Kunden em pfehlungen
Rezensionen von C. P.:
Feindesjagd in virtuellen Welten
Canvas (Cryptos, Band 2) von Ursula Poznanski
Kennt ihr das Gefühl, wenn es von einem eurer Lieblingsbücher unerwartet eine Fortsetzung gibt? Ich liebe den Jugendthriller Cryptos, die Dystopie mit den vielen virtuellen Welten, die für Jana Pasco plötzlich zur tödlichen Falle werden. Diese Idee bietet so viel Potential, entsprechend habe ich Canvas regelrecht entgegen gefiebert.
Die Handlung von Band 2 beginnt einige Monate nach Band 1: Die Bevölkerung flieht weiterhin vor unwirtlichen Lebensbedingen in die virtuellen Welten von Mastermind, während Wissenschaftler nach einer Lösung zur Rettung des Klimas und der Menschheit suchen. Ebenso wird in den Designcentern weiterhin an neuen virtuellen Welten gebastelt. In Janas Welt Canvas, eine Art virtuelle Jobbörse, kann man jetzt z. B. nach Statistenjobs suchen, über die man sich die erforderlichen Punkte für die Weltenpässe verdienen kann. Plötzlich häufen sich jedoch auffällige Fehler in einigen Welten, und Vertreter der Alpha-Elite wollen ihre kürzliche Niederlage nicht einsehen und holen zum erneuten Gegenschlag aus. Zeit für Jana und ihre Freunde aus Designcenter 12, was zu unternehmen.
Die Handlung spielt diesmal nicht nur in bereits bekannten sowie neuen Welten, sondern zum Teil auch in der Realwelt. Diesmal empfand ich die Umweltextrema etwas eingehender beschrieben als in Band 1, es fühlte sich bedrohlicher an, diese ganze Hitze und was das mit einem macht. Zwar ist Band 2 ein neues Abenteuer, mit der Vorkenntnis von Band 1 ist jedoch vieles verständlicher wie z. B. die Hintergründe zu einigen Charakteren oder der Aufbau von Janas alten Welten. Ohne diese Hintergründe fehlt Canvas an manchen Stellen einfach die Tiefe. Ansonsten hat Jana ihren Hang dazu, spontane Alleingänge zu unternehmen, nicht abgelegt; sie handelt eben, während andere noch das Für und Wider diskutieren. Darüber kann man denken, was man will, ich finde, ihre Hals-über-Kopf-Aktionen bringen die Gruppe manches Mal entscheidend voran. Auch wenn ich nicht selten echt Sorge um Chaos-Jana hatte.
Abwechslung und Spannung bietet Canvas ebenso wie interessante Hintergründe, skrupellose Gegner und Überraschungen, die es auch mal in sich haben. Und das sowohl in der virtuellen wie auch in der realen Welt. Auch das Cover ist ein Highlight mit der schwebenden Welt ähnlich zum ersten Cover, den vielen Thumbnails für die virtuellen Welten sowie natürlich dem Symbol mit Taube und Pfeil (als Anlehnung an Cryptos). Dem ersten Band steht Canvas in Nichts nach; wer auf den vollen Lesegenuss nicht verzichten mag, dem empfehle ich, Band 1 vorweg zu lesen, um sämtliche Anspielungen und Bezüge zu verstehen. Dann haltet ihr mit Canvas wirklich ein sehr geniales Lesevergnügen in euren Händen!
Rezensionen von verhei:
Ein Bilderbuch mit Reimen und Pflastern
Play+ Mein lustiges Spielbuch Pflaster her, sagt Doktor Bär - ab 2 Jahre von Bernd Penners
Wie man schon am Titel erkennt, handelt es sich um ein Pappbilderbuch bei dem Krankheiten und Verletzungen thematisiert werden. Als kleiner Zusatz gibt es in diesem Buch nun fünf verschiedenfarbige Pflaster, mit denen man die verletzten Tiere verarzten kann.
Die Pflaster sind beschichtet, wieder verwendbar und eher dick und robust.
