Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Eigenwillig
Briefe von Klara von Tove Jansson
Die 1914 in Helsinki geborene Autorin Tove Jansson hatte mit Briefe von Klara 1991 ein Erzählungsband geschrieben, dass sich durch eigenwillige Figuren und Bissigkeit auszeichnet.
Ein besonderer Ton kennzeichnet die Erzählungen.
Die Heldin der Titelgeschichte ist typisch für Tove Janssons Ansatz.
Klara akzeptiert nicht die Mittelmäßigkeit und lässt ihre Briefpartner das auch ungeschminkt wissen.
Nicht nur Klara ist eine interessante Figur. Den Figuren werden ihre Eigenheiten gelassen, z.B. der Kunststudent Robert in der gleichnamigen Erzählung.
Tove Jansson hatte ein Talent für skurrile Szenen, z.B. beim Ende der Erzählung Der Seerosenteich.
Abschließend möchte ich noch meine Lieblingsstory „Im Sommer“ erwähnen, die neun Kapitel umfasst und die Gedanken eines fantasievollen Kindes zeigt.
Es tut wirklich gut, mal Erzählungen zu lesen, die sich den erwartbaren entziehen.
Solide Kost
Sullivans Gesetz/ Sullivans Rache/ Dunkler Garten von Nancy Taylor Rosenberg
Die 2017 verstorbene amerikanische Schriftstellerin Nancy Taylor Rosenberg war ein moderner Klassiker der amerikanischen Thrillerliteratur.
Vor Jahren habe ich ein paar ihrer Romane sehr gerne gelesen.
Lobenswert, dass ihre Trilogie um die Bewährungshelferin Carolyn Sullivan in einem Gesamtband erscheint.
Enthalten sind:
Sullivans Gesetz
Sullivans Rache
Dunkler Garten
Ich habe alle 3 Romane angelesen, um schnell zu einer Meinung zu kommen. Am meisten habe ich mit Dunkler Garten von 2006 auseinandergesetzt, der meiner Meinung nach der beste Teil der Reihe ist.
Carolyn Sullivan lebt in der US-amerikanischen Kleinstadt Ventura in Kalifornien, sie ist alleinerziehende Mutter und Bewährungshelferin. Ihre Klienten sind schwere Fälle.
Die Thriller sind sehr amerikanisch und haben einen vergleichbaren, leicht formelhaften Aufbau.
Einige Passagen wirken durchaus realistisch. Insgesamt sind die Thriller etwas zu routiniert gemacht. Als Thrillerleser ist man zufrieden, aber nicht umgehauen, da die Plots nicht dramatisch genug sind. Insgesamt bleibt die Reihe hinter meinen Erwartungen zurück.
Dafür finde ich das Porträt einer berufstätigen amerikanischen Frau als alleinerziehende Mutter zweier Kinder durchaus glaubwürdig und lesenswert.
Tennis und Literatur
Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht von Andrea Petković
Die Tennisspielerin Andrea Petkovic hat eine bemerkenswerte Karriere, aber auch Literatur bedeutet ihr viel. Sie erzählt in diesem wirklich hervorragenden Buch von ihrem Leben als Tennisspielerin und ihren Empfindungen dabei. Sie beobachtet den Sportbetrieb genau und detailliert. Da sie das mit einer großen Energie und einer gesunden Portion Selbstironie tut, wird das Buch mehr als eine Autobiografie, es wird Literatur.
Wesentliche Momente sind Begegnungen, z.B. mit anderen Tennisspielerinnen. Viele ihrer Kolleginnen sind sehr verschieden.
Sozialkritische Ansätze kann man ableiten, wenn Andrea darüber schreibt, wie Tennisspielerinnen wahrgenommen werden, z.B. Aburteilung des Aussehens in sozialen Medien.
Immer wieder schreibt Andrea über die Wirkung von Literatur anhand von Beispielen, wie sie die Lektüre empfand. Das geht von Dostojewskis Schuld und Sühne hin zu David Foster Wallace Bücher und zu Roberto Bolano, einem Gedicht von Robert Frost und viele andere. Diese Passagen habe ich besonders gerne gelesen.
