Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Vaterbuch
In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied von Usama Al Shahmani
Es ist ein Vaterbuch und eins, das von Herkunft berichtet. Es wird nicht linear erzählt.
Gabi war von seinem Vater entfremdet, da sich die Eltern früh trennten, doch nach dem Tod des Vaters bekommt er dessen Tagebücher und Briefe sowie den letzten Wunsch, das seine Asche am Tigris verstreut wird.
Der Vater war ein im Irak geborener Jude. Gabi reist nach Bagdad und liest die Aufzeichnungen, die sich über Jahrzente verteilen. So entsteht ein weitläufiges Bild vom Leben des Vaters. Obwohl der Roman relativ kurz ist, ist er komplex und konzentriert gestaltet.
Rosa
Neben Fremden von Eva Schmidt
Eva Schmidts neuer Roman Neben Fremden hat hohe Qualität aufzuweisen.
Rosa ist eine zurückhaltende Frau. Der Freund gestorben, die Mutter eine Last und der schon erwachsene Sohn seit Jahren entfremdet.
Ihre ganze Liebe gehört dem Hund, aber auch der ist alt und krank.
Es ist ein ruhiger Roman, um eine gefasste, ruhige Frau.
Aber doch gibt es hier große Emotionen, nur sind sie gschickt unter der Oberfläche verborgen.
Das ist großartig gemacht.
Wie schon in Die untalentierte Lügnerin konnte mich die Autroin auch mit diesem Roman stilistisch begeistern.
Josef, ein etwas anderer Junge in schlimmen Zeiten
Seerauchen von Sabine Eschbach
Seerauchen ist ein beklemmender Roman, der ein Dorfleben in der Zeit der dreißiger Jahre zeigt. Er macht deutlich, was es heisst, als Außenseiter, der von der Norm abweicht, in so einer Umgebung zu leben.
Literarisch gibt es einige gute Ansätze. Manches bleibt aber auch in Versatzstücken stecken.
Es ist nicht ganz einfach, zur Hauptfigur Josef Zugang zu finden und Distanz zu überbrücken. Ein tiefes Mitleid ist aber sofort da.
Gegen Ende war ich dann doch vom Buch gefesselt. Es ist harte Kost. Von mir eine verhaltene Empfehlung.
Storys
Broccoli Punch von Lee Yuri
Dieses Erzählungsband bietet einige originelle Storys einer Autorin aus Südkorea. Aber nur weil sie aus Korea kommt, würde ich sie nicht gleich mit der Literaturnobelpreisträgerin Han Kang vergleichen. An das Niveau kommt Lee Yuri nicht ran, da ihr Stil ziemlich einfach ist.
Aber das muss ja auch nicht sein, um unterhaltsame Erzählungen zu schreiben.
Spaß macht gleich die erste ironische Geschichte um eine Frau, deren gestorbener Vater zu einer sprechenden Topfpflanze wird und geradezu neu auflebt.
In der nächsten Story wird die Faszination für K-Pop mit Außerirdisches Leben verbunden. Das leuchtet mir zwar nicht ein, aber das Gefühlsleben der Protagonistin wird nachvollziehbar.
Dann die Titelstory: Broccoli Punch. Es gibt ein phantastisches Element. Die Hand eines jungen Mannes hat sich plötzlich in einen Brokkolikopf verwandelt. Lee Yuri arbeitet einen psychologischen Aspekt dafür aus.
In einer weiteren Story wird jemand unsichtbar. Eine Story zeigt die Kommunikation mit einem Leguan. Vieles wirkt obskur.
Ich möchte jetzt nicht alle Storys aufzählen, aber erwähnenswert ist noch das einseitige Nachwort der Autorin, in dem es ihr gelingt sogar noch eine Geschichte zu verstecken.
Mein persönliches Fazit: Wegen den vielfach eingesetzten phantastischen Elemente ein interessantes Erzählungsband, das mich aber literarisch ein Stück weit nicht überzeugte.
Minna und Moni
Vorwiegend festkochend von Lara M. Gahlow
Vorwiegend festkochend ist eine Erzählung der Hamburger Autorin Lara M.Gahlow. Aufepeppt ist das Ganze mit ein paar Fotos und Rezepten, die ich persönlich nicht gebraucht hätte. Aber die Erzählung ist wirklich lesenswert.
Die 92jährige Minna und ihre neue Pflegerin Moni.
Zwei Frauen, die sehr unterschiedlich sind und die sich doch verstehen.
Das schafft die Autorin auf wenig Raum zu zeigen. Und doch muss man als Leser die Geschichte leider schon allzubald verlassen.
