Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Danislesestube:
Ein detaillierter, sehr gelungener Thriller
Die Vernehmung von Roland Hebesberger
Lange bin ich um die Bücher von Roland Hebesberger herumgeschlichen. Ich konnte mich nie für eines entscheiden. Bei der letzten Buchmesse durfte dann endlich eines mit. Das Ergebnis seht ihr hier. Der Klappentext klingt spannend. Das Cover sieht super aus. (vor allem nicht so generisch) Also kann es doch nur meinen Geschmack treffen, oder? Nun.
Wer mich schon etwas länger verfolgt, der weiß, dass mir atmosphärische und detaillierte Thriller wesentlich mehr zusagen als jene, in denen es (fast) nur darum geht, die Gewalt des Täters zur Schau zustellen. „Die Vernehmung“ gehört zum Glück zu ersterem. Selbstverständlich wird natürlich darauf eingegangen, wie die Opfer ermordet wurden. Jedoch stehen die eigentlichen Ermittlungen eindeutig im Fokus. Die logische Erklärung, wie die Ermittler zu ihren Schlüssen gekommen sind, gefiel mir sehr. Der psychologische Aspekt durfte natürlich auch nicht fehlen. Genauso wie jene Kollegen, die damit nichts anfangen können und ihren eigenen Weg gegangen sind.
Wer ist diese Person in der Vernehmungszelle, die eine Vision nach der anderen hat? Wer sind die Ermittler, die wie Ameisen Informationen von A nach B tragen und versuchen, den Täter so schnell wie möglich zu fassen? All das und noch viel mehr wird euch fein säuberlich und mundgerecht während der Handlung serviert. Vor allem das Zusammenspiel der Ermittler hat mir wirklich gut gefallen, vor allem die Tatsache, dass manche ihre Zuständigkeitsbereiche etwas ausdehnen, um einen Schritt voranzukommen. Auch Hauptkommissarin Lisa Seifert macht mehrere Male davon Gebrauch und ich liebe es. Hatte immer wieder mal leichte Mara Billinsky Vibes. Das Umfeld außerhalb der polizeilichen Räumlichkeiten wurde recht einfach gehalten. Was seitens des Autos eine gute Entscheidung war, so konnte ich mich vollends auf die Hauptgeschichte fokussieren. Generell gab es sehr wenig Ausflüchte, wenn diese denn nicht absolut nötig für die Handlung waren. Der Showdown am Ende rundete das Gesamtpaket perfekt ab.
Und sonst so? Toller Schreibstil, Spannung da, wo sie gebraucht wurde, ruhige Momente, wenn es ans ermitteln ging. So. Jetzt habe ich Lust auf das nächste Buch der Reihe.
Spannende Kurzgeschichten Sammlung, die ein paar Stunden unterhält
Vergessene Geschichten von Michael Hirtzy
Diesmal habe ich wieder eine Kurzgeschichtensammlung, die ich bei einer Buchmesse entdeckt habe, für euch. Diese ist nicht an ein bestimmtes Genre gebunden, ihr bekommt hier also eine bunte Mischung serviert. Was alle gemeinsam haben, ist der leicht düstere Anstrich. Mal geht es um Tod und Verderben, mal um Sagen und Geschichten, dann wiederum um das Ende der Menschheit, oder was die neue Technik aus uns macht und was passieren könnte, wenn diese außer Kontrolle gerät.
Es sollte für fast jeden von euch, der mit Fantasy, Horror, Grusel und Science-Fiction-Romanen etwas anfangen kann, etwas dabei sein.
Optisch macht das Buch etwas her und deutet schon mal an, was man erwarten kann. Auf den knapp über 200 Seiten warten rund 12 Kurzgeschichten, inklusive der Geschichte dazu, darauf, gelesen zu werden. Dabei haben wir „Der Eintreiber, „Wart ihr alle brav?“, „Die kalte Welle“ und „Gallu“ am besten gefallen. Hinweise auf triggernde Inhalte und zu den tollen Illustrationen finden sich ebenfalls im Buch wieder.
