Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Ein bunter Kessel Berlin
Fräulein Gold. Scheunenkinder von Anne Stern
Fräulein Gold – Scheunenkinder setzt unmittelbar an den ersten Teil „Schatten und Licht“ an und hält erfreulicherweise das hohe Niveau. Es ist jetzt 1923 und Hulda Gold ist weiterhin in Berlin als Hebamme tätig.
Es ist eine besondere Zeit, widersprüchlich und mit viel Unruhe. Es ist aber auch eine spannende Zeit, über die es viel zu berichten gibt.
Insbesondere die Schilderungen des Scheunenviertels und der jüdischen Bevölkerung dort beeindrucken.
Hulda sucht nach einem verschwundenen Baby und sie lässt sich mit ihrem Dickkopf nicht aufhalten. Eine so gute Hauptfigur, empathisch und stark, ist selten. Ihr glaubt man ihr Engagement und ihr mitfühlen.
Spannend ist auch, wie die Autorin Anne Stern die Beziehungen beschreibt, zum Beispiel die schwierige von Hilda zu ihrem Freund Karl, zu ihrem Vater, ihrer Hauswirtin und ihren Freunden.
Es ist ein bunter Kessel Berlin in den nur scheinbar goldenen Jahren und ein dritter Teil der Reihe ist schon angekündigt.
Eigenwillig und leidenschaftlich
Mr. Crane von Andreas Kollender
Im deutschen Sanatorium Badenweiler war einst Tschechow zur Behandlung und auch der amerikanische Schriftsteller Stephen Crane.
Andreas Kollender wählt für seinen Roman 2 Erzählzeiten, die sich kapitelweise abwechseln. 1900, als sich die Krankenschwester Elisabeth und Stephen Crane treffen und verlieben.
Und 1914, als Elisabeth einen verwundeten Soldaten namens Fischer pflegt und ihm von Mr.Crane erzählt.
So ergänzen sich die Abschnitte gut.
Es gefällt mir auch gut, dass es sich um eigenwillige und leidenschaftliche Figuren handelt.
Die Dialoge zwischen Elisabeth und Crane halte ich sehr gelungen.
Das Buch weckt das Interesse auch mal einen Roman von Stephen Crane zu lesen. Er ist bekannt für Die rote Tapferkeitsmedaille. Ein Klassiker, der auch verfilmt wurde.
Andreas Kollender schreibt gut und er hat auch einen Sinn für Ironie, wenn er immer wieder Zitate aus „Die Frau als Hausärztin“ zwischenschaltet, ein ziemlich altmodisches Nachschlagebuch.
Mr.Crane hingegen kann man trotz des historischen Kontext der modernen Literatur zurechnen.
Carl und Schascha
Der Buchspazierer von Carsten Sebastian Henn
Ein Blick aufs Cover erzeugt ein Bild der beiden Hauptfiguren, dem alten Buchspazierer Carl und die neunjährige Schascha, die ihn beim Buchaustragen begleitet.
Carl arbeitet für eine Buchhandlung. Ihm liegen die Leser am Herz. Er bringt ihnen nicht nur die Bücher sondern sprich auch mit ihnen über die Bücher.
Die Kunden haben alle verschiedene Eigenschaften, so kommt es auch zu ganz unterschiedlichen Begegnungen.
Der Autor schwelgt in den Welten der Bücher. Es gibt auch viele Zitate aus bekannten Romane. Hinzu kommen aber auch Elemente aus dem realem Leben, denn manche von Carls Kunden haben auch ernste Probleme.
Carsten Sebastian Henn lag sein Stoff offensichtlich am Herzen.
Seine Stärke liegt in den Dialogen.
Die Charakterisierung der Figuren bleibt aber ein wenig auf der Oberfläche.
Mich überzeugte aber die Freundschaft zwischen den alten Mann und dem Mädchen. Die kleine liegt Carl bald sehr am Herzen. Als sie plötzlich nicht zu den gemeinsamen Spaziergängen erscheint, ist er in Sorge. Dann steht er aber selbst vor einer unerwarteten Bedrohung.
Fazit: Der Buchspazierer ist ein Buch für die Seele!
Cozy Crime
MacTavish & Scott - Der verschwundene Gärtner von Gitta Edelmann
Eigentlich wollte ich es vermeiden, neue Serien anzufangen, da es schon so viel interessantes gibt. Aber diese Reihe spielt in Edinburgh, eine Stadt, die ich sehr mag. Schon das Cover ist verlockend.
