Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Die Option
Ein Hund kam in die Küche von Sepp Mall
Ein Hund kam in die Küche ist ein starkes Buch und zu Recht für den deutschen Buchpreis nominiert. Es wirft einen intensiven Blick auf eine schlimme Zeit in Südtirol. Erzählt wird aus der Perspektive eines Kindes, doch die hat nicht viel kindliches mehr, denn seine Familie muss viel durchmachen. Da ist z.
B. Ludis kleiner Bruder Hanno, der körperlich und geistig behindert ist. Er soll in eine Heil- und Pflegeanstalt.
Als Leser ahnt man schnell, dass es für Hanno nicht gut ausgehen wird.
Das belastet auch Ludi und Hannos Geist begleitet ihn zukünftig oft im Traum.
Die Familie ist beispielhaft für das südtirloische Schicksal vieler, die zwischen Italien und Deutschland zerrissen waren.
Der in Südtirol gebornen Schriftsteller Sepp Mall nutzt eine dichte Sprache. Er setzt sie mit Zurückhaltung ein und berührt doch eine emotionale Seite beim Leser.
schräg
Die Gouvernanten von Anne Serre
Anne Serré ist in Frankreich eine anerkannte Autorin. In Deutschland wurde bisher erst ein Erzählungsband übersetzt, und jetzt kommt mit Die Gouvernanten ihr Debütroman.
Das Buch ist ungewöhnlich, denn diese 3 Gouvernanten verhalten sich nicht wie erwartet. Eleonore, Ines, Laura. Sie halten nichts von Regeln oder Einschränkungen.
Sie leben sich aus, auch sexuell. Um die Kinder kümmern sie sich nur sporadisch.
Die Gouvernanten toben und tollen, sind unberechenbar.
Die Autorin setzt das sprachlich in sinnlicher wie rasanter Form um.
So ganz fassbar sind die drei Frauen für mich nicht, aber vermutlich hat die weibliche Leserschaft damit keine Probleme.
Man darf gespannt sein, ob weitere Romane von Anne Serré in deutscher Übersetzung folgen.
Das Löwenmädchen vom Feuerberg
Kurz vor dem Rand von Eva Rottmann
Ein Jugendroman in der Skaterszene. Hier lebt die burschikose, 17jährige Ari und erlebt ihr Coming of age. Dazu gehört die erste Liebe zu den neuen Jungen, Tom, der gerne aggressiv und schnell skatet. Und auch Fanny, Aris unangepasste Mutter, die nach fast 2 Jahren zurückgekehrt ist. Einige Skaterszenen sind dramatisch geschrieben, aber im Vordergrund stehen die Emotionen, die Ari durchlebt.
Es geht darum, mit neuen Gefühlen zurecht zu kommen. Auch psychische Erkrankungen und Verluste werden thematisiert. Als Leser ist man schnell nah dran an Ari und kann sie gut verstehen. Das ist eine Qualität, wenn ein Roman das so gut schafft.
Beleuchtet aus verschiedenen Blickwinkeln
Ehrgeiz von Andrea Stift-Laube
Andrea Stift-Laubes Buch Ehrgeiz ist ein ganz unterhaltsames, wenn auch nicht unbedingt das bedeutendste der Reihe übermorgen.
Es hat einen plaudernden Ton. Die Autorin nimmt Ereignisse ihres eigenes Leben gerne als Beispiel wie auch das von einigen anderen Leuten.
Ihre Einstellung zum Ehrgeiz ist eher kritisch.
Nicht umsonst heißt ein Kapitel Ehrgeiz als destruktive Kraft. Ein anderes aber auch Ehrgeiz als konstruktive Kraft.
Es überzeugt, wie die Autorin den Begriff Ehrgeiz unter den verschiedenen möglichen Auslegungen betrachtet.
Übersetzerin der kosmischen Energien
Die Lügnerin von Friedemann Karig
Friedeman Karig hatte mit Dschungel schon einen ungewöhnlichen Roman geschrieben und der neue, Die Lügnerin, ist nicht zuletzt wegen der eigenwilligen Protagonistin Clara Konrad (so nennt sie sich jedenfalls) genauso aus dem Rahmen des üblichen fallend.
Clara arbeitet als Wahrsagerin. Ihr Umgang mit der Wahrheit ist entsprechend frei, doch was sie erzählt, könnte auch stimmen.
Als Zuhörer, und in diese Rolle gerät man als Leser, weiß man es nicht so genau und überlässt sich der Führung des Autors.
Man spürt die Erzählfreude von Friedeman Karig, doch wie schon im letzten Buch, herrscht das Gefühl vor, an kein Ziel zu kommen. Man bleibt am Buch, weil man herausfinden möchte, was die Hauptfigur umtreibt.
Am Anfang, als sie von einer Frau verfolgt wurde, glaubte man noch, ihr auf die Spur kommen zu können, doch der Verlauf der Geschichte wird immer unklarer. Das störte mich mit der Zeit.
Ganz gut gefallen haben mir aber die Passagen aus Claras Kindheit, mit ihrer Mutter und später mit ihrem schmierigen Chef Pavel oder mit Madame Iris Morgenstern.
Clara bleibt eine getriebene. Ich hätte mir ein Ende gewünscht, dass sie irgendwie wirklich befreit.
dicht erzählt, manchmal etwas trocken
Diese paar Minuten von Rudolf Habringer
Die Erzählungen dieses Bandes sind nicht so ganz einfach zu lesen. Das überrascht nicht, da der Otto Müller-Verlag für anspruchsvolle Literatur steht.
