Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Gespräch über relevante Themen
Gespräch über Kunst und Politik von Édouard Louis; Ken Loach
Das Buch „Gespräch über Kunst und Politik“ finde ich sehr interessant.
Es wird geführt zwischen dem Filmemacher Ken Loach und dem Schriftsteller Eduard Louis. Beide schätze ich politisch als links ein. Ein dritter Gesprächspartner, der vielleicht eher konservativ ist, hätte das Gespräch intensivieren können.
So sind meinem Eindruck nach, die Abschnitte mit Fragen an beide Kunstschaffenden das spannendste.
Ken Loach antwortet meist sehr überlegt und abgeklärt, Louis radikaler.
Es werden viele gesellschaftlich und gesellschaftspolitisch relevante Punkte thematisiert.
Auch welche, über die nicht viel gesprochen wird. Deshalb ist es ein wichtiges Buch.
Auf jeden Fall bekommt man auch Lust, mal wieder einen Film von Ken Loach zu sehen und weitere Bücher von Eduard Louis zu lesen.
Die Eskalation
Frankie von Michael Köhlmeier
Michael Köhlmeier.
Der Roman ist durch die Erzählstimme des knapp 14jährigen Frank geprägt.
Erzählt wird wie ein Bericht. Man ist nahe bei ihm und seinen Gedanken.
Fast wirkt es dadurch wie ein Jugendroman.
Frank, manchmal Frankie genannt lebt allein mit seiner Mutter, als sein Großvater aus dem Gefängnis entlassen wird, nach 18 Jahren einsitzen.
Ein alter großspuriger Mann, der Nähe zu Frankie sucht.
Frank ist unklar, was sein Opa getan hat. Seine Gedanken kreisen bald nur noch um ihn. Ihr Verhältnis ist gespalten, aber sie kommen sich doch näher.
Vorbehalte bleiben. Doch der Opa bleibt rätselhaft, auch die Mutter hält sich bedeckt und verrät wenig.
Es bleibt das geheimnisvolle und dadurch macht sich auch der Leser seine Gedanken. Michael Köhlmeiers Schreibstil erzeugt Dichte und gebannt verfolgt man, wie die Situation eskaliert.
Erstklassig
Unberechenbar von Dana Spiotta
Dana Spiottas neues Buch Unberechenbar ist erstklassige US-amerikanische Literatur im besten Sinne und ganz zeitgemäß, da die Handlung kurz nachdem Trump Präsident wurde einsetzt.
Zunächst steht Sam im Mittelpunkt, die an diesem Zeitpunkt ihres Lebens in eine Art Midlifekrise gerät und ihren Mann verlässt.
Sie zieht aus, ihre 17jährige Tochter Ally bleibt zu Hause.
Ally ist es dann, die die zweite Perspektive im Buch einnimmt. Ihr Part hat aber wesentlich geringeren Umfang.
Dana Spiotta gelingt es gut, den schwer fassbaren Zustand ihrer Protagonistinnen zu beschreiben.
Das Buch ist gelungen und weckt Interesse an den früheren Romanen der Autorin.
Die Autorin gehört zu einer Generation US-Amerikanischer Schriftsteller, die mir persönlich sehr wichtig sind.
3 Bräute
Das Porzellanzimmer von Sunjeev Sahota
Das Porzellanzimmer, China Room m Original, war auf der Longlist zum MAN Booker Award. Es ist ein origineller, kunstvoll gemachter Roman mit fein gezeichneten Details, der dritte des britisch-indischen Schriftstellers Sunjeev Sahota.
Es beginnt 1929 im ländlichen Indien mit 3 Bräuten, Mehar, Harbans und Gurleen, die alle in eine Familie hinein verheiratet wurden.
Regiert wird die Familie von der Schwiegermutter Mai, die wie eine Matriarchin auftritt und nachts jeweils einen ihrer Söhne im Dunkeln zu seiner Braut schickt. Und diese wissen nicht, mit welchen der Söhne sie verheiratet sind. Das einzige, was zählt, ist das sie möglichst schnell für männliche Nachfahren sorgen. Eine ungewöhnliche Situation, die für Spannungen sorgt und schließlich eskalieren wird.
Dann folgt ein Sprung ins Jahr 2019, mit einem aus England stammenden Icherzähler, der ein junger Mann auf Drogenentzug ist.
Diese beiden Handlungsstränge wechseln sich ab, aber der Vergangenheitspart bleibt dominierend und als Leser ist man meistens dicht an Mehar dran.
Man kann tief abtauchen in diese packende Handlung, die beim Lesen wie ein Film im Kopf des Lesers abläuft.
Die Veränderung
Fremde Federn von Alina Lindermuth
Tom, ein junger Mann zieht nach einer beruflichen Veränderung und Trennung zu seiner Großmutter Rosmarie. Als die dann stürzt, hat sie körperliche Einschränkungen und auch geistige Defizite. Sie wird ein Pflegefall.
Alina Lindermuth Beschreibungen des Zustands im Haus sind absolut glaubwürdig.
Die oft verwirrte Rosmarie und Tom und die Pflegerinnen müssen sich arrangieren, das ist nicht immer einfach.
Die Autorin strukturiert ihren Roman geschickt nach den Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst, Winter und stellt den Kapiteln kurze Passagen mit den Notizen der Pflegerin voran.
Mich beeindruckt die Genauigkeit des Textes. Ein wirklich gelungener Roman!
