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Rezensionen von yellowdog:

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Biografisches Buch über ein jüdisches Leben

Isidor von Shelly Kupferberg

In diesem Buch schreibt die in Israel geborene, aber in Deutschland lebende Journalistin und Autorin Shelley Kupferberg über ihren Urgroßonkel Isidor, der in Wien lebte, er war ein erfolgreicher Geschäftsmann, auch der Kultur zugewandt. Als dann Österreich Nazideutschland angeschlossen wurde, bedeutete das für die Juden Schikanen.

Isidor wurde verhaftet, enteignet, körperlich und seelisch gebrochen. Er starb 1838 mit nur 52 Jahren.

Sein Neffe Walter, Großvater der Autorin, konnte nach Palästina auswandern.

Das Buch, dass kein Roman sondern ein Sachbuch ist, ist so verdienstvoll, weil es die Geschehnisse anhand eines Einzelschicksals intensiv und detailliert schildert und dabei erzählerisches Geschick beweist.

Shelley Kupferbergs Text entwickelt außerdem viel Atmosphäre und man ist dichter bei den Figuren, als es bei Sachbüchern sonst häufig der Fall ist. Das Buch ist eben doch auch Literatur.

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Biografisches Buch über ein jüdisches Leben
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Ein Spiel mit Fiktion und Realität

Die Erfindung der Wirklichkeit von Baret Magarian

In diesem umfangreichen Roman wird doppelbödig, in mehreren Ebenen erzählt.
Daniel Bloch ist nach eigenen Angaben ein kommerziell erfolgreicher Schriftsteller, der über seinen etwas einfältigen Freund Oscar Babel erzählt oder erfindet.
Dem Autor Baret Magarian gelingt es, Situationen zu kreieren, die originell sind und auch Wortwitz entwickeln.

Der ganze Text besitzt stark satirische Elemente auf die Kunst- und Kulturszene.

Daniel Bloch steckt in einer Art midlife crisis, zudem genervt von seinem Vater, zu dem er eine schwierige Beziehung hat. Ausserdem hat er einige misanthrope Züge.
Oscars Entwicklung ist verblüffend. Er kann sich sus seinem ungeliebten Job lösen und wird ein Star, eine Art Guru. Er selbst sieht das aber nicht ohne Beklemmung. Dennoch lässt er es geschehen.
Dann gibt es noch den oppurtonistischen Blender Ryan Rees.
Die Figurenkonstellation ist bemerkenswert.

Es soll auch noch die feine Buchgestaltung mit eindrucksvollen Cover erwähnt werden.

Ein wirkungsstarker, opulenter Text, der kraftvoll wie eine Dampfwalze daher kommt.

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Ein Spiel mit Fiktion und Realität
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Ryoko

Der Duft von Eis von Yoko Ogawa

Von Yogo Ogawa habe ich schon einige gute Bücher gelesen und auch Der Duft von Eis ist ein außergewöhnlicher Roman.
Schauplatz ist teilweise ungewöhnlicherweise Prag, wohin die Protagonistin Ryoko aus Japan hinreist. Anlaß ist der Tod eines Freundes.
Es gibt einige gute Beschreibungen und originelle Formulierungen.

Spektakulär ist die Handlung jedoch nicht. Die Figuren bleiben etwas blass.

Ich würde das Buch eher im mittleren Rang der Bedeutung in Ogawas Werk ansetzen.

Der Roman ist im Original 1998 erschienen. Erfreulich dass der Liebeskind-Verlag jetzt noch eine deutsche Übersetzung veröffentlicht.

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Ryoko
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Die Welt eines Verlags

The Other Black Girl von Zakiya Dalila Harris

Die 26jährige Nella ist Editorin bei einem Verlag und dort ist sie die einzige Schwester, d.h. bis die selbstbewusste Hazel kommt. Das bringt Nella ganz schön durcheinander.

Die Passagen über das Verlagswesen und was sich dort alles abspielt haben mich sehr interessiert. Zum Beispiel auch, wie mit Autoren die Buchentwürfe diskutiert werden.

Da können leicht Eitelkeiten gekränkt werden.

Mir gefällt außerdem, dass die US-amerikanische Autorin Zakiya Dalila Harris mit diesem Buch nachhaltig Stereotype in Frage stellt. Der Umgang mit Diversität kann auch zur Formel werden.
Sie hat offenbar selbst einige Erfahrungen in der Branche. Da beginnt man schon zu überlegen.

