Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Aufzeigen der Strukturen
Kim Jiyoung, geboren 1982 von Nam-joo Cho
Romane aus Asien, in diesem Fall Südkorea, sind oft von den gesellschaftlichen Konventionen geprägt. Ein Fall ist die Rolle der Frau in der Gesellschaft, in der klare Erwartungen gesetzt sind. Das beginnt schon in der Kindheit, wenn Mädchen gegenüber dem Bruder zurückstehen müssen.
Wobei, Geschlechterungleichheit und Diskriminierung gibt es in anderen Ländern natürlich auch und dieser Roman hat letztlich einen universalen Ansatz.
Es ist eine sachliche Berichtsform mit der erzählt wird. Das ändert aber nichts daran, das es beim Lesen im inneren brodelt.
Kim Jiyoung scheint mit ihrem außergewöhnlichen Verhalten ein Sonderfall, aber offenbar zeigt sich an ihr das ganze nur beispielhaft. Dass das in einer auffälligen Psychose endet, ist vielleicht kein Wunder.
Es werden die Stationen ihres Lebens gezeigt, die sie bestimmen und prägen wird.
Dabei zeigt die Autorin die entsprechenden Strukturen in Schule, Ausbildung und Beruf Familie und Ehe sehr deutlich. Zum Teil belegt sie das sogar mit statistischen Zahlen. Was mir nicht ganz klar wurde ist, ob diese Benachteiligungen vor allen Frauen der Generation der in den Achtziger Jahren in Korea geborenen Frauen betrifft und ob es bei jüngeren Verbesserungen gibt.
Literatur aus Südkorea war in den letzten Jahren oft auch auf dem Deutschen Buchmarkt erfolgreich, vor allen Dank Han Kang und ihrem Bestseller Die Vegetarerin. Die Schriftstellerin Cho Nam-joo ist die neueste Entdeckung.
Kindheit in den siebziger Jahren
Die Kinder hören Pink Floyd von Alexander Gorkow
Die Kinder hören Pink Floyd ist ein originelles Buch. Offenbar ist es vom Autor Alexander Gorkow autobiografisch geprägt und streckenweise gediegen zu lesen, da die Perspektive die eines Kindes ist. Und entsprechend geht es ums Verstehen, was auf ihn von Außen einwirkt und das sind oft die Strömungen der Zeit.
Ja, es ist auch und vor allen ein Zeitporträt. Politische und musikalische Elemente der siebziger Jahre werden eingebunden.
Es ist nicht unbedingt komplett mein Bild dieser Zeit, das ich so da nicht wiederfinde, aber jeder empfindet das anders. Und Teile davon sind sicherlich zutreffend.
Eine übergroße Figur ist die mutige, lebhafte große Schwester, die ihn beeinflusst.
So ganz kaufe ich die Figur nicht, aber ich akzeptiere sie und sie bereichert den Roman. Insgesamt glaube ich, dass vieles hier vom Autor überdramatisiert dargestellt wird. Aber das ist vielleicht auch nur meine Leseauffassung.
Von Liebesblitzen und Freundschaften
Blitzeinschlag im TerriTorium von Christine Werner
Die Eltern der 13jährigen Theresa Emmanuelle Rosa Rohrbach-Ibrahim, genannt Terri sind geschieden und Terri lebt wechseln eine Woche bei ihrer Mutter Paulette und die nächste bei ihrem Vater.
Als sie bemerkt, dass sich ihre Mutter seltsam verhält vermutet sie bald, dass sie sich verliebt hat. Ein Zustand, in dem sich auch Terris Freundin Nina befindet.
Terri ist zunächst irritiert.
Die Autorin Christine Werner arbeitet Terris emotionalen Zustand gut heraus.
Aber am Besten gefällt mir, wie sie die Beziehungen der Figuren in einer Tiefe beschreibt, insbesondere Terri zu ihrer Mutter, aber auch zu ihrer guten Freundin Nina.
Ein sympathisches Jugendbuch!
Justice delayed
Der Countdown-Killer - Nur du kannst ihn finden von Amy Suiter Clarke
Elle Castillo betreibt einen investigativen Podcast über ungelöste Mordfälle in Minnesota und ermittelt über den Cold Case-Fall des Countdown-Killers, ein Serienmörder, der in den neunziger Jahren junge Mädchen tötete.
Lange war die Mordreihe unterbrochen, jetzt im Januar 2020 hat er anscheinend wieder angefangen.
Ein elftes Mädchen ist entführt.
Elle erhält einen Tipp über die Identität des CK durch einen Zeugen, der dann selbst tot aufgefunden wird.
Ein Buch, das zu einem Teil aus Podcast mit Interviews besteht hatte ich nicht erwartet und obwohl das originell ist, wird es auf Dauer auch anstrengend. Zum Glück gibt es schon bald überwiegend normal erzählte Handlungsanteile,
Man merkt dem Roman die True Crime-Recherchen der Autorin Amy Suiter Clarke deutlich an. Dazu kommt eine gut funktionierende innere und äußere Dramatik.
