Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Der Weg einer radikalen Frau
Meine Männer von Victoria Kielland
Meine Männer ist ein Buch einer Norwegischen Autorin: Victoria Kielleand, und es erzählt von einer Serienmörderin.1876 ist sie siebzehn Jahre alt.
Es ist ein Buch, dass nicht nur durch eine ungewöhnliche Protagonistin überrascht sondern auch durch die eigenwillige Stilistik. Es ist eine sehr dichte Sprache voller Intensität.
In manchen Sätzen vielleicht zu viel. Da wirkt es übertrieben. Es gibt aber auch viele Abschnitte, die überzeugen. Mich überzeugten viele Passagen über das Leben in den USA. Die Handlung springt relativ viel in den Zeiten.
Wir sind im 19.Jahrhundert. Brynhilds Weg führt sie aus Norwegen in die USA. Hier wird sie zur Bella und später zu Belle. Aber sie bleibt eine rätselhafte, schwer fassbare Figur. Es bleibt das Gefühl großer Einsamkeit!
Belle Gunness gab es wirlich. Victoria Kielland macht aber eine literarische Fantasie aus ihr und zeigt die Getriebenheit einer Frau. Es wird meiner Auffassung nach aber nie zum Thriller. Es ist ein Psychogram, das nicht erklärt und das auch nicht will.
Noir vom Feinsten
Die Höfe von A. F. Carter
An diesem Roman mag ich den Erzählstil mit wechselnden Perspektiven.
Die drei sehr unterschiedlichen Hauptfiguren wechseln sich ab mit dem Berichten der Handlung.
Der Anfang mit der Krankenpflegerin Git ist sogar eine Art Lebensbeichte.
Sie ist nicht weit entfernt von dem, was mit dem bösen Wort White Trash bezeichnet wird, doch immerhin ist sie tough.
Sie schuftet sich ab, um sich und ihre Tochter durchzubringen.
Dann verbringt sie eine Nacht mit einem miesen Typen, der am Morgen danach tot aufgefunden wird. Git hat Bedenken, für die Täterin gehalten zu werden.
Zweite Erzählerin ist Delia Mariola, die ermittelnde Kommissarin, die ebenfalls ein Kind hat.
Und dann gibt es noch den zynischen Connor, ein Drogendealer und ein Kumpel des ermordeten. Connor macht sich auf die Suche nach dem verschwundenen Drogengeld des Toten.
Der Handlungsort prägt die Stimmung des Buches mit. Es ist eine wirtschaftlich heruntergekommene Stadt namens Baxter.
Das Buch lässt sich gut und schnell lesen. Durch den Wechsel der Erzähler bleibt der Roman lebendig und einigermaßen temporeich.
A.F.Carter ist stark beim Entwerfen seiner Figuren und das Drama nimmt seinen Lauf.
Das Buch mit dem Hahn auf dem Cover.
Als wir an Wunder glaubten von Helga Bürster
Helga Bürster schreibt ihren Roman „Als wir an Wunder glaubten“, den sie ins Jahr 1949 legt, so, dass es glaubhaftes Bild dieser schweren Zeit zeigt. Wie die Leuten reden und sich verhalten ist sowohl typisch für die Zeit, aber auch für die Gegend, in Nähe von Moorlandschaft.
Sowohl das Dorf als auch die Landschaft lernt man beim Lesen kennen.
Das Personal des Romans ist die Stärke des Buches.
Da ist die 11jährige Betty Abels, dann Edith, ihre Mutter und die Nachbarin Annie.
Schwer mitgenommen kehrt deren Mann Josef aus dem Krieg zurück. Er ist in einem schlechten Zustand.
Man denkt manchmal, dass Buch wäre altmodisch geschrieben, aber das stimmt eigentlich nicht. Es ist gut strukturiert und zeigt glaubhaft eine schwere Zeit. Man spürt, dass Helga Bürster eine erfahrene Autorin ist.
Das Lesen war nicht durchgehend ein Vergnügen, aber beeindruckt hat mich das Buch!
Literatur aus Afrika
Andy Africa von Stephen Buoro
Es ist die Stimme eines 16jährigen aus Nigeria, der den Ton dieses Romans ganz und gar bestimmt.
Andrew, Spitznamme Andy Africa, lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter zusammen, die sich weigert, den Namen seiens Vaters zu verraten.
Andy ist fasziniert von weißen, blonden Mädchen, auch wenn er in echt noch nie eins gesehen hat.
Davon abgesehen ist er ein intelligenter Junge.
Dann lernt er mit Eileen tatsächlich ein blondes Mädchen kennen und seine Gefühle fließen über.
Andy Africa (Originaltitel The five sorrowful mysteries of Andy Africa)
ist ein Stück sehr lebendige, zeitgenössische Literatur aus Afrika.
Ein Hausboot auf der Themse
Freundliche junge Damen von Mary Renault
Freundliche junge Damen von Mary Renault ist der zweite Band aus der Reihe Entdeckungen und es ist entsprechend alt, schon 1944 geschrieben.
Aber eigentlich liest es sich frisch und amüsant. Keinen Moment denkt man beim Lesen an ein altmodischen Roman.
Die sensible 17jährige Elsie hält den Dauerstreit der Eltern nicht mehr aus und entflieht zum Hausboot der älteren Schwester Leo, die die Familie schon vor Jahren verlassen hatte.
Leo lebt ein freies, eigenständiges Leben als Westernschriftstellerin und in einer langjährigen, aber offenen Beziehung mit Helen.
Elsie ist naiv und schätzt die Situation nicht richtig ein.
Dann kommt auch noch der junge Arzt Peter dazu, in den Elise sich verliebt hat, der aber Interesse für Leo und Helen entwickelt.Das ganze hat Screwball-Elemente, bis man schließlich nicht mehr weiß, wer mit wem.
