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Rezensionen von yellowdog:

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To tghe other side

Ich und der Andere von Jürgen Kaizik

Der amerikanische Sänger Jim Morrison von den Doors ist eine Legende, dessen Musik seine Generation in den späten sechziger Jahren beeinflusste. Es war die Atmosphäre und Stimmung der Songs, die eine große psychedelische Energie erzeugte und Faszination verursachte.
Es gab auch schon andere Bücher und Filme über die Doors.

Ich und der andere reiht sich da ein, wirkt aber europäischer. Das ist natürlich kein Wunder, denn der Autor Jürgen Kaizik ist in Wien geboren. Ganz kaufe ich den von ihm beschriebenen Jim Morrison nicht. Zwar sind seine Zweifel nachvollziehbar, aber er wirkt zu unsicher, zu wenig selbstbewusst und zu zögerlich . Jims Gedanken und Überlegungen kommen mir zu wenig gefühlvoll rüber.

Viele Passagen sind gleichwohl überzeugend. Schon die anfängliche im Musikclub und die am Venice Beach. Dann werden auch entscheidende Ereignisse für Morrison mit eingebaut, z.B. wie er als Kind einen Verkehrsunfall mit einem Toten beobachtete, was ihn verstörte.
Später als Rockstar dann der Konflikt mit dem konservativen Vater.

Meine Erwartungshaltung, die vielleicht auch ungerechtfertigt war, wurde nicht erfüllt. Mir fehlt am Buch streckenweise die Sinnlichkeit, die man aus den Songs der Doors kennt. Die Beschreibungen bleiben zu sachlich. Es ist halt nicht einfach, die Energie der Doors in einem Text zu erzeugen. Die Beschreibungen psychologische Momente in Jim Morrisons Leben wurden aber überzeugend gestaltet.

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To tghe other side
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Der Winter des Missvergnügens

Ein englischer Winter von Thomas Reverdy

Der französische Schriftsteller Thomas Reverdy lässt seinen Roman in England ab 1978 handeln und erwähnt viele Merkmale und Ereignisse der Zeit. Der Übergang der siebziger in die achtziger Jahre ist mit ein Thema des Buches. Das Leben wurde härter und weniger sozial. Dieser Bruch einer Ära wirkte sich bis heute aus.

Ein echtes Gefühl dieser Zeit und ihrer Stimmung stellt sich jedoch anfangs relativ wenig ein, später wird das deutlich besser und immerhin werden die Kapitel mit Bands und wichtigen Songtiteln versehen. Das bildet den Soundtrack des Romans und trägt dann doch einer zeitlichen Assoziation bei.
Ein auktorialer Erzähler erzählt in lapidaren Ton, der mir nicht gerade behagt. Aber das ist auch Geschmackssache. Eine gute Prise Humor entschädigt ein wenig.
Aber an dieser Erzählhaltung leidet auch die Figurenzeichnung teilweise. Candice, eine Fahrradkurierin und Jones, ein arbeitsloser Musiker sind keine schlechte Figuren, aber es dauert zu lange, bis man ihnen nahekommt.
Candice Temperament, ihre Leidenschaft und Engagement bei dem was tut, z.B. die Schauspielerei, gefallen mir gut. Sie ist klar die führende Figur im Roman.
Die fast spürbare Körperlichkeit der Beschreibungen gehören zur Stärke des Romans.
Auch die sozialkritische Komponenten des Buches sollte man nicht unterschätzen
Am Ende war ich mit dem Roman zufrieden.

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Der Winter des Missvergnügens
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Das Gewicht des Universums

Ein englischer Winter von Thomas Reverdy

Der kroatisch-bosnische Dichter Sead Mahmutefendić verfügt über sprachliche Kraft. Seine Sätze haben aber auch Eleganz und erzeugen starke Bilder.
Düstere Stimmungen und Selbstbefragung kennzeichnen die Gedichte dieses Bandes, das mit Requiem ein Langgedicht mit 16 Kapiteln hat sowie weitere für sich stehende Texte.

Die Gedichte verbindet die Atmosphäre und Schwermut.
Vieles ist nicht so einfach verstehen. Leider bietet das durchaus auch komplexe Vorwort wenig Hilfestellung. Als Leser muss man versuchen, sich einzufühlen.

