Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Leben und Lieben im Old Depot Grocery
Der Laden der unerfüllten Träume von Amanda Cox
Das stimmungsvolle Buch erzählt von einem Laden, dem Old Depot Grocery in den Südstaaten der USA, dabei insbesondere von den Menschen die ihn führen. Es ist eine Familie.
Die 70jährige Glory Ann, ihre Tochter Rosemary und jetzt ist auch noch die Enkelin Sarah nach 12 Jahren heimgekehrt.
Der Laden steckt in einer Krise, seit in der Nähe ein moderner Supermarkt aufgemacht hat.
Sollen sie um den Laden kämpfen oder ihn verkaufen. Das führt zu Spannungen zwischen den drei Frauen.
Wichtig für das Buch ist auch, wie er aufgebaut ist. Kapitel der Gegenwart wechseln mit denen der Vergangenheit ab 1965, als Glory Ann als junge Frau schwanger wurde und ihr Freund Jimmy im Krieg gefallen ist. Glory Ann muss einen fremden Mann heiraten, um ihren Kind ein Leben zu ermöglichen.
Es ist interessant zu lesen, wie der Vergangenheits-Part durch die Jahre schreitet. Da werden die Geschehnisse schildert, die auch die Mutter-Tochter-Beziehungen zeigen
Der Laden der unerfüllten Träume ist bei Francke-Verlag erschienen, daher sind christliche Werte in diesem Roman ausschlaggebend. Aber auch wer keinen Bezug dazu hat, kann den atmosphärischen Roman genießen, denn die Figuren wachsen einen schnell ans Herz.
Ein Zauber der guten Dinge
Das Glück hat seine Zeit von Ayobami Adebayo
Es ist der zweite Roman der Autorin Ayọ̀bámi Adébáyọ̀ aus Nigeria. Der Originaltitel lautet A spell of good things.
Bücher aus Afrika sind sehr unterschiedlich, aber sie unterscheiden sich doch von dem, was man hier an gängiger Literatur liest. Zum Beispiel spielen die Lebensbedingungen eine grosse Rolle.
Der Roman ist figurenbetont geschrieben, die Figurenentwicklung ist schlüssig.
Die Hauptfiguren, der Schüler Eniola und die 28jährige Ärztin Wuraola haben zunächst wenig miteinander zu tun. Sie leben in verschiedenen Welten. In wechselnden Kapitel wird ihre Perspektive verdeutlicht.
Während Eniola in finanzieller Not ist, spielt bei Wuraola die Frage, welche Rolle als Frau sie einnehmen kann. Als Ärztin ist die erfolgreich, aber ihr Verlobter Kunle misshandelt sie.
Manchmal ist es etwas umständlich erzählt. Anfang fehlt der Schwung. Doch dann wird das Buch immer besser. Es lohnt sich, den Roman zu lesen, denn es ist ein Text von gesellschaftlicher Relevanz.
kraftvoll geschrieben
So weit der Fluss uns trägt von Shelley Read
So weit der Fluss uns trägt ist ein ruhig erzählter, wundervoller Roman über eine Frau in Colorado Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts.
Die Erzählerin Victoria Nash erschafft einen Ton der Zeit und die Beschreibungen der Umgebung tragen zur Atmosphäre bei. Die Autorin Shelley Read errichtet ihrer Heimat ein liebevolles Porträt.
Victoria erlebt früh im Leben große Liebe, aber auch Verluste. Das prägt ihr Leben.
Das Lesegefühl erinnert tatsächlich an das von Der Gesang der Flusskrebse. Es ist aber ein ganz anderer Kontext, doch bei beiden Büchern geht um starke, junge Frauen, die ihren Weg alleine gehen müssen. Hinzu kommt der mitreißende Einsatz der Natur.
Das Buch wird sehr von der Erzählstimme getragen. Erst spät im Buch gibt es mal eine Änderung der Perspektive, aber auch das passt genau in die Handlung.
