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Rezensionen von peedee:
Plötzlich Gazillionär
Liebe in Aussicht von Catherine Bybee
Ein Milliardär fürs Glück, Band 1: Chase und seine Schwester Alex erben nach dem Tod ihres Vaters überraschenderweise dessen Firma und Vermögen, und nicht Melissa, die Ehefrau Nummer 3. Testamentarisch gibt es jedoch eine Bedingung: Sie müssen ihren Halbbruder finden, von dem sie bisher noch nie gehört haben.
Piper hat fünf Jahre als Assistentin für Aaron Stone gearbeitet, wurde aber kurz vor seinem Tod gekündigt. Chase steht vor ihrer Tür und bittet sie, zurückzukommen. Seine Schwester und er brauchen ihre Hilfe. Piper sagt zu, denn sie braucht das Geld. Dummerweise mag sie Chase sehr – aber sie hat ein Geheimnis…
Erster Eindruck: Wie immer ein sehr schönes Cover bei den Büchern von Catherine Bybee.
Das Verhältnis von Chase und Alex zu ihrem Erzeuger war… nicht existent. Als ihre Eltern sich scheiden liessen, waren sie noch Kinder. Ihr Vater hat sich nicht für sie interessiert. Mittlerweile erwachsen, haben Chase und Alex sich beruflich etabliert, und sich nie mit dem Unternehmen Stone Enterprises befasst. Die Testamentseröffnung war daher ein grosser Schock – über Nacht Milliarden zu erben, kann einen schon durcheinander bringen. Miteinher geht selbstverständlich die Verantwortung für all die vielen Mitarbeiter. Wenn da nur nicht dieses Rätsel wäre – einen unbekannten Halbbruder zu finden, von dem rein gar nichts bekannt ist, weder sein Name noch derjenige seiner Mutter.
Mir haben Chase und Alex gleich gut gefallen, ebenso Vivian, deren Mutter. Und Piper mit ihrem Rottweiler „Kit“, genannt „Kitty“. Für Piper lief es gerade nicht so gut, denn sie hat unfairerweise ihren Job verloren, den sie so dringend braucht. Und da wäre ja noch ihr Geheimnis… Es war so witzig, dass Piper sich nicht scheute, klare Worte in den Mund zu nehmen und auch nicht von den Milliarden beeindruckt war. Sie hat Chase gleich „Mr Gazillionär“ genannt. Es war auch amüsant, wie Chase versuchte, sich bei „Kitty“ beliebt zu machen.
Wie kann dieser Halbbruder gefunden werden? Wer kann bei der Suche helfen, ohne dass es die Medien gleich mitkriegen und die Sache zur Katastrophe für das Unternehmen wird? Die Zeit läuft und die Anteilseigner warten nur darauf, dass Chase und Alex versagen…
Das Buch war, trotz der 459 Seiten, wie gewohnt schnell ausgelesen. Und? Hach, das war so schön! Von mir gibt es zweifellos 5 Sterne und ich freue mich sehr auf die Fortsetzung.
Achterbahn der Gefühle
Der Brieffreund aus Svealand von Frieda Lamberti
In einem Moment war Ana zufrieden mit ihrem Leben, im nächsten Moment wird ihr der Boden unter den Füssen weggerissen, da ihr ihr Mann Olli mitteilte, dass er ausziehen werde. Warum nur? Und was soll nun aus ihr und Sohn Daniel werden? Nach einiger Zeit beschliesst sie, Tjorben in Schweden zu besuchen.
Sie haben früher zusammen mit Olli eine WG gehabt und waren trotz seiner Auswanderung nach Schweden immer in Kontakt. Ana wollte ihn überraschen, findet aber nur Jördis vor, die sich als seine Freundin vorstellt. Da er an seinem neusten Drehbuch schreibe, sei er in seinem Landhaus; er ist telefonisch nicht erreichbar. Ana ist verzweifelt, hat sie sich doch so sehr Trost und Unterstützung von Tjorben gewünscht. Sie versteht die Männer einfach nicht…
Erster Eindruck: Ein schönes winterliches Cover – gefällt mir sehr gut.
