Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Pageturner
Carrie Soto is Back von Taylor Jenkins Reid
Das Genre US-Amerikanischer Sport-Film ist sehr beliebt und wird oft ausgeführt. In der Literatur gibt es deutlich weniger davon.
Taylor Jenkins Reid hat jetzt mit Carrie Soto is back einen wirklich aufsehenerregenden Sport-Roman geschrieben. Es geht um einer erfolgreiche Tennisspielerin namens Carrie Soto, die ihr Comeback versucht.
Die Tennis-Matches verschiedener Turniere, u.a. auch Wimbledon werden ausführlich und aufregend beschrieben. Man glaubt wirklich, als Zuschauer dabei zu sein, so dicht beschreibt die Autorin.
Carrie Soto is back ist ein anspruchsvoller Unterhaltungsroman. Ein Pageturner, aber nie flach und mit interessanten Figuren, insbesondere natürlich Carrie, deren Leben anfangs auch erzählt wird und ihrem Vater, der auch ihr Trainer ist. Er setzt in ihr den Stachel des Ehrgeizes und sie hat die Kraft und das Talent. Später haben sie auch Probleme miteinander, aber bei ihrem Comeback wird er wieder ihr Trainer.
Carries größte Widersacherin ist die kraftvoll spielende Nicki Chan. Es wird ein aufsehenerregender Kampf zwischen den beiden und irgendwann stellt sich für Carrie die Frage, ob Gewinnen wirklich alles ist.
Der Roman macht richtig Spaß und ich hoffe, weitere Romane der Autorin lesen zu können.
Martha und Jimmy
Jahre mit Martha von Martin Kordic
Jahre mit Martha, mit diesem Buchtitel und dem atmosphärischen Cover lockt das Buch zielsicher seine Leser an.
Der Erzähler ist ein kroatischstämmiger Mann namens Zeljko. Seine Erinnerungen gingen in die Zeit, als er ein 15jähriger Junge war und Matha kennen lernte, eine verheiratete Frau mit Kind.
Sie beginnen eine Liebesbeziehung.
Später geht er als Student nach München.
In München wird außerdem sein Professor sehr wichtig für ihn.
Martin Kordic beschreibt die problematische Beziehung zwischen dem Jungen und Martha einfühlsam und lässt sie sich wiedertreffen, als er in seinen zwanziger Jahren ist.
Zwischen ihnen ist eine große Verbundenheit.
Martin Kordic schafft auch einige gute Formulierungen über alltägliches und aus vielen Sätzen sieht man Zeljkos instabilen emotionalen Zustand.
Zeljkos Entwicklung und auch seine Irritierungen mit seiner Rolle als Kroate in Deutschland wird glaubhaft gezeigt. Ich mag den ruhigen Erzählfluss, in dem die Handlung treibt.
Das Exil der Familie Dinkelspiel
Svendborg 1937 von Tanja Jeschke
Svendborg 1937 ist ein ruhiger, sensibel und einfühlsam erzählter Roman über eine Familie jüdischer Abstammung, die in dieser schlimmen Zeit aus Deutschland nach Dänemark flüchtete.
Sie werden von einer älteren Dame aufgenommen, genannt Tante.
Die Erzählperspektive wird überwiegend von der jüngsten Tochter Meret eingenommen.
Das hat die Autorin Tanja Jeschke gut gewählt, den Meret ist eine genaue Beobachterin, z.B. Von ihrer älteren Schwester, die davon träumt, mit ihrem Freund nach Palästina auszuwandern oder auch darüber, wie die Tante reagiert.
Die Familie Dinkelspiel müssen sich mit ihrem Exil arrangieren. Sie sind eine intelligente Familie.
Es wird auch das Umfeld von Bertold Brecht, der in dieser Zeit ebenfalls da war, betrachtet.
Ich mag den ruhigen, genauen Stil der Autorin. Es stören mich auch gewisse Einschübe über Merkmale der Zeit nicht, die nicht direkt erzählerisch ausgeführt sind.
