Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Shilo:
Vom Handtäschchen zum Dirndl
Die Dirndlkönigin von München von Kathrin Schnee
Ludwiga hat nach dem Krieg nicht viel, worauf sie sich verlassen kann. Sie kommt zurück nach München, verliert ihren Mann und muss sehen, wie es für sie weitergeht. Dass sie sich in dieser Zeit nicht aufgibt, sondern nach einer Möglichkeit sucht, selbst Geld zu verdienen, war für mich ein wichtiger Teil der Geschichte.
Zuerst stellt sie Handtaschen her und verkauft sie auf dem Schwarzmarkt. Später führt eine Zeitungsnotiz dazu, dass sie einen Auftrag für Dirndl bekommt. Aus dieser Gelegenheit entwickelt sich nach und nach etwas Größeres. Ludwiga findet dabei ihren eigenen Weg und baut sich ein neues Leben auf.
Gerade diese Entwicklung fand ich interessant. Sie bekommt nichts geschenkt und muss sich vieles selbst erarbeiten. Ihre Erfahrungen aus den Kriegsjahren haben sie geprägt, aber sie bestimmen nicht ihr ganzes weiteres Leben. Ludwiga bleibt eine Frau, die selbst entscheiden möchte, was aus ihr wird.
Auch München in der Zeit nach dem Krieg wird gut vermittelt. Es fehlt an vielem und der Alltag ist schwierig. Gleichzeitig gibt es Menschen, die wieder nach vorn schauen und versuchen, sich etwas aufzubauen. Diese Mischung hat die Geschichte für mich glaubwürdig gemacht.
Dass Kathrin Schnee hier das Leben ihrer eigenen Großmutter erzählt, hat mich beim Lesen immer wieder beschäftigt. Hinter Ludwiga steht eine echte Lebensgeschichte, und genau das gibt dem Roman einen besonderen persönlichen Hintergrund.
Die Geschichte von Ludwiga hat mir schöne Lesestunden geschenkt. Ihr Weg von den schweren Nachkriegsjahren hin zu einer erfolgreichen Frau in der Trachtenmode war abwechslungsreich und unterhaltsam. Eine starke Frau, eine besondere Lebensgeschichte und ein Roman, den ich sehr gern gelesen habe.
5 Sterne.
Rezensionen von Marie aus E.:
Nicht gar so brutal
Schlafende Vulkane von Michael Hjorth; Bjarni Thorsson
Ich glaube, ich habe meine neue Thriller-Reihe gefunden.
Das hier ist nämlich der Auftakt zu einer neuen Serie und ich werde auf jeden Fall weiterlesen.
Es geht um Helga und Bjarki, erstere ist neu bei der Polizei in Island und darf bzw. muss gleich ihre erste Mordermittlung leiten.
Eine junge Frau wurde tot in einem Reitstall gefunden.
Und dabei bleibt es nicht, ein Serienmörder treibt sein Unwesen.
Da Island nur um die 400.000 Einwohner hat und bis zu dem Fall auch nur einen Serienmörder in der jüngeren Geschichte, ist die Mordkommission auch nicht sehr üppig ausgestattet.
Doch Helga kann auf Bjarki setzen, eigentlich Verkehrspolizist, jetzt aber zur Unterstützung mit an Bord.
Mit hat der Auftakt richtig gut gefallen. Für skandinavische Verhältnisse ist er nicht allzu brutal (aber nicht falsch verstehen, Cosy ist auch hier nichts), die Ermittelnden leben zwar nicht in Bilderbuchfamilien, sind aber nicht völlig kaputte Typen und die Island-Atmosphäre ist einfach schön.
Ein wenig doof, das jetzt zu schreiben, wenn man Island-Krimis mag, aber halt angenehm beim Lesen: die Namen der Charaktere lesen sich für deutsche Lesegewohnheiten einfach. Helga ist völlig unproblematisch, bei andern Island-Büchern sind die Namen für mich sehr herausfordernd.
Insgesamt für mich genau die richtige Dosis aus Spannung, Island-Vibes und Charakteren, die ich weiter begleiten möchte.
