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Rezensionen von yellowdog:
Das Damengambit
Der Mädchenwald von Sam Lloyd
Der Mädchenwald ist ein Thriller, den man mit Schaudern liest, weil hier ein Mädchen permanent im höchster Gefahr ist. Die 13jährige Elissa wurde entführt.
Elissas Situation ist schlimm. sie ist in einem Keller angekettet. Dennoch bleibt sie zunächst mutig und stark und sinnt auf Befreiung.
Die bedrohliche Atmosphäre verstärkt sich immer mehr.
Erzählt wird nicht linear. Die wechselnden Abschnitte sind mit Tagen, seit Elissas Entführung, gekennzeichnet.
Elijah ist ein 12jähriger Junge. Aus seiner Ichperspektive sind seine Abschnitte geschildert.
Dann gibt es noch Passagen mit der ermittelnden Polizistin Mairead.
Sam Lloyd streut psychologische Momente hinein, zum Beispiel das Verhältnis zwischen Elissa und Elijah, der sie immer wieder im Keller besucht.
Der wirklich spannende Roman ist Hardcore, aber kein Splatter. Die psychologische Komponente bleibt am wichtigsten.
Captain Shalacco
Der Mädchenwald von Sam Lloyd
Obwohl es sich bei Die Blauröcke um eine Romanreihe handelt, ist der Roman eigenständig.
U.H.Wilken legt die Handlung dieses Romans in das Jahr 1864, die Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs. Die langen Jahre des Kriegs hat das Land ausgebrannt.
Die Umgebung ist karg, rauchverhangen, versengt.
Wilken Beschreibungen machen deutlich, wie sich das auf die Menschen auswirkt.
Man denkt beim Lesen auch mit, das U.H.Wilken selbst Berufssoldat war.
Im Mittelpunkt steht interessanterweise ein Südstaatler. Captain Shalacco.
Captain Shalacco wählt für den Geheimauftrag 4 unterschiedliche Männer für einen höllischen Auftrag aus. Ziel ist es, den Nachschub aus dem Norden aufzuhalten und Schienen sowie Depots zu sprengen.
Das erinnerte fast an den Plot klassischer Kriegsfilme aus Hollywood, aber Wilken geht größeren Klischees aus dem Weg. Er bleibt realistisch und heroisiert den Krieg nicht.
U.H.Wilken schaffte ein große sprachliche Dichte und eine düstere, gefahrvolle Atmosphäre.
entwickelt sich langsam, aber stetig
Bären füttern verboten von Rachel Elliott
Es dauert eine Weile, sich in den Roman einzufinden und den Figuren näher zu kommen. Das gilt besonders für die anfängliche Hauptfigur Sidney, die ein Schuldgefühl aus der Vergangenheit mit sich rumschleppt. Mit den anderen Figuren geht es teilweise leichter, besonders Maria und ihre Tochter Belle mochte ich auf Anhieb.
Mit Sydneys Vater Howard war es auch nicht ganz einfach, denn er ist sehr verschlossen.
Überraschender tritt Sydney zur Hälfte des Romans deutlich zurück, davon profitieren die anderen Figuren und deren Geschichten.
Nach einer Weile entfaltet sich der Roman und es entwickelt sich aus dem ruhigen Stil ein Erzählton, der funktioniert.
Vielleicht gelang es mir auch daher schließlich, mich noch mehr für die Figuren zu interessieren. Sie sind psychologisch fein gearbeitet. So fand ich den Roman, den ich am Anfang langweilig fand doch noch ganz interessant. Ich glaube, es ist ein Buch zum noch einmal lesen, denn wegen dem unaufdringlichen Schreibstil kann einem auch einiges entgehen.
Skurriler Roman mit vielen Ideen
Bären füttern verboten von Rachel Elliott
Das Federchen von John Dark alias Johan Nijhof ist ein skurriles Werk, überwiegend ironisch und mit sehr vielen Ansätzen und Ideen. Leider werden die meisten nicht ausgearbeitet oder verklingen schnell.
Obwohl es zu Anfang eine First Contact zwischen den menschlichen Protagonisten und einem Alien gibt, ist es nicht wirklich Science Fiction.
Auch das ist Teil der parodistischen Ansatzes des Romans. Doch diese Szenen kann man durchaus genießen.
Starke Szenen gibt es später auch bei den Passagen in Brasilien. Das ist sprachlich nicht schlecht gemacht.
Viele amüsante Szenen ergeben aber noch keinen stringenten Roman und letztlich bleiben zu viele Fragezeichen.
Der stehende Kronleuchter
Die perfekte Freundin von Lionel Shriver
Die US-amerikanische Schriftstellerin Lionel Shriver treibt in ihrem relativ kurzen Roman viel Aufwand, die Hauptdarstellerin Jillian mit all ihren liebevollen Macken und Eigenheiten aufzubauen. Das funktioniert auch ganz gut, doch der Eindruck des konstruierten bleibt. Daher wirkt Jillian auf mich nicht ganz lebensecht.
Ich mag die Figur aber dennoch. Doch das teilt nicht jeder. Zum Beispiel Paige, die Freundin von Jillians besten Freund Weston. Paige will Jillian loswerden. Diese Ausgangssituation ist originell.
Insgesamt ist Die perfekte Freundin ein zugänglicher Roman, viel lockerer als z.B. Liebespaarungen, Shrivers Roman von 2010, den ich damals sperrig fand.
Es ist interessant zu lesen, wie eine lange Freundschaft auf die Probe gestellt wird und wie es ausgeht. Das dabei ein obskurer Kronleuchter eine Rolle spielt, hat mich amüsiert.
