Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ryria:
Erfahrungen einer Frau im Internet
Warum kümmert es dich? von JenNyan
JenNyan ist eine der bekanntesten Streamerinnen Deutschlands und hat dementsprechend schon so Einiges im Internet erlebt. In diesem Buch lädt sie uns in ihr Leben ein, sie erzählt von den Herausforderungen ihrer Kindheit, ihrer Karriere und persönlichen Themen wie Beziehungen.
Schon zu Beginn bei den Kindheitserinnerungen merkt man, dass dies doch ein unerwartet persönliches Buch ist.
Immer wieder öffnet sie sich sehr und scheut auch nicht davor zurück, über traurige und harte Zeiten zu erzählen.
Dies ist nicht immer leicht zu lesen, dafür wirkt es sehr authentisch und besonders, wenn man in ähnlichen Situationen ist/war, kann man umso mehr aus ihren Erzählungen mitnehmen.
Die Autorin und ich sind im gleichen Alter und haben sehr ähnliche Interessen, daher ist es nicht verwunderlich, dass ich immer wieder Momente des Wiedererkennens und gleiche Erfahrungen hatte. Angefangen bei den eher lustigen Schilderungen über die Anfänge unseres Internets und SchülerVZ bis hin zu Erlebnissen als Frau beim Zocken und generell in der Gaming-Welt.
Die Realität vieler Frauen dort wird kritisch und in klugen Beobachtungen dargestellt. Dies fand ich auch wichtig, denn so schafft es einerseits Aufmerksamkeit für vorhandene Probleme, andererseits gibt JenNyan auch nützliche Tipps, wie man selbst in schwierigen Situtionen agieren kann.
Ebenfalls interessant fand ich, dass sie offen über ihre OF-Zeit, aber auch über sehr persönliche Themen wie Depressionen und Therapie spricht. Manche ihrer Gedanken und Ratschläge sind hierbei nicht "neu", aber trotzdem durchaus wertvoll und haben mich auch teilweise zum Nachdenken gebracht.
Ich kannte sie vorher tatsächlich nur flüchtig, finde ihre Einstellung und ihr Engagement aber lobenswert und dieses Buch trägt ebenfalls dazu bei, ohne dabei langweilig oder belehrend zu wirken.
Ein Leben im Stress
Gib mir alles von Alexandra-Maria Pipos
Dieses Buch ist vermutlich das genaue Gegenteil von den momentan so beliebten Cozy Romanen: Statt gemütlicher Szenen wird man direkt vom Arbeitsstress begrüßt, der neue Großkunde soll zufriedengestellt werden, die Präsentation ist noch nicht fertig, die Meetings rufen. Mitten drin ist Ioana, fest entschlossen, die Karriereleiter um jeden Preis weiter zu erklimmen.
Da kommt der Tod ihres Großvaters ihr natürlich ziemlich in die Quere, vor allem, weil die Beerdigung in ihrem Geburtsland Rumänien stattfindet.
Die Autorin hat es viel zu gut geschafft, diese extrem ungesunde Arbeitsatmosphäre einzufangen, immer wieder war sogar ich beim Lesen mit gestresst, obwohl ich ja eigentlich bequem auf dem Sofa sitze. Gleichzeitig diente es auch als gute Erinnerung daran, dass Arbeit nicht alles im Leben ist.
Der andere große Themenkomplex umfasst das Leben als Mensch mit Migrationshintergrund und die rumänischen Wurzeln. Hier scheint die Autorin auch ihre eigenen Erfahrungen verwendet zu haben, es wirkte alles sehr authentisch.
Ioana berichtet von der Last, als Kind für die Eltern übersetzen zu müssen, von der auf einmal fremd erscheinenden Heimat, von den kulturellen und finanziellen Unterschieden und vielem mehr.
Das Ganze geschieht in Vergangenheitsabschnitten, die sich aber sehr natürlich in den Text einfügen, oft z.B. als Erinnerungen an die Kindheit.
Auch das Leben in Rumänien wird auf interessante Weise dargestellt, man erfährt viel über den (Aber-)Glauben, die Kultur und die Entwicklung der Lebensumstände.
