Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Einseitige Geschichten
Max Kersting. Einseitige Geschichten; .
Das Schriftbild von Max Kersting einseitigen Geschichten ist grauenvoll und abschreckend und nicht die einzige Hürde zum Zugang zu den Texten. Um einen literarischen Stil bemüht sich der Künstler nicht.
Es gibt bemerkenswertes, zum Beispiel die Streichungen, durchgestrichene Wörter die noch ersichtlich, aber nicht lesbar sind.
Ein paar mal gibt es auch (recht primitive) Zeichnungen.
Ich muss zugebe, dass mir letztlich der Zugang zu den Geschichten fehlt. Aber ein paar Einfälle von Max Kersting haben mir am Ende schließlich doch gefallen.
Der Vorhang geht auf
Das ganze Leben ist Begegnung von Katja Ebstein
Katja Ebstein war in den siebziger und frühen Achtziger Jahren eine sehr bekannte Sängerin. In ihrer Autobiografie erzählt sie von der Flucht aus Schlesien als sie noch Baby war und ihren Bekanntschaften mit Benno Ohnesorg und Rudi Dutschke. Sie engagierte sich für Willy Brandt. Soziales Engagement ist für ie selbstverständlich.
Ihr sind Begegnungen mit den Menschen wichtig. Obwohl christlich geprägt ist sie auch beeindruckt vom Dalai Lama. Sie traff auch Nelson Mandela.
Auf ihr eigenes musikalisches Werk geht sie in diesem Buch wenig ein, dafür schreibt sie einen langen Abschnitt über Hildegard von Bingen und ein Kapitel über Heinrich Heine sowie eins über Franz von Assisi.
Zwar ist der Stil eher ruhig und wenig beschwingt, aber dafür auch ohne Übertreibungen und Selbstbeweihräucherung.
außergewöhnlich
Autistic Disco von Katja Ebstein
Diesem Fotobuch ist ein Vorwort von Simon Strass vorangestellt, in deutscher und englischer Sprache. Strauß spricht vom Menschsein und von Emotionen. Er zitiert sogar Gottfried Benn (auf seinen Bildern „fällt einen die Leere an“), was mir in dem Zusammenhang gut gefällt und er zählt einiges an Eidingers Fotos auf, das bemerkenswert ist.
Eidingers Fotos sind ungewöhnlich, haben immer eine Merkwürdigkeit im Blick. Man ist als Betrachter verblüfft und benötigt oft ein zweites Anschauen, um zu verstehen.
Umfassende Analyse
Die Zerstörung Amerikas von Elmar Theveßen
ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen ist Experte für die USA und bekannt für seine klaren Feststellungen. Er fasst in seinem Buch das Treiben Donald Trumps zusammen. Er reist auch durch Länder mit vielen Trumpwählern, die Anhänger bleiben.
Der Untertitel „Wie Donald Trump sein Land und die Welt für immer verändert“ ist zweifellos zutreffend.
Es wird vermutlich nie mehr in der amerikanischen Politik wie vor Trump. Künftigen Populisten wird einfacher fallen ins gleiche Horn zu stoßen.
Die Stärke des Buches ist der umfassende Ansatz, was zu einem aussagefähigen Gesamteindruck führt!
Arm trifft reich
Super reich von Polly Horvath
Super reich ist ein Buch für Leser ab ca. 10 Jahren von der in Kanada lebenden Schriftstellerin Polly Horvath. Das Buch beeindruckt durch ein schön gezeichnetes Cover.
Der 10jährige Rupert lebt in einer sehr armen Familie.
Durch Zufall gerät er an Weihnachten an die wohlhabende Familie Rivers.
Rupert ist von deren Reichtum beeindruckt, aber wie diese exzentrische Familie ihn behandelt, war schon unangenehm zu lesen. Es hatte etwas übergriffiges und man war geradezu unangenehm berührt. Das spricht natürlich nicht direkt gegen das Buch, denn skurrile Figuren haben auch etwas reizvolles, aber etwas übertrieben fand ich das beschriebene Verhalten und die Dialoge schon.
An überraschenden Einfällen mangelt es nicht. Neben einer Zeitreise gibt es auch einen Banküberfall samt Entführung, dann sogar noch ein Geheimagent. Vielleicht ein wenig viel auf einmal, aber die Autorin gestaltet es einigermaßen ausgewogen.
Eine amerikanische Ikone
Sempre Susan von Sigrid Nunez
Ich mochte schon Sigrid Nunez Roman Der Freund sehr und das gilt auch für ihre Erinnerungen an Susan Sontag, die sie schon 2011 verfasste.
Von der 2004 verstorbenen Essayistin und Autorin Susan Sontag habe ich viel gehalten, daher ist dieses Buch für mich ein Geschenk.
Sigrid Nunez war Susan Sontags Assistentin und Freundin ihres Sohnes.
Sie ist selbst eine erfolgreiche Autorin, mit sehr individueller Note, also ganz ähnlich wie ihre Mentorin.
Nunez startet hier keine Verherrlichung von Susan Sontag sondern zeichnet ein sehr realistische Porträt der amerikanische Ikone Susan Sontag, die so klarsichtig über amerikanische Verhältnisse schrieb. Dabei benennt sie auch Schwächen, die Sontag umso menschlicher für den Leser machen.
