Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Shilo:
Die Geschichte einer vergessenen Frau
Im Licht des neuen Tages von Jarka Kubsova
Die Handlung dieses Romans entwickelt sich in einem ruhigen Tempo und lässt den Figuren viel Raum. Elli Hajek zieht sich zum Schreiben in ein abgelegenes Haus im böhmischen Wald zurück. Dort beschäftigt sie sich immer mehr mit Viktorka, von der ihre tschechische Großmutter erzählt hat. Je mehr Elli über sie herausfindet, desto stärker wird auch ihre eigene Vergangenheit zum Thema.
Je weiter Elli in Viktorkas Leben eintaucht, desto mehr Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Frauen werden sichtbar. Trotz der unterschiedlichen Zeiten verbindet die beiden mehr, als zunächst zu erkennen ist. Beide müssen ihren eigenen Weg finden und sich mit Dingen auseinandersetzen, die lange verdrängt oder von anderen beurteilt wurden. Dadurch bekommt die Handlung mehr Tiefe, ohne dass sie ständig im Vordergrund stehen muss.
Der böhmische Wald wird sehr anschaulich beschrieben und bekommt dadurch seinen eigenen Platz im Roman. Farn, Wege und das Wasser konnte man sich beim Lesen gut vorstellen. Gleichzeitig hat dieser Ort etwas Geheimnisvolles, das gut zu Viktorkas Leben passt.
Ellis persönliche Suche fand ich ebenfalls interessant. Eigentlich möchte sie in dem abgelegenen Haus an ihrem Buch arbeiten. Stattdessen kommt sie immer mehr ihrer eigenen Vergangenheit näher. Ihre Reise nach Tschechien wird dadurch zu mehr als einer Suche nach Viktorkas Wahrheit. Dabei geht es immer wieder um alte Erinnerungen, die eigene Herkunft und das, was man lange hinter sich lassen wollte.
Die Handlung wird eher ruhig erzählt und ist stellenweise märchenhaft. Manches erschließt sich erst nach und nach. Das langsame Tempo hat für mich meistens gut gepasst, auch wenn es zwischendurch etwas zügiger hätte sein dürfen.
Gut gelungen ist außerdem, dass Frauen und ihre Lebenswege eine wichtige Rolle spielen. Dabei zeigt sich auch, wie wenig Frauen früher selbst über ihr Leben bestimmen konnten und wie schnell andere über sie urteilten, wenn sie nicht den Vorstellungen ihrer Zeit entsprachen. Dadurch bekommt Viktorkas Leben eine größere Bedeutung und bleibt nicht nur ihre persönliche Geschichte.
Am Ende bleibt vor allem ein ruhiger und nachdenklicher Eindruck zurück. Nicht jede Stelle hat mich gleich stark erreicht, aber die Verbindung von Elli und Viktorka, der böhmische Wald und die Fragen nach Herkunft und Freiheit haben mir gut gefallen. Ein Roman, für den man sich Zeit nehmen sollte und der noch ein wenig zum Nachdenken einlädt. 4 Sterne.
Gefährliches Vertrauen
Atme, Bella - wenn du kannst von Angelika Godau
Bellas erste Begegnung mit Tom hat mich sofort etwas misstrauisch gemacht. In ihrer Panik ist er für sie genau der Mensch, den sie gerade braucht. Er bleibt ruhig, hilft ihr und gibt ihr das Gefühl, nicht allein zu sein. Umso unangenehmer war es, mitzuverfolgen, was daraus später wird.
Mit der Zeit mischt Tom sich immer mehr in Bellas Leben ein.
Erst fällt das kaum auf. Doch irgendwann ist er überall und Bella hat kaum noch Raum für sich selbst. Gerade diese langsame Veränderung fand ich spannend, weil man als Leserin merkt, dass etwas nicht stimmt, während Bella selbst noch an Toms Hilfe glaubt.
Auch Bellas Verhalten hat mich beschäftigt. Sie kennt Kontrolle bereits durch ihre Mutter und ist deshalb froh, dass Tom zunächst anders wirkt. Umso schwerer ist es für sie, seine Absichten zu durchschauen. Erst nach und nach merkt sie, dass seine Fürsorge nichts mit echter Hilfe zu tun hat.
