Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lies_ein_Buch:
eine mutige Frau, die Grenzen auslotet
Mein Name ist Emilia del Valle von Isabel Allende
Ich lese Bücher von Isabel Allende immer sehr gerne, weil die Autorin es einfach hervorragend versteht eine sehr einnehmende Atmosphäre zu erschaffen. Thematisch hab ich mich hier anfangs sehr schwer getan, nicht nur weil die Story ganz schön klischeehaft anmutet, sondern das Schicksal von Emilias Mutter Molly fast schon schmerzliche Naivität ausstrahlte.
Wirkte direkt irgendwie altbacken.
Zum Glück schlägt die Geschichte schnell einen ganz anderen Ton an, nämlich als es um Emilia selbst geht, die sich in einer Männerdomäne unter Pseudonym zu beweisen versucht. Sie macht viele für die Frauen ihrer Zeit unübliche Erfahrungen, ist unerschrocken und lebenshungrig. Ihre forsche Art ist einfach super mitreißend und ich habe begeistert ihre Reisen und Erfahrungen verfolgt.
Ich mag den dichten Erzählstil und die abenteuerlich angehauchte Geschichte. Die Eindrücke die man dabei von Chile und dem tosenden Bürgerkrieg gewinnt sind bildhaft und eindringlich. Emilia begibt sich mehr als einmal in Gefahr und ich habe ihr Schicksal mit angespannter Begeisterung verfolgt. Und dann das Ende: ganz ehrlich, selten sowas vortreffliches gelesen.
Für mich eines der stärksten Bücher der Autorin.
Ultra genialer Vibe
Bestie von Joana June
Es gibt so Bücher, die bewegen sich zwischen Realität und Fiebertraum und genauso ein Buch ist „Bestie“ für mich. Ich hab den Vibe der Geschichte so geliebt, die flirrende Atmosphäre Hamburgs und die ambivalenten Gefühle der Protagonistin die alles nur nicht sie selbst ist.
Ich finde Frau-Sein, beliebt sein, begehrt sein, einfach nur gewollt und gesehen sein- das alles wird hier richtig gut eingefangen.
Die Geschichte hält dem schönen Schein von Social Media den Spiegel vor. Diese viel Schein, wenig Sein wird pointiert rübergebracht, kleine Episoden, kompromittierte Anekdoten, die unschönen Seiten des Leben wegretuschiert. Anouk inszeniert sich selbst
Auch die Dynamik von Frauen-Freundschaften wird hier beeindruckend wiedergegeben, das sich messen, abwägen, konkurrierend.
Im letzten Dritten nimmt das Buch eine seltsame Wendung, distanziert sich gefühlt von sich selbst, wird abstrakter, inhaltlich und von der Erzählweise her. Da wird nochmal eine ganz neue Dimension und Erzählebene eröffnet und ich weiß nicht so recht, ob mir das gefallen hat. Was mir dann aber wieder richtig gut gefallen hat war das letzte Kapitel, das Ende.
Insgesamt ein Buch, was ich sehr genossen hab und wo ich froh bin es entdeckt zu haben
Alternative Realität
Im Leben nebenan von Anne Sauer
Die Idee hinter der Story fand ich gleichwohl skurril wie faszinierend, weil sie dieses „was wäre wenn“ beleuchtet, das wohl in jedem von uns auf irgendeine Art gärt. Und ganz nebenbei beleuchtet es dabei Mutterschaft, Beziehung, Familie, soziale Strukturen und das Gefühl, dass der eigene Körper nicht mehr einem selbst gehört.
Die Geschichte wird in zwei parallelen Handlungsträngen erzählt, die die alternativen Realitäten von Tonis Leben darstellen. Und diese könnten nicht unterschiedlicher sein, drehen sich aber beide um Tonis Fokusthema Mutterschaft. Und eröffnen dem Leser damit den Blick auf die ungeschönte Auseinandersetzung mit der „das habe ich mir so aber nicht vorgestellt“.