Andrea Petkovic hat den Mut, verschiedene Sachen auszuprobieren, ohne den Tennissport deswegen aufzugeben. So begleitet sie einmal eine Rockband auf Tour um darüber eine Reportage zu schreiben.
Packend sind aber auch die Beschreibungen ihrer häufigen Sportverletzungen und wie schwer es war, dann wieder zu kommen. Doch sie schaffte es. Und sie schaffte auch dieses Buch!
Luc Verlain im Baskenland
Baskische Tragödie von Alexander Oetker
Baskische Tragödie ist der vierte Aquitane-Krimi um Commissaire Luc Verlain. Teile des Buches spielen sich in San Sebastian ab. Es gibt einige reizvolle Landschaftsbeschreibungen.
Luc hat diesmal einen besonders kritischen Fall. Ein fünfjähriger Junge findet am Strand eine Substanz, von der er probiert, doch es war Kokain.
Dann wird Luc plötzlich selber verhaftet. Das ist unerwartet und überrascht den Leser. Bald ist Luc auf der Flucht. Klar, das Luc etwas angehangen wurde. Wer ist das, der da sein Spiel mit Luc spielt? Schließlich stellt sich heraus, dass die Vergangenheit dabei eine Rolle spielt. Diese Passagen sind gut gemacht und erzeugen Spannung. Ich finde, Alexander Oetker hat sich in der Krimi-Reihe inzwischen gesteigert.
Ein Roman wie eine Dampfwalze
Love & Bullets von Nick Kolakowski
Nick Kolakowski ist ein amerikanischer Schriftsteller und das merkt man seiner Prosa an. Die Bonny und Clyde-Motive sind offensichtlich.
Das Buch Love & Bullets hat viele komische und unterhaltsame Momente. Mein Problem ist, dass Bill und Fiona für mich als Figuren nicht funktionieren.
Wenn man sich von diesem Anspruch verabschiedet, bleibt immerhin noch ein oftmals rasantes Buch mit einigen kraftvollen Passagen und das ist ja auch schon was.
Nick Kolakowski drückt aufs Tempo. Der unleugbar vorhandene Erzähl-Drive nutzt sich aber über die gesamte Länge des Romans langsam ab.
Einen guten erzählerischen Kniff wendet Nick Kolakowski mit den Zwischenspielen zwischen den 3 Akten an, da dort die Figuren tiefer dargestellt werden, zum Beispiel Fiona als Schülerin.
Es sind also schon gute Ansätze da, die aber nicht reichen, mich von dem Buch zu überzeugen. Aber vielleicht schafft der Autor das bei seinem nächsten Roman.
Niveaulos
Der Erste von uns von Thomas Pregel
„Der erste von uns“ ist ein Roman, der eigentlich über einen Verlust gehen sollte, der dann doch nicht erkennbar ist.
Man ist fassungslos über ein so unfassbar schwaches Buch. Auf jeder Seite Sätze zum Fremdschämen.
„Und was?“ bellte Rolf…
„Trotzdem frage ich mich manchmal“ plapperte Rolf drauflos…
„Armin seufzte langanhaltend“
„Ich muss mal pinkeln“
„Es platzte aus ihm heraus wie Eiter aus einem Pickel“
„Ich verstehe nicht ganz“ piepste Gundula kläglich.
usw.
So ein niedriges Niveau kannte ich bisher nicht! Man ist beim Lesen peinlich berührt.
Was ist das für ein Verlag, der so etwas veröffentlicht?
niederländische Literatur
Verlangen von Bregje Hofstede
Die niederländische Literatur habe ich schon immer gemocht, doch die jüngere Generation von ihnen kenne ich wenig, Bregje Hofstede gehört zu ihnen und sie hat offensichtlich außerordentliches Talent.
