Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Bücher meines Lebens
Clemens Meyer über Christa Wolf von Clemens Meyer
Als Teil der Reihe Bücher meines Lebens ist dieses Essay von Clemens Meyer über Christa Wolf erschienen.
Clemens Meyer geht hier durch Christa Wolfs Bücher, gleichzeitig auch durch wichtige Teile der Literatur der DDR.
Es ist also von Vorteil, Christa Wolfs Werk ein wenig zu kennen und auch einige der anderen DDR-Autoren.
Es ist ein dichter Text. Clemens Meyer bleibt Christa Wolf konzentriert auf den Spuren. Als Schlüsselwerk wird immer wieder Kindheitsmuster herangezogen.
Da ich Christa Wolf viel gelesen habe, ist Clemens Meyers Buch für mich ein Glücksfall!
Der Gesang des Sumpfengels
Das Gewicht des Ganzen von Sven Heuchert
Der Schriftsteller Sven Heuchert, bekannt durch Dunkels Gesetz, hat einen eigenwilligen Stil. Er setzt auf seine Figuren, die sich verschlossen geben. Das trägt neben glänzenden Beschreibungen zur Atmosphäre bei.
Die Kapitel wechseln zwischen Milla und Russ, die sich in Kanada treffen und sich miteinander befreunden.
Obwohl die beiden sich kaum persönliches erzählen, haben sie ein Gefühl der Vertraulichkeit. Die Dialoge sind wirklich gut gemacht.
Ein Noir-Feeling, wie in Heucherts früheren Romanen fehlt. Dadurch wird der Roman für mich umso mehr zur lesenswerten Literatur. Der Roman beginnt fast sperrig, entwicklt aber mit der Zeit immer mehr einen erzählerischen Sog, den man sich als Leser nicht entziehen kann oder will.
Ein Buch von ungewöhnlicher Mischung
Die Verräter von Artur Weigandt
Der in Kasachstan geborene Journalist Artur Weigandt hat mit Die Verräter ein ungewöhnliches, beeindruckendes Buch geschrieben.
Sein Vater ist Weißrusse, die Mutter Ukrainerin und Belarussin. Gelebt haben sie in Uspenka in Kasachstan. Dann gingen sie nach Deutschland, wo Artur aufwuchs.
Die Frage der Identität beschäftigt Artur stark und so geht es vermutlich vielen seiner Generation, die aufwuchsen, nachdem die Sowjetunion zersplitterte.
Das Buch zeigt Arturs frühe Jugend, aber es ist auch sehr zeitnah mit dem Gegenwartsplot, in dem der Krieg in der Ukraine alles beherrscht.
Mit zahlreichen Gesprächen zeigt der Autor, wie zerrissen die Menschen sind. Nationalismus und Fanatismus ist weit verbreitet. Die Propaganda Putins wirkt.
Das Buch ist eine Mischung aus Roman, Autobiografie und journalistische Reportage. Eine Form, wie man es so selten liest. Sehr überzeugend, sehr lesenswert!
Ankommen
Polnischer Abgang von Mariusz Hoffmann
Ein sympathischer Roman über die Flucht einer Familie von Polen nach Deutschland und ihr Ankommen hier. Es ist 1980 und der Autor Mariuz Hoffmann entwickelt ein Gefühl für diese Zeit.
Für die Erzählperspektive wird der 14jährige Jarek, Sohn der Familie gewählt und sein Blick ist naiv.
Dadurch werden die inneren Spannungen der Familie, z.
B. auf der Flucht, nicht genauer betrachtet. Nach der Ankunft gibt es hingegen gut gestaltet Szenen, die zeigen , dass der Weg anerkannter Deutscher zu werden, kein leichter ist.
Es werden viele Coming of Age-Passagen eingefügt, insbesondere nachdem Jarek sich mit der mutigen Monika anfreundet.
Die geheimnisvoll gehaltene Großmutter-Geschichte fügt noch ein wenig Spannung hinzu, bleibt aber insgesamt im Hintergrund.
