Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lies_ein_Buch:
Richtig coole Kombination aus Roman und Krimi-Elementen
Die Bibliothek meines Großvaters von Masateru Konishi
Bei dem Titel hab ich eher an einen cozy Familienroman gedacht und auch die Beschreibung lässt nicht mal ansatzweise erahnen wie überraschend anders dieses Buch ist. Für mich ein unerwartet grandioser Mix aus berührender Familiengeschichte und durchaus einnehmend kleinen Rätseln und mysteriösen Fällen.
Die Kapitel setzen sich wie kleine Einzelgeschichten über seltsame Vorfälle und mysteriöse Umstände zusammen, die von der Rahmen der Familiengeschichte von Kaedo und ihrem Großvater eingefasst werden. Sind die beiden anfangs eher außenstehende Beobachter, die die vorliegenden Fälle und Rätsel gemeinsam lösen, so werden die Figuren zunehmend selbst zum zentralen Gegenstand der einzelnen Vorfälle. Diese Entwicklung hat mir richtig gut gefallen.
Und auch das buchige Thema wurde hier toll umgesetzt, es gibt ein bisschen Name-Dropping, ein paar kleinere Buchbesprechungen und die Liebe zur Literatur vereint die Figuren.
Dieses Buch ist für mich wie eine Geschichte der Gegensätze: Neben den gewieften kleinen Gedankenspielen rund um Krimi/Mystery, in den Figuren eher distanziert sind, haben mir vor allem auch die beinahe zärtlichen Erzählsequenzen rund um das Verhältnis zwischen Kaedo und ihrem Großvater gefallen. Hier wird auf sanfte Art auf eine neurodegenrative Erkrankung, ihre Folgen und das Leben von und mir Betroffenen aufmerksam gemacht.
Melancholische Familiengeschichte trifft auf coole private Fallbesprechungen. Fand ich einfach super interessant und einnehmend. Für mich ein rundum gelungenes Buch
Richtig starker Auftakt, perfider Fall
Dunkle Sühne von Karin Slaughter
Karin Slaughter ist für mich eine der besten Thrillerautorinnen und ihre Bücher sind ein Garant für bitterböse Unterhaltung, die thematisch aber gerne mal an die Nieren geht. So auch hier: thematisch absolut grausig und beängstigend. Es raubt einem den Schlaf.
Das Setting ist mal wieder erstklassig: ein kleiner Ort, perspekivlose Trostlosigkeit und Bewohner, die einiges zu verbergen haben.
Vor diesem Hintergrund verschwinden zwei Mädchen und die Ermittlungen lassen keinen Stein auf dem anderen. Ich glaube thematisch beschreibt dieses Buch den Albtraum vieler Eltern: die eigenen Kinder kaum zu kennen, machtlos zu sein und sie Menschen anzuvertrauen, die es nicht gut mit ihnen meinen. Absolut beängstigend und aufwühlend. Und was hier an Geheimnissen offenbart wird, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.
Emmy ist eine coole Protagonistin, die selbst keinen leichten Stand hat und auch ihre Familiengeschichte lässt einiges an Schmerz und Leid erahnen. Trotzdem ist sie tough unf lässt nicht locker. Ungefähr in der Mitte der Buches gab es aber eine Entwicklung rund um Emmy und ihre Familie, die mich irgendwie ein bisschen aus der Handlung rausgerissen hat. Plötzlich wurde da eine völlig neue Baustelle eröffnet, die ich absolut nicht gebraucht hätte.
Spannungstechnisch wär sicherlich mehr möglich gewesen und vor allem der Zeitsprung von über einem Jahrzehnt ist nicht so ganz nach meinem Geschmack. Da der Plot aber insgesamt stimmig konstruiert und die Geschichte dadurch sehr rund ist, hats mir trotzdem gut gefallen. Und ich könnte mir das perfekt verfilmt vorstellen, weil die Geschichte sehr szenisch und bildhaft geschrieben ist
Verfall
Junge Frau mit Katze von Daniela Dröscher
Betrogen vom eigenen Körper, im Zustand stetiger Ungewissheit, weitergereicht innerhalb des Gesundheitssystems- das ist vermutlich ein Zustand in dem sich der eine oder andere wiedererkennt. Wir leben immer länger, aber auch besser? Ich mochte den Schreibstil dieses Buches richtig gern und der Erzählstil- das Rätsel eines Körpers, die Geschichte einer jungen Frau, ihrer Mutter und den Beziehungen zueinander und zum weiblichen Körper- hat mir ziemlich gut gefallen.
