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Rezensionen von yellowdog:

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Ästhetik und Ethik

Entweder / Oder von Elif Batuman

Elif Batuman ist eine US-Amerikanische Schriftstellerin mit türkischen Eltern. Sie hat schon einmal einen Roman um ihre Hauptfigur Selin geschrieben. In diesem neuen Buch Entweder/Oder (im Original Either/Or, aus dem Englischen von Claudia Wenner übersetzt) ist Selin im zweiten Jahr als Studentin in Havard.

Es ist 1996. Die Autorin hat auch in Havard studiert, daher haben ihre Beschreibungen hohe Glaubwürdigkeit.

Selins Perspektive bestimmt das Buch. Man bekommt einen Eindruck von der Gefühlslage der jungen Studentin und von der Atmosphäre zwischen den Studenten in dieser Zeit.
Mich spricht auch an, dass es viel um Literatur geht und es einen philosophischen Ansatz gibt. Selin ist von einem Titel von Kierkegaard fasziniert, der dann auch den Titel für dieses Buch liefert.

Im letzten Romanviertel verlässt Selin in den Sommerferien die USA und reist in die Türkei. Sie lässt sich mit einer Reihe von Männern ein, die alle ein wenig verrückt scheinen. Selin lässt sich zu viel gefallen. Mit diesen Passagen kann man seine Probleme haben. Aber Selin und ihre Erfahrungen lassen einen auch nicht los.

Fazit: Ein hervorragender Roman für Literaturbegeisterte!

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Ästhetik und Ethik
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Kalmann in den USA

Kalmann und der schlafende Berg von Joachim B. Schmidt

Joachim B. Schmidt hat seinen Erfolgsroman Kalmann eine Fortsetzung gegeben. In Kalmann und der schweigende Berg reist Kalmann von Island in die USA zu seinem Vater. Das läuft aber nicht so gut und durch unglückliche Umstände wird Kalmann sogar vom FBI verhört.
Diesmal hat die Geschichte um Kalmann noch viel mehr einen Kriminal/Thrillerplot als im ersten Teil.

Die Notwendigkeit für diese Fortsetzung sehe ich nicht so ganz. Der erste Roman hatte mehr Relevanz. Aber wenn man darüber hinwegsieht, bleibt immer noch eine spannende Geschichte um einen sympathischen Protagonisten.

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Kalmann in den USA
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Ray Carney 2

Kalmann und der schlafende Berg von Joachim B. Schmidt

Pulitzer- und National Book Award-Preisträger Colson Whitehead hat bereits mehrere bedeutende Romane über das schwarze Amerika geschrieben.
Mit Die Regeln des Spiels geht er nach Harlem Shuffle ein zweites mal in die siebziger Jahre New Yorks zurück. Hauptfigur ist wieder Ray Carney.

Obwohl Colson Whitehead, genauso wie ich, in den Siebziger Jahren noch ein Kind war, trifft er die Stimmung der Zeit, glaube ich, ganz gut.

Probleme hatte ich wieder mit den ganzen Gangstern, in die ich mich nicht so gut hinein fühlen kann.
Colson Whitehead beraubt sich damit der Stärke seiner früheren Romane, charismatische, empathische Figuren einzusetzen.

Vermutlich wird es einen Ray Carney 3 geben, aber ich hoffe, Whitehead schreibt zwischendurch noch etwas anderes.

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Leben in Israel

Kalmann und der schlafende Berg von Joachim B. Schmidt

Die 19jährige Linda hat ein romantisches, idealisiertes Bild von Israel und beschließt nach dem Abi dahin auszuwandern.
Geschickt zeigt die Autorin Elke Ottensmann zwei Perspektiven. Die eine zeigt die leicht naive Linda mit ihren Erlebnissen in Israel, die andere zeigt ihre besorgte Mutter Martina in Deutschland.

Wie versprochen bekommt der Leser gute Eindrücke und Details vom Leben in Israel.
Lindas Blick auf Israel bekommt erste Risse, als sie in der Nähe eines Attentats war. Dann lernt sie in Ramallah einen jungen Muslim kennen und verliebt sich. Das ändert alle ihre Pläne.

Fazit: Man kann von einem unterhaltsamen und interessanten Roman sprechen!

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Bericht einer Überlebenden

Gebranntes Kind sucht das Feuer von Cordelia Edvardson

Es ist der Bericht einer Überlebenden, erstmals 1986 erschienen.

In einem klaren, kühlen Ton erzählt Cordelia Edvardson vom Aufwachsen als dreivierteljüdin in Deutschland, schließlich die Deportation als 14jährige, Auschwitz und die Zeit danach.
Im Vergleich zu Texten von Primo Levi oder Imre Kertesz gibt es anteilsmäßig relativ wenige Lagerbeschreibungen, obwohl die enthaltenen wirkungsvoll genug sind.

Es geht anfangs viel um das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter. Die Mutter war Elizabeth Langgässer, eine bekannte Schriftstellerin, Katholikin und Halbjüdin. Sie war schwach und konnte die Tochter nicht retten. Sie sahen sich nach Cordelias Befreiung nur noch ein einziges Mal wieder.

Der Text ist überraschend literarisch, so gibt es gerade am Anfang wiederholt Wechsel der Zeiten. Der Text bleibt kompromisslos.

Das Buch schließt mit einem Nachwort von Daniel Kehlmann, das sehr lesenswert und interessant ist.

