Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Episoden im Café
Die Tage im Café Torunka von Satoshi Yagisawa
Von Satoshi Yagisawa habe ich schon gerne seine Romane Die Tage bzw. Die Abende in der Buchhandlung Morisaki gelesen. Die Tage im Café Torunka hat mich, ehrlich gesagt, weniger begeistert. Café-Bücher gab es in letzter Zeit schon viele, oft bessere. Auch ist das Buch zu sehr nach Formel gestrickt, zum Beispiel ist es episodenhaft aufgebaut.
In den früheren Bücher hat das Thema Bücher und Literatur für den schlichten Stil entschädigt. Das fehlt mir hier. Am besten hat mir der zweite und dann auch der letzte Abschnitt mit dem Titel „Ein Tropfen Liebe“ gefallen, weil hier ein direkter Bezug zum Café da ist. Man kann also sagen, dass sich das Buch allmählich steigert. Die Figuren bleiben aber leider durchgängig schwach ausgeformt.
Äußerlich ist das Buch wirklich ein Schmuckstück mit schön gezeichneten Cover. Daher werde ich es mir gerne in mein Bücherregal stellen.
Vom Fuchs verhext
Der Laden in der Mondlichtgasse von Hiyoko Kurisu
Das Buch Der Laden in der Mondlichtgasse von der japanischen Schriftstellerin Hiyoko Kurisu ist episodenhaft aufgebaut.
Zu Beginn: Kana, eine schüchterne Schülerin der ruhigen Art, betritt staunend eine Confiserie in einer ihr bisher unbekannten Straße.
Dann wird klar, der Laden befindet sich in einer Zwischenwelt.
Ein Fuchsgeist bedient sie.
Sie kauft glücksbringende Bonbons und das wird in ihrer Beziehung zum Freund etwas ändern.
Mit den folgenden Episoden wechseln die Figuren, der Ablauf verläuft aber ähnlich.
Das Niveau der Geschichten ist gleichbleibend, d.h. eine ist so belanglos wie die andere. Mir persönlich gefällt die fünfte noch am besten.
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Das Buch ist so zuckrig wie die Zauberbonbons aus der Confiserie.
Daher empfehle ich, die sechs Geschichten des Buches nicht hintereinander weg zu lesen.
Bertl und Klara
Am Semmering von Tanja Paar
Am Semmering ist ein Zeitporträt: Ein bestimmter Ort in Österrreich und eine Zeit, ab 1928 bis in die dreißiger Jahre hinein.
Erzählt wird exemplarisch anhand eines Paares: Bertl und Klara.
Die Autorin wurde von ihren Großeltern zu diesen Figuren inspiriert. Daher wirken sie besonders authentisch.
Auch stilistisch ist der Roman geschickt und gut gemacht.
Elegant und raffiniert
Wachs von Christine Wunnicke
Manchmal gibt es Bücher, die haben so einen tollen Anfang, das man sie nicht vergisst. Wunnickes Wachs gehört dazu. Das erste Kapitel ist grandios geschrieben und hat einen Witz, der zugleich auch dazu dient, die eindrucksvolle Hauptfigur vorzustellen. Marie Biheron, die in Frankreich des 18.Jahrhunderts lebte.
Sie war Künstlerin und machte anatomische Wachsmodellation.
Mit der Blumenmalerin Madeleine Basseport kommt eine weitere wunderbare Figur hinzu. Erst war sie Maries Zeichenlehrerin, dann hatten sie eine lang andauernde Beziehung.
Es gibt eine zweite Zeitebene, in der der junge Edmé sich um die inzwischen alte Marie kümmert. Auch das ist eine enge Beziehung.
Christine Wunnicke, die schon lange ein literarischer Geheimtipp ist, gestaltet ihr Buch stilistisch sehr elegant. Ihre Sprache ist raffiniert.
Alleinerziehende Moms
Single Mom Supper Club von Jacinta Nandi
Jacinta Nandi hat mit Single Mom Supper Club einen Roman geschrieben, der es überraschend auf die Longlist des Deutschen Buchpreis geschafft hat.
Es geht um alleinerziehende Frauen, die sich regelmäßig treffen um gemeinsam zu kochen. Eigentlich waren es ursprünglich 2 Gruppen. Die normalen Mütter und die etwas jüngeren Cocaine-Moms.
Die normalen Mütter und ihr Alltag stehen mehr im Vordergrund: Kayla, Tamara, Lina , Antje
Die Figuren sind mehr oder weniger typisiert. Das Spiel mit Klischees macht der Autorin amscheinend Spaß.
Es gibt amüsante Momente, insbesondere bei den Dialogen. Es bleibt aber auch das Gefühl, diese Frauen im realen Leben besser nie treffen zu müssen.