Das muss schon ein heftiger Schlag sein, wenn einem – nichts Böses ahnend – plötzlich gesagt wird, dass man eine innere Leere verspüre, nicht glücklich sei und deshalb ausziehen werde. Boom! Die Frage nach dem Warum ist omnipräsent. Hätte ich etwas merken müssen? Hat er eine andere? Was fehlt ihm in der Beziehung? Olli mauert jedoch und sagt nur lapidar, dass er da selbst wieder rauskommen müsse. Es ist zum Verzweifeln, wenn man so viele Fragen hat und gar keine Antworten darauf erhält.
Ana hat mir sehr gefallen, ebenso der kleine Sohn Daniel. Und es war auch schön zu sehen, wie die beiden Grosseltern-Paare sich bei der Betreuung von Daniel miteinbringen. Dies erleichtert Ana ihren Alltag enorm, denn schliesslich muss sie Geld verdienen und Olli fällt nun aus, um Daniel irgendwo abzuholen oder ihn zu beaufsichtigen. Es ist schwer für Ana und ihre Emotionen fahren Achterbahn…
Für mich war dies kein Liebesroman, sondern eher ein Familiendrama. Die Brieffreundschaft, die der Titel erwähnt, ist so gut wie nicht existent (einmal im Jahr Geburtstags- bzw. Weihnachtsgrüsse zu verschicken, ist für mich keine Brieffreundschaft). Dass der Brieffreund in Svealand lebt, ist ebenfalls irrelevant. Das Buch ist auch keine Winter- oder Weihnachtsgeschichte, auch wenn anhand des Covers darauf geschlossen werden könnte. Aber – nun kommt das Aber – das heisst nicht, dass mir die Geschichte nicht gut gefallen hat. Denn das hat sie nämlich, sogar sehr gut. Ich war sehr gespannt, wie die Geschichte ausging und ich sage nur so viel: Mit diesem Ende habe ich definitiv nicht gerechnet. Von mir gibt es 4 Sterne.
Gute Fortsetzung
Salute - Die letzte Fahrt von Friedrich Kalpenstein
Lanza & Zeitler, Band 2: Nicht einmal in Ruhe den morgendlichen Spaziergang kann Paul „Paolo“ Zeitler, Ex-Hauptkommissar aus München und Inhaber des Café „Monaco“, geniessen, denn er sieht einen Hundehalter in voller Montur ins Wasser springen, um zu einem leblosen Körper zu gelangen. Er kommt zu Hilfe, doch leider ist es für Bootsbauer Vincenzo Morelli zu spät.
Commissario Lorenzo Lanza ist sich sicher, dass es kein Unfall war. Und er ist wenig überrascht darüber, dass Zeitler schon wieder in einen seiner Fälle involviert ist…
Erster Eindruck: Das Cover in den Farben Grün, Schwarz, Weiss gefällt mir – ich mag den Retro-Stil.
Dies ist Band 2 der Reihe, kann aber ohne Kenntnis des Vorgängerbandes gelesen werden.
Der Verstorbene leitete zusammen mit seinem Bruder Marco das Bootsbauunternehmen in zweiter Generation. Doch das steht mehr als auf der Kippe, denn Vincenzo ist spielsüchtig und Marco hat nicht das handwerkliche Geschick wie sein Bruder, um das Unternehmen alleine führen zu können. Wieso trug Vincenzo so viel Geld auf sich?
Paul fühlt sich am Gardasee angekommen. Witzig ist, dass er nach wie vor nicht mehr als ein paar italienische Floskeln kann. Da hat er wirklich Glück, dass die umliegenden Geschäftsinhaber alle Deutsch sprechen. Und auch der Commissario spricht gut Deutsch. Zeitler hätte nicht gedacht, dass es so bald zu einem Wiedersehen mit ihm kommt. Lanza hat einen sehr trockenen Humor, denn er sagt zu ihm: „Ich werde unsere Techniker bitten, bei jedem weiteren Mordfall automatisch ein Formular mit Ihren Daten anzulegen.“ Das ist doch effizient, oder?