Die Protagonistin bewegt sich in einem Zustand zwischen Panik und Resignation was ihr körperliches und seelisches Befinden angeht. Als gebe es nur genau diese zwei Zustände- nichts tun oder von einem Arzt zum nächsten Hetzen wie ein Teil einer medizinischen Schnitzeljagd. Thematisch eher nicht so leicht, aber verständlich und nahbar rübergebracht. Denn was kann es schlimmeres geben, als dem eigenen Körper beim Verfall und sich selbst beim Sterben zu beobachten?!
Die Geschichte beleuchtet wie Elas Gesundheitszustand nicht nur ihr eigenes Leben belastet und beeinträchtigt, sondern auch das ihres Umfeldes, der Menschen die für sie da sind und die ihrerseits auf Ela zählen. Es wird immer die Frage aufgeworfen, ob es bei Elas Symptomen einen kausalen Zusammenhang gibt. Bestimmt der Körper die Psyche oder die Psyche den Körper? Oder bedingen sie sich gegenseitig in einem riesigen Teufelskreis, der droht Elas Leben entgleiten zu lassen und sie in einen Strudel aus Angst, Verzweiflung, Schuld und Wut zu reißen.
Das Ende fand ich zwar etwas ungelenk, weil die finale Erklärung etwas weit hergeholt fand, aber insgesamt war das ein super starker Roman darüber, was es bedeutet krank zu sein und über die Suche nach Antworten.
Cooler Mix aus Grusel und Fantasy
Bite Risk - Kein Entkommen von S.J. Wills
Ich fand die Idee des Buch eigentlich richtig cool: ein Virus zwingt Menschen dazu, die bei Vollmond in Werwölfe zu verwandeln, nur Kinder unter 14 Jahren haben die Wandlung noch nicht vollzogen und sichern daher ihre Heimatort. Und dabei geht nicht nur einiges schief, sie entdecken dabei auch eine größer angelegte Verschwörung.
Ganz ehrlich: als Teenie hätte ich dieses Buch geliebt, weil es eine gute Mischung aus leichtem Grusel, coolen Monstern und überraschender Dystopie ist. Und als als Erwachsener fand ich das Buch durchaus ansprechend.
Der Plot ist anfangs relativ simpel, schlägt aber schnell immer größere Kreise, mit denen ich so überhaupt nicht gerechnet habe. Dadurch wird es schnell bedrohlich und auch spannend. Die größere Verschwörung kam jetzt nicht völlig unerwartet, dafür war einfach von Anfang an zu viel suspekt bzw. unerklärt, war aber cool angelegt.
Die Mischung aus Dystopie und Fantasy funktioniert hier eigentlich ziemlich gut, wird jetzt aber auch nicht wahnsinnig vertieft. Hat sich gut lesen lassen, die Figuren waren ansprechend angelegt und ich hatte einfach Spaß mit der Story.
Ein Pakt mit dem Teufel
Glory of Broken Dreams von Ruby Braun
Also erstmal: die reine Aufmachung des Buches finde ich super gelungen, es ist ein echter Eyecatcher im Regal und gefällt mir ohne Schutzumschlag sogar noch besser. Bei der Handlung bin ich zwiegespalten, weil ich vor allem mit Charlotte so ein bisschen zu kämpfen hatte, die Fantasyelemente mir aber richtig gut gefallen haben.
Insgesamt wars mir fast nicht düster genug.
Die Story hat so einen magisch märchenhaften Touch an sich, alles rund um das sagenumwobene Hotel und seine Fähigkeit Träume wahr werden zu lassen ist super fantasievoll ausgestaltet und wirkt anfangs fast schon romantisch verklärt. Aber natürlich ist im Hotel Lichtenstein nichts so, wie es scheint.
Die Geschichte von Charlotte fand ich fast schon etwas oberflächlich und mädchenhaft naiv. Viel zu spät beginnt sie überhaupt zu hinterfragen, was vor sich geht und wieso ihr so unnachgiebig von der Anstellung im Hotel abgeraten wurde.
