Kunden em pfehlungen
Rezensionen von peedee:
Sehr motivierend
Läuft. von Hülya Marquardt
Hülya wurde mit Fehlbildungen der Gliedmassen geboren – mehr als die Hälfte ihrer Kindheit musste sie im Krankenhaus verbringen. Mit 18 Jahren wurden ihr beide Beine amputiert. Doch obwohl sie aus körperlicher Sicht einen schweren Start ins Leben gehabt hat und in einem eher lieblosen Elternhaus aufgewachsen ist, ist sie lebensfroh und strahlend.
Sie kämpft für ihre Ziele und will sich nicht auf ihre Behinderung reduzieren lassen. Sie findet Kraft im Glauben – aber nicht in demjenigen, in dem sie aufgewachsen ist – und kann sich mit der Vergangenheit aussöhnen. Ehemann Dennis und Sohn Rangi komplettieren ihr Glück.
Erster Eindruck: Die Kombination von Buchtitel und Untertitel sowie dem Covermodel sind sehr eindrücklich – bringt einen zum Nachdenken.
Ich „kenne“ Hülya aus dem Internet, sprich ich kenne sie somit gar nicht, habe einfach nur diverse Berichte gesehen. Hülya ist mir sehr sympathisch, sie macht einen optimistischen, lebensfrohen Eindruck. Doch selbstverständlich gibt es auch bei ihr Tiefs, diese werden auch nicht einfach wegretouchiert, sondern so stehen gelassen. Social Media, wo sie aktiv ist, ist vielfach eine Scheinwelt, in der vermeintlich alles „perfekt“ ist und jeder halbwegs normal denkende/lebende Mensch Beklemmungen bekommen könnte. Aber halt: Das sich Vergleichen mit anderen ist eben etwas, was man unbedingt lassen sollte (das muss ich mir immer wieder sagen, denn da schneide ich immer schlecht ab)!
Hülya erzählt aus ihrer Kindheit bis zu ihren Grosseltern, vom Leben in der Türkei und in Deutschland, vom Glauben, von ihrer Behinderung (sie hat kein Problem mit dem Ausdruck „Behinderung“) und der Wirkung, die sie auf andere hat. Die Fotos im Bildteil des Buches sind ein schönes Plus für Erfahrungsberichte.
Es ist interessant, mit welchen unterschiedlichen Hilfsmitteln sie sich fortbewegt: auf Prothesen, auf „Stubbies“ (ich kannte diesen Begriff nicht), im Rollstuhl, auf Händen oder auch auf dem Skateboard. Sie wurde gefragt, warum sie ein Skateboard nutze, sie könnte doch auch mit dem Rollstuhl fahren. Doch sie meinte, dass sie einfach gerne Skateboard fahre und die Fussgänger mit „normalen“ Beinen dies ja auch machen. Logisch!
Als sich Hülyas Eltern trennten, war das eine Erleichterung, da sie sich sehr viel stritten. Ich finde es schön, dass Hülya sich später mit beiden Eltern versöhnen und ihnen vergeben konnte. Ihre Beziehung hat dadurch enorm gewonnen.
Für mich ist Hülya eine sehr motivierende Frau. Die Liebe zwischen ihr und ihrem Mann ist sehr gut spürbar und ich wünsche ihr und ihrer Familie nur das Beste. Von mir gibt es 5 Sterne.
Leider nur 2 Sterne für diese deutsche Version
Was wir zu erzählen haben von Joanna Gaines
Joanna Gaines ist vielen bekannt aus der TV-Serie „Fixer Upper“, in der sie mit ihrem Mann Chip heruntergekommenen Häusern zu neuem Leben verhilft. Mit ihrem Unternehmen Magnolia bringt sie ihre Liebe zum Essen, zur Familie und zum Wohnen zum Ausdruck. Das vorliegende Buch enthält ihre persönliche Geschichte und die Anregung, die Story des eigenen Lebens schriftlich festzuhalten, denn „jeder Teil deiner Geschichte zählt.
“
Erster Eindruck: Ich mag grundsätzlich keine Schutzumschläge, und schon gar nicht 2/3-Schutzumschläge. Mir war vom Internet her nicht bewusst, dass der schwarze Teil ein Schutzumschlag ist. Das Foto scheint ein Schnappschuss zu sein, aber es wirkt alles ziemlich düster. Das Kinderfoto auf dem Hardcover selbst ist süss, aber es ist klar, dass ein Erwachsenenfoto von Joanna nötig ist, denn bekannt wurde sie der Öffentlichkeit ja erst als Erwachsene.
