Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
So long, Chester Wheeler
Meilenweit bis ans Ziel von Catherine Ryan Hyde
Catherine Ryan Hyde hat schon viele Romane geschrieben, in der es um Annäherung zwischen den Menschen geht. Das ist ein Hauptthema von ihr.
Im vorliegenden Roman ist es der junge Lewis, der pleite und verlassen ist und daher einwilligt, seinen alten, schwerkranken Nachbarn Chester zu pflegen, obwohl der unausstehlich ist.
Ein echter grumpy old man.
Es ist anfangs nicht einfach, doch Chester letzter Wunsch ist, dass Lewis ihn im Wohnmobil nach Arizona fährt. Dort will er ein letztes mal seine Exfrau sprechen.
Auf der Fahrt raufen die ungleichen Männer sich zusammen und es entsteht ein Verstehen.
Das Thema und der Verlauf ist keineswegs neu. In Büchern und Film gab es so was schon oft, aber wenn es gut gemacht ist, funktioniert es doch immer wieder.
Der Roman ist flüssig und spannend zu lesen, wie man es von der Autorin gewohnt ist.
Schließlich schließt man sich als Leser dem Gruß des Originaltitels So long, Chester Wheeler an.
Israelkritik werten
Über Israel reden von Meron Mendel
Meron Mendel schreibt in seinem interessante Buch sehr reflektiert und gut durchdacht über das schwierige Thema Israelkritik.
Erwähnt werden die Möllemann-Äußerungen, das Günter Grass-Gedicht und
der Autor bezieht so einige Aufreger der jungen Vergangenheit mit ein, zum Beispiel, der Antisemitismus-Skandal auf der Documenta in Kassel.
Oder die Ausladung des Historikers Achille Mbembe vom Kunstfestival Ruhrtriennale aufgrund seiner Nähe zum BDS.
Die BDS-Bewegung mit ihrer Forderung Boycott, divestment, sanctions
ist überhaupt ein ganz großes Thema in dem Buch. Und das ist sogar trotz des Ernstes der Thematik spannend gemacht.
Meron Mendl hat sein Buch offen und offensiv gestaltet. Das hat mir ganz gut gefallen.
Plädoyer für Mut und Zuversicht
Solidarität von Natascha Strobl
Solidarität ist ein wirklich wichtiges Thema, dass in diesem Buch aus der Essay-Reihe Übermorgen behandelt wird. Ziel ist auch, Mut zu machen in Zeiten vieler Krisen.
Die Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl macht eine Zeitdiagnose, zeigt, wie auf die Krisen reagiert wird und plädiert für Solidarität, die natürlich auch definiert werden muss.
Am Ende des Buches werden zahlreiche Beispiele für praktische gesellschaftliche Solidarität von diversen Gemeinschaften gezeigt. Das war ziemlich überzeugend.
aus erster Reihe
Nichts als die Wahrheit von Georg Gänswein; Saverio Gaeta
Gänswein war dicht an Joseph Ratzinger dran. Seit 2003 war er dessen Privatsekretär und verfolgte die Ereignisse aus erster Reihe.
Mich interessierten zum Beispiel der Übergang von Johannes Paul II zu Ratzinger als Papst und die Details des Alltags. Diese werden dann aber teilweise zu ausführlich geschildert.
Es ist nicht Gänsweins Rolle, kritisches bezüglich Geschehnisse rund um den Papst zu äußern. Immerhin erwähnt er problematisches wie z.B. Vatileaks.
Aber der konservative Gänswein schreibt dann doch einseitig über das Verhältnis zwischen den Päpsten. Einerseits verständlich, denn Franziskus verzichtete auf seine Dienste. Man spürt das Beleidigung, die Gänswein empfand.
Insgesamt hat Gänswein so viele interessante Aspekte zu bieten, dass das Buch lesenswert ist. Eine Empfehlung kann ich aber nicht aussprechen.
emotional
Zwischen Gut und Böse von Marina Owsjannikowa
Als die russische Journalistin Marina Owsjannikowa im russischen Fernsehen mit einem Plakat gegen den Krieg demonstrierte, war das eine bedeutende Geste.
Leider gibt es zu wenige in Russland, die sich zu protestieren trauen. Die angedrohten Strafen sind zu drastisch. Aber Marina Owsjannikowa, die früher selbst Teil der Propaganda war, konnte nicht anders.
Der Angriff auf die Ukraine hatte sie schockiert. Sie wurde natürlich nach der Tat verfolgt. Putins Schergen sahen aber von Gefängnisstrafe ab. Ihr Ziel war es, die Tat und Marina Owsjannikowa in Vergessenheit geraten zu lassen.
Marina Owsjannikowa ging nach Deutschland und arbeitet kurz für Die Welt.
Dann kehrte sie nach Russland zurück, denn ihre Kinder sind noch da.
Noch einmal protestierte sie öffentlich mit einem Plakat. Sie war auch kurz in Haft.
Nur dank der Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen konnte sie Russland wieder verlassen, zusammen mit ihrer Tochter.
Das Buch ist interessant zu lesen, da es auch ziemlich emotional ist. Verständlich, denn die Autorin stand sehr unter Druck, als sie es entwarf.
Daher ist es nicht so journalistisch aufgebaut, wie erwartet. Es ist sehr autobiografisch. Es dreht sich alles um sie selbst.
Wünschenswert wäre ergänzend ein Blick, der auch die Gesamtsituation in Russland einordnet, also eine politische Analyse. Es bleibt eine Zustandsbeschreibung und die Antikriegsposition glaube ich ihr.