Immer wieder wird auch eine ungewöhnliche Erzählperspektive verwendet: Wir erleben die Handlung oder Rückblenden durch die Augen von den Heiligen auf Ikonen. Dies ermöglicht spannende Einblicke in die Familiengeschichte und all das, was sonst halt hinter verschlossenen Türen geschieht.
Ich mochte den Einblick in Ioanas Leben und Rumänien sehr, allerdings war es nicht immer ganz einfach zu lesen, bedingt durch die unangenehmen und stressigen Themen, aber auch durch die teilweise offene und vage Erzählweise. Trotzdem war es auf jeden Fall eine sehr interessante und lesenswerte Geschichte.
Wo die Liebe hinfällt
One & Only von Maurene Goo
Während einer Fahrradtour stürzt Cassia und fällt dem aufmerksamen Ellis vor die Füße. Was wie der Beginn einer wunderbaren und lustigen Liebesgeschichte klingt hat nur leider einen Haken: Ellis ist nicht ihr vom Schicksal "Auserwählter", sondern sein Boss Daniel. Dies kann ihre Familie nämlich mithilfe der magischen Familiengabe feststellen, und dazu kommt noch der Altersunterschied von 12 Jahren zu Ellis.
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Die Idee der Partnervermittlung mittels dieser magischen Methoden fand ich super und originell. Das Konzept war leicht verständlich und trotzdem faszinierend, daher fand ich es schade, dass man nicht noch mehr davon gesehen hat. So hätte ich mir noch mehr "Nebengeschichten" von Paaren gewünscht, die über die Agentur vermittelt wurden. Einige wurden mal kurz erwähnt, allerdings ist mir nur eine wirklich im Kopf geblieben.
Das Ganze als Familienunternehmen aufzuziehen war auch eine gelunge Idee, so hat man gut Cassias Familie kennenlernen, und dadurch gleichzeitig auch ihren Charakter besser einordnen und verstehen können. Zwischenzeitlich habe ich bei den ganzen Namen kurz nicht durchgeblickt, aber insgesamt hat das gut geklappt. Hierbei mochte ich auch den koreanischen Hintergrund sehr, so gab es immer wieder mal Erwähnungen der Kultur, Traditionen und Speisen.
Nun zu den Charakteren: Cassia war mir überwiegend sympathisch, hatte zwischendurch aber auch mal kurze Momente, in denen ich sie ein wenig anstrengend fand. Manche davon konnte man aber rückblickend besser verstehen bzw. ihr Verhalten besser einordnen.
Ellis habe ich quasi sofort in mein Herz geschlossen, hier hat die Autorin wirklich einen tollen Charakter erschaffen, der aber auch nicht perfekt ist und mit seinen eigenen Gefühlen zu kämpfen hat.
Bei Daniel hat mir irgendwie das gewisse Etwas gefehlt, seiner Beziehung zu Cassia konnte ich nicht wirklich etwas abgewinnen, das fand ich ein wenig schade.
Dafür gab es noch einige tolle Nebencharaktere, die die Handlung abgerundet haben.
Insgesamt war die Geschichte ein wenig vorhersehbar, was meinen Spaß aber nicht groß gemindert hat. Besonders hervorheben möchte ich den witzigen Schreibstil, die liebenswerten Charaktere und natürlich die schöne Botschaft zu der Frage, ob wir unser Leben vom Schicksal bestimmen lassen sollten.
Die Geschichten unserer Mitmenschen
Theo in Golden von Allen Levi
Die ganze Geschichte überzeugt durch ihre Ruhe und so ist es nicht verwunderlich, dass schon das Setting und die Grundidee recht unaufgeregt sind: Theo ist 86, wohlhabend, und zieht eines Tages in die kleine Stadt Golden im Süden der USA. Dort entdeckt er in einem Café knapp 100 Bleistiftporträts verschiedenster Einwohner und in ihm reift der Plan, jedes Bild der darauf dargestellten Person zu schenken.
Dabei entwickeln sich überraschend offenherzige Gespräche und wir lernen viele der Charaktere besser kennen.