Leicht können kleine Kinderhände sie damit selbst aufkleben. Sollte die Klebekraft einmal geringer werden, haben wir sie einfach auf der einen Seite etwas abgespült. Die Pflaster werden auf einem eigenen Bogen mitgeliefert, um sie aufzuheben und alles zu transportieren haben wir sie bisher einfach auf den Tieren belassen.
Jede Doppelseite widmet sich einer anderen kleinen Krankheit bzw. Verletzung. Alle müssen durch Dr. Bär - mit Hilfe der Kinder- verarztet werden. Was dem jeweiligen Tier passiert ist, sieht man einerseits durch die Illustration, wodurch sich Kinder auch selbst beschäftigen können. Die Zeichnungen sind sehr farbenfroh, detailliert, aber auch nicht zu überladen. Und natürlich gibt es auch einen Text zum Vorlesen - gereimten in diesem Fall. Man braucht als Vorleser schon Konzentration um diesen schön melodisch hinzubekommen.
Nebenbei kann man mit den Kindern auch etwas die Zahlen üben, da jedes Tier unterschiedlich viele Pflaster benötigt und natürlich auch die Farben.
Mein einziger Kritikpunkt ist, dass manche der genannten Krankheiten wie Bauchschmerzen oder auch Ohrenschmerzen nicht unbedingt mit einem oder mehreren Pflastern versorgt werden.
Rezensionen von verhei:
traumatischer Verlust und Rache
Blut für Blut von Anna Schneider
Sophie Roth flüchtet sich vor ihrem gewalttätigen Partner in einen Bauwagen am Waldrand. Das Ziel: sich endlich zu befreien und mit ihrer Leidenschaft Fotografie endlich Geld zu verdienen. Und tatsächlich es kommt zu einem Fotoauftrag bei einer angesehenen Familie der Gegend, der ordentlich bezahlt wird.
Doch beim Entwickeln der Fotos entdeckt sie ein Gesicht auf den Aufnahmen, dass sie an eine schreckliche Nacht in ihrer Vergangenheit erinnert.
Schon die Einstiegskapitel vermitteln dem Leser ein beklemmendes Gefühl: Sophie schleicht sich aus dem Haus, um ihren gewalttätigen Mann zu verlassen. Und dieses beklemmende Gefühl blieb mit leichtem Abklingen an manchen Stellen für mich dauerhaft präsent. Wenn auch aus unterschiedlichen Gründen: Sophie fühlt sich verfolgt, erkennt sie doch Spuren im Gras und auch die Familie, die sie fotografieren soll, scheint reserviert.
Die Autorin präsentiert die Geschichte in recht kurzen Kapiteln. Gegenwartsschilderungen wechseln sich mit Kapiteln aus der Vergangenheit ab – gut unterscheidbar durch die jeweiligen Kapitelüberschriften. Ab und an wird auch noch ein Kapitel in kursiver Schrift eingeworfen, welches die Gedanken einer unbekannten Person wiedergibt. Diese Kapitel sind nicht gerade positiv und tragen weiter zur beklemmenden Atmosphäre, aber auch zum Rätseln bei.
Sophie erscheint zu Beginn etwas naiv, scheint doch die Flucht von ihrem gewalttätigen Partner etwas ungeplant im Gesamten. Sie hat zwar diesen Bauwagen entdeckt, ist aber bis auf etwas Geschirr nicht ausgerüstet. Natürlich mag aber so manche Flucht spontan sein, und es mag schwer sein Hilfe anzunehmen. Hier denke ich, dass es vor allem mit ihrer Geschichte erklärbar ist: ein Mann der dauernd sagt, dass sie nichts zu Ende denkt. Panikattacken dadurch und durch ihre traumatische Familiengeschichte: Mord und traumatischer Verlust und Rache Verschwinden vor zwanzig Jahren.
Als Leser rätselt man konstant mit und bekommt so manche falsche Fährte präsentiert. Man stellt Theorien auf und verwirft sie wieder. Gegen Ende ist das Tempo hoch, fast etwas überstürzt, aber lesenswert. Ein paar kleine Fragen blieben bei mir offen.
Trotz der kleinen Schwächen kann ich das Buch wirklich empfehlen. Auch weil es zeigt, was Anna Schneider außerhalb der Grenzfallreihe auch gute Einzelwerke zu Stande bringt.