Es bleibt zu hoffen, dass andere Journalisten ebenfalls protestieren werden. Denn ohne eine inneren Widerstand in Russland selbst, wird es schwer, Putin je zu überwinden.
reportagehaft
Ein ehrenhafter Abgang von Éric Vuillard
Ein ehrenhafter Abgang ist ein offenbar ironischer Titel über die französische Kolonialherrschaft in Indochina. Es ist ein Buch, dass Prix Concourt-Preisträger Eric Vuiilard in dem Stil verfasste, für den er bekannt ist.
Diesen eigenwilligen, reportagehaften Stil muss man mögen, sonst erreicht einen das Buch nicht.
Ich finde den Stil interessant, doch das Thema ist mir zu fern und daher ging der Text leider weitgehend an mir vorbei.
Vielleicht ist es doch eher ein Buch für den französischen Buchmarkt.
verworren
Im Vaterleib von Gamberale Chiara
Im Vaterleib ist ein Stück italienische Literatur über eine schwierig Beziehung.
Die Fernsehmoderatorin Adele ist alleinerziehende Mutter. Sie trifft den Kinderarzt Nicola, der aber gebunden ist.
Adele schleppt aber noch andere Konflikte mit sich herum. Sie hatte als jugendliche keine einfache Situation.
Es gibt offenbar einen psychologischen Ansatz. Es gibt viele gedankliche Reflexionen, denen man nicht immer leicht folgen kann. Streckenweise lässt mich das Buch ratlos zurück. Es ist ein schwieriges Buch.
Stilistisch ist es so ungewöhnlich originell, aber auch etwas verworren.
Venedigs schwerste Zeit
Garten der Engel von David Hewson
Der Engländer David Hewson nutzt einen literarischen Trick um auf bestimmte Art über Venedig in den vierziger Jahren zu erzählen.
Venedig war von den Deutschen besetzt, die jüdische Bevölkerung der Stadt in höchster Gefahr. Paolo war zu diesem Zeitpunkt 18 und beschließt, 2 jüdische Partisanen zu verstecken.
Jahre später: Der 15jährige Nino bekommt von seinem Großvater Paolo, der schwerkrank im Krankenhaus liegt, portionsweise dessen Tagebücher zu lesen.
In diesen Bänden schreibt Paolo über die Geschehnisse der Zeit, aber er schreibt nicht in der Ichform. Er schreibt über sich selbst, als wäre er eine andere Person.Dadurch kann er die Geschichte mehrerer verschiedene verschiedener Menschen erzählen und auch das Erzählen, wo er selbst persönlich nicht dabei war. Das heißt auch, das einige Passagen nur auf Vermutungen basieren und nicht unbedingt stimmen müssen.
Für den Jungen sind die Texte schon bald faszinierend. Er steht seinem Großvater nahe und erlebt ihn jetzt ganz neu.
Es wird eine Art Geschichtsunterricht, bei dem es auch darum geht, Mensch zu werden.
Zwar bezeichne ich den Roman nicht als geschwätzig, aber ausführlich ist er schon. Der Roman lässt sich aber so gut lesen, dass das kaum ins Gewicht fällt.
Mayday, Mayday, Mayday! von der Yacht Querelle
In blaukalter Tiefe von Kristina Hauff
Der Anfang des neuen Romans von Kristina Hauff gibt sich rätselhaft. Die eigentliche Handlung setzt dann einige Wochen vorher an.
2 Paare fahren zusammen mit einem Skipper auf einen sommerlichen Segeltörn.
Die schwedische Schären bieten eine n vielversprechenden Schauplatz. Vielleicht hätte die Autorin daraus sogar noch mehr machen können.
Doch einige ausgezeichnete Beschreibungen gibt es. Atmosphäre baut sich auf.
Ich finde die Figurenkonstellation interessant. Andreas und seine Frau Caroline,
Daniel und seine Freundin Tanja,m dazu der selbstbewusste, undurchschaubare Skipper Eric.
Die Stimmung an Bord ist fragil. Spannungen bauen sich auf.
Die Erzählperspektiven wechseln.
Die Figuren haben ihr Rollen, die den Erwartungen folgen. Zum Beispiel gibt sich Andreas als großer Macker, seine Frau unterwürfig und Tanja unsicher.
Sie hätte auch anders angelegt sein können, doch schließlich entwickeln sie sich.
Für das Buch spricht, das Thriller-Elemente nur latent eingesetzt werden, es bleibt doch eher ein Beziehungsdrama voller dichter Atmosphäre.
wehmütige Stimmung
Lichte Tage von Sarah Winman
Lichte Tage ist ein besonderer Roman über tiefe Freundschaft.
Sarah Winmans Sprache hat einen warmen Sound, der das Buch bestimmt. Dazu passt auch das leuchtende Cover mit den Sonnenblumen und das vorangestellt Van Gogh-Zitat.
Schon die erste Passage 1950 mit Dora und ihrem Bild ist sehr stark.
Später steht ihr Sohn mehr im Vordergrund. Ellis und sein Freund Michael sind zusammen in England aufgewachsen.
Die Handlung schwebt durch die Zeiten. Mal sind sie Jungen, dann erwachsen.
Michael ist schwul, sein Freund ist an Aids gestorben. Das hinterlässt in ihm eine Furcht. Ein Gefühl, das vielleicht auch Teile der Gesellschaft der späten achtziger, neunziger Jahre war.
Höhepunkt des Buches sind für mich die Passagen in Südfrankreich. Man spürt, wie die Umgebung auf Michael wirkt.
Größtenteils ist aber Oxford Schauplatz der Handlung.
Seine Freundschaft zu Ellis und Annie ist tiefer denn je.
Dennoch ist der Roman von wehmütiger Stimmung und leichter Melancholie geprägt. Aber das bleibt in Waage mit dem Glücksgefühl der lichten Tage.