Entscheidend ist, dass eine Exilerfahrung nachvollziehbar erzählt wird.
er war so exaltiert, because er hatte Flair.
Spitzweg von Eckhart Nickel
Eckhart Nickels Spitzweg ist ein Roman über Kunst und Gesellschaft, der mich im Ansatz an frühe Bücher Hermann Hesses erinnert, z.B. Demian. Es spielt im Schulmilieu.
Auch hier trifft der Icherzähler als Schüler einen anderen, der ihn beeindruckt.
Carl ist selbstbewusst, leicht elitär, manchmal auch exaltiert.
Dritte im Bund ist Kerstin.
Eckart Nickel hat seinen eigenständigen Ton, zu dem viel Wortwitz gehört.
Das Buch ist amüsant und ausgefallen, meistens interessant.
Allerdings zerfasert die Handlung mit der Zeit und die anfängliche Spannung lässt nach. Dafür gibt es einen Stern Abzug.
Ein Realist und ein Träumer
Zwischen Brüdern von Wolfgang Böhm
Die Brüder Viktor und sein 5 Jahre jüngerer Bruder Hans sind ziemlich verschieden, fühlen sich aber doch miteinander verbunden.
Viktor war im Krieg, wurde dann Lehrer. Er ist realistisch veranlagt wo Hans ein Träumer und spontan ist, ein künstlerischer Mensch, interessiert an Architektur, lernte am Bauhaus in Weimar.
Die Handlung setzt in Wien in den zwanziger Jahren ein, als die Brüder junge Männer sind und setzt sich über viele Jahre fort. Die Brüder entwickeln sich unterschiedlich und es kommen schliesslich schere Jahre.
Der Roman wird auch durch die Erzählperspektive geprägt. Der eher passive, beobachtende Viktor ist der Icherzähler. Seine Gedanken über Hans ordnen die Handlung immer wieder analytisch ein.
Mich konnte die Geschichte interessieren und Wolfgang Böhms Stil ist zwar unaufdringlich, aber doch einnehmend. Er schafft ein Zeitporträt.
Das verlorene Manuskript und seine Vollendung
Das Glück auf der letzten Seite von Cathy Bonidan
Cathy Bonidan hat mit Das Glück auf der letzten Seite einen zugänglichen Unterhaltungsroman geschrieben, der durch seine Multiperspektive, man könnte auch sagen kalleidoskopartige auffällt. Das wird erzeugt, indem die beteilgten Figuren sich Briefe schreiben. Es ist also ein Briefroman.
Die Handlung setzt 2016 ein, aber der Ursprung liegt 30 Jahre zurück, als der junge Sylvestre als aufstrebender Schriftsteller sein Romanmanuskript verlor.
Jetzt ist es wieder aufgetaucht, und jemand anders hat den Romananfang des Manuskriptes zu Ende geschrieben. Wer und warum? Das ist die Frage. Dieser Ansatz ist eine reizvolle Idee. Die Suchs nach dieser rätselhaften Person beginnt.
Zusammengehalten wird das ganze durch Anne Lise Briard, die Frau, die das Manuskript fand und den Briefwechsel startete. Aber auch die Stories von ein paar Nebenfiguren tragen zum Plot bei.
Der Stil des Buches ist betont sanft. Für meinen Geschmack etwas zu weichgespült, aber das ist Geschmackssache.
Eine Familie in Trauer
Schlangen im Garten von Stefanie vor Schulte
Stefanie vor Schulte, die mit ihrem Debüt Der Junge mit dem schwarzen hahn so aufgefallen war, hat einen neuen Roman, der wieder einen besonderen Stil aufweist.
Schlangen im Garten. Diesmal ist die Handlung in der Gegenwart angelegt.
Es geht um eine Familie, in der die Mutter verstorben ist. Der Vater wird von Trauer überwältigt.
Die Familie tut sich schwer damit, mit dem Verlust umzugehen.
