Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Fränkischer Ritterroman, Teil 1
Die große Fälschung von P. M.
Die große Fälschung ist ein großer Ritterroman. Tuckstett ist der erste Teil einer 10teiligen Reihe, also wird es ein mächtiges Werk. Das hat aber auch zufolge, dass man bei Teil 1 den Eindruck hat, praktisch nur eine Leseprobe zu lesen. Einiges wird angerissen.
Angesiedelt ist die Geschichte im Jahr 998, jedoch wird das schnell gebrochen, indem Versatzstücke der Zukunft, unsere Gegenwart, gegenwärtig ist.
Damit scheint indirekt eine Gesellschaftskritik unserer Zeit vorzuliegen. Ein wenig ratlos bleibe ich als Leser dabei.
Was gut funktioniert ist der Ton des Romans, der durch die amüsante Erzählstimme von Ritter Rudolf von Gardau getragen wird.
Auf dem Weg zu einem harmonischen Leben
In der Stille findet das Glück dich leichter von Haemin Sunim
Der koreanische Zen-Mönch Haemin Sunim beschäftigt sich in diesem Buch mit der Stille, die so wichtig für den Menschen ist und die gerade heutzutage oft schwer erhältlich ist. Mit Stille ist natürlich nicht nur Lautstärke gemeint. Zu viel Ablenkung und äußere Einflüsse lassen einen nie zur Ruhe kommen.
Ich denke, vielen geht es so.
Haemin Sunim schreibt so, wie er sich auch mit einem unterhalten würde. Das gefällt mir gut. Zum einem ist es angenehm ungekünstelt, zum anderen entsteht ein leider befruchtender Dialog.
Der Autor erläutert seine Methoden, wie man mit anderen gut und harmonisch zurecht kommt:
1) Beharre nicht auf deine eigenen Kriterien
2) Nimm dir von Anfang an vor, ein bisschen mehr als die anderen zu arbeiten
3) Akzeptiere die gegebene Situation möglichst optimistisch
4) Stell dir die Frage, bist du jetzt auf deine Aufgabe konzentriert
Es gibt auch ein paar Abschnitte, die in einer Versform dargestellt sind, ohne dass es sich jetzt dichtet. Aber gerade diese Textstellen ziehen den Leser ein einen Sog.
Über sechs Kapitel führt das Buch von der Pflege des Geistes zu Zeit, die man sich für sich nimmt bis dahin, das Leben zu genießen. Das ist etwas, was man nicht verschieben sollte.
Dazwischen gibt es noch Gedanken zu Freundschaft, Familie und Einsamkeit.
Unbedingt erwähnen muss man auch die schönen Illustrationen von KUSH.
Fazit: Ich glaube, dass das Buch eine Hilfestellung gibt, die Stille in dir zu finden.
Guter Tee mit reinem Wasser
Zen-Lehren der Teemeister von Nicolas Chauvat
Ich bin leidenschaftlicher Teetrinker, doch von dazugehörigen Zeremonien kenne ich wenig. Der Untertitel „Im Hier und jetzt Erfüllung finden“ zeigt aber, dass es hier mehr um etwas anderes geht.
Der französische Autor Nicolas Chauvat hat sich nicht nur an der Oberfläche mit Zen-Buddhismus beschäftigt.
Es gibt eine ganze Reihe relativ kurzer Texte, die ausgezeichnet formuliert sind und zum Nachdenken einladen.
Schon die Kapitelüberschriften leiten die Themen ein, zum Beispiel „Nichts ist sinnlos“, „Die richtige Geisteshaltung“ oder „Großes ist das Ergebnis vieler kleiner Bemühungen“. Aber auch „Wissen, was wirklich wichtig ist“ und „Erkennen, was man aht“.
Es werden auch kleine Übungen zu den angesprochen Lebenssituationen empfohlen und je nachdem, was einen beschäftigt, hören sie sich wirklich sinnvoll an.
Der unglaubliche Gesang des Troubadix
Asterix - Der Goldene Hinkelstein von René Goscinny; Albert Uderzo
Der Goldene Hinkelstein ist ein etwas anderer Asterix-Band. Die Vorgeschichte ist ja bekannt. Aber, wenn man bedenkt, dass die Story von 1967 stammt und doch irgendwie zeitlos geblieben ist, das ist schon etwas besonderes.