Ich „kenne“ Joanna aus dem Fernsehen – selbstverständlich kenne ich sie natürlich überhaupt nicht. Ich war gespannt darauf, was Joanna zu erzählen hat und freute mich, ein wenig in ihr Leben hineinblicken zu können. Joanna berichtet aus ihrer Kindheit, wo sie aufgrund ihres Aussehens gehänselt wurde. Das zeigt, dass Kinder einfach brutal sein können und sich dabei – leider – nicht bewusst sind, was sie damit anrichten. Es hätte mich interessiert, ob ihre Schwestern das auch so erlebten. Des Weiteren erzählt sie von ihren Eltern, ihrem Mann Chip und den Kindern sowie ihrem Unternehmen. Sie ist eine Perfektionistin, die sich dadurch selbst unter Druck setzt. Das ist ihr sehr wohl bewusst. Das Aufschreiben ihrer persönlichen Geschichte hilft ihr, Vergangenes zu hinterfragen und gegebenenfalls neu zu bewerten, um gestärkt in die Zukunft zu gehen. Sie erwähnt, dass ihr Fragen nach dem Sinn ihres Lebens oft den Schlaf rauben. Diese Sinnfrage kenne ich zur Genüge (glücklicherweise raubt sie mir aber nicht den Schlaf).
„Aber ich vertraute darauf, dass das Aufschreiben meiner Geschichte mir Selbstvertrauen, Frieden und ein grösseres Verständnis, für wen und für was ich in Zukunft leben wollte, geben würde.“ Ich hoffe sehr, dass dies für Joanna in Erfüllung gegangen ist.
Mich hat das Buch leider nicht so begeistern können wie erhofft. Das Philosophieren über die 250 Seiten ging mir zu lang, es hatte zu viele Wiederholungen und Schachtelsätze. Üblicherweise fliessen Schreibfehler nicht in meine Rezension ein. Aber in der vorliegenden Version sind die Fehler so zahlreich, dass ich mich frage, ob für das Lektorat keine Zeit mehr war: fehlende oder doppelte Wörter, fehlende Satzzeichen oder Zwischenräume, falsche Gross- und Kleinschreibung, etc. Mein Lesegenuss wurde drastisch reduziert. Ein Hardcover, das in der Schweiz rund CHF 35.00 kostet, darf nicht so viele Fehler haben! Ich kann der vorliegenden deutschen Buchversion leider nur 2 Sterne geben – wirklich schade.
Ein sehr schönes Koch- und Backbuch
Magnolia Table - Teil 3 von Joanna Gaines
Magnolia Table 3 bietet mit über 125 Rezepten, die Frühstück bis Abendessen und Desserts abdecken, eine grosse Auswahl an leicht nachzukochenden Gerichten. Joanna Gaines ist vielen bekannt aus der TV-Serie „Fixer Upper“, in der sie mit ihrem Mann Chip heruntergekommenen Häusern zu neuem Leben verhilft.
Mit ihrem Unternehmen Magnolia bringt sie ihre Liebe zum Essen, zur Familie und zum Wohnen zum Ausdruck. Joanna ergänzt die Rezepte mit persönlichen Geschichten und Anekdoten.
Cover: Ein sehr hochwertiges Hardcover mit Lesebändchen und vielen Fotos. Schade, dass das Cover gar nicht zu den ersten beiden der Reihe passt – ein grüner Streifen wäre ausreichend gewesen, um es den anderen anzugleichen.
Layout allgemein: Sehr schön, luftig in der Gestaltung, sehr schöne Fotos. Ich mag insbesondere die persönlichen Bemerkungen bei sehr vielen Rezepten, mit denen Joanna das jeweilige Gericht kommentiert.
Rezepte: Ich finde sie sehr gut beschrieben, die Zutatenliste ist überschaubar und nicht so exotisch, dass man sie nur in Spezialitätenläden bekäme. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich fand auch die Hinweise, wie lange das Gericht haltbar ist, sehr gut. Die Rezeptauswahl ist breit gefächert und bietet für Gross und Klein Schmackhaftes.