„Schau nicht so weit nach vorne und nicht so weit nach hinten. Sonst übersiehst du das Hier und Jetzt.“ (Sofia)
Mir hat die Entwicklung der „Beziehung“ der Herren Lanza und Zeitler gefallen – langsam wissen die beiden Alphatiere, wie sie am besten miteinander umgehen müssen (von Freundschaft sind wir jedoch noch weit weg). Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und ich mag Zeitler & Co. Nichtsdestotrotz liegt Kommissar Tischler aus der Provinzkrimi-Reihe gegenüber Neo-Barista Zeitler vom Gardasee-Krimi immer noch weit vorne. Von mir gibt es für „Die letzte Fahrt“ 3 Sterne.
Atmosphärisch, düster, bedrückend
Kummersee von Iver Niklas Schwarz
Dreissig Jahre nach dem Tod ihres Bruders im Kummersee kehrt Lena aus beruflichen Gründen in ihre alte Heimat zurück. Als Polizistin ist sie für den Schutz eines Vermesserteams zuständig, das den See als potenzielle Endlagerstätte prüfen soll. Nicht nur Umweltaktivisten sind gegen dieses Projekt, nein, auch die Dorfbewohner revoltieren.
Als bizarre Morde passieren, sind auch die alten Schauergeschichten wieder präsent und Lena fühlt sich erneut wie eine Neunjährige, die im See ihren Bruder verloren hat. Was lauert unter der Wasseroberfläche? Hört dies denn nie auf?
Erster Eindruck: Das Cover wirkt bedrohlich, ebenso der Buchtitel.
Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt: Gegenwart sowie ab Ende der 1980er Jahre. Der Wechsel der Zeit ist jeweils gut angegeben.
Die Kinder Tom und Lena haben sich über das Verbot, sich dem Kummersee zu nähern, widersetzt und haben ein Loch im Zaun genutzt, um zum See zu kommen und sodann darin zu schwimmen. Diesen Ausflug hat Tom nicht überlebt! Lena hat Merkwürdiges gesehen, doch keiner glaubt ihr…
Kaum hatte ich den Prolog gelesen, hatte es mich schon gepackt. Nein, natürlich nicht das Böse unter der Wasseroberfläche, sondern die Neugier, wie das alles ausgehen wird. Durch die Beschreibungen fühlte ich mich wie unter einer Smogglocke, die über mir und der ganzen Geschichte übergestülpt war, nur mit dem Bösen, Düsteren, Mysteriösen. Diese Stimmung hielt sich bis zuletzt.
Als das Vermesserteam und die Polizei durch das Dorf zum See fahren, stehen bei jedem Haus die Bewohner draussen – in Trauerkleidung und mit bösen Mienen. Das ergab für mich ein sehr eindrückliches Bild. Ich hätte da die Beine unter die Arme genommen und wäre so schnell wie möglich wieder abgereist. Ich konnte jedoch gut verstehen, dass Lena mit dem Kummersee „noch eine Rechnung offen hatte“. Wie kann ein Kind dieses tragische Ereignis verarbeiten? Wie konnten ihre Eltern nach dem Tod von Tom noch dort wohnen bleiben? Und wieso war dieser See überhaupt so abgeriegelt? Wer oder was sollte geschützt werden?
„Der Kummersee hat die Eigenschaft, die Zeit einzusaugen, durchzukauen und völlig deformiert wieder auszuspucken. Jahre verrinnen gefühlt binnen Stunden. Minuten blähen sich zu Tagen.“
Je weiter die Geschichte fortschritt, desto mehr Fragen hatte ich. Es konnte mir sodann auch fast nicht genügend schnell gehen, die Seiten zu lesen. Ich musste einfach wissen, was da los war! Fazit: Dieser Pageturner – ein Mix aus Thriller, Mystery und History – ist ein absolut gelungenes Debüt; bravo! 5 Sterne.
Das war schön!
Für immer ab jetzt von Julie Shackman
Als Hochzeitsplanerin in einem Luxushotel ist Sophie allerhand Launen von Bräuten und Brautmüttern gewohnt. Aber als sie die Hochzeit einer Freundin verschieben soll, um einer verwöhnten Kundin entgegenzukommen, kann sie dies nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren – und kündigt! Kein Job, was nun? Ihre verstorbene Grossmutter hat ihr wertvolle Teeservices hinterlassen und einen Laden gekauft.