Sprachlich würde ich den Roman durchschnittlich, aber mit guten Ansätzen einstufen. Der Autor hätte literarisch mehr wagen können, aber was er macht, funktioniert.
Der Vorfall und seine Folgen
Institut für gute Mütter von Jessamine Chan
Institut für gute Mütter ist der Debütroman der US-Amerikanischen Schriftstellerin Jessamine Chan. Das es ein Debüt ist, merkt man dem Buch aber nicht an. Es ist gut und gründlich ausgearbeitet, gut durchdacht und detailreich. Oft ist man nahe an den Gedanken und Empfindungen der Hauptfigur Frida dran.
Sie ist Mutter, der Mann hat sich von ihr getrennt. Sie war überfordert und hat ihr nicht einmal 2jähriges Kind für Stunden alleine gelassen. Das zeiht Konsequenzen von Ausmaßen nach sich.
Das Buch ist eine Parabel auf überforderte Mütter und Behördenwillkür sowie staatlicher Überwachung. Das wird dann spätestens in dem Institut sehr krass. Hier werden Mütter, die ihre Kinder vernachlässigt haben, mit Methoden der Robotik und künstlicher Intelligenz umerzogen. Es gibt krasse Beschreibungen und man sieht, was das mit der Psyche der jungen Frauen macht. Dieses Institut ist nicht die Realität der westlichen Welt, aber was z.B. in China mit Überwachung der Menschen passiert, zeigt, dass die Gefahr real ist. Daher ein wichtiges Buch.
Chucks Leidenschaft fürs Leben
Das Geschenk von Wolf Wondratschek
Wolf Wondratschek zeigt in seinem erstmals 2011 erschienen Buch einen alternden Schriftsteller und sein 14jähriger Sohn.
Das Buch ist eigentlich unspektakulär, hat aber wieder den typischen Wondratschek-Sound. Ihr Verhältnis ist nicht ganz einfach. Der Junge ist verschlossen, die Dinge, die sein Vater liebt, wie Bücher und Boxen, teilt er nicht.
Oft sehen sie sich nicht, denn der Junge lebt bei der Mutter, die vom Vater schon lange getrennt ist.
Chucks Gedanken wandern zurück an zentrale Punkte seines Lebens, darunter auch seine Beziehung mit Greta, die vor 20 Jahren starb, an seine Leidenschaft für Drogen und Musik oder an einen Bekannten, der den Freitod wählte. Es gab also in Chucks Leben viele Verluste. Manche dieser Passagen sind wirklich brillant geschrieben.
Der Drum´n´Bass stoppt abrupt
PUNKED von Yasmin Sibai
Die Autorin Yasin Sibai kennt sich aus in der Szene des Punk, der aber nicht mehr dass ist, womit er mal begann. Die Szene hatte sich weiterentwickelt.
Wobei man sagen muss, dass die Romanhandlung zwischen 1998 und 2011 hin- und herspringt. Auch die Schauplätze wechseln viel.
Die Protagonistin Bey erfährt vom Tod ihres ehemaligen Freundes, den sie Jahre nicht gesehen hat.
Die Todesursache macht sie stutzig und sie beginnt nachzuforschen.
Mit Karina gibt es eine zweite wichtige Figur, wenn auch leicht überzeichnet.
Auch Musikalisch sind andere Einflüsse hinzugekommen. Zahlreiche Zitate aus Songtiteln sind eingestreut und tragen dazu bei, entsprechende Atmosphäre aufzubauen. Ein Blick in die Playlist lohnt sich.
Das Romandebüt Punked ist sprachlich ansprechend und wird weiterhin sehr von den Dialogen getragen.
Malik und Nimmi
Der Geheimnishüter von Jaipur von Alka Joshi
Der Geheimnishüter von Jaipur heißt der neue Roman der in Indien geborenen Schriftstellerin Alka Joshi.