Eure Ladyschaft und Lord Bacchus
Mein wildes, mutiges Herz von Francine Rivers
Francine Rivers ist neben Janette Oke die zweite Grande Dame des Genres und hat hier einen unterhaltsamen Roman mit einer spannenden Protagonistin vorgelegt. Kathryn kommt aus Boston und muss sich 1875 alleine als junge Frau in einer rauen kalifornischen Kleinstadt voller Bergarbeiter und Saloons durchsetzen.
In dieser Umgebung sorgt sie natürlich für Aufsehen.
Einfach großartig, wie die Autorin diese Umgebung bildhaft im Kopf des Lesers entstehen lässt. Ein starkes historisches Setting!
Der Saloonbesitzer Matthias Beck interessiert sich für Kathryn. Sie fühlen sich voneinander angezogen, haben aber gegensätzliche Meinungen, die zu Streitgesprächen ausufern. Für die Leser bedeutet das amüsante Dialoge.
Doch sie haben auch Gemeinsamkeiten. Beide haben Ziele, um die Stadt zu verbessern. Kathryn eröffnet die Zeitung The Voice und Beck will Bürgermeister werden.
Kathryn wird ihren Platz im Leben finden!
Eine Beziehung
Liebewesen von Caroline Schmitt
Das Buch Liebewesen schockt schon durch das provokante Cover.
Die Protagonistin ist für mich zunächst nicht einfach zu greifen, da sie doch ziemlich verschlossen ist. Aber interessant ist sie schon und ihre Freundschaft zu ihrem Freund Max und zu ihrer besten Freundin Mariam sind gut beschrieben.
Die Dialoge sind originell, glaubhaft und oft lakonisch gehalten. Das prägt das ganze Buch.
Es gibt Rückblicke. Mit der Zeit lernt man Lio besser kennen,und kann sie auch verstehen. Für ihre Beziehungsprobleme gibt es Gründe. Schon in Kindheit und Jugend hat Lio Gewalterfahrungen machen müssen. Das sind bedrückende Stellen, aber der Roman gibt auch Hoffnung. Ihre Beziehung mit Max gewinnt an Tiefe und Lio entwickelt sich weiter.
Aber es gibt auch Rückschläge und als Lio schwanger wird, steht die Beziehung auf dem Prüfstand.
Ein gelungener Debütroman.
Ruhiger Roman, sprachlich brillant
In einer dunkelblauen Stunde von Peter Stamm
Peter Stamm ist ein bedeutender Autor und hat seit seinem Erstlingserfolg Agnes schon viele Bücher geschrieben. Viele davon habe ich sehr gerne gelesen.
Sein neuer Roman „In einer dunkelblauen Stunde“ ist auch interessant, empfinde ich aber sogar für seine Verhältnisse als sehr ruhig erzählt.
Zweifellos gibt es hervorragende Formulierungen und das Buch, das von einem Schriftsteller und einer Dokumentarfilmerin handelt, ist sehr reflektiert.
Die Dokumentarfilmerin Andrea will einen Film mit und über den Schriftsteller Richard Wechsler machen, doch das Projekt scheitert und Wechsler stirbt wenige Monate später. Doch Andrea lässt das ganze nicht los. Ähnlich geht es Judith, die mit Wechsler eine Beziehung hatte.
Als Leser ist man meistens bei den Gedanken von Andrea.
Sprachlich ist das nachdenklich stimmende Buch gelungen. Peter Stamm ist ein großer Stilist. Dramatik ist aber nicht seins. Vom Spannungsbogen ist der Roman verhalten.
Doch das Buch hat mich interessiert und gedanklich beschäftigt. Vielleicht werde ich es sogar noch einmal lesen.
Zuletzt möchte ich noch unbedingt das Cover loben, das einen gemalten Peter Stamm zeugt. Eine gute Arbeit vom Verlag.
Ein Covid-Roman
Delphi von Clare Pollard
Claire Pollard ist bekannt als Dichterin. Dafür gesehen ist sie in ihrem ersten Prosawerk wenig Lyrisch. Sprachlich war ich leicht enttäuscht, dafür gibt es einige bemerkenswerte Überlegungen.
Abgeleitet von Delphi und den Orakeln lässt sie ihre Protagonistin in Zeiten des Lockdowns in jeweils kurzen Kapiteln über verschiedene Themen nachdenken.
Sie lebt in London, ist Professor für Altphilologie und Übersetzerin, verheiratet, hat einen Sohn und einiges zu klagen. 2020 war die Situation wegen Corona aber auch wirklich für viele belastend. Der Lockdown sorgte für Frustration und Langeweile.
Da man das aus eigenen Erfahrungen teilweise kennt, kann man die Gemütslage der Protagonistin nachvollziehen. Auch die Beziehungsprobleme innerhalb der Familie sind interessant zu folgen.
Ein Roman, der durch einige gute Formulierungen überzeugt.
Beziehungsgeschichte
Die Liebe an miesen Tagen von Ewald Arenz
Die Liebe an miesen Tagen erzählt die Beziehungsgeschichte zwischen Clara und Elias. Das macht Ewald Arenz sehr differenziert und umfassend, streckenweise aber auch zu routiniert. Dadurch hat der Text sprachlich weder Höhen noch Tiefen, keine Schwächen, aber auch keine besonderen Stärken.
Zwischen Clara und Elias gibt es ein auf und ab bis hin zur Trennung.
Ein lebensveränderndes Ereignis ändert dann auch ihre Beziehung.
Für das Buch sprechen die realistischen Darstellungen und die leisen Zwischentöne.