Die neuen Frauen von Stepford
Heimat von Hannah Lühmann
Von der Journalistin und Autorin Hannah Lühmann kommt mit Heimat ihr zweiter Roman, der die Frauen in den Mittelpunkt stellt und eine gesellschaftliche Situation zeigt. Der erste Roman war schon nicht schlecht, aber Heimat ist literarisch eine Steigerung.
Jana zieht mit ihrem Freund Noah und ihren zwei Kindern aufs Land, Sie ist wieder schwanger.
Sie trifft hier auf Karolin und ihren Freundeskreis.
Ein konservatives Frauenbild, wie es die rechten propagieren, dominiert im Dorf und ist den Freundinnen ein Ideal.
Jana verspürt eine gewisse Faszination und lässt sich immer mehr vereinnahmen.
Damit verbunden ist auch eine Abkehr vom bisherigen und die Beziehung zwischen Jana und Noah wird schwieriger.
Die Autorin zeigt diesen Prozess des Wandel langsam und präzise. Dadurch wird es umso eindrücklicher. Außerdem entwickelt eine starke, beunruhigende Atmosphäre.
Balkan-Reigen
Buch der Gesichter von Marko Dinic
Von Marko Dinic hatte mich sein Roman Die guten Tage beeindruckt.
Buch der Gesichter ist komplex und als Leser muss man erst einmal in den Text reinkommen. Betrachtet wird eine Zeit Anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Figuren wechseln mit den Kapiteln. Es wirkt wie ein Reigen.
Viele Schilderungen sind hat, bis an die Grenze des Erträglichen.
Das Buch kann daher nur Lesern empfohlen, die thematisch wirklich interessiert sind.
Der Gang ins tiefe Innere
Die Holländerinnen von Dorothee Elmiger
Dorothee Elmigers Bücher interessieren mich schon lange. Doch es dauert immer ziemlich lange, bis wieder was von ihr kommt. Jetzt ist ihr neues Buch da und es vermag wieder zu faszinieren.
Eine Reihe von Leuten sind mit einem Theater-Regisseur auf Expedition und auf den Spuren der verschollenen Holländerinnen.
Alle haben ihre eigene Geschichten mit, die geschickt in den Haupttext eingeflochten werden. Manchmal sind es auch Erinnerungen, die eine Geschichte heraufbeschwören.
Es wird dadurch ein sehr dichtes Buch. Aufgrund der Fülle ist es nicht immer leicht zu folgen. Dennoch ist ein guter Lesefluss vorhanden. Es bleiben am Ende aber auch Fragezeichen und vielleicht ein zweiter Lesegang demnächst!
Was besonders an diesem Roman beeindruckt, ist neben dem Ideenreichtum die Sprache. Elmiger schafft vielen ungewöhnliche Sätze, die genau und ausdrucksstark sind.
wann ist zuviel zuviel?
Gym von Verena Keßler
Verena Keßlers neuer Roman ist faszinierend, denn sie lässt den Leser dicht an die Gedanken und Emotionen der Hauptfigur ran und zeigt deren Entwicklung.
Die Protagonistin bewirbt sich in einem Fitnessstudio und wird aufgrund einer kleinen Lüge tatsächlich genommen. Sie hat behauptet, sie wäre eine junge Mutter und diese Lüge muss sie dann dauerhaft aufrechterhalten.
Dennoch macht sie sich gut im Job. Ihr sozial eingestellter Chef Ferhat fördert sie und empfiehlt ihr ein Aufbautraining.
Sie interessiert sich dann auch wirklich fürs Trainieren. Immer mehr steigert sie sich rein und hat Erfolge. Doch irgendwann droht sie die Kontrolle zu verlieren. Es stellt sich die Frage, wann ist zuviel zuviel?
Man erkennt, wie schnell eine positive Entwicklung auch kippen kann.
Das Buch vermag zu fesseln und ich las es nahezu ohne große Unterbrechungen an einem Tag durch.
Die Wüste lebt
Desert Moon von James Anderson
Der Roman wird sehr durch den Ton des Icherzählers geprägt. Ben führt als 1-Mann-Firma einen Lieferdienst in der Wüste Utahs. Er ist ein einfacher, direkter Mann mit einem grimmigen ironischen Humor.
Der Plot konnte mich nicht ganz überzeugen, aber das Setting in der Wüste mit nur wenigen Menschen, die zum Teil kauzig wirken, erzeugt eine eigene stimmungsvolle Atmosphäre.