Rezensionen von Anno:
Dem Glück auf die Sprünge helfen
Pilznavigator Buschfunkistan von Vanessa Glatzer; Norman Glatzer
Zugegeben, ein alter Hase in Sachen Pilze bin ich nicht. Aber gerade deshalb fand ich dieses Buch auch enorm spannend. Denn es geht anders an die Suche heran. Viel strukturierter. Und was vorher bei mir eher Glück und Blindflug war, bekommt nun Methode. Und das durch die Berücksichtigung mehrerer Faktoren, wie z.
B. Zeigerpflanzen, aber und vor allem die Bodenbeschaffenheit und regionalen (Wetter-) Verhältnisse. Hier nutzt das Autorenduo auch digitale Angebote in Form von Internetseiten anhand derer man das eigene Suchgebiet genauer analysieren und kategorisieren kann. Für mich ist das ein ganz neuer Ansatz, aber einer der wirklich sehr viel Sinn ergibt! Dass die Autoren wissen wovon sie sprechen, wird sich im Buch mehr als deutlich. Ihre Tipps wirken äußerst fundiert und sind als Vorbereitung auf die Suche sehr zu empfehlen. Aber auch die Art ihrer Wissensvermittlung gefällt mir gut. Sie beschreiben verständlich, logisch und lassen auch immer wieder persönliche Erlebnisse und Anekdoten einfließen, die den Stoff nahbarer und lockerer machen. Ich habe dieses Buch mit Freuden gelesen, habe ungemein viel von seinem Inhalt gelernt und für mich übernehmen können.
Rezensionen von Lesendundspielenddurchsleben :
Drei Wasserschweine tauchen ab von Matthäus Bär
Wir sind auf die Reihe durch eine Lesung auf der Buch Wien gestoßen und haben uns nun gleich alle 3 Bände auf einmal gegönnt. So waren wir richtig in der Geschichte drinnen und hatten alles noch im Kopf- sonst vergessen wir ja gern etwas in der Zwischenzeit (bis zum Erschienen des neuen Bandes). Uns sind die Charaktere total ans Herz gewachsen! Jeder von den drei Wasserschweinen bekommt, finden wir, mit der Zeit so sein eigenes Profil und seinen eigenen Humor, den vor allem unser Jüngster total witzig fand.
Doch nicht nur die Hauptcharaktere bringen zum Lachen, auch die Nebencharaktere bringen Auflockerung und unterhaltsame Momente in die Geschichte. Es gab nämlich gerade in diesem Band mehrere Charaktere, die sie auf ihrerer Reise so begegenen. Durch diese vielen verschiedenen Wegbegleiter blieb die Geschichte sehr abwechslungsreich und spannend bis zum Schluss! Ein gelungenes Abenteuer, das man auch unabhängigvon den zwei Vorgängebänden lesen könnte!
Rezensionen von Ruth:
Wenig überzeugende Genre- Mischung
Die Auster von Yael Inokai
Als die 73jährige Putzfrau Leonora Bach morgens das Haus von Dr. Bronstett betritt, merkt sie sogleich, dass etwas anders ist als sonst. Und sie findet dann auch ihren langjährigen Arbeitgeber tot und ohne Hände neben dem Couchtisch. Leonora macht nun wie üblich erstmal alles gründlich sauber, bereinigt sämtliche Blutspuren, bevor sie die Polizei anruft.
So etwas macht sie natürlich in den Augen der Ermittler verdächtig.
Das ist die Ausgangssituation und wir begleiten nun die Protagonistin bis zur Beerdigung des Opfers und der Auflösung des Falles, zu dem Leonora Wesentliches beiträgt.
Dabei erfahren wir so einiges aus dem Leben der eigenwilligen Figur .
Über vierzig Jahre hat sie bei Dr. Bronstett privat geputzt. Nahegekommen sind sich die beiden dabei kaum . Zwischen ihnen stand nicht nur der gesellschaftliche Abstand - hier der reiche Dr. Bronstett in seiner Nobelvilla, da die arme Putzfrau, deren Rente kaum zum Überleben reicht. Außerdem war der Verstorbene zugleich Geschäftsführer des renommierten Luxus-Kaufhauses, in dem Leonora immer wieder als Aushilfe tätig war. Trotzdem gab es eine Gemeinsamkeit, die Verbindung hätte schaffen können. Beide, sowohl Leonora als auch Dr. Bronstett, haben ein Kind verloren und beide wollen nicht darüber reden.