Den Anfang habe ich verschlungen, man kommt gemeinsam mit Theo in Golden an, kennt noch niemanden, erkundet die Stadt und lernt nach und nach die ersten Einwohner kennen. Über all dem schwebt außerdem das Geheimnis um Theo selbst: Wer ist er und was treibt ihn nach Golden?
Nach einer Weile wurde es ein wenig repetitiv, das Grundkonzept der Handlung verändert sich nicht wirklich, es wirkt etwas episodenartig.
Statt großer Spannung gibt es hier eher gemütliche kurze Geschichten, die sich auch Stück für Stück lesen lassen.
In dieser Form fand ich es doch angenehm und entspannend und habe dem Roman gerne mehr Zeit gegeben.
Insgesamt war die Erzählung doch ein wenig unrealistisch und eher schwarz/weiß gehalten, fast wie ein Märchen, aber mit diesem Gedanken im Hinterkopf ließ es sich gut lesen. Manchmal muss nicht alles authentisch sein, manchmal ist es auch schön zu lesen, wie ein alter Mann etwas in seinen Mitmenschen bewegt.
Dabei ist der Roman zweifellos von amerikanischen Idealen und Gesellschaftsbildern geprägt, was vermutlich auch den Hype dort erklärt, aber viele der Emotionen sind doch universell.
Gefühle in Worte fassen
Der Briefladen, in dem ich dich fand von Baek Seungyeon
Die Autorin nimmt uns wieder mit nach Seoul, hinein in einen Briefladen und in die (Gefühls-)Welt der Mitarbeiter. Im Fokus steht hierbei Hyoyeong, die seit einigen Monaten von Yeonggwang getrennt ist und ihm nun nach langer Zeit wieder begegnet. Gleichzeitig läuft ihr aber auch ihr alter Freund Donggyu über den Weg, doch für wen schlägt ihr Herz?
Ich kannte den ersten Band noch nicht, wurde aber gut vom Buch in Empfang genommen.
Gleich zu Beginn gibt es eine Personenübersicht mit kurzer Zusammenfassung und Hinweis zur Aussprache der koreanischen Namen. Die ersten Seiten waren ein wenig herausfordernd durch die ungewohnten Namen und Handlungsorte, jedoch habe ich danach auch ohne Vorwissen erstaunlich gut in die Geschichte hineingefunden.
Durch die Übersetzung und den Charakter des Buches ist der Schreibstil vielleicht ein wenig ungewöhnlich und Geschmackssache, ich fand es aber doch sehr angenehm zu lesen insgesamt.
Besonders schön waren die vielen kleinen Zitate und Textstellen, die ich auch öfters doppelt gelesen habe, da es berührende oder kluge Worte waren. Falls jemand Sachen in Bücher markiert, hier gibt es wirklich ganz viel dafür.
Aber auch die normalen Gespräche zwischen den Charakteren und die verschiedenen Briefe haben mir sehr gefallen, da ist viel Liebe in die Worte geflossen. Dies liegt teilweise auch daran, dass tatsächlich echte Briefe ihren Einzug ins Buch gefunden haben, was ich als tolles Detail empfunden habe, die Gefühle waren so extra authentisch.
Auch die erfundenen Elemente der Geschichte konnten mich überzeugen, so habe ich den Briefladen als einen interessanten Wohlfühlort aufgenommen. Hierbei mochte ich die Idee des Penpal Services sehr, davon hätte ich auch gerne noch viel mehr gelesen. Generell kam mir die Handlung im Briefladen manchmal ein wenig zu kurz, was aber vielleicht auch meiner Neugier geschuldet war, da ich den ersten Band noch nicht kannte.
Das Liebesdreieck hätte es für mich jetzt nicht unbedingt gebraucht, allerdings hat es dann doch zu einigen witzigen (und auch emotionalen) Szenen geführt. Generell habe ich die Entwicklung der Gefühle gerne verfolgt, nicht nur bei den Hauptcharakteren, sondern auch bei den ganzen Nebenfiguren. Viele sind mir regelrecht ans Herz gewachsen und immer wieder habe ich auch richtig mitfühlen können.