Ein kraftvolles Buch!
Tough
McDead von Ken Bruen
McDead ist ein geradliniger Kriminalroman, der von seinen markanten Figuren lebt.
Das sind Chief Inspector Roberts, Sergeant Tom Brant und WPC Falls. Alle mehr als Tough! Das wird auch durch die teilweise ironischen Dialoge transportiert.
Schauplatz ist Südost-London. Es gibt weitere Bücher mit diesen Figuren, die ich aber leider nicht kenne.
Etwas dick aufgetragen ist es schon, z.B. auch der Gangster Tommy Logan.
Ken Bruen hat seinen Stil und der ist kompakt wie auch das ganze Buch.
Thomas Mann und das Meer
Mann vom Meer von Volker Weidermann
Spätestens seit Ostende ist Volker Weidermann ein Star des erzählenden literarischen Sachbuches. Zuletzt ist er sehr positiv als Herausgeber aufgefallen. Jetzt ist er mit Mann vom Meer zurück. Ein Buch über Thomas Mann. Da gibt es viele von. Weidermann setzt die Lebens- und Werksgeschichte in Kontext zu TMs Liebe zum Meer.
Warum nicht!
Weidermann geht in die Familiengeschichte der Manns weit zurück, arbeitet schließlich einiges Textpassagen in den Kontext ein.
Viele frühe Erzählungen werden einbezogen und natürlich ausführlich die Buddenbrooks, auch Tod in Venedig und Meerfahrt mit Don Quijote.
Für Thomas Mann-Kenner gibt es einige Aha-Effekte im Detail. Thomas Mann-Unkundige können viel entdecken.
Volker Weidermann schwelgt in Thomas Manns Welten. Das ist manchmal nicht ohne Pathos. Aber es passt ja. Daher empfehle ich das Buch!
Die Wirkung des J-Pop
Idol in Flammen von Rin Usami
Idol in Flammen ist ein relativ kurzer Roman, der zeigt, wie intensiv das Verhalten von Popstars auf ihre Fans wirken kann.
Rin Usami zeigt die Welt des J-Pop und die Bedeutung der Idole.
Die Ich-Erzählerin Akari, die noch Schülerin ist, erzählt von ihren Gefühlen in dieser Hinsicht. Sie will in der Masse der jubelnden Masse der Fans verschwinden, teil davon sein.
Wenn ihr Idol Masaki aus dem Musikbusiness aussteigen will, stellt sich für Akari die Frage nach ihrer eigenen Identität.
Die sozialen Medien bestimmt die Situation mit und befeuert sie.
Außerdem verdrängt die Fanbesessenheit andere Beziehungen bis in die Familie hinein.
Ich fand das interessant, blieb aber auch sehr distanziert. Ich könnte mir vorstellen, dass das Buch auf der Protagonistin ungefähr gleichaltrige Leser mehr wirkt.
Man merkt aber sofort, dass die Autorin das Thema ernst nimmt und ihren Roman sorgfältig geschrieben hat.
London - Kairo
Auf dem Nullmeridian von Shady Lewis
Der ägyptische Autor Shady Lewis gibt seiner Hauptfigur eigene Erfahrungen mit. Der Icherzähler ist als Christ in Ägypten aufgewachsen, immigrierte nach London und arbeitete im öffentlichen Dienst.
Auf Wunsch seines Freundes Aime soll der Protagonist den Leichnam eines Syrers in Empfang nehmen und der Beerdigung zuführen.
Immer wieder gehen seine Erinnerungen in die Kindheit zurück. Eine Sehnsucht nach Kairo ist ihm geblieben. Die zeitlichen Wechsel funktionieren gut und bereichern das Buch.
Die Themen Flüchtlinge, Identität und Fremdheit durchziehen dieses kluge Buch.
Viel wird auch über Wahrnehmung erzählt. Es gibt einige hervorragende Dialoge.
Es ist ein sehr interessantes Buch!