Ausprobiert:
- Bierbrot (S. 23): Es braucht nicht viele Zutaten, und auch ebenso wenige Zubereitungsschritte bis der Teig in der Form gelandet ist. Ich fand den Hinweis betr. Teigkonsistenz sehr hilfreich („Die Mischung wird sehr klebrig“), denn so war ich nicht überrascht.
- Suppe aus gerösteter Paprika mit Gouda (S. 147): Geschmacklich ein Traum! Wenn Ihr das bloss hättet riechen können…
- Griechischer Spinatkuchen (S. 201): Mein erster Versuch mit Filoteig; ich habe nur die halbe Menge gemacht und den Kuchen dann 40 Min. statt 1 Stunde gebacken. Sehr schmackhaft!
- Klassisches Vanille-Soufflé (S. 327): Die Zubereitung war einfach zu befolgen; die Zutatenliste wiederum sehr überschaubar. Ich habe statt 6 Portionen jedoch nur 2 gemacht (das gab dann ganz kleine Butter-, Zucker- und Mehlmengen). Ein Volltreffer!
Ich werde auf jeden Fall weitere Gerichte nachkochen (da aber nun wieder die Arbeitswoche bevorsteht, habe ich nicht so viel Zeit dafür). Von mir gibt es eine absolute Empfehlung – 5 Sterne. Ich freue mich, dass ich die Bände 1 und 2 auch bereits zu Hause im Regal stehen habe, d.h. es geht weiter…
Ziemlich viel Drama
Die Garnett Girls von Georgina Moore
Margo und Richard – eine Liebe für immer? Nein, denn Richard verliess die Familie auf der Isle of Wight, als die jüngste Tochter noch ganz klein war. Margo hat dies nur schwer verkraftet, ist zusammengebrochen – die Töchter hat sie sich selbst überlassen. Ab diesem Zeitpunkt war es verboten, Richard zu erwähnen.
Sie weigerte sich, über ihn zu sprechen. Doch das Schweigen belastet die mittlerweile erwachsenen Töchter immer noch: Rachel möchte mit ihrer Familie zurück nach London; Imogen fühlt sich unter Druck, William heiraten zu müssen; Sasha leidet in ihrer Ehe und hat zudem ein Geheimnis, das die Garnett Girls erschüttern wird…
Erster Eindruck: Ein auffälliges Cover des Schutzumschlages aufgrund der Farbgestaltung (aber ich mag keine Schutzumschläge) – gefällt mir.
Margo und ihre drei Töchter, das sind die Garnett Girls. Als sich Richard von der Familie abgesetzt hatte, hat Margo entschieden, dass sie wieder ihren Mädchennamen annehmen würde und sie sodann die Garnett Girls seien. Die vier Frauen sind sehr unterschiedlich:
Margo, eine charismatische Frau, die gerne Partys gibt und ihr Zuhause auf der Isle of Wight liebt. Aber noch mehr liebt sie es, ihre Töchter um sich zu haben. Sie wünscht sich, dass alle drei ihr Glück finden. Nach Richard gab es bei ihr wohl Männerbekanntschaften, aber keine, die dauerhaft und auch öffentlich in der Familie stattfand.
Rachel ist die älteste Tochter. Gabriel und sie sind auf die Isle of Wight gezogen, obwohl sie aufgrund ihres Jobs viel lieber in London geblieben wäre. Aber ihr Mann und die Kinder lieben es am Meer. Und Gabriel hält ihr den Rücken frei, indem er sich in erster Linie um die Familie kümmert.
Imogen erwartet einen Antrag ihres Freundes William. Sie will heiraten. Will sie das wirklich? Nein, sie ist sich gar nicht sicher, aber es wird wohl von ihr erwartet.
Sasha ist in ihrer Ehe mit Phil nicht mehr glücklich. Gegen aussen versucht sie, alles schönzureden, aber die Menschen, die sie lieben, merken es trotzdem. Nicht nur diese Beziehung belastet sie, sondern auch ein Geheimnis…
Ich habe mich mit der Bewertung schwer getan: 4 oder 3 Sterne? Lange Zeit war ich auf 4-Sterne-Kurs, aber dann – auf den letzten siebzig Seiten, wo es einen Sprung um ein Jahr vorwärts in der Geschichte gab – hatte ich das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Ich fand das Auslassen des für die Geschichte so wichtigen Jahres nicht passend. Insgesamt war es mir zu viel Drama auf allen Ebenen. Aber am meisten fehlte mir das Nachvollziehen der im Klappentext erwähnten feurig-verbotenen Liebe zwischen Margo und Richard. Diese Liebe schimmerte immer nur ganz knapp zwischen den Zeilen hervor, doch die meiste Zeit wurde sie totgeschwiegen. Mir ist bewusst, dass eine Trennung der Eltern auch Auswirkungen auf die Kinder hat, aber dass sie alle traumatisiert waren und nicht darüber sprachen, hat mich doch überrascht. Von mir gibt es 3 Sterne.