Insgesamt ein sehr warmherziger Roman, der mit berührenden Textstellen und einem tollen cozy Setting punkten kann.
Eine Geschichte, die Zeit braucht
Das Buch der gefallenen Blätter von A. S. Tamaki
Um es direkt vorweg zu sagen: Dies ist kein Buch, das man mal eben nebenbei lesen kann. Besonders am Anfang wird man als Leser direkt mit einer Masse an Charakteren, Orten, politischen Verwicklungen und Geschichte konfrontiert.
Dementsprechend ist mir der Einstieg auch nicht so leicht gefallen und ich habe eine Weile gebraucht, um alles einzuordnen.
An dieser Stelle auch der Hinweis, dass sich am Ende des Buches ein Personenregister versteckt.
Zusammen mit der Weltkarte am Anfang ist dies dann doch sehr hilfreich und quasi auch erforderlich.
Die dadurch erschaffene Welt hat mir dann aber doch sehr gut gefallen: Eine Fantasywelt, die durch ihre Namen und Kultur oft an das damalige Japan erinnert. Der Fantasyaspekt steht dabei jedoch nicht wirklich im Fokus, vielmehr hat mich das Ganze zwischendurch immer wieder mal an eine Art Game of Thrones erinnert.
Es gibt sehr viel Politik, zahlreiche Clans, Häuser und Familienfehden, ebenso viele Charaktere und blutige Kämpfe.
Besonders mochte ich die Atmosphäre, der Text wird durch schöne Beschreibungen und eine Menge Details angereichert.
Erzählt wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven, auch ähnlich wie bei GoT, wobei jede Perspektive ihre Eigenheiten aufweist.
Was mir im direkten Vergleich jedoch gefehlt hat ist das Spannungselement: Es geht generell nur recht langsam voran, es wird viel Zeit für den Weltenaufbau aufgewendet. Anstatt das Buch zu verschlingen, habe ich daher nur immer wieder mal ein paar Kapitel gelesen.
Insgesamt von daher kein klassisches Spannungsbuch, sondern ein ausführliches Werk, auf das man sich konzentriert einlassen muss.
Magie, Taktik und spannende Ideen
Queen of Faces - Die Königin der tausend Gesichter von Petra Lord
Queen of Faces zeichnet eine interessante Welt: Ein Großteil der Welt ist bereits vom Meer überflutet worden, die verbliebenen Länder sind von Kriegen und Rebellionen geprägt. Menschen haben die Fähigkeit, ihre "Seelen" in neue Körper zu transferieren - und dazu gibt es natürlich auch noch Magie.
Eine wilde Mischung, die aber recht faszinierend ist, sobald man einmal in der Geschichte angekommen ist.
Im Fokus steht Ana, die nur einen billigen, kränklichen Jungenkörper ihr Eigen nennt. Um dem drohenden Tod zu entgehen lässt sie sich auf eine Arbeit als Söldnerin ein, während sie gleichzeitig auch noch eine magische Eliteschule besucht. So zusammengefasst klingt es nach recht viel, daher ist es nicht verwunderlich, dass einige Aspekte durchaus zu kurz geraten dabei.
Während das Buch als Dark-Academia-Sensation beworben wurde, ist dieser Teil der Handlung wohl mit am kürzesten ausgefallen. Ja, es gibt die Schule, und zwischendurch ist man auch mal kurz dort, aber insgesamt spielt das Leben dort keine große Rolle.
Viel öfters ist man bei den Söldnermissionen dabei und ich muss sagen, dass mir diese doch gut gefallen haben. Sie waren oft sehr spannend und ich habe mich jedes Mal darauf gefreut zu verfolgen, mit welcher Strategie diesmal die Probleme gelöst wurden.
Dieser taktische Aspekt neben der Magie ist eine schöne Kombination, aber auch das Magiesystem mochte ich. Es ist nicht zu kompliziert und wird Stück für Stück eingeführt, und auch Ana muss erst noch viel lernen, was sie mir sympathisch gemacht hat. Generell gab es einige coole Charaktere, auch wenn diese manchmal ein wenig verwirrend waren.