Tonis alternatives Leben fühlt sich falsch, übergestülpt und unverdient an. Sie merkt was fehlt, wo sie aneckt, mit sich selbst hadert und kämpft. Da sie den direkten Vergleich zu ihrem alternativen Leben hat, wirkt das bewusster, gleichzeitig emotional aufgeladener. Ich habe die Handlung teilweise mit Schrecken, aber auch einem gewissen Amüsement und über Tonis Umfeld verfolgt.
Thematisch fand ich das Buch super nahbar und Toni emotional sehr authentisch. Das Buch hat einiges in mir bewegt, zum Nachdenken angeregt und trotzdem gut unterhalten.
Es verschwinden Mädchen im Prater
Der Totengräber und die Pratermorde,2 Audio-CD, 2 MP3 von Oliver Pötzsch
Ich hab diese Reihe historischer Kriminalromane und die zentralen Figuren über die Bücher hinweg echt liebgewonnen.
Vor allem das Wiener Lokalkolorit gefällt mir nach wie vor richtig gut. Für mich war dies der erste Band der Reihe, den ich als Hörbuch gehört habe und der Wiener Dialekt vor allem von Rothmayer kommt hier super zum Tragen.
Das macht das Erleben der Geschichte für mich nochmal eine Spur authentischer.
Das Buch beginnt wie aus der Reihe bereits bekannt mit einem düsteren Szenario und einem Todesfall, auch wenn diese auf den ersten Blick vorerst nicht zusammenhängen.
Alles rund um die Magierfehde und die Tricks hat mir richtig gut gefallen und war thematisch perfekt für diese Reihe geeignet.
Das eigentliche Kernthema des Buches, welches auch titelgebend ist, taucht aber erst nach ungefähr einem Viertel der Geschichte intensiver auf, was für meinen Geschmack zu spät war.
Stattdessen geht es viel um die Beziehung zwischen Leo und Julia, was ich so langsam etwas ermüdend finde. Ein unerwartetes Highlight war für mich Rotmayer, den man hier nochmal von einer anderen Seite erlebt. Er und Anna sind meine nicht ganz so heimlichen Lieblinge.
Ich fand die Geschichte wieder angenehm stimmungsvoll, auch wenn das Tempo größtenteils eher gemächlich ist. Viel mehr geht es um die allgemeine Atmosphäre im Prater und das Schaustellerleben. Mochte ich sehr und kann vor allem auch das Hörbuch sehr empfehlen.
Eindringlich
Strandgut von Benjamin Myers
Ich mag Bücher von Benjamin Myers, aber auf dieses Buch war ich irgendwie nicht gefasst. Die Geschichte beginnt melancholisch, geradezu elendig, geprägt von Sucht, Verlust, Trostlosigkeit. Ich habe das Buch als aufwühlend empfunden, gleichzeitig rüttelt es etwas im Leser wach, eine Mischung aus Demut über das eigene, gute Leben und der euphorischen Dankbarkeit Teil dieser wilden Welt zu sein.
Buckys Geschichte ist entrückend, emotional aufwühlend und von besonderer Tragik. Ein Leben voller verpasster Chancen, missgünstiger Umstände und der Tristess eines nicht genutzten Potentials.
Buckys Tage in England gleichen einer wilden Odyssee zwischen Entzug und neu entdeckter Prominenz. Mit Freude habe ich seine Entwicklung von absoluten Unglauben hin zu sanfter Freude und ehrlicher Hoffnung verfolgt.
Mit Dinah teilt Bucky ein paar offene und ehrliche Momente, rekapituliert dabei sein Leben, die Beziehung zu seiner verstorbenen Frau, seine Trauer und seine Sucht. Und innerhalb dieser kurzen Bekanntschaft verändert Dinah Buckys Leben. Aber auch beeinflusst ihres. Und ich finde, das ist das schöne an dieser Geschichte: wie Fremde Einfluss auf das eigene Leben nehmen, zu Freunden werden und man aneinander und miteinander wächst.
Die Erzählung schwenkt immer wieder zwischen Gegenwart und Buckys Erinnerungen hin und her; die Übergänge fast schon fließend, was eine besondere Stimmung innerhalb der Handlung schafft.
Ich habe es als feinfühlige, aber trotzdem eindringliche Geschichte empfunden, die viel in mir bewegt hat.