Rezensionen von jori1020:
Eine emotionale Wucht
Und es wird trotzdem wieder Sommer werden von Sebastian Becker
Selten hat mich in letzter Zeit ein Buch so unmittelbar erreicht und berührt. Sebastian Becker erzählt sehr persönlich vom plötzlichen Tod seines Vaters und davon, wie sich das eigene Leben danach anfühlt: Es läuft einfach weiter, obwohl man selbst am liebsten die Zeit anhalten würde. Durch die autobiografischen Einblicke in die Beziehung zu seinem Vater und dessen letzte Tage wirkt die Geschichte unglaublich nah und ehrlich.
Besonders gefallen hat mir dabei die Mischung aus tief empfundener Trauer und einer fast schon poetischen Sprache. Die sehr kurzen Kapitel machen das Buch zwar zu einer schnellen Lektüre, eigentlich ist es aber gar kein Buch zum schnellen Weglesen. Immer wieder sind Gedanken, Metaphern, kleine Zeichnungen oder handgeschriebene Sprüche eingeschoben, die einen innehalten lassen. Gerade diese kleinen Momente sind mir besonders im Gedächtnis geblieben.
Becker findet Worte für viele Facetten der Trauer: für die unerwarteten Momente, in denen der Schmerz plötzlich wieder da ist, für das Vermissen und auch für die schwierige Frage, wann man sich selbst wieder erlauben darf, glücklich zu sein. Dabei ist das Buch trotz seines schweren Themas nicht ausschließlich traurig. Es vermittelt vielmehr die tröstliche Erkenntnis, dass ein Weiterleben möglich ist, ohne den Menschen, den man verloren hat, deshalb weniger zu lieben oder zu vermissen.
Eine sehr persönliche, poetische und berührende Auseinandersetzung mit Verlust, Trauer und der vorsichtigen Rückkehr ins Leben und eine absolute Leseempfehlung!
Rezensionen von Schlafmurmel:
Ein wunderschöner Wohlfühlroman zum Träumen
Das kleine Hotel in der Toskana von Heike Hamboch
Das kleine Hotel in der Toskana“ hat mich total berührt. Die Geschichte ist so harmonisch und warmherzig erzählt, dass ich mich beim Lesen einfach wohlgefühlt habe. Gleichzeitig zeigt sie auf schöne Weise, dass im Leben nicht immer nur die Arbeit an erster Stelle stehen sollte und wie wichtig es ist, auch auf sich selbst und seine Gesundheit zu achten.
Im Mittelpunkt steht Nele, die kurz vor ihrem 30. Geburtstag steht und eigentlich nur ihre Karriere im Kopf hat. Sie kann kaum abschalten und merkt gar nicht, wie sehr sie sich selbst dabei aus den Augen verliert. Zum Glück gibt es ihre Mutter, die ihr einen kleinen Schubs in die richtige Richtung gibt und ihr kurzerhand eine vierwöchige Reise in die Toskana schenkt – inklusive eines Retreats zum Entschleunigen und Erholen.
Begeistert ist Nele davon zunächst überhaupt nicht und sie sträubt sich mit Händen und Füßen. Doch in der wunderschönen Toskana mit ihrer traumhaften Landschaft, der guten Luft und dem leckeren Essen beginnt sie langsam, ihre Einstellung zu überdenken. Besonders das kleine Hotel und seine Bewohner wachsen ihr ans Herz. Dort trifft sie auf Giorgio und seinen mürrischen Sohn Matteo – und ausgerechnet Matteo bringt Nele dazu, ihr bisheriges Leben noch einmal zu hinterfragen.
Auch die Beziehung zwischen Nele und ihrer Mutter entwickelt sich während der Reise auf eine sehr schöne und liebevolle Weise weiter. Und natürlich darf auch die Liebe nicht fehlen, mit der Nele so überhaupt nicht gerechnet hat.
Ich habe Nele sehr gerne auf ihrem Weg begleitet und fand es schön zu sehen, wie sie sich im Laufe der Geschichte weiterentwickelt und erkennt, was in ihrem Leben wirklich wichtig ist. Die Toskana wird dabei so bildhaft und wunderschön beschrieben, dass ich am liebsten selbst sofort meine Koffer gepackt hätte.