Sophie soll ihrer gemeinsamen Leidenschaft, dem Porzellan, frönen und ein Geschäft in Briar Glen eröffnen. Als sie ein aussergewöhnliches Teeservice mit einem geheimnisvollen Brief von einer ihr unbekannten Frau erhält, ist ihre Neugier geweckt. Xander, Keramikexperte und Auktionator, soll ihr bei den Recherchen helfen…
Erster Eindruck: Ein stimmungsvolles Cover – gefällt mir.
Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt: Gegenwart sowie ab 1900 bzw. ab 1970. Der Wechsel der Zeiten ist jeweils gut angegeben.
Sophie hat mir gleich gut gefallen, da sie – Luxushotel hin, Luxushotel her – für ihre Überzeugungen einsteht und sich nicht von verwöhnten Bräuten auf der Nase rumtanzen lässt. Die Konsequenz, dass sie kündigt, hat sie dann zu tragen. Bravo, Sophie! Beim Ausräumen des Hauses der vor kurzem verstorbenen Grossmutter mütterlicherseits findet sie wunderschöne Teeservices und erfährt, dass ihre Oma ihr tatsächlich einen Laden für die Eröffnung eines Porzellangeschäfts gekauft hat. Woher hatte ihre Oma diese wertvollen Garnituren? Und wieso hat sie ihr einen Laden gekauft? Im Gespräch mit der Vorbesitzerin des Ladens erfährt sie weiter, dass ihrer Oma sehr wichtig war, dass es ausgerechnet dieses Geschäft sein sollte. Wieso genau dieses? Sophie und ihre Mutter stehen vor einem Rätsel. Das Rätsel wird noch grösser als eine ihr unbekannte Frau eine Kiste mit einem aussergewöhnlichen Teeservice abgibt und einfach verschwindet. Xander, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Keramik, soll Sophie helfen, Licht ins Dunkel zu bringen…
„Die blaue Rose steht für Träume, die vielleicht niemals wahr werden, beziehungsweise für Dinge, die über das menschliche Fassungsvermögen hinausgehen.“
Es hat mich sehr berührt, über die gemeinsame Leidenschaft von Oma und Enkelin zum Porzellan zu lesen. Als Leser:in erfährt man einiges über die Grossmutter, was die Protagonisten in der Geschichte nicht wissen. Das hat mir den einen oder anderen Seufzer entrissen. Die 400 Seiten waren im Nu ausgelesen und ich war doch etwas traurig, als die letzte Zeile beendet war. Nach dem Lesen der Geschichte erscheint mir das Cover jedoch unpassend. Von mir gibt es 5 Sterne.
Zwei Fremde im Gespräch
In einem Zug von Daniel Glattauer
Eduard Brünhofer, gefeierter Autor von Liebesromanen – eigentlich müsste ich sagen, ehemals gefeierter Autor, denn er hat schon lange nichts mehr veröffentlicht –, sitzt im Zug von Wien nach München. Er ist nicht der grosse Redner, sondern eher der Schweiger, Nicker. Doch die jüngere Frau, die sich als Catrin Meyr vorstellt und ihm schräg gegenüber sitzt, sieht das anders: Sie will sich mit ihm unterhalten, und zwar über die Liebe.
Und was sie will, das kriegt sie auch. Es wird eine lange und unangenehme Reise werden, sofern sie nicht bald aussteigt…
Erster Eindruck: Mir gefällt die zweifache Interpretationsmöglichkeit des Buchtitels.
Grundsätzlich ist man ja höflich, auch im Umgang mit fremden Menschen. Daher kann man der Passagierin, die in Eduards Abteil Platz nehmen will, diesen nicht verweigern. Und leider kann er ihr auch nicht das kurzum begonnene Gespräch ausreden. Er hofft, dass sie – wie die jungen Leute heute eben so sind – kurzum ihr Handy zücken und im World-Wide-Web versinken wird. Aber nein. Catrin hat anderes im Sinn. Als sie von ihm erfährt, dass er seit vielen Jahren glücklich verheiratet ist, will sie alles über ihn, seine Frau Regina – genannt Gina – und die Liebe im Allgemeinen wissen. Wie kam es, dass er sich ausgerechnet dem Genre Liebesroman verschrieben hat? Und wie ist seine Frau so? Was hält sie davon, dass er auch mal „heisse“ Szenen beschreibt? Und so weiter und so fort.