Stimmungsvoll, gruslig, erschreckend
The Book Eaters von Sunyi Dean
The Book Eaters ist eine Art dystopisch gesellschaftliche Horrornovel, ein Schauerroman mit Urban Fantasy Elementen. Das englische, fast schon urig anmutende Setting hat genau meinen Geschmack getroffen und passt zur stimmungsvollen Geschichte, die in zwei Zeitebenen das Leben der Buchesserin Devon beleuchtet.
Das Buch ist definitiv nichts für schwache Nerven, da nicht nur die Rolle der Frau in der Gesellschaft der Buchesser an dystopische Roman wie den „Report der Magd“ erinnert und einem das Blut in den Adern gefrieren lässt, es geht teilweise auch sehr brutal und gewaltsam zu. Die Horror-Elemente und Gewalt sind dabei aber nicht effektheischerisch, sondern unterstreichen das grausame Los von Devons Leben.
Das Gesamtbild erschließt sich erst im Verlauf der Geschichte, nimmt aber kontinuierlich an Spannung und Tempo zu. Generell ist dieser Roman super düster und atmosphärisch angelegt. Die Charakterentwicklung fand ich auch größtenteils stimmig.
Im letzten Drittel tut sich aber nochmal eine vermeintlich neue Baustelle auf, die ich einen Ticken drüber fand. Das hätte es für mich einfach nicht gebraucht.
Ich war richtig gefesselt von der Story, die mich immer wieder schaudern ließ. Gleichzeitig verpackt sie tiefgründige Themen und geisterte mir noch lange im Gedächtnis herum. Die Erzählung, die stellenweise fast schon einen auf düstere Art märchenhaften Charakter annimmt, war einfach mal ein völlig anderes Leseerlebnis, das mich positiv überrascht hat. Wer aber sensibel auf Gewalt, Brainwashing und bildhafte Brutalität reagiert, für den ist dieses Buch vermutlich nichts.
Ganz toller Debütroman
Himmel ohne Ende von Julia Engelmann
Julia Engelmann war mit natürlich sofort ein Begriff. Ich war mal großer Fan der Poetry-Slammerin, habe auch einen ihrer Gedicht-Bände und war entsprechend neugierig auf ihr Romandebüt. Denn dass sie ein Gefühl für Sprache und Emotionen hat, hat sie ja bereits bewiesen.
Dieses Gefühl von Jugend, zwischen Verzweiflung und Verheißung wird hier gut eingefangen.
Die Geschichte fühlt sich ehrlich und echt an und Charlies emotionales Chaos geht unter die Haut. Es geht viel um die ganz alltäglichen Sorgen von jugendlichen, darum auszufinden wer man ist und wo der eigene Platz im Leben ist. Es geht um Freundschaft und um Familie.
Julia Engelmann wählt nahbare Themen, die vermutlich jeder schonmal durchgemacht hat und dadurch nachempfinden kann. Es ist ein warmherziges Buch, auch wenn Charlie oft hart mit sich und anderen ins Gericht geht. Es geht ums Fehler machen und ums Verzeihen.
Ich fand die Geschichte richtig toll erzählt, mit Ecken und Kanten rund um die Schlaglichter und Fallstricke der Jugend. Es ist ein schönes Buch, das auch zum innehalten und rekapitulieren der eigenen Jugend einlädt. Mochte ich sehr
Mehr Slow Burn geht nicht
Variation – Für immer oder nie von Rebecca Yarros
Romance von Rebecca Yaros ist wirklich jedes mal next Level. Und Ballerina trifft Rettungschwimmer ist eine Konstellation von der ich gar nicht wusste, dass ich sie brauche, aber man war das toll. Und irgendwie auf diese Helden-Art auch total sexy, gefährlich und was besonderes. Habs sehr geliebt.
Die Story ist voller Groll, Schmerz und alter Geheimnisse, die die Wucht haben, Leben zu zerstören.
Thematisch also auch sehr interessant aufgearbeitet, sodass neben der Lovestory auch sehr anderes zu passiert. Vor allem auch alles rund um die Welt des Balletts war super mitreißend und emotional aufgeladen. Habe da auch einfach richtig mitgefiebert.