Erstaunlich eigentlich, dass so viele am Fall Beteiligte, unter anderen auch einem pensionierten Polizisten so freimütig mit einer freiberuflichen Ermittlerin sprechen. Das ist vielleicht ein Kennzeichen eines typisch US-amerikanischen Thrillers. Einige Klischees werden verwendet, z.B. halte ich es für unwahrscheinlich, dass Elli sogar noch als Beraterin der Polizei eingesetzt wird. Auch die Kapitel über den Auslöser des Täters bleibt zu sehr auf der Oberfläche.
Dennoch klingt die vielen Details des Falls absolut glaubwürdig und das kann man ja nicht gerade bei vielen, oft abstrusen Thrillern behaupten.
Den Originaltitel Girl, 11 finde ich übrigens besser als den übertriebenen Deutschen „Der Countdown-Killer - Nur du kannst ihn finden“.
Da der Roman spannend ist und an Intensität nicht nachlässt, kann ich ihn Thrillerfans empfehlen.
Ein Sommer auf der Insel
Warten auf Wind von Kroon Oskar
Warten auf Wind ist ein sensibel geschriebenes Jugendbuch aus Schweden. Es geht um die junge Vinga, die bei ihrem Großvater auf einer Insel Zeit verbringt, da ihre Eltern sich gerade getrennt haben.
Obwohl Vinga deswegen niedergeschlagen ist, genießt sie die gemeinsame Zeit mit dem Großvater, der ihr sogar ein kleines Boot schenk, das sie aber erst noch herrichten muss.
Mit Begeisterung macht sie sich ans Schmiergeln und putzen.
Mich überzeugt von Anfang an die Erzählperspektive, mit der man in Vingas leicht melancholische Gefühlswelt eintauchen kann, aber auch in ihre Träume und Sehnsüchte. Vinga liebt es, zu träumen und ihre Gedanken schweifen zu lassen, man merkt aber auch, dass sie viel alleine und etwas einsam ist.
Dann lernt sie Rut kennen, ein gleichaltriges Mädchen. Sie ist lebhaft, mutig und ein wenig verrückt. Es wird eine enge Beziehung zwischen ihnen.
Dann steht Vingas Situation mit ihren Eltern wieder im Vordergrund, denn die neue Frau ihres Vaters hat ein Baby geboren und Vinga muss die Insel verlassen.
Doch die Sehnsucht zurück auf die Insel zu kehren bleibt.
Ich mag Bücher, die einen so intensiven Einblick in die Figuren zulassen.
Erzählungen
Fragen Sie nach Fritz von Husch Josten
Der Erzählungsband „ Fragen Sie nach Fritz“ von 2013 ist jetzt als Taschenbuch erschienen und es ist empfehlenswert.
Es sind 10 kurze Erzählungen, mit fein gezeichneten Figuren, unaufdringlich. Es werden besondere Momente und Begegnungen geschildert und die Emotionen der Figuren gezeigt, jedoch nicht so offensichtlich.
Man muss es schon auf sich wirken lassen, erst dann entfalten sich die Geschichten.
Die erste Geschichte ist die Titelgeschichte und schon ein erstes Highlight.Die Wiederbegegnung einer jungen Frau mit Fritz, der Vater ihrer Freundin, der in ihrer Jugend verschwunden war. Fritz ist eine übergroße Figur und gezeigt wird hier die Wirkung und Faszination, die er ausstrahlt. Dadurch das er ihr seine Geschichte erzählt, wird der Eindruck noch einmal verwischt. Spannend ist die Geschichte einer Frau in einem einsam gelegenen Haus, die auf einen Einbrecher stößt. Ein kurzes psychologisches Duell beginnt. Melancholisch gestimmt ist die Geschichte einer Frau, die mit ihrem Auto einem Kind ausweicht und in den Fluß fährt. Doch auch diese Begebenheit hat nicht so offensichtliche Seiten. Originell die Geschichte eines Mannes in einem Antiquariat, der mit Waffengewalt von dem Buchhändler ein bestimmtes Buch verlangt, doch dieses gibt es nicht.
Natürlich gibt es auch ein paar Geschichten, die mich nicht sofort erreichen. Da ist ein zweiter Lesegang sinnvoll.
Ich mag es, wenn Geschichten ihre Geheimnisse und Wendungen haben.
Es ist ein ruhiges, aber wirkungsvolles Buch.
ich mag die ecken und macken
Glutnester von Helmut Krausser
Zu Helmut Kraussers Prosa hatte ich bisher nicht viel Bezug, aber seine Gedichte sprechen mich sofort an. Da ist eine Art Humor, den ich teile.
Der Titel des Buches gefällt mir sehr gut, er ist passend und steht dafür wieder für etwas zu brennen, aus dem lethargischen Zustand in dem der Leidenschaft zu geraten.