Nicht so meins
Chicken Impossible von Anne C. Voorhoeve
Helene und Hilde wohnen im gleichen Haus, wenn auch in verschiedenen Wohnungen. Das Zusammenleben der beiden über 70-jährigen Schwestern gestaltet sich zunehmend schwierig und endet in einer Tragödie, denn eine bringt die andere um! Niemand scheint etwas gesehen zu haben. Wirklich niemand? Nun ja, ausser den vier Hühnern gibt es keine Zeugen…
Erster Eindruck: Das Cover ist wirklich witzig gestaltet – gefällt mir ausgezeichnet!
Die Geschichte wird aus Sicht der Schwestern und aus Sicht der Hühner (Überraschung!) erzählt.
Helene und Hilde – zwei grundverschiedene Schwestern. Helene war nie verheiratet und hat sich die letzten Jahre um ihre demenzkranke Mutter gekümmert, die mittlerweile verstorben ist. Hilde ist verwitwet und daher zu Helene ins Haus gezogen. Helene hat mir gut gefallen, aber Hilde konnte nicht gross Sympathiepunkte sammeln, wobei sie mir auch leidgetan hat, wie sie so verbittert auf ihr Umfeld blickte. Die tierischen Protagonisten waren zwei Amrocks und zwei Sundheimer. Alles klar? Selbstverständlich „musste“ ich diese beiden Hühnerrassen googeln. Die Sundheimer „I bin e g’fährdete Rass!“ haben mir dabei ein bisschen besser als ihre amerikanischen Kolleginnen gefallen, aber das müssen wir den Amrocks ja nicht auf den Schnabel binden.
„Mir müsse zammehalde, des isch die beschde Daggdigg.“
Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Leider hat mir die Geschichte nicht so gut gefallen wie erhofft. Ich habe gedacht, dass „Chicken Impossible“ wirklich eine witzige Krimödie werden würde, aber dann wurde es für mich eher eine „Mission Impossible“. Es war von Anfang an bekannt, dass eine der beiden Schwestern die andere umbringt. Doch es wurde erst sehr spät wirklich bekannt, wer wen umgebracht hat. Dies fand ich sehr gut gelöst. Die Dialektpassagen der Sundheimer oder der berlinernden Helene waren zwar amüsant, aber so zahlreich, dass sie für mich, die weder des Schwäbischen noch des Berlinerischen mächtig ist, zunehmend ermüdend wurden. Zudem war die Geschichte mit 320 Seiten einfach deutlich zu lange. Von mir gibt es leider nur 2 Sterne, schade.
Vive la spontanéité!
Jeden Tag eine gute Tarte von Lucie Beaumont
Henriette „Hetty“ ist strukturiert, fokussiert, lebt nur für die Arbeit. Doch dann verliert sie ihren Job. Sie besucht ihre Schwester Charlotte „Charly“, die sich überraschenderweise in Frankreich aufhält. Sie wohnt bei Gabriel, einem älteren Herrn im Rollstuhl, mit dem sie eine Patisserie eröffnen möchte.
Nun ja, Träume sind ja schon, aber womit bezahlen? Kein Geld, keinen Plan, keine Backerfahrung – ob das gut kommt? Die Schwestern sind grundverschieden, doch Henriette muss sich fragen, ob ihr ein bisschen Spontaneität auch guttäte …
Erster Eindruck: Das Cover vermittelt französisches Flair, ebenso der Buchtitel – gefällt mir gut.