Bis zur Mitte dominiert Eliese Perspektive, später ist es mehr die von Leo.
Mary Renault schreibt völlig entspannt und das verleiht dem Buch den Ton.
Harter Stoff
Young God von Katherine Faw
Young God ist kein gewöhnlicher Thriller, wenn es denn überhaupt einer ist.
Das liegt an der sprachlichen Ausführung, die in knapper Form mit kurzen Absätzen gehalten ist. So stehen manchmal nur wenige Sätze auf einer Seite.
Die Mutter der 13 Jahre jungen Nikki ist tödlich verunglückt. Sie macht sich daher auf zu ihrem Vater Coy Hawkins, der gerade erst aus dem Knast gekommen ist.
Jetzt hält er sich als Zuhälter über Wasser. Er ist ein kalter, gefährlicher Hund, der mit Brutalität voegeht.
Nikki taucht da in eine dunkle Welt ein, versucht aber, sich zu behaupten. Sie will kein Opfer sein und fängt an, Drogen zu nehmen und auch zu verkaufen.
Manche Sätze erschienen mir manchmal nicht ganz stimmig. Da habe ich die Befürchtung, dass nicht alles ganz einfach zu übersetzen war und im Deutschen vielleicht sprachlich nicht so gut funktioniert.
Für das Buch spricht das enorme erzählerische Tempo, die Dichte und Konzentration des Stils und der einzelnen Abschnitte. Bemerkenswert für einen Debütroman, der offensichtlich sehr gründlich durchgearbeitet wurde.
Kraftvolle Prosa
Eigentum von Wolf Haas
Es gibt in der deutschsprachigen Weltliteratur schon einige bedeutende Mütterbücher (Handke, Meckel). Mit Eigentum kommt jetzt ein aktuelles dazu, dass sich durch eine wütende Ironie auszeichnet.
Wolf Haas betractet die 2 letzten Tage sener 95jährigen Mutter, erlebt aber auch das ganze Leben mit ihr mit.
Sein Großvater war Wagnermeister. Ein Beruf, den es heute nicht mehr gibt. Haas bringt mehrfach den Kontrast Vergangenheit und Gegenwart ins Spiel.
Er zeigt verschiedene Lebenszeiten der Mutter, auch gerade die schweren der Kriegs- und Nachkriegszeit und damit ihre geschichte und was sie prägte. Das lässt mich als Leser nicht kalt, ebenso wie die Beziehung zwischen Mutter und Sohn.
Ich denke, das Buch ist besonders für Leser der ungefähren Altersklasse des Autors interessant. Ich jedenfalls habe das Buc stilistisch genossen und würde es nicht gering einschätzen.
eigentümlich-verschmitzt
Begabte Bäume von Bodo Hell
Ein schön gestaltetes Buch mit 23 Zeichnnungen von Linda Wolfsgruber
Ein Buch über Bäume, das keine weitere Handung im herkömmlichen Sinne benötigt. Und doch ist da viel an Themen versteckt.
Der 80jährige Bodo Hell ist eine Ikone der Avantgarde und ein Sprachkünstler. Und daher sopllte man sich die Texte vorgelesen vorstellen.
Dann entfalten sich die oftmals erstaunlichen Details, von denen es viele gibt.
Verschachtelte Sätze gibt es viele. Auch mal ein Gedicht.
Dann kommt auch mal zu den Bäumen etwas hinzu, wie z.B. der Text über Ilse Aichinger.
In vielen Texte blitzt immer wieder ein eigentümlicher Witz auf!
Begabte Bäume ist kein Buch, das man am Stück durchliest. Besser wirkt es in kleinen Portionen. Daher denke ich auch nicht, mit dem Buch schon fertig zu sein.
Ich bin eine Kraft der Vergangenheit
Sinkende Sterne von Thomas Hettche
Was im Klappentext beschrieben ist, wird auf leicht poetische und reflektierende Art erzählt.
Der Erzähler reist in die Schweiz in das Ferienhaus seiner Eltern, das seiner Jugend. Dss erweckt natürlich Erinnerungen. Und sie führen ihn weiter durch Stationen seines Lebens.
Hettches Blick auf die Vergangenheit ist teils wehmütig verklärend, teils bereuend und desilludioniert, doch die Gegenwart ist erschreckend.
Beeindruckend auch die vielen Zitate aus Film und Literatur sowie Philosophie. Dennoch behindert dass das handlungsorientierte.
Es tat gut, mal wieder ein Buch von einem Autor zu lesen, dem die Sprache wichtig ist und die er sorgfältig einsetzt.
derb und rasant
Baise-moi – Fick mich von Virginie Despentes
Virginie Despentes Baise-moi ist nicht nur aufgrund der gleichnamigen Verfilmung berüchtigt. Das Buch hat eine derbe Sprache, die aber effektiv eingesetzt wird. Hinzu kommen Beschreibungen expliziter Art.
Es entsteht ein hohes Tempo, das durchaus bemerkenswert ist.
Das 1994 erstmals erschienene Buch wollte und sollte provozieren und legte einen Maßstab.
Heutzutage vermag das Buch aber nicht mehr so stark zu schockieren, da es seitdem im Zuge einer gesellschaftlichen Verrohung schon viel Vergleichbares gibt.
Virginie Despentes ist inzwischen eine sehr anerkannte Autorin geworden mit einer Reihe erfolgreicher Romane. Eine Empfehlung für Baise-moi möchte ich nicht geben. Vielleicht liest man besser die neueren Bücher. Wer sich aber sehr für Virginie Despentes interessiert, kann auch ihren Debütroman ohne Verluste lesen.