Und Allie und Hudson waren einfach umwerfend. Die Anziehung war super greifbar und gleichzeitig waren die Zweifel und die Aufopferung der beiden super schmerzlich zu verfolgen. Trotzdem ist ihre gemeinsame Geschichte einfach sehr nahbar. Es gab viele schöne Schmacht-Momente, die einen mitten ins Herz treffen.
Ja was soll ich sagen? Habs quasi inhaliert, liebe es und will gerne mehr davon.
Omi macht Wahlkampf
Ihr habt es gut, ihr habt ja mich von Renate Bergmann
Hach Gott, ich liebe Renatchen. Ganz ehrlich diese Geschichte hat wieder so viel herrlichen Witz und Situationskomik (z.B. wenn Renate sich dreht wie eine Nackttänzerin im Rotlichtlokal)- schamlos und charmant zur gleichen Zeit.
Renates Sicht auf die Welt und ihre Zeitgenossen finde ich herrlich unterhaltsam.
Ich liebe es, wie sie ihre Bekannten aufs Korn nimmt und habe mehr als einmal schallend lachen müssen.
Die Kapitel sind wieder wunderbar kurze Episoden aus dem Leben der rüstigen Rentnerin. Dadurch kann man auch mal kurze Lesesessions einlegen, die einem den Tag versüßen. Und obwohl ich so ziemlich jedes Buch aus der Reihe gelesen habe, habe ich noch keine übermäßigen Dopplungen bemerkt, auch wenn bestimmte Leitmotive wie die Tupperdosen voll Beerdigungskuchen auch hier wieder ihren Auftritt haben. Das Buch ist voll von frischem Witz und Esprit, und kann dadurch auch wunderbar unabhängig gelesen werden.
Renates Blick auf die Lokalpolitik ist wunderbar offenherzig und erfrischend. Da fallen Begrifflichkeiten wie „das Leben auf der Aperol-Spur“, die einen immer wieder schmunzeln lassen und leider ziemlich zutreffend sind, wenn man selbst vom Dorf kommt. Bei uns wird Politik auch am Stammtisch gemacht.
Trotz des politischen Rahmenthemas, erzählt sie Omi aber gewohnt ausschweifend aus ihrem Leben und von ihren Erlebnissen, lässt sich eher über die Fortpflanzungsfreudigkeit der Familie des Gegenkandidaten aus, denn über tatsächliche politische Leitmotive.
Mir hats wieder unfassbar gut gefallen.
Parallelgesellschaften
Gesellschaftsspiel von Dora Zwickau
An sich wirft dieses Buch ja erstmal ein spannendes Gedankenexperiment auf: wenn eine einzige Stadt eine neue gesellschaftliche Struktur einführt- kann das funktionieren? Und wenn ja, wie? Und wie nach der Einführungsphase weitermachen?
Aber innerhalb des Textes werden noch so viel mehr aktuelle und brisante Themen behandelt und sehr spannend mit dem Thema KI verknüpft.
Ich fand der Leser wird anhand der Familie auch sehr nahbar an dieses Thema herangeführt. Die Figuren projizieren ihre Erwartungen und Hoffnungen in das Projekt.
Die zwischengestreuten Beiträge aus Foren oder Sozialen Medien passen zwar zum Inhalt und zur Aktualität, haben mich aber immer ein bisschen aus den Lesefluss/ Hörfluss gerissen. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und da waren zum Beispiel die Satzungsänderungen irgendwie irritierend weil man kurz dachte in einer Schleife festzuhängen.
Die Familiengeschichte hat mich anfangs gar nicht abgeholt, mich dann aber zunehmend doch interessiert. Gar nicht mal das Miteinander selbst, sondern wie unterschiedlich sich das Projekt auf ihre Leben, ihre Ansichten und Lebensumstände auswirkten. Das hat die Handlung dann doch sehr greifbar und menschlich gemacht.
Die thematische Verkettung von KI, Schutz der Demokratie und Onlinemedien fand ich sehr gelungen und sie regt eindeutig zum Nachdenken an. Die Idee war superstark, das Konzept des Buches selbst aber vllt noch ausbaufähig. Als Ansatz/ Denkanstoß aber super











