Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Ausdrucksstark
Gesichter von Vita Sackville-West; Laelia Goehr
Gesichter - Portraits einiger Hunde von Vita Sackville-West ist ein erstmals 1961 erschienenes Buch, das für Hundefans einfach nur wundervoll ist.
Ausgehend von originellen Fotos (schwarzweiß, von Laelia Goehr) werden Hunderassen vorgestellt. Dabei hat die exzentrische Autorin Vorlieben und eigenständige Meinungen, die man nicht unbedingt teilen muss.
Man muss außerdem berücksichtigen, dass die Beiträge aus einer anderen Zeit stammen. Einige ihrer Ansichten kann ich aber sehr teilen, zum Beispiel die Kritik daran, wie klein manche Zwergrassen noch gezüchtet werden sollen. Auch prangert sie einige brutale Maßnahmen von Hundebesitzern an, die ihre Tiere für Wettkämpfe einsetzen.
Die Fotos sind ausdrucksvoll und inspirierten Vita Sackville-West zu ihren kurzen, aber bestimmten und eigenständigen Beiträgen.
Wer Hunde mag, dem sei dieses Buch empfohlen.
Ein mutiges Buch über Identitäten und Verlusten
TAXI von Cemile Sahin
Taxi ist ein unkonventioneller Roman. Ein Mann übernimmt eine Rolle. Er mimt den im Krieg verschollen Sohn, dessen Platz er bei der Mutter einnimmt. Rosa Palot hat ihn engagiert und die Kapiteln entsprechen Episoden einer Serie, die im realen Leben stattfindet. Ein Leben wie im Film.
Der Schauspieler geht in seiner Rolle ganz und gar auf und scheint bald keine eigene Identität mehr zu haben.
Akzeptiert wird er überraschenderweise auch von Palots Freundin Esra.
Neben dem absurden Humor kennzeichnet den Roman auch eine außergewöhnliche Härte, die sich aus den Themen Krieg, Mord und Folter ergibt.
Cemile Sahin schreibt ihren Debütroman über ein Experiment, das sich auch sprachlich überträgt.
emotional
Der Moment zwischen den Zeiten von Marta Orriols
Es handelt sich um einen gelungenen Debütroman einer katalanischen Autorin. Die Handlung ist in Barcelona angesiedelt.
Hier lebt die Kinderärztin Paula seit Jahren mit ihrem Lebensgefährten Mauro zusammen, bis er plötzlich mit ihr Schluß macht und kurz darauf bei einem Unfall tödlich verunglückt.
Paula ist geschockt. Diese Art von Abschied lässt sie in ein großes Loch fallen, in der Trauer und Loslassen nicht einfach möglich ist.
Der Roman ist so geschrieben, das man als Leser an Paulas Gedanken und ihrem emotionalen Zustand teilnimmt.
Was sie aufrechterhält ist ihr Dienst in der Klinik, in der sie sich besonders um eine kleinen kranken Jungen kümmert.
Ich glaube, der Autorin ist eine gute und glaubhafte Zustandsdarstellung gelungen. Gerne würde ich weitere Bücher von ihr lesen.
Landschaften
Gerhard Richter von Lisa Ortner-Kreil; Cathérine Hug; Hubertus Butin
Das Buch versammelt einige durchaus anspruchsvolle Beiträge über Aspekte von Gerhard Richters Werk der Landschaftsmalerei.
Gerhard Richter bearbeitet das Thema in verschiedenen Ansätzen, z.B. nutzt er Vorlagen, die er ins zeitgenössische bringt, er schafft Landschaften in der Abstraktion oder Landschaften als fiktionale Konstrukte.
Dann auch Übermalte Landschaften.
Viele Bilder sind einfach grandios und fangen verschiedene Stimmungen ein! Ein wirklich hochwertiges Buch!
The Body Issue
Female Photographers Org von Emma Lewis
In The Body Issue versammeln sich zahlreiche Fotografien von einer ganzen Reihe von Fotografinnen. Obwohl es so viele sind, entsteht eine Geschlossenheit als Kollektiv.
Manche Fotos entstammen zusammengehörenden Serien. Viele Fotos sind erstaunlich.
Das Besondere ist der Blickwinkel auf die Körper und oft erzählen einzelne Fotos ganze Geschichten.
Es ist daher nützlich, auch die Titel der Fotos, die am Ende des Buches verzeichnet sind, zu beachten.
Sail away Sail away Sail away
Chilly Gonzales über Enya von Chilly Gonzales
KIWIs Musikbibliothek überrascht ein weiteres mal. Das vom exzentrischen Pianisten Chilly Gonzales kein glattes Buch kommen würde, war aber klar. Sein energiegeladenes Wesen überträgt sich auch in das Buch.
Die New age-Ikone Enya war in den 80/90. Jahren sehr erfolgreich und ihr Orinoco Flow (Sail away Sail away Sail away) kennt auch heute noch fast jeder.
Chilly Gonzales erzählt dann letztlich mehr von seinen musikalischen Vorlieben als von Enya. Über Wurzeln Enyas und der keltischen Kultur sagt er nichts, Auch Clannad wird nie erwähnt.
Von diesem leicht ignoranten Aspekt abgesehen, bleibt aber ein unterhaltsames kurzes Buch.
