Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
eigentümlich-verschmitzt
Begabte Bäume von Bodo Hell
Ein schön gestaltetes Buch mit 23 Zeichnnungen von Linda Wolfsgruber
Ein Buch über Bäume, das keine weitere Handung im herkömmlichen Sinne benötigt. Und doch ist da viel an Themen versteckt.
Der 80jährige Bodo Hell ist eine Ikone der Avantgarde und ein Sprachkünstler. Und daher sopllte man sich die Texte vorgelesen vorstellen.
Dann entfalten sich die oftmals erstaunlichen Details, von denen es viele gibt.
Verschachtelte Sätze gibt es viele. Auch mal ein Gedicht.
Dann kommt auch mal zu den Bäumen etwas hinzu, wie z.B. der Text über Ilse Aichinger.
In vielen Texte blitzt immer wieder ein eigentümlicher Witz auf!
Begabte Bäume ist kein Buch, das man am Stück durchliest. Besser wirkt es in kleinen Portionen. Daher denke ich auch nicht, mit dem Buch schon fertig zu sein.
Ich bin eine Kraft der Vergangenheit
Sinkende Sterne von Thomas Hettche
Was im Klappentext beschrieben ist, wird auf leicht poetische und reflektierende Art erzählt.
Der Erzähler reist in die Schweiz in das Ferienhaus seiner Eltern, das seiner Jugend. Dss erweckt natürlich Erinnerungen. Und sie führen ihn weiter durch Stationen seines Lebens.
Hettches Blick auf die Vergangenheit ist teils wehmütig verklärend, teils bereuend und desilludioniert, doch die Gegenwart ist erschreckend.
Beeindruckend auch die vielen Zitate aus Film und Literatur sowie Philosophie. Dennoch behindert dass das handlungsorientierte.
Es tat gut, mal wieder ein Buch von einem Autor zu lesen, dem die Sprache wichtig ist und die er sorgfältig einsetzt.
derb und rasant
Baise-moi – Fick mich von Virginie Despentes
Virginie Despentes Baise-moi ist nicht nur aufgrund der gleichnamigen Verfilmung berüchtigt. Das Buch hat eine derbe Sprache, die aber effektiv eingesetzt wird. Hinzu kommen Beschreibungen expliziter Art.
Es entsteht ein hohes Tempo, das durchaus bemerkenswert ist.
Das 1994 erstmals erschienene Buch wollte und sollte provozieren und legte einen Maßstab.
Heutzutage vermag das Buch aber nicht mehr so stark zu schockieren, da es seitdem im Zuge einer gesellschaftlichen Verrohung schon viel Vergleichbares gibt.
Virginie Despentes ist inzwischen eine sehr anerkannte Autorin geworden mit einer Reihe erfolgreicher Romane. Eine Empfehlung für Baise-moi möchte ich nicht geben. Vielleicht liest man besser die neueren Bücher. Wer sich aber sehr für Virginie Despentes interessiert, kann auch ihren Debütroman ohne Verluste lesen.
Ein Drama, welches ich mein Leben nenne
DRAMA von Arad Dabiri
Drama heißt der Debütroman des Wiener Schriftstellers Arad Dabiri, der beim Septime-Verlag erschienen ist. Und das Buch befindet sich aktuell auf der Shortlist Debüt 2023 des Österreichischen Buchpreises.
Es ist ein originelles Werk, bei dem der Bewusstseinszustand des Erzählers im Vordergrund steht.
Es beginnt mit einem Flug Richtung Wien und seine Nerven liegen blank.
Arad Dabiri schreibt Dialoge, die Wortwitz haben, z.B. die Auseinandersetzung des Protagonisten mit der Stewardess oder später mit einer Psychiologiestudentin. Sonst gibt es auch viele Selbstgespräche des jungen Mannes.
Ihn beherrscht ein Skeptizismus, ein Weltschmerz.Rätselhaftes begleitet das Buch.
Mir persönlich ist der Protagonist fremd geblieben, aber ich habe das Buch dennoch ganz gerne gelesen.
Poirot und Mrs.Oliver
DRAMA von Arad Dabiri
Aufgrund der kommenden Verfilmung ist dieser Agatha Christie-Roman, den ich bisher nicht kannte, wieder veröffentlicht wurden.
Schon zu Beginn trifft man auf eine alte Bekannte: Ariadne Oliver, die Autorin von Kriminalromanen, die sehr gut mit Hercule Poirot bekannt ist.
Ariadne Oliver ist ein ironisches Selbstporträt von Agatha Christie und man spürt, wievielt Spaß es ihr gemacht hat, diese Figur auftreten zu lassen.
Ariadne Oliver hat von einem Mord gehört und schaltet Hercule Poirot ein. Der kommende Handlungsablauf ist typisch für Agatha Christies Poirot-Romane. Man sollte auch nicht zu viel erwarten. Das Buch gehört nicht zu Christies großen Romanen. Lesenswert ist es dennoch.
Ich persönlich habe Hercule Poirot den Miss Marple-Romane immer bevorzugt, denn da ist mehr ironischer Humor spürbar.
Von Chur bis nach Istanbul
Unschärfen der Liebe von Angelika Overath
Das Buch erzählt von einer Liebes-Dreiecksgeschichte. Es sind 2 Männer, die sich lieben: Cla und Baran.