Die Geschichten sind überwiegend dicht und konzentriert gestaltet, teilweise etwas trocken.
Den Österreichischen Schriftsteller Rudolf Habringer kannte ich bisher noch nicht.
Er hat den guten Einfall, diese Geschichten durch den Schauplatz zu verbinden. Die meisten Geschichten sind nach immer der selben Machart. Ich muss zugeben, dass ich mit einigen Geschichten meine Schwierigkeiten hatte, da unklar blieb, wohin sie mich führen sollen, was ich mit ihnen anfangen soll.
Für die Geschichten spricht, dass sie allesamt von normalen, glaubhaften Menschen besiedelt sind, die allerdings größtenteils ihre Probleme haben.
Von menschlichen Abgründen, von denen auf der Rückseite geschrieben wird, würde ich aber nicht sofort sprechen. Das scheint mir übertrieben.
Beim besprechen von Erzählungsbänden nenne ich gerne immer zwei, drei Geschichten, die mir am Besten gefallen haben. Das kann ich bei diesem Buch leider nicht.
Die Suche
Paradise Garden von Elena Fischer
Die vierzehnjährige Billie lebt alleine mit ihrer Mutter Marika, die aus Ungarn stammt. Obwohl Marika zwei Jobs hat, leben sie am Existenzminimum. Sie sind dennoch glücklich, weil sie zusammen sind. Sie haben ein liebevolles Verhältnis zueinander. Ein wenig erinnern si9e mich an Lorerlei und Rory, die Gilmore Girls.
Dann kommt die kranke Großmutter aus Ungarn zu ihnen und es brechen alte Konflikte auf.
Nach einem Unglücksfall bleibt Billie alleine zurück.
Das ist für den Leser herzzerreißend, denn man ist durch die von der Autorin Elena Fischer gewählte Erzählweise dicht an der 14jährigen dran. Man erlebt ihre Gedanken und Gefühle hautnah mit.
Billie macht sich schließlich auf die Suche nach ihrem Vater. Ab hier möchte ich aber nicht mehr verraten.
Es ist ein gutes Buch, dass jetzt sogar auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis gekommen ist.
Literatur von und für die Millennials
Nichts Besonderes von Nicole Flattery
Nichts besonderes ist der erste Roman der Autorin, doch sie war bereits durch ein Erzählungsband aufgefallen.
Die rische Schriftstellerin Nicole Flattery lässt die Leser einen Blick ins New York der sechziger Jahre werfen. Die Protagonistin heißt Mae und sie setzt sich viel mit ihrer Mutter auseinander, die Alkoholikerin war.
Ich würde die Figur mehr als beobachtend als agierend einstufen. Darin liegt auch eine gewisse erzählerische Ruhe.
Sprachlich fand ich das Buch bei aller Zurückhaltung ansprechend, von der Handlung her scheint es nach meiner Empfing irgendwann stecken zu bleiben und es wird eintönig.
unmittelbare Nachkriegszeit
Die Nacht der Dollars von Peter Meisenberg
Peter Meisenberg hat die Handlung von seinem Roman Die Nacht der Dollars unmittelbar in die Zeit nach Ende des zweiten Weltkriegs gelegt. Das ist spannend, da ich hierzu noch wenig gelesen habe.
Es war eine unheimlich schwere und gefährliche Zeit mit Tätern, Mitläufern und Opfern, die jetzt nach neuen Möglichkeiten zum Überleben suchen.
Im Mittelpunkt Ernst, der aus der Gefangenschaft freikam und jetzt auf Rache sinnt.
Eine weitere Hauptfigur ist Susan Mitford aus England, die nach den Lebensborn in Deutschland recherchiert.
Dann gibt es noch Josef.
Diese Figuren sind glaubhaft. Eine der Stärken des Romans.
Als Leser spürt man die Atmosphäre der Zeit unmittelbar schon durch die Beschreibungen der ersten Szene. Die Menschen sind übermüdet und angespannt, viele Gebäude liegen in Trümmern.
Das sind große Themen, die der Autor in seinem kurzen Buch dann doch nicht so ganz gerecht werden kann. Das Buch ist dann auch etwas zu abrupt zu Ende.
Ästhetik und Ethik
Entweder / Oder von Elif Batuman
Elif Batuman ist eine US-Amerikanische Schriftstellerin mit türkischen Eltern. Sie hat schon einmal einen Roman um ihre Hauptfigur Selin geschrieben. In diesem neuen Buch Entweder/Oder (im Original Either/Or, aus dem Englischen von Claudia Wenner übersetzt) ist Selin im zweiten Jahr als Studentin in Havard.
Es ist 1996. Die Autorin hat auch in Havard studiert, daher haben ihre Beschreibungen hohe Glaubwürdigkeit.
Selins Perspektive bestimmt das Buch. Man bekommt einen Eindruck von der Gefühlslage der jungen Studentin und von der Atmosphäre zwischen den Studenten in dieser Zeit.
Mich spricht auch an, dass es viel um Literatur geht und es einen philosophischen Ansatz gibt. Selin ist von einem Titel von Kierkegaard fasziniert, der dann auch den Titel für dieses Buch liefert.
Im letzten Romanviertel verlässt Selin in den Sommerferien die USA und reist in die Türkei. Sie lässt sich mit einer Reihe von Männern ein, die alle ein wenig verrückt scheinen. Selin lässt sich zu viel gefallen. Mit diesen Passagen kann man seine Probleme haben. Aber Selin und ihre Erfahrungen lassen einen auch nicht los.
Fazit: Ein hervorragender Roman für Literaturbegeisterte!











