Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Eine französische Familie in den USA
Die Chance ihres Lebens von Agnès Desarthe
Das Buch erzählt die Geschichte von einer französischen Familie: Hector, Sylvie und der Sohn Lester, der gerne lieber Absolom Absolom genannt werden möchte.
Da Hector eine Gastprofessur an der Universität von South Carolina bekommen hat, ziehen sie für eine gewissen Zeit in die USA. Das ist besonders für Sylvie eine große Umstellung.
Doch auch Hector gerät auf Abwege und Lester findet eine ganz eigene Rolle für sich und seine Freunde.
Nicht nur die Figuren sind ein wenig eigenwillig, auch die Erzählart ist es. Sowohl die Familie als auch die Autorin empfinde ich als so liebenswürdig wie versponnen.
1949 in Deutschland
Trümmerschatten von Gerald Orthen
Das reizvolle an diesem Roman ist zum einen der Zeitpunkt der Handlung, 1949 in Deutschland. Es ist eine Besatzungszeit, in der noch viel in Trümmern liegt. Intakte Häuser wechseln sich mit Trümmerbergen ab.
Zum anderen bringen der Icherzähler und viele deftige Dialoge viel Schwung hinein. Die Erzählform ist gut gewählt.
Der Bonner Kommissar-Anwärter Eugen Kranzel ist auf dem Weg zum Inspektor, aber noch unerfahren. IN einer Nacht der Rufbereitschaft erhält er einen Anruf aus einem naheliegende Dorf. Ein Mann ist ermordet worden.
Der Zustand in den sich Kranzel befindet bestimmt die Handlung zum Teil mit. Schwer erkältet und liebeskrank nach der schwarzen US-Amerikanerin Lucy macht er sich auf den Weg ins Dorf, wobei einiges schief geht.
Gerald Orthen hat einen originellen Kriminalroman geschrieben, der mir gut gefallen hat. Er ist spannend, emotional und atmosphärisch.
bleibt in Ansätzen stecken
Narrenturm von Andrzej Sapkowski
Andrzej Sapkowski ist ein beliebter Autor, daher wollte ich ihn auch einmal lesen.
Der Ansatz von Narrenturm ist gut und umfangreich, aber ein wenig enttäuscht bin ich doch von der forcierten Leichtigkeit. Den Anfang finde ich sogar etwas albern. Reynevan wirkt zu naiv. Ein schwacher, kaum reflektierender Protagonist, der die Schwäche des Roman ist.
Mit der Zeit gewöhnt man sich an den parodistischen Ton.
Reynevan kommt man auf seiner Flucht weit rum und trifft viele Leute. Leider verschwindet so manche interessante Figur auch schnell.
Die Stärke des polnischen Autors liegt in den Beschreibungen, die dann zusammen mit den Dialogen tatsächlich ein mittelalterliches Feeling verbreiten.
Ermittlung in Montreal
Aus dem Schatten des Vergessens von Martin Michaud
Der Roman hat mich angezogen, da er in Montreal, Kanada angelegt ist, was ich interessant und reizvoll finde. Die Stadt wird auch wirklich gut eingesetzt, ich habe mehrfach nach Bildern der erwähnten Umgebung gegoogelt.
Dann ist auch der Stil mit vielen kurzen Sätzen und eindrucksvollen Sprachbildern sehr ansprechend, auch wenn es manchmal ein Adjektiv zu viel gibt und kitischeige Sätze auch nicht komplett vermeiden werden.
Zudem kommen gute Figuren hinzu. Nicht nur den Ermittler Vicor Lessard sondern auch seine Kollegin Jacinthe. Sie ist freimütig, herrlich ironisch und geradeheraus und damit die passende Ergänzung zu Sergent-Detective Lessard.
Auch kleine Nebenfiguren kommen zur Geltung, selbst wenn sie nur einen kurzen Auftritt haben und das ist schon ungewöhnlich. Das bietet nicht jeder Thriller.
Die Stimmung hat etwas düsteres, immer wieder durch die Einstellung der Protagonisten gemildert.