Dass Bella sich trotzdem langsam wehrt, fand ich gut. Sie beginnt, ihrem eigenen Gefühl wieder mehr zu vertrauen. Dabei wirkt ihre Entwicklung nicht plötzlich, sondern nachvollziehbar.
Angelika Godau erzählt hier eine deutlich ernstere Geschichte. Es geht um Manipulation, Abhängigkeit und Kontrolle und darum, wie schnell sich vermeintliche Fürsorge verändern kann. Besonders die Beziehung zwischen Bella und Tom sorgt für Spannung. Dabei bleibt die Frage, wann Bella endlich erkennt, dass Tom sie nicht gerettet hat, sondern sie immer weiter in seine Kontrolle gerät.
Die Geschichte lebt für mich vor allem von der Beziehung zwischen Bella und Tom. Man möchte wissen, was Tom als Nächstes tut und ob Bella rechtzeitig erkennt, in welcher Lage sie steckt. Dadurch bleibt der Thriller spannend, obwohl vieles eher durch Toms Verhalten als durch große Ereignisse entsteht.
Gerade diese Art von Kontrolle fand ich beim Lesen beklemmend. Nach allem, was Bella erlebt hat, war es schön zu sehen, dass sie nicht aufgibt und versucht, wieder selbst über ihr Leben zu bestimmen.
Ein beklemmender Psychothriller über Manipulation und Kontrolle, der noch eine Weile im Kopf bleibt. Für mich sind es klare 5 Sterne.
Frech, ungewöhnlich und berührend
Eine kleine Schwindelei von Rosanna Pike
Tibb Ingleby ist eine Hauptfigur, die man nicht so schnell vergisst. Sie hat kein Zuhause und muss sich im Tudor England allein durchschlagen. Dabei ist sie vorsichtig, misstrauisch und trotzdem mutig. Gerade diese Mischung macht sie so besonders.
Beim Lesen war schnell zu merken, dass Tibb ihren ganz eigenen Kopf hat.
Sie lässt sich nicht einfach sagen, wie sie zu leben hat, und findet auch dann einen Weg, wenn es eigentlich keinen gibt. Dabei gerät sie immer wieder in Situationen, bei denen man sich fragt, wie sie da wohl wieder herauskommt. Ihre kleinen Tricks und Schwindeleien sorgen dabei durchaus für ein Schmunzeln.
Sehr schön fand ich auch die Menschen, denen Tibb unterwegs begegnet. Viele von ihnen sind selbst Außenseiter und haben ihre eigenen Sorgen. Viele der Menschen, die Tibb unterwegs trifft, haben selbst nicht viel und müssen irgendwie zurechtkommen. Trotzdem merkt man, dass sie einander helfen und nicht völlig allein bleiben wollen.
Die Geschichte hat eine ungewöhnliche Mischung. Sie ist stellenweise witzig und frech, dann wieder ernst und berührend. Besonders die Momente, in denen Tibb ihre Vorsicht ein wenig ablegt und anderen Menschen vertraut, haben mich beschäftigt. Man merkt, dass hinter ihrer starken Art auch eine junge Frau steckt, die sich nach einem Platz im Leben sehnt.
Auch die Sprache ist anders, als es bei einem historischen Roman vielleicht erwartet wird. Sie wirkt modern und direkt und passt dadurch sehr gut zu Tibb. Die ungewohnte Sprache hat am Anfang etwas überrascht. Später fiel sie beim Lesen kaum noch auf, weil sie einfach zu Tibb und ihrer Art passte.
Gegen Ende wurde mir noch einmal klar, wie viel sich für Tibb verändert hat. Die Menschen, denen sie begegnet ist, sind ihr wichtig geworden, auch wenn sie das nicht immer zeigen kann. Einige dieser Stellen haben mich berührt.
Tibb ist eine besondere Hauptfigur, und ihre Geschichte hat mich gut unterhalten. Es gab einiges zu schmunzeln, aber auch Stellen, die etwas ernster waren. Gerade diese Mischung hat für mich den Reiz des Buches ausgemacht.
Dafür gibt es von mir verdiente 5 Sterne.
