Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Übersetzerin der kosmischen Energien
Die Lügnerin von Friedemann Karig
Friedeman Karig hatte mit Dschungel schon einen ungewöhnlichen Roman geschrieben und der neue, Die Lügnerin, ist nicht zuletzt wegen der eigenwilligen Protagonistin Clara Konrad (so nennt sie sich jedenfalls) genauso aus dem Rahmen des üblichen fallend.
Clara arbeitet als Wahrsagerin. Ihr Umgang mit der Wahrheit ist entsprechend frei, doch was sie erzählt, könnte auch stimmen.
Als Zuhörer, und in diese Rolle gerät man als Leser, weiß man es nicht so genau und überlässt sich der Führung des Autors.
Man spürt die Erzählfreude von Friedeman Karig, doch wie schon im letzten Buch, herrscht das Gefühl vor, an kein Ziel zu kommen. Man bleibt am Buch, weil man herausfinden möchte, was die Hauptfigur umtreibt.
Am Anfang, als sie von einer Frau verfolgt wurde, glaubte man noch, ihr auf die Spur kommen zu können, doch der Verlauf der Geschichte wird immer unklarer. Das störte mich mit der Zeit.
Ganz gut gefallen haben mir aber die Passagen aus Claras Kindheit, mit ihrer Mutter und später mit ihrem schmierigen Chef Pavel oder mit Madame Iris Morgenstern.
Clara bleibt eine getriebene. Ich hätte mir ein Ende gewünscht, dass sie irgendwie wirklich befreit.
dicht erzählt, manchmal etwas trocken
Diese paar Minuten von Rudolf Habringer
Die Erzählungen dieses Bandes sind nicht so ganz einfach zu lesen. Das überrascht nicht, da der Otto Müller-Verlag für anspruchsvolle Literatur steht.
Die Geschichten sind überwiegend dicht und konzentriert gestaltet, teilweise etwas trocken.
Den Österreichischen Schriftsteller Rudolf Habringer kannte ich bisher noch nicht.
Er hat den guten Einfall, diese Geschichten durch den Schauplatz zu verbinden. Die meisten Geschichten sind nach immer der selben Machart. Ich muss zugeben, dass ich mit einigen Geschichten meine Schwierigkeiten hatte, da unklar blieb, wohin sie mich führen sollen, was ich mit ihnen anfangen soll.
Für die Geschichten spricht, dass sie allesamt von normalen, glaubhaften Menschen besiedelt sind, die allerdings größtenteils ihre Probleme haben.
Von menschlichen Abgründen, von denen auf der Rückseite geschrieben wird, würde ich aber nicht sofort sprechen. Das scheint mir übertrieben.
Beim besprechen von Erzählungsbänden nenne ich gerne immer zwei, drei Geschichten, die mir am Besten gefallen haben. Das kann ich bei diesem Buch leider nicht.
Die Suche
Paradise Garden von Elena Fischer
Die vierzehnjährige Billie lebt alleine mit ihrer Mutter Marika, die aus Ungarn stammt. Obwohl Marika zwei Jobs hat, leben sie am Existenzminimum. Sie sind dennoch glücklich, weil sie zusammen sind. Sie haben ein liebevolles Verhältnis zueinander. Ein wenig erinnern si9e mich an Lorerlei und Rory, die Gilmore Girls.
Dann kommt die kranke Großmutter aus Ungarn zu ihnen und es brechen alte Konflikte auf.
Nach einem Unglücksfall bleibt Billie alleine zurück.
Das ist für den Leser herzzerreißend, denn man ist durch die von der Autorin Elena Fischer gewählte Erzählweise dicht an der 14jährigen dran. Man erlebt ihre Gedanken und Gefühle hautnah mit.
Billie macht sich schließlich auf die Suche nach ihrem Vater. Ab hier möchte ich aber nicht mehr verraten.
Es ist ein gutes Buch, dass jetzt sogar auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis gekommen ist.
Literatur von und für die Millennials
Nichts Besonderes von Nicole Flattery
Nichts besonderes ist der erste Roman der Autorin, doch sie war bereits durch ein Erzählungsband aufgefallen.
Die rische Schriftstellerin Nicole Flattery lässt die Leser einen Blick ins New York der sechziger Jahre werfen. Die Protagonistin heißt Mae und sie setzt sich viel mit ihrer Mutter auseinander, die Alkoholikerin war.
Ich würde die Figur mehr als beobachtend als agierend einstufen. Darin liegt auch eine gewisse erzählerische Ruhe.
Sprachlich fand ich das Buch bei aller Zurückhaltung ansprechend, von der Handlung her scheint es nach meiner Empfing irgendwann stecken zu bleiben und es wird eintönig.
unmittelbare Nachkriegszeit
Die Nacht der Dollars von Peter Meisenberg
Peter Meisenberg hat die Handlung von seinem Roman Die Nacht der Dollars unmittelbar in die Zeit nach Ende des zweiten Weltkriegs gelegt. Das ist spannend, da ich hierzu noch wenig gelesen habe.
Es war eine unheimlich schwere und gefährliche Zeit mit Tätern, Mitläufern und Opfern, die jetzt nach neuen Möglichkeiten zum Überleben suchen.
Im Mittelpunkt Ernst, der aus der Gefangenschaft freikam und jetzt auf Rache sinnt.
Eine weitere Hauptfigur ist Susan Mitford aus England, die nach den Lebensborn in Deutschland recherchiert.
Dann gibt es noch Josef.
Diese Figuren sind glaubhaft. Eine der Stärken des Romans.