Henriette ist 41 Jahre alt und verliert den Job durch eine Tortenschlacht. Wie bitte? Der Sohn des Chefs, Markus, ist mit „der Kompetenz einer Büroklammer“ ausgestattet, übernimmt dessen Posten. Henriette war fest davon überzeugt, dass sie die Nachfolgerin würde. Doch es kam anders. Sie fährt von Frankfurt nach Lamotte-Beuvron, einem Kaff im Nirgendwo. Wie um Himmels willen hat es ihre Schwester dorthin verschlagen? Es dauert nicht lange, bis die Schwestern sich schon wieder streiten. Denn Henriette hat kein Verständnis für Charlys flatterhafte Art – mal hier, mal dort, übermorgen ganz woanders. Und jetzt will sie eine Patisserie eröffnen? Notabene: Sie hat überhaupt keine Ahnung vom Backen! Julien, ein Verwandter von Gabriel, ist Patissier und wird ihnen einen Schnellkurs geben. Aha. Manche Leute machen jahrelange Ausbildungen, und schaffen es nicht, ein solches Geschäft zu betreiben. Aber Charly will genau dieses Kunststück schaffen? Ohne Geld, ohne Plan, ohne Ahnung von allem? Das Interesse von Charly am Backen ist jedoch gering, ganz im Gegensatz zu Hetty.
Wenn Gabriel in Erinnerungen schwelgte, wurden ellenlange Sätze verwendet. Der längste Satz, den ich mir markiert habe, hatte sagenhafte 106 Worte und über 731 Zeichen! Das fand ich sehr ermüdend. Die Geschichte war durchaus amüsant und – mit Ausnahme der Monstersätze von Gabriel – leicht zu lesen. Aber es war für mich überhaupt nicht glaubwürdig, dass die Schwestern in kürzester Zeit ein Unternehmen aus dem Boden stampfen, ohne wirklich eine Ahnung zu haben. Von mir gibt es 3 Sterne.
Knappe 3 Sterne
Tod dem Clan von Hannes Nygaard
Frauke Dobermann, Band 5: Der neuste Fall von Frauke Dobermann und ihrem Team vom LKA Hannover führt in die Tiefen der Bandenkriminalität in Braunschweig. Zwei Männer wurden erschossen – Mitglieder eines Familienclans, der zig Leiharbeitsfirmen unterhält und Sinti und Roma als billige Arbeitskräfte verheizt.
Haben sich nun die ausgebeuteten Menschen gerächt? Oder ist der Täter in den Reihen der Konkurrenz zu suchen?
Erster Eindruck: Beim Anblick des Covers wird einem schon ein wenig anders, denn mit Interpretationsspielraum, wie der andere das wohl meinen könnte, ist da nicht mehr viel, oder?
Dies war mein zweites Buch des Autors, aber das erste aus dieser Reihe. Und das ist vielleicht auch mein „Problem“ mit dem vorliegenden Buch: Da mir die Chefin, Frauke Dobermann, so gänzlich unsympathisch rüberkam und ich wirklich Mühe mit ihrem Führungsstil und Umgangston hatte, fehlt mir eventuell das Wissen der letzten vier Bände. Vielleicht hätte ich ihr Handeln eher nachvollziehen können. Interessant fand ich nämlich, dass sie, wenn sie von ihrem Partner sprach – der sie übrigens gerne heiraten würde, wenn sie sich endlich scheiden liesse –, auf mich ganz anders wirkte. Diese Frauke hat mir gefallen, doch selbstverständlich ist mir klar, dass sie als Erste Kriminalhauptkommissarin des LKA anders auftreten muss.
Die geschilderte Bandenkriminalität war doch sehr komplex und ich habe zuweilen etwas den Überblick verloren über die Rumänen, Sinti und Roma, Libanesen, Türken, Araber… Mir ist durchaus bewusst, dass dieser Roman Fiktion ist, aber es ist erschreckend, dass es solche Geflechte und Menschenausbeutung bzw. -handel auch im echten Leben gibt. Und das ist wirklich eine Tragödie!
Die Spannung war aus meiner Sicht mässig, doch der Showdown bot noch einmal Überraschendes. Aus diesem Grund vergebe ich 3 Sterne.
Was ist ihr Geheimnis?
The Florist von C.L. Pattison
Amy steckt ihre ganze Leidenschaft in ihren Londoner Blumenladen „Darling Blossoms“. Das Geschäft floriert, aber für den erhofften gesellschaftlichen Aufstieg bräuchte sie noch ein paar einflussreiche Kunden. Von einem ihrer Lieblingskunden, James, wird sie beauftragt, die Überraschungsparty für seine Schwägerin Isabel mit Blumen auszustatten.