„Ich liebe zwar die Menschen, ich liebe sie wirklich, aber eher schriftlich und durchaus in ihrer Abwesenheit.“
Das Buch (bzw. Büchlein) hat sich flüssig lesen lassen und war aufgrund des geringen Umfangs sehr schnell beendet. Die Geschichte war amüsant, unterhaltsam und bot auch Überraschendes. Am meisten erstaunt war wohl Eduard, als er plötzlich Gefallen an diesem Gespräch fand. Mir hat die lesetechnische Reise von Wien nach München sehr gut gefallen und daher vergebe ich gerne 4 Sterne.
Viel Stoff zum Nachdenken
In der Ruhe liegt die Kraft von Jennifer Dukes Lee
Immer schneller, höher, weiter! So lautet vielerorts das Credo. In der Geschäftswelt soll immer alles optimiert und beschleunigt werden und auch im Privatleben sollte vieles immer schneller gehen. Stopp! Die Autorin will den Weg zu einem entschleunigten Leben anhand des Lebens auf dem Land und dem Rhythmus der Jahreszeiten aufzeigen.
Kleine Dinge, die im Stillen wachsen und grosse Wunder darstellen…
Erster Eindruck: Ein unaufgeregtes, klares Cover – gefällt mir sehr gut.
Der Buchtitel ist in Verbindung mit dem Leben auf dem Land im Allgemeinen und in Bezug auf das geistliche Wachsen im Speziellen sehr gut gewählt.
Die Autorin hat ihr Buch anhand der Jahreszeiten in vier grosse Teile gegliedert: „Frühjahrsaussaat“, „Sommerwachstum“, „Herbsternte“, „Winterruhe“. Ich liebe die vier Jahreszeiten – obwohl ich sie nicht alle gleich gerne mag: Frühling, Zeit des Aufbruchs (meine Lieblingsjahreszeit); Sommer, Zeit der Unbeschwertheit; Herbst, Zeit des Rückzugs; Winter, Zeit der Besinnung.
Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Mir hat ihr Schreibstil sehr gut gefallen, ebenso der Mix von Auszügen aus ihrem persönlichen Leben und der Bibel. Als Stadtkind wollte sie nie auf dem Land wohnen – und wo ist sie gelandet? Genau! Ihr Mann hat Jura studiert und bewirtschaftet nun die Farm – war sein Studium vergebens? Mitnichten. Sprüche von „Wohlmeinenden“, als sie aufs Land zogen und ihr Leben änderten, gab es genug. Aber was berechtigt Menschen, die Zukunftspläne anderer zu kritisieren? Wichtig scheint mir in diesem Zusammenhang, dass man sich nicht mit anderen vergleichen sollte (daran muss ich arbeiten, denn bei Vergleichen mit anderen ziehe ich oft den Kürzeren).
„Eine Maispflanze vergleicht sich nie mit der Pflanze neben ihr. Sie kämpft nicht gegen die Uhr an und zweifelt nicht daran, dass es eine Ernte geben wird.“
Ich habe mir so viele Dinge markiert, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Dazu gehören z.B. die folgenden Punkte: Träume dürfen ändern; keine Angst zu haben, bei langsamerem Tempo etwas zu verpassen; wir leiden unter Ablenkung und Ungeduld. Ein sehr interessanter Input war für mich auch, dass man negative Gefühle zeitlich begrenzt zulassen solle – und sie dann loslassen. Von mir gibt es 4 Sterne.
Wer jagt wen?
Der Kalmar von Sunil Mann
Marisa Greco und Bashir Berisha, Band 3: Herbert Russo, trotz des deutschen Vornamens ein waschechter Italiener, hat den Auftrag seiner Familie auszuführen und den untergetauchten Mafiaboss Lorenzo Sposato zu töten. Jahrelang konnte Russo in der Schweiz unter dem Radar leben, aber nun muss er handeln – oder er wird in Kürze selbst nicht mehr leben.
