagaskar
Bäume, wenn sie fallen von Fanny Wobmann
Das Buch liest sich trotz zahlreicher guter Formulierungen weniger als Roman als wie ein autofiktionaler Bericht. Tatsächlich zitiert die Autorin an einer Stelle auch einmal Annie Erneaux.
Fanny Wobmann lebte als Kind 4 Jahre in Madagaskar, weil ihr Vater als Förster dort als Entwicklungshelfer tätig war.
Jetzt als Erwachsene und als Autorin erinnert sie sich an die Zeit und versucht sie zu werten. Nicht bei allen Erinnerungen ist sie such sicher, ob alles stimmt. Sie tritt in Briefwechsel mit ihrer damaligen Freundin Nirina, um eine weitere Perspektive auf das Leben in dieser Zeit zu erhalten. Sie befragt auch ihre Eltern und Filmemacher, die damals in Madagaskar drehten.
Die Wirkung der Entwicklungsarbeit sieht sie durchaus teilweise auch kritisch.
Es ist ein interessantes Buch, auch weil die Autorin so einen tiefen Einblick in ihre Erinnerungs- und Schreibarbeit gibt.