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass mich der Roman, nachdem ich den Anfang so großartig fand, irgendwann doch ermüdete. Er hätte für meinen Geschmack gestraffter sein dürfen. Vielleicht ist das Buch auch etwas zu amerikanisch.

Ich gebe 3,5 von 5 Sterne!

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Die Welt eines Verlags
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Unterhaltungsroman mit Niveau

The Other Black Girl von Zakiya Dalila Harris

Alexandra Zöbeli beweist mit Scones zum Frühstück wie schon Der Pub zur guten Hoffnung abermals, dass gute Unterhaltung nicht flach sein muss.
Führende Hauptfigur ist ein Mann, was ja bei Büchern des Romance-Genres nicht alltäglich ist.
Mit dem Koch Max steht originellerweise das Sujet Gastronomie im
Vordergrund.

Nach einem leichten Herzinfarkt muss Max zudem noch sein Gourmet-Restaurant schließen.
Max beschließt einen Neuanfang! Als Leser ist man dicht bei seinen Gedanken und Gefühlen.
Er reist dann mit Hund nach Schottland, um da eine Kantine zu leiten. Für Schottland-Fans dürfte der Roman auf jeden Fall interessant sein.
Mit viel Ambitionen und Mitgefühl widmet Max sich den Kids, die bei ihm essen, zum Beispiel auch um die magersüchtige Cassy.
Max ist ein Garant für gutes Essen.

Die zweite Schlüsselfigur des Romans ist Robin, die einen schweren Verlust erlitten hatte.

Das Buch glänzt durch eine gute Story, die nie langweilig wird und liebenswerten Figuren, die man gerne durch den Roman begleitet.

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zahme Dystopie

Auf See von Theresia Enzensberger

Die Schriftstellerin Theresia Enzensberger ist die Tochter des berühmten Hans Magnus Enzensberger, aber natürlich schreibt sie ganz anders.
Auf See ist ihr zweiter Roman und behandelt trotz einer dystopischen Ausgangssituation offenbar einige gesellschaftsrelevante Elemente.
Die Kapitel wechseln zwischen der siebzehnjährigen Yada, die auf einer schwimmenden Stad in der Ostsee lebt und der exzentrischen Künstlerin Helena.

Dazwischengeschaltet ist manchmal noch das Archiv.
Diese Archiv-Passagen beinhalten Informationsfluten, die den Leser ersschlagen können. Da wäre weniger mehr gewesen.

Je weiter der Roman fortschreitet, umso mehr verdichtet die Handlung sich, erst Recht ab dem Abschnitt der mit Yada und Helena überschrieben ist.
Theresia Enzensberger kann schreiben, aber dennoch wurde mir nicht klar, worauf sie eigentlich hinauswollte. Vom Ende hätte ich mehr erwartet.

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Starkes Mutterporträt

Lügen über meine Mutter von Daniela Dröscher

Daniela Dröscher entwirft in ihrem Roman „Lügen über meine Mutter“
ein Bild des Familienlebens in den Achtziger Jahren. Es ist eine Familie der unteren Mittelschicht. Das Zeitbild halte ich für sehr realistisch.

Die Fixierung auf die Gewichtsfrage der Mutter sehe ich vor allen als Metapher,an der exemplarisch Identitätsbilder und Verhaltensweisen gezeigt werden.

Die Erzählperspektive ist die der Tochter als Kind. Da die Autorin 1977 geboren ist, sind manche Beobachtungen möglicherweise autobiografisch erfahren. Dazu passen auch einige analytische Einschübe der erwachsenen Erzählerin.
Während der kleinbürgerliche Vater ziemlich schlecht wegkommt, ist das Mutterporträt großartig.
Nach der Geburt ihrer Kinder legt die Mutter an Gewicht zu, während sie vorher schlank war. Der Vater wirft ihr dieses Aspekt kontinuierlich vor und nimmt ihr das Selbstbewusstsein. Auch Arbeiten gehen kann sie in der Zeit zunächst nicht mehr, obwohl sie vorher so viel beigetragen hat.Aber sie fängt sich, bildet sich sogar weiter und hilft vielen. Mehrere kleine Familiendramen folgen.

Einige weitere der stärksten Momente sind die, wie sie das Verhalten der Eltern empfindet und andere Momente der Begegnung, z.B. mit dem nachbarlichen Pflegekind Jessy.