Fallstudien
What Women Want von Maxine Mei-Fung Chung
Maxine Mei-Fung Chung ist eine erfahrene Psychotherapeutin.
Es handelt sich nicht um einen Roman sondern um Berichte über Fälle, die die Autorin in ihren Therapiesitzungen mit 7 verschiedenen Frauen dokumentiert hat.
Der Untertitel Sieben Geschichten über Begehren, Macht und Liebe trifft es ziemlich genau.
Das spürt man schon beim ersten Fall mit Terri und ihren Beziehungsproblemen, dem Konflikt mit der Mutter und unklare sexuelle Orientierung. Terri such nach Selbstbestimmung.
In den weiteren Fällen wollen die Frauen etwas anderes, aber dennoch sind die Fälle vergleichbar.
Ein wenig schreibt Maxine Mei-Fung Chung in der Tradition der Fallstudien von Oliver Sacks, natürlich ohne dessen Niveau zu erreichen.
Gahalowood und Goldman
Die Affäre Alaska Sanders von Joël Dicker
Von Joel Dicker hat mir sein Roman Das Verschwinden der Stephanie Mailer ausgesprochen gut gefunden, doch inzwischen frage ich mich, ob der Schriftsteller nicht doch etwas überbewertet ist.
Das neue Buch ist offenbar die Fortsetzung von Die Wahrheit über Harry Quebert. Wer dieses Buch nicht kennt, hat einen echten Nachteil.
Man versteht zahlreiche Anspielungen nicht. Für mich hat das den Roman mehr oder weniger ruiniert.
Aber davon abgesehen findet man zahlreiche gute Passagen, auch wenn der Roman etwas zu lang ist.
Den Krimiplot kann man als mittel spannend einstufen. Verzwickt genug ist er. Sergeant Perry Gahalowood ermittelte im Fall der ermordeten, 22jährigen Alaska Sanders.
Doch Jahre später gibt es Hinweise, dass die Auflösung damals doch nicht stimmte.
Dann gibt es Abschnitte mit dem Schriftsteller Marcus Goldmann, das alte Ego von Joel Dicker.
Gahalowood und Goldman versuchen, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.
Es wird viel in den Zeiten herum gesprungen (1999, 2010, dann wieder 1987), das kann manchmal den Lesefluss stören.
Wieder sind Geheimnisse und der Blick hinter dem Schein Joel Dickers großes Thema.
Joel Dicker mischt ein Spiel mit Fiktion und vorgeblicher Autobiografie mit einem Kriminalfall und erreicht damit seinen eigenwilligen, auf amerikanisch getrimmten Stil.
Ein geheimnisvolles Du
Die Verborgenen von Linus Geschke
Psychothriller gibt es viele. Einige brillante, viele durchschnittlich. Also muss man schon etwas besonderes bieten, wenn man mit einem neuen Thriller aufwartet. Linus Geschke ist ambitioniert und versucht einiges, z.B. ein Geheimnis, dass er sehr lange im Buch bewahrt und Zeitsprüngen sowie wechselnde Erzählformen in den Kapiteln, ebenso wechseln die Erzählperspektiven, man begegnet den Gedanken verschiedener Figuren.
Das sind vor allen ein geheimnisvolle Du und die Mitglieder einer Familie, dem Ehepaar Franziska und Sven sowie ihre Tochter Tabea.
Leider wirkt es, so wie Geschke es macht, doch zu konstruiert, nahezu aufgesetzt. Das die Figuren so schwach sind, fügt dieser Erzähltechnik ein weiteres Problem zu. Durch den Tod einer 17jährigen kommt ein wenig Spannung auf.
Im zweiten Buchteil kommen noch Figuren hinzu. Marco und Lydia. Das belebt den Roman noch einmal.
Leider muss man sagen, dass der Roman sprachlich nur durchschnittlich gemacht ist.
Dafür gelingt es dem Autor immerhin, einen Spannungsmoment lange aufrecht zu erhalten.