Insgesamt betrachtet hat mir diese kleine Sammlung an Kurzgeschichten sehr gut gefallen und konnte mich für eine Handvoll Stunden gut unterhalten. Gebt diesem Buch gerne eine Chance. Jetzt bin ich neugierig, was der Autor sonst noch so im Sortiment hat.
Ein würdiger Nachfolger mit noch viel mehr vom Guten
Die Legende der Nathril von Asna Chiron
Vor ein paar Monaten habe ich den ersten Teil der „Die Legende der Nathril“ Reihe gelesen und war begeistert, wie unkompliziert ein großes Abenteuer geschrieben werden kann. Mein Vergleich mit Rollenspielen findet bis heute Anklang. Und soll ich euch etwas sagen? Auch hier im zweiten Teil gibt es wieder sehr viele Verweise auf mein liebstes Genre im Gaming Bereich.
Nach den Ereignissen im ersten Teil ist die Geschichte der einzelnen Charaktere noch lange nicht auserzählt. Im Gegenteil, jetzt geht es erst so richtig los. Zu Beginn der Reihe wurde erst einmal darauf eingegangen, was ein Nathril ist, in welcher Welt die Handlung spielt, wer die Charaktere sind, welche Wesen es gibt und welchen Einfluss die verschiedenen Völker auf die gegenwärtige Lage haben. Daraus hat uns die Autorin eine wundervolle und spannende Geschichte gezaubert.
Aufgrund der Informationsflut wurden wir am Anfang der neuen Handlung an die Hand genommen und im Schnelldurchlauf durch die vergangenen Ereignisse geführt. Kurz danach landeten wir in der Gegenwart. Hier haben wir nicht nur einige verschiedene Perspektiven, aus denen die Geschichte stattfindet, sondern auch zahlreiche Ausflüge in die Vergangenheit, um gegenwärtige Ereignisse besser verstehen zu können. Was wir wieder bekommen haben, ist eine ordentliche Portion Charaktertiefe und Entwicklung. Das betrifft sowohl alte als auch neue Charaktere. Selbstverständlich durfte auch ein Löffelchen Liebe nicht fehlen. Die liebevollen Momente zwischendurch haben der Handlung sehr gut getan. Auch etwas Herzschmerz war mit dabei. Wohl dosiert. Immerhin ist das hier immer noch ein Fantasy-Roman. Die gut geschriebenen Kampfszenen bildeten einen tollen Gegensatz zu den liebevollen und freundschaftlichen Szenen. Die generelle Atmosphäre hat mir gut gefallen.
Der Abwechslungsreiche Schreibstil gepaart mit den spannenden Charakteren und der einfach gehaltenen Handlung sorgte dafür, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte und es innerhalb von zwei Abenden zu Ende gelesen habe. Optisch ist das Buch wieder ein Augenschmaus. Ich mag die einfache Farbpalette gepaart mit den schönen Zeichnungen sehr gerne. Bin schon so gespannt, was mich im dritten Teil erwartet.
Unglaublich gelungenes Buch
Fremde Scherben von Marie C. Becker
Es ist immer wieder erstaunlich, welche Bücher sich unter dem Radar tummeln. Dieses Buch hätte ich ohne die Leiga Buchmesse nicht entdeckt. Was unglaublich schade gewesen wäre. Auch dieses Buch hat mir wieder gezeigt, was ich bei den großen Autoren schmerzlich vermisse. Marie C. Becker hat sich getraut, Charaktere zu schreiben, die nicht einmal im Ansatz der Norm entsprechen, aber dennoch erstaunlich real sind.
Ich habe in meinen fast sechs Jahren, in denen ich meine gelesenen Bücher mit der Welt teile, noch nie eine so lange Liste an Triggern gesehen wie bei diesem Buch. Ihr seid gewarnt.
Fangen wir mit Richard an, welcher in dieser Geschichte die Hauptrolle spielt. Wie schon im Klappentext angedeutet, kämpft er noch heute gegen die Dämonen aus der Vergangenheit. Die Postkarte, die irgendwann ihren Weg zu ihm findet, reißt alte Wunden wieder vollständig auf. Da helfen ihm selbst immense Mengen Kaffee und Zigaretten nicht mehr. Die Schatten aus vergangener Zeit kriechen nun auch bildlich umher und versuchen, Richard ins Verderben zu stürzen. Zum Glück muss er diese psychische Folter nicht alleine durchstehen. Neben seiner neuen „Familie“ stehen ihm auch andere Charaktere zur Seite. Dummerweise haben auch diese mit ihren ganz eigenen Dämonen zu kämpfen.
