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Rezensionen von yellowdog:

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Sister Snake, Snake Sister

Sister Snake von Amanda Lee Koe

Dass die Autorin Amanda Lee Koe so locker mit dem fantastischen Element umgeht und es so lässig in die Handlung integriert, ist eindrucksvoll und ermöglicht ein gutes Lesegefühl. Sie verfügt über eine lebhafte Bildsprache.
Der Roman lebt außerdem von den unterschiedlichen Charakteren der Schwestern Emerald und Su, die doch eine tiefe Verbundenheit haben.

Das neben New York auch ein Schauplatz wie Singapur genutzt wird, verleiht dem Buch dem westlichen Leser eine aufregende Exotik. Immer wieder fabriziert die Autorin bizarre Szenen, die bei dem Leser stark bildhaft wirken. Die Dialoge sind häufig harsch, oft ironisch und hochemotional.

Das Buch ist nicht perfekt, da Pathos zu üppig eingesetzt wird und manche wichtigen Themen nur zu beiläufig gestreift werden. Wer sich, wie ich, nicht daran stört, wird den rasanten Roman als Leseerlebnis genießen.

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Sister Snake, Snake Sister
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Zwei autofiktionale Texte

Grindelwald & Liebevolle Gleichgültigkeit von Lothar Struck

Der 1959 geborene Mönchengladbacher Lothar Struck schreibt auf realistische Art über das Leben in Deutschland in den siebziger Jahren und benennt alle Umstände inklusive Spießigkeit klar.
Im Mittelpunkt steht die schwierige Beziehung zum Vater, der oft abwesend und vor allen Spielsüchtig war. Später spielte auch seine Krebserkrankung eine große Rolle.

Der Text ist dicht und ein wenig deprimierend, sehr wohl aber auch beeindruckend. Grindelwald war schon 2014 erschienen.

Jetzt neu erschienen ist der Text um eine zweite Erzählung ergänzt. Dieser zweite, ebenfalls autofiktionale Text widmet sich dem 10 Jahre älteren Bruder U.
Auch hier gibt es viel Zeitkolorit, der das Buch prägt.
Erstaunlicherweise packt der zweite Text einen nicht nur so wie der erste, er lässt einen sogar ganz nahe an der Erzähler kommen.
Mich erinnert besonders der zweite Text an den Stil von Edouard Louis, wenn auch an eine deutsche Variante.
Dieses Buch ist lesens- und empfehlenswert.

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Zwei autofiktionale Texte
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9783446285798

Meine Liebe stirbt nicht von Roberto Saviano

Roberto Savianos Romane sind gesellschaftspolitisch relevant, da er darüber schreibt, wie die Mafia in Italien agiert und tief in das Leben der Menschen eingreift. Dass Saviano selbst bedroht ist, schwingt auch in seinen Büchern mit.
Hier erzählt er die wahre Geschichte eines Paares, Rossella Casini und Francesco Frisina, und von der Ermordung einer Frau.

Literarisch überzeugt er nicht ganz, da vieles wie ein Bericht wirkt, doch ein Feeling des Italien der späten siebziger Jahre baut er auf. Auch manche Dialoge sind ganz gut, wobei manchmal zu biedere Begriffe oder Sätze verwendet werden. Aber das könnte auch an der deutschen Übersetzung liegen.
Die größte Schwäche des Buches ist die fehlende Tiefe der Figuren, wobei es mit Rossella teilweise noch ganz gut klappt. Francesco jedoch bleibt fremd, die Nebenfiguren waren zum Teil schwer zu unterscheiden.
Was für das Buch spricht, ist, dass der Autor einen Ton gefunden hat und Atmosphäre erzeugt.

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9783446285798
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Dora und Veit, Stadt und Land

Hauch von Xaver Bayer

Eigentlich bin ich kein Fan von Briefromanen, aber die Prosa von Xaver Bayer interessiert mich, seit er mit einem Erzählungsband den Österreichischen Buchpreis gewann.

Dora und Veit schreiben sich Briefe, dabei spielt Stadt versus Landleben eine Rolle. Einerseits Lärm und Gedränge, andererseits Stille und Abgeschiedenheit.

Dieser Aspekt ist dann aber nicht so entscheidend, schliesslich ist Veit kein Bauer. Er ist Schriftsteller und sucht die Ruhe, wobei er auch die Kraft der Natur spürt. Gegenwartsverdossenheit ist bei beiden zu spüren.
Intensiv berichten sie sich gegenseitig ihre Befindlichkeiten und Träume.
Xaver Bayer gelingt es, die Verbundenheit der beiden trotz räumlicher Trennung zu zeigen.

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Einladung aus Pjöngjang

Freiwürfe mit einem Diktator von Tom Kummer

Tom Kummers letzte Bücher waren autofiktional. Dieser neue Roman ist da anders, dennoch auch sehr raffiniert.
Die Grundidee wirkt absurd. Ein Basketball-Trainer hat vor 30 Jahren den heutigen Diktator von Nordkorea, Kim Jong-un, trainiert. Damals war Kim Jong-un ein Junge, der ein paar Jahre in Bern lebte.

Das basiert offenbar auf Tatsachen.

Der Trainer fühlt sich heute schuldig, damals einen Jungen unterstützt zu haben,der dann ein Monster wurde. Jetzt bekommt er eine Einladung. Er fragt sich, soll er reisen und was dann tun.

Immer wieder erzählt er seiner sterbenden Mutter davon und von der Vergangenheit. So nimmt eine Mutter-Sohn-Beziehung einen wichtigen Aspekt im Buch ein.
Das Buch ist gut gemacht, auch wenn es mich nicht so berührt hatte, wie seine letzten beiden Bücher. Aber wirklich originelle Bücher sind selten, daher empfehle ich Freiwürfe mit einem Diktator.