Willem Storyline fand ich dagegen sehr spannend und ansprechend. Sie wirkt düsterer, geheimnisvoller und schroffer. Dadurch bildet sie einen schönen Kontrast zu der von Charlotte. Das mochte ich sehr;
Ich finde das Buch wird im Verlauf immer spannender und Geschichte faszinierenden, umso mehr Willem bei seinen Nachforschungen herausfindet. Der ganze Varieté-Charakter hat mir auch super gut gefallen und man fliegt geradezu durch die Seiten, weil sich das Buch so leicht und flüssig liest.
Hat auf jeden Fall noch Potential für den zweiten Band und insgesamt fand ichs gut mit kleinen Schwächen
eine mutige Frau, die Grenzen auslotet
Mein Name ist Emilia del Valle von Isabel Allende
Ich lese Bücher von Isabel Allende immer sehr gerne, weil die Autorin es einfach hervorragend versteht eine sehr einnehmende Atmosphäre zu erschaffen. Thematisch hab ich mich hier anfangs sehr schwer getan, nicht nur weil die Story ganz schön klischeehaft anmutet, sondern das Schicksal von Emilias Mutter Molly fast schon schmerzliche Naivität ausstrahlte.
Wirkte direkt irgendwie altbacken.
Zum Glück schlägt die Geschichte schnell einen ganz anderen Ton an, nämlich als es um Emilia selbst geht, die sich in einer Männerdomäne unter Pseudonym zu beweisen versucht. Sie macht viele für die Frauen ihrer Zeit unübliche Erfahrungen, ist unerschrocken und lebenshungrig. Ihre forsche Art ist einfach super mitreißend und ich habe begeistert ihre Reisen und Erfahrungen verfolgt.
Ich mag den dichten Erzählstil und die abenteuerlich angehauchte Geschichte. Die Eindrücke die man dabei von Chile und dem tosenden Bürgerkrieg gewinnt sind bildhaft und eindringlich. Emilia begibt sich mehr als einmal in Gefahr und ich habe ihr Schicksal mit angespannter Begeisterung verfolgt. Und dann das Ende: ganz ehrlich, selten sowas vortreffliches gelesen.
Für mich eines der stärksten Bücher der Autorin.
Ultra genialer Vibe
Bestie von Joana June
Es gibt so Bücher, die bewegen sich zwischen Realität und Fiebertraum und genauso ein Buch ist „Bestie“ für mich. Ich hab den Vibe der Geschichte so geliebt, die flirrende Atmosphäre Hamburgs und die ambivalenten Gefühle der Protagonistin die alles nur nicht sie selbst ist.
Ich finde Frau-Sein, beliebt sein, begehrt sein, einfach nur gewollt und gesehen sein- das alles wird hier richtig gut eingefangen.
Die Geschichte hält dem schönen Schein von Social Media den Spiegel vor. Diese viel Schein, wenig Sein wird pointiert rübergebracht, kleine Episoden, kompromittierte Anekdoten, die unschönen Seiten des Leben wegretuschiert. Anouk inszeniert sich selbst
Auch die Dynamik von Frauen-Freundschaften wird hier beeindruckend wiedergegeben, das sich messen, abwägen, konkurrierend.
Im letzten Dritten nimmt das Buch eine seltsame Wendung, distanziert sich gefühlt von sich selbst, wird abstrakter, inhaltlich und von der Erzählweise her. Da wird nochmal eine ganz neue Dimension und Erzählebene eröffnet und ich weiß nicht so recht, ob mir das gefallen hat. Was mir dann aber wieder richtig gut gefallen hat war das letzte Kapitel, das Ende.
Insgesamt ein Buch, was ich sehr genossen hab und wo ich froh bin es entdeckt zu haben
Alternative Realität
Bestie von Joana June
Die Idee hinter der Story fand ich gleichwohl skurril wie faszinierend, weil sie dieses „was wäre wenn“ beleuchtet, das wohl in jedem von uns auf irgendeine Art gärt. Und ganz nebenbei beleuchtet es dabei Mutterschaft, Beziehung, Familie, soziale Strukturen und das Gefühl, dass der eigene Körper nicht mehr einem selbst gehört.
Die Geschichte wird in zwei parallelen Handlungsträngen erzählt, die die alternativen Realitäten von Tonis Leben darstellen. Und diese könnten nicht unterschiedlicher sein, drehen sich aber beide um Tonis Fokusthema Mutterschaft. Und eröffnen dem Leser damit den Blick auf die ungeschönte Auseinandersetzung mit der „das habe ich mir so aber nicht vorgestellt“.