Die Welt, in der die Charaktere leben, ist ein grausamer Ort voller Gewalt und Lügen. Dies macht sich in regelmäßigen Abständen ohne Rücksicht auf Verluste bemerkbar. Als hätte es vor allem Richard nicht schon schwer genug. Die Szenen im Buch erinnerten mich irgendwie an die Filme Shutter Island und der Maschinist. (Kennt die jemand von euch?) Zwei unglaublich tolle Filme. Neben dem ganz persönlichen Horror, den die Charaktere umgibt, erfahren wir sehr viel über sie und wie sie zu dem geworden sind, was sie heute sind. Trotz aller Gewalt und verstörenden Details konnte ich nicht aufhören zu lesen. Vor allem bei den Szenen mit dem Doktor lief es mir kalt, den Rücken HINAUF. Der Schreibstil war ein Traum. Egal, ob ruhige, teilweise zärtliche Momente oder Abschnitte, bei denen mir das Herz in die Hose gerutscht ist, die Art, wie die Autorin diese in Szene gesetzt hat, war der Wahnsinn.
Von Anfang bis Ende war nie komplett klar, in welcher Gegenwart sich Richard wirklich befindet. Im einen Moment stirbt eine Person auf brutale Art und Weise, im nächsten Moment lebt sie wieder. War das nur eine Wahnvorstellung, ein Traum? Oder ist die Szene danach nur eine Wunschvorstellung von einer heilen Welt, die gleich wieder in Scherben liegt? Scherben sind ein gutes Stichwort. Jedes Ereignis, egal ob vergangen oder noch in der Zukunft, ist Teil eines großen Ganzen, welches am Ende aufgelöst wird. Dieser Abschluss war, wie man im Volksmund sagt, Mindblowing. Möchte an dieser Stelle erwähnen, dass „Fremde Scherben“ das erste Buch der Autorin ist. Lasst das mal auf euch wirken. ????
Ein solider Fantasy Roman der mich etwas ein RPG erinnerte
Der Spiegel des Drachen - Weltenwandel von April Wynter
Das war das erste Buch, welches ich bei der Buchmesse Leiga mitgenommen habe, weil es mir direkt aufgefallen ist. Und auch, weil es offensichtlich etwas mit einem Drachen zu tun hat. Mittlerweile habe ich „Der Spiegel des Drachen: Weltenwandel“ zu Ende gelesen und wurde nicht enttäuscht. Der grobe Aufbau erinnert mich, ähnlich wie bei „Die Legende der Nathril“, an ein Rollenspiel in Richtung Final Fantasy.
Hier wurde zusätzlich der Zufallsgenerator für die Charaktere gedrückt, eine epische Geschichte drumherum geschneidert und fertig ist ein episches Abenteuer voller Legenden, Magie und Naturkatastrophen.
Glücklicherweise beließ es April Wynter nicht dabei. Die Charaktere sind nicht einfach nur leere Hüllen, die von der Königin von A nach B entsandt werden, bloß um dann an den Anfang der Geschichte zurückzukehren und um sich einem großen Boss entgegenzustellen. Das mit dem „Zufallsgenerator“ war eine gute Idee. Die Charaktere könnten nicht unterschiedlicher sein. Es gibt einen Ritter mit einer unfassbaren Loyalität seiner Königin gegenüber, eine Assassine mit einer dunklen Vergangenheit und ausgezeichneten Fähigkeiten, eine „Freudendame“, die nicht nur einmal ihren Charme spielen lässt (Spoiler: Sie kann auch mehr. ???? und zu guter Letzt haben wir meinen liebsten Charakter, welcher super mit Tieren umgehen kann. Wie zuvor erwähnt, ein bunter Haufen, der jetzt WIE GENAU die Welt vor dem Untergang retten soll? Indem sie ein Portal finden, das irgendwo im Gebirge liegt, welches in eine andere Welt führt. Natürlich wäre es besser, wenn man die bestehende Welt, die sich langsam in Nirvana verabschiedet, retten könnte. Ist das für unsere Gruppe machbar?
