Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Goethe und sein Schwager
Rauch und Schall von Charles Lewinsky
Jetzt hat auch Charles Lewinsky wie vor ihm viele, z.B. Martin Walser, einen Goethe-Roman vorgelegt. Das ist mehr oder weniger risikolos.
Sein Goethe steckt permanent in einer Schreibkrise. Sein Schwager Christian August Vulpius, ein Vielschreiber von Trivialromanen, hilft ihm, aus der Patsche. Vuloius ist für mich sogar die interessantere Figur in diesem Roman, den eine gewisse Ironie begleitet.
Lewinsky ist diesmal vielleicht näher an Vulpius als an Goethe.
Doch dafür wartet er am Ende mit einem ziemlich originellen Einfall auf, der an dieser Stelle aber noch nicht verraten werden darf.
Pecula
Sehr blaue Augen von Toni Morrison
Wie gut, dass es Toni Morrisons wichtigen Erstling jetzt in einer Neuauflage gibt. Es ist ein bedeutendes Buch und eindringlich gesprochen von Abak Safaei-Rad.
Die Erzählperspektive ist wichtig für die Handlung. Obwohl die 11jährige Pecula die Hauptfigur ist, sind es die Beobachtungen ihrer 2 Freundnnen.
Es ist ein teilweise bitteres, aber bdeutendes Werk.
Victor
A Quiet Man. Ein schweigsamer Mann ist ein gefährlicher Mann. von Tom Wood
In der Kriminalliteratur gibt es einige großartige Reihen mit Berufsverbrecher in der Hauptrolle, z.B. Wyatt von Garry Disher oder die Parker-Romane von Richard Stark.
Tom Woods Victor-Romane passern dazu und sind sogar ein ganz spezieller Fall.
Tom Woods hat schon einige Bücher um Victor gechrieben.
Der neue heißt A quiet Man.
Victor, der Berufskiller, befindet sich in Kanada und lernt den jungen Joshua und seine Mutter kennen. Als diese plötzlich verschwinden, macht Victor sich entschlossen auf die Suche. Ansatzweise erinnert er an Rambo.
Das Buch ist nicht realistisch, aber auf primitive Weise sehr unterhaltsam. Tom Woods versteht es, packende Szenen zu schaffen und eine Handlung richtig abgehen zu lassen.
Gedämpftes Licht
Diamantnächte von Hilde Rød-Larsen
Diamantnächte ist das Porträt einer Frau, die sich in einer Lebesnkrise an frühere Lebensabschnitte zurückerinnert.
Sie fühlt sich kraftlos, unbehaglich, es gehen ihr die Haare aus. Teilweise beschreibt sie ihren Zustand ausführlich, nennt den Klumpen im Magen. Sie fängt an, darüber zu schreiben.
Man lernt ihre Gedanken und Erinnerungen kennen, doch es bleibt auch eine Distanz. Einge gewisse skandinavische Kühle schwingt mit. Die Autorin Hilde Rød-Larsen macht es den Lesern nicht leicht, aber einige Passagen sind wirklich gut gestaltet und fein ausgefeilt.
Sehr gut gefallen haben mir die fast essayistischen Einschübe zu literarischen Einflüssen. Es wird zum Beispiel Graham Greenes Das Ende einer Aäffäre rwähnt, auch was Rachel Cusk oder Deborah Levysagten. Das bereicherte das Buch, jedenfalls nach meinem Lesegeschmack.
Das Buch ist eher kurz mit auch überwiegedn kurzen Kapiteln. Streckenweise lässt mich der Zustand der Protagonistin etwas ratlos zurück, aber ich habe es nicht bereut, es gelesen zu haben.
Die Geschichte von Christian und Mariella Mehr
Landstrassenkind von Michael Herzig
Landstrassenkind von Michael Herzig ist ein bewegendes Buch über das Leben von Marielle Mehr, der bekannten Schriftstellerin und ihrem Sohn Christian in der Schweiz. Eigentlich kann man auch noch Marielleas Mutter, Christians Großmutter, dazuzählen. Sie sind jenischer Abstammung und haben alle staatlich geduldete Willkür durch ein „Hilfswerk“ erlebt.
Der Autor setzt zwischen den Kapiteln Jahreszahlen, bei denen er das Zeitgeschehen kurz anreißt. Das ist hilfreich zur Einordnung.
Als Leser fragt man sich, was soll man mit all dem Leid anfangen, doch die Erkenntnis ist. Bei allem, was sie durchmachen mussten, sind weder Marielle noch Christian zerbrochen. Man muss stets für sich und seine echte kämpfen. Das nehme ich als Message aus dem interessanten Buch mit.
Zu viele Zufälle
Landstrassenkind von Michael Herzig
Until us Rose ist kein schlechter Roman. Er bietet auf geringen Raum ausreichend Romantik und wie der Protagonist Robert sowohl die verfolgte Rose als auch unabhängig davon deren süsse Tochter Posie kennenlernt, ist ansprechend. Doch es hibt auch ein paar Aspekte, die mich stören, z.B. gibt es einfach zu viele Zufälle, auch wird der Lovestory eigentlich nicht genug Raum gegeben, um sich wirklich glaubwürdig zu entfalten.
