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Rezensionen von Christina P.:

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Dunkle Familiengeheimnisse

Die Hexen vom Honeysuckle House von Liz Parker

Herzlich Willkommen im wunderschönen Burdock Creek! Im Herzen der Stadt, gleich gegenüber dem Café mit dem leckeren Pumpkin Spice Latte, findest du den Buchladen Ink&Pages. Es heißt, der Laden weiß stets genau, welches Buch du gerade benötigst. Fährst du ein wenig aus der Stadt hinaus erscheint hinter einer Kurve das Honeysuckle House mit seinen vielen Bienenkörben.

Dort werden die Kerzen hergestellt, welche dir bestimmt bereits beim Einkaufsbummel aufgefallen sind. Man sagt, diesen Kerzen wohne Magie inne. In dem Haus selbst vermietet die Besitzerin Zimmer zur Übernachtung. Wer Glück hat, erfährt dort ein echtes Spukerlebnis. Doch Vorsicht: Angeblich lastet ein Fluch auf dem Anwesen! Alle dreizehn Jahre soll dort jemand ums Leben kommen, stets am gleichen Datum. Und die nächsten dreizehn Jahre sind in wenigen Tagen rum!
Das Buch steckt voller Hexenmagie und Geheimnisse, angesiedelt in einer amerikanischen Kleinstadt kurz vor dem Herbstfest. Und doch steckt noch so viel mehr in dieser Erzählung! Die Schwestern Florence und Evie sind in dem Honeysuckle House aufgewachsen. Als vor 13 Jahren ihre Mutter ums Leben kam wollten beide besagten Fluch brechen, nur deuteten sie die Tarotkarten derart unterschiedlich, dass sie fortan getrennte Wege gingen: Während Evie weiterhin ihre Hexenmagie in dem Anwesen der Familie lebt, hat Flo den Hexenkräften abgeschworen und steckt ihr Herzblut in das Ink&Pages. Das ist aber nocht nicht alles, denn das wäre doch ziemlich langweilig. Stattdessen gibt es so viel mehr zu entdecken in dieser Geschichte.
Es gibt Rückblenden in die Leben der früheren Bewohnerinnen des Hauses, teilweise auch als Tagebucheinträge. Dazu zarte, teilweise heimliche oder gar verbotene Liebesgeschichten. Verschiedene Arten von Magie. Und natürlich das Haus und der Buchladen selbst, denen eine ganz besondere Magie innewohnt, die jeweils auf ihre Art bezaubernd ist. Allein die Idee, wie der Buchladen seine Buchauswahl präsentiert, hat bei mir gleich den Wunsch ausgelöst, selbst das Ink&Pages zu besuchen. Und über alldem schwebt die latente Bedrohung des Fluches und die Ungewissheit, ob in den nächsten Tagen wieder jemand wird sterben müssen. Neben Tarot, Kerzen und sapphic love bietet die Autorin mit diesem Buch eine generationenübergreifende Geschichte voller Liebe, Neid, Macht und Verrat, die mich umgehend in ihren Bann gezogen hat. In der Familie lauern so einige düstere Geheimnisse, welche aus sich abwechselnden Perspektiven geschildert werden und sich mit der Zeit zu einem Gesamtbild fügen. Die Suche nach der Quelle des Fluches sowie der Möglichkeit, die Mordserie zu beenden, wirkt dadurch wie eine spannende Kombination aus Krimi, Magie und Familiendrama.

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Dunkle Familiengeheimnisse
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6 Briefe - 6 Entscheidungen

Six Ways to Watch You Fall von Colin Hadler

Brief 1: Entweder wählt Archer eine von zwei Varianten, sich selbst zu schaden, oder jemand anderes wird sterben! Natürlich hält er das für einen makabren Scherz, mit tödlichen Folgen für eine andere Person am Folgetag. Jetzt ist er verunsichert: Will jemand im Internat ihn erpressen mit dem, was er bei der letzten Sprachreise nach Mexico getan hat? Der nächste gelbe Umschlag wartet bereits auf ihn.