Leonora ist eine Frau, die gerne übersehen wird, unscheinbar, unnahbar, dabei eine genaue Beobachterin. „Im Großen und Ganzen war sie unsichtbar, konnte durch die Welt gehen, als gäbe es sie nicht. Nur manchmal hob sich das auf. Dann war es wie ein Scheinwerfer, der auf sie fiel. Die Leute kamen drauf, dass sie als Putzfrau arbeitete, sie dachten an ihre Omas und Mütter, an ihre eigene Rente, an das Elend des Älterwerdens, und die Augen füllten sich mit Mitleid.“
In diesem Zitat klingt das eigentliche Thema des Romans an, nämlich den Blick auf diejenigen zu lenken, die still und unbemerkt ihre Arbeit erledigen, sich wenig leisten können und am Rande der Gesellschaft leben. Der Kontrast zu ihr findet sich nicht nur im Leben ihres früheren Chefs, sondern vor allem in dem Luxuskaufhaus, das dem Berliner KaDeWe nachempfunden ist. Ein Ort, der die Erfüllung aller Träume verspricht, hinter dessen exquisiter Fassade sich aber miese Arbeitsbedingungen und wenig Lohn für die Beschäftigten verbergen. Yael Inokai illustriert den Alltag im Kaufhaus in atmosphärischen Szenen, die alle Sinne ansprechen und anhand verschiedener Figuren.
Die titelgebende Auster steht hier für elitären Luxus, zugleich aber auch für die Verschlossenheit mancher Figuren, allen voran Leonora, die sich einen richtigen Panzer zugelegt hat. Tief in sich vergraben ist die Trauer um den Verlust ihres Sohnes. Ohne ihn steht sie nun völlig alleine da. „Familie war ein genau abgestecktes Feld, zu dem sie die meiste Zeit ihres Lebens ohnehin keinen Zutritt hatte.“ Das Verhältnis zur Mutter war lebenslang ein angespanntes, vom Vater ihres Sohnes erfahren wir nichts.
Die Schweizer Autorin lebt seit einigen Jahren in Berlin und sie zeichnet ein wenig einnehmendes Bild von dieser Stadt: „Nicht einmal die Stadt selbst sah an dieser Ecke aus, als wäre sie gern hier. Viel lieber hätte sie ihre Gehsteige, Gebäude, ihre Straßenlampen und Bushaltestellen eingepackt, um über die Bahngleise an einen netteren Ort abzuhauen.“ Berlin sei eine Stadt voller einsamer Menschen, doch„…wo könne man denn besser niemanden haben als in Berlin.“
Diese beiden Zitate zeigen den Witz und den leichten Spott, mit der die Autorin manches betrachtet. Ansonsten ist die Sprache nüchtern und scharf beobachtend, passend zur Hauptfigur, aus deren Perspektive wir alles lesen. Die Erzählung fließt ruhig dahin, dabei sollte der Lesende aufpassen, dass ihm kein Detail entgeht. Manches wird erst in der Rückschau deutlich oder beim zweiten Lesen.
Obwohl ich positive Ansätze in dem Text finden kann, bin ich nicht glücklich geworden mit ihm.
Sicher, der Roman soll und will kein Krimi sein, auch wenn ein Verbrechen Ausgangspunkt der Geschichte ist. Aber auch wenn man nur mit den Elementen des Kriminalromans spielt, sollte man das Genre ernst nehmen und auf Plausibilität achten. Hier ist einfach vieles an der Krimihandlung zu abstrus und zu konstruiert, um glaubwürdig zu sein . Auf Beispiele verzichte ich hier, um nicht zu spoilern.
Ich frage mich, warum die Autorin überhaupt ein Verbrechen und seine Auflösung für ihren Roman gebraucht hat. Als Sozialstudie und als Psychogramm einer älteren, armen und einsamen Frau hat mich das Buch einigermaßen überzeugen können. Auch wenn sich weitere Ungereimtheiten in der Geschichte finden lassen.