Die Handlung fällt im wortwörtlichen Sinne direkt mit einer Katastrophe zusammen mit der Tür ins Haus. Nach dem Prolog werden uns die Charaktere nach und nach vorgestellt, bis sie sich etwas später vor der Königin versammeln, um anschließend die Welt zu retten. Ich mochte den bunten Haufen sehr gerne. Auf ihrer Reise ins Gebirge und zurück habe ich gerne ihren Zankereien und Entscheidungen gelauscht bzw. gelesen. Der Einzige, der weniger zum Lachen hatte, war der Ritter bzw. Leibwächter der Königin. Zugegeben, er hatte sich vorher offenbar noch nie mit dem Pöbel abgegeben. Da die Gruppe meistens am A… der Welt unterwegs war, gab es nicht so viel zum Sehen außer ein paar höchst interessante Kreaturen und Wesen. Der Drache war natürlich das Highlight. Eh klar.
Die Wendung gegen Ende der Handlung hat dem Gesamtbild sehr gut getan, welches manchmal etwas zu handzahm daher kam, dafür, dass die Welt vor dem Abgrund steht. Alles in allem ein grundsolider Fantasy-Roman.
Ein schräges Abenteuer einer Social Media Märchenprinzessin
Hashtag Happily Ever After | Humorvolle, digitale Märchenadaption über Social Media, Illusion und echte Begegnung von Christien Marie Wach
Social Media ist aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Egal auf welcher aktuellen Plattform, wir fühlen uns unterhalten und verbringen dementsprechend gerne Zeit in den digitalen Welten. Daran gibt es auch nichts auszusetzen. Besorgniserregend wird es dann, wenn der Aufenthalt derart viel Zeit in Anspruch nimmt, dass das echte Leben zu kurz kommt.
(sieht man gut an der Bildschirmzeit auf dem Telefon) Für Influencer ist das wiederum Normalität. So etwas wie ein Offline-Leben gibt es nicht mehr. Wir können froh sein, dass diverse Internetpersönlichkeiten ihren Stuhlgang nicht auch noch online stellen.
Die Autorin dieses Buches scheint wohl einen ähnlichen Gedankengang gehabt zu haben. Eingetaucht in ein Bad voller Märchen, gewürzt mit einer Wagenladung Humor und als Vollendung einen roten Faden, damit man in diesem dezent chaotischen Endprodukt nicht die Krise bekommt. Viola. Fertig ist ein wohlschmeckendes Endergebnis, welches oberflächlich sehr chaotisch wirkt, aber im Kern eine zuckersüße Realität zeigt, die sehr nah an dem ist, was wir tagtäglich im Internet sehen. Während unsere Protagonistin, begleitet von sprechenden Fröschen, durch verschiedene Welten wandert, wird ihr immer mehr bewusst, wie schön sich die echte Welt anfühlen kann. In dieser muss sie nicht perfekt, wunderschön oder gar immer gut gelaunt sein. Nein. Viralia darf ganz sie selbst sein und wird trotzdem gemocht. Auch wenn das Leben manchmal bitter schmeckt, fühlt es sich dennoch toll an, frei zu sein. So ganz nebenbei rettet sie mit ihren grünen Freunden mal eben ein paar verbuggte Welten. Was man halt so als Influencerin auf Abwegen macht.
Der Humor ist wie schon erwähnt recht präsent. Breit gefächert, stellenweise unfassbar schräg, fängt aber an vielen Stellen den aktuellen Zeitgeist inklusive Ausdrucksweisen sehr gut ein. Der Schreibstil selbst ist dementsprechend locker, flockig und leicht zu lesen. Die Handlung findet aus der Erzählperspektive statt, garniert mit ein paar märchenhaften Einlagen. Etwas Liebe kommt gegen Ende als Kirsche auf der Sahnehaube auch noch dazu.