Ignorieren oder nachgeben?
Auf den ersten Blick klingt der Plot nach „ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“. Doch meine Erwartungen an Colin Hadler sind höher als ein simpler Rachefeldzug irgendeines Mitschülers aus dem Hintergrund. Und so einfach hat er es sich dann auch nicht gemacht, sondern stattdessen ein komplexes Katz- und Mausspiel abgeliefert. Schon das Internat selbst ist aussergewöhnlich, hier gibt es einen besonderen historischen Hintergrund zu entdecken. Dann das Dilemma, ob und wie Archer sich seinen beiden besten Freunden anvertraut. Und natürlich die wiederholte Anspielung, dass in Mexico irgendwas passiert sein muss. Wer ist der Täter, was sein Motiv?
Der YA-Thriller ist spannend konstruiert, die Jugendlichen tappen lange im Dunkeln und müssen stets abwägen, wie sie auf die Forderungen der Briefe eingehen wollen. Die Auflösung ist alles andere als geradlinig, wiederholte Rückblenden komplettieren das Bild schrittweise.
Mich konnte der Thriller so richtig abholen. Ein perfides Spiel, verborgene Schuld, moralisches Abwägen, Freundschaft und Zusammenhalt sowie bewegende Geheimnisse, alles verpackt in eine Handlung, die kaum Zeit zum Luftholen lässt. Sehr genial!

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6 Briefe - 6 Entscheidungen
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Vier Schicksale, verwoben zu einer Geschichte

Ms Atkins und die Bibliothek der Träume von Vanessa Göcking

Regeln und Routinen geben Amanda Atkins Sicherheit; seit Jahren schon lebt sie absolut sicher. Bis zu dem Freitagnachmittag, an dem sich etwas ändert: Statt der alten Mrs Hodgins sitzt Schüler Henry am Ausleihtresen der ehrwürdigen Lady Ophelia Harringdale Library. Und ausgerechnet dieser Junge führt Amanda, die doch bereits jede Ecke der Bibliothek kennt, zu einem zwischen Bilderbüchern und Stofftieren versteckten Leseraum für ganz besondere Kunden.

Unerhört! Und wo steckt überhaupt Mrs Hodgins?!
Der Roman ist so liebevoll gestaltet wie unterhaltsam konstruiert und lebt von vier Hauptcharakteren. Amanda hat Schwierigkeiten, aus ihren festgefahrenen Gewohnheiten auszubrechen, welche sie zu einer einsamen Person gemacht haben. Schüler Henry hat familiäre Schatten zu bekämpfen, welche ihn an seinem persönlichen Glück hindern. Robert ist bereits langjähriger Besucher des geheimen Lesezimmers und besitzt eine bewegende Vergangenheit. Schülerin Xiao ist auf der Suche nach sich selbst und hat zugleich Angst vor dem, was sie dabei finden könnte. Alle vier treffen im Leseraum aufeinander, welcher zugleich Eingangsbereich ist in die Bibliothek der Träume. Und alle vier haben von der Autorin ihre eigenen Kapitel erhalten, welche jeweils mit einem eigens für sie gestalteten Initial beginnen (also Amandas Kapitel z. B. mit dem Großbuchstaben A, in welchem sie zu sehen ist, während Henry unter einem großen H sitzt).
Es ist so schön zu lesen, wie die Charaktere miteinander agieren, über Umwege Vertrauen zueinander finden und zugleich in der Bibliothek der Träume auf magische Weise mehr über sich und die eigenen Träume und Ängste herausfinden. Vanessa Göcking hat einen einfühlsamen Stil, der mich auf voller Länge überzeugt. In der Printversion mit Lesebändchen ist zudem mittig ein PageOverlay (so eine halbdurchsichtige Seite), welches den Blick in einen der magischen Bibliotheksflure mit seinen magischen Türen zeigt.
Die Idee, wie die Bibliothek der Träume funktioniert und sich seinen Besucher/innen offenbart, ist einfach zauberhaft. Die Erzählung berührt das Herz, bringt die richtige Mischung aus Spannung, Drama und Freude mit sich und hinterlässt ein bittersüßes Glücksgefühl, sobald die letzte Seite ausgelesen ist.

