Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Fesselnd und beklemmend
Dieser Beitrag wurde entfernt von Hanna Bervoets
Dieser Beitrag wurde entfernt ist ein thematisch ungewöhnliches Buch.
Es handelt von Menschen, deren Arbeit daraus besteht, Internetvideos auf anstößige, rassistische oder gewalttätige Inhalte zu prüfen und dann ggf. zu löschen. Ein harter Job, der psychische Belastungen beinhaltet.
Dass es solche Content-Moderatoren geben muss ist ja klar, aber viele Gedanken über sie macht man sich wohl nicht.
Der Roman ist relativ kurz, aber wegen seiner verdichteten Erzählform an hoher Intensität gewinnt.
Es ist rückblickender Bericht der Erzählerin Kayleigh über die Arbeitsbedingungen und -abläufe und die Mitarbeiter. Die Gruppe bildete schließlich eine freundschaftliche Gemeinschaft.
Die Autorin zeigt durch den Blick ihrer Figur, wie die Anspannungen und der Druck zunimmt und die Belastungen die Menschen schließlich verändert..
Genauso wichtig ist aber die Schilderung über Kayleighs Beziehung mit ihrer Kollegin Sigrid.
Fazit: Die niederländische Autorin Hanna Bervoets hat einen fesselnden und faszinierenden Roman geschaffen.
Rasantes politisches Sachbuch
Putin. Ein Verhängnis von Robert Misik
Der Journalist und Blogger Robert Misik hat 175 Seiten unter Volldampf geschrieben,
Putin – Ein Verhängnis ist eine aktuelle Biografie über den Despoten Putin und ganz auf der Höhe der Zeit.
Das heißt nicht, dass der Autor nahe dran ist an der Person Putin. Das ist niemand. Und so kann auch dieses Buch nur teilweise verdeutlichen, was Putin antreibt.
Sekten so ein dichtes und schnelles politisches Sachbuch gelesen.
Fürst der Füchse: eine kritische Biografie
Fürst der Füchse von Bodo V. Hechelhammer
Rolf Kauka war bekannt als Schöpfer von Fix und Foxi, Lupo, Bussi Bär und noch einige andere Comicfiguren.
Auch ich habe Fix und Foxi als Kind gelegentlich gelesen. Das Kauka der deutsche Walt Disney gewesen sein sollte, deckt sich nicht mit meinem Empfinden. In den siebziger/Achtziger Jahren war er nie so präsent wie die Micky Maus und Donald Duck-Hefte.
Allerdings gab es Fix und Foxi schon in den fünfziger Jahren.
Diese Biografie hat Qualität. Sie ist detailliert und informativ. Man merkt sofort, wie sorgfältig und gründlich sie gemacht ist. Rolf Kauka war im Krieg von der Ideologie der Nationalsozialisten geprägt gewesen. Aber das waren viele. Doch er hatte seine Ansichten später nicht abgelegt sondern seine Weltanschauung in die Comics fließen lassen. Das geschah in der Regel so, dass es nicht offensichtlich und/oder sofort erkennbar war. Auffällig wird es aber im Asterix-Heft, in dem Kauka den Originaltext in seinem Sinne verfälschte.
Die Biografie konnte mich sehr interessieren und überzeugen, da der Autor Bodo V. Hechelhammer eine so schwierige Persönlichkeit ohne Polemik und auch ohne zu relativieren darstellen konnte.
Ein Roman wie ein ausbrechender Vulkan
So forsch, so furchtlos von Andrea Abreu
Ein mutiger Roman um zwei Mädchen in Teneriffa. Dieser Schauplatz prägt die Geschichte mit. Wichtig ist die Erzählperspektive. Die Erzählerin ist eins der beiden Mädchen und aus ihrer Sicht entsteht ein Porträt ihrer Freundin Isora und ihrer engen Freundschaft.
Sie sind wirklich forsch, aber auch wild, frech und neugierig und der Roman zeigt den Übergang von Kindheit zu Pubertät.
Prägend ist auch der flinke Stil mit den sprachlichen Mittel von Dichtheit und Intensität. Die spanische Schriftstellerin Andrea Abrieu ist wirklich eine Entdeckung.