Provokantes Schreiben als Programm. Streckenweise ist das eine Zumutung, dann aber auch keine schlechte Parodie. Dennoch habe ich den Humor als anstrengend empfunden.
Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts
Lázár von Nelio Biedermann
Der junge Schweizer Schriftsteller Nelio Biedermann hat einen besonderen Roman vorgelegt.
Mit der Geburt Lajos von Lázár zur Jahrhundertwende in Ungarn setzt eine Familiengeschichte ein, fast ätherisch wie aus einer anderen Zeit erzählt.
Über weite Strecken ist ein Waldschloss der Schauplatz.
Über den Eltern Sandor und Maria und ihren Kindern Lajos und Ilona geht die Geschichte weiter mit Pistas und Eva.
Und es ist die Geschichte eines Jahrhunderts mit all den schrecklichen Ereignissen, die auch an einer adligen Familie in Ungarn nicht vorbeigehen.
Es ist auch eine Verfallsgeschichte, denn psychische Erkrankungen, Suizid, Alkoholismus und Schwäche durchziehen die Familie vielfach.
Das Buch weist eine gute Lesbarkeit und eine ganz eigentümliche, tief durchdringende Atmosphäre auf, die man nicht so schnell vergessen wird.
Kinderarbeit
The Bitter Side of Sweet von Tara Sullivan
Ein Buch, klar konzipiert als Jugendbuch, erzählt von Kinderarbeit schlimmsten Ausmaßes in der Elfenbeinküste.
Der jugendliche Erzähler Amadou ist aus Mali und schon länger in der Lage, daher fast ein Profi.
Die Ausbeutung ist ihm ins Fleisch übergegangen. Die Kinder erleben brutale Gewalt. Amadou kümmert sich aufopfernd um seine jüngeren Bruder.
Die Situation ändert sich als ein störrisches Mädchen hinzukommt, die sich dem Terror widersetzt. Zu dritt gelingt ihnen die Flucht. Es gibt dramatische Szene. Das Buch ist durchaus spannend.
Interessant sind die Denkprozesse, die in Bewegung gesetzt werden.
Als durchschnittlicher, westlicher Leser ist man schockiert. Aber Kinderarbeit und -Ausbeutung ist Realität.
Ein Leben überschattet
Das Schwarz an den Händen meines Vaters von Lena Schätte
Das Schwarz an den Händen meines Vaters ist ein Buch, das zeigt, wie Alkoholismus das Leben einer Familie prägt und sich sogar vererbt.
Es ist zum Teil ein erschütternder Bericht, da er eindringlich aus Ichperspektive erzählt. Der Vater der Erzählerin Motte war schwerer Trinker, von der Mutter ein Stück weit toleriert.
Zahlreiche Vorfälle prägten schon die Kindheit der Erzählerin, die schließlich selbst anfängt schwer zu trinken.
Lena Schätte schreibt schonungslos, abgemildert durch eine Nähe zur Figur. Vielleicht ist das Buch deswegen auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis gelandet.
Zuhören
Deutschland, lass uns reden von Katrin Göring-Eckardt
Die Bündnis 90/Grünen-Ikone Katrin Göring-Eckhardt berichtet von ihren Reisen, Begegnungen und Gesprächen mit verschiedenen Bürgern, aber auch bekannten Persönlichkeiten wie Charlotte Knobloch oder Igor Levit
Dabei blendet sie auch immer wieder ihre Gedanken zu den Äußerungen der Gesprächspartner ein.
Das sind nachträgliche Kommentar und eigentlich wäre es vielleicht doch besser gewesen, sie hätte das gleich ausgesprochen. Doch sie wollte in erster Linie die andere Seite zu Wort kommen lassen. Zuhören ist ihr wichtig.
Sie spricht auch mit Flüchtlingen und Migranten sowie einer Bürgergeldempfängerin.
Katrin Göring-Eckardt und das für das sie einsteht haben meine Sympathien. Dieses Buch lädt zu gesellschaftlich-politischen Diskussionen ein.
Ode an den Sohn
Kinderspiel von Claire Kilroy
Claire Kilroy ist eine irische Schriftstellerin. Kinderspiel ist anscheinend das erste Buch in deutscher Übersetztung.
In diesem Roman taucht man ins Innerste einer Frau ein, deren Perspektive ganz das Buch bestimmt. Sie ist junge Mutter und das Kind Sailor ist ihre ganze Welt. Vom Mann ist sie ein Stück weit entfremdet.
Man spürt eine gewisse Wut in ihr, vielleicht auch eine Überforderung. Sie scheint manchmal in Panik. Das gibt dem Buch eine Spannung, die sich unheilvoll anfühlt.
Trotz der Konsequenz der Erzählweise, halte ich sie in dieser Form auch für eine Einschränkung. Es bleiben gemischte Gefühle.