Ein gelungenes Finale der Neuguinea-Saga
Zeit des Umbruchs von Tara Haigh
Die Familie Berger hat in Neuguinea inzwischen viel aufgebaut, doch auch im dritten Band bleibt ihr Leben nicht ruhig. Es passiert wieder einiges, und gerade bei den Familienmitgliedern gibt es Veränderungen, die die Geschichte bis zum Schluss interessant halten.
Hedwig hat mir in diesem Band besonders gut gefallen.
Sie möchte nicht einfach hinnehmen, was um sie herum geschieht. Vor allem ihr Wunsch, eine Schule für die Einheimischen aufzubauen, fand ich wichtig. Gleichzeitig wird es für sie immer schwieriger, weil der Bezirksamtmann Alfred Ross seine Macht ausnutzt und die einheimische Bevölkerung schlecht behandelt. Seine Rolle hat für zusätzliche Spannung gesorgt.
Auch Anna und ihre Familie haben einiges zu bewältigen. Ihr Sohn Paul lebt zwischen zwei Welten. Seine Liebe zu Nami bringt ihn zusätzlich in eine schwierige Lage. Paul muss sich entscheiden, was für ihn wirklich zählt und ob er den Mut hat, seinen eigenen Weg zu gehen.
Clara setzt sich weiterhin für ihre Krankenstation ein. Marie dagegen möchte als Schneiderin arbeiten und denkt über ein Leben in Singapur nach. Beide haben ihre eigenen Pläne und müssen sehen, wie sie diese verwirklichen können. Diese verschiedenen Geschichten haben mir gut gefallen, weil dadurch immer wieder etwas Neues in die Handlung kam.
Die Familie steht immer wieder vor Entscheidungen, bei denen es nicht einfach eine richtige Lösung gibt. Besonders die Frage, ob ein Verbleib in Neuguinea noch möglich ist, beschäftigt die Bergers. Dazu kommt ein Ereignis aus der Vergangenheit wieder ans Licht, das die Familie zusätzlich belastet. An manchen Stellen wurde dadurch die Spannung deutlich stärker.
Das Ende habe ich mit etwas Wehmut gelesen. Nach allem, was die Familie erlebt hat, war es schön, die einzelnen Geschichten bis zum Schluss zu verfolgen. Vor allem bei den Abschieden und den Entscheidungen für die Zukunft kamen die Gefühle der Figuren noch einmal gut zur Geltung.
So findet die Geschichte der Familie Berger ihren Abschluss. Nicht jeder Wunsch geht in Erfüllung und nicht jeder Weg lässt sich gemeinsam weitergehen. Gerade das hat für mich gut zu dieser Geschichte gepasst. Die Familie hat viel erlebt und musste immer wieder neu überlegen, was für sie wichtig ist.
5 Sterne.
Zwischen Ebbe und Aufbruch
Das Seebad am Nordseestrand von Regine Kölpin
Wangerooge im Jahr 1829 ist der Schauplatz dieser Geschichte. Im Mittelpunkt stehen Bernhardine Westing und Beeke Tammen. Beide Frauen leben unter ganz unterschiedlichen Bedingungen und gehen trotzdem ein Stück ihres Weges gemeinsam.
Bernhardine weiß genau, was sie erreichen möchte. Sie will aus dem kleinen Seebad etwas Besonderes machen und nimmt dabei wenig Rücksicht darauf, ob alle Inselbewohner ihre Pläne gutheißen.
Beeke kommt aus einer ganz anderen Welt. Ihre Arbeit in Bernhardines Küche eröffnet ihr neue Möglichkeiten und verändert nach und nach auch ihren Blick auf das eigene Leben.
Beim Lesen habe ich die beiden Frauen gern begleitet. Gerade weil sie so verschieden sind, war es spannend zu sehen, wie sich ihr Verhältnis entwickelt. Nicht alles läuft glatt und manche Entscheidungen haben Folgen, mit denen beide umgehen müssen. Dadurch wirkte ihre Verbindung für mich nicht künstlich, sondern nachvollziehbar.
Auch das Leben auf Wangerooge hat seinen Platz in der Geschichte. Vieles ist noch einfach und das Seebad muss sich erst entwickeln. Bernhardine hat dabei klare Vorstellungen und setzt diese auf ihre eigene Art durch. Das sorgt natürlich nicht überall für Begeisterung.