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Etwas überzogener Cozy Krimi mit sturköpfiger Ermittlerin

Three Willows: Mord und Häkeldeckchen von Katie Kento

Adelaide Peel ist gezwungen, vorerst im Seniorenheim Three Willows unterzukommen. Dass ihr Haus abbrannte, war keine Absicht, sondern lediglich ein Konstruktionsfehler in ihrer Erfindung. Und ihre niesende Handtasche beherbergt in Wirklichkeit den alten Rauhaardackel Broderick, welchen die 83-jährige gezwungen ist, in das tierfreie Wohnheim reinzuschmuggeln.

Ihr Einzug muss wohl ein Wink des Schicksals sein, denn für mysteriöse Tode und Unfälle, wie sie kurz darauf in Three Willows stattfinden, ist die betagte Krimileserin die reinste Profi-Ermittlerin. Natürlich glaubt ihr das niemand (ich auch nicht), aber wozu braucht eine langjährige Einzelgängerin schon Hilfe von anderen?
Die Handlung schreitet so schnell bzw. langsam voran, wie Adelaides Hüfte es auf ihre alten Tage noch zulässt. Dadurch gewinnt der Krimi eine große Portion Gemütlichkeit, welche teilweise schon etwas strapaziert wird. Adelaide ist zunächst ein richtiger Sturkopf, die es verlernt hat, soziale Kontakte zu pflegen. Mit ihren Amateur-Ermittlungen stößt sie entsprechend zunächst allen vor den Kopf. Ihre Sturheit wirkt erschreckend realistisch, mit ihrer Neigung, alte Menschen als Trockenobst und Rosinen abzutun tat ich mich ebenso schwer wie mit den permanenten Verdauungsstörungen des Dackels. Nachdem ich die verschiedenen Senioren samt ihrer Eigenarten zuordnen konnte wurden die Ermittlungen nebst smarter Pflegerin und etwas paddeligem Großneffen dann doch noch ganz unterhaltsam, wenn auch etwas überzogen.
Ein gemütlicher Krimi mit einer sturköpfigen alten Dame, die neben einem Kriminalfall langsam lernt, auf ihre alten Tage wieder soziale Kontakte zu knüpfen.

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Etwas überzogener Cozy Krimi mit sturköpfiger Ermittlerin
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Starkes Thema, schwache Charakterumsetzung

Die Lüge in ihrem Gesicht von Anne Keßel

Für diesen Thriller hat die Autorin sich ein faszinierendes Thema ausgesucht: Verhaltenspsychologin Marlene Nielsen hat sich auf Mikroexpressionen spezialisiert, unbewusste Reaktionen, anhand derer sich u. a. Lügen erkennen lassen, wenn auch ohne Hinweise darauf, warum jemand lügt. Ihr Ex-Partner ist Polizist auf dem Hamburger Kiez und bittet sie in einem Fall um inoffizielle Unterstützung: Während eines nächtlichen Übergriffes hat eine Frau ihren Angreifer tödlich verletzt.

Ein Video bestätigt: es war Notwehr. Doch warum spricht diese Frau kein einziges Wort, zeigt keine Reaktion auf Kommunikationsversuche?
Der Thriller spielt grenzübergreifend zwischen Hamburg und Dänemark, die tiefliegenden Hintergründe sind gut verborgen und werden erst dank Marlene aufgedeckt. Dieser Teil der Story hat mir sehr gut gefallen, da ein derartiger Verlauf zunächst nicht zu erkennen ist. Weniger gefiel mir dieser Fanatismus, mit welchem sich Marlene in diesen Fall gestürzt haben soll. Als Frau der Wissenschaft (sie hat einen Prof. Dr. Titel samt Lehrstuhl an der Uni) begibt sie sich regelrecht auf einen Kreuzzug der Wahrheitsfindung, nur weil sie bei einer schweigenden Fremden etwas zu erkennen meint. Vielleicht wäre das an sich noch vernachlässigbar, nur leider hat die Autorin on top noch ein Überdrama gesetzt, welches mir Marlenes Charakter vollends ruinierte: Ausgerechnet an den paar Tagen, an denen ihr Ex sie um Hilfe bittet, ist ein wichtiges berufliches Event, so dass Marlene vor der Entscheidung steht, ihren Wahrheits-Kreuzzug weiter zu verfolgen (welcher sie persönlich nicht im geringsten betrifft!) und dafür ihre hart erarbeitete berufliche Karriere vollends in die Tonne zu treten. Ehrlich: das Ganze hätte auch ohne dieses Überdrama noch bestens funktioniert, wäre vermutlich sogar noch glaubwürdiger gewesen. So kamen mir Marlenes Entscheidungen fast schon lächerlich und überhaupt nicht zum Charakter passend vor. So schade. Wobei ich sagen muss, auch ihr Ex hat sich einige Male Marlene gegenüber fragwürdig verhalten.
Thematisch interessant mit einem komplexen Kriminalfall, leider mit einem inkonsequent gestalteten Hauptcharakter sowie unnötig Überdrama.