Ein literarisches Potpourri
Flo, der Flummi und das Schnack von David Rupp
Flo, der Flummi und das Schnack ist ein Band mit Geschichten für Kinder. Der Herausgeber (der KIWI-Lektor David Rupp) hat eine Reihe von beeindruckend großen Namen unter den zeitgenössischen Schriftstellern versammelt.
Das ist auch der Grund, warum ich einen ausführlichen Blick in das Buch werfen wollte.
Werden diese Autoren auch den kurzen große Literatur bieten?
Es fängt an mit Alina Bronsky, die schon Jugendbücher geschrieben hat. Sogleich wird ein soziales Thema angeschnitten: Ausgrenzung. Anton ist fast der einzige der keine Einladung zum Geburstag von Marie erhalten hat. Das ist demütigend. Alina Bronsky wählt den Weg der Phantasie als Ausweg. Das hat mir sehr gut gefallen.
Dann kommt Popliteratur-Ikone Feridun Zaimoglu mit einer Geschichte des Mädchens Annmarie, die beschließt auf einem Baum zu leben. Das ergibt einen kurzen Moment des Glücks.
Es folgen weitere bekannte Namen, z.B. Lena Gorelik, Selim Özdogan, Eva Manesse uva.
Bei der Story von Juli Zeh sind übrigens originellerweise Spinnen die Hauptfiguren, die sich darüber wundern, warum die Menschen so spinnen.
Bei Alexa Hennig von Lange ist ein Schmetterling die wichtigste Figur.
Satirisch wird es in Wladimir Kaminers „Das kleine Mädchen“.
Was auch gut gemacht ist: es werden vor jeder Geschichte die Vorlesezeit in Minuten und das empfohlene Alter angegeben.
Noch erwähnen möchte ich das großartigen Cover mit den überraschenden Tiermotiven, die mich begeistern.
People are People
Markus Kavka über Depeche Mode von Markus Kavka
Depeche Mode war Anfang der Achtziger eine kommerzielle Band, die viele als erste mit Synthesizerklängen der New Wave bekannt machten.
Musikjournalist Markus Kavka zeichnet die Songs der Band nach, mehr aber noch die Wirkung auf die Jugend damals. Kavka macht das so glaubwürdig, weil er selbst Fan war und ist.
Außerdem haben Depeche Mode und andere Band wie Ultravox, Soft Cell und andere auch die Mode dieser Zeit mitgeprägt. Manchmal führte das zu Peinlichkeiten.
Einiges was Markus Kavka aus seinen Erinnerungen an diese Zeit erzählt ist ziemlich witzig und nicht selten identifiziert man sich als Leser, wenn man ebenfalls in den Achtziger Jahren Jugendlicher war. Das Buch macht viel Spaß!
Depeche Mode führte auch zu anderen Bands wie The Cure bis hin zu Industrial.
Das Buch ist mehr als nur ein Bandpoträt, noch mehr zeigt es eine besondere Zeit und das Feeling damals.
Diese Musikbücher der KIWI-Reihe gefallen mir inzwischen so richtig gut. Man bekommt immer etwas anderes, aber nie etwas von der Stange.
You better lose yourself in the music, the moment
Antonia Baum über Eminem von Antonia Baum
Das Phänomen Eminem und seine Energie muss man erst einmal aushalten.
Antinio Baums Mut, über das krasse Phänomen Eminem zu schreiben ist bemerkenswert.
Als Buch über Eminem als Musiker und Mensch und seine Wirkung halte ich das Buch für gelungen
Eminems Song Stan zusammen mit Dido Stan, der bekannte Song, ist gut analysiert und bringt ihn dem Leser wirklich nahe.
Als weniger zwingend finde ich Antonio Baums eigene Probleme mit Eminems textliche Aussagen. Als Jugendliche fand sie ihn faszinierend, hat ihn aber nicht so ganz reflektiert. Heute kann sie mit dem aktuellen Musiker nichts mehr anfangen. Gut und schön, aber was sagt das schon aus. Eminem ist wie er ist und das ist überwiegend nicht schön. Ein paar seiner Raps sind aber bleibend.
Ich habe das Buch mit großen Interesse gelesen.
Die Eisernen
Wir werden ewig leben von Christoph Biermann
Ein normales Fußballbuch würde ich momentan nicht unbedingt lesen wollen, aber dieses Buch erzählt über Union Berlin und die sind als einziger Ost-Verein der Bundesliga etwas besonderes. Als Aufsteiger und Underdog haben sie sich im ihrem ersten Bundesligajahr gut geschlagen,
Der Untertitel des Buches lautet Mein unglaubliches Jahr mit dem 1.
FC Union Berlin.
Und genau das hat Christoph Biermann für sein Buch absolviert.
Dadurch wurde er für ein Jahr auch Teil des Teams. Einen Teil seiner journalistischen Distanz hat er dadurch abgelegt, seinen Spürsinn und Beobachtungsgabe hat er aber beibehalten. Dadurch sind Passagen dabei, die über den Fußball und einen Bundesligaverein mehr erzählt als nur das erwartbare.
Besonderheiten des Jahres waren unter anderen die Vorfälle mit den Protestplakatten gegen Hoffenheim-Mäzeen Dietmar Hopp und natürlich die erzwungene Corona-Pause.
Christoph Biermann lässt den Beteiligten beim erzählen ihre Kanten und Ecken. Das gilt besonders für den Union-Trainer Urs Fischer.
In der Summe kommt ein sehr unterhaltsames Buch heraus.