Die Autorin ist eine Transfrau und so fühlte sich vieles wie ihre eigenen Gedanken an, wie Anas Wunsch ihrem Jungenkörper zu entkommen. Im Laufe der Handlung kommen nur sehr viele Charaktere hinzu, die irgendwie in einem anderen Körper sind - während dies zwar die Botschaft unterstreicht, dass es nur auf die Seele ankommt, war es für das Kopfkino beim Lesen doch manchmal ein wenig erschwerlich. Prinzipiell also sehr cooles Konzept, in dieser Masse fand ich es aber leicht zu viel.
Trotz vieler düsterer Themen wirkte das Buch auch irgendwie öfters noch recht jung, die Hauptcharaktere sind 17.
Insgesamt hat mir vor allem das Worldbuilding und die Mischung aus Taktik und Magie gut gefallen, daher bin ich auf die Fortsetzung gespannt.
Schöner Abschluss mit Überraschungen
Curseborn von Celine Leonora
Curseborn ist der zweite Band einer Dilogie und ich würde auch empfehlen, den ersten Teil zuerst zu lesen. Zwar gibt es zu Beginn des Buches einen QR-Code, der zu einer Videozusammenfassung führt, jedoch ist dies eher super nützlich, um sich nochmal die groben Eckpunkte ins Gedächtnis zu rufen. Um Edens Gefühle besser verstehen zu können sollte man daher bestenfalls ihre bisherige Reise verfolgt haben.
Abseits davon ist die Gestaltung des Buches wieder wunderschön, es gibt eine passende Playlist und der Farbschnitt fügt sich perfekt an den ersten Band an.
Auch inhaltlich knüpft die Handlung nahtlos an, die Geschichte startet dort, wo sie zuvor aufgehört hat.
Zwar gibt es einen kleinen Zeitsprung, jedoch finden wir nach und nach alles zusammen mit Eden raus und werden nicht verwirrt am Anfang zurückgelassen.
Passend dazu gibt es ein Wiedersehen mit den wohlbekannten Charakteren, aber auch neue Nebenfiguren werden eingeführt, jedoch in einer überschaubaren Menge. Insgesamt nehmen sie auch nicht viel Raum in der Geschichte ein, dafür wird der Beziehung zu Ace umso mehr Zeit gewidmet.
Dieser Teil hat mir gut gefallen, die Liebesgeschichte steht nicht im Vordergrund und ist auch sehr Slow Burn, wirkt dafür aber umso authentischer und man kann besser mitfühlen.
Ansonsten werden auch wieder neue magische Feiertage/Feste eingeführt, den Teil mochte ich im ersten Band auch schon. Ich hätte generell auch noch gerne mehr von der Welt kennengelernt, aber das ist vermutlich schwierig in nur zwei Bänden umzusetzen.
Tempomäßig fand ich es im Mittelteil kurzzeitig ein wenig zu langsam, dafür hat sich am Ende alles quasi überschlagen und ein Plottwist jagte den nächsten. Auch schön, dass offene Fragen und lose Fäden nach und nach alle geklärt werden, sodass man am Ende zufrieden das Buch schließen kann.
Ein runder, spannender Abschluss!
Recht einseitig
Das Projekt von Annie Lord
Irgendwie bin ich so gar nicht mit diesem Buch warm geworden, weder mit den Charakteren noch mit dem Schreibstil.
Dabei fand ich die Idee eigentlich sehr interessant und auch der Anfang des Buches hat mir sehr gefallen: Daisy und Maya sind beide Mitte 20, haben kein Glück mit den Männern und probieren Kumpel James "umzuerziehen", damit er besser für eine ernsthafte Partnerschaft "geeignet" wird.
Zu Beginn fühlten sich die Gespräche zwischen den Freundinnen und Daisys Gedanken doch recht authentisch an, manche Szenen haben mich an Erzählungen aus meinem eigenen Freundeskreis erinnert und ich war gespannt, wie sich das Projekt und die Beziehung zu James weiterentwickelt.
Das Problem war nur, je weiter ich las, desto zäher wurde alles. Irgendwie ist kaum noch etwas passiert, es gab kleinere Ausflüge und Partys, die sich dann gefühlt ewig gezogen haben.