Ein Beispiel: Mag man noch akzeptieren, dass Leonora kurz nach dem Tod ihres Sohnes eine Affäre mit einem jüngeren Zahnarzt beginnt - auch wenn das nicht zur Figur selbst passt - so erscheint es wenig realistisch, dass ein Zahnarzt eine Beziehung zu einer älteren Putzfrau unterhält. Zumindest hätte man gerne gewusst, wie es dazu kam. Im übrigen hätte es diese Figur überhaupt nicht gebraucht.
So ist „Die Auster“ für mich nur ein mäßig überzeugender Roman über Alter und Einsamkeit, über Klassenunterschiede, über Glanz und Elend.
Rezensionen von mel:
Weiterleben von Patrick Charnley
Von eigenen Erfahrungen und Erlebnissen des Autors beeinflusst, zeigt das Buch das Leben vom 20-jährigen Jago das plötzlich wieder von neuen beginnt, als er einen Unfall hat und seine Verletzungen am Kopf erleidet, die sein ganzes Leben auf den Kopf werfen.
Das Cover ist ruhig gehalten, mit dem Haus indem Jago sein "neues Leben" auslebt vor einer malerischen Küste in Cornwall, das gleich Ruhe und Entspannung ausdrückt, passend zur Stimmung des ganzen Buches.
Die Arbeit auf der Farm seines Onkels nimmt Jagos Lebensinhalt ein, bis er etwas komisches auf der Farm entdeckt, was seine Neugierde weckt. Da der Autor selbst solch ein lebensveränderndes Erlebnis durchlebt hatte, wirkte der Protagonist Jago authentisch in seinem Verhalten und seiner Frustation, für ihn vorher normale Dinge nicht mehr ausüben zu können, dennoch ist das Leben nicht für ihn vorbei und er probiert mit Hoffnung und Willenskraft wieder Fuß zu fassen. Gerade diese persönliche Note gefiel mir ausgesprochen gut und machte für mich den Charme des Romans aus.
Rezensionen von bookloving:
Faszinierender Kunstroman
The Artist von Lucy Steeds
Lucy Steeds’ Debüt “The Artist - Die Farben des Lichts“ ist ein fesselnder historischer Roman, der durch seine sprachliche Brillanz, dichte Atmosphäre und eine faszinierend vielschichtige Thematik überzeugt. Eindringlich geht er der Frage nach, welchen Preis künstlerisches Schaffen fordert und wer diesen letztlich zu tragen hat.
Die Handlung spielt im Sommer 1920in der Provence auf einem abgelegenen Landgut, in das sich der berühmte Maler Edouard Tartuffe gemeinsam mit seiner Nichte Ettie zurückgezogen hat. Der junge englische Journalist Joseph Adelaide erhofft sich von seinem Besuch ein spektakuläres Interview mit dem großen Genie, das sich seit Jahren der Öffentlichkeit entzogen hat. Tartuffe willigt Josephs Bleiben ein, unter der Bedingung, ihm Modell zu stehen. Was zunächst wie eine Gelegenheit für den aufstrebenden Journalisten scheint, entwickelt sich rasch zur Rolle eines stillen Beobachters, der sich vorsichtig dem verschrobenen Künstler annähert, bis sich seine Aufmerksamkeit immer stärker auf Ettie richtet, jene faszinierende, sehr rätselhafte junge Frau, die sich wie ein Schatten still durch das Haus bewegt und im Hintergrund für alles sorgt. Inmitten der spektakulären Landschaft aus Hitze, Licht, Farben und Stille entspinnt sich eine flirrende Geschichte, die weit über Malerei und künstlerische Obsession hinausgeht, Sie erzählt von Abhängigkeit und Kontrolle, von verdrängtem Schmerz, Kriegserfahrungen, Leidenschaft und Verlangen, aber auch von ungleichen Geschlechterverhältnissen und Macht in der Kunst. Die Handlung setzt sich langsam, etwas zäh in Gang und wird abwechselnd aus der Perspektive des jungen Journalisten Joseph und der rätselhaften Ettie erzählt, deren innerer Zugang zu Menschen und Bildern Josephs flüchtigen Außenblick stets zu hinterfragen scheint.