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Der Winter des Missvergnügens
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Würdigung

Vati von Monika Helfer

Monika Helfers letztes Buch Die Bagage war sehr stark und hatte mir unheimlich gut gefallen. Vati geht in die gleiche Richtung. Es sind autobiografische Erinnerungen der Autorin an den Vater, literarisch aufbereitet.
Das ist ein eigenes Genre und Monika Helfer ist eine meisterhafte Vertreterin davon.

Die Handlung von Bagage wird sogar einmal kurz zusammengefasst, daher sehe ich die Bücher für mich als eine Einheit.

Vati ist eine Würdigung und von Porträt des Vaters Josef, ein intelligenter, belesener Mann, zurückhaltend und überlegt ist sein handeln. Und er gibt nicht so schnell etwas von sich preis. Das ist vielleicht die größte Herausforderung für die Autorin. Es bleiben auch blinde Flecken im Leben des Vaters.
Monika Helfer nähert sich der Figur auf sensible Art an. Sie zeigt die Kindheit, die versehrte Rückkehr aus dem Krieg und sein späteres Leben.
Es wird ein sehr persönliches Buch, denn Monika Helfer erzählt im Zusammenhang mit ihrem Vater natürlich auch von sich selbst.

Das Buch ist relativ kurz, daher wirkt es manchmal verknappt, aber das ist mir lieber als Geschwätzigkeit. Die Autorin bleibt präzise und verzichtet auf Ausschmückungen. Jeder Satz zählt. Mich überzeugt Monika Helfers Stil und den Ton, den sie erzeugt sehr und gerne werde ich weitere Bücher von ihr lesen.

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Würdigung
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Erinnerungen und Anekdoten

In allen Tonarten von Siegfried Franzen

Das Buch In allen Tonarten enthält einige amüsante Erinnerungen und Anekdoten des Verfasser Siegfried Franzen, ein Pfarrer im Ruhestand.
Viele der Geschichten haben sich in den siebziger Jahren ereignet. Das prägt das Buch mit. Für heutige Verhältnis wirkt es altmodisch. Mich erinnert es an die Geschichten von Jo Hand Rösler.

Hinzu kommt die Lebenseinstellung der Menschen in Schleswig-Holstein, mit ihrer erfrischenden Herzlichkeit und manchmal ihrem Dialekt. Gerade auch Kinder sind häufig Hauptfiguren der Geschichten.
Viele der kurzen Ereignisse speisen ihren Humor aus Verwechslungen oder falsch verstandenes.
Manchmal ist man auch erstaunt, wie schnell jemand belustigt sein kann. Es ist jedoch klar ein Plädoyer für Humor und Lebensfreude.

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Die Jahre danach

Unheimlich nah von Johann Scheerer

Johann Scheerer schafft in diesem autobiografischen Buch eine Zustandsbeschreibung über die Zeit nach der Entführung seines Vaters Jan Philipp Reemtsma . Er hatte schon einmal ein Buch über Zeit direkt währen der Entführung geschrieben.
Nach der Freilassung entzieht sich die Familie zunächst der Öffentlichkeit, indem sie in die USA reisen.

Johann ist 14 Jahre alt, es sind die späten neunziger Jahre. Diese Zeit wird spürbar beschrieben.Das Ereignis der Entführung bleibt präsent.

Nach der Rückkehr erzählt Scheerer vom einer Bandgründung, der wohl der Beginn seiner späteren Karriere als Musikproduzent bedeutet, was ich persönlich jetzt nicht so interessant fand.

Ein wesentlicher Aspekt war, das er aber lange unter Personenschutz stand, was das Leben eines Jugendlichen natürlich beeinflusst.

So ganz erreicht mich das Buch nicht vollständig, insbesondere fehl mir die Dringlichkeit des Textes.

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Alles über Österreich, eh!

Was geht, Österreich? von Eva Reisinger

Von diesem Buch hatte ich erwartet, dass es politischer wäre. Aber es werden wahllos diverse österreichische Merkmale und Details beschrieben. Allerdings nicht besonders tiefsinnig. Alles bleibt auf der Oberfläche und begnügt sich damit gängige Klischees zu bestätigen. Das finde ich schon arg!
Politische Probleme werden nicht analysiert und Lösungsmöglichkeiten werden nicht angestrebt.

Was soll das Buch dann?