Tonis alternatives Leben fühlt sich falsch, übergestülpt und unverdient an. Sie merkt was fehlt, wo sie aneckt, mit sich selbst hadert und kämpft. Da sie den direkten Vergleich zu ihrem alternativen Leben hat, wirkt das bewusster, gleichzeitig emotional aufgeladener. Ich habe die Handlung teilweise mit Schrecken, aber auch einem gewissen Amüsement und über Tonis Umfeld verfolgt.
Thematisch fand ich das Buch super nahbar und Toni emotional sehr authentisch. Das Buch hat einiges in mir bewegt, zum Nachdenken angeregt und trotzdem gut unterhalten.
Es verschwinden Mädchen im Prater
Der Totengräber und die Pratermorde,2 Audio-CD, 2 MP3 von Oliver Pötzsch
Ich hab diese Reihe historischer Kriminalromane und die zentralen Figuren über die Bücher hinweg echt liebgewonnen.
Vor allem das Wiener Lokalkolorit gefällt mir nach wie vor richtig gut. Für mich war dies der erste Band der Reihe, den ich als Hörbuch gehört habe und der Wiener Dialekt vor allem von Rothmayer kommt hier super zum Tragen.
Das macht das Erleben der Geschichte für mich nochmal eine Spur authentischer.
Das Buch beginnt wie aus der Reihe bereits bekannt mit einem düsteren Szenario und einem Todesfall, auch wenn diese auf den ersten Blick vorerst nicht zusammenhängen.
Alles rund um die Magierfehde und die Tricks hat mir richtig gut gefallen und war thematisch perfekt für diese Reihe geeignet.
Das eigentliche Kernthema des Buches, welches auch titelgebend ist, taucht aber erst nach ungefähr einem Viertel der Geschichte intensiver auf, was für meinen Geschmack zu spät war.
Stattdessen geht es viel um die Beziehung zwischen Leo und Julia, was ich so langsam etwas ermüdend finde. Ein unerwartetes Highlight war für mich Rotmayer, den man hier nochmal von einer anderen Seite erlebt. Er und Anna sind meine nicht ganz so heimlichen Lieblinge.
Ich fand die Geschichte wieder angenehm stimmungsvoll, auch wenn das Tempo größtenteils eher gemächlich ist. Viel mehr geht es um die allgemeine Atmosphäre im Prater und das Schaustellerleben. Mochte ich sehr und kann vor allem auch das Hörbuch sehr empfehlen.
Eindringlich
Strandgut von Benjamin Myers
Ich mag Bücher von Benjamin Myers, aber auf dieses Buch war ich irgendwie nicht gefasst. Die Geschichte beginnt melancholisch, geradezu elendig, geprägt von Sucht, Verlust, Trostlosigkeit. Ich habe das Buch als aufwühlend empfunden, gleichzeitig rüttelt es etwas im Leser wach, eine Mischung aus Demut über das eigene, gute Leben und der euphorischen Dankbarkeit Teil dieser wilden Welt zu sein.
Buckys Geschichte ist entrückend, emotional aufwühlend und von besonderer Tragik. Ein Leben voller verpasster Chancen, missgünstiger Umstände und der Tristess eines nicht genutzten Potentials.
Buckys Tage in England gleichen einer wilden Odyssee zwischen Entzug und neu entdeckter Prominenz. Mit Freude habe ich seine Entwicklung von absoluten Unglauben hin zu sanfter Freude und ehrlicher Hoffnung verfolgt.
Mit Dinah teilt Bucky ein paar offene und ehrliche Momente, rekapituliert dabei sein Leben, die Beziehung zu seiner verstorbenen Frau, seine Trauer und seine Sucht. Und innerhalb dieser kurzen Bekanntschaft verändert Dinah Buckys Leben. Aber auch beeinflusst ihres. Und ich finde, das ist das schöne an dieser Geschichte: wie Fremde Einfluss auf das eigene Leben nehmen, zu Freunden werden und man aneinander und miteinander wächst.
Die Erzählung schwenkt immer wieder zwischen Gegenwart und Buckys Erinnerungen hin und her; die Übergänge fast schon fließend, was eine besondere Stimmung innerhalb der Handlung schafft.
Ich habe es als feinfühlige, aber trotzdem eindringliche Geschichte empfunden, die viel in mir bewegt hat.










