Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
San und Nisha
Mein Leben in deinem von Jojo Moyes
Ein ganzes halbes Jahr war ein wirklich packendes Buch. Das Niveau wieder zu erreichen ist schwierig.
Das neue Buch handelt von zwei unterschiedlichen Frauen, deren Leben sich durch einen Vertausch ihrer Taschen verändert.
Den Handlungsstrang um Sam bin ich ganz gerne gefolgt, die Geschichte um Nisha wirkte zu konstruiert, Das liegt auch an dem merkwürdigen Weltbild, das Jojo Moyes hat.
Luise Helm spricht das Hörbuch routiniert, wie immer. Aber sie hat durch den leicht rudimentären Stil der Autorin zu kämpfen.
Stärken entwickelt die Handlung, wenn es dramatische, spannende Passagen gibt und als Unterhaltungsroman funktioniert das Buch schließlich doch.
Das Erbe des deutschen Papstes für die Kirche und die Welt
Benedikts Vermächtnis von Peter Seewald
Benedikts Vermächtnis ist das erste Buch über Papst Benedikt nach seinem Tod und es ist von seinem langjährigen Biografen Peter Seewald verfasst, der weiß wie man schreibt.
Es ist in keinster Weise kritisch, nicht die Spur einer Abrechnung mit Ratzingers katastrophalen Fehlern. Das sollte man zum jetzigen Zeitpunkt nicht erwarten.
Das Buch zeigt Joseph Ratzingers Leben. Sein Aufwachsen in Bayern, der Kriegsbeginn. Sein Vater ein Nazigegner. Ratzinger wurde im Krieg Luftwaffenhelfer, kommt schließlich ins Kriegsgefangenschaft.
1951 wird er Priester.
Diese frühen Passagen über das Leben des deutschen Papstes haben mich sehr interessiert.
Zu dem Autor Peter Seewald fasst man schnell Vertrauen, da er ein so langer Kenner Benedikts war und er schreibt souverän.
In der Mitte des Buches verzettelt er sich einseitig in die Auseinandersetzungen Hans Küngs mit Ratzinger, doch die Beschreibungen der Verbindung Ratzingers mit Karol Wojtyła überzeugen. Später wird etwas sehr versucht, Benedikts angekratzten Ruf rein zu waschen.
Eigentlich gibt es, denke ich, einen Konsens darüber, dass Ratzinger ein Hardlliner und als Benedikt IVI der schwächste Papst seit Jahrzehnten war.
Aber unsympathisch war er nicht.
Und dieses Buch war alles andere als langweilig!
you're gonna make it after all
Cosmopolitan – Die Zeit der Frauen von Renée Rosen
Helen Gurley Brown war eine bekannte amerikanische Autorin und Herausgeberin des Cosmopolitan. Sie war eine Ikone ihrer Zeit und prägte den Zeitgeist Mitte der sechziger Jahre entscheidend mit.
Dieser Roman ist ein Porträt von ihr und von dieser entscheidenden Zeit.
Geschickterweise wird die Geschichte von einer Frau erzählt, die ihre Assistentin war.
Die junge Alice ist 1965 nach New York gekommen, um Fotografin zu werden, landet aber aber bei Helen als Sekretärin. Bei ihr musste ich an die Hauptfigur der Serie Mary Tyler Moore denken.
Es wird in einem gut zu lesenden Stil erzählt.
Es wird auch klar, dass es keine einfache Aufgabe war, den Cosmopolitan so zu entwickeln, wie es Helen Gurley Brown tat. Durch sie wird es eine Zeit der Frauen.
Renée Rosen lässt einen in diese Zeit des Wandels eintauchen.
Intelligente Jugendliteratur
Ruhm und Verbrechen des Hoodie Rosen von Isaac Blum
Ruhm und Verbrechen des Hoodie Rosen ist ein intelligentes Jugendbuch mit einem Jungen im Mittelpunkt, der orthodoxer Jude ist.
Er trifft das Mädchen Anna-Marie. Das sich ein orthodoxer Junge mit einer Schickse abgibt, ist für die jüdische Gemeinschaft ein Problem. Erst Recht für seine Eltern.
Isaac Blum hat mit dem 16jährigen Hoodie eine originelle Figur geschaffen, der mit den zwängen und Sitten seiner Herkunft auf gewitzte Art umgeht.
Dabei mangelt es nicht an Ironie und Selbstironie. Er ist nicht an sarkastischen Bemerkungen verlegen.
Das macht den Witz des Buches aus.
Nebenbei erfährt man einiges über das orthodox-jüdische Leben. Aber auch von Spannungen in der amerikanischen Gesellschaft, die bis zum Extremismus reicht.
Unbedingt erwähnenswert ist das Cover, das gut gezeichnet in relativ dunklen Farben das Paar des Buches samt kleinen Hund zeigt. Das ist sehr atmosphärisch.
Fazit: Ein Buch, das wirklich Spaß macht, aber auch einige wichtige Themen auf unverkrampfte Art anpackt.
Hat mich nicht überzeugt
Die Perfektionen von Vincenzo Latronico
Die Perfektionen ist ein Buch, dass durch das weiße Cover mit dem raffinierten Namenszug anlockt. Es gibt sich sehr modern und das Paar, die die Protagonisten bilden, ist anscheinend exemplarisch für unsichere, zudem gelangweilte Zeitgenossen in Berlin. Aber als Berlin-Rom,an kann ich den Roman nicht akzeptieren.