Besonders beeindruckend ist Steeds bildgewaltiger Schreibstil. Mit präziser, fast malerischer Prosa, verwandelt sie Landschaft, Atmosphäre, Farben, Texturen und das Licht der Provence in lebendige Bilder, wodurch diese nicht nur als Kulisse, sondern als eigenständiger Part in der Geschichte erscheinen. Ob nun den blassen, suchenden Joseph, die in Licht und Schatten getauchte Ettie oder den grotesk überzeichneten, bedrohlichen Taruffe - ihre Figuren zeichnet Steeds sehr eindrucksvoll und facettenreich wie schillernde Porträts auf einer Leinwand, so dass man sie fast zu spüren und zu sehen glaubt.
Gekonnt entwirft Steeds ihre Geschichte wie ein kunstvoll arrangiertes Tableau, in dem jeder Blick, jede Geste und jedes scheinbare Detail eine besonders aufgeladene, erst im Verlauf erschließbare Bedeutung gewinnt. Steeds versteht es, sich Zeit für die atmosphärisch dichte Beobachtung von Nuancen, Stimmungen und Stille zu nehmen und dabei geschickt eine subtile, unheilvolle Spannung aufzubauen, die sich unaufdringlich immer mehr ausbreitet. Nach und nach werden die feinen Grenzverschiebungen zwischen Beobachter und Akteur, zwischen Macht und Unterwerfung erkennbar, während die Beziehungen, Sehnsüchte und Verletzungen der Figuren immer deutlicher hervortreten und eine faszinierende Komplexität ihrer Welt offenbaren. Geschickt lenkt die Autorin unser Augenmerk allmählich von Joseph auf Ettie, die eigentliche Protagonistin des Romans. Mit ihr hat Steeds eine faszinierende, vielschichtige Figur geschaffen, deren Geheimnisse, Ambivalenzen und rätselhaftes Verhalten uns zunehmend in ihren Bann ziehen. Im Verlauf zeigt sich, dass die lange im Hintergrund bleibende Ettie eine zentrale Figur für Tartuffe ist und über verborgene Talente verfügt, die sich in ihrem scharfen Blick, ihrer Beobachtungsgabe und ihrem sensiblen Umgang mit Bildern ausdrücken. Ihr Schweigen erscheint nicht als Zeichen von Schwäche, sondern als ein stiller, bewusster Widerstand gegen eine Rolle, die ihr nur den unsichtbaren Platz im Schatten des Künstlers erlaubt. Auf tragische Weise wird deutlich, dass Ettie eine andere Geschichte hätte leben können, wenn die rigiden patriarchalen Strukturen und gesellschaftlichen Zwänge der damaligen Zeit für Frauen weniger einengend gewesen wären und sie sich hätte selbstverwirklichen können. Ihre inneren Kräfte und die enorme Stärke, ihren eigenen Weg zu gehen, werden erst nach und nach sichtbar, auch wenn die spätere, durchaus spektakuläre Enthüllung ihres Handelns in meinen Augen keine wirkliche Überraschung ist.
In dieser Hinsicht erzählt Steeds nicht nur vom Leben gefeierter Künstler, sondern vor allem von den Frauen an ihrer Seite, die durch Fürsorge, Organisationstalent und bewusste Zurückhaltung die Illusion von „Genie“ aufrechterhalten, ohne selbst je sichtbare Anerkennung zu erhalten. „The Artist“ zeichnet damit eine eindrückliche Geschichte von ungleiche Geschlechterverhältnissen und der historische Schieflage dessen, was überhaupt als kreative Leistung anerkannt wird.
Rezensionen von mel:
Das habe ich wegen dir getan von John Lanchester
Das Cover ist schlicht gehalten in den Farben blau, schwarz und weiß und dem Auschnitt von Kates Gesicht, der sich im Mittelpunkt befindet. Sagt eigentlich wenig über das Buch aus, da hätte ich mir etwas mehr im Bezug auf die Fernsehsendung gewünscht, die ja eigentlich die klare Wendung in ihrer Ehe darstellt und Kate an ihrer Ehe zweifeln lässt, die ihr vorher nicht perfekt, aber dennoch befriedigend vorkam.
Der Schreibstil war direkt einnehmend und gefiel mir gut, obwohl mir eigentlich fast alle Charaktere während des Lesens unsympathisch blieben, fand ich es trotzdem interessant ihre Leben zu verfolgen und welche Wendungen zu Tage kommen im Verlauf des Buches.