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Starkes Thema, schwache Charakterumsetzung
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Beklemmendes Live-Die-Repeat Szenario

Be a Light in the Dark Sea 1 von SoftCoral

Neuer Job, neue Herausforderungen: Zahnarzt Park Muhyun hat sich bei der International Undersea Station (IUS) beworben. Für die bereits fertig gestellte Unterwasser-Forschungsstation im Nordpazifik ist er fortan in 3000 Metern unter dem Meeresspiegel für die Zahnhygiene alle Angestellten verantwortlich.

Dass die Station sich bei einer Leckage zu einem tödlichen Escaperoom entwickeln würde stand jedoch nicht in seiner Stellenbeschreibung.

Mich überkam ein seltsames Gefühl. Die ganze Basis fühlte sich plötzlich nur noch wie ein überdimensioniertes Gefängnis an. (Zitat S. 99)

Die Reihe wird beworben als düsteres Science Fiction-Survival-Zeitschleifen-Abenteuer, was mich ebenso neugierig gemacht hat wie das sich über alle 4 Bände ziehende Coverbild. Auf jedem Cover ist ein anderes Mitglied der koreanischen Gruppe zu sehen, die gemeinsam ums Überleben kämpft; Cover 1 zeigt Zahnarzt Muhyun mit einigen Details des Romans. Aus seiner Sicht ist das Buch auch geschrieben, was den Vorteil hat, dass für ihn bei der Ankuft auf der Station noch alles neu ist und man mit ihm gemeinsam die Station erkundet. Nach kurzem Einleben und ein paar ersten Zahnbehandlungen nimmt die Katastrophe dann auch bereits ihren Weg: Wasser dringt ein, viele sind sich plötzlich selbst die Nächsten. Und irgendwo fallen Schüsse.
Die Handlung spielt in naher Zukunft und zu Beginn gibt es einige wissenswerte Hintergründe zur aktuellen Weltlage sowie zur Tiefsee, bevor Muhyun den Fahrstuhl in die Tiefe besteigt. Schon nach kurzer Zeit hatte ich das beklemmende Gefühl, dass hier einige Leute längst nicht so mental ausgeglichen sind, wie es für die multinationale Gemeinschaft zuträglich wäre. Es herrscht Gewalt, wo keine sein sollte, und auch einige andere Regeln werden gebrochen. Mit Beginn des Lecks in der Station (Unfall? Angriff? Sabotage?) wusste ich, ebenso wie Muhyun, auch nie, wem man wirklich vertrauen könnte. Das Ganze entwickelt sich komplett unerwartet und es gibt viele Details, welche für die folgenden Time-Loops eine Rolle spielen könnten.
Muhyun ist definitiv kein klassischer Held, er ist Zahnarzt mit altruistische Zügen, der gemeinsam mit einem koreanischen Ingeniersteam ums Überleben bzw. um einen Weg an die Oberfläche kämpft. Die Situationen sind herausfordernd bis tödlich, die Gegner skrupellos, das Wasser unaufhaltsam. Vieles bleibt zunächst unklar, bietet haufenweise Ansätze für Spekulationen. Und am Schluss kommt die Überraschung, in welcher Szene die Zeitschleife neu ansetzt.
Mir gefällt das düstere Setting sehr, kaum jemand lässt sich in die Karten schauen, so dass ich neugierig darauf bin, was Muhyun wohl in seinen weiteren Zeitschleifen an Entdeckungen machen wird. Bisher bietet die Handlung immens viel Potential zu den Hintergründen und Charakterentwicklungen. Der Spannungsbogen ist schwingend, zwischen Action gibt es immer mal wieder kurze Verschnaufpausen, in denen die psychische Belastung der Protagonisten deutlich wird. Be a Dark Light in the Sea ist ein beklemmendes Survival-Abenteuer mit Sogwirkung.