Ein richtig schöner, romantischer Wohlfühlroman mit viel Herz, einer tollen Atmosphäre und natürlich einem klassischen Happy End. Für mich eine sehr schöne und lesenswerte Geschichte, die ich gerne weiterempfehle.
Rezensionen von verhei:
Gefühl im Bauch und eine neue Variante eines Bilderbuches
Play+ Mein lustiges Spielbuch Wut im Bauch - ab 2 Jahre von Maria Höck
Entgegen dem Titel Wut im Bauch wird in diesem schönen Pappbilderbuch neben dem Thema Wut, auch auf andere Gefühle eingegangen. Wut, Freude, Ekel, Angst, Trauer alles Gefühle, die einem im Alltag begegnen, die Kinder auch fühlen, aber vielleicht noch nicht so gut benennen können. Dabei soll eben dieses Bilderbuch helfen unterstützt durch Gefühlschips – also kleine Pappplättchen mit Gesichtern zu dem jeweiligen Gefühl.
Eingebettet in eine Geschichte um eine Feier erleben verschiedenen Tiere diese Gefühle.
Jedem Gefühl ist nun eine Doppelseite gewidmet: Zu Beginn etwas einleitender Text, der die Situation schildert (natürlich auf einem passenden Bild der Feier). Der zweiten Seite steht jetzt das Gefühl im Vordergrund: Das Kind wird durch den Text animiert das Gefühl zu benennen und den entsprechenden Chip zu suchen, um diesen im Bauch des Tieres zu platzieren.
Ergänzt wird all das auch noch durch einen kleinen Tipp, der sich an den Erwachsenen richtet: wie begleitet man ein Kind durch die jeweiligen Gefühle.
Etwas unsicher bin ich mir bei der altersmäßigen Einteilung: Manche Illustrationen der Gefühle sind doch etwas schwieriger zu erkennen. Dies ist aber wahrscheinlich auch sehr individuell und abhängig vom Kind.
Schön war die Idee, das Gefühl so quasi im Bauch zu platzieren durchs oben einwerfen (spürt man nicht so manches einfach im Bauch?).
Rezensionen von rewareni:
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Der Fluch von Everly Falls 3 von Marshall Flynn
Der Albtraum für Matthew Bennett scheint kein Ende zu nehmen. Gezwungener Maßen muss er nun das Dämonen Mädchen Scarlett Blackwood nach Magnolia Springs begleiten, wo sie hofft, mit Hilfe von Brendan Edelman, der es einstmals geschafft hat sich gegen den Teufel zu stellen, ihren Vater, den Fürsten der Finsternis zu stürzen, damit sie die Unterwelt endlich übernehmen kann.
Auch wenn Matthew befürchtet, dass er wohl keine Chance hat sich gegen Scarlett zu wehren will er es mit aller Macht versuchen, spätestens dann, als die kleine Zoe, Brendans Tochter ihr Leben verlieren zu droht, ist er bereit es mit Scarlett aufzunehmen.
Was aber beide nicht ahnen können ist, dass Matthews Vater, Ex- Sheriff Ethan Bennett, auf der Suche nach seinem Sohn ist um ihn zu retten, wo selbst der Auslöser dieser ganzen schrecklichen Ereignissen der Dichter Whitmore, ihn begleitet, nur mit dem Unterschied, dass dieser seine eigenen Ziele verfolgt.
In dem paranormalen Horrordrama ,, Der Fluch von Everly Falls 3“, zieht der Autor Marshall Flynn noch einmal sein ganzes Register, damit er seine Leser in eine spannende, brutale, aber auch berührende Geschichte mit hinein ziehen kann.
Es ist der große Show down, wo auch aus dem anderen Roman ,, Tod über Magnolia Springs“ die Familie Edelman, allen voran der Familienvater Brendan, eine besondere Rolle spielen.
