Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
subtile Spannung
The Shards von Bret Easton Ellis
Bret Easton Ellis neuer Roman ist ein Spiel mit Fiktion und autobiografischen Elementen. Etwas, was der Autor wirklich gut beherrscht. Strassen und Orte werden genannt, auch viele Filme und Musik der Jahre 1980/1981. Ein wahres Namedropping, aber Bret Easton Ellis weiß dass geschickt einzusetzen. Außerdem entwickelt der Text ein große Dynamik, obwohl eigentlich nicht viel passiert.
Der 17jährige Protagonist, der Bret Ellis heißt und davon träumt, Schriftsteller zu werden erlebt die Jahre zusammen mit seinen Freunden auch als Suche nach sexueller Orientierung.
Ein verschärfendes Element der Handlung ist, dass ein Serienmörder sein Unwesen treibt.
Gleichzeitig ist Bret von einem neuen Schüler fasziniert, wie er ihn auch fürchtet.
Aus dieser Konstellation ergibt sich eine subtile Spannung.
Ein Buch voller dichter, düsterer Atmosphäre.
Juliette und David
Es war einmal in Brooklyn von Syd Atlas
Syd Atlas erweckt in ihrem Roman „Es war einmal in Brooklyn“ die späten siebziger Jahre zum Leben. Ich bin alt genug, dass ich mich an die Stimmung der Zeit erinnere, aber Syd Atlas Buch ist natürlich sehr amerikanisch.
Es ist auch die Zeit der Bedrohung durch Serienmörder. 1977 begeht der Son of Sam seine Morde.
Das Buch ist aber kein Thriller sondern ein realistisches Gesellschafts- und Zeitporträt.
Es geht um zwei Jugendliche, die befreundet sind. Juliette Darling und David kennen sich schon seit ihren frühen Kindheit. Sie verbindet viel.
Dann erkrankt David schwer an Leukämie. Juliette hingegen verliebt sich in einen anderen Jungen, Rico. Auch Ricos Perspektive wird einbezogen, wie auch die von anderen Figuren. Das macht die Autorin geschickt. Überhaupt hat sie einen guten, detaillierten Stil.
Als Leser ist man dicht an den Figuren dran. Manche Passagen wirken wie ein Jugendbuch, es gibt aber auch das Gefühl des Familienromans.
Die neue migrantische Mittelschicht
Nie mehr leise von Betiel Berhe
Das Buch nimmt die Perspektive der BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) in Deutschland ein.
Die Autorin betont, dass das Buch nicht für eine weiße Leserschaft geschrieben ist sondern für sich und den BIPoC. Das spürt man beim Lesen auch. Ich denke auch, dass die Zugehörigkeit zu BIPoc anstatt nur PoC gewählt wird, um sich abzugrenzen.
Das Ziel der Autorin ist, zu zeigen, welche Funktion die Verbindung von Rassismus und Klassismus im Kapitalismus erfüllt.
Die Autorin Betiel Berhe schöpft dabei aus ihren eigenen Erfahrungen.
Als schwarze Frau und Arbeiterkind erfuhr sie den sozialen Aufstieg als Akademikerin und Teil der Mittelschicht.
Betiel Berhe erklärt viel. Am stärksten sind jedoch die Passagen, die von ihren eigenen Erfahrungen, z.B. in der Schulzeit und im Berufsleben erzählt. Dann auch die Geschichte ihres Vaters, der aus Eritrea stammt.
Es gibt auch einige theoretische Ansätze. In der Summe entsteht das versprochene Bild der neuen migrantischen Mittelschicht, dass sich der Herkunft aus der Arbeiterschicht bewusst und verbunden ist.
So long, Chester Wheeler
Meilenweit bis ans Ziel von Catherine Ryan Hyde
Catherine Ryan Hyde hat schon viele Romane geschrieben, in der es um Annäherung zwischen den Menschen geht. Das ist ein Hauptthema von ihr.
Im vorliegenden Roman ist es der junge Lewis, der pleite und verlassen ist und daher einwilligt, seinen alten, schwerkranken Nachbarn Chester zu pflegen, obwohl der unausstehlich ist.
Ein echter grumpy old man.
Es ist anfangs nicht einfach, doch Chester letzter Wunsch ist, dass Lewis ihn im Wohnmobil nach Arizona fährt. Dort will er ein letztes mal seine Exfrau sprechen.
Auf der Fahrt raufen die ungleichen Männer sich zusammen und es entsteht ein Verstehen.
Das Thema und der Verlauf ist keineswegs neu. In Büchern und Film gab es so was schon oft, aber wenn es gut gemacht ist, funktioniert es doch immer wieder.
Der Roman ist flüssig und spannend zu lesen, wie man es von der Autorin gewohnt ist.
Schließlich schließt man sich als Leser dem Gruß des Originaltitels So long, Chester Wheeler an.
Israelkritik werten
Über Israel reden von Meron Mendel
Meron Mendel schreibt in seinem interessante Buch sehr reflektiert und gut durchdacht über das schwierige Thema Israelkritik.
Erwähnt werden die Möllemann-Äußerungen, das Günter Grass-Gedicht und
der Autor bezieht so einige Aufreger der jungen Vergangenheit mit ein, zum Beispiel, der Antisemitismus-Skandal auf der Documenta in Kassel.
Oder die Ausladung des Historikers Achille Mbembe vom Kunstfestival Ruhrtriennale aufgrund seiner Nähe zum BDS.