Es fängt damit an, das Finola nach Edinburgh zurückkehrt und eine neue Stelle als Privatdetektivin anfängt.
Ihre neue Chefin ist Anne Scott, die 2 Katzen hat. Man hat als Leser sofort den Eindruck, dass sie ein gutes Team werden können.
Finolas erster Job ist es, einen möglicherweise untreuen Mann zu observieren. Schnell folgt ein zweiter Auftrag, die Suche nach einem verschwundenen Mann.
Der Roman liest sich locker und wirklich gut. Wer ordentliche Cozy Crime-Unterhaltung sucht, ist hier richtig.
Die Frau des Winzers
Das letzte Licht des Tages von Kristin Harmel
Kristin Harmel wählt das im Genre bewährte Erzählschema mit zwei lose in Verbindung stehende Handlungen in verschiedenen Zeiten. Das ist nicht originell, aber wenn es so wie hier, gut funktioniert ,ist es okay.
2019 fährt die unglücklich geschiedene Liv mit ihrer Großmutter Edith nach Frankreich.
Dabei fahren sie auch zum Maison Chauveau, das die Verbindung in die Vergangenheit bildet.
Der zweite Handlungsstrang ist der aktivere und spannendere:
Der Winzer Michel Chaveau und seine Frau Ines 1940 in Frankreich. Die Deutschen marschieren ein. Michel ist heimlich aktiv in der Resistance.
Ein wichtiger Handlungsbaustein ist aber auch die schwierige Beziehung zwischen Michel und Ines. Es wird viel aus Ines Sicht geschildert. Sie ist eher unsicher.
Wie man sieht, wird diese schlimme Zeit mehr als Rahmen für eine Abenteuer-und Liebesgeschichte genutzt. Aber Kristin Harmel ist eine amerikanische Schriftstellerin. Bei einer deutschen Autorin würde ich das unreflektierte kritischer sehen. Man muss Kristin Harmel aber zu gute halten, dass sie sensibel mit den Figuren und ihrem Schicksal umgeht. Es gibt jedoch eine gewisse überheroisierung.
Was bleibt ist ein unterhaltsamer und spannender Roman.
Ein liebenswerter Roman
Marigolds Töchter von Woolf Julia
Marigolds Töchter ist ein einfühlsam geschriebener Roman der britischen Schriftstellerin Santa Montefiore. Sie wendet einen gut lesbaren, fast geschmeidigen Stil an, der für den Leser angenehm ist.
Marigold ist mit Dennis verheiratet. Sie hat jetzt nicht nur ihre fast neunzigjährige Mutter bei sich aufgenommen, sie sorgt auch noch für ihre 25jährige Tochter Suze, die eher unselbstständig ist.
Und dann kommt auch noch die älteste Tochter Daisy nach einer Trennung zurück. Viel Wirbel für Marigold, auf die sich alle stützen. Doch dann beginnt Marigold immer vergesslicher zu werden.
Das Thema Demenz wurde schon oft behandelt. Auch hier wird es realistisch dargestellt.
Dennoch kann man den Roman locker lesen, da die Autorin empathisch mit der Betroffenen schreibt und es auch eine Portion Humor gibt. Die Beschreibungen des englischen Landlebens, in denen es noch Tante Emma-Läden und Christmas-Plumpudding gibt, sind ansprechend.
Die Figuren sind sympathisch, wenn manche auch ihre Eigenheiten haben. Zum Beispiel Nan, Marigolds Mutter, hat schon manchen bissigen Spruch drauf. Aber alle sind sehr liebenswert wie auch der ganze Roman.
Sensibel erzählte Familiengeschichte
Was uns verbindet von Shilpi Somaya Gowda
Was uns verbindet ist ein feinfühlig erzählter Roman über eine amerikanische Familie mit indischen Wurzeln, die einen große Verlust hinnehmen müssen. Der 8jährige Sohn ertrinkt im Swimmingpool. Die Trauer und auch Schuldgefühle überwältigt die Familie.
Die in Kanada geborene Schriftstellerin Shilpi Somaya Gowda geht sensibel mit ihren Figuren um und transportiert deren Emotionen nahe an den Leser.
Die Kapitel teilen sich auf in Karina, der Mutter Jaya, dem Vater Keith und sogar dem verstorbenen Jungen Prem.