Die gruseligen und paranormalen Szenen hat der Autor besonders intensiv und detailliert beschrieben, wo man das Gefühl hat, mittendrin im Geschehen zu sein. Man spürt die Verzweiflung der Protagonisten, wenn sie gegen einen übernatürlichen Gegner kämpfen müssen, man leidet mit, wenn sie in Illusionen und Erinnerungen gefangen sind, aus denen es scheinbar kein Entkommen gibt. Was man aber immer spürt ist, dass sowohl Matthew, Ethan und auch Brendan jederzeit bereit sind ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen , wenn sie ihre Liebsten damit retten können, dass dabei nicht jeder überlebt, ist zwar traurig, aber wohl notwendig, damit letztendlich das Gute doch noch siegen kann.
Die Geschichte lebt von Emotionen, von Zusammenhalt und dem Glauben, dass Menschlichkeit das Böse und die Dunkelheit besiegen können. Ein berührendes und teils offenes Ende schließt die Trilogie ab, wo man insgeheim hofft, dass der Autor ja doch noch einen weiteren Teil schreiben möchte.
Rezensionen von Bücherfreundin:
Beeindruckender Debütroman
Ein ganz normales Wunder von Woody Brown
Woody Browns Debütroman "Ein ganz normales Wunder" ist inspiriert von seinen eigenen Erfahrungen. Der 29-jährige US-Amerikaner ist der erste nicht-sprechende autistische Absolvent der University of California, wo er zudem mit Summa cum laude für sein Schreiben ausgezeichnet wurde. Seinen Master of Fine Arts im Bereich Creative Writing schloss er 2024 an der renommierten Columbia University ab.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht der nicht-sprechende Autist Walter, der bereits mit 3 Jahren gelernt hat, mit Hilfe einer Buchstabentafel zu kommunizieren. Mit Unterstützung seiner Mutter, die sich dafür eingesetzt hat, dass Walter eine Schulausbildung erhält, gelingt es ihm, nach der Highschool und dem College ein Studium abzuschließen. Als sein Vater stirbt und seine Mutter sich eine Ganztagsstelle suchen muss, kann Walter nicht allein zuhause bleiben und wird fortan gemeinsam mit weiteren jungen Erwachsenen mit Autismus und anderen Behinderungen in der Tagesstätte Upward Bound betreut.
Der Autor beschreibt in seinem Buch in einzelnen nicht chronologischen und teilweise miteinander verwobenen Episoden den Alltag in der Tagesstätte mit all seinen Schwierigkeiten und Herausforderungen. Neben Walter lernen wir weitere Schützlinge kennen, wie den Ausreißer Jorge, der sich gern versteckt, und Emma, die Walter seit seinem sechsten Lebensjahr kennt. Tom sitzt wegen einer Zerebralparese im Rollstuhl, er kann nicht kommunizieren und sieht aus wie ein Filmstar.
Wir begegnen auch Dave, dem Leiter der Einrichtung. Er empfindet seinen Beruf als frustrierend, dennoch macht er als Verwaltungschef einen guten Job und ist ständig bemüht, Spenden zu generieren. Er ist weder Psychologe noch in Sonderpädagogik ausgebildet, es mangelt ihm an Empathie gegenüber den Schützlingen und seinem Personal. Sein zuverlässigster Mitarbeiter ist Carlos, dieser zeigt viel Feingefühl und kümmert sich besonders intensiv um Jorge. Die junge Psychologiestudentin Ann bringt für ein paar Monate frischen Wind in die Einrichtung. Sie zeigt ehrliches Interesse für die Insassen der Einrichtung und wächst an ihren Aufgaben.
Ich mochte den hochintelligenten Walter, der einen scharfen Blick auf sein Umfeld hat. Seine Tage im Upward Bound bestehen vorwiegend aus Langeweile und Routinen, lediglich die Aufenthalte im Pool und regelmäßig stattfindende Ausflüge in ein Einkaufszentrum bieten eine willkommene Abwechslung. Der Abschnitt über Dave hat mir sehr gut gefallen, ich konnte seine Einsamkeit und die Trauer um eine verlorene Liebe gut nachempfinden. Toms Geschichte war herzzerreißend, und ich habe gehofft, dass Ann sein Blinzeln mit den Augen endlich richtig deutet. Ich mochte auch die allerdings etwas zu lang geratene Geschichte um die Target-Kassiererin Avery, die seit langem die Gruppe beobachtet und sich vorstellen kann, mit Behinderten zu arbeiten.