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Feindesjagd in virtuellen Welten

Canvas (Cryptos, Band 2) von Ursula Poznanski

Kennt ihr das Gefühl, wenn es von einem eurer Lieblingsbücher unerwartet eine Fortsetzung gibt? Ich liebe den Jugendthriller Cryptos, die Dystopie mit den vielen virtuellen Welten, die für Jana Pasco plötzlich zur tödlichen Falle werden. Diese Idee bietet so viel Potential, entsprechend habe ich Canvas regelrecht entgegen gefiebert.

Die Handlung von Band 2 beginnt einige Monate nach Band 1: Die Bevölkerung flieht weiterhin vor unwirtlichen Lebensbedingen in die virtuellen Welten von Mastermind, während Wissenschaftler nach einer Lösung zur Rettung des Klimas und der Menschheit suchen. Ebenso wird in den Designcentern weiterhin an neuen virtuellen Welten gebastelt. In Janas Welt Canvas, eine Art virtuelle Jobbörse, kann man jetzt z. B. nach Statistenjobs suchen, über die man sich die erforderlichen Punkte für die Weltenpässe verdienen kann. Plötzlich häufen sich jedoch auffällige Fehler in einigen Welten, und Vertreter der Alpha-Elite wollen ihre kürzliche Niederlage nicht einsehen und holen zum erneuten Gegenschlag aus. Zeit für Jana und ihre Freunde aus Designcenter 12, was zu unternehmen.
Die Handlung spielt diesmal nicht nur in bereits bekannten sowie neuen Welten, sondern zum Teil auch in der Realwelt. Diesmal empfand ich die Umweltextrema etwas eingehender beschrieben als in Band 1, es fühlte sich bedrohlicher an, diese ganze Hitze und was das mit einem macht. Zwar ist Band 2 ein neues Abenteuer, mit der Vorkenntnis von Band 1 ist jedoch vieles verständlicher wie z. B. die Hintergründe zu einigen Charakteren oder der Aufbau von Janas alten Welten. Ohne diese Hintergründe fehlt Canvas an manchen Stellen einfach die Tiefe. Ansonsten hat Jana ihren Hang dazu, spontane Alleingänge zu unternehmen, nicht abgelegt; sie handelt eben, während andere noch das Für und Wider diskutieren. Darüber kann man denken, was man will, ich finde, ihre Hals-über-Kopf-Aktionen bringen die Gruppe manches Mal entscheidend voran. Auch wenn ich nicht selten echt Sorge um Chaos-Jana hatte.
Abwechslung und Spannung bietet Canvas ebenso wie interessante Hintergründe, skrupellose Gegner und Überraschungen, die es auch mal in sich haben. Und das sowohl in der virtuellen wie auch in der realen Welt. Auch das Cover ist ein Highlight mit der schwebenden Welt ähnlich zum ersten Cover, den vielen Thumbnails für die virtuellen Welten sowie natürlich dem Symbol mit Taube und Pfeil (als Anlehnung an Cryptos). Dem ersten Band steht Canvas in Nichts nach; wer auf den vollen Lesegenuss nicht verzichten mag, dem empfehle ich, Band 1 vorweg zu lesen, um sämtliche Anspielungen und Bezüge zu verstehen. Dann haltet ihr mit Canvas wirklich ein sehr geniales Lesevergnügen in euren Händen!

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Feindesjagd in virtuellen Welten
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Ein Raubzug für die Gerechtigkeit

Masterminds, Band 1 - Der Darknet-Köder von Chris Morton

Justus‘ Problem heißt Randolf, ist sein Patenonkel und der mutmaßliche Mörder seiner Eltern. Justus selbst hat den tödlichen Unfall schwerverletzt überlebt; jetzt ist der 17-jährige reicher Erbe eines Pharmakonzerns, auf den sein betrügerischer Patenonkel scharf ist. Und dessen Pläne sind überaus perfide.

Um Randolf das Handwerk zu legen, bevor Justus seinen 18. Geburtstag feiert und alles verliert, benötigt er jedoch Hilfe. Zeit für die Masterminds!