Die Grundidee, dass Troubadix an einem Gesangswettbewerb teilnimmt, ist originell.
Zusammen mit Asterix und Obelix macht er sich auf den Weg und ist sehr von sich überzeugt. Asterix ahnt aber schon, dass es Ärger geben wird.
Leider werden ein wenig zu viele bekannte Zutaten verwendet, die man schon zu kennt. Man denkt schon an ein paar Stellen, immer das selbe.
Außerdem wird die Story mit der Zeit doch sehr harmlos. Die Versatzstücke der Story sind einfach zu erwartbar.
Aber gezeichnet ist das Band wundervoll, vor allen, wenn die ganze Komplexität mit einer Illustration auf einer Doppelseite eingesetzt wird.
Eine literarische Explosion
Speedy - Skizzen von Florian Havemann
Speedy – Skizzen ist nicht nur eine literarische Explosion sondern auch ein Porträt des umstrittenen Malers Rudolf Schlichter
Sein Werk war ungewöhnlich und wurde teilweise als entartet gebrandmarkt.
Er war u.a. mit Ernst Jünger und äBrecht bekannt.
Ausgangspunkt ist eine dreimonatige Haft 1938, wegen unnationales Verhalten.
Erzählt wird konsequent aus der Perspektive des Malers.
Im Mittelpunkt steht seine Beziehung zu seiner Frau Speedy, die von sadomasochistischen Verhalten geprägt ist.
Der Roman leidet an einer Überlänge, die aber durchaus ertragbar ist, da man sich in einem großen Lesesog befindet.
Klemperers Kinotagebuch
Licht und Schatten von Victor Klemperer
Dieses Kinotagebuch zeigt über einen längeren Zeitraum (1929 bis 1945) wie ein kritische Intellektueller die Kinolandschaft in Deutschland wahrgenommen hat.
Früher habe ich mich viel mit dem frühen deutschen Film beschäftigt und wenn ich auch sehr viele der erwähnte Filme überhaupt nicht kenne, verstehe ich doch, von was Klemperer spricht und welche Filmstars damals bedeutend waren: Emil Jannings, Fritz Kortner, Greta Garbo, Marlene Dietrich, Pola Negri
Ein wenig Interesse für die alten Filme sollte man als Leser schon mitbringen, um viel von dem Buch zu haben.
Klemperers Bewertungen sind konsequent und, so glaube ich, kenntnisreich.
Klemperer sieht auch internationale Filme, z.B. Charlie Chaplins Großstadtlichter. Sehr schöne Analyse von Klemperer.
Ein Highlight wird dann für ihn der berühmte Film Im Westen nichts neues. Dann mit Der blaue Engel noch eins.
1933 ändert sich die logischerweise die Stimmung mit Judenhetze und Verlesung von Judengesetzen, aber noch gibt es gute Filme, z.B. Menschen im Hotel, wirklich gut besetzt, u.a. mit der Garbo.
Die Lage in Deutschland verdüstert sich immer mehr. Ab 1938 dürfen Juden nicht mehr ins Kino. Dann kommen die Kriegsjahre. Erst nach der Befreiung kann Klemperer wieder ins Kino.
Klemperers Tagebücher sind so lesenswert, weil sie den Zustand Deutschlands in seiner schlimmsten Zeit deutlich zeigen.
Deutsche Literatur
Herzenssache von Gerhard Wolf
Gerhard Wolf war der Mann von Christa Wolf, der großen Schriftstellerin.
Er war stets an ihrer Seite und unterstütze sie und ihr Werk. Außerdem engagiert er sich für viele andere Schriftsteller. In diesem Buch schreibt er über die Begegnungen mit einer Reihe von ihnen.
Ich hatte, ehrlich gesagt, auf mehr Christ Wolf gehofft, so außer Gesprächen und ein paar Briefen gibt es wenig von ihr.
Dennoch bleibt sie irgendwie immer auf eine spirituelle Art und Weise dabei.