Dann muss auch sagen, dass Robert Rose und Posie einfach zu oft rettet, dann am Ende wird er geradezu zum Rambo, um die zu befreien. Das fand ich übertrieben.
Davon abgesehen funktionieren die bekannten Zutaten gut.
Ein sehr amerikanisches Buch
Es ist okay, wütend auf den Kapitalismus zu sein von Bernie Sanders
Bernie Sanders war lange Zeit die Hoffnung der jungen demokratischen Wähler der USA, die auf einen politischen Wechsel weg vom vorherrschenden Kapitalismus hofften.
Dieses Buch ist zum Teil wohl auch dem kommenden Wahlkampf geschuldet, auch wenn Bernie Sanders jetzt nicht Kandidat ist. Er unterstützt damit Joe Biden gegen Trump.
Gleichzeitig ist es Sanders wohl auch wichtig, seine Graswurzelbewegung zu bewahren.
Er gibt sich recht unbescheiden! Sprachlich wird locker von der Leber weg erzählt. Literarische Ansprüche sollte man nicht haben. Ein Problem ist, dass Sanders zu viele Themen in das Buch steckt, die sich einfach nicht alle so ohne weiteres verarbeiten lassen.
Es ist ein rechtschaffendes, hochmoralisches Buch, wie man es als deutscher Leser kaum gewohnt ist, aber einen Teil der US-Amerikanischen Wählerschaft könnte es ansprechen.
Erinnerungen
Memoria von Zoë Beck
Memoria ist der neue Roman von Zoe Beck und es ist ein Spiel mit Erinnerungen und Wahrnehmung.
Für den Leser bedeutet das eine gewisse Unsicherheit über geschilderte Szenen. Sind die wirklich so geschehen oder trügen die Erinnerungen der Protagonistin Harriet, die Klavierbauerin ist. Durch einen Vorfall, bei der sie eine alte Frau rettet, setzen sich diverse Erinnerungen frei.
Sie wird sich auch bewusst, dass sie Gedächtnislücken hat.
Harriet stellt dadurch viel in Frage, auch an sich selbst. Das bldet einen Teil der Spannung des Buches. So ganz folgen kann ich nicht immer.
Die erwähnte Passage bildet den Anfang des Buches und ist brillant geschrieben. Es passiert mitten in einer Umgebung, die durch den Klimawandel bedroht ist.
Der Plot bleibt thrillerbetont. Am interessantesten fand ich den Aspekt um Harriet, in der sie auf der Suche nach ihrer Vergangenheit und sich selbst ist.
Die am Ende folgende Auflösung halte ich für schlüssig.
überzeugende Erzählstimme
Eine Tochter Harlems von Louise Meriwether
Was für ein Glück, dass es die rororo-Reihe Entdeckungen gibt. Ansonsten wäre es schwer gewesen, Louise Meriwether zu entdecken.
Ihr großartiger Debütroman Eine Tochter Harlems bietet einen Einblick in das Leben der schwarzen Community in Harlem des Jahres 1934.
Vorherrschend ist der unverstellte Blick der 12jährigen Francie.
Die schwierigen Lebensbedingungen in Harlem werden hautnah erlebbar.
Der Originaltitel ist Daddy was a number runner. Das ist ein Job für ein illegales Glücksspiel und so steht Francies Vater auch in Gefahr, verhaftet zu werden. Sie leben streckenweise am Existenzminimum und viele Chancen gibt es nicht.
Der Autorin gelinkt es, die Themen des Buches zu entwickeln und sie auf eine gesellschaftspolitische Ebene zu heben.
Der Roman hat mich ziemlich beeindruckt, wie auch das Nachwort, dass Louise Meriwethers Leben und Werk vorstellt.
Eine deutsch-iranische Vater-Tochter-Beziehung
Terafik von Nilufar Karkhiran Khozani
Terafik ist ein gut geschriebenes, interessantes Buch und es ist ein autofiktionaler Text. Die Protagonistin heißt wie die Autorin und teilt ihre Erfahrungen, doch dadurch das es literarisch verarbeitet wird, wird das Buch zum Roman.
Im Mittelpunkt steht eine Reise in den Iran. Die in Deutschland geborene Nilufar reist mit Mitte 30 zum ersten mal in den Iran, um ihren Vater zu besuchen, der Deutschland vor langen verlassen hatte.
Es wird nicht linear erzählt. So erfährt man die Gründe des Vaters erst spät, Er lebte 20 Jahre in Deutschland und sah sich dann als gescheitert und kehrte in den Iran zurück.
Im Buch gibt es einige Whatsup-Nachrichten, die er seiner Tochter in gebrochenen Deutsch schrieb. So hielten sie Kontakt. Sein größter Wunsch war, dass Nlufar ihn und die Familie besucht.
Nilufars Reise und Empfindungen mit der Familie kann man dann hautnah folgen und verstehen. Ihre Beschreibungen sind sprachlich ausgefeilt.
Das hat mir gut gefallen.