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Bericht einer Überlebenden
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Trotz als Chance

TROTZ von Ronja von Rönne

TROTZ ist ein Langessay von Ronja von Rönne, den sie auf ihre bekannt ironische Art verfasst hat.
Eigene Erfahrungen flossen ein, z.B. mit einer ersten Kolumne und ihren Auftritt beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb und insbesondere ihre Rolle im Literaturbetrieb, die keine einfache ist. Ein Klinikaufenthalt folgte.

Die Autorin zeigt, wann Trotz Nachteile mit sich bringt und wann es ggf. erforderlich ist und Form von Widerstand wird. Trotz als Chance!
Meiner Meinung nach ein gelungener Text.

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Derr italienische Proust

Die Autobiographie des Giuliano di Sansevero von Andrea Giovene

Die Autobiografie des Giuliano di Sanseveror umfasst 5 Bände. Dieses Buch mit dem Untertitel Fremde Mächte ist der vierte Teil, theoretisch auch eigenständig lesbar.

Der Erzähler beruft sich zwar auf Tagebücher, aber es ist erzählende Prosa, ein Erinnerungsbuch, offensichtlich durch eigene Erfahrungen des Autors geprägt.

Latent denkt man an einen italienischen Proust. Giovene ist ähnlich stark bei den Beschreibungen.

Es sind Kriegszeiten. Er ist in Griechenland als Offizier eingesetzt. Es folgt deutsche Kriegsgefangenschaft und Flucht. Alles erträgt Giuliano gelassen und folgt dem Geschehen mit scharfen Beobachtungen. Überwiegend bleibt er passiv.

Auffällig, wie der Text in einem gleichmäßigen Fluss bleibt.

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Über eine große Dichterin

Jenny Erpenbeck über Christine Lavant von Jenny Erpenbeck

Die Bücher meines Lebens, eine Reihe herausgegeben von Volker Weidermann, sind deswegen so stark, weil sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Verfasser und dem betrachteten Schriftsteller herstellen.
Als Jenny Erpenbeck einige Jahre in Graz lebte und die österreichische Dichterin Christine Lavant mit 30 Jahren für sich entdeckt, war sie fasziniert und es gelingt ihr, in diesem Buch den Lesern diese Faszination zu vermitteln.

Christine Lavant war mir zwar ein Begriff, aber ich bin kein Kenner ihres Werks. Daher ist die Geschichte, die Erpenbeck über Leben und Werk Lavants erzählt, im höchsten Maße spannend für mich gewesen.
Christine Lavants Leben war unspektakulär. Sie lebte von 1915 bis 1973. Sie verließ ihre Heimat praktisch nie und ihr Leben war auch von Krankheit und Armut geprägt. Dennoch hatte sie ein umfangreiches Werk mit tausenden von Gedichten und Prosa geschaffen.
Erschütternd die Passagen, als Erpenbeck von Lavants psychischen Problemen erzählt, die sie 1935 in die psychiatrische Anstalt in Klagenfurt brachte und über die Lavant 10 Jahre später ihr Prosawerk Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus schrieb. Hier wurden in den Jahren 1941 bis 1945 viele psychisch Kranke und alte Menschen ermordet.
Nach diesem Essay bin ich fest entschlossen, dringend etwas von Christine Lavant zu lesen!

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Vier Porträts

Die Details von Ia Genberg

Ia Genberg ist eine schwedische Schriftstellerin, die ihrem preisgekrönten Roman Die Details von einer Frau erzählt, die sich während einer Krankheitsphase an vier Personen erinnert, die ihr im Leben wichtig waren:
Johanna, eine Freundin, mit der sie die Liebe zur Literatur teilte.
Niki, die Freundin, die verschwand.

Alejandro, der Musiker. Und schließlich Birgitte, die an einer Psychose leidet.

Jede dieser Personen nimmt eins der 4 Kapitel im Buch ein. Man lernt sie als leicht gediegene Persönlichkeiten kennen, die zum Teil innerlich beschädigt sind.
Ich musste leicht an Hemingway denken. Ia Genberg schreibt auch nüchtern, aber intensiv. Sprachlich war ich nicht so sehr vom Stil beeindruckt, aber der Roman ist geschickt komponiert und wirkt entsprechend.

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Die letzte Reise der Jasmin

Die eigentümliche Vorliebe für das Meer von Gregor Hens

Gregor Hens ist ein bekannter Übersetzer, der auch schon einige Romane geschrieben hat. Dies ist das erste, das ich von ihm lese.
Die eigentümliche Vorliebe für das Meer ist ein eigentümliches Buch, jedenfalls sprachlich.
Besonders die Sätze an den Kapitelanfängen sind nicht frei von Pathos. Das ist man in der zeitgenössischen Literatur so eigentlich nicht gewohnt.

Doch man gewöhnt sich schnell daran und schiefe Sätze sind es eindeutig nicht.
Es gibt immer wieder gut gestaltete Passagen.

Im Mittelpunkt steht Benedita, die als 18jährige die Familie verließ, da ihre Mutter weg war und der Vater im Gefängnis. Sie wurde schnell selbstständig. Jetzt kehrt sie nach Jahren zur Familie zurück, die ein Hotel und ein Restaurantschiff besitzen.
In jedem zweiten Kapitel ist Gabriel zentrale Figur. Er ist Beneditas Onkel und väterlicher Freund.
Ganz einfach fassbar sind die Figuren nicht, dafür sind sie ziemlich interessant. Sie sind geprägt durch das Schicksal der Familie.
So ist das Buch eine eigenwillige Familiengeschichte vor exotischen Hintergrund, die teilweise zu packen vermag und der ich 7 von 10 Punkten gebe.

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Die letzte Reise der Jasmin