Es hat mir sehr gut gefallen, dass jedes Kapitel aus der Perspektive der einzelnen Beteiligten geschrieben ist. Diese Erzählweise ermöglicht dem Leser, die Protagonisten und ihre Gefühls- und Gedankenwelt besonders intensiv kennenzulernen. Ich habe den Roman, der für die Aktion „Deutschland liest ein Buch“ ausgewählt wurde, sehr gern gelesen, er hat mich zutiefst bewegt und mir intensive Einblicke in eine Welt vermittelt, die den meisten Menschen unbekannt ist.
Leseempfehlung für diesen beeindruckenden Roman!
Rezensionen von Tara:
Atmosphärisch, spannend, britisch
Der Tote im Kutter von Denzil Meyrick
„Der Tote im Kutter“ ist nach „Der Tote im Kamin“ der zweite Fall für Inspector Frank Grasby des schottischen Autors Denzil Meyrick.
Die Handlung beginnt im Dezember 1953 im Polizeirevier York und wird aus der Perspektive von Inspector Frank Grasby berichtet.
In einem kleinen beschaulichen Fischerdorf im Norden Englands wird ein erdrosselter Fischer aufgefunden.
Passend zur Weihnachtszeit wurde als Tatwerkzeug ein Weihnachtsstrumpf verwendet.
Kurz darauf gibt es einen weiteren Toten, der auf die gleiche Weise umgebracht wurde.
Inspector Frank Grasby und sein Vorgesetzter Arthur Juggers beginnen zu ermitteln. Dies ist allerdings gar nicht mal so einfach, da niemand so wirklich mit ihnen sprechen möchte.
Inspector Frank Grasby gefiel mir auf Anhieb. Er ist keineswegs perfekt, ganz im Gegenteil und genau das macht ihn sympathisch, so dass ich ihn gerne bei seinen Ermittlungen begleitet habe.
Die historische Atmosphäre wird hier gelungen eingefangen. Auch die Figuren sind toll gezeichnet, alles Unikate, zum Teil ein wenig schräg aber durchaus authentisch.
Mir gefiel der typisch britische Humor kombiniert mit Spannung vor historischer Kulisse sehr. Dabei macht die unkonventionelle Erzählweise, da sie trotz des Kriminalfalls - passend zur Weihnachtszeit - etwas Entschleunigendes mit sich gebracht hat, das Buch zu etwas Besonderem.
Mich hat dieser Kriminalfall ausgesprochen gut unterhalten, da ich die Kombination aus Spannung, britischem Humor, liebenswerten Charakteren, Weihnachtszeit und Nachkriegsatmosphäre sowohl ungewöhnlich als auch gelungen fand.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Muss der Text zur Autorin passen?
Die Dichterin von Özge İnan
Alle feiern die Dichterin Emma Rodenstock, eine junge, attraktive Frau, die von sich erzählt, in tiefster Armut aufgewachsen zu sein, aber sich nun äußerst eloquent zu präsentieren weiß und bemerkenswerte Gedichte geschrieben hat, in pointierter Sprache, wütend, anklagend und dabei poetisch, wie man es noch kaum gehört hat!
Währenddessen kämpfen einige junge Journalismus-Volontäre um eine Festanstellung.
Klar ist, auch wenn alle von ihnen ehrgeizig, intelligent und talentiert sind und sich noch so sehr ins Zeug legen, werden die allermeisten nach dem Volontariat gehen müssen, denn viele Stellen gibt es für sie nicht. So herrscht durchaus eine freundschaftliche, manchmal auch etwas weniger freundliche, starke unterschwellige Konkurrenz zwischen ihnen. Eine davon ist die junge Journalistin Nazanin Esfahani, deren Eltern ursprünglich aus Iran stammen und in Deutschland als Universitätsprofessor und Psychologin gute Positionen in der Gesellschaft erreicht haben.