Der Geheimnishüter von Jaipur setzt an Die Hennakünstlerin an.
Laksmi, die Hauptfigur des ersten Teils, wirkt wieder mit. Zusammen mit ihrem Mann, der Arzt ist, arbeitet sie in einem Krankenhaus.
Diesmal wird aber nicht nur aus ihrer Perspektive erzählt sondern auch aus Maliks und aus der Sicht der jungen, verwitwetes Mutter Nimmi. Die Passagen mit den Gedanken von Nimmi halte ich sogar für die stärksten.
Aber auch die anderen sind detailliert und voller Sprachreichtum.
Indien in der Zeit nach der Unabhängigkeit wird lebendig.
Im Vordergrund stehen aber die Figuren und ihr Schicksal.
Die Handlung entwickelt sich nur relativ langsam. Das ist dem Detailreichtum geschuldet.
Man darf auch nicht verschweigen, dass der Roman nicht ganz so relevant und eindringlich ist wie Die Hennakünstlerin.
Das ist aber immer noch gute Unterhaltungsliteratur.
Cozy Detektive in Amsterdam
Die Hausboot-Detektei - Tödlicher Genuss von Amy Achterop
Wenn die Hausboot-Detektei überhaupt ein Kriminalroman ist, dann ist er sehr cozy. Es ist eine entspannte Lektüre, manchmal mit komischen Einschlägen.
Es beginnt schon sehr stark mit Maddie, die vor Gericht sitzt, weil sie sich für ihre Schwester etwas zu rabiat eingesetzt hat. Das bringt ihr aber einen Job als Detektivin bei Arie, einem ehemaligen Polizisten.
Sie sind zu viert, einen Auftrag haben sie zunächst noch nicht. Dann kommt noch eine Kriminalautorin hinzu, und ein Eichhörnchen als Maskottchen.
Arie, Maddie, Jack, Jan und Elin. Diese Truppe muss sich aber noch richtig finden.
Das Buh profitiert auch von dem Amsterdam-Feeling, dass die Autorin Amy Achterop geschickt aufbaut.
Dafür bin ich von den Figuren nicht so sehr überzeugt. Außer Maddie bleiben alle sehr blass. Maddie wird aber auch mit Abstand am meisten Raum gegeben. Die Schriftstellerin Elin ist noch ein ganz interessanter Charakter.
Tödlicher Genuß ist der Serienanfang. Es wird schon bald ein weiterer Teil folgen. Ich persönlich werde aber nicht weiterlesen, dafür fehlt es an Qualität.
Der Weg eines Schauspielers
Das Leben hat kein Geländer von Christian Redl
Das Leben hat kein Geländer. Dieser geniale Titel war es, der mich angelockt hat und das Buch ist wirklich lesenswert.
Christian Redl ist Theater-, Film- und Fernsehschauspieler. Geboren wurde er 1948. Dieses Buch ist seine Autobiografie, aber es ist auch ein Zeitporträt.
Die Kriegsjahre haben seine Eltern geprägt.
Es war keine leichte Zeit.
Die Familie war nicht reich. Es gab Entbehrungen. Aber so ging es sicherlich vielen bis dann schließlich das deutsche Wirtschaftswunder eintrat.
Man spürt auch die Sitten der Zeit.
Christian war kein guter Schüler, aber als er auf die Waldorfschule durfte, entdeckte er sein Talent für die Schauspielerei.
Dann geht es in die sechziger Jahre zur Schauspielausbildung. Auch hier viel Zeitkolorit. Erste Berufserfahrungen im Theater und das Treffen von bedeutenden Persönlichkeiten, z.B. Peter Zadek folgen. Für Theaterfans dürfte das sehr interessant zu lesen sein.
Schließlich folgen bis in die Gegenwart auch Erfolge im Film und Fernsehen und Chrsitian Redl wird sehr bekannt.
Dieses Buch gehört mit Sicherheit zu den angenehmen Autobiografien, die ich gelesen habe.