Der Schreibstil hat dabei nicht geholfen, viele Textpassagen wirkten unnötig und mit vielen Beschreibungen konnte ich so gar nichts anfangen. Vielleicht hilft es anderen Leser*innen, sich in die Szene hineinzuversetzen, ich war hingegen eher davon verwirrt, auf einer Party plötzlich mit 10 neuen Namen konfrontiert zu werden und zig Gesprächsfetzen aufzuschnappen. Dazu wurden ständig Alkohol und Drogen konsumiert, was die Erzählung durch Daisy nur noch wirrer gemacht hat.
Generell habe ich in diese Feierkultur der Geschichte nicht wirklich hineingefunden, das war so gar nicht meine Welt, aber das kann ja gut auch Geschmackssache sein. Auch hatte ich öfters das Gefühl, dass man viele Anspielungen eventuell besser versteht, wenn man selbst aus London oder der Gegend kommt.
Irgendwann wandelte sich dann auch meine Freude über die feministischen Themen zu einer Art Genervtheit um. Vieles hat sich ständig wiederholt und es fühlte sich recht einseitig an. Aus Daisys Perspektive hat es vielleicht Sinn gemacht, dass sie die Männer als das große Problem sieht, aber ich fand es halt nicht spaßig zu lesen, wenn laufend nur darüber gemeckert wird.
Dadurch ist sie mir nicht richtig sympathisch geworden, auch die sich entwickelnde Beziehung zu James habe ich nicht wirklich gefühlt.
Insgesamt eine interessante Idee mit teils guten Textpassagen, die Umsetzung insgesamt hat jedoch leider nicht so meinen Humor und Geschmack getroffen, daher nur aufgerundete 2,5 Sterne.
Schatten der Vergangenheit
Home Before Dark von Eva Björg Ægisdóttir
Zehn Jahre ist es her, dass Marsibils Schwester verschwand, nie hat sie herausgefunden, was passiert ist. Ein unerwarteter Brief ihres damaligen Brieffreundes treibt sie an, sich nun als Erwachsene erneut auf die Suche nach der Wahrheit zu machen, doch es scheint, als ob jeder irgendwas verbergen würde.
Ich mochte das Setting total, ein Dorf in Island, mit dieser ganz eigenen Mischung aus düsterer Atmosphäre und nordischen Vibes. Dazu spielt die Geschichte in den Jahren 1966/7 und 1977, was zugleich eine spannende Zeitreise ist, aber auch gut zur Stimmung beiträgt: Es werden alte Krimis im Fernsehen geguckt, es gibt noch keine Handys oder Internet, die Kriminaltechnik ist wesentlich schlechter als heute - kurzum, die perfekten Voraussetzungen um einen Menschen verschwinden zu lassen.
Ich fand den Anfang ein klein wenig zäh, es hat ein wenig gedauert, bis ich ins Buch gefunden habe, was teilweise auch daran lag, dass mich Marsi als Charakter aufgeregt hat. Ihre Handlungen waren für mich nicht immer nachvollziehbar, jedoch habe ich dann mehr und mehr gemerkt, dass sie eine unzuverlässige Erzählerin ist und all dies Teil ihres Charakters ist, was später auch Sinn ergeben hat.
Nach dieser anfänglichen Hürde war das Buch aber echt spannend und hat trotz des eher ruhigen Tempos doch Fahrt aufgenommen.
Besonders gut gefallen haben mir die zwei Perspektiven/Zeitebenen, so konnte man auch die verschwundene Schwester selbst noch kennenlernen und unterschiedliche Spuren erkunden.
Ich hatte im Laufe der Geschichte unzählige Theorien, die Autorin schafft es irgendwie, dass jede Person verdächtig ist und man ein Motiv finden könnte.
Dies bleibt auch bis zum Ende so, es gibt so einige Überraschungen und doch kann man auch super miträtseln und Hinweise entschlüsseln.
Insgesamt ein spannender Thriller in düsterer Kulisse, der alte (Familien-)Geheimnisse und zwischenmenschliche Beziehungen erkundet.