Amy sucht im Internet nach Isabel und nimmt Kontakt zu ihr auf. Die beiden verstehen sich auf Anhieb und Amy kann kaum glauben, dass sie nun Teil von Isabels Leben ist. Auf der Party kommt es zu einem Todesfall und Amy wird verdächtigt, etwas damit zu tun haben. Sie muss den Verdacht unbedingt von sich weisen, denn sie hat ein Geheimnis aus der Vergangenheit, das unbedingt geheim bleiben muss…
Erster Eindruck: Das florale Cover gefällt mir sehr gut – das Bild auf schwarzem Hintergrund wirkt sehr dynamisch, insbesondere durch die Schnitte und die Blutspuren.
Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, sondern abwechslungsweise in der Gegenwart und der Vergangenheit. Diese Erzählweise – mit Einflechten von Zeugenaussagen – ist ziemlich fordernd, macht das Ganze aber auch sehr lebendig.
Ist es in der heutigen Zeit „normal“, eine Person im World Wide Web regelrecht zu stalken und sie dann rein „zufällig“ bei einem Ausflug der Wandergruppe kennenzulernen? Ich denke nicht. Isabel ist sehr selbstbewusst, auch wenn ihr Selbstbewusstsein aufgrund der kürzlich vollzogenen Scheidung und des Jobverlusts ein wenig angeknackst wurde. Sie ist es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen. Isabel und Amy werden tatsächlich Freundinnen, denn Isabel sonnt sich gerne im Lichte ihrer Bewunderin Amy. Amy muss Isabel noch irgendwie mitteilen, dass sie ihren Schwager James und Isabels Schwester Eleanor kennt, ohne dass sie etwas über die geplante Überraschungsparty verrät…
„Ich wäre enttäuscht, wenn unsere Freundschaft jetzt ins Wanken geriete, nach all den Anstrengungen, die ich in sie investiert habe. Ich wäre sogar verdammt sauer.“
Amy ist eine sehr spezielle Frau, die nicht wirklich Sympathiepunkte bei mir sammeln konnte. Sie ist einerseits zurückhaltend, aber andererseits, wenn sie dann jemanden kennenlernt, sehr fordernd, fast obsessiv. Letzteres hat bei mir mehrfach ein Schaudern ausgelöst. Ihre Leidenschaft für Blumen war sehr gut spürbar. Das Geheimnis blieb sehr lange ungelöst – sehr gut! Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Die Geschichte liess sich flüssig lesen und ich war auf den Ausgang wirklich sehr gespannt; der Showdown wurde für mich etwas zu schnell abgehandelt – 4 Sterne.
Zweite und dritte Chancen
Luzie in den Wolken von Charlotte Lucas
Gabriel Bach hat eine ausgewachsene Schreibblockade. Es will ihm einfach nichts Neues in den Sinn kommen. Und das ist gravierend, denn der Verlag sitzt dem Autor im Nacken und verlangt das überfällige Manuskript. Ausgebrannt sitzt er an der Elbe, als er einen roten Luftballon mit einem Zettel findet: „Liber Got, mein Papa ist bei dir im Himell – kannst du mir nicht bite einen neuen schikken? Von ganzem Hertzen, deine Luzie in den Wolken.
“ Diese Zeilen berühren ihn zutiefst und bringen ihn auf eine Idee, die nicht nur auf ihn selbst, sondern auch auf Luzie und deren Mutter Miriam Auswirkungen hat…
Erster Eindruck: Auf dem Cover hält sich ein Mädchen an einem Luftballon fest, was jedoch aufgrund der sehr grossen Schrift von Titel und Name der Autorin fast ein wenig untergeht.
Ein kleines „Oh“, gefolgt von einem Seufzer, entwischte mir, als ich den Original-Klappentext las – wirklich berührend. Ich habe noch nie einen Luftballon mit Nachricht gefunden. Aber ich würde die Karte ganz bestimmt zurücksenden. Und ich wäre neugierig auf den Verfasser der Botschaft, hier somit auf die kleine Luzie.