Das betrifft auch die Kinder. Linne prügelt sich auf dem Schulhof, Micha hat Weinanfälle.Der schon ältere Steve tröstet ihn.
Das Verhältnis zwischen den Geschwistern ist herzlich.
Stefanie vor Schulte streut ein paar Element mit ein, die an magischen Realismus erinnern.
Trauer in der Familie ist kein einfaches Thema. Daher ist Stefanie vor Schultes Leistung bei diesem Roman nicht gering zu schätzen.
Die Absurditäten der Handlung sind aber auch nicht einfach mit realistischem in Einklang zu bringen.
Biografisches Buch über ein jüdisches Leben
Isidor von Shelly Kupferberg
In diesem Buch schreibt die in Israel geborene, aber in Deutschland lebende Journalistin und Autorin Shelley Kupferberg über ihren Urgroßonkel Isidor, der in Wien lebte, er war ein erfolgreicher Geschäftsmann, auch der Kultur zugewandt. Als dann Österreich Nazideutschland angeschlossen wurde, bedeutete das für die Juden Schikanen.
Isidor wurde verhaftet, enteignet, körperlich und seelisch gebrochen. Er starb 1838 mit nur 52 Jahren.
Sein Neffe Walter, Großvater der Autorin, konnte nach Palästina auswandern.
Das Buch, dass kein Roman sondern ein Sachbuch ist, ist so verdienstvoll, weil es die Geschehnisse anhand eines Einzelschicksals intensiv und detailliert schildert und dabei erzählerisches Geschick beweist.
Shelley Kupferbergs Text entwickelt außerdem viel Atmosphäre und man ist dichter bei den Figuren, als es bei Sachbüchern sonst häufig der Fall ist. Das Buch ist eben doch auch Literatur.
Ein Spiel mit Fiktion und Realität
Die Erfindung der Wirklichkeit von Baret Magarian
In diesem umfangreichen Roman wird doppelbödig, in mehreren Ebenen erzählt.
Daniel Bloch ist nach eigenen Angaben ein kommerziell erfolgreicher Schriftsteller, der über seinen etwas einfältigen Freund Oscar Babel erzählt oder erfindet.
Dem Autor Baret Magarian gelingt es, Situationen zu kreieren, die originell sind und auch Wortwitz entwickeln.
Der ganze Text besitzt stark satirische Elemente auf die Kunst- und Kulturszene.
Daniel Bloch steckt in einer Art midlife crisis, zudem genervt von seinem Vater, zu dem er eine schwierige Beziehung hat. Ausserdem hat er einige misanthrope Züge.
Oscars Entwicklung ist verblüffend. Er kann sich sus seinem ungeliebten Job lösen und wird ein Star, eine Art Guru. Er selbst sieht das aber nicht ohne Beklemmung. Dennoch lässt er es geschehen.
Dann gibt es noch den oppurtonistischen Blender Ryan Rees.
Die Figurenkonstellation ist bemerkenswert.
Es soll auch noch die feine Buchgestaltung mit eindrucksvollen Cover erwähnt werden.
Ein wirkungsstarker, opulenter Text, der kraftvoll wie eine Dampfwalze daher kommt.
Ryoko
Der Duft von Eis von Yoko Ogawa
Von Yogo Ogawa habe ich schon einige gute Bücher gelesen und auch Der Duft von Eis ist ein außergewöhnlicher Roman.
Schauplatz ist teilweise ungewöhnlicherweise Prag, wohin die Protagonistin Ryoko aus Japan hinreist. Anlaß ist der Tod eines Freundes.
Es gibt einige gute Beschreibungen und originelle Formulierungen.
Spektakulär ist die Handlung jedoch nicht. Die Figuren bleiben etwas blass.
Ich würde das Buch eher im mittleren Rang der Bedeutung in Ogawas Werk ansetzen.
Der Roman ist im Original 1998 erschienen. Erfreulich dass der Liebeskind-Verlag jetzt noch eine deutsche Übersetzung veröffentlicht.