"GRANDPA, BRAIN!", flüsterte sie. "Wir haben ein Problem ..." (Zitat S. 44)

Die Masterminds bestehen aus den 5 Personen, die auch auf dem Cover abgebildet sind. Und natürlich erhält jede Person ihren eigenen Codenamen: GRANDPA (der Bodyguard und als einziger kein Teenager), BRAIN (der hochintelligente Justus), OWLY (die Hackerin), PHANTOM (der Fassadenkletterer und Dieb) und PARIS (die Cousine mit nützlichen Social Skills).
Zum Aufwärmen startet der Roman auch gleich mit ihrem ersten Einsatztag, für den sie sich einen ausgefallenen Plan zurechtgelegt haben. Man ist also sofort mittendrin in der Handlung; von amüsant bis brenzlig ist alles vertreten, die eingesetzten Tricks sind simpel, aber effektiv. Abwechselnd hierzu gibt es chronologisch aufeinanderfolgende Rückblenden, in welchen man zunächst Justus und seine Situation kennenlernt, bevor das ziemlich ungleiche Team sich zusammenfindet.
Das Buch lebt stark von den Charakteren, ihren Plänen, Misserfolgen und Improvisationen. Gewalt hat der Autor in seinem Jugendthriller nur gering dosiert, wenn auch nicht ganz darauf verzichtet, sofern für die Handlung notwendig. Mir haben Idee sowie Umsetzung richtig gut gefallen. Nach dem sehr handlungsstarken Einstieg in den Roman haben mich die ersten Szenen der Rückblenden (die einen eher emotionalen Schwerpunkt haben), richtig hibbelig auf die nächsten Heist-Szenen gemacht; ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Natürlich ist das Ganze nicht Hollywood, sondern Frankfurt/Main, und die fünf sind keine vollausgebildeten Profis; umso spannender ist es da mitzufiebern, wenn sie in ausweglos scheinende Situationen geraten.
Der Heist-Thriller überzeugt durch Action, Spannung, Tricks und Improvisationen, die Charaktere sind abwechslunsgreich gestaltet, haben ihre Stärken und Schwächen und vielleicht auch ihre Geheimnisse. Ich kann das Abenteuer der Masterminds allen Jugendlichen sowie Erwachsenen empfehlen, die Lust haben, einem perfiden Bösewicht auf unkonventionelle Art das Handwerk zu legen.

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Die Rache einer Verstorbenen

And The River Drags Her Down von Jihyun Yun

An diesem Buch hat mich die Kombination aus düsterer Fantasy und koreanischer Mythologie gereizt. Zugegeben, mit letzterer kenne ich mich wenig aus, deswegen hat mich der Roman umso mehr faszinieren können. Die Autorin hat sich hier des Mul Gwishin bedient, dem Geist einer ertrunkenen Person, dessen ruhelose Seele die Lebenden mit sich zieht.

Was ich zunächst für einen vielleicht etwas gruseligen Jugendroman hielt präsentierte mir dann überraschend atmosphärische Horror-Vibes. Die Gestaltung des Covers hat diesen Horror übrigens optisch sehr gut eingefangen.
Dabei fängt es zunächst an wie ein herkömmlicher Jugendroman: Soojin leidet stark unter dem Tod ihrer Schwester Mirae, die vor einigen Monat im Fluss ertrank. Ihre Mutter ist seit langem tot, ihr Vater beruflich viel unterwegs, Soojin fühlt sich einsam, zieht sich zurück. Starke Selbstzweifel führen dazu, dass sie sich für die schlechtere Tochter hält, die anstelle von Mirae hätte sterben sollen. Von ihrer Mutter hat sie eine besondere Gabe geerbt: durch ein bestimmtes Ritual kann sie verstorbene Kleintiere zurück ins Leben holen, wenn auch zu einem gewissen Preis. Nach einer Kurzschlussreaktion, bei der auch Alkohol im Spiel ist, wendet Soojin in ihrer Verzweiflung ihre Gabe auf ihre verstorbene Schwester an.
Tatsächlich wird der Ursprung der Gabe in kleinen Rückblenden erzählt, wodurch mit der Zeit auch Hinweise auf gewisse, ich sag mal Nebenwirkungen, deutlich werden. Auf die Details zu der Art, wie Mirae zurück geholt wird und wer oder was bei dem Ritual wirklich zurückkommt, gehe ich hier nicht weiter ein. Diese Überraschung hat jeder verdient. Ein gewisser Horror zieht jedenfalls in dem Moment des Rituals schleichend in die Kleinstadt ein. Übrigens spielt die Handlung in einem amerikanischen Ort, nicht in Korea. Und dieser Ort hat eine gewisse Vorgeschichte, Soojins Familie betreffend, welche sich im Laufe des Romans offenbart.
Die Autorin hat das Talent, die Atmosphäre, die Spannungen und Emotionen greifbar zu machen, das Kopfkino mit den richtigen Details zu füttern. Soojins Unsicherheit, ihre Verzweiflung, ihr Wunsch nach Nähe und Vertrauen, das anfängliche Verweigern der Realität, all das ist beim Lesen ebenso spürbar wie das latente Grauen oder die schockierenden Geheimnisse aus der Vergangenheit.
Wer sich nicht scheut, sich emotional auf ein düster-atmosphärisches Abenteuer mit leichten Horror-Anklängen einzulassen, sollte definitiv zu diesem Buch greifen!