One by one the Guests arrive
Sieben Tage Sommer von Thommie Bayer
Dem Roman ist ein Zitat aus einem Leonard Cohen-Song vorangestellt: One by one the Guests arrive aus The Guests
Das passt natürlich inhaltlich, aber auch vom Sound her gibt es den Text auf gewisse weise wieder. Ruhig und eindringlich erhält auch der Text eine Melodie.
Es handelt sich übrigens unerwarteterweise um einen Briefroman.
Das bevorzugt zwar nicht jeder, aber hier ist es gut gemacht.E s ist ein E-Mail-wechsel zwischen Max, der in seiner Villa in Frankreich 5 ganz besondere Gäste empfangen will, und seiner Angestellten Anja, die diese Gäste betreuen soll
Zu Beginn wird die die Ausgangslage erläutert. Max ist sehr reich. Er wurde einmal überfallen und dann von 5 Menschen gerettet,. Sie sind es, die er jetzt erwartet.
Man lernt auch Max Gäste kennen: Jan, Danielle, Andre, Julia, Hans,
aber eine eigene Stimme bekommen sie nicht. Dadurch gewannen sie für mich nicht sehr an Profil.
Max selbst ist nicht anwesend, aber Anja berichtet Max detailliert.
Als Leser versucht man hinter Max Plan zu kommen. Was bezweckt er mit dem Versteckspiel.
Ich fand den Roman interessant, aber mit der Zeit war der E-Mail-Wechsel doch etwas ermüdend. Der Effekt wäre vermieden worden, wenn ein paar mehr Figuren beteiligt gewesen wären.
Dass Ende war aber doch gelungen, genau wie Thommie Bayers angenehmer Schreibstil und daher war ich mit dem Buch zufrieden.
Schwestern
Morgen kann kommen von Ildikó von Kürthy
Morgen kann kommen von Idilko von Kürthy ist die Geschichte von 2 Schwester, die sich entzweit hatten.
Ruth Mann Karl will nach 15 Jahren Ehe eine Auszeit. Das nimmt Ruth fassungslos zur Kenntnis. Offenbar hat er auch eine Affäre.
Daraufhin sucht Ruth erstmals nach Jahren wieder Kontakt zu ihrer Schwester Maria, die sich jetzt Gloria nennt.
Die Autorin arbeitet gut heraus, dass Ruth eigentlich genau die Schwächen ihres Mannes kennt. Er ist ein eitler, selbstbezogener Schauspieler und Ruth musste sich immer klein machen, da Karl nicht auf Augenhöhe lieben kann.
Ruth ist sich dessen bewusst. Also liegt es vielleicht auch an ihr und möglicherweise ist ihr angeknacksten Selbstvertrauen auch ein Resultat aus der Kindheit
Überraschend finde ich, wie problemlos die Schwestern wieder zueinanderfinden. Man sollte denken, die lange Zeit ohne einander hätte mehr Spuren gelassen.
Für Ruth ist das die Chance wieder zu sich zu kommen, neue Freunde zu finden und selbstbestimmt leben.
Es gibt immer wieder glänzend gemachte Beschreibungen, die im Buch sogar durch Illustrationen unterstützt werden.
Völlig klischeefrei ist das ganze nicht, aber insgesamt kann man sagen:
Wie schon mit ihrem Roman „Es wird Zeit“ hat Idilko von Kürthy wieder einen leichten Frauenroman mit anspruchsvollen Inhalt geschrieben.
Buch mit Atmosphäre
Ein französischer Sommer von Francesca Reece
Ein französischer Sommer. Titel und locken den Leser in Erwartung eines Sommerromans. Das trifft zwar bedingt sogar zu, aber das Buch ist mehr als das.
Die junge Britin Leah lebt mehr oder weniger ziellos in Paris und wird schließlich Assistentin des Schriftstellers Michael.Sie verbringt daher viel Zeit mit seiner Familie, freundet sich sogar mit der Tochter Clarissa an.
Und Leah erinnert Michael an seine lange zurückliegenden große Liebe Astrid.