Nazanin wird auf Emma aufmerksam und möchte ein Porträt über sie schreiben, doch schon beim ersten Treffen mit der gefeierten Dichterin zeigen sich Unstimmigkeiten, als diese sich in der sozialen Brennpunktgegend, in der sie angeblich aufgewachsen sein will, gar nicht so gut auszukennen scheint. Also begibt sich Nazanin auf die Recherche, um herauszufinden, was es wirklich mit dem Phänomen Emma Rodenstock auf sich hat. Denn würde sie wirklich etwas Bemerkenswertes herausfinden, könnte ihr das vielleicht die Festanstellung sichern.
Der Roman ist abwechselnd aus den Perspektiven von Emma und von Nazanin erzählt, dabei lernen wir beide Frauen ein kleines bisschen kennen. Ein kleines bisschen und eben nicht wirklich nah, da beide nicht unbedingt Sympathieträgerinnen sind und auch die Erzählperspektive uns nicht sehr nah an die beiden heranlässt. Einen großen Teil des Romans nehmen Treffen und Gespräche mit Freundinnen, Freunden und Bekannten und Alltagssituationen mit diesen ein, wobei mir nicht bei allen davon klar war, was diese zur Handlung beitragen, bei Emma nochmal mehr als bei Nazanin.
Für keine der beiden Hauptfiguren habe ich abseits von kühl-berechnendem Verhalten ein wirklich gutes Gefühl für ihren Charakter bekommen können, möglicherweise ist das aber auch erwünscht. Spannend wurde es immer dann, wenn es zu einem Kontakt zwischen den beiden kam oder sonstwie die eigentliche Handlung rund um die Aufdeckung eines möglichen Skandals weiterging.
Sehr gut gefallen hat mir, wie das Buch viele interessante Themen aufwirft und auch unbequeme Fragen stellt, zum Beispiel:
- Welchen Anteil am Erfolg in der Buchbranche hat der eigentliche Text und welchen Anteil hat die Person, die ihn präsentiert?
- Kann es sein, dass auch sehr gute Texte viel eher Erfolg haben, wenn sie einer Person zugeschrieben werden, die ein Auftreten hat, das der Buchmarkt liebt? Und welche Rolle spielt dabei die Passung zwischen Geschichte und Autor/in?
Dazu ein Zitat aus dem Buch: "Aber du weißt ja selber, wie es ist. Man erzählt etwas im Text, und man erzählt etwas mit seinem Körper und seiner Stimme und seinem ganzen Sein." Sie wühlte ihre Hände aus der Jacke und legte sie flach übereinander. "Und das muss sich decken. Auf welche Art auch immer. Sonst funktioniert es nicht." (S. 180 im E-Book)
- Auf welche Formen der Diskriminierung blicken wir und welche übersehen wir, wenn wir im Namen von Diversity bestimmte Menschen oder Gruppen mit bestimmten Identitäten bewusst fördern und unterstützen? Kann etwa eine in Deutschland geborene Nazanin mit persischen Wurzeln, aber auch mit wohlhabenden, gebildeten, in prestigeträchtigen Berufen arbeitenden und unterstützenden Eltern weniger Nachteilen ausgesetzt sein als eine junge Frau mit deutschem Namen, aber aus armem Elternhaus? Wer hat dann besondere Förderung und Unterstützung verdient?
- "Vergiss diese Frage. Wir sind Journalisten. Wir helfen nicht. Wir berichten." (S. 173 im E-Book): Kann von den Medien auch Hilfe in schwierigen Situationen oder die Einnahme einer ethisch begründeten Haltung erwartet werden oder ist ihre Aufgabe reine Berichterstattung, zu jedem Preis?
Es sind also kluge Fragen, die dieses Buch aufwirft und zum Nachdenken darüber anregt.
Insgesamt ist es also ein sehr intelligent konstruiertes, vielschichtiges Buch, das zum Nachdenken über die Buch- und Medienbranche, Intersektionalität, Diskriminierung, Oberflächlichkeit und vieles mehr anregt, diese dabei differenziert betrachtet und viele bisher selten gestellte Themen und Fragen präsentiert, bei dem ich aber bei Handlungsfortschritt und Charakterentwicklung noch ein kleines bisschen Luft nach oben sehe. Dafür von mir gute 4 Sterne. Auf weitere Bücher dieser Autorin bin ich gespannt.