Stark sind auch die Dialoge, bei der manche der Figuren gelegentlich sogar in einen rheinischen Dialekt verfallen.

Der Romantitel lässt mich an John Burnsides Lügen über meine Vater denken. Ein Buch, dass thematisch ähnlich angelegt ist, sprachlich natürlich ganz anders. Aber bei beiden Büchern fragt man sich als Leser, was sind die Lügen? Das hält die Aufmerksamkeit das ganze Buch lang hoch.

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Starkes Mutterporträt
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Der junge Herr

Die Autobiographie des Giuliano di Sansevero von Andrea Giovene

Mit "Ein junger Herr aus Neapel" beginnt die 5teilige Autobiographie des Giuliano di Sansevero, die in den sechziger Jahren entstanden ist und den Lebensweg Giuliano di Sansevero zeigt. Es zeigt z.B. seine Internatszeit in einem Benedikterkloster ab ca. 1903.
Später kehrt er auf das elterliche Anwesen zurück und bekommt Privatlehrer.

ca. 20 jahre vergehen.

Man merkt, dass das Buch aus den sechziger Jahren stammt, aber das ist ja nicht negativ.
Direkt dramatisch oder handlungsreich wird es nicht, aber die Beschreibungen sind detailliert und ansprechend.
Nicht alles konnte mich gleichermaßen interessieren. Manchmal scheint mir derr Junge bzw. junger Mann zu passiv. Er ist aber offensichtlich eher der abwartende und beobachtende Typ.

Ein schön gestaltetes Buch. Die Übersetzung ist von Moshe Kahn und kommt mir passend vor.
Es dürfte eine literarische Herausforderung werden, vielleicht alle 5 Bände zu lesen. Lohnenswert wäre es sicher.

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Bruderliebe

Doppelleben von Sulzer Alain Claude

Der erfahrene und routinierte Schweizer Schriftsteller Alain Claude Sulzer zeichnet sich durch einen hohen Erzählton aus, mit deme r aus der Masse rausragt.
In diesem Buch erzählt er von den bekannten Brüdern Edmond und Jules de Goncourt.
Sie sind auch heute noch berühmt, aber viel über sie habe ich nicht gewusst.

Ich denke, Alain Claude Sulzer hat gut recherchiert z.B. auch in den Journalen der Brüder.
Sie waren nicht nur Brüder und Vertraute sondern auch ein Team.
Hinzu kommt mit der Köchin Rose eine wichtige Figur, die fest mit dem Leben der Brüder verbunden war.
Sulzer schafft es, die historischen Persönlichkeiten zu Leben zu erwecken und das 19.Jahrhundert zu vermitteln.

Das Buch ist sowohl Roman wie auch ein wenig Biografie und ist mehr als ordentlich umgesetzt.

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Bruderliebe
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Die Dolmetscherin

Intimitäten von Katie Kitamura

Die US-amerikanische Schriftstellerin Katie Kitamura, bekannt für ihren vorherigen Roman Trennung, hat einen geschickten und ansprechenden Roman um eine Dolmetscherin geschrieben.
Sie, die auch Icherzählerin ist, ist trotz jungen Alters schon viel in der Welt herumgekommen. Obwohl sie aus New York kommt, fühlt sie sich irgendwie Heimatlos.

Jetzt ist sie in Den Haag und dolmetscht für Angeklagte vor dem Gerichtshof. Aktuell ist es ein Kriegsverbrecher, der mal Präsident in einem westafrikanische Staat war.
Gleichzeitig hat sie ihr Liebesleben auch nicht so ganz im Griff. Sie hat was mit einem niederländischen Mann, der verheiratet ist, sie dann aber verlässt. Nicht ohne sie aufzufordern, bis zu seiner Rückkehr in seiner Wohnung zu leben. Doch er kommt nicht zurück und die Kommunikation findet nicht mehr statt.

Als Leser ist man nah an der Figur dran, ohne dass man sie ganz verstehen kann. Dafür ist sie zu verschlossen und gibt nicht viel von sich preis. Man spürt es aber unter der Oberfläche brodeln. Ich denke, sie ist noch auf der Suche nach sich selbst.

Intimitäten war letztes Jahr auf der Barack Obamas 2021 Summer Reading List.
Ein erstaunliches Buch, sowohl von der Handlung als auch von der Sprache.
Sprachlich wirkt es trotz Zurückhaltung elegant.

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Die Dolmetscherin