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Rezensionen von yellowdog:
Ermittlung in Montreal
Aus dem Schatten des Vergessens von Martin Michaud
Der Roman hat mich angezogen, da er in Montreal, Kanada angelegt ist, was ich interessant und reizvoll finde. Die Stadt wird auch wirklich gut eingesetzt, ich habe mehrfach nach Bildern der erwähnten Umgebung gegoogelt.
Dann ist auch der Stil mit vielen kurzen Sätzen und eindrucksvollen Sprachbildern sehr ansprechend, auch wenn es manchmal ein Adjektiv zu viel gibt und kitischeige Sätze auch nicht komplett vermeiden werden.
Zudem kommen gute Figuren hinzu. Nicht nur den Ermittler Vicor Lessard sondern auch seine Kollegin Jacinthe. Sie ist freimütig, herrlich ironisch und geradeheraus und damit die passende Ergänzung zu Sergent-Detective Lessard.
Auch kleine Nebenfiguren kommen zur Geltung, selbst wenn sie nur einen kurzen Auftritt haben und das ist schon ungewöhnlich. Das bietet nicht jeder Thriller.
Die Stimmung hat etwas düsteres, immer wieder durch die Einstellung der Protagonisten gemildert.
Der Kriminalfall selbst konnte mich weniger überzeugen und nicht besonders interessieren, aber irgendwas ist ja immer.
Das Spiel hat begonnen
Frostgrab von Allie Reynolds
Der bei Harper Collins erschienene Thriller Frostgrab hat schöne atmosphärische Momente, da er die Umgebung der Alpen mit den Gletschern etc. einsetzt. Im Mittelpunkt steht die Snowboarderin Milla. Aus ihrer Perspektive wird erzählt. Sie trifft sich mit alten Freunden: Curtis, Dale, Heather, Brent.
Sie alle sind begeisterte Sportler.
Doch es gibt eine latente Gefahr. Ihre Handys und Laptops werden gestohlen, so haben sie keinen Kontakt mehr zur Außenwelt. Und natürlich gibt es noch ein Geheimnis aus der Vergangenheit um Saskia, die dämonische Figur des Buches.
Sehr gut gefallen mir die Passagen, die zehn Jahre zuvor in der Vergangenheit angesiedelt sind und die Milla beim Snowboarden zusammen mit ihrer Konkurrentin Saskia und deren Bruder Curtis zeigen. Die Beschreibungen der Freestyle-Snowboard-Aktivitäten halte ich für ausgezeichnet.
Das Setting einer in sich abgeschlossenen Gruppe in Gefahr ist nicht neu, funktioniert aber ein weiteres mal. Bald verdächtigen sie sich alle gegenseitig.
Und nicht jeder von ihnen wird überleben.
Es gibt einige feine Spannungsmomente, obwohl der Thriller kein hohes Tempo hat. Doch durch die ständigen Wechsel der Erzählzeiten gibt es eine ganze Reihe von kleinen, wirkungsvollen Cliffhangern.
Allie Reynolds hat überwiegend glaubhafte Figuren geschaffen. Das trägt dazu bei, das man von dem Roman gepackt bleibt.
Erzählungen mit hohen Niveau
Frostgrab von Allie Reynolds
Band 1 hatte mich schon sehr überzeugt. Da konnte ich auch auf den zweiten Band nicht verzichten.
Der zweite Teil der gesammelten Geschichten hat einige auch schon ältere Geschichten. Manche sind nahezu berühmt. Zum Beispiel Der Turmbau zu Babel (Nebula Award) oder Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes (Nebula, Hugo, Locus Award etc.
).
Enthalten ist eine Kürzestgeschichte, die in einem Wissenschaftsmagazin erschienen war. Ehrlicherweise kann ich´nicht allzuviel damit anfangen, auch wenn ich eine gewisse Ironie erkenne.
Ganz anders geht es mir mit der großartigen Titelgeschichte „Geteilt durch Null“, die sich auf faszinierende Art mit Mathematik beschäftigt. Carl kümmert sich um die suizidgefährdete Renee. Sie ist Mathematikerin und hat einen unfassbaren mathematischen Beweis entdeckt.
Auch die Story Zweiunsiebzig Buchstaben beschäftigt sich mit ungewöhnlicher Wissenschaft, hat aber eine ganz andere Stimmung. Doch Ted Chiang hält durchgehend das Niveau.