Der Kriminalfall selbst konnte mich weniger überzeugen und nicht besonders interessieren, aber irgendwas ist ja immer.
Das Spiel hat begonnen
Frostgrab von Allie Reynolds
Der bei Harper Collins erschienene Thriller Frostgrab hat schöne atmosphärische Momente, da er die Umgebung der Alpen mit den Gletschern etc. einsetzt. Im Mittelpunkt steht die Snowboarderin Milla. Aus ihrer Perspektive wird erzählt. Sie trifft sich mit alten Freunden: Curtis, Dale, Heather, Brent.
Sie alle sind begeisterte Sportler.
Doch es gibt eine latente Gefahr. Ihre Handys und Laptops werden gestohlen, so haben sie keinen Kontakt mehr zur Außenwelt. Und natürlich gibt es noch ein Geheimnis aus der Vergangenheit um Saskia, die dämonische Figur des Buches.
Sehr gut gefallen mir die Passagen, die zehn Jahre zuvor in der Vergangenheit angesiedelt sind und die Milla beim Snowboarden zusammen mit ihrer Konkurrentin Saskia und deren Bruder Curtis zeigen. Die Beschreibungen der Freestyle-Snowboard-Aktivitäten halte ich für ausgezeichnet.
Das Setting einer in sich abgeschlossenen Gruppe in Gefahr ist nicht neu, funktioniert aber ein weiteres mal. Bald verdächtigen sie sich alle gegenseitig.
Und nicht jeder von ihnen wird überleben.
Es gibt einige feine Spannungsmomente, obwohl der Thriller kein hohes Tempo hat. Doch durch die ständigen Wechsel der Erzählzeiten gibt es eine ganze Reihe von kleinen, wirkungsvollen Cliffhangern.
Allie Reynolds hat überwiegend glaubhafte Figuren geschaffen. Das trägt dazu bei, das man von dem Roman gepackt bleibt.
Erzählungen mit hohen Niveau
Geteilt durch Null von Ted Chiang
Band 1 hatte mich schon sehr überzeugt. Da konnte ich auch auf den zweiten Band nicht verzichten.
Der zweite Teil der gesammelten Geschichten hat einige auch schon ältere Geschichten. Manche sind nahezu berühmt. Zum Beispiel Der Turmbau zu Babel (Nebula Award) oder Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes (Nebula, Hugo, Locus Award etc.
).
Enthalten ist eine Kürzestgeschichte, die in einem Wissenschaftsmagazin erschienen war. Ehrlicherweise kann ich´nicht allzuviel damit anfangen, auch wenn ich eine gewisse Ironie erkenne.
Ganz anders geht es mir mit der großartigen Titelgeschichte „Geteilt durch Null“, die sich auf faszinierende Art mit Mathematik beschäftigt. Carl kümmert sich um die suizidgefährdete Renee. Sie ist Mathematikerin und hat einen unfassbaren mathematischen Beweis entdeckt.
Auch die Story Zweiunsiebzig Buchstaben beschäftigt sich mit ungewöhnlicher Wissenschaft, hat aber eine ganz andere Stimmung. Doch Ted Chiang hält durchgehend das Niveau.
Der Höhepunkt ist für mich aber Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes. Eine Geschichte, die das Erscheinen von Engeln und der Folgen zeigt.
Als Fazit kann ich sagen, dass diese beiden Bände mit Ted C hiangs Erzählungen der ganz große Wurf sind.
Der Meister der Novelle
Die große Stille von Ted Chiang
Ted Chiang ist der Meister der Science Fiction-Novellen.
Er verfügt über einen großen Ideenreichtum. Seien Erzählungen funktionieren aber auch, weil er stets eine geschickte Erzählform zu wählen vermag.
Das ist zum Beispiel in der ersten Erzählung „Der Kaufmann am Portal des Alchemisten“ eine orientalische Erzählweise inklusive der Geschichten innerhalb der Geschichte.
Das passt einfach gut zusammen.