Im Endeffekt hat mir das Buch eine schöne Zeit beschert. :)
Toller Auftakt
Die Stimmen von Ascath von Chimana Bendor
Heute darf ich euch ein weiteres Buch von der Buchmesse in Leingarten vorstellen. Diesmal von der Autorin Chimana Bendor. „Die Stimmen von Ascath“ ist ein Fantasy-Roman, dessen Handlung in einer komplett erfundenen Welt spielt. In dieser gibt es im Gegensatz zu vielen anderen Welten auf den ersten Blick sehr wenig Magie.
Die Umgebung wirkt wie eine Mischung aus Industrie, Mittelalter und Steampunk, mit einem Hauch aus der modernen Zeit. Klingt abenteuerlich, funktioniert aber erstaunlich gut, da viele Dinge einwandfrei miteinander harmonieren. Die Charaktere passen perfekt in diese Umgebung. Genauso wie in unserer Welt gibt es auch hier verschiedene Gesellschaftsschichten, aus denen die Mitglieder der Truppe, die uns durch die Handlung führen, stammen. Relativ schnell wird klar, dass z.B. Jarren zwei Leben führt, um über die Runden zu kommen. Aufgrund seiner Untergrundaktivitäten darf natürlich nichts an die Oberfläche gelangen. Einerseits um seine Freunde und Familie zu schützen, andererseits um keine Angriffsfläche für feindliche Bande zu bieten. Bis auf Kyra, welche bislang einem einfachen Alltag nachging, haben alle Mitglieder ihre Geheimnisse. Wobei Kyra auch so einiges zu bieten hat.
Die Handlung selbst ist, abseits von gut positionierten rasanten Abschnitten, relativ gemächlich. Auch wenn die Tatsache, dass Jarren mit seiner Truppe und Kyra im Gepäck eine gefährliche Waffe durchs Land schmuggeln muss, nicht wirklich beruhigend ist und sehr viele Risiken birgt, hat sich die Autorin sehr darum bemüht, uns die Vorgehensweise der Bande in aller Ruhe näherzubringen. Garniert mit sehr viel Liebe zum Detail und dem Wechsel der Perspektiven. Während eine Hälfte damit beschäftigt ist, eine Waffe zu finden und mitgehen zu lassen, hat die andere Hälfte unter anderem die Aufgaben, weitere Informationen einzuholen und die Lage unter Kontrolle zu halten. Von Anfang bis Ende konnten mich vor allem die Charaktere fesseln. Vor allem deren Gedanken und Emotionen wurden nachvollziehbar beschrieben. Es freute mich außerdem, dass die Ereignisse nicht einfach an ihnen vorbeigingen. Diese lösten etwas in jedem aus.
Momentan habe ich sehr viel Glück mit Autoren, die sich sehr auf ihre Charaktere fokussiert haben. Genauso hier. Auch wenn wir insgesamt recht wenig über die Charaktere erfahren, lernen wir sie dennoch gut genug aufgrund ihrer Taten kennen. Zusätzlich werden Kyras Fähigkeiten nach und nach durch ihre Erlebnisse während des Auftrags erklärt. Die Umgebung selbst wird in wenigen Worten beschrieben. Genauso wie einfache Namen für die Gegenstände und Örtlichkeiten im Buch. Leicht zu merken, ohne die Zunge zu verknoten. Das mag ich.
Gegen Ende kommt die Handlung noch einmal kurz in Schwung und endet recht abrupt. Sieht so aus, als käme da ein zweiter Teil. Würde mich freuen.
Ein grundsolider Auftakt einer interessanten Reihe
Bloody Angel: Schatten der Vergangenheit von Yvonne Janosi
Dieses wunderschöne Buch habe ich auf der Buchmesse in Leingarten (Leiga) direkt bei der Autorin mitsamt ein paar Extras gekauft. ???? Nun stellt sich wie immer die Frage: Außen hui, innen auch oder pfui?
Der Einstieg in die Handlung wurde abwechslungsreich gestaltet. Während sich die Ereignisse überschlagen, machen wir Bekanntschaft mit den ersten beiden Hauptcharakteren Kitey und Loreo.