Beeke hat mir als Figur besonders gefallen. Sie bleibt nicht die junge Frau, die am Anfang der Geschichte in Bernhardines Küche arbeitet. Mit ihren Aufgaben verändert sich auch ihr eigenes Leben. Es war schön zu verfolgen, wie sie selbstständiger wird und mehr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten gewinnt.
Die Beschreibungen der Insel und des damaligen Lebens haben mir ein gutes Bild von dieser Zeit vermittelt. Man bekommt einiges vom Alltag der Menschen mit, ohne dass die Geschichte dadurch zu einem Geschichtsbuch wird. Einige Abschnitte waren für mich besonders schön zu lesen, an anderen Stellen hätte es ruhig etwas schneller weitergehen dürfen.
Die Geschichte hat mir insgesamt gut gefallen. Vor allem Beeke, Bernhardine und das Verhältnis der beiden haben dafür gesorgt, dass ich gerne weitergelesen habe. Dazu kommt die interessante Zeit, in der sich Wangerooge langsam zu einem richtigen Seebad entwickelt.
Ein schöner historischer Roman mit zwei unterschiedlichen Frauen, deren Wege sich auf besondere Weise verbinden. Von mir gibt es 4 Sterne.
Zwei Rucksäcke, eine große Hoffnung und ein langer Weg
Septemberkinder 89 von Krisz Hardy
Paul ist dreizehn Jahre alt, als er plötzlich für seine kleine Schwester Michaela da sein muss. Die Eltern sind weg und von einem Tag auf den anderen liegt eine Aufgabe vor ihm, die eigentlich viel zu groß für einen Jungen in seinem Alter ist. Gemeinsam mit der neunjährigen Michi macht er sich auf den Weg, immer in der Hoffnung, seine Familie wiederzufinden.
Was während der Reise immer wieder auffällt, ist die Nähe zwischen den beiden Geschwistern. Paul versucht, Michi zu schützen und ihr Sicherheit zu geben, auch wenn er selbst oft nicht weiß, wie es weitergeht. Michi wiederum vertraut ihrem Bruder und hält zu ihm. Gerade diese Verbindung macht viele Situationen sehr nah.
Die Flucht durch die Wälder der Tschechoslowakei ist für die beiden Kinder nicht einfach. Sie sind müde, haben Angst und wissen nicht, was sie erwartet. Trotzdem gehen sie weiter. Dabei zeigt sich, wie viel Kraft in kleinen Momenten liegen kann. Ein Mensch, der hilft, ein paar freundliche Worte oder das Gefühl, nicht ganz allein zu sein, bedeuten plötzlich sehr viel.
Krisz Hardy nimmt die Leser mit in die letzten Wochen der DDR und erzählt diese Zeit aus der Sicht eines Kindes. Dadurch erlebt man die Ereignisse nicht aus der Entfernung, sondern bleibt nah bei Paul und Michi. Die Unsicherheit dieser Zeit wird spürbar, ohne dass die Geschichte mit geschichtlichen Erklärungen überladen wird.
Mir ist vor allem Pauls Entwicklung im Gedächtnis geblieben. Er muss schnell Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen, die kein Kind treffen sollte. Trotzdem bleibt er ein Junge mit Ängsten und Zweifeln. Genau das macht seinen Weg glaubhaft.
Die Begegnungen, die Paul und Michi unterwegs haben, geben der Geschichte immer wieder besondere Momente. Sie zeigen, dass es auch in schwierigen Zeiten Menschen gibt, die nicht wegsehen und helfen, wenn es darauf ankommt.
Die Geschichte lebt von der Beziehung der beiden Geschwister. Es geht um Familie, um Hoffnung und um den Wunsch, wieder dort anzukommen, wo man hingehört. Gerade diese einfachen Gedanken machen das Buch so nah.
Ein berührender Roman über zwei Kinder, die in einer schweren Zeit füreinander einstehen. Die Geschichte von Paul und Michi hat mich sehr bewegt und bekommt von mir vier Sterne.
Ein Leben voller Spuren
Irma tanzt von Helene Bracht
Dieses Buch hat mich auf eine ruhige Art beschäftigt. Im Mittelpunkt steht Irma, eine alte Frau, deren Leben von den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts geprägt wurde. Krieg, Gewalt und die engen Vorstellungen ihrer Zeit haben Spuren hinterlassen. Trotzdem hat Irma sich ihre Freude am Leben und ihre Sehnsucht bewahrt.