Zwischen der Geschichte werden Einblicke in die Fernsehshow gezeigt, die andere Blickwinkel auf die Ehe zwischen Kate und Jack zeigt. Man lernt Kate durch Rückblicke in ihr Leben kennen und wie sie Jack kennengelernt hat.
Insgesamt ein interessantes Werk, das mir gut gefallen hat, aber doch leicht im zweiten Teil etwas schwächelte, da gefiel mir die erste Hälfte besser.
Rezensionen von Katja K.:
Zwischen Beklemmung, Slapstick und Hoffnung
Pause von Lena Kupke
"Du weißt nicht, wie stark du bist, bis du stark sein musst." (Vorwort)
Dieses Buch hat mich sehr berührt, ich habe es regelrecht verschlungen. Mit Hanna konnte ich mich so gut identifizieren wie lange nicht mehr mit einer Protagonistin.
Im Prinzip passiert vom äußeren Geschehen her nicht viel mehr als das, was im Klappentext schon angedeutet wird.
Doch bei diesem Buch geht es auch nicht so sehr um eine spektakuläre Handlung, sondern vielmehr um das innere Erleben, das durch den unaufdringlichen, humorvollen und doch eindrücklichen Schreibstil der Autorin spürbar wird. Es ist ein leises Buch, das zum Fühlen und Nachdenken anregt. Ich habe gelacht, ich war wütend und es sind auch ein paar Tränen geflossen.
Die Familiendynamik wurde grandios und fast Slapstick-mäßig beschrieben. Hanna wollte ich abwechselnd in den Arm nehmen und kräftig durchschütteln angesichts ihrer (mangelnden) Kommunikation. Sehr gelungen fand ich, dass ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte ganz leise und natürlich geschah und doch deutlich zu spüren war. Ihre traumatischen Erlebnisse werden nur angedeutet, den Rest können wir uns zusammenreimen. Trotzdem oder gerade deshalb fand ich es emotional sehr intensiv und hätte eine Content Note und Triggerwarnung mit einem Hinweis zu Beginn des Buches für sinnvoll gehalten.
Einziger Kritikpunkt von mir: Die Dialoge mit den gleichaltrigen FreundInnen erschienen mir etwas zu aufgesetzt und gewollt cool mit den vielen englischen Begriffen. Das war sicherlich auch satirisch gemeint, aber ich fand es "too much" und es hat mich teilweise ein bisschen aus dem Lesefluss gerissen.
Mein Fazit: Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, das mich emotional so abgeholt und berührt hat. Ich kann dafür nur eine große Empfehlung aussprechen, besonders an diejenigen Personen, die selbst Schicksalsschläge erlebt haben und mit den Reaktionen ihres Umfelds zu kämpfen hatten.
Rezensionen von skiaddict7:
Humorvoll und sympathisch
Pfoten weg vom roten Knopf! von Matilde Tacchini
„Pfoten weg vom roten Knopf“ macht schon von aussen was her: ein ordentliches Hardcover mit Schriftrelief im A4 Format. Die Seiten sind aus etwas dickerem Papier. Der Stil ist überwiegend Dialog-orientiert und erinnert an ein Comic. Die Illustrationen sind einfach aber besonders, oft ändert sich pro Seite gar nicht viel, was es auch speziell macht.
Der Hase entdeckt einen roten Knopf. War er schon immer da? Ist er neu? Was passiert wohl, wenn man ihn drückt? Nach und nach gesellen sich weitere Tiere dazu, bis schliesslich Fuchs, Eichhörnchen, Hase, Bär, Eule und Fasan gemeinsam diskutieren, ob man den Knopf drücken kann, oder was nun zu tun ist. Sie malen sich aus, was schlimmes passieren könnte. Die Eule liest im Eulikon über mögliche Folgen nach. Sie stimmen ab. Doch schliesslich wird der Knopf doch gedrückt…
Ein sehr unterhaltsames, besonderes Buch, bei dem man gut mit Kindern ins Gespräch kommt und verschiedene Themen besprechen kann. Sehr empfehlenswert!