Doch vielleicht muss man zu der Generation gehören, um sich zu identifizieren. Das gelang mir nicht, weil ich die Figuren nicht richtig kennen lerne. Das es keine Dialoge gibt, ist einerseits Stil, macht es aber auch nicht leichter. Und so sind Anna und Tom nicht wirklich eigenständig sondern stehen für einen Teil einer Generation. Mich hat das nicht überzeugt, aber immerhin versucht der italienische Schriftsteller Vincenzo Latronico etwas neues.Doch viele detaillierte Beschreibungen sind langatmig und sprachlich schlicht.
Jamaikanische Wurzeln
Falls ich dich überlebe von Jonathan Escoffery
Jonathan Escoffery wählt für seinen Roman anfangs die Erzählform der zweiten Person. Das ist nicht unbedingt von mir bevorzugt und erschwert das Lesen, aber ich verstehe, dass dieses Du auch eine Einladung ist, nahe an die Figuren zukommen.
Thematisch vermag das Buch mich sofort sehr zu interessieren.
Nachvollziehbar werden von den Erfahrungen erzählt, in den USA als Kind jamaikanischer Einwanderer aufzuwachsen.
Hauptfigur ist der in den USA geborene Sohn Trelawny
Herkunft und Hautfarbe und Lebensbedingungen bestimmen seine Identität mit.
Schließlich tritt ein zweites Du auf. Der Vater von Trelawny wird Erzähler. Er reflektiert Trelawnys Aufwachsen in Miami.
Schließlich wechselt die Form zwischenzeitlich in die Ich-Perspektive, auch andere Figuren rücken in den Mittelpunkt und die Handlung wird immer komplexer.
Es ist ein Buch, das mich beim Lesen nicht kalt lässt.
Das Flair Italiens der siebziger Jahre
Die Frau in den Bäumen von Elisabeth Plessen
Am Anfang kann die Figurenkonstellation irritieren. Die Protagonistin Anna fährt mit ihrem Freund Leo in die Ferien nach Italien. Da gibt es dann den guten Freund Robert und den jungen Geliebten Matteo. Mit der Zeit liest man sich ein.
Was mich überzeugt ist weniger der Plot an sich als die Gedanken der Protagonistin, die ein Faible für alte Filme, Thomas Mann, Beethoven hat.
Sie ist eine interessante Persönlichkeit, steht aber in einer Situation zwischen mehreren Männern und scheint sich nicht entscheiden zu können.
Der Roman schöpft seine Atmosphäre aus dem Italienflair der siebziger Jahre und ist unbedingt lesenswert.
Die Wohnung und sieben Geschichten
Die schmutzige Frau von Annette Pehnt
Eine Frau lebt alleine in einer Wohnung und schreibt. Ihr Mann besucht sie gelegentlich.
Annette Pehnt zeigt in ihrem Roman Die schmutzige Frau einen Zustand der Isolation und den Endzustand einer Beziehung.
Sie nutzt dazu eigenwillige sprachliche Mittel und streut zwischen dieser Zustandsbeschreibung mehrere kleine Geschichten.
Auffällig am Buch ist auch das gemalte Cover, dass eine Frau von hinten auf einem Balkon zeigt. Das vermittel schon eine gewisse Nachdenklichkeit, die dann auch im Text zu finden ist.
Zeitgeist
Tage im Mai. von Marlene Streeruwitz
Marlene Streeruwitz beschreibt ihrem sehr zeitgenössischen Roman eine Mutter-Tochterbeziehung. Die Handlung ist im Mai 2022 angesiedelt, die allgemeine Stimmung daher entsprechend diffus, Themen wie Corona, Impfpficht und Ukraine akut.
Konstanze und ihre zwanzigjährige Tochter Veronika treffen sich nur noch zum gelegentlich Serien gucken auf Netflix.
Ein Teil der Telenovelas wird im Buch wiedergegeben. Es gibt Dialoge zwischen den beiden. Die Entfremdung der beiden bleibt.
Die Dialoge sind wie für ein Theaterstück gemacht und teilweise wirklich brillant.
Streeruwitz letzter Roman Flammenwand hatte mich fasziniert. Und auch dieses Buch zeigt den Zeitgeist.
Gute Sprecherin
Tage im Mai. von Marlene Streeruwitz
In einer dunkelblauen Stunde von Peter Stamm hatte ich bereits als Buch gelesen, wollte aber auch in das Hörbuch reinhören. Sprecherin ist Sabine Arnhold und ihre Stimme ist nicht schlecht, jedoch deckt es sich nicht so ganz mit der inneren Stimme, die ich mir beim Lesen vorgestellt hatte. Das ist aber nur ein Effekt, wenn man das Buch gerade erst gelesen hat.
Bei manchen Teilen der inneren Gedankengänge der Protagonistin ist die Hörbuchversion von Vorteil, da doch viel auch stimmlich ausgedrückt wird. Und noch wichtiger, Arnholds Stimme passt eigentlich sehr stimmig zu der Protagonistin.
Sabine Arnholt ist eine mir nicht ganz so bekannte Hörbuchsprecherin, aber ihre Stimme ist doch bekannt. Als Synchronsprecherin habe ich sie schon in Film/Fernsehen gehört.
Mit ca.6,5 Stunden hat das ungekürzte Hörbuch eine gute Länge. Für mich die Ideallänge für ein Hörbuch. Zu lang hält man manchmal nicht durch, zu kurz deutet auch Kürzungen hin.