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Von Hochmut und Selbstjustiz

DAISY – Und all deine Geheimnisse werden mir gehören von Melanie Raabe

Anwältin Luca ist nachts im Namen der Selbstjustiz unterwegs und verpasst denen einen Denkzettel, welche öffentlich mit ihren Untaten davonkamen. Ihr Markenzeichen: Ein Gänseblümchen, auf englisch daisy. Bisher glaubte sie, unerkannt geblieben zu sein. Man kann sich ja mal irren. Allerdings hat Luca keine Ahnung, wer ihr da plötzlich so direkt droht.

"Wir könnten Vigilantes werden", sagte sie. "Wie Batman, nur ohne das alberne Fledermauskostüm." (Zitat)

Mit Melanie Raabe verbinde ich das Spiel von Wahrnehmung und Wirkung, von Vertrauen und Misstrauen; diesbezüglich wurde ich nicht enttäuscht. In Daisy wird diesmal mit Luca eine heimliche Täterin zum mutmaßlichen Opfer. Wobei sich darüber streiten ließe, ob ihre Form der Selbstjustiz sie wirklich zu einer Täterin macht oder nicht. Doch darum geht es nicht, sondern vielmehr um ihren Gegner, den sie nun ausfindig machen muss. Irgendjemand hat ein perfides Katz-und-Maus-Spiel gestartet, und Luca will nicht länger die Maus sein, sondern zur jagenden Katze werden. Parallel zu ihren Recherchen erfährt man einige Details aus Lucas Vergangenheit, welche im Verlauf des Romans ebenfalls zum Thema werden.
Die Handlung ist spannend gestaltet, wiederholte Rückblenden bieten ein paar Verschnaufpausen. Trotz (oder wegen?) ihrer Taten ist Luca eine gewisse Sympathieträgerin, ihre fragwürdigen nächtlichen Aktionen könnten zum Teil als fiese Streiche gewertet werden. Neben Selbstjustiz thematisiert die Autorin auch Hochmut, welcher ungebremst schlimme Folgen nach sich ziehen kann. Beides verfehlt jedenfalls seine Wirkung nicht, bietet dem Thriller eine gewisse emotionale Komponente.
Lucas Charakterprofil ist aussergewöhnlich, dabei in sich stimmig, und es macht Spaß, sie im Roman zu begleiten, wie sie von der nächtlichen Rächerin zur Jägerin des Bösen wird, wie sie versucht, die Kontrolle zurück zu erlangen. Im Gegensatz zu einigen ihrer früheren Thriller empfand ich Daisy nicht als stellenweise langatmig, da es trotz Verschnaufpausen stetig in der Handlung vorangeht, es genügend Interaktionen mit anderen Charakteren gibt. Auch die moralischen Themen lassen einen kaum kalt, ohne hier Details vorweg zu nehmen.
Gönnt euch den Lesespaß und begleitet Luca auf der Jagd nach ihrem Gegner durch Berlin, es lohnt sich!

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