Die Sprache ist wie die von einer Jugendlichen. Direkt witzig ist es auch nicht. Da ich schon öfter Bücher von österreichischen Schriftstellern gelesen habe, hatte ich das so nicht erwartet und das mir eine wie jugendlich wirkende Autorin die Welt erklärt, passt mir eigentlich nicht. Und vieles will man auch nicht unbedingt wissen.

Mein Erwartungshaltung war eine andere, dafür kann das Buch eigentlich nichts. Gefallen hat es mir aber nicht.

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Das Rauschen des Wasserfalls

Bad Regina von David Schalko

David Schalko ist nicht nur Schriftsteller sondern auch Regisseur für Film und Fernsehen. Vielleicht vermag es deswegen, seine Schauplatz, die aussterbende Stadt Bad Regina, so gut in Szene zu setzen. Der Ort wird im Kopf des Lesers Gestalt annehmen.

Der Ort ist fast verlassen, praktisch eine Geisterstadt.

Nur noch 46 Menschen leben hier. Die Infrastruktur ist nahezu zusammengebrochen. Die Einsamkeit von Bad Regina ist spürbar.
Aussterbende Dörfer sind nicht unbekannt, daher ist der Plot nicht unrealistisch.

Othmar ist der Antiheld, dem man als Leser folgt. Trotz fatalistischer Lebenshaltung versucht er sich dem ganzen entgegenzustemmen.
Auch die anderen Figuren werden durchgehend ambivalent gezeigt.

Der herbe Stil von David Schalko erinnert leicht an Oskar Roehler, der ebenfalls Autor wie Filmemacher ist. Zwar gibt es immer mal wieder übertriebene oder überkonstruierte Sätze, aber in der Summe ist der Stil effektiv.

Ich hatte bisher noch nichts von David Schalko gelesen, aber nach Bad Regina werde ich mich nach weiteren Büchern von ihm umsehen.

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Die schöne Epoche

Der Mann im roten Rock von Julian Barnes

Der englische Schriftsteller Julian Barnes hat mit Der Mann im roten Rock ein essayistisches Werk über eine Zeit der Jahrhundertwende in Frankreich vorgelegt, das sehr unterhaltsam ist. Im Mittelpunkt stellt er den Arzt Dr. Samuel Pozzi (1846–1918), der viele bekannte Persönlichkeiten kannte. Es ist ein scharfsinniges Buch und sehr interessant.

Man folgt Barnes gerne, wenn er nicht nur Pozzis Leben folgt sondern auch immer wieder die Leben vieler andere einbezieht:
Oscar Wilde, Robert de Montequieu, Maupassant, Marcel Proust, Sarah Bernhardt und viele andere.
Die Geschichten dieser Persönlichkeiten sind vielfach miteinander verquickt. Julian Barnes schreibt detailreich, ohne sich darin zu verlieren. In der Summe entsteht ein Gesamtbild!
Ein opulentes, lesenswertes Buch!

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Vater-Tochter-Beziehung

Warten auf den Vater von Böhme-Mehner

Manfred Böhme war Politiker, der zurücktreten musste als sein Doppelleben, seine IM-Spitzeltätigkeit in der DDR bekannt wurde.
An diesem Buch interessierte mich, wie ein Mensch so täuschen kann, dass er viele andere überzeugt. Und dass das Buch aus Sicht der Tochter geschrieben ist.
Ein ist ein sehr persönliches Buch über eine problematische Vater-Tochter-Beziehung.

Tatjana Böhme-Mehner schreibt allerdings ehrlich und glaubhaft. Es ist aber deutlich ein schmerzhafter Prozess für sie, die Taten und Tod ihrer Vaters zu verarbeiten. Der Vater war in ihrer Kindheit selten da, er ist zu einem Teil wie ein Fremder.

Es wird die Zeit der DDR in den Achtziger Jahren gezeigt. Das macht die Autorin sehr gut, indem sie sich selbst als Kind als Beispiel nimmt. Durch sie lernt man den Alltag kennen. Während mir der Vater ein Fremder bleibt, lernt man die Autorin ein Stück weit kennen.

Böhme gab nie etwas zu, redet nicht über sich selbst. So blieb der Schatten.
Daher halte ich ein Buch für dieses für wichtig!

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Vater-Tochter-Beziehung