Der Höhepunkt ist für mich aber Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes. Eine Geschichte, die das Erscheinen von Engeln und der Folgen zeigt.
Als Fazit kann ich sagen, dass diese beiden Bände mit Ted C hiangs Erzählungen der ganz große Wurf sind.
Der Meister der Novelle
Frostgrab von Allie Reynolds
Ted Chiang ist der Meister der Science Fiction-Novellen.
Er verfügt über einen großen Ideenreichtum. Seien Erzählungen funktionieren aber auch, weil er stets eine geschickte Erzählform zu wählen vermag.
Das ist zum Beispiel in der ersten Erzählung „Der Kaufmann am Portal des Alchemisten“ eine orientalische Erzählweise inklusive der Geschichten innerhalb der Geschichte.
Das passt einfach gut zusammen.
Ganz anders ist die nächste Story Ausatmung gemacht. Sie wirkt auf mich wie ein Essay.
Ähnlich essayistisch wirkt die nächste, sehr kurze Story „Was von uns erwartet“ wird, die den Konflikt zwischen Freien Willen und Vorherbestimmung diskutiert.
Die nächste Story Der Lebenszyklus von Software-Objekten isdann so ölang, das man schon fast von einem Kurzroman sprechen kann.
Dann Daceys vollautomatisches Kindermädchen ersrteckt sich von 1894 bis 1966
Der Autor steht auch für Vielfalt. Ich habe ihn schon früher manchmal gelesen, da noch auf Englisch, aber jetzt bin ich froh über die Übersetzung.
Ted Chiang hat großartige Ideen.
Kein Wunder also das so einige seiner Erzählungen vielfach preisgekrönt sind
vielschichtig
Ada Roman. 12.10.2020. Hardback. von Berkel Christian
Christian Berkels autofiktionaler Roman zeigt das Leben in Deutschland in den fünfziger und sechziger Jahren.
Dabei sind die Lebensstationen offenbar real an Berkels Familiengeschichte ausgerichtet, so heißt auch Berkels Mutter Sala und hat die gleichen Erfahrungen gemacht. Der später geborene Sohn Sputnik hat schon früh ein Interesse an Schauspielerei und vermutlich ist er somit Berkels Ebenbild.
Aber die Figur Ada ist anscheinend fiktiv und exemplarisch.
Adas Lebens ist beeinflusst von Geschehnissen der Vergangenheit, über die geschwiegen wurde. Ihre jüdischen Wurzeln mütterlicherseits ist sie sich wenig bewusst.
Der Roman ist vielschichtig, reißt einige Themen an und zeigt viel von Deutschland.Es ging mir beim Lesen dann auch so, dass mich manche Passagen sehr interessierten, andere weniger.
Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Zu vermuten und zu wünschen ist
ein Buch, in dem Berkels Leben selbst erzählt wird.
Die Rache der Geier-Königin
Das Erbe der Vogelmenschen von Federica de Cesco
Federica de Cescos letzter Roman Der englische Liebhaber war sehr beeindruckend, daher wollte ich auch dieses neue Buch unbedingt lesen. Aber es hat ungewöhnliche Themen und einen anderen Ton. Darauf muss man sich erst einmal einlassen. Ich mag Federica de Cescos Stil.Sie hat eine bildreiche Sprache, die sie aber dezent einsetzt.
Der Roman lebt von den Figuren, insbesondere die junge Archäologiestudentin Leo. Auch Leos Großmutter spielt eine wichtige Rolle. Von ihr kommen einige Geschichten, die sie Leo erzählt und die den Roman mittragen.
Im Museum trifft Leo den Kunststudenten Kenan. Gemeinsam fliegen sie von der Schweiz in die Türkei, zu einem Fundort in der Wüste.
Gerade in diesen Passagen brilliert die Autorin mit ausgezeichneten Beschreibungen der Umgebung.
Am Ende bleibt aber doch das Gefühl, dass zu viele Themen nur angerissen bleiben. Dennoch, ein interessantes Buch.
Ein Beitrag zur Erinnerungskultur
Die verratene Generation von Christian Hardinghaus
Christian Hardinghaus führte Interviews mit Frauen zwischen 87 und 100 Jahre, daraus entstand diese Buch.