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Porträt zweier Frauen

Sonnenspiel von Andrea Grill

Sonnenspiel ist ein sprachlich ansprechender Roman über zwei Frauen, der in Italien angesiedelt ist.
Im Mittelpunkt: Die Näherin und 3fache Mutter Loredana und die unabhängige Modejournalistin Stella, die halb Schweizerin, halb Amerikanerin ist. Sie sind sehr unterschiedlich, haben aber auch Gemeinsamkeiten.

Andrea Grill wird beiden Figuren gerecht und porträtiert sie glaubwürdig und ohne Kitsch. Man erfährt von ihren Leben.
Stella will über Loredana schreiben, das passt der überhaupt nicht.
Ungewöhnlich ist, dass Lordana schon früh im Roman genervt die Journalistin in die Speisekammer einsperrt. Das gibt dem Plot eine feine Spannungsnote.
Trotzdem verstehen die Frauen sich auf eine gewisse Weise. Es entsteht eine immer tiefer werdende Verbundenheit.
Die Erzählperspektiven wechseln zwischen ihnen, zum Teil zeitlich auch verschoben. Das ist geschickt gemacht, so kann die Geschichte in mehreren Ebenen erzählt werden.

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Linnea

Mai Juni Juli von Hiltrud Baier

Die Köchin Linnea ist erfolgreich. In Göteburg, Schweden hat sie ein Restaurant und eine Fernsehshow. Aber sie ist ausgebrannt und braucht eine Auszeit. Sie denkt an die Reise, die sie von 25 Jahren mit ihrem Vater unternahm und beschliesst, nach Nordschweden zu fahren.

Die Idee der Neufindung wurde schon oft in Romanen verarbeitet, aber Hiltrud Baier ist eine erfahrene Autorin und macht etwas aus dem Plot, Auch Landschaft und kulinarisches sind reizvoll eingebunden.

Aber auch die Probleme von Linn werden herausgearbeitet, sie musste einiges durchmachen.

Sie zieht inkognito in ein Dorf ein und versucht, sich dort zu regenerieren, sie lernt Viktor und seinen kleinen Sohn Oskar kennen. Die Autorin gestaltet die Begegnung gefühlvoll.
Man begleitet Linn gerne auf ihren Weg und sieht, wie sie auflebt.

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Der Preis der absoluten Freiheit

Der Vater meiner Tochter von Nenad Velickovic

Als von Nenad Veličković letztes Jahr sein 30 Jahre alter Roman Nachtgäste erschien, zeigte das ein bemerkenswertes, eindrucksvolles Buch.
Auch Der Vater meiner Tochter ist schon älter. Im Original 2002 erschienen, dennoch wirkt der dialoglastige Roman frisch.
Es zeigt einen Mann in einer emotionalen Krise.

Der Bosnienkrieg ist noch nicht lange her. Er ist beruflich unzufrieden und familiär unzufrieden. Dabei ist die Beziehung zwischen Vater und Tochter sehr liebevoll gestaltet.

Der Roman lebt von seinem Wortwitz und einer gewissen Absurdität.
Es wird eine Mischung aus Witz und Melancholie. Der Mann trägt eine Tragik in sich, die er mit Ironie bekämpft.
Das mir dieser Roman in seiner Gesamtheit so im Gedächtnis bleiben wird wie Nachtgäste, glaube ich nicht. Einige Dialoge und das ungewöhnliche Cover jedoch schon! Nenad Veličković ist von den Themen her und stilistisch ein sehr interessanter Autor.

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We's Lives In Da Ghetto

Ausradiert von Percival Everett

Der Roman eines Schriftstellers über einen Schriftsteller, und den Literaturbetrieb.

Thelonious Monk Ellison gilt als elitärer, anspruchsvoller Autor. Viel Erfolg oder Leser hat er nicht. Er ist enttäuscht und verbittert und schreibt unter Pseudonym eine Parodie auf die Art von afroamerikanischer Literatur, die er verachtet.

Und genau damit hat er zu seiner eigenen Überraschung unglaublich viel Erfolg, so dass er seine fiktive Schriftstellerpersönlichkeit Stagg R.Leigh immer wieder spielen muss.
Eine andere Ebene zeigt Monks Privatleben. Sein Vater ist gestorben, seine Mutter hat Alzheimer und seine Schwester wurde ermordet. Das sind alles harte Dinge, mit denen er leben muss. Everettt schafft es beide Aspekte, die des Schriftstellers und die des Mannes deutlich zu zeigen und sie stehen im Einklang.
Das Buch ist schon 2001 entstanden, aber selbstverständlich immer noch gültig und lesenswert.

Das Buch ist sehr ironisch, oft witzig, auch ein wenig tragisch.
Zum Teil gelingt Everett seine Satire. Die Methoden des Literaturbetriebs wird er damit nicht ändern.

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Das Gelächter der Möwen

Ultramarin von Ann-Christin Kumm

Lou und Raf kennen sich, seit sie Schüler sind. Sie sind mehr als Freunde, haben auch eine sexuelle Beziehung. Doch ihre Beziehung ist ungleich. Der sensible Lou, aus dessen Sicht der ganze Roman geschildert ist, ordnet sich dem coolen Raf vollkommen unter. Raf ist immer bestimmend.
Der bisexuelle Raf hat auch immer wieder Freundinnen.

Zu Lou zeigt er sich oft abweisend, doch Lou kann sich nicht lösen.
Diesen Zustand schildert die Autorin Ann-Christin Kumm in verdichtenden Worten und immer wieder mit Rückblicken. Am Schluß zeigt sich, wie weit Besitzergreifung und Abhängigkeiten gehen können.

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Das Gelächter der Möwen