Die Verbindung zwischen Irma und ihrer Tochter fand ich besonders interessant. Erst mit der Zeit wird deutlich, was die Mutter alles mit sich getragen hat. Für die Tochter ist es nicht immer einfach, auf das Leben ihrer Mutter zu schauen. Vieles lässt sich erst später einordnen. Dabei wird Irma immer mehr als Frau mit ihren eigenen Wünschen und Erfahrungen sichtbar und nicht nur als Mutter.
Eine Szene ist mir besonders nahegegangen. Irma tanzt noch einmal und wirkt dabei für einen kurzen Moment ganz leicht. Dieser Augenblick sagt für mich mehr über diese Frau aus als viele Erklärungen. Trotz ihrer schweren Erfahrungen ist da noch diese Freude, die sie sich bewahrt hat.
Die Geschichte ist nicht leicht, aber sie wird ohne große Worte erzählt. Einige Gedanken habe ich nach dem Lesen noch mitgenommen. Vor allem die Frage, wie wenig man manchmal über das Leben der eigenen Eltern weiß und wie spät manches erst verständlich wird.
Nicht jede Passage hat mich gleichermaßen erreicht, deshalb sind es für mich vier Sterne. Trotzdem ist es ein Buch, das einen Menschen und sein Leben sehr persönlich betrachtet. Irma mit ihrer Lebensgeschichte wird mir sicher noch eine Weile im Gedächtnis bleiben. 4 Sterne
Wenn ein Brief zum Halt wird
Briefe voller Zuversicht von Anett Klose
Elsa und Paul haben nicht viel Zeit für ihr gemeinsames Glück, bevor der Krieg in ihr Leben eingreift. Ausgerechnet die Briefe werden später zu dem, was beide miteinander verbindet. Beim Lesen fand ich diesen Gedanken immer wieder schön, aber auch traurig, denn hinter jedem Brief steckt die Hoffnung auf ein Wiedersehen.
Elsa hat es nicht leicht. Während Paul in Gefangenschaft ist, muss sie sich um ihren Sohn Heiner kümmern und den Alltag allein schaffen. Dabei geht es nicht nur um die großen Sorgen dieser Jahre. Es sind auch die kleinen Dinge, die auffallen. Ein Stück Würfelzucker kann für Heiner etwas ganz Besonderes sein. Solche Stellen haben mir gezeigt, wie anders das Leben damals war.
Die Briefe haben mir einen guten Einblick in die Beziehung von Elsa und Paul gegeben. Sie schreiben über das, was sie beschäftigt, über ihre Sehnsucht und natürlich auch über die Ungewissheit. Man merkt, dass beide trotz allem versuchen, an ihrer Familie festzuhalten.
Elsa war für mich eine Figur, bei der nicht immer alles glatt läuft. Sie muss Entscheidungen treffen und mit Dingen zurechtkommen, die sie sich sicher anders gewünscht hätte. Gerade das machte sie für mich glaubhaft. Auch Heiner bekommt durch seine Erlebnisse einen eigenen Platz in der Geschichte. Seine Kindheit ist von einer Zeit geprägt, die er sich nicht ausgesucht hat.
Die Geschichte ist eher ruhig erzählt. An einigen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht, trotzdem habe ich die Familie gerne begleitet. Vor allem die Briefe und die kleinen Szenen aus dem Alltag haben mir gefallen, weil sie der Geschichte etwas Persönliches geben.
Für mich war es eine schöne, wenn auch stellenweise schwere Familiengeschichte über eine Liebe, die trotz Krieg und Entfernung nicht einfach verschwindet. Die vier Sterne gibt es für die Figuren, die Briefe und die vielen kleinen Momente, die diese vergangene Zeit greifbar machen.
Unterhaltsam
Die Leuchtturmschwester von Lori Kilian
Die Geschichte führt auf die schottischen Hebriden und damit an einen Ort, der mir beim Lesen besonders gut gefallen hat. Das Leben dort ist einfach und oft rau, das Meer gehört zum Alltag und die abgelegenen Leuchttürme geben der Geschichte einen besonderen Rahmen.