Da ist aber auch noch Clas frühere Verlobte Alva, die mit ihm zusammen eine kleine Tochter hat.
Man muss dazu sagen, dass Unschärfen der Liebe der zweite Teil einer geplanten Trilogie ist. Der erste Roman hieß Ein Winter in Istanbul.
Der dritte Teil wird noch folgen.
Wesentlicher Betandteil dieses Buches ist eine lange Zugfahrt von Chur nach Istanbul, die Baran unternimmt um zu Cla zu kommen.
Das bietet der Autorin die Gelegenheit Barans Beobachtungen und Erinnerungen zu beschreiben. Sie nutzt dazu ihre große Stärke, ihre poetische, außergewöhnliche Sprache. Dadurch gewinnt der Text eine große Lebendigkeit.
Viele Orte auf der Reise werden erwähnt, immer wieder wechseln Mitreisende und mit ihnen ihre geschichten. Aber Baran bleibt bei seinen Gedanken meistens bei seinem geliebten Cla, aber auch bei Alva, mit er er 3 Nächte verbrachte.
Die Autorin hat mit ihren sprachlichen Mitteln eine Form gefunden, die mich überzeugte!
Die jungen Jahre
Nachhausekommen von Jan Peter Bremer
Jan Peter Bremer hat seinen ganz eigenständigen Ton und eigentümlichen Wiitz.
Hier erzählt er autobiografisch über seine frühe Jugend mit ersten Schuljahren.
Und wer in ähnlicher Zeit auzfgewachsen ist, wird vieles an dem typischen gesellschaftlichen Verhalten, z.B. in der Schule, an Musik und Politik, wieder erkennen.
Satirische Elemente, die man auch aus anderen Bremer-Büchern kennt, findet man auch hier. Amüsantes mischt sich mit bitteren, da Mobbing-Elemente gegen das Kind deutlich erkennbar sind.
Ich finde es bemerksnwert, wie der Autor es schafft, früher Erinnungen neu zu imaginären und in Literatur zu fassen.
Gegen die Gleichgültigkeit
Schlaraffenland abgebrannt von Michel Friedman
Michel Friedman zieht in seinem neuen Buch eine Bilanz über den aktuellen Zustand Deutschlands.
Er äußert sich dabei zu Themen wie Rechtsextremismus, Klimawandel, Krieg, Armut u.a.
Das Buch ist geschickt in vier Teile aufgeteilt.
Teil 1 zeigt die Gesellschaft und die Politik
Teil 2 rückt die Brandherde in den Fokus
Teil3 benennt die Schlafmittel, die ein effektives Handeln lähmen
Teil 4 versucht Auswege zu zeigen.
Diesen letzten Teil halte ich für zu abstrakt, aber immerhin bleibt die Erkenntnis, selbst kein Schlaraffe sein zu wollen.
Friedman zeigt Gleichgültigkeit und Angst als größte Probleme, die zu Polarisierung führen kann. Rationalität und Fakten sind gefragt.
Oft geht Friedman von seinen eigenen Empfindungen aus. Dadurch wird es auch zu einem privaten Buch.
Supermächte
Kollision von Matthias Naß
Kollision hat den dramatischen Untertiel “China, die USA und die weltpolitische Vorherrschaft im Indopazifik“.
Und das nicht ohne Grund, denn da kann es zur Kollision der Supermächte kommen. Verschiebungen im politischen Machtgefüge sind wahrscheinlich.
Es ist ein komplexes politisches Sachbuch, dass sich dem immer rasanteren Aufstieg Chinas widmet und die entstehenden Konflikte klar benennt.
Manche Abschnitte sind vielelicht auch zu detailliert, aber für einen Weg muss man sich halt entscheiden und Mathias Naß zeigt die Positionen vieler Länder, wie Russland, Japan, Indien, Frankreich, Deutschland etc. und der Nato.
Asienexperte Matthias Naß ist ein Experte, der ganz offensichtlich über viel Hintergrundwissen zum Thema verfügt und der in der Lage ist, das Geschehen zu analysieren und in einer Gesamtheit zu zeigen.
Es erscheinen zur Zeit einige Bücher über China, aber Matthias Naß hat hier dieses Jahr einen hohen Maßstab gesetzt.
Live fast – die young
Schnell leben von Brigitte Giraud
Die französische Schriftstellerin hat ein Buch über den Unfalltod ihres Mannes geschrieben. Dazu nutzt sie eine ungewöhnliche Struktur. Das ganze Buch kreist um die Fragen, welche Entscheidungen zu einer Änderung dieses Schicksals hätten führen können. Das macht sie kapitelweise in diversen, fast ermüdenden Thesen.
Dafür hat die Autorin sogar den bedeutendsten Literaturpreis Frankreich, den Prix Concourt gewonnen, aber für mich hat es auch etwas Vergebliches.
Dennoch ist es ein Stück Bewältigungsarbeit.
Der Stil ist zurückhaltend, relativ sachlich, fast trocken.
Ich halte viel von der Autorin, besonders mag ich ihren Roman Das fremde Jahr. Doch schnell leben erfreute mich weitgehend nicht. Dennoch ist es gut, dass dieses sehr persönliche Buch übersetzt wurde, denn der autofiktionale Text zeigt ein Stück Trauerarbeit.