Hygge-Krimi
Brennende Liebe von Jürgen Klahn
Dieser Krimi ist sehr sympathisch. Cozy, aber nicht ganz so betont harmlos wie andere. Mir gefällt auch, dass die Protagonisten Jens Peter Jensen und Grete Moller nicht mehr so jung sind. Jensen ist Witwer. Mit Grete ist er zur Schule gegangen, hat sie aber seit Jahren nicht mehr gesehen. Als sein alter Freund Gregger bei einem rätselhaften Brand verstirbt, kommt es zwischen Jensen und Grete zur Wiederbegegnung.
Unfall oder Brandstiftung? Das lässt Jensen nicht los.
Was bei diesem Buch wirklich das besondere wird, ist die Gegend. Im dänischen Grenzgebiet zu Deutschland mit den Städten Aarhus und Rinkenæs spürt man die Lebensart der hier lebenden Menschen. Der Autor Jürgen Klahn lebt in Aarhus, daher habe ich viel Vertrauen in seine Darstellung.
Die Handlung hat mich schon gepackt und ich war doch sehr davon gefangen.
Vielleicht sollte man noch ein Wort zum Titel sagen. Brennende Liebe ist ein dänisches Rezept aus Püree mit Speck und Zwiebeln.
Von Vögeln und Gummigeschossen
Apeirogon Roman, Nominiert für den Booker-Prize. Gebunden. von McCann Colum
Rami ist Israeli, Bassam ist Palästinenser.
Ramis Tochter Smadar wurde bei einem Attentat getötet.
Auch Bassamns Tochter Abir wurde getötet.
Diese Erfahrung verbindet die beiden Männer. Und sie setzen sich trotz der Verluste für den Frieden ein. Das erfordert viel Stärke und es gibt auch Widerstände, aber beide lassen nicht von ihrer Mission abhalten.
Das Buch ist sehr fragmentarisch. Erst in der Mitte befinden sich ausführlichere Lebensberichte von Rami und Bassam.
Das Buch hat 1000 Kapitel, eigentlich 1001, doch das ist in der Mitte versteckt und von da zählen die Kapitel rückwärts.
Colum McCann lässt vieles einfließen: Borges Eibdrücke, Picassos Friedenstaube, Sinead O´Connors Songs, Mahmud Darwish Reden und Gedichte, Francois Mitterands sterben, die Reisen des Costigin, den Seiltänzer Petit, Francis Burton als Pilger, John Cage, Einstein und Freuds Briefwechsel ...
Vögel sind ein Leitmotiv des poetisch gestalteten Romans. In verschiedenster Form ziehen sie sich durch das Buch. Das gilt aber für die Gummigeschosse, das starke reale Symbol für unbarmherzige Gewalt.
Colum McCanns Roman ist herzzerreißend, gerade weil er auf realen Ereignissen Bezug nimmt. Außerdem schafft er durch den komplexen, umfassenden Ansatz neue Perspektiven auf den Konflikt.
Ein sehr lesenswertes Buch!
Eine französische Familie in den USA
Die Chance ihres Lebens von Agnès Desarthe
Das Buch erzählt die Geschichte von einer französischen Familie: Hector, Sylvie und der Sohn Lester, der gerne lieber Absolom Absolom genannt werden möchte.
Da Hector eine Gastprofessur an der Universität von South Carolina bekommen hat, ziehen sie für eine gewissen Zeit in die USA. Das ist besonders für Sylvie eine große Umstellung.
Doch auch Hector gerät auf Abwege und Lester findet eine ganz eigene Rolle für sich und seine Freunde.
Nicht nur die Figuren sind ein wenig eigenwillig, auch die Erzählart ist es. Sowohl die Familie als auch die Autorin empfinde ich als so liebenswürdig wie versponnen.
1949 in Deutschland
Trümmerschatten von Gerald Orthen
Das reizvolle an diesem Roman ist zum einen der Zeitpunkt der Handlung, 1949 in Deutschland. Es ist eine Besatzungszeit, in der noch viel in Trümmern liegt. Intakte Häuser wechseln sich mit Trümmerbergen ab.
Zum anderen bringen der Icherzähler und viele deftige Dialoge viel Schwung hinein. Die Erzählform ist gut gewählt.
Der Bonner Kommissar-Anwärter Eugen Kranzel ist auf dem Weg zum Inspektor, aber noch unerfahren. IN einer Nacht der Rufbereitschaft erhält er einen Anruf aus einem naheliegende Dorf. Ein Mann ist ermordet worden.
Der Zustand in den sich Kranzel befindet bestimmt die Handlung zum Teil mit. Schwer erkältet und liebeskrank nach der schwarzen US-Amerikanerin Lucy macht er sich auf den Weg ins Dorf, wobei einiges schief geht.
Gerald Orthen hat einen originellen Kriminalroman geschrieben, der mir gut gefallen hat. Er ist spannend, emotional und atmosphärisch.
bleibt in Ansätzen stecken
Narrenturm von Andrzej Sapkowski
Andrzej Sapkowski ist ein beliebter Autor, daher wollte ich ihn auch einmal lesen.
Der Ansatz von Narrenturm ist gut und umfangreich, aber ein wenig enttäuscht bin ich doch von der forcierten Leichtigkeit. Den Anfang finde ich sogar etwas albern. Reynevan wirkt zu naiv. Ein schwacher, kaum reflektierender Protagonist, der die Schwäche des Roman ist.
Mit der Zeit gewöhnt man sich an den parodistischen Ton.
Reynevan kommt man auf seiner Flucht weit rum und trifft viele Leute. Leider verschwindet so manche interessante Figur auch schnell.
Die Stärke des polnischen Autors liegt in den Beschreibungen, die dann zusammen mit den Dialogen tatsächlich ein mittelalterliches Feeling verbreiten.