Leah liest dann Michaels alte Tagebücher, die auf sie faszinieren wie verstörend wirken.
Der Roman hat viele gute Ansätze, aber mich störte ein wenig das sprunghafte. Das wird natürlich auch durch die wechselnden Erzählperspektiven verstärkt. Die Kapitel teilen sich abwechselnd zwischen Leah und Michael als Icherzähler auf. So lernt man aber auch ihre Gedanken kennen.
Mit beiden Protagonisten habe ich mich nicht leicht getan. Andererseits sind sie wirklich interessante Figuren, aber doch blieb ich immer auf Distanz zu ihnen.
Leider gibt es viel Abschweifungen und erhebliche Längen in der Handlung, wobei gerade zu ausgiebige Dialoge stören, die nur Gerede sind und wenig beitragen. Manche Passagen sind auch etwas verwirrend formuliert.
Der Debütroman von Francesca Reece hat vielversprechendes, aber auch noch Luft nach oben.
Auf Orwells Spuren
Orwells Rosen von Rebecca Solnit
Die US-Amerikanische Schriftstellerin Rebecca Solnit ist eine hoch anerkannte Essayistin und Orwells Rosen ist ein gutes Beispiel dafür.
Bisher hatte ich mich nicht an ihre Bücher herangetraut, aber man merkt sofort, dass dieses Essayband hohes Niveau hat.
George Orwell ist bekannt durch Farm der Tiere und 1984.
Aber es gibt auch noch mehr und dieses Buch erzählt auch in erster Linie nicht nur von ihm. Es schwingt viel mit.
Es sind Themen aus Orwells Zeit vorhanden. Mal geht es um Kohleabbau und Karbon. Um Arbeiterbewegungen, um den spanischen Bürgerkrieg, über Gemälde und immer wieder über Rosen.
Orwell hat auch einige Essays geschrieben, die Solnit erwähnt.
Erstaunlicherweise baut sie in einmal sogar einen Abschnitt über die Schriftstellerin Jamaica Kinkaid ein.
Rebecca Solnit hat offensichtlich wirklich tiefgehend recherchiert und sich zu den Ergebnissen eigene Gedanken gemacht.
Es ist ein forderndes Buch, aber auch beeindruckend geschrieben.
Beziehungen
Aus Freundlichkeit von Polly Samson
Ein sprachlich ansprechender Roman. Auffällig ist Polly Samsons Gespür für kleine Momente, die sie mit außerordentlicher Sensibilität darstellt.
Zur Qualität ihres Stils gehören detaillierte Beschreibungen, in denen sie selbst das Licht und Stimmungen einfängt. Das spürt man schon im Prolog, in den Julia ihren Habicht fliegen und jagen lässt und sie den 8 Jahre jüngeren Julian trifft.
Für ihn trennt sie sich von ihrem Mann. Sie werden ein Paar, bekommen ein Kind.
Samson lässt den Leser dieses Paar durch verschiedene, auch schwierige Stadien ihrer Beziehung begleiten.
Ich persönlich halte Aus Freundlichkeit (The Kindness) für ebenso gut wie Polly Samsons Erfolgsroman Sommer der Träumer und das bedeutet, es ist ein sehr gelungener Roman voller Tiefe und Feeling.
Die Konsulin
Die Diplomatin von Lucy Fricke
Die Diplomatin erzählt vom Leben einer Konsulin, zuerst in Montevideo, später in der Türkei.
Für das Hörbuch habe ich mich wegen der Sprecherin Bettina Hoppe und ihrer souveränen Stimme entschieden. Sie schlüpft ganz und gar in die Rolle der Hauptfigur, der Konsulin Fred. Man glaubt ihr diese Figur.
Die Handlung hat interessante Momente, aber so richtig Spannung erzeugt Lucy Fricke nicht. Das ändert sich eigentlich erst im Finale, dass ich ziemlich gelungen fand und das in Hamburg endet.
Das Hörbuch geht 5 Stunden. Das ist relativ kurz, dennoch zieht es sich ein wenig.