Privatermittler Marisa Greco und Bashir Berisha finden heraus, dass ein renommierter Anwalt mit Immobilien Geldwäsche im grossen Stil betreibt. Dieser erfährt jedoch, dass die beiden mehr wissen als sie sollten…
Erster Eindruck: Das Cover mit dem Gangster und einer Szene aus Zürich gefällt mir ausgezeichnet.
Dies ist Band 3 einer Reihe, kann aber unabhängig von den Vorgängerbänden gelesen werden (das Auslassen der spannenden Bände 1 und 2 geschieht jedoch auf eigene Gefahr!). Mir gefällt, dass es auch zum Wiedersehen mit einigen Protagonisten aus früheren Geschichten kommt.
Die Mafia hat ihre Leute im Blick, deponiert mal eben Pistolen mit Schalldämpfer für den nächsten Auftrag, bedroht diejenigen, die es wagen aufzubegehren… Herbert Russo, der Kalmar, der jahrelang unbehelligt in der Schweiz einen Feinkostenladen betreiben konnte, muss wieder als Auftragskiller arbeiten. Der Familie widersetzt man sich nicht. „[…] bei ihnen, da hält sich die ganze Familie an die Omertà, Schweigen ist gleichzusetzen mit Ehre. Ein unerschütterlicher Grundsatz.“ Da er sich um seine Frau und die beiden Kinder sorgt, hofft er, dass dieser Job der letzte dieser Art sein wird. Es läuft jedoch nicht rund für ihn. Es war zuweilen richtiggehend amüsant, wie er von einer verpassten Chance zur nächsten stolperte. Russo stellt fest, dass er offenbar nicht allein auf der Suche nach Sposato ist. Doch wer ist die eine Frau, die ihm in die Quere kam?
Marisa findet in den Unterlagen ihres verstorbenen Mannes einen USB-Stick mit Hinweisen auf Geldwäscherei seines früheren Arbeitgebers. Was ist da dran? Sie und Berisha gehen dem nach.
Joy, Faith und Belén sind Sans Papiers und seit vielen Jahren illegal in der Schweiz. Die Einblicke in ihren Alltag fand ich zutiefst deprimierend. „Sie stecken seit Jahren fest, obschon sie sich abmühen, geht es keinen Schritt vorwärts und ein Zurück kommt unter keinen Umständen infrage.“
Die Situation der Sans Papiers in der Schweiz, die früheren Gastarbeiter aus Italien, die Mafia und ihre grosse Reichweite sowie Geld und Gier sind nur einige der behandelten Stichworte. Die Geschichte wurde aus vielen verschiedenen Blickwinkeln erzählt; dies war sehr komplex und ich musste konzentriert lesen. Eine spannende und rasante Geschichte, die sich – man mag es kaum glauben – innerhalb eines Tages abspielt. Von mir gibt es 5 Sterne.
Wenn der Weihnachtsmann verstummt
Der Weihnachtsmannmord von Anja Marschall; Carolyn Srugies
Das Traditionskaufhaus Härtling beschäftigt Eddi, den Weihnachtsmann, der täglich zwei Shows bietet und bei den Besuchern sehr beliebt ist. Doch dass seine letzte Show auch seine allerletzte sein würde, hat niemand erwartet – er fiel aus dem vierten Stock in den Tod. Ladendetektiv und pensionierter Polizist Kurt vermutet, dass Eddi ermordet wurde, denn mit seiner kriminellen Vergangenheit hatte er unzählige Personen gegen sich aufgebracht.
Kommissar Bronski sieht die Sache als Unfall an und konzentriert sich lieber auf den Diebstahl im benachbarten Juwelierladen. Kurt beginnt selbst zu ermitteln…
Erster Eindruck: Ein witziges Cover mit dem Weihnachtsmann – gefällt mir sehr gut.
Das war amüsant! Nun ja, nicht für den Weihnachtsmann, aber für mich als Leserin!