Geschmeidiger Stil
Sempre Susan von Sigrid Nunez
Albas Sommer (Originaltitel: Historia de una Flora)ist ein Roman der 1875 in Aragonien angesiedelt ist. Die Hauptfigur Alba ist an eine reale Figur angelehnt, der Botanikerin Blanca Catalan de Ozon y Gayola. Das Buch zeigt den den anfänglichen Werdegang der talentierten Alba, gefördert von ihrer Mutter.
Gepaart ist dieser Lebenslauf mit einer fiktiven Liebesgeschichte.
Die in Barcelona geborene Autorin Claudia Casanova verfügt über einen wunderbar flüssig zu lesenden Stil. Die Seiten fliegen beim Lesen nur so vor sich hin.
Mit der Entwicklung des Buches geht auch eine Entwicklung der jungen Hauptfigur überein.
Ein starker Triest-Roman
Die Liebenden von der Piazza Oberdan von Christian Klinger
Ein großartiger Triest-Roman von Christian Klinger für den Picus-Verlag.
Zu Beginn haben es die Hauptfiguren schwer.
Es gibt 2 zeitlich versetzte Handlungsstränge.
1945 ist Pino in Gefangenschaft. Pino und seine Verlobte Laura sind die titelgebenden Liebenden.
Vittorio Robusti ist 1916 an der Front und wird verletzt.
Doch er überlebt und an seiner Seite begleitet der Leser das Schicksal Italiens und insbesondere Triest.
Es gibt einige gute Beschreibungen der Umgebung. Triest ist eine Stadt, die bis 1918 Teil der Habsburger Monarchie war, dann zu Italien fiel und deren Bewohner oft zwiegespalten waren, wo sie dazugehören. Das spaltete sogar Familien.
Betrachtet wird auch der Aufstieg Mussolinis.
Die Handlung bleibt nahe bei der Familie Robusti, wobei erzählerisch zeitlich hin- und her gesprungen wird. Es sind gute Hauptfiguren, die dem Leser schnell ans Herz wachsen. Auch an ihrem Schicksal werden die geschichtlichen Vorgänge abgebildet.
Die Kapitel, in denen der Sebi erzählt
Der Halbbart von Charles Lewinsky
Die Handlung von Der Halbbart ist im frühen 14.Jahrhundert angelegt und der Schweizer Schriftsteller Charles Lewinsky erzeugt auch sprachlich ein Gefühl für die Zeit.
Der Roman wird durch die Erzählperspektive geprägt.
Der Erzähler Sebi ist ein naiver Junge, der aber auch manchmal ganz klug und vernünftig sein kann.
Er ist fasziniert vom neuen Einwohner der Gegend, dem Halbbart. So wird ein kluger, welterfahrener Mann genannt, dem aufgrund von Brandwunden im Gesicht nur auf einer Gesichtshälfte ein Bart sprießt.
Für Sebi ist er ein Quell des Wissens. Erst nach einer Weile erfährt der Leser auch mehr vom Schicksal des Halbbarts.
Es ist ein umfangreicher Roman und die Ironie erinnert mich ganz leicht an Thomas Manns Joseph und seine Brüder. Auch Charles Lewinsky nutzt einen charismatischen Plauderton, allerdings sehr genau ausgeführt, um die Geschichte des Dorfes und seiner Einwohner, des Halbbarts und Sebis und seinen Brüdern zu erzählen.
Es ist amüsant, aber es gibt auch ernste Themen.
Und am Ende ist es auch eine Coming-of-Age-Geschichte, die Sebis Weg zeigt. Er taugt weder zum Soldat noch zum Mönch. Er ist kein mutiger Junge, aber wenn es darauf ankommt, ist er da und schließlich weiß er, was er will. Es ist eigentlich unmöglich diesen Protagonisten nicht zu mögen.
stimmungsvoll und überzeugend
Unter uns das Meer von Amity Gaige
Eine Familie, die für ein Jahr aus dem Alltag aussteigt und mit einem Segelboot durch die Karibik segelt.
Treibende Kraft ist Michael. für ihn ist es ein großer Traum, schon mit seinem früh verstorbenen Vater war er oft segeln. Seine Frau Juliet hatte Zweifel an diesem Abenteuer. Dennoch, sie nehmen ihre 2 Kinder mit und los gehts.
Die Erählweise ist geschickt gemacht. Erzählt wird einerseits von Juliet, dazwischen sind immer wieder Ausschnitte aus dem Logbuch, das Michael führt und in dem in erster Linie private Gefühle stehen.Es ist also eigentlich mehr ein Tagebuch.
Die Reise ist tatsächlich paradiesisch, besonders die Tochter Sybil genießt das Leben auf der Yacht, das Meer und die Freiheit. Das naseweise Mädchen wird schnell meine Lieblingsfigur, aber natürlich mag ich alle Figuren! Das heißt aber nicht, dass sie einfache Typen sind.
Zwischen Juliet und Michel gibt es immer wieder Konflikte. Sie schleppen einiges an emotionalen Ballast mit sich. Im Verlaufe des Buches erfährt der Leser mehr.
Für mich ist es ein sehr gutes Buch, weil man sowohl Juliets als auch Michaels Gedanken und Emotionen kennenlernt und verstehen kann. Interessant wird es auch, als Juliet später das Logbuch von Michael liest und im Rückblick Ereignisse wertet.
Die amerikanische Autorin Amity Gaige hatte ich vorher noch nie gelesen. Sie ist eine gute Entdeckung für mich.