Das Buch wird aus Sicht von Gabriel bzw. aus Sicht von Miriam erzählt. Ein kleines Mädchen sucht einen neuen Papa – dies kann doch keinen empathisch denkenden Menschen kalt lassen, oder? Gabriel nimmt, nach vorgängiger Ignoranz des Fundstücks, sodann den Weg nach Italien auf sich, damit er die Karte des Ballonwettbewerbes weit weg vom Fundort zurücksenden und dem Mädchen hoffentlich zum Sieg verhelfen kann. Zu einem neuen Papa kann er ihr ja leider nicht verhelfen. Wenn das doch auch so einfach ginge… Zudem hat er eigene Probleme, bei denen ihm auch niemand hilft.
Gabriel gibt sich als „Ben“ aus, der Buchhalter sei, dessen Büro gebrannt habe und er deshalb den Büroraum in Miriams Geschäft „Krümelkiste“ mietet. Allen Leser:innen war schnell bewusst, dass dieses Lügenkonstrukt im ungünstigsten Moment zusammenbrechen würde. Und ebenso klar war, dass Gabriel Gefühle im Weg stehen werden, mit denen er nicht gerechnet hat.
Da die Geschichte – wie einleitend erwähnt – abwechselnd aus Gabriels und Miriams Sicht erzählt wird, gab es Wiederholungen, da sie die gleiche Situation (natürlich) anders bewerten. Diese Wiederholungen haben das Buch für mich unnötig verlängert. Die Auflösung wurde hingegen in ein paar wenigen Seiten abgehandelt, was mir in Bezug auf die Gesamtlänge der Geschichte zu knapp war. Mir hat die Freundschaft von Miriam und Rebecca sehr gefallen. Und Luzie war selbstverständlich zuckersüss. Von mir gibt es 3 Sterne.
Sehr berührend
Feuer der Barmherzigkeit von Serkan; Ronja Treibholz
Serkan wächst als Muslim in Deutschland auf. Er ist von klein auf daran gewöhnt, Leistung erbringen zu müssen, und hat oft das Gefühl, vor Allah und seiner Familie nicht zu genügen. Der Glaube bestand für ihn lange aus Pflichtübungen – wie den auswendig gelernten arabischen Gebeten – sein Herz wurde dadurch nicht erfüllt.
Als er Katja kennenlernt, die eine begeisterte Christin ist, lernt er sodann auch Jesus kennen – und lieben. Doch darf das sein? Darf ein Muslim Christ werden? Die Geschichte wurde mit Unterstützung von Ronja Treibholz geschrieben.
Erster Eindruck: Ein im wahrsten Sinne feuriges Cover – gefällt mir gut.
Ich lese sehr gerne Lebensgeschichten, und auch darüber, wie Menschen ihren Glauben erleben. Die Geschichte von Serkan wird nicht chronologisch erzählt, was jedoch aus meiner Sicht auch nicht nötig ist. Es braucht Mut, sich zu einem anderen Glauben zu bekennen. Und es braucht noch mehr Mut, dies öffentlich zu tun. Es ist jedoch wichtig, solche Geschichten zu bekannt zu machen, denn sie wird etliche Menschen ansprechen, die sich in einer ähnlichen (Glaubens-)Krise befinden und dadurch neue Hoffnung schöpfen.
Diese zwei Zitate haben mich besonders angesprochen:
- „Nie wieder will ich zurück zu jenem Leben, das getrieben war von Leistungsdruck im Glauben, im Beruf und in der Gesellschaft.“
- „Für Gott bin ich absolut wertvoll! Und mich umgibt die Gewissheit, dass er mich liebt, was auch immer ich tue oder was auch passiert.“
Das Buch mit seinen 224 Seiten zeigt nur einen ganz kleinen Ausschnitt aus seinem Leben. Doch diese Essenz mit all den Hochs und Tiefs ist sehr gut getroffen. Es war für mich sehr berührend, zu lesen, wie er mit sich, den Erwartungen anderer (und auch von sich selbst) kämpfte, wie die Beziehung zu Katja mehrfach fast am Ende war. Doch als er sich zum Christentum bekannte, wurde er innerlich frei, trotz all der persönlichen Einschränkungen von Seiten seiner Familie, die diesen Schritt nicht gutheissen konnte. Das fand ich sehr traurig. Umso mehr freut es mich, dass die Familie von Katja ihn moralisch unterstützt, obwohl auch sie zu Beginn auf die unterschiedlichen Lebensgrundlagen des Paares hingewiesen haben. Ich bedanke mich für Serkans Offenheit und wünsche ihm nur das Beste; von mir gibt es 5 Sterne.