Corinna Rudloff leitet die Geschäfte des ehrenwerten „Härtling“. Als ich über sie las, hatte ich immer das Fräulein Rottenmeier aus „Heidi“ vor meinem inneren Auge. Streng und unsympathisch. Schon bald zeigte sich, dass bei ihr nicht alles so sauber abläuft wie es gegen aussen aussah. Aber das soll natürlich niemand erfahren. Als sie vom Inhaber des Kaufhauses vernimmt, dass dieses verkauft wurde, wird ihr schier anders, denn ihre persönlichen Pläne – die ausschliesslich zu ihren Gunsten sind – waren auf einen längeren Zeithorizont ausgerichtet. Jetzt kommt ein Wirtschaftsprüfer ins Haus und da ist noch der tote Weihnachtsmann… Die Geschäftsführerin hat es aber auch nicht leicht, oder?
Kurt und Bronski – einstige Berufskollegen und durch eine Frau entzweite Freunde – arbeiten gezwungenermassen wieder zusammen. Der Weihnachtsmarktbesuch endet feuchtfröhlich und mit schweren Brummschädeln am nächsten Morgen. Aber ihrer neu aufgelebten Freundschaft tat es gut.
Für mich war es das erste Buch der beiden Autorinnen, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen, vermittelte Weihnachtsflair, bot spannende Momente und auch Überraschungen – von mir gibt es 4 Sterne.
Das war sehr schön
Wintertraum in Lappland von Ruth Bennett
Thyra ist mit Leib und Seele Rentierzüchterin. Sie gehört zum indigenen Volk der Sámi und könnte sich nicht vorstellen, irgendwo anders als in Tjarojakk, Lappland, zu wohnen. Sie ist mit Ragnar, den sie seit Kindertagen kennt, verlobt. Einer Hochzeit sind die beiden aber bisher ausgewichen – wieso bloss? Zwei Besucher mischen das Dorfleben auf: Krister ist Schauspieler, sehr erfolgreich in den USA, aber in Lappland so gut wie unbekannt.
Er begleitet seinen Grossvater Ove, der aus dem Dorf stammt und es unbedingt noch einmal sehen will. Als Krister im Dorf ankommt, würde er am liebsten gleich wieder abreisen – er ist das Landleben nicht gewohnt…
Erster Eindruck: Das Cover mit den Polarlichtern widerspiegelt eine ganz spezielle Stimmung – gefällt mir.
Gleich beim Prolog habe ich schon etwas gelernt: Die Sámi unterteilen das Jahr nicht in vier, sondern in acht Jahreszeiten unterteilen. Sehr interessant.
Thyra lebt mit ihrem Grossvater Gösta zusammen. Man spürt, wie sehr sich die beiden lieben. Sie ist erfolgreich im Züchten der Rentiere, kann aber leider so gar nicht kochen. Als sie Gösta erzählt, welcher Besuch angekommen ist, ist er gleich in sich gekehrt. Eine spezielle Reaktion, denn so hat auch Ove, Kristers Grossvater, reagiert, als er das Auto, mit dem Thyra die Besucher abgeholt hat, als dasjenige von Gösta erkannt hat. Was ist mit diesen beiden Männern los? In einem sind sie sich einig: Sie wollen nicht darüber sprechen! Krister würde am liebsten gleich wieder abreisen, aber da er seinen Grossvater liebt, will er die zwei geplanten Wochen durchhalten. Als Schnee angesagt wird, ignoriert er die Warnungen der Dorfbewohner und gerät gleich in Lebensgefahr.
Lappland gehört zu Finnland. Daher hat es mich irritiert, dass Ove, gebürtig aus Tjarojakk, sagte, er könne nirgendwo anders leben als in Schweden… Ist das künstlerische Freiheit? Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und die Geschichte lief wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. Die Dorfgemeinschaft hat mich amüsiert, da sie „heimlich“ die aus ihrer Sicht überfällige Hochzeit von Thyra und Ragnar planen wollte. Die Bewohner meinten, sie würden auch gar keinen Druck auf die beiden ausüben, sondern nur vermehrt nachfragen, wenn es denn nun soweit sei. Herrlich! Ich weiss nicht, ob ich in Lappland mit dem vielen Schnee und dem wenigen Tageslicht dauerhaft leben könnte. Aber lesetechnisch bin ich voll zufrieden und vergebe gerne 5 Sterne.