Die BDS-Bewegung mit ihrer Forderung Boycott, divestment, sanctions
ist überhaupt ein ganz großes Thema in dem Buch. Und das ist sogar trotz des Ernstes der Thematik spannend gemacht.
Meron Mendl hat sein Buch offen und offensiv gestaltet. Das hat mir ganz gut gefallen.
Plädoyer für Mut und Zuversicht
Solidarität von Natascha Strobl
Solidarität ist ein wirklich wichtiges Thema, dass in diesem Buch aus der Essay-Reihe Übermorgen behandelt wird. Ziel ist auch, Mut zu machen in Zeiten vieler Krisen.
Die Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl macht eine Zeitdiagnose, zeigt, wie auf die Krisen reagiert wird und plädiert für Solidarität, die natürlich auch definiert werden muss.
Am Ende des Buches werden zahlreiche Beispiele für praktische gesellschaftliche Solidarität von diversen Gemeinschaften gezeigt. Das war ziemlich überzeugend.
aus erster Reihe
Nichts als die Wahrheit von Georg Gänswein; Saverio Gaeta
Gänswein war dicht an Joseph Ratzinger dran. Seit 2003 war er dessen Privatsekretär und verfolgte die Ereignisse aus erster Reihe.
Mich interessierten zum Beispiel der Übergang von Johannes Paul II zu Ratzinger als Papst und die Details des Alltags. Diese werden dann aber teilweise zu ausführlich geschildert.
Es ist nicht Gänsweins Rolle, kritisches bezüglich Geschehnisse rund um den Papst zu äußern. Immerhin erwähnt er problematisches wie z.B. Vatileaks.
Aber der konservative Gänswein schreibt dann doch einseitig über das Verhältnis zwischen den Päpsten. Einerseits verständlich, denn Franziskus verzichtete auf seine Dienste. Man spürt das Beleidigung, die Gänswein empfand.
Insgesamt hat Gänswein so viele interessante Aspekte zu bieten, dass das Buch lesenswert ist. Eine Empfehlung kann ich aber nicht aussprechen.
emotional
Zwischen Gut und Böse von Marina Owsjannikowa
Als die russische Journalistin Marina Owsjannikowa im russischen Fernsehen mit einem Plakat gegen den Krieg demonstrierte, war das eine bedeutende Geste.
Leider gibt es zu wenige in Russland, die sich zu protestieren trauen. Die angedrohten Strafen sind zu drastisch. Aber Marina Owsjannikowa, die früher selbst Teil der Propaganda war, konnte nicht anders.
Der Angriff auf die Ukraine hatte sie schockiert. Sie wurde natürlich nach der Tat verfolgt. Putins Schergen sahen aber von Gefängnisstrafe ab. Ihr Ziel war es, die Tat und Marina Owsjannikowa in Vergessenheit geraten zu lassen.
Marina Owsjannikowa ging nach Deutschland und arbeitet kurz für Die Welt.
Dann kehrte sie nach Russland zurück, denn ihre Kinder sind noch da.
Noch einmal protestierte sie öffentlich mit einem Plakat. Sie war auch kurz in Haft.
Nur dank der Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen konnte sie Russland wieder verlassen, zusammen mit ihrer Tochter.
Das Buch ist interessant zu lesen, da es auch ziemlich emotional ist. Verständlich, denn die Autorin stand sehr unter Druck, als sie es entwarf.
Daher ist es nicht so journalistisch aufgebaut, wie erwartet. Es ist sehr autobiografisch. Es dreht sich alles um sie selbst.
Wünschenswert wäre ergänzend ein Blick, der auch die Gesamtsituation in Russland einordnet, also eine politische Analyse. Es bleibt eine Zustandsbeschreibung und die Antikriegsposition glaube ich ihr.
Es bleibt zu hoffen, dass andere Journalisten ebenfalls protestieren werden. Denn ohne eine inneren Widerstand in Russland selbst, wird es schwer, Putin je zu überwinden.
reportagehaft
Ein ehrenhafter Abgang von Éric Vuillard
Ein ehrenhafter Abgang ist ein offenbar ironischer Titel über die französische Kolonialherrschaft in Indochina. Es ist ein Buch, dass Prix Concourt-Preisträger Eric Vuiilard in dem Stil verfasste, für den er bekannt ist.
Diesen eigenwilligen, reportagehaften Stil muss man mögen, sonst erreicht einen das Buch nicht.
Ich finde den Stil interessant, doch das Thema ist mir zu fern und daher ging der Text leider weitgehend an mir vorbei.
Vielleicht ist es doch eher ein Buch für den französischen Buchmarkt.
verworren
Im Vaterleib von Gamberale Chiara
Im Vaterleib ist ein Stück italienische Literatur über eine schwierig Beziehung.
Die Fernsehmoderatorin Adele ist alleinerziehende Mutter. Sie trifft den Kinderarzt Nicola, der aber gebunden ist.
Adele schleppt aber noch andere Konflikte mit sich herum. Sie hatte als jugendliche keine einfache Situation.
Es gibt offenbar einen psychologischen Ansatz. Es gibt viele gedankliche Reflexionen, denen man nicht immer leicht folgen kann. Streckenweise lässt mich das Buch ratlos zurück. Es ist ein schwieriges Buch.
Stilistisch ist es so ungewöhnlich originell, aber auch etwas verworren.