Eliza kommt nach Jahren zurück und arbeitet dort als Krankenschwester.
Sie kümmert sich um die Familien der Leuchtturmwärter und hofft gleichzeitig, ihrer Schwester Màiri wieder näherzukommen. Dabei wird nach und nach deutlich, dass Eliza einiges aus ihrer Vergangenheit mit sich herumträgt. Gerade diese persönliche Seite hat die Geschichte für mich interessant gemacht.
Auch Aidan ist kein unbeschwerter Mensch. Seine Erfahrungen aus dem Krieg haben Spuren hinterlassen und er lebt bewusst zurückgezogen. Zwischen ihm und Eliza entwickelt sich langsam eine Verbindung. Das hat mir besser gefallen als eine schnelle Liebesgeschichte, denn beide müssen erst wieder Vertrauen fassen.
Die Handlung ist insgesamt ruhig erzählt. Das passt zwar gut zur abgeschiedenen Umgebung, trotzdem gab es für mich einige Stellen, an denen etwas mehr Spannung schön gewesen wäre. Dadurch kam die Geschichte nicht immer gleich gut voran.
Trotzdem habe ich Eliza gern begleitet. Ihre Arbeit, die Beziehung zu ihrer Schwester und die Begegnung mit Aidan geben der Geschichte mehrere Seiten. Dazu kommt die besondere Landschaft Schottlands, die beim Lesen immer wieder präsent ist.
Alles in allem war es eine schöne und angenehm zu lesende Geschichte, die mich gut unterhalten hat. Ein paar spannende Momente mehr hätten mir noch besser gefallen. Deshalb gibt es von mir vier Sterne.
Als aus Freundschaft Rivalität wurde
Die Walzerkönigin von Sina Beerwald
Anna und Emilie sind zunächst befreundet. Doch Johann Strauss bringt vieles zwischen den beiden Frauen durcheinander. Aus der Freundschaft wird schließlich ein Streit, der sich durch die Geschichte zieht. Anna hat es dabei besonders schwer. Nach der Trennung von Johann steht sie mit sechs Kindern da und muss ihr Leben neu ordnen.
Anna war für mich eine Figur, die ich gerne begleitet habe. Sie steckt den Kopf nicht in den Sand, sondern kümmert sich um ihre Kinder und sucht nach einer Möglichkeit, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Später setzt sie sich auch für den beruflichen Weg ihres Sohnes ein. Dabei macht sie nicht immer alles richtig, was sie für mich umso menschlicher wirken ließ.
Bei Emilie fiel mir auf, dass auch sie ihre eigene Sicht auf die Dinge hat. Die beiden Frauen sind sich nicht gleichgültig, auch wenn ihre Freundschaft längst vorbei ist. Ihre Auseinandersetzungen waren für mich deshalb durchaus nachvollziehbar.
Das Wien dieser Zeit wird ebenfalls gut eingefangen. Johann Strauss und seine Musik gehören dabei ganz selbstverständlich zur Handlung. Neben seinem Leben bekommt aber auch Anna viel Raum. Sie muss sich um ihre Kinder kümmern und gleichzeitig versuchen, sich etwas Eigenes aufzubauen. Auch der bekannte Walzer „An der schönen blauen Donau“ findet seinen Platz in der Geschichte.
Besonders bei Anna und ihren Kindern gab es Momente, die mir nahegingen. Manchmal war ich traurig über das, was ihr widerfährt, an anderer Stelle habe ich mich über eine Entscheidung geärgert. Dadurch waren die Figuren für mich nicht einfach nur schwarz oder weiß.
Nicht alles hat mich gleich stark erreicht. Ein paar Passagen hätten für meinen Geschmack kürzer sein dürfen. Trotzdem wollte ich wissen, wie sich die Lage zwischen Anna und Emilie weiterentwickelt und welchen Weg Anna am Ende einschlägt.
Am Ende bleibt vor allem Anna bei mir. Sie muss einiges einstecken und findet trotzdem immer wieder die Kraft, weiterzumachen. Dazu kommen das alte Wien, die Musik und die Familie Strauss. Insgesamt war es für mich eine lesenswerte historische Geschichte, die 4 Sterne bekommt.