Ganz anders ist die nächste Story Ausatmung gemacht. Sie wirkt auf mich wie ein Essay.
Ähnlich essayistisch wirkt die nächste, sehr kurze Story „Was von uns erwartet“ wird, die den Konflikt zwischen Freien Willen und Vorherbestimmung diskutiert.
Die nächste Story Der Lebenszyklus von Software-Objekten isdann so ölang, das man schon fast von einem Kurzroman sprechen kann.
Dann Daceys vollautomatisches Kindermädchen ersrteckt sich von 1894 bis 1966
Der Autor steht auch für Vielfalt. Ich habe ihn schon früher manchmal gelesen, da noch auf Englisch, aber jetzt bin ich froh über die Übersetzung.
Ted Chiang hat großartige Ideen.
Kein Wunder also das so einige seiner Erzählungen vielfach preisgekrönt sind
vielschichtig
Ada Roman. 12.10.2020. Hardback. von Berkel Christian
Christian Berkels autofiktionaler Roman zeigt das Leben in Deutschland in den fünfziger und sechziger Jahren.
Dabei sind die Lebensstationen offenbar real an Berkels Familiengeschichte ausgerichtet, so heißt auch Berkels Mutter Sala und hat die gleichen Erfahrungen gemacht. Der später geborene Sohn Sputnik hat schon früh ein Interesse an Schauspielerei und vermutlich ist er somit Berkels Ebenbild.
Aber die Figur Ada ist anscheinend fiktiv und exemplarisch.
Adas Lebens ist beeinflusst von Geschehnissen der Vergangenheit, über die geschwiegen wurde. Ihre jüdischen Wurzeln mütterlicherseits ist sie sich wenig bewusst.
Der Roman ist vielschichtig, reißt einige Themen an und zeigt viel von Deutschland.Es ging mir beim Lesen dann auch so, dass mich manche Passagen sehr interessierten, andere weniger.
Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Zu vermuten und zu wünschen ist
ein Buch, in dem Berkels Leben selbst erzählt wird.
Die Rache der Geier-Königin
Das Erbe der Vogelmenschen von Federica de Cesco
Federica de Cescos letzter Roman Der englische Liebhaber war sehr beeindruckend, daher wollte ich auch dieses neue Buch unbedingt lesen. Aber es hat ungewöhnliche Themen und einen anderen Ton. Darauf muss man sich erst einmal einlassen. Ich mag Federica de Cescos Stil.Sie hat eine bildreiche Sprache, die sie aber dezent einsetzt.
Der Roman lebt von den Figuren, insbesondere die junge Archäologiestudentin Leo. Auch Leos Großmutter spielt eine wichtige Rolle. Von ihr kommen einige Geschichten, die sie Leo erzählt und die den Roman mittragen.
Im Museum trifft Leo den Kunststudenten Kenan. Gemeinsam fliegen sie von der Schweiz in die Türkei, zu einem Fundort in der Wüste.
Gerade in diesen Passagen brilliert die Autorin mit ausgezeichneten Beschreibungen der Umgebung.
Am Ende bleibt aber doch das Gefühl, dass zu viele Themen nur angerissen bleiben. Dennoch, ein interessantes Buch.
Ein Beitrag zur Erinnerungskultur
Die verratene Generation von Christian Hardinghaus
Christian Hardinghaus führte Interviews mit Frauen zwischen 87 und 100 Jahre, daraus entstand diese Buch.
Schon das Vorwort ist eindringlich und macht deutlich, wie wenig die Ereignisse der Zeit im Detail im Bewusstsein sind. Der Titel des Anfangskapitel „Die Deutsche Angst vor der Erinnerung“ ist wohl doch zutreffend.
Dann folgen die Geschichten der Frauen, wobei auch immer wider Fotos eingebunden werden. Da es so einige sind, kann ich hier nicht ins Detail gehen.
Aber ich kann sagen, dass ihre Geschichten und ihre Erfahrungen den Leser nicht kalt lassen.