Gegen Ende der Hektik lernen wir auch die restlichen Charaktere, die aus Gründen ihrer Heimat entrissen wurden, kennen. Mein erster Eindruck fiel zunächst mau aus. Diese Individuen sollen die Welten retten und obendrein einen mächtigen Feind besiegen? Das kann ja heiter werden. Das war es auch. Aber im humorvollen Sinne. Denn obwohl alle Charaktere sich im Klaren darüber sind, was passiert, wenn sie scheitern, herrscht oft eine eher heitere Stimmung. Da eine blöde Bemerkung und da eine skurrile Situation (meist aufgrund mangelnder Erfahrung). Zwischen rasanten, ruhigen und humorvollen Abschnitten reihen sich Absätze ein, in denen auf die Vergangenheit einzelner Charaktere eingegangen wird. Zwar nur ein wenig, aber immerhin. Schade, dass nur angedeutet wurde, viele Geheimnisse blieben oft nur das, was sie sind. Geheimnisse. Nur Kitey und Loreo bekamen mehr Hintergrundinfos spendiert, was vermutlich mit der Gemeinsamkeit mit dem Feind zusammenhängt.
Der Schreibstil hat mir gefallen. Informationen zum Umfeld, der Welt im Allgemeinen und zu den Fähigkeiten der Wesen und Charaktere wurden häppchenweise geliefert und relativ logisch beschrieben. Die Charakterentwicklung gefiel mir ebenfalls. So ziemlich alle Mitglieder der ungleichen Truppe profitieren sehr von den Erfahrungen, die sie während ihres gemeinsamen Abenteuers gemacht haben. Auch die Interaktion untereinander konnte mich überzeugen. Durch den regelmäßigen Wechsel der Perspektiven, welche aus der dritten Person geschrieben wurden, kam selten Langeweile auf.
Die letzten Absätze waren in Ordnung. Kein Spannungs-Feuerwerk erfüllte aber ihren Zweck und leiteten einen nachvollziehbaren Übergang zu einem Nachfolgeband ein, welchen ich vermutlich lesen werde. :)
Ein Debut, welches sich sehen bzw lesen lassen kann
Arasis von Marvin Bensi
Bevor ich mich in mein Fazit stürze, möchte ich mich noch einmal direkt beim Autor für das Rezensionsexemplar bedanken. Marvin Bensi hat mich vor einer Weile angeschrieben und gefragt, ob ich sein neues Buch lesen möchte. Natürlich wollte ich das. Nun liegt das Buch gelesen neben mir und ich habe Schreibbedarf.
Fangen wir außen an. Was sehen wir? Ein Cover, welches in einem besonderen Stil daher kommt. Es sieht aus wie eine farbenfrohe Malerei, in welcher die Farben schön miteinander harmonieren und auf eine minimalistische Art zeigen, wie man sich die Welt in diesem Buch vorstellen kann. Für Menschen, die damit wenig anfangen oder über wenig Fantasie verfügen und sich darunter wenig vorstellen können, gibt es eine Alternative. Die detailreichen Beschreibungen im Buch bzw. in der Handlung. Die ersten Seiten der Handlung verbringen sehr viel Zeit, damit euch die Welt, in der Arasis existiert, verständlich näherzubringen. Ein wichtiger Punkt an dieser Stelle, denn es gibt viel zu erklären. Diese Neue Welt weist sehr viele Besonderheiten auf, die gut durchdacht und im Rahmen der Möglichkeiten logisch erklärt wurden. Woher kommt Arasis? Wofür kann man es nutzen? Was ist möglich? Wie wird es zur Waffe? Welche Energiequelle ist nötig, um Arasis überhaupt nutzen zu können? All das und noch viel mehr wird einfach nebenbei erklärt. Oder: Welche Kreaturen gibt es? Welche werden als Reittiere genutzt?