Schon das Vorwort ist eindringlich und macht deutlich, wie wenig die Ereignisse der Zeit im Detail im Bewusstsein sind. Der Titel des Anfangskapitel „Die Deutsche Angst vor der Erinnerung“ ist wohl doch zutreffend.
Dann folgen die Geschichten der Frauen, wobei auch immer wider Fotos eingebunden werden. Da es so einige sind, kann ich hier nicht ins Detail gehen.
Aber ich kann sagen, dass ihre Geschichten und ihre Erfahrungen den Leser nicht kalt lassen.
Fränkischer Ritterroman, Teil 1
Die große Fälschung von P. M.
Die große Fälschung ist ein großer Ritterroman. Tuckstett ist der erste Teil einer 10teiligen Reihe, also wird es ein mächtiges Werk. Das hat aber auch zufolge, dass man bei Teil 1 den Eindruck hat, praktisch nur eine Leseprobe zu lesen. Einiges wird angerissen.
Angesiedelt ist die Geschichte im Jahr 998, jedoch wird das schnell gebrochen, indem Versatzstücke der Zukunft, unsere Gegenwart, gegenwärtig ist.
Damit scheint indirekt eine Gesellschaftskritik unserer Zeit vorzuliegen. Ein wenig ratlos bleibe ich als Leser dabei.
Was gut funktioniert ist der Ton des Romans, der durch die amüsante Erzählstimme von Ritter Rudolf von Gardau getragen wird.
Auf dem Weg zu einem harmonischen Leben
In der Stille findet das Glück dich leichter von Haemin Sunim
Der koreanische Zen-Mönch Haemin Sunim beschäftigt sich in diesem Buch mit der Stille, die so wichtig für den Menschen ist und die gerade heutzutage oft schwer erhältlich ist. Mit Stille ist natürlich nicht nur Lautstärke gemeint. Zu viel Ablenkung und äußere Einflüsse lassen einen nie zur Ruhe kommen.
Ich denke, vielen geht es so.
Haemin Sunim schreibt so, wie er sich auch mit einem unterhalten würde. Das gefällt mir gut. Zum einem ist es angenehm ungekünstelt, zum anderen entsteht ein leider befruchtender Dialog.
Der Autor erläutert seine Methoden, wie man mit anderen gut und harmonisch zurecht kommt:
1) Beharre nicht auf deine eigenen Kriterien
2) Nimm dir von Anfang an vor, ein bisschen mehr als die anderen zu arbeiten
3) Akzeptiere die gegebene Situation möglichst optimistisch
4) Stell dir die Frage, bist du jetzt auf deine Aufgabe konzentriert
Es gibt auch ein paar Abschnitte, die in einer Versform dargestellt sind, ohne dass es sich jetzt dichtet. Aber gerade diese Textstellen ziehen den Leser ein einen Sog.
Über sechs Kapitel führt das Buch von der Pflege des Geistes zu Zeit, die man sich für sich nimmt bis dahin, das Leben zu genießen. Das ist etwas, was man nicht verschieben sollte.
Dazwischen gibt es noch Gedanken zu Freundschaft, Familie und Einsamkeit.
Unbedingt erwähnen muss man auch die schönen Illustrationen von KUSH.
Fazit: Ich glaube, dass das Buch eine Hilfestellung gibt, die Stille in dir zu finden.
Guter Tee mit reinem Wasser
Zen-Lehren der Teemeister von Nicolas Chauvat
Ich bin leidenschaftlicher Teetrinker, doch von dazugehörigen Zeremonien kenne ich wenig. Der Untertitel „Im Hier und jetzt Erfüllung finden“ zeigt aber, dass es hier mehr um etwas anderes geht.
Der französische Autor Nicolas Chauvat hat sich nicht nur an der Oberfläche mit Zen-Buddhismus beschäftigt.
Es gibt eine ganze Reihe relativ kurzer Texte, die ausgezeichnet formuliert sind und zum Nachdenken einladen.
Schon die Kapitelüberschriften leiten die Themen ein, zum Beispiel „Nichts ist sinnlos“, „Die richtige Geisteshaltung“ oder „Großes ist das Ergebnis vieler kleiner Bemühungen“. Aber auch „Wissen, was wirklich wichtig ist“ und „Erkennen, was man aht“.
Es werden auch kleine Übungen zu den angesprochen Lebenssituationen empfohlen und je nachdem, was einen beschäftigt, hören sie sich wirklich sinnvoll an.