Viele Gedichte erzeugen stark wirkende Bilder im Kopf, zum Beispiel der tote Elefant, um den sich friedfertig wie nie Löwen, Hyänen und Geier scharen.
Tiermethaphern sind bei Krausser überhaupt stark: der Zufriedenhai, das Leidenschaf, die dreiste Taube etc.
Auch Kunst und Musik fließen thematisch in die Gedichte,
Dann hat Krausser eine Leidenschaft für Wörter, z.B. Scharmützel
Einige Gedichte haben das Zeug zu Lieblingsgedichten auch über dieses Band hinaus. Zu nennen sind da Glutnester suchen, Anfanghund
Vielleicht werde ich mich jetzt auch bald mal mit Helmut Kraussers Romanen beschäftigen.
Psychologisches Duell zwischen Mutter und Tochter
Glutnester von Helmut Krausser
Endlich mal wieder ein spannender Psychothriller, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Gestaltet nach der fast klassischen Art, wie ich es schätze und gegenüber anderen Thrillerarten bevorzuge.
Der Aufbau ist geschickt gemacht, mit wechselnden Perspektiven und verschobenen Zeiten.
Die junge Rose Gold holt ihre Mutter aus dem Gefängnis ab.
Patty saß dort, weil sie ihre Tochter schon seit frühen Jahren krank gemacht haben soll.
Doch nach 5 Jahren Trennung könnte es jetzt zwischen den beiden zu einer Wiederannäherung kommen. Rose Gold ist inzwischen selbst junge Mutter und hat das Elternhaus ihrer Mutter gekauft.
Die in London lebenden amerikanische Autorin Stephanie Wrobel lässt den Plot zu einem Duell zwischen Mutter und Tochter werden. Als Leser war ich oft am Schwanken, zu welcher Seite ich halten soll.
Der Autor hat mehr gelacht als der Leser
Die Erfindung des Dosenöffners von Tarkan Bagci
Der Romantitel deutet auf eine originelle Geschichte hin, aber bis dahin ist es ein langer Weg.
Der Möchtegernjournalist Timur Aslan ist unzufrieden mit seinem Job bei einer Provinzzeitung. Er glaubt an eine bedeutendere Karriere. Als Leser fragt man sich aber wie er darauf kommt, denn allzu scharfsinnig ist er wirklich nicht.
Manchmal benimmt er sich naiv oder wie ein Jugendlicher, erlebt auch noch zu Hause und oft im Streit mit seinem Vater. Es fällt mir immer schwer, mich mit dämlichen Protagonisten in einem Roman abzufinden, doch immerhin ist Timur doch einigermaßen sympathisch.
Seine Gedankenwelt bestimmt die Erzählperspektive ganz. Dabei ist eine Spur von Ironie dabei und jeden Menge flacher Sprüche. Das soll witzig sein, ist aber zu abgegriffen. Ein Schreibstil, wie aus einem Chicklit-Roman, jedoch ohne Romanzeanteil.
Die exzentrische Annette Wagner ist die zweite wichtige Figur und angebliche Erfinderin des Dosenöffners. Für meine Leseauffassung ist diese Figur sehr überzogen. Aber als Leser kann man sich die Figuren nun mal nicht aussuchen und es wird langsam interessanter als Timur und Annette gemeinsam in die Schweiz reisen und Annette von ihrer bewegten Vergangenheit erzählt. Dann kommt aber noch einmal eine unerwartete Wendung.
Fazit: Aus der Idee hätte man mehr machen und die Jokes sich durchgängig misslungen, aber der Handlungsverlauf war nicht schlecht gemacht.
Die Rache der Anna Kiel
Leichenblume von Anne Mette Hancock
Leichenblume ist ein dänischer Krimi, der erster Teil einer Reihe wird und schon aufgrund des aufsehenerregenden Covers besticht.
Mit einem Filetmesser soll Anna Kiel den Anwalt Christoffer Mossing ermordet haben.
Dann bekommt die Journalistin Heloise Kaldan einen Brief von Anna Kiel, der sie zu einer Recherche bewegt.
Dann begegnet sie dem Kommissar Erik Schäfer, der in dem Fall ermittelt.
Grundsätzlich finde ich es nicht schlecht, dass eine Journalistin als Hauptfigur eingesetzt wird, obwohl Heloise nicht gerade Annika Bengtzon ist. Dazu fehlt ihr an ausreichend Profil, aber vielleicht kommt das noch, denn ein paar Ansätze gibt es. Schließlich ist Heloise aus privaten Gründen in den Fall verwickelt.
Anne Mette Hancock schreibt zwar nicht sensationell. Aber doch ganz ordentlich. Ein Vergleich mit Jo Nesboe halte ich aber für unangemessen.
Daher gibt es von mir 3 von 5 Sternen