Interessanterweise heißt die Icherzählerin und Hauptfigur des Romans Bregje, wie die Autorin.
Das lässt natürlich ein Spiel mit Realität und Fiktion zu.
Neben der Selbstbetrachtung ist es auch ein intensiver Blick auf eine langjährige Liebesbeziehung.
Bregje und Luc kennen sich schon aus der Schule und sind lange ein Paar.
Aber Bregje hat Probleme mit sich selbst. Schlaflosigkeit, Unruhe, fühlt sich elend.
Diese Beziehung scheint am Anfang des Buches am Ende, denn sie verlässt Luc. Rückblickend wird ihre Geschichte erzählt.
Als Leser versucht man herauszufinden, was los ist. Es wird so sensibel geschildert, dass man mitleidet. Das ist eine große literarische Qualität. Auffällig ist außerdem der eigenständige Ton der Autorin.
Ausdrucksstark
Gesichter von Vita Sackville-West; Laelia Goehr
Gesichter - Portraits einiger Hunde von Vita Sackville-West ist ein erstmals 1961 erschienenes Buch, das für Hundefans einfach nur wundervoll ist.
Ausgehend von originellen Fotos (schwarzweiß, von Laelia Goehr) werden Hunderassen vorgestellt. Dabei hat die exzentrische Autorin Vorlieben und eigenständige Meinungen, die man nicht unbedingt teilen muss.
Man muss außerdem berücksichtigen, dass die Beiträge aus einer anderen Zeit stammen. Einige ihrer Ansichten kann ich aber sehr teilen, zum Beispiel die Kritik daran, wie klein manche Zwergrassen noch gezüchtet werden sollen. Auch prangert sie einige brutale Maßnahmen von Hundebesitzern an, die ihre Tiere für Wettkämpfe einsetzen.
Die Fotos sind ausdrucksvoll und inspirierten Vita Sackville-West zu ihren kurzen, aber bestimmten und eigenständigen Beiträgen.
Wer Hunde mag, dem sei dieses Buch empfohlen.
Ein mutiges Buch über Identitäten und Verlusten
TAXI von Cemile Sahin
Taxi ist ein unkonventioneller Roman. Ein Mann übernimmt eine Rolle. Er mimt den im Krieg verschollen Sohn, dessen Platz er bei der Mutter einnimmt. Rosa Palot hat ihn engagiert und die Kapiteln entsprechen Episoden einer Serie, die im realen Leben stattfindet. Ein Leben wie im Film.
Der Schauspieler geht in seiner Rolle ganz und gar auf und scheint bald keine eigene Identität mehr zu haben.
Akzeptiert wird er überraschenderweise auch von Palots Freundin Esra.
Neben dem absurden Humor kennzeichnet den Roman auch eine außergewöhnliche Härte, die sich aus den Themen Krieg, Mord und Folter ergibt.
Cemile Sahin schreibt ihren Debütroman über ein Experiment, das sich auch sprachlich überträgt.
emotional
Der Moment zwischen den Zeiten von Marta Orriols
Es handelt sich um einen gelungenen Debütroman einer katalanischen Autorin. Die Handlung ist in Barcelona angesiedelt.
Hier lebt die Kinderärztin Paula seit Jahren mit ihrem Lebensgefährten Mauro zusammen, bis er plötzlich mit ihr Schluß macht und kurz darauf bei einem Unfall tödlich verunglückt.
Paula ist geschockt. Diese Art von Abschied lässt sie in ein großes Loch fallen, in der Trauer und Loslassen nicht einfach möglich ist.
Der Roman ist so geschrieben, das man als Leser an Paulas Gedanken und ihrem emotionalen Zustand teilnimmt.
Was sie aufrechterhält ist ihr Dienst in der Klinik, in der sie sich besonders um eine kleinen kranken Jungen kümmert.
Ich glaube, der Autorin ist eine gute und glaubhafte Zustandsdarstellung gelungen. Gerne würde ich weitere Bücher von ihr lesen.