Als Leser spürt man die Atmosphäre der Zeit unmittelbar schon durch die Beschreibungen der ersten Szene. Die Menschen sind übermüdet und angespannt, viele Gebäude liegen in Trümmern.
Das sind große Themen, die der Autor in seinem kurzen Buch dann doch nicht so ganz gerecht werden kann. Das Buch ist dann auch etwas zu abrupt zu Ende.
Ästhetik und Ethik
Entweder / Oder von Elif Batuman
Elif Batuman ist eine US-Amerikanische Schriftstellerin mit türkischen Eltern. Sie hat schon einmal einen Roman um ihre Hauptfigur Selin geschrieben. In diesem neuen Buch Entweder/Oder (im Original Either/Or, aus dem Englischen von Claudia Wenner übersetzt) ist Selin im zweiten Jahr als Studentin in Havard.
Es ist 1996. Die Autorin hat auch in Havard studiert, daher haben ihre Beschreibungen hohe Glaubwürdigkeit.
Selins Perspektive bestimmt das Buch. Man bekommt einen Eindruck von der Gefühlslage der jungen Studentin und von der Atmosphäre zwischen den Studenten in dieser Zeit.
Mich spricht auch an, dass es viel um Literatur geht und es einen philosophischen Ansatz gibt. Selin ist von einem Titel von Kierkegaard fasziniert, der dann auch den Titel für dieses Buch liefert.
Im letzten Romanviertel verlässt Selin in den Sommerferien die USA und reist in die Türkei. Sie lässt sich mit einer Reihe von Männern ein, die alle ein wenig verrückt scheinen. Selin lässt sich zu viel gefallen. Mit diesen Passagen kann man seine Probleme haben. Aber Selin und ihre Erfahrungen lassen einen auch nicht los.
Fazit: Ein hervorragender Roman für Literaturbegeisterte!
Kalmann in den USA
Kalmann und der schlafende Berg von Joachim B. Schmidt
Joachim B. Schmidt hat seinen Erfolgsroman Kalmann eine Fortsetzung gegeben. In Kalmann und der schweigende Berg reist Kalmann von Island in die USA zu seinem Vater. Das läuft aber nicht so gut und durch unglückliche Umstände wird Kalmann sogar vom FBI verhört.
Diesmal hat die Geschichte um Kalmann noch viel mehr einen Kriminal/Thrillerplot als im ersten Teil.
Die Notwendigkeit für diese Fortsetzung sehe ich nicht so ganz. Der erste Roman hatte mehr Relevanz. Aber wenn man darüber hinwegsieht, bleibt immer noch eine spannende Geschichte um einen sympathischen Protagonisten.
Ray Carney 2
Kalmann und der schlafende Berg von Joachim B. Schmidt
Pulitzer- und National Book Award-Preisträger Colson Whitehead hat bereits mehrere bedeutende Romane über das schwarze Amerika geschrieben.
Mit Die Regeln des Spiels geht er nach Harlem Shuffle ein zweites mal in die siebziger Jahre New Yorks zurück. Hauptfigur ist wieder Ray Carney.
Obwohl Colson Whitehead, genauso wie ich, in den Siebziger Jahren noch ein Kind war, trifft er die Stimmung der Zeit, glaube ich, ganz gut.
Probleme hatte ich wieder mit den ganzen Gangstern, in die ich mich nicht so gut hinein fühlen kann.
Colson Whitehead beraubt sich damit der Stärke seiner früheren Romane, charismatische, empathische Figuren einzusetzen.
Vermutlich wird es einen Ray Carney 3 geben, aber ich hoffe, Whitehead schreibt zwischendurch noch etwas anderes.
Leben in Israel
Kalmann und der schlafende Berg von Joachim B. Schmidt
Die 19jährige Linda hat ein romantisches, idealisiertes Bild von Israel und beschließt nach dem Abi dahin auszuwandern.
Geschickt zeigt die Autorin Elke Ottensmann zwei Perspektiven. Die eine zeigt die leicht naive Linda mit ihren Erlebnissen in Israel, die andere zeigt ihre besorgte Mutter Martina in Deutschland.
Wie versprochen bekommt der Leser gute Eindrücke und Details vom Leben in Israel.
Lindas Blick auf Israel bekommt erste Risse, als sie in der Nähe eines Attentats war. Dann lernt sie in Ramallah einen jungen Muslim kennen und verliebt sich. Das ändert alle ihre Pläne.
Fazit: Man kann von einem unterhaltsamen und interessanten Roman sprechen!
Bericht einer Überlebenden
Gebranntes Kind sucht das Feuer von Cordelia Edvardson
Es ist der Bericht einer Überlebenden, erstmals 1986 erschienen.
In einem klaren, kühlen Ton erzählt Cordelia Edvardson vom Aufwachsen als dreivierteljüdin in Deutschland, schließlich die Deportation als 14jährige, Auschwitz und die Zeit danach.
Im Vergleich zu Texten von Primo Levi oder Imre Kertesz gibt es anteilsmäßig relativ wenige Lagerbeschreibungen, obwohl die enthaltenen wirkungsvoll genug sind.
Es geht anfangs viel um das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter. Die Mutter war Elizabeth Langgässer, eine bekannte Schriftstellerin, Katholikin und Halbjüdin. Sie war schwach und konnte die Tochter nicht retten. Sie sahen sich nach Cordelias Befreiung nur noch ein einziges Mal wieder.
Der Text ist überraschend literarisch, so gibt es gerade am Anfang wiederholt Wechsel der Zeiten. Der Text bleibt kompromisslos.
Das Buch schließt mit einem Nachwort von Daniel Kehlmann, das sehr lesenswert und interessant ist.