Im Buch gibt es die offiziellen Reden und Ansprachen, zum Beispiel über Walter Jens. Noch stärker sind die Abschnitte über vielleicht nicht ganz so bekannte Persönlichkeiten, z.B. das lange Memorial über die Holocaust-Überlebende Franci Faktorova.
Der Schrei der Ratten
Kreuzberg Blues von Wolfgang Schorlau
Kreuzberg Blues ist tatsächlich ein richtiger Berlin-Roman, wie ich es mag.
Die Stadt hat ihre guten wie schlechten Seiten , vor allen aber Atmosphäre, die in diesem Buch auch rüberkommt.
Beim Privatermittler Georg Dengler läuft es ganz gut. Zu seinen neuen Fall kommt er über Silke, eine Bekannte seiner Freundin Olga.
Sie hat Probleme mit ihren Vermieter, der seine Mieter mit unfairen Mitteln rausdrängen will. Das liest man, wenn man selbst Mieter ist, mit Grausen.
Die Mitproblematik ist sicher einer der schlechten Seiten Berlins.
Es gibt einige drastische Szenen mit Ratten.
Dengler zögert nicht und ermittelt zusammen mit Olga beim Immobilienhai Kröger.
Ich mag Dengler und Olga als Team.
Wolfgang Schorlaus Erzählstruktur funktioniert. Es gibt viele kurze Kapitel. Führend sind die Kapitel mit dem durchnummerierten Titel Ermittlungen, er setzt aber z.B. auch Rückblenden ein, bei dem auch eine Reihe anderer Figuren gut zur Geltung kommen.
Ungewöhnlich, aber durchaus gelungen sind die letzten Abschnitte, die mitten in der aktuellen Situation in Deutschland platziert sind.
Schicksal oder der Zauber des Zufalls
Die Farbe von Glück von Clara Maria Bagus
Clara Maria Bagus erzählt in einem geschmeidigen Stil von Momenten, die das Leben von Menschen nachhaltig beeinflussen.
Es ist eine Geste des Mitfühlens gewesen, als Charlotte den kleinen Antoine bei sich aufnimmt, nachdem der von seiner Mutter verlassen wurde.
Dadurch macht sie sich aber auch verletzbar.
Der Richter Jules zwingt sie, die als Krankenschwester arbeitet, sein neugeborenes krankes Baby gegen ein anderes auszutauschen. Eine Tat, die schwer wiegt.
Man folgt als Leser aber nicht nur Charlotte und Antoine sondern jetzt auch Jules, der mit seiner Schuld nur schwer leben kann.
Es ist ein melodramatischer Roman mit philosophischen Gehalt. Die Figuren versuchen stets ihr Leben und ihr Schicksal zu verstehen. Es gibt einige schöne Gedanken, manche Sätze sind aber auch wie aus Glückskekse.
Es gibt dann ein paar Begegnungen, die nicht mehr Zufall sein können. Das verursachte bei mir ein wenig Zweifel an der Wahrscheinlichkeit.
Davon mal abgesehen ist es ein sehr lesbares Buch.
eine verdüsterte Zeit
Olympia Der achte Rath-Roman. 02.11.2020. Hardback. von Kutscher Volker
Volker Kutschers Romane der Gereon Rath-Reihe sind mehr als Krimis. Sie zeigen Berlin in einer dunklen Zeit. Das trifft besonders auf diesen Teil zu, denn ist 1936 und die Nationalsozialisten üben ihre Schreckensherrschaft unerbittlich aus. Als Kriminalkommissar muss Rath sich auch irgendwie arrangieren.
Es ist auch die Zeit der Olympiade und das gibt den reizvolle Hintergrundschauplatz.
Neben Gereon (der in diesen Teil erstaunlich wenig dominant ist) ist Charly, die jetzt seine Frau ist, eine ganz starke Figur. Aber auch Fritze, der jetzt für die Olympiade arbeitet, ist weiterhin eine spannende Figur. Er ist einer meiner Lieblingscharakter der Reihe.
Olympia ist ein gutes und durchaus komplexes Buch, doch eine gewisse Distanz hatte ich beim Lesen und so wie frühere Teile hat es mich nicht erreicht. Ich kann daher nur 3,5 von 5 Sternen geben.