Auch die Tochter Karina, die aufgrund ihres indischen Aussehens in der Schule das Anders sein erlebt. Ihren Weg ab dem Jahr 2007 kann man verfolgen. Aber es gibt auch Rückblicke, wie sich Jaya und Keith kennen gelernt haben und schließlich, wie sich das Leben der Familie verändert.
Man kann erkennen, wie ein einziges Ereignis das Leben vieler Menschen beeinflussen kann.
In der Mitte wird die Handlung streckenweise etwas zäh, aber man bleibt doch kontinuierlich dran.
Ich habe das Buch mit Interesse gelesen.
Eine Frage der Farbe
Die verschwindende Hälfte von Brit Bennett
Brit Bennetts bemerkenswerter Roman erzählt über einen Zeitraum von den fünfziger bis in die neunziger Jahre von Desiree und Stella. Sie sind Zwillinge, die in der Kleinstadt Mallard im ländlichen Louissiana aufwuchsen.
Wichtiges Thema ist die Hautfarbe.
Mallard ist ungewöhnlich, weil dort hauptsächlich eine sehr hellhäutige schwarze Community lebt.
Das Buch ist auch eine Familiengeschichte.
Stella beschließt wegzugehen und sich als Weiße auszugeben. Auch ihrem weißen Mann und ihrer Tochter Kennedy verschweigt sie ihre Herkunft.
Desiree hingegen bekommt eine Tochter (Jude), die sehr schwarz ist. Da hat Jude es nicht leicht in der Schule.
Was mich an dem Buch so beeindruckt sind die Figuren und insbesondere ihre Beziehungen zueinander.
Das gilt für die Zwillinge Desiree und Stella wie für ihre Kinder Jude und Kennedy.
Aber auch für die Liebesbeziehungen, z.B. Jude und ihr Freund Reese oder Desiree und Early Jones.
Das ist sehr gut gemacht und bewirkt, dass man die in die Tiefe gehenden Figuren und ihre Charaktere wirklich gut kennen lernt.
Ein sehr lesenswertes Buch, das mich fesselte und faszinierte.
Auf der Suche nach Bruno
Goodbye, Bukarest von Astrid Seeberger
Dieses autobiografisch geprägte Buch der in Schweden lebenden Autorin Astrid Seeberger beschreibt ihre Recherche nach ihrem Onkel Bruno, der im Krieg vermisst und für tot gehalten wurde. Er war im Krieg als Flieger unterwegs, wurde gefangen genommen und in Lager in Sibirien und Kasachstan geschafft.
Später ging er nach Bukarest, Rumänien und erlebt die Diktatur unter Ceausescu.
Diese Spurensuche folgt den Berichten von Menschen, die Bruno kannten, und das über die Jahrzehnte. Da sind Dmitri, der schon als Junge in ein Lager gekommen ist und Dinu, ein Komponist aus Rumänien. Später auch Jakob, Brunos Sohn.
Dadurch entsteht ein Porträt des Menschen Bruno, aber auch die anderen Figuren sind eindrucksvoll. Diese Figuren werden wirklich entwickelt und wirken realistisch und lebensnah.
Überaus gelungen sind die Beschreibungen durch das ganze Buch, aber insbesondere die über das Leben in Bukarest sind brillant.
Ein großartiges Buch, verfasst in einem eleganten Stil!
Funny bones
Comedy Queen von Jenny Jägerfeld
Funny Bones
Comedy-Queen von der schwedischen Jenny Jägerfeld ist keine leichte Kost, wie man wegen Titel und Cover denken könnte. Es ist ein psychologisch feinfühliger Roman über ein ca. 12jähriges Mädchen, deren Mutter tot ist. Es war Selbstmord. Die Mutter litt unter Depressionen. Tragisch!
Die Perspektive ist ganz aus der Sicht von dem Mädchen, Sasha.
Sie ist wütend und verwirrt von dem Verlust und um nicht dem Schicksal ihrer Mutter zu folgen, beschließt sie, ganz anders zu sein. Sie hat eine Liste mit 7 Punkten und dabei steht der Wunsch, Comedian zu werden.
Dennoch nimmt Sashas Zustand einen der Trauer und Wut an, der nicht gut für sie ist. Der Vater ist weitgehend hilflos.
Wie Sahsa es schließlich schafft, wird sensibel und nachvollziehbar beschrieben. Daher wirklich ein Gutes Buch.