Im gleichen Atemzug werden uns die Hauptcharaktere, allen voran die Prüfungsteilnehmer, näher gebracht. Ich erspare euch die Fragestellungen an dieser Stelle. Ihr wisst ja jetzt, wohin die Reise geht. ???? Glücklicherweise besteht auch dieser Teil der Handlung nicht aus Fragen, sondern aus Taten. Jeder Charakter hat mehr als ausreichend Zeit, um zu glänzen. Was bringt einem eine tolle Umgebung, wenn die Charaktere nur so vor sich hin vegetieren? Eben. Goa nix. Sogar die Nebencharaktere, welche hier mehr im Hintergrund agieren, tragen sehr viel dazu bei, die Welt rund um die eigentlichen Hauptcharaktere, die eine Prüfung zu bestehen haben, noch lebendiger wirken zu lassen. Als Kirsche auf der Blaubeeren Torte wechselt der Autor während der Handlung munter die Perspektiven. Bei einem anderen Buch ging mir diese Art der Erzählung tierisch auf den Zeiger. Marvin Bensi hingegen wusste genau, was er da tut. Dieser Stil ließ die Handlung umso dynamischer und abwechslungsreicher wirken.
Ich mochte das Buch sehr gerne. Habe mich teilweise so in Details verloren, dass ich für ein paar Seiten ewig gebraucht habe. Das Ende hat mich neugierig gemacht. Bin gespannt, was der Autor in Zukunft auf die Beine stellen wird.
Ein gelungener Urban Fantasy Roman mit ein paar Extras
Die Kinder der Träume von Lily Stark
Dieses Buch habe ich bei meinem Besuch auf der Buchmesse in Rosenheim gekauft. Vor Ort habe ich die Autorin Lily Stark persönlich kennengelernt. Das war ein schöner Moment. Spiegelt sich dieser auch in diesem Buch wider? Immerhin passt das Genre schon einmal. Urban Fantasy begleitet mich schon seit meiner Jugend.
Es ist normalerweise eine gute Mischung aus der Realität und einer Fantasy-Welt. Zumindest in der Theorie. Jeder Autor bzw. jede Autorin setzt den Fokus auf etwas anderes.
Arbeiten wir uns von außen nach innen. Optisch ist dieses Buch wunderschön. Schöne Farben. Tolle Schriftart und die Symbole runden den Stil perfekt ab. Es hat sogar einen Farbschnitt, auf dem die Symbole, welche natürlich auch im Buch vorkommen, zu sehen sind. (In meinem Buchmesse Reel ist dieser zu sehen) Die Optik war im Übrigen der Hauptgrund, warum ich es letztendlich mitgenommen habe. Normalerweise lockt mich der Klappentext mehr als das Cover, aber in diesem Fall war es umgekehrt.
Der Anfang des Buches war genauso, wie ich es mag. Ohne ellenlange Einleitung geht es direkt ins Geschehen, in welchem die Protagonistin Lia und die Traumwelt vorgestellt werden. Kurz danach machen wir Bekanntschaft mit den anderen Charakteren und was das Ziel der Gruppe ist. Ein dramatischer Zwischenfall bringt etwas Schwung in die bisher handzahme Handlung. Ab sofort ist klar: Es geht um mehr als „nur“ um ein paar Träume, die es zu besuchen gilt. Ein abtrünniger Traumfänger schwört auf Rache und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Lia mit in sein Verderben oder Reich, wie er es nennt, zu ziehen. Dabei ist ihm jedes Mittel recht. Jedoch hat er nicht mit der Stärke ihrer Kameraden gerechnet. Denn diese haben es auf dem Kasten. Anders als viele Nebencharaktere, die oft nur am Rand agieren, sind diese nahezu immer mitten im Geschehen. Um diesen Eindruck zu verstärken, wechselt der Fokus immer zwischen verschiedenen Charakteren hin und her. Damit die ohnehin schon zum Zerreißen gespannte Handlung nicht langweilig wird, gibt es eine kleine Liebesgeschichte obendrauf.
Das grundsätzliche Prinzip der Traumwelt, die Kräfte der Traumfänger und deren Ziele im Traum wurden von der Autorin in einfachen Worten im Laufe der Handlung erklärt. Es gibt auch keine komplizierten Namen. Fast alles hatte, so weit wie möglich, einen realen Bezug, an dem man sich orientieren kann. Das Ende zeigte ein letztes Mal, wie wichtig die Aufgabe der Traumfänger ist, und ließ alle Elemente, die man in der Handlung zu lesen bekommen hat, ein letztes Mal zusammen laufen. Ob es schlussendlich zu einem Happy End gekommen ist oder nicht, dürft ihr gerne selbst herausfinden